22 Tipps für konstruktiveres Streiten

Wenn schon streiten ... dann schon richtig! Konstruktiver Streit ist eine Chance
Streiten als Spiel oder als Kampf?

22 Tipps für konstruktiveres Streiten

 

 

 

1. Wer sich streitet ist zumindest darin einig sich uneinig zu sein.

 

Streiten kann privaten und professionellen Beziehungen durchaus gut tun. Ärger über längere Zeit herunterzuschlucken geht auf den Magen. Und das ist nicht nur metaphorisch gemeint. Tatsächlich kommt es bei Stress zu Magen-Darm-Erkrankungen, Bluthochdruck und geschwächtem Immunsystem. Dann doch bitte lieber ein konstruktiver Streit, bevor es an die Substanz geht.

 

 

 

2. Streit ist nicht gleich Streit!

 

Sie streiten um ein Ei und lassen die Henne fliegen.
Sprichwort

 

Mancher Streit klärt, mancher Streit zerstört! Es ist gut zu wissen welche Wahlmöglichkeiten wir haben, wenn zwei Welten aufeinander stoßen. Wenn wir uns streiten meinen wir, dass wesentliche Punkte unserer Vorstellungen, Werte und Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Es ist also auch eine Gelegenheit sich besser kennenzulernen und sich neu auszurichten. Wenn es nicht das Bedürfnis gibt etwas zu verbessern, weshalb sollte dann noch gestritten werden?

 

 

 

3. Vorsicht vor einem Pyrrhussieg

 

Werden Konflikte für eine Weile unter den Teppich gekehrt, sammelt sich da schon mal eine Menge Dreck an. So sehr es verlockt; eine Schlammschlacht hat nicht die gleichen Auswirkungen wie eine Kissenschlacht.

Fairplay statt Tiefschläge: Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, da es sonst schwer oder sogar unmöglich wird die Schäden nochmals zu beseitigen. Jemand hat mal gesagt; Fairness ist die Kunst sich in den Haaren zu liegen, ohne die Frisur zu zerstören.

 

 

 

4. Ich-Botschaften statt Anklage-Sätze

 

Der klassische Tipp: Ich-Botschaften verwenden! Statt „Immer beleidigst du mich!“ lieber „Ich empfinde das als Beleidigung!“. Sprechen Sie aus, wie Sie sich fühlen anstatt anzuklagen. Wer angeklagt wird verteidigt sich und Lösungen rücken dann weiter in die Ferne. Also vermeiden Sie Anklage-Sätze!

 

 

 

5. Abgleichen

 

Aktives Zuhören: Mit den eigenen Worten zu wiederholen – zu spiegeln – was verstanden wurde. Das verbessert die Verständigung, braucht allerdings auch etwas Übung und die entsprechende Bereitschaft.

Umso höher die Wogen schlagen, desto schwieriger – und umso wichtiger – ist es zuzuhören.

 

 

 

6. Gesagt ist gesagt!

 

Später zu behaupten es wäre nicht so gemeint gewesen ist dann nicht immer glaubhaft zu machen. Mancher unbedachte Satz nagt noch Ewigkeiten und belastet die Beziehung.

Wenn die Emotionen erst einmal außer Rand und Band sind kommen beleidigende Wort leichter über die Lippen. Das wirkt wie zusätzlicher Brennstoff und richtete Schaden an. Dann geht es nur noch darum zu verletzen. So lassen sich in kurzer Zeit selbst lange Beziehungen dauerhaft beschädigen.

Entsprechendes gilt für unangemessene Sprache, Anschreien, Drohungen, Erpressungen und besonders körperliche Grenzüberschreitungen.

 

 

 

7. Verachtung

 

Auch Zynismus und Sarkasmus, als Hinweise für Verachtung, sind Gift für Beziehungen. Egal, ob verbal oder nonverbal – erkennbar an Mikroexpressionen, Augenrollen, Kopfschütteln, spöttischem Blick, hämischem Grinsen oder sogar Lachen – das provoziert schnell bis aufs Blut, verletzt.

Wer darauf abzielt, seinen Gesprächspartner gezielt zu verletzen und dabei noch intimes Wissen einsetzt, zerstört die Grundlagen für die Zukunft.
Häufige Ursache dafür sind ungelöste Probleme in der Vergangenheit. Je länger Sie sich gegenseitig verletzen und herabwürdigen, desto leichter kann sich die Verachtung im Alltag einnisten. Sie kocht dann zunehmend offen oder taucht in Zwischentönen auf, wie ein bitterer Beigeschmack, der alles ungenießbar macht. Dann geht es nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um die Person.

Vorsicht: Über Verachtung wächst kein Gras!

