7 Tipps für Stellungnahmen mit Teleprompter

Medienkompetenz
Stellungnahmen mit Teleprompter

Teleprompter

 

Vor wenigen Tagen gab der Vorstand eines großen Fahrzeugherstellers ein Statement vor laufender Kamera. Viele Menschen waren neugierig darauf, welche Antwort er auf eine Krise geben wird. Dann war es soweit, Kamera und Teleprompter waren bereit. Nur der Vorstand war es nicht. Es war sicher gut gemein, doch schlecht gemacht!
Jetzt hat ein anderer seinen begehrten Posten. Wobei auf einem anderen Blatt steht, ob eine glaubhaftere Stellungnahme in diesem heiklen Fall geholfen hätte. Geschadet hätte sie sicher nicht!

Wie glaubhaft sind Stellungnahmen, bei denen deutlich ersichtlich ist, dass der Text unbeteiligt abgelesen wird, wie in diesem Fall? Und weshalb machen Menschen das überhaupt?

Die Verwendung eines Teleprompters soll ungeübten Sprechern bzw. in heiklen Fällen auch anderen Sicherheit vermitteln. Doch leider fehlen ohne Übung wesentliche Voraussetzungen für die professionelle Verwendung eines Teleprompters. Und dann wirkt der Auftritt nicht authentisch. Besonders die bei ungünstiger Verwendung leicht hin und her zuckenden Augen sowie die unnatürliche Betonung hinterlassen kaum den gewünschten Eindruck.

Wenn schon, dann bitte professionell! Bei richtiger Verwendung kann so ein Teleprompter durchaus ein gutes Hilfsmittel sein. Dann, und nur dann!

 

 

 

7 Tipps für die Verwendung eines Teleprompters

 

 

1. Klärung: Teleprompter ja oder nein?

 

Mythos Nr. 1: Der Einsatz von Telepromptern reduziert die Vorbereitungszeit. Für ungeübte Nutzer stimmt genau das Gegenteil; es erfordert mehr Vorbereitung, um zu überzeugen. Was bei versierten Moderatoren, Nachrichtensprechern und Politikern so einfach aussieht, basiert auf jahrelanger Übung. 


Wer entscheiden will, ob es wirklich eine gute Idee ist einen Teleprompter zu verwenden, sollte sich erst einmal mit dessen Eigenarten, Vor- und Nachteilen beschäftigen.

Je nach Verwendung läuft bei einem Teleprompter der ganze Text durch oder er liefert Stichworte. Manche Redner lassen sich auch ihre Präsentationsfolien anzeigen. Wer gut in der freien Rede ist, hat so einen roten Faden. Diese Option ist für diejenigen, die im Thema zuhause und geübt sind, meist die überzeugendste. Im Vergleich dazu braucht es bei der Verwendung von Fließtext eine Menge Übung, damit es nicht monoton und unbeteiligt klingt.

Steif ist leicht: Der Aufwand einen Text so auszuarbeiten, dass er wie gesprochene Sprache klingt, ist höher und nicht jeder beherrscht das gleichermaßen. Herauszufinden, ob der Fluss stimmt, in welcher Geschwindigkeit der Text durchlaufen werden soll, ob die Schriftgröße passt und ob genügend Raum zwischen den Absätzen eingebaut sind braucht Zeit. Und wer die nicht zur Verfügung hat oder zu nutzen weiß, schadet sich leicht.

 

 

 

2. Wissen, wovon Sie reden

 

In der Praxis relativ unwahrscheinlich und in Komödien aus Hollywood lustiger; der Text wird ohne Wissen des Ablesenden geändert und der ist so beschäftigt, dass er es selbst zu spät merkt. Reine Fiktion? Tatsächlich würden das viele wirklich nicht bemerken und so klingt es dann auch wenig authentisch.
Leider machen viele Nutzer von Telepromptern den Fehler, alles an die Technik abzugeben. Doch gerade weil hier die Gefahr so groß ist den Kontakt zum Inhalt zu verlieren, ist eine besonders tiefe Beziehung zum Thema erforderlich. Das Publikum merkt sehr schnell an der Stimme, wenn ein Text herzlos abgelesen wird. Das klingt dann so ähnlich, wie vor vielen Jahre die Computerstimme oder sogar noch schlimmer. Siri hat dagegen dann schon fast Profisprecherqualitäten.

