Politische Debatten: Versatzstücke statt Sahnestücke der Rhetorik

Nur keine Angriffspunkte liefern
Politische Debatten: Versatzstücke statt Sahnestücke der Rhetorik

Politische Aussagen aus dem Baukasten

 

Das auffälligste am Bundestagswahlkampf 2017 ist wohl, dass er im Grunde bisher nicht stattfindet. Es erinnert an Mikado; wer einen Zug macht, rüht möglichst wenig an. Nur keinen Wind machen!

 

 

 

Versatzstücke dominieren politische Reden in Deutschland

 

Im Theater ist ein Versatzstück ein beweglicher und daher beliebig zu versetzender Bestandteil eines Bühnenbildes. Im übertragenen Sinn werden inhaltliche Bestandteile von Reden ebenfalls in mehr oder meist weniger neuem Arrangement verwendet.

Heutzutage arbeiten nicht nur Politiker sehr gerne mit Versatzstücken. Deshalb ähneln sich die Aussagen entsprechend häufig und Überraschungen sind eher die Ausnahme.

 

 

 

Weshalb

 

Gerade in Wahlkampfzeiten sind Wiederholungen an der Tagesordnung. Es hilft den Sprechern ihre Botschaften möglichst einheitlich zu halten und Fettnäpfchen zu vermeiden.

 

 

 

Eine bewährte Taktik

 

Es handelt sich nicht um eine schöne, doch bewährt Taktik. Wer genauer hinsieht erkennt, wie beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel so antwortet, dass Polarisierung vermieden wird. Wer nichts sagt, sagt auch nichts falsches.

Wer tatsächlich mal etwas sagt muss heutzutage fürchten, dass die Äußerungen zu unwillkommenen Steilvorlagen für die Medien und den politischen Gegner werden. Wir leben nun mal im Zeitalter der sozialen Medien mit Twitter, Facebook und Co. Da kann im Handumdrehen aus ein paar Worten eine Welle der Empörung, ein Shitstorm werden. Und weil die Empfänger über die Bedeutung einer Botschaft entscheiden kann da schnell aus einer Mücke ein Elefant werden. So wie bei der stillen Post…

 

 

 

Verständlich und schade

 

Es achten Politiker möglichst genau darauf, was sie sagen: Nur keine womöglich irreführenden Metaphern, zweideutigen Bemerkungen oder gar Ironie. Ach was – am besten gleich weitgehend Inhalt vermeiden, das ist sicherer. Das macht die politische Rhetorik ziemlich langweilig und reduziert die Einschaltquoten. Bewegende Debatten sind mittlerweile selten geworden. Zu sehr fürchten sich Politiker vor schmerzhaften Fehltritten.

 

 

 


Es war einmal

 

Politiker wie Franz Josef Strauß oder Herbert Wehner waren selbst im Bundestag kaum zu zügeln. Ihnen gingen die Pferde häufiger durch. Es war schon mitunter heftiger als erlaubt. Und manches war durchaus auch unappetitlich. Doch zumindest wurde heftig debattiert und deshalb mit Interesse das Geschehen beobachtet. Ich vermisse das! Der Meinungsbildung dürfte das zuträglicher sein, als der vorsichtige Aufguss von freigegebenen Versatzstücken.

 

 

 

Schuldig im Sinne der Anklage

 

Heute werden die meisten Reden schon im Vorfeld von Leuten wie mir geglättet, vorsorglich auf mögliche Wirkungen und Auswirkungen hin geprüft und gestaltet. Die Risikobereitschaft ist geringer und die Fallgruben häufig. Bei aller Vorsicht darf eine Rede aber durchaus noch eine relevante Botschaft enthalten.

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Ich wünsche mir lebendigere politische Debatten mit echten Argumenten.

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