Trugschluss: Wenn Argumente richtiger klingen als sie sind!

Keine gute Basis für Entscheidungen
Trugschluss: Wenn Argumente richtiger klingen als sie sind!

Trugschluss

 

Ein Trugschluss (= lateinisch fallacia, auch als Fehlschluss oder Paralogismus bezeichnet) ist eine Schlussfolgerung, die logisch erscheint und anscheinend wahr ist, obwohl das nicht der Fall sein muss. Die auf dieser Basis getroffenen Entscheidungen stehen auf wackligem Grund, selbst dann, wenn die grundlegende Aussage nicht wirklich falsch ist.

 

 

 

Ursachen

 

Mögliche Ursachen sind:

  • verborgene logische Fehler
  • Verallgemeinerungen
  • Mehrdeutigkeiten

 

 

 

Beispiele

 

1. Steine werfen (ad lapidem)

 

Bei diesem logischen Fehlschluss wird ein gegnerisches Argument dreist als falsch hingestellt, ohne eine Begründung zu liefern. Der Fehlschluss besteht in der Annahme, das schon das bloße, nicht weiter begründete Verneinen eines gegnerischen Arguments für seine Demontage ausreicht.

 

 

2. Diffamieren (ad hominem)

 

Argumente ad hominem (lateinisch = zum Menschen hin) zielen nicht auf die Aussage selber, sondern auf den Menschen, der sie vertritt. Die ad hominem-Argumentation ist logisch nicht zulässig, da der Wahrheitsgehalt einer Aussage nicht davon abhängt, wer sie sagt.

 

 

3. Falschaussagen wiederholen (ad nauseam)

 

Wörtlich übersetzt bedeutet „ad nauseam“ „bis zur Übelkeit“ bzw. sinngemäß „bis zum Erbrechen“, indem ein Argument so lange wiederholt wird, bis einem davon sprichwörtlich übel wird. Diese Argumentationsmethode baut auf der irrigen Überzeugung, dass es falsches Argument irgendwann geglaubt wird, wiederholt man es nur oft genug. Doch nur, weil etwas immer wieder zu hören ist, wird es nicht zur Wahrheit.

 

 

4. Das Neuere ist richtig (ad novitam)

 

Ein Argument ad novitam ist ein Fehlschluss, der auf der Annahme basiert, dass etwas Neueres prinzipiell richtiger sein muss als etwas Altes. Und auch wenn es nicht grundsätzlich falsch ist, dass althergebrachte Einstellungen überkommen sein können, weil sich die Voraussetzungen, auf denen sie beruhen, mittlerweile vielleicht geändert haben, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass es auch so sein muss. Sind die Voraussetzungen unverändert geblieben, ist eine Aussage auch weiterhin gültig.

 

 

5. Appellieren an die Abscheu

 

Durch das Appellieren an die Abscheu soll, mittels Hervorrufen von Ekel der Gegenposition, der eigene Standpunkt als erstrebenswerter erscheinen. Für die Richtigkeit einer Aussage ist es jedoch vollkommen irrelevant, ob man sie oder ihre Konsequenzen als angenehm oder unangenehm empfunden wird. Auch, wenn in Gesellschaften gewissen Normen gelten, ist das allzu oft eine Frage der persönlichen Sichtweise und schon gar nicht der Logik.

 

 

6. Auslavieren

 

Beim Auslavieren handelt es sich eher um eine rhetorische Methode als um ein Fehlschluss im engeren Sinn. Auslavieren bezweckt, die Konsequenzen eines schon entkräfteten eigenen Arguments zu ignorieren. Die Entkräftung wird einfach ausgeblendet und die Argumentation ungehemmt fortgeführt. Der logische Fehlschluss liegt darin, dass von einer bestimmten Grundlage abgeleitete Aussagen hinfällig werden, wenn sich diese Grundlage sich als falsch erweist. Ohne Fundament lässt sich kein argumentatives Gebäude errichten. Durch aufmerksames Zuhören und Beharren auf der Klärung der ursprünglichen Frage kann dieser rhetorischen Methode recht leicht begegnet werden.

 

 

7. Falscher Schluss vom Teil aufs Ganze

 

Dieser Fehlschluss beruht darauf, von einer Eigenschaft eines Elements eines Systema fälschlicherweise zu unterstellen, sie treffe auf das gesamte System zu. So handelt es sich bei diesem Fehlschluss um eine unzulässige Verallgemeinerung. Der Unterschied zum Fehlschluss vom bedingt Gesagten zum schlechthin Gesagten besteht darin, dass dieser eine unzulässige Verallgemeinerung nicht von Eigenschaften, sondern von Ursachen und Wirkungen darstellt.

