16 Zeichen für miesen Populismus! Das ist doch nur Populismus oder ist das wichtig?

Ist Populismus Segen oder Teufelswerk?
Das ist doch nur Populismus oder ist das wichtig?

Populismus

 

Populist? Ich nicht, das sind die anderen!

 

Was soll daran schlecht sein, dem Publikum aus der Seele zu sprechen? Das lernen gute Redner doch ganz am Anfang. Als Populist will jedoch kaum jemand bezeichnet werden. Wieso?

 

 

 

Ist Populismus nun gut oder schlecht, Segen oder Teufelswerk?

 

Populismus ist ein schwammiger Begriff. Wenn Populismus (populus = Volk) bedeutet den Wählern zuzuhören und sich für deren Interessen einzusetzen, wieso hat der Begriff dann so einen üblen Beigeschmack?

Hatte Walter Scheel recht, als er meinte; „Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.“?

Die gewählte Kanzlerin Angela Merkel steht im Ruf ihre Entscheidungen wesentlich an regelmäßigen Umfragen neu auszurichten, selbst wenn es als Kehrtwende wahrgenommen wird. Was ist eigentlich populistisch und ist das nun gut oder schlecht?

 

 

 

Guter Populismus

 

Ein genauerer Blick auf den Begriff: Populismus ist eine Form des Opportunismus, bei der eine Person wie ein Politiker oder eine Gruppe wie eine Partei, einer breiten Bevölkerungsgruppe das verspricht, was diese vermutlich hören will. So wird angestrebt deren Interessen zu vertreten. Das ist etwas, das in einer Staatsform wie unserer Demokratie ja durchaus gewollt ist. Das klingt auf jeden Fall erst einmal wünschenswerter als eine ideologische Politik, die nur ihre eigene Weltanschauung gelten lässt. Abraham Lincoln definierte Demokratie als Regierung des Volkes, für das Volk und durch das Volk.

Selbst eigenartige Populisten packen mitunter unliebsame Themen an und bringen sie in Bewegung. Wer es ernst meint mit der Demokratie, hört zu und bildet sich eine eigene Meinung. Auch in so manchem sehr bedenklichen Populismus steckt ein Körnchen Wahrheit. Wenn wir uns dem angemessen widmen, wird kaum größerer Unfug daraus.

 

 

 

Mieser Populismus

 

Wird als Populismus eine Redeweise betrachtet, die versucht sich die Zustimmung beim Zuhörer auf berechnende und anbiedernde Weise zu erringen, doch bei genauerer Betrachtung unlogisch ist, dann können wir darauf gerne verzichten.

Manche Forderungen, die als populistisch bezeichnet werden, sind bei genauerer Betrachtung vor allem eines; zu offensichtlich berechnend und auf Beifall bedacht.

Spätestens, wenn der Eindruck aufkommt, es handle sich um ein Mittel zum Zweck oder es diene nur den eigenen Interessen, wird es bitter. Viele Wähler wünschen sich von authentischen Persönlichkeiten vertreten zu werden. Doch gerade der Eindruck ist ohnehin in breiten Schichten nur noch selten zu finden.

Ja, falsche Versprechungen zu machen, hilft dabei Wahlen zu gewinnen. Heute treibt nur noch selten Begeisterung die Wähler an die Urnen, sondern Frust. Frustrierte Menschen können, wie durch den Rattenfänger von Hameln, eingesammelt und instrumentalisiert werden. Was schützt, sind aufgeklärte Menschen, die sich nicht so leicht etwas vormachen lassen und mitgestalten.

 

Hier ein paar Eigenschaften von bedenklichemi Populismus:

 

1. Wir vertreten den gesunden Menschenverstand

 

Populisten beanspruchen den gesunden Menschenverstand zu vertreten, der dem intellektuellen Verstand überlegen sei. Das versteht ja ohnehin keiner, das ist nichts. Der gesunde Menschenverstand beruht auf konkreter Erfahrung im wahren Leben und ist noch nicht von Eliten verfälscht worden.