 

 

 

8. Verallgemeinerungen

 

Vermeiden Sie Verallgemeinerungen wie „immer“, „nie“, „alle“ etc. Solche Pauschalierungen eröffnen zusätzliche Schlachtfelder. Halten Sie sich lieber an Fakten, nennen Sie konkrete Beispiele.

 

 

 

9. Umfeld und Voraussetzungen

 

Contenance: Publikum erschwert die Sache zusätzlich, wie das Löschen einer Kerze auf einem Pulverfass. Das Sprichwort sagt zwar; wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte. Doch eine typische Reaktion, wenn Sie es zu weit treiben, ist Fremdschämen. Es beschämt das Publikum und Ihnen droht Gesichtsverlust! Wobei an dieser Stelle an den Unterschied zwischen Streit und Debatte zu erinnern ist, so wie er hier betrachtet wird. Wer vor einem unfreiwilligen Publikum streitet, bezieht damit, wie in einer Nachmittagstalkshow, andere Personen in persönliche Themen ein. Doch die empfehlen sich selten als geeignete Schiedsrichter!

Dann doch bitte Zeit nehmen und einen geeigneten Ort wählen. Zwischen Tür und Angel steigt das Risiko, das es entgleitet. Unter vier Augen oder mit Unterstützung eines Moderators und ohne sonstiges Publikum ist es normalerweise leichter eine Einigung zu finden.

 

 

 

10. Einsichten

 

Viele Menschen haben wunde Punkte, die sie zu verstecken suchen. Werden sie berührt detoniert scheinbar überraschend eine emotionale Bombe.
Wer in der Lage ist sich in andere Menschen hineinzuversetzen, hat es auch einfacher Streitgespräche konstruktiv zu gestalten. Betrachten Sie die Dinge auch aus der Sicht des Streitpartners. Dabei lassen sich so manche Einsichten gewinnen.

 

 

 

11. Aufmerksamkeit

 

Zuhören ist leichter gesagt als getan. Doch genau das braucht es um zu erkennen, worum es tatsächlich geht und um so eine Lösung anzustreben.

Wenn wir nicht erkennen was tatsächlich vorgeht, können wir nicht die beste Strategie wählen. Deswegen gilt es die vollständige verbale Aussage und die nonverbalen Hinweise aufzunehmen. So bleibt möglichst kein Wort oder Zwischenton unbemerkt.

Konzentriertes Zuhören hilft auch dabei Missverständnisse, Unterstellungen oder bösartige Tricks rascher zu bemerken und gegebenenfalls zu entlarven.

Außerdem; wer andere Menschen nicht ausreden lässt, dem wird daraufhin im Gegenzug auch selten zugehört. Sachlicher wird es dadurch jedenfalls nicht!

 

 

 

12. Respekt

 

Friedrich Wilhelm Nietzsche: Man widerspricht oft einer Meinung, während uns eigentlich nur der Ton missfällt, in dem sie vorgetragen wurde.
Ohne Respekt und Anerkennung geht es auf Dauer nicht. Wer sich mit Macht durchsetzen will wird unglaubwürdig. Dazu gehört auch sich die verschiedenen Sichtweisen anzusehen.
Wer zeigt, dass er die Bedenken anderer Menschen ernst nimmt, schüttet kein weiteres Benzin auf die anfangs noch zarten Flammen.

 

 

 

13. Tragfähige Vereinbarungen

 

Um einen Streit zu beenden werden häufig Versprechungen gemacht, die anschließend nicht gehalten werden. Die möglichen Früchte konstruktiven Streits sind tragfähige Vereinbarungen. Sind sie nicht tragfähig, wird es bald wieder um das gleiche Thema gehen.

Vereinbarungen sollten stets dem empfehlenswerten SMART-Format entsprechen, sonst wird der Streit nur vertagt.

Die Buchstaben SMART liefern die Eselsbrücke:
Situationsspezifische, Messbare, Attraktive, Realistische, Terminierbare und somit SMART(e) Ziele! Die Vereinbarung muss sich an Zielen orientieren, die der Situation und den Beteiligten angemessen sind, die auch überprüfbar – also messbar –  und interessant, positiv – also attraktiv – formuliert sind. Übertriebene und somit aussichtslose Ziele verschlimmern oft die Situation. Ziele sollten daher realistisch formuliert und zeitlich erreichbar – gegebenenfalls auch in Etappen terminiert – sein.

 

 

 

14. Umgang mit hochkochenden Emotionen

 

Die persönliche Beteiligung macht es nicht immer so leicht sachlich zu bleiben und ein Mindestmaß an Respekt an den Tag zu legen. Ob beabsichtigt oder zufällig; jeder von uns trägt zahlreiche Knöpfe mit sich herum, die eigenartige Verhaltensweisen initiieren. Im Laufe des Lebens sammeln sich so manche blauen Flecken an, die bei Berührung noch schmerzen.