 

 

8. Falsches Dilemma

 

Dieser Fehlschluss geht davon aus, dass bei einem bestimmten Sachverhalt nur zwei einander ausschließende Standpunkte existieren und dass Zwischenstufen oder weitere Standpunkte nicht möglich sind.

 

 

9. Naturalistischer Fehlschluss

 

Moralische Werte können von anderen moralischen Grundsätzen aus bewertet werden, doch daraus, wie Dinge von ihrer Natur sind, wie die Dinge sein sollten, ist nicht möglich. Wer das trotzdem versucht, macht einen Fehlschluss, weil damit der Natur ein moralischer Grundsatz unterstellt wird.

 

 

11. Ursachen erfinden (non causa pro causa)

 

Diese Art von Fehlschluss ist ein Sammelbegriff für weitere Fehlschlüsse wie beispielsweise post hoc, ergo propter hoc oder cum hoc, ergo propter hoc. Sie alle beruhen auf dem Prinzip, Zusammenhänge zu behaupten, wo keine sind. Im Gegensatz zu non sequitur handelt es sich dabei allerdings um einen kausalen und nicht um einen logischen Fehler, es werden also nicht aus den Voraussetzungen falsche Schlüsse gezogen, sondern die Voraussetzungen an sich sind bereits falsch.

 

 

12. Aus der Luft greifen (non sequitur)

 

Die Überetzung der Taktik „non sequitur“ bedeutet; es folgt nicht. Ein Argument non sequitur ist eines, bei der die Schlussfolgerung nicht aus den Voraussetzungen folgt, unabhängig davon, ob die Voraussetzungen zutreffen oder nicht.

 

 

13. Strohmannargument

 

Bei einem Strohmannargument werden dem Diskussionsgegner Argumente unterstellt und dann eine Widerlegung dieser verzerrten Argumente, als Widerlegung der eigentlichen Argumente glaubhaft zu machen. Bei einem Strohmannargument wird nicht auf den tatsächlichen Sachverhalt reagiert, sondern stattdessen ein selbst aufgestelltes Gegenargument als Strohmann attackiert.

 

 

14. Sie tuns doch auch, oder? (tu quoque)

 

Dieser Fehlschluss besteht darin, einen Fehler in der eigenen Argumentation dadurch zu rechtfertigen, dass die Gegenseite ihn auch gemacht hat. Unzulässig als Argumentation ist das deswegen, weil ein Fehler ein Fehler bleibt, ganz egal wer ihn macht.

 

 

15. Verweis auf Autoritäten

 

Eigentlich handelt es sich um ein Argument ad hominem, das davon ausgeht, dass Menschen, die in einem Gebiet als Autoritäten gelten, eher Richtiges sagen als andere. Logische Beweiskraft hat es nicht, zumal sich auch kluge Leute irren Können. Ist ein Argument logisch nicht schlüssig, dann ist es hinfällig, ganz egal, von wem es ausgesprochen worden ist.

 

 

16. Vom bedingt Gesagten zum schlechthin Gesagten

 

Dieser Fehlschluss wird lateinisch als „a dicto secundum quid ad dictum simpliciter“ bezeichnet. Er basiert auf der Annahme, dass eine bestimmte Aussage, die unter bestimmtem (möglicherweise sogar: unter den meisten) Bedingungen wahr ist, immer wahr sein muss. Die Anwendung dieses Fehlschlusses beruht in der Regel auf einem mangelnden Verständnis der Zusammenhänge, so ist jemand, der jemandem anderen mit einem Messer in den Brustkorb sticht, ein Verbrecher, nicht allerdings ein Chirurg, der eine Operation vornimmt.

Hier wird von einer Aussage, die unter den meisten Bedingungen wahr ist, fälschlicherweise angenommen, dass sie immer wahr sein muss, nicht nur, wenn der Stich in den Brustkorb mit verbrecherischer Absicht erfolgt. Dieser Fehlschluss ist vereinfacht formuliert eine unzulässige Verallgemeinerung beim Schließen von Ursachen aus deren Wirkungen. Der Unterschied zum Fehlschluss vom Teil aufs Ganze besteht darin, dass dieser eine unzulässige Verallgemeinerung von Eigenschaften ist, und nicht von Ursachen und Wirkungen.

 

 

17. Zirkelschlüsse

 

Es handelt sich um einen Zirkelschluss, wenn sich eine Argumentation im Kreis dreht, wenn aus einem Umstand ein zweiter ergibt dann ein weiterer, und aus diesem wieder der erste. Unfug der auf Unfug baut, mag in sich auf dem ersten Blick schlüssig wirken, auf dem zweiten Blick fehlt das Fundament. Deshalb hat ein Zirkelschluss keine Beweiskraft, da er seinen Wahrheitsanspruch letzten Endes daraus ableitet, selber wahr zu sein.

Ergänzende Artikel

 

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