 

 

 

2. Personenkult

 

Menschen wählen Menschen und Zustände. Deswegen neigt populistische Politik dazu einzelne Personen in den Vordergrund zu heben. Die Personen an der Spitze werden teilweise wie Sektenführer verherrlicht und können die skurrilsten Dinge tun, ohne, dass ihre Anhänger sich daran reiben würden. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall; absurdes Verhalten wird als Beweis von Authentizität gewertet.

Smarte und medientaugliche Personen haben auf Zeit die größeren Chancen an der Spitze populistischer Parteien. Ob in der Politik hierzulande Charisma eine geringere Rolle spielt, das ist wohl Ansichtssache und wenn das nicht so sehr der Fall ist, dann liegt es insbesondere bei etablierten Parteien vermutlich an den internen Zusammenhängen.

 

 

 

3. Parteiprogramm

 

Parteiprogramme lesen die wenigsten Menschen. Deswegen werden einige wenige einfache Botschaften bis zum Abwinken wiederholt.

 

 

 

4. Ängste werden geschürt

 

Berechtigte Hinweise auf Missstände sind die Voraussetzung für positive Entwicklungen. Doch, darum geht es oft nicht oder zumindest nur als Mittel zum Zweck.

Katastrophen willkommen. In einer postfaktischen Welt (Hurra, ich habe den Begriff untergebracht! Verzeihung.) ist so gut wie alles behauptbar. Alternative Realitäten machen es möglich. Ob geschummelt, real und angemessen oder auf dünner Faktenbasis konstruiert: Typisch ist es, Hiobsbotschaften, durch unhaltbare Versprechungen für eigene Zwecke zu nutzen. Dem mit gründlichen Analysen und durchdachten Lösungen zu begegnen, die den kulturellen Werten entsprechen, liegt ihnen fern.

 

 

 

5. Bewusster Stilbruch

 

Ärmel hoch, Stilbruch als Hinweis darauf anzupacken und sich anders als das Establishment notfalls auch die Finger schmutzig zu machen. Tabubruch als Strategie.

Political Correctness ist „…doch nur ein Maulkorb für die unbequeme Wahrheit!“ ist da zu hören. Entsprechend heftig fallen die Botschaften aus. Publikum und ganz besonders Boulevardpresse tragen solche Botschaften dann in die Welt und helfen mit mehr oder weniger ehrlicher Entrüstung.

 

 

 

6. Institutionsfeindlichkeit

 

Instrumentalisiert wird die Verachtung für das System. Nun geht es endlich gegen das Establishment. Elitenkritik ist beliebt. Wer auch immer das genau ist, bleibt mitunter recht offen.

Versprochen wird ein Ende der Bevormundung des Volkes durch irgendwelche Eliten. Der Widerspruch dabei: Populistische Parteien neigen dazu, ihren Alleinvertretungs­anspruch schnellstens auch durch Institutionalisierung zu sichern, sobald sie sich selbst dazu in der Lage fühlen.

 

 

 

7. Polarisierung

 

Sehr viele Menschen sind ohnehin schon verunsichert. Das wird genutzt. Antipolitik zerstört den Konsens und spaltet Gesellschaften. Das eint die Anhänger um ihren Anführer und erschwert ansonsten das Zusammenleben und Lösungen für tatsächliche Probleme.

Hoch leben Echokammer und Filterblase, da lässt es sich eine Zeit gemütlich machen, bis es wieder hinaus in die Realität geht. Der Riss durch die Bevölkerung nimmt zu.

 

 

 

9. Symbole

 

Inszenieren statt tatsächlich anpacken. Beliebt ist aktionistische Symbolpolitik die durch die Öffentlichkeit die gewünschte Wirkung entfaltet. Nicht was daraus folgt, ist wichtig, sondern wie es wahrgenommen wird.

 

 

 

10. Moralisierung

 

Vorsicht Falle! Unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung gelten die Eliten als korrupt, doppelzüngig, eigennützig, abgehoben und arrogant. Eliten sind nur weitere Parasiten in einem unfairen System. Ihnen ist zu misstrauen, egal wie vielversprechend oder glaubhaft ihre Aussagen klingen. Alles nur Schall und Rauch.

