Preisfindung: Gibt es einen fairen Preis?

Und wenn ja, woran erkenne ich ihn?

Kein Mensch sollte jemanden eine Sache für mehr verkaufen als sie wert ist.

Thomas von Aquin

Für Thomas von Aquin, ein gelehrter Mönch, war der Preis eine zutiefst moralische Frage. Übermäßige Profitgier hielt er für eine Sünde. Allerdings erkannte er auch, dass, wenn ein Händler des Gewinnanreizes beraubt wird, er aufhören würde zu handeln. Die daraus resultierenden Nachteile für die Gemeinschaft wären zu groß, denn dann würde sie nicht mehr mit den Waren versorgt, die sie braucht. Aus seiner Sicht ermöglicht ein fairer Preis einen auskömmlichen Gewinn.

Hmm. Gibt es eine greifbarere Definition? Anlauf: Ein fairer Preis entspricht der Höhe, die ein Käufer freiwillig bereit ist angesichts ehrlicher Informationen zu zahlen. Es hat eine Menge mit dem Verhältnis von Aufwand zu Nutzen zu tun.

Reicht das um die Frage zu beantworten, was heute ein fairer Preis ist? Um die Frage noch zu erweitern: Heute gilt dies auch andersherum, denn Preise sind oft so niedrig, dass auch Käufer über moralische Fragen nachdenken sollten.

Auskömmlich? Viele Preise sind so niedrig, dass dies nur durch moralisch bedenkliche Umstände möglich ist. Kinderarbeit, Niedriglohnarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung, Energievergeudung, Sicherheitsmängel, Kurzlebigkeit und somit Müllaufkommen sowie viele andere Nachteile, nur damit der Preis billig bleibt.

Gibt es einen fairen Preis?

Konsequenzen

 

Eigentor: Es sind oft hohe Kosten, die wir am Ende für zu niedrige Preise zahlen.

Auch Dienstleistungen werden häufig schlecht bezahlt. Da fallen bei der Kalkulation Rücklagen für Risiken, Weiterbildung, Pension, Krankheit und viele andere Faktoren unter den Tisch. Ganze Branchen zwingen sich dann Preise auf, die nicht funktionieren können.

Hausgemacht: Eher früher als später leidet auch die Qualität.

In anderen Bereichen, in denen kein echter Wettbewerb herrscht, wird dagegen derart dreist abgeschöpft, dass es nicht zu glauben ist.

 

 

 

Orientierung bei der Preisfindung

 

Wie hat Thomas von Aquin es formuliert? So: „Kein Mensch sollte jemanden eine Sache für mehr verkaufen als sie wert ist.“

Ein fairer Preis entspricht aus meiner Sicht der Höhe, die ein Käufer freiwillig zu zahlen bereit ist angesichts ehrlicher Informationen und somit möglicher Einschätzung des zu erwartenden Nutzens. Ui, ist der Satz lang! Zu lang! Ein weiterer Anlauf: Fair ist, wenn alle Beteiligten mehr mitnehmen, als sie mitbringen!

 

 

 

Utopie?

 

Aktienhandel, Glücksspiel etc. können nur funktionieren, wenn es Gewinner und Verlierer gibt. Doch, zumindest bei Dienstleistungen gibt es viele Beispiele, die belegen, dass es eine sehr hilfreiche und realistische Definition ist.

Was halten Sie für einen fairen Preis?