Es ist nicht so leicht mit sich selbst im Reinen zu sein. Umso wichtiger ist es sich darüber im Klaren zu sein, was die Emotionen tatsächlich auslöst. Was steckt tatsächlich dahinter? Mitunter hat das mehr mit eigenen Themen zu tun, als mit anderen vermeintlich Beteiligten. Dann lohnt es sich diese gegebenenfalls mit professioneller Unterstützung zu klären. Mit den Worten von Laotse: Wer selbst nicht streitet, mit dem kann keiner auf der Welt streiten.

 

 

 

15. Reflexion ermöglichen

 

Ruhig auch mal eine kurze Pause machen, um die Einsichten auf sich wirken lassen. Manchmal geht es nicht so schnell und manche Themen sind komplexer.

Wer erkennt, das ein Gesprächspartner gerne einen inneren Dialog, also ein stilles Selbstgespräch führt, um die Gedanken zu ordnen, sollte innehalten. Es ist gut daran erkennbar, wenn jemand nach unten schaut und beschäftigt wirkt.

 

 

 

16. Versöhnung

 

Goethe scheint ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben, denn er meinte; in Partnerschaften muss man sich manchmal streiten, denn dadurch erfährt man etwas mehr voneinander.
So wichtig eine respektvolle Streitkultur ist, mindestens so wichtig ist die Fähigkeit sich zu versöhnen. Dann kann es wie ein klärendes Gewitter die Beziehung anschließend sogar verbessern.

Guter Streit erzeugt Reibungswärme, er verbindet. Charlie Chaplin: „… Sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.”. Wie wäre es, das Ergebnis gemeinsam zu feiern?

 

 

 

17. Spezialfall: Streit bei dem es nicht darum geht sich untereinander zu einigen

 

Es gibt auch so manchen Streit, bei dem es nicht um die Klärung, also nicht um eine Einigung geht. Manchmal geht es darum, das Publikum zu überzeugen. Das ist beispielsweise bei einem Streit mit Fanatikern der Fall. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie im Artikel Diskussionen mit Fanatikern.

 

 

 

18. Vorsicht ist besser als Nachsicht

 

So wichtig die Empfehlungen dieses Artikels für die Beziehung mit dem Streitpartner sind; manche Menschen legen darauf keinen Wert, sie wollen nur ihre Ziele durchsetzen. Dann wird schon mal mit fiese Tricks gearbeitet, von denen Sie selber besser die Finger lassen. Wie Sie sich vor einigen dieser Tricks schützen können erfahren Sie im Artikel Wie Sie jede Debatte gewinnen, wenn Sie auf Anstand verzichten!

 

 

 

19. Die Magie von Entschuldigungen

 

Eine Entschuldigung kann Wunder wirken, doch geht sie schwer von der Zunge. Eine glaubhafte Entschuldigung vermittelt Respekt, Stärke und Ehrlichkeit.

Empfehlungen für Entschuldigungen finden Sie hier.

 

 

 

20. Großzügigkeit

 

Mit einer Gleitsichtbrille lässt sich über vieles Unwesentliche hinwegsehen. Kleinliche Äußerungen zu überhören, nimmt rachsüchtigen Emotionen den Wind aus den Segeln. Eine Erwiderung auf jeden Reiz erzeugt zusätzlichen Widerstand. Sie brauchen sich trotzdem nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Reagieren Sie dort, wo es sich lohnt. Wenn der eine nicht will, können zwei nicht miteinander streiten.

 

 

 

21. Vorbeugen

 

Vorbeugen ist besser als heilen. Bevor Spannungen zwischen Menschen sich zu einem Konflikt auswachsen, der zum Streit wird, gibt es oft schon zahlreiche Anzeichen. Wer sie erkennt und Verantwortung übernimmt, kann frühzeitig gestalten, bevor der Druck sich ein unberechenbares Ventil sucht.

Gestalten Sie, bevor die Fronten verhärtet sind. Schluss mit vagen Andeutungen, indirektem Streiten und um den heißen Brei herumzureden. Solange Sie sich noch austauschen haben Sie Spielraum, den Sie nutzen können.

 

 

 

22. Vorbereitung

 

Wenn es um etwas Wichtiges geht – und vor allem, wenn es mit Risiken verbunden ist – lohnt sich die fundierte Vorbereitung, gegebenenfalls auch mit professioneller Hilfe. So können Argumente, Motive und mögliche Reaktionen schon im Vorfeld erkundet werden. Übernehmen Sie Verantwortung!