 

 

 

11. Feindbild

 

Gegner sind von jeher wirksame Mittel der Profilierung, an ihnen lässt sich reiben, sich ausrichten. Gemeinsame Gegner verbinden. Das gilt für Unternehmen, ebenso wie für die Politik. Der Verzicht auf moralische Ansprüche erweitert die Optionen.

Unnötige Zurückhaltung wird als Zeichen für Schwäche und Doppelzüngigkeit gedeutet, die es im Sinne der guten Sache nicht geben darf. Da darf der Gegner auch persönlich und unter der Gürtellinie angegriffen werden. Häufig bekommen Gegner herabwürdigende Bezeichnungen die so oft verwendet werden, bis sie mit diesen verknüpft sind. Der Zweck heiligt aus Sicht von Populisten die Mittel.

 

 

 

12. Opfer, Klein gegen Groß,..

 

David gegen Goliath. Populisten stellen sich gerne als Märtyrer dar, die bereit sind sich für die gute Sache zu opfern. So wollen sie über die eigene Person herauswachsen und jeder Rückschlag dient als Beweis von moralischer Größe.

 

 

 

13. Inklusion und Exklusion: Paarbildung,…

 

Linker Populismus strebt die Einbeziehung (Inklusion) unterprivilegierter Bevölkerungsschichten in ein parastaatliches Klientelsystem ein. Dafür, dass auf die vertretenen Gruppen die Ressourcen umverteilt werden, sollen diese die Führung übergeben.

Rechter Populismus strebt den Ausschluss (Exklusion) von Gruppen an. Sie bekämpfen aus ihrer Sicht Sozialstaatsschmarotzer, Wirtschaftsflüchtlinge, Asylbewerber, ethnische Minderheiten und zum Schutz der guten Sache unbequeme Andersdenkende.

 

 

 

14. Zielgruppe

 

Sinkende Wahlbeteiligung, Mitgliederschwund in den etablierten Parteien, eine wachsende Zahl von Nichtwählern, Politikverdrossenheit, weil es ja doch nichts bringt! Dieses Gefühl von Machtlosigkeit lässt sich sehr gut instrumentalisieren. Populisten wenden sich deswegen auch sehr gerne an bildungsferne, unpolitische Teile der Bevölkerung. Die fühlt sich dann endlich vertreten und übergibt umso bereitwilliger ihre Stimme.

 

 

 

15. Zugehörigkeit

 

Wir und die anderen. Wähler wollen Zugehörigkeit. Populisten widmen sich diesem Bedürfnis. Umso geringer das Selbstbewusstsein der Zielgruppe, desto wirksamer die Ansprache. Wir sind die Guten! Deswegen sind die Anderen die Bösen.

 

 

 

16. Einfache Antworten

 

Endlich ein Patentrezept! Was einfach klingt, klingt glaubhafter und nimmt den Ängsten etwas Druck. Populismus ist ein Politikstil, der mittels vermeintlich populärer Phrasen die Komplexität leugnet. Ein auf differenzierten Argumenten basierender Diskurs wird vermieden, ja sogar wo möglich bestraft. So sind dann auch die Botschaften; Scheinlösungen. Bis sich die Auswirkungen zeigen kann der Schaden schon immens sein.

 

 

 

Missbrauch des Begriffs Populismus als Schmähwort

 

Mitunter klingt der Hinweis, es handle sich bei einer Aussage doch nur um Populismus, wie eine Killerphrase. So, als würde es nur darum gehen, eine Diskussion auf diese Weise im Keim zu unterdrücken. Tabu! Aussetzen!

Häufig wird der Populismus-Vorwurf als Manipulationsversuch eingesetzt. Es erfordert eine breite Aufmerksamkeit der Beobachter, damit solche Versuche nicht gelingen. Laut Definition entspricht Populismus (abgeleitet vom lateinischen populus für Volk) dem, was viele Menschen bewegt. Respektvolle Meinungsäußerungen, die im Einklang mit anerkannten Werten stehen, sind im allgemeinen Interesse. Und das selbst, wenn einem die Aussagen nicht schmecken. Demokratie lebt von einer lebendigen Diskussionskultur. Bei Verdacht von Worthülsen lässt sich ja konsequent nachfragen.

 

 

 

Fazit

 

Von wegen nur extreme Parteien setzen auf Populismus. Merkmale des bedenklichen Populismus sind bei vielen Parteien zu finden.

