Politisches Wolkenkuckucksheim statt unangenehme Nachrichten

Lieber in Deckung bleiben?
Politisches Wolkenkuckucksheim: Wer wird denn gleich die Wahrheit sagen wollen?

Nur nicht an die Wahrheit gewöhnen

 

Ein George Bernard Shaw zugeschriebenes Zitat warnte davor, dass es für Politiker gefährlich sei, die Wahrheit zu sagen; „Die Leute könnten sich daran gewöhnen, die Wahrheit hören zu wollen.”

Ein Blick in die tägliche Berichterstattung zeigt, dass diese Empfehlung von vielen Volksvertretern beherzigt wird. Immer schön nebulös formulieren und die Hintertürchen offenhalten. Wer weiß, woher morgen der Wind weht. Entsprechend dominieren bei den Äußerungen Beschönigungen, Beschwichtigungen, Verklärungen und Vernebelungsfloskeln.

 

 

 

Der Überbringer schlechter Nachrichten lebt gefährlich

 

Töte nicht den Boten.

Sophokles

 

Die Weisheit ist ja auch nicht neu, dass Überbringer einer schlechten Nachricht eher bestraft werden als deren Verursacher. Das zeigt nicht erst der Umgang mit Whistleblowern. Im antiken Griechenland war das schon so, im Mittelalter wurde dafür geköpft und Konfuzius wusste; wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd. Dankbarkeit ist da nicht zu erwarten und daran hat sich nicht viel geändert. Entsprechend zahlt es sich für Politiker in der Tat wenig aus, unangenehme Wahrheiten beim Namen zu nennen. Gerade bei bevorstehenden Wahlen ist das verpönt. Es kostet viel zu viele Stimmen, somit Einfluss und gegebenenfalls den Arbeitsplatz mit all den Annehmlichkeiten.

Da scheint es bei uns mit der humanistischen Bildung dann doch nicht so weit her zu sein, wenn Platons Forderung an einen idealen Staatshüter so konsequent unbeachtet bleibt: „Nicht zu täuschen und wissentlich sich nicht zu täuschen, sondern die Täuschung zu hassen, die Wahrheit dagegen zu lieben.”.

Und wenn Sie doch die Wahrheit sagen wollen?

 

 

 

Blick in das Handbuch der Macht

 

Niccolò Machiavelli empfahl schon im 16. Jahrhundert in seinem Werk Il Principé beziehungsweise Der Fürst, dass nur die Fürsten Großes erreichen, die es mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen. So mancher Politiker, Spindoctor, Lobbyist, PR-Berater und Imageberater hat sich das hinter die Ohren geschrieben. Weg mit dem unnötigen Ballast.

 

 

Sprachliche Weichspüler

 

Ein wesentliches Instrument der Vernebelung sind sprachliche Weichspüler. Mit ihrer Hilfe wird in die gewünschte Richtung umgedeutet. Schon bei Eric Arthur Blair, bekannt als George Orwell, wurde im Buch 1984 aus dem „Ministry of Defense“ das „Ministry of Love“.

Heute haben wir Minuswachstum, Bad Banks, Eigenverantwortung, Reformstau, Restrisiko, Gesundschrumpfen oder Downsizing, … Und auch Weichmacher. Hoch leben die Euphemismen! Von denen habe ich hier einige Exemplare zusammengetragen.

 

 

 

Raus aus dem Wolkenkuckucksheim?

 

Wer dann doch unangenehme Wahrheiten aussprechen will, der sollte gut vorbereitet an das Werk gehen, um weder Körperteile noch Ansehen zu verlieren. Falls Sie dabei Unterstützung wünschen, bin ich für Sie da.

 

 

 

Und selbst?

 

Wie halten Sie es mit unangenehmen Wahrheiten?