Floskeln: Ihre Meinung ist uns wichtig und anderer Unfug

Abgedroschene Floskeln sind schlecht für die Glaubwürdigkeit
Authentisches Selbstmarketing ohne Floskeln

Bei telefonischen Servicenummern ist heutzutage erst nach einer Ewigkeit ein (vermutlich) echter Mensch zu sprechen. Vorher gibt es Werbung und allerlei Floskeln zu ertragen. Ist dagegen noch jemand nicht allergisch?

Was steckt dahinter, wenn heutzutage die meisten Menschen solche Bandansagen, wie „Ihre Meinung ist uns wichtig!“, … im besten Fall als unbedeutende Floskeln empfinden? Oft werden sie eher als Beleidigung empfunden. Zu offensichtlich ist, dass die Glaubwürdigkeit fehlt. Daran ändert auch die besänftigende Musik im Hintergrund nichts.

Was ist da bei wem schiefgegangen? Glauben wir als Konsumenten grundsätzlich nicht mehr an die Aussagen von Unternehmen oder als Wähler nichts mehr der Politik?

Und noch viel interessanter: Sind unsere eigenen Aussagen glaubhafter?
Wie steht es beispielsweise mit Floskeln und Buzzwords im eigenen Sprachrepertoire?

 

 

Nichts für ungut

 

Augen auf beim Floskel-Kauf: Ist Ihnen bewusst, wie viele Floskeln Sie im Alltag verwenden? Floskeln sagen zwar nicht viel aus, doch trotzdem sind sie Teil der alltäglichen Sprache wie eine Sättigungsbeilage ohne Nährwert.

Wer nicht bereit ist eine klare Meinung zu äußern, schwafelt stattdessen mit Floskeln herum. Außerdem dienen Floskeln oft als Lückenfüller, um Gesprächspausen zu vermeiden. Sie sind uns nach einer Weile selbst so vertraut, dass wir sie kaum noch als Floskeln bemerken, wenn wir sie verwenden.

 

 

 

Was macht ein Wort oder eine Redewendung zu einer Floskel?

 

Floskeln sind wie entkernte Wallnüsse.

 

Im Grunde ist es nicht das Wort als solches, das es zu einer Floskel macht, sondern die dahinterstehende Haltung. Oder trifft es „fehlende Haltung“ besser? Schon beim reflexhaften „Gesundheit!”, als Antwort auf ein Niesen ist selten ein tatsächlicher Genesungswunsch spürbar. Auch das Begrüßungsritual im Vorbeigehen „Tag!” oder „Guten Tag!” ist bei den meisten Gelegenheiten eine Floskel. Beim „Mahlzeit!” auf dem Gang nehmen viele noch nicht einmal wahr, wen sie da gerade gegrüßt haben. Es handelt sich also um eine inhaltsleere Sprachfloskel.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Gibt es Floskeln oder Phrasen, die Ihnen besonders auf die Nerven gehen?

 

 

 

Steine, billige Steine?

 

Selbst, wenn Sie meinen über den Floskeln zu stehen; Ich bin lieber etwas vorsichtig mit dem Steinewerfen im Glashaus.

 

 

 

Selbstreflexion: Blick in den Spiegel

 

Kommen Ihnen manche der folgenden Floskeln bekannt vor?

  • Ich will ja nichts sagen, aber…
  • Im Grunde genommen…
  • Mal unter uns …
  • Wie schon erwähnt ….
  • Gesundheit!
  • Dass ich das noch erleben darf.
  • Das liegt bestimmt am Wetter.
  • Man wird nicht jünger.
  • Nichts für ungut.
  • Kann jedem mal passieren.
  • Früher war alles besser.
  • Um mal ganz ehrlich zu sein …
  • Stimmt’s oder hab ich recht?
  • Damit können Sie mich jagen.
  • Davon geht die Welt nicht unter.
  • Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
  • Jedem das seine.
  • Die Zeit rennt mal wieder.
  • Von mir aus.
  • Dynamisch
  • Morgen ist auch noch ein Tag.
  • Wenn Sie mich fragen …
  • Teamplayer
  • Das ist mal was anderes.
  • Muss ja.
  • Alternativlos
  • Da kann man nichts machen.
  • Wir telefonieren!
  • Ich hab‘ mir sagen lassen …
  • … Punkt!
  • Meinetwegen, warum nicht?!
  • Und, sonst so?
  • Ergebnisorientierung
  • Was muss, das muss.
  • Jetzt ist es raus!
  • Wir sehen uns.
  • Das ist Ansichtssache.
    Mehrwert
  • Erfolgsbilanz
  • Proaktiv
  • Umfangreiche Erfahrungen
  • Motiviert
  • Besser spät, als nie.
  • Gut das wir darüber gesprochen haben.
  • Ich hab’s ja schon immer gesagt.
  • Kommt gar nicht in Frage.
  • Alles klar!
  • Weniger ist manchmal mehr.
  • Mahlzeit.
  • Nicht wirklich.
  • Kein Stress!
  • Lange nicht gesehen.
  • Auf jeden Fall.
  • Ich hab‘ da mal ’ne Frage.
  • So sieht’s aus.
  • Das wird schon wieder.
  • Interessant.
  • So jung kommen wir nicht mehr zusammen.
  • Neue Innovation
  • Aber Hallo!
  • Sag niemals nie.
  • Das geht schon mal gar nicht!
  • Tut ja nicht weh.
  • Das stimmt eigentlich.
  • Ich für meinen Teil…
  • Bestimmt haben Sie sich auch schon gefragt …
  • Quantensprung
  • Positiver Erfolg
  • Das ist das Gleiche in grün.
  • Das Leben ist weder ein Wunschkonzert noch ein Ponyhof.
  • Geht nicht, gibt’s nicht.
  • Eigentlich kann ja nichts schief gehen ..
  • Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen!
  • Na, wer sagt’s denn.
  • Aller Anfang ist schwer.
  • Passt schon.
  • Ach, du dicker Hund!
  • Da müssen Sie durch.
  • Nichts hält ewig!
  • So haben wir nicht gewettet.
  • Mal sehen.
  • Das wird ein schmerzhafter Einschnitt.
  • Ende gut, alles gut.
  • Gute Frage!
  • So ist das Leben.
  • Rechts ist da, wo der Daumen links ist.
  • Alles nur eine Frage der Entscheidung.
  • So einfach ist das.

 

Nachschlag?

 

Weitere Beispiele mit abgedroschenen Begriffen aus Politik, Wirtschaft und Kultur finden Sie auf www.floskelwolke.de (externer Link!). Die Journalisten Udo Stiehl und Sebastian Pertsch tragen dort Floskeln, Phrasen und Formulierungen aus den Medien zusammen.

 

 

 

Und nun?

 

Leider schlagen geschliffene Worthülsen zu oft holperige und umso ehrlichere Gedanken. Doch das muss nicht sein!

Schulen Sie Ihre Augen und Ohren. Erkennen Sie glänzende und doch leere Phrasen bei anderen. Machen Sie es besser. Gönnen Sie Ihren Texten den Rotstift. Und noch viel wichtiger: Wie wäre es mit etwas mehr Präsenz? Wenn Sie meinen was Sie sagen oder schreiben, dann verändert sich etwas zum Positiven. Dann gibt es zwar immer noch Worte, die durch den täglichen Missbrauch als Floskeln gelten und die sie deshalb vermeiden sollten, doch es wird dann zunehmend deutlicher, dass Sie meinen, was Sie äußern. Und das ist in der heutigen Welt nicht alltäglich!

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