 

 

 

3. Die Kamera wie einen lebendigen Gesprächspartner behandeln

 

Wenn das Thema es hergibt, darf ruhig etwas mit der Kamera geflirtet werden! Wenn Sie die Kamera nicht als ein lebloses Stück Technik betrachten, sondern bei deren Ansprache einen möglichst konkreten Menschen vor Augen haben, werden Sie lebendiger, echter, glaubhafter. Zwar sind die kleinsten Augenbewegungen beim Ablesen noch sichtbar, fallen aber bei einer lebhaften Mimik weniger auf. Etwas Halluzinationskompetenz hilft, der Kamera so in Ihre Linse zu schauen, wie einem Menschen, der vor Ihnen stehen würde.

Augenkontakt: Es gilt, was auch in einem persönlichen Gespräch gilt; wer den Augenkontakt vermeidet, wirkt unehrlich, wer starrt verschreckt wie Klaus Kinski.

 

 

 

4. Texten für den Teleprompter

 

Erzählen Sie der Kamera, was Sie vermitteln wollen. Für gute Redner gilt; erst denken, fühlen und dann aussprechen! Es braucht die Verzahnung von Denken und Sprechen. Unmittelbarkeit nennen das manche. Und wo bleibt die bei der Verwendung eines Teleprompters?

Sie geht verloren, wenn auswendig gelernte Texte stocksteif reproduziert oder abgelesen werden. Das klingt meistens unbeteiligt und unecht. Ein ausformulierter Promptertext ist eher ein optimiertes Transkript als ein Fachbuchgesetzestextfolterinstrument. Leiernde Stimmen, Sätze wie von Bürokraten formuliert: Wer will so etwas hören? Also bitte keine umständlichen Formulierungen, sondern gut betonte gesprochene Sprache, mit eher kurzen Sätzen.

Kurze proaktive Sätze sind einfacher zu handhaben. Lange Sätze lassen sich nur mit Übung verinnerlichen. Sie klingen oft  zerstückelt, weil der Sprecher auf dem schmalen Laufband des Teleprompters nur einen kurzen Teil des Satzes aufnimmt. Wie soll auch jemand Sätze richtig betonen, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Erst die richtige Betonung macht einen gesprochenen Satz verständlich.

 

 

 

5. Sprechtempo

 

Ein gutes Sprechtempo ermöglicht es Zuhörern zu folgen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Der Teleprompter verführt jedoch dazu, mehr und schneller zu reden, als menschliche Ohren und Auswertungsmechanismen es vertragen. Kurze Sätze, Übung, Betonungszeichen und die geeignete Formatierung für den Prompterbildschirm helfen, dies zu verbessern.

 

 

 

6. Technische Tipps

 

Kleinere Bildschirme oder mehr Abstand sorgen dafür, das sich die Augen beim Ablesen nicht so weit von links nach rechts bewegen müssen. Soweit das Auge es mitmacht sollte das beim Aufbau berücksichtigt werden.

 

 

 

7. Nur unfehlbare Technik einsetzen

 

Im Ernst; was schiefgehen kann, geht irgendwann schief. So manche Panne hat Sprecher aus dem Konzept gebracht. Einige meistern sie und andere geben sich der Panik hin und flüchten. Zu einer guten Vorbereitung gehört auch der souveräne Umgang mit unvorhersehbaren und vorhersehbaren Störungen. Nicht nur Michael Bay kann davon ein Lied singen.

 

 

 

8.Teleprompter selber bauen

 

Im Internet finden Sie Anleitungen für den Bau eines Teleprompters. Eine Bauanleitung für einen Teleprompter finden Sie hier (externer Link). Vor Jahren habe ich selbst ein ansehnliches Exemplar nach meinen Plänen und Wünschen aus Holz bauen lassen. Es hat sehr gut funktioniert. Allerdings ist die Wahl des Spion-Spiegels wesentlich. Übliche Spion-Spiegel haben keine ausreichende Lichtdurchlässigkeit. Hochwertiges leicht verspiegeltes Glas ist empfehlenswerter.