Protest- und Identitätspopulismus, Populismus, links, rechts? Mancher Blödsinn ist einfach nur Blödsinn! Doch die dahinter stehenden Bedürfnisse dürfen nicht ignoriert werden. Tabuisierung spielt Extremen zu.

Nur weil Populisten ein Thema missbrauchen ist das noch kein Beweis dafür, dass es keines ist. Ignoriert die Politik die Bedürfnisse der Bürger, spielt sie Wähler dem negativen Populismus in die Hände. Die typischen Mechanismen bringen einen Teufelskreis in Gang. Setzen diejenigen, die den Verfall der Demokratie mit Entsetzen befürchten, auf die falschen Mittel, liefern sie unfreiwillig zusätzliches das Schmiermittel für die Zerstörung. Zunehmende Polarisierung über die Schmerzgrenze hinaus, beendet den Dialog, die Chancen für Lösungen schwinden. Gemäßigte Stimmen neigen zum Schweigen, wenn zu heftig gepöbelt wird. Doch genau diese Stimmen werden gebraucht. Teilnehmen statt nörgeln, Schluss mit den alltäglichen Beleidigungen. Wir brauchen den differenzierten Diskurs, der auf Argumenten beruht.

Unterstützung

 

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Nur Mut

 

Viele sehr gute Beiträge werden nicht gehört, weil der Mut fehlt den eigenen Standpunkt auszusprechen. Manche Menschen sind zu introvertiert oder haben aus anderen Gründen keine Freude daran vor Gruppen zu sprechen. In unserer Gesellschaft wird versucht Lampenfieber lieber zu verstecken. Die Wahrheit ist; es leiden sehr viele Menschen bei ihren Auftritten vor Publikum unter sehr intensivem Lampenfieber. In diesem Zustand ist es deutlich schwerer zu überzeugen. Gut zu wissen, dass ich Ihnen auch hier helfen kann. Nur, für den Fall … Damit Sie und Ihr Angebot überzeugen!

P.S.

 

Wie stehen Sie zum Begriff Populismus? Alles nur eine Frage der Definition? Welche Aspekte sind positiv und welche negativ? Was gibt es zu lernen?

3 Kommentare

  1. Auszug aus „Populismus“ in Wikipedia:

    Populismus ist geprägt von der Ablehnung von Eliten und Institutionen, Anti-Intellektualismus, einem scheinbar unpolitischen Auftreten, Berufung auf den gesunden Menschenverstand, Polarisierung, Personalisierung und Moralisierung.
    Populismus betont den Gegensatz zwischen dem „Volk“ und der „Elite“ und nimmt dabei in Anspruch, auf der Seite des „einfachen Volkes“ zu stehen.

    Antworten
  2. Ich habe auch den Wikipedia-Artikel gelesen und fand ihn zwar informativ, jedoch nicht hundertprozentig schlüssig. Heute wird sehr oft die AfD als rechtspopulistische Partei bezeichnet, also damit als ein mögliches Beispiel für Populismus, und laut Wikipedia wäre ein Aspekt dafür ihre Haltung gegen die Islamisierung der früher nichtislamischen Region Deutschland. Meine Frage ist nun: Warum soll das nur für die Ablehnung der Islamisierung gelten? Ist dann die Ablehnung einer Christianisierung als Kennzeichen für Populismus nicht auch anzuerkennen? Oder sonstiger Strömungen?

    Antworten
    • Der Begriff Populismus ist nun Mal nicht sauber definiert.
      Die Ablehnung oder Befürwortung von Religionen oder Ideologien ist eines von vielen Themen die aufgegriffen und instrumentalisiert werden können und das üblicherweise von vielen Parteien auf verschiedene Weise.
      Im Sinne der Diskussion, ob Populismus nun GUT oder SCHLECHT zu nennen ist, stellt sich mir eher die Frage inwieweit Überzeugungen echt oder gespielt sind.

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Populisten sind jene Menschen, die einen Spaten Spaten und eine Katze Katze nennen. William Shakespeare

Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack am 9. Januar 2017
überarbeitet am 11. Oktober 2018
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