Angela Merkel besucht Donald Trump im Weißen Haus

Analyse des Zusammentreffens am 17. März 2017 in Washington: Körpersprache und ....
Analyse des Zusammentreffens am 17. März 2017 in Washington: Körpersprache und ....

Angela Merkel besucht Donald Trump im Weißen Haus

 

 

Ein recht unbeholfener Tanz

 

Ja, es braucht zwei Tänzer für einen gelungenen Tango. Es war schon ein eigenartiges erstes Zusammentreffen von Angela Merkel und Donald Trump am 17. März 2017 im Weißen Haus. Skurril, verkrampft oder zumindest ungeschickt sind passende Adjektive. Zeitweise scheinen beide nicht zu wissen was sie miteinander anfangen sollen. Merkel betonte im Vorfeld zwar, sie wolle nach vorne schauen, doch während sie sich ihm häufig zuwendet, wendet er sich ebenso oft von ihr ab, so als wolle er eigentlich woanders sein. Überhaupt wirkt er in vielen Momenten angestrengt. Dabei verstecken beide recht wenig und verzichten auch auf die bei solchen Gelegenheiten oft demonstrativ zur Schau gestellter Nähe, so dass es bei beiden kaum eine körpersprachliche Maskerade aufzudecken gibt.

 

 

So mancher blaue Fleck dürfte im Hintergrund schmerzen

 

Es sei immer besser, miteinander zu reden als übereinander, erinnerte Angela Merkel ihren Gastgeber gleich zu Beginn der Pressekonferenz. Das Lächeln in Trumps Gesicht wirkt in diesem Moment nicht sehr echt. Er hat es momentan ja auch nicht leicht, überall stößt er auf Widerstand. Nicht nur bei seinen Gegnern, sogar bei den Republikanern mehren sich die Kopfschüttler.

 

 

Symbolik

 

Die Hand des japanischen Ministerpräsidenten wollte Trump ja nicht mehr hergeben und der verstörende Moment ist mittlerweile legendär. Beim erfolgten Handschlag ist er bei Merkel zurückhaltender, wobei er – erkennbar am Griff mit Daumendominanz – den höheren Status beansprucht.

Unklar bleibt, ob Trump Merkel bei einem Fototermin absichtlich brüskieren wollte, als er ihr mit mürrischem Gesichtsausdruck bei dieser Gelegenheit einen zweiten Handschlag verweigerte.

 

 

Perspektiven

 

Im East Room werden die Differenzen besonders deutlich; Merkel spricht von beiderseitigen Vorteilen und Trump davon, dass die USA zu oft über den Tisch gezogen werden.

 

 

Sympathien und Irritationen

 

Wenn alles so einfach wäre, bräuchte es ja keine Politiker.

Angela Merkel

 

Hinweise für gegenseitige Sympathien sind nicht zu erkennen. Dass er sie vor einer Weile als wahnsinnig bezeichnet hat, steckte sie zumindest äußerlich gut weg.

Etwas ratlos rutscht Angela Merkel auf die Frage nach dem Stil Trumps ein „Tja“ heraus. Und ein solches Tja ist von ihr auch bei der Frage nach dem Umgang Trumps mit Journalisten zu hören. In solchen Momenten neigt Sie zu nichts sagend klingenden Aussagen. Und das ist diplomatisch gesehen wohl auch die beste der erlaubt deutlichen Antworten.

Als Trump auf eine Journalistenfrage zu seinen unbewiesenen Abhörvorwürfen gegenüber Obama ungeschickt humorvoll darauf verweist „da haben wir zumindest etwas gemeinsam“, zeigt Merkel einen irritierten Gesichtsausdruck. In manchen Momenten wirkt sie wie jemand der nicht glauben will, was da gerade vor sich geht. Das ist nur allzu menschlich, zumal sie sich im Umgang mit Trump seit seiner Wahl sehr diplomatisch gezeigt hat. Er hat sich hingegen den Ruf erworben zu twittern und nebenbei per Anordnung zu regieren. Das sorgt zumindest dafür, dass niemand so recht weiß, was tatsächlich von ihm zu erwarten ist.

Viele erfreuliche Einblicke scheint die Bundeskanzlerin auch nicht gewonnen zu haben. Am Pult stehend wirkte sie mitunter abwesend. Einen Penny für Ihre Gedanken in diesem Moment. Doch sie behält Ihre Gedanken lieber für sich, während er seine Berater in ständiger Alarmbereitschaft hält, weil er sie impulsiv in 140 Zeichen auf Twitter ad hoc unter die Menschen schleudert.

Die Kanzlerin sprach von einem sehr guten, offenen ersten Austausch. Ich verstehe das als eine diplomatische Floskel dafür, dass es auch Differenzen gegeben hat. Wie der Begin einer innigen Freundschaft wirkt all das jedenfalls nicht, doch wer hätte das auch erwartet? Für Erwartungen, „Mutti“ Merkel könnte als Vertreterin der Freien und vernünftigen Welt Trump zur Vernunft bringen, sind weder logische Hinweise noch körpersprachliche Signale zu erkennen. Solche Rollenzuschreibungen entspringen einer verzerrten Betrachtung, die wenig hilfreich ist. Wir vergessen sonst, dass so mancher von uns ausgeblendete Zuspruch Trumps auf den Bedürfnissen vieler Menschen beruht. Er ist schließlich von einigen Menschen gewählt worden. Und die Sorgen und Bedürfnisse werden nicht dadurch kleiner, dass sie ignoriert werden. Wer egogetriebenen Populisten das Wasser abgraben will, hört zu. Hüben wie drüben!