Wenn über dich gelästert wird: 9 Tipps für einen souveränen Umgang
Zwischen Ignorieren, Klarstellen und Grenzen setzen
Wenn über dich gelästert wird: 9 Tipps für einen souveränen Umgang
Zwischen Ignorieren, Klarstellen und Grenzen setzen
Zu erfahren, dass andere über dich reden, kann treffen.
Vielleicht wirst du wütend.
Enttäuscht.
Unsicher.
Oder du möchtest sofort reagieren und die Sache richtigstellen.
Das ist verständlich.
Doch genau hier lohnt sich ein Moment der Klarheit.
Nicht jede Lästerei verdient dieselbe Reaktion.
Manches verliert an Bedeutung, wenn du ihm keine zusätzliche Aufmerksamkeit gibst.
Anderes kann Beziehungen, Vertrauen oder sogar deine Reputation beschädigen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Was dient dir in dieser konkreten Situation?
Hier findest du 9 Empfehlungen, die dir helfen können, besonnen und wirksam zu reagieren.
Was bedeutet Lästern?
Lästern bedeutet, abwertend, spöttisch oder respektlos über einen Menschen zu sprechen, während dieser weniger am Gespräch beteiligt ist.
Dabei gibt es Abstufungen.
Eine beiläufige Bemerkung ist etwas anderes als systematische Abwertung.
Klatsch etwas anderes als gezielt verbreitete falsche Tatsachen.
Und ein unangenehmer Kommentar etwas anderes als eine ernsthafte Rufschädigung.
Deshalb beginnt guter Umgang mit einer möglichst nüchternen Einschätzung dessen, was tatsächlich geschieht.
Warum lästern Menschen?
Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben.
Menschen suchen Zugehörigkeit.
Sie bauen Spannungen ab.
Sie wollen Aufmerksamkeit.
Sie vergleichen sich.
Sie reagieren auf Neid oder Kränkung.
Sie suchen Verbündete.
Oder sie versuchen, den Ruf eines anderen Menschen zu beeinflussen.
Von außen lässt sich das Motiv selten sicher erkennen.
Für deine Reaktion ist es häufig ohnehin weniger entscheidend als die Frage:
Welche Wirkung hat das Verhalten – und was möchtest du damit tun?
9 Tipps, wenn über dich gelästert wird
1. Reagiere weniger im ersten Impuls
Die erste Reaktion ist häufig emotional.
Du möchtest anrufen.
Zurückschlagen.
Etwas öffentlich klarstellen.
Oder sofort herausfinden, wer was gesagt hat.
Gib dir zunächst etwas Abstand.
Ein paar Minuten können bereits helfen.
Bei größeren Themen vielleicht eine Nacht.
Eine überlegte Reaktion schützt häufig mehr als ein schneller Gegenschlag.
2. Prüfe, was tatsächlich gesagt wurde
Gerüchte über Gerüchte entwickeln erstaunliche Eigendynamik.
„Jemand hat gesagt, dass jemand gehört hat …“
Bevor du reagierst, prüfe möglichst:
Was wurde tatsächlich gesagt?
Von wem?
In welchem Zusammenhang?
Zu wem?
Und wie verlässlich ist deine Quelle?
Reagiere auf Fakten statt auf Vermutungen über Vermutungen.
3. Schätze die Bedeutung ein
Nicht jedes Gerede verdient deine Energie.
Frage:
Hat das reale Folgen?
Für Beziehungen?
Für deine berufliche Position?
Für Kunden?
Für deine Reputation?
Oder ärgert dich vor allem, dass jemand schlecht über dich gesprochen hat?
Beides darf unangenehm sein.
Die angemessene Reaktion kann trotzdem sehr unterschiedlich ausfallen.
4. Entscheide bewusst, ob du reagierst
Ignorieren kann souverän sein.
Es kann ebenso unklug sein.
Wenn eine belanglose Bemerkung von selbst verschwindet, kann Aufmerksamkeit sie erst groß machen.
Wenn falsche Aussagen deinen Ruf beschädigen oder weitere Angriffe begünstigen, kann Klarstellung erforderlich werden.
Die Frage lautet:
Welche wahrscheinlichen Folgen hat Reagieren – und welche hat Schweigen?
5. Sprich die Person gegebenenfalls direkt an
Wenn ein Gespräch sinnvoll erscheint, führe es möglichst direkt und ruhig.
Zum Beispiel:
„Mir wurde zugetragen, dass du über mich Folgendes gesagt hast. Ich möchte gerne direkt mit dir klären, was dahintersteht.“
Das ist etwas anderes als:
„Was erzählst du eigentlich überall für einen Unsinn über mich?“
Klarheit und Angriff sind zwei verschiedene Dinge.
6. Stelle Tatsachen gezielt richtig
Wenn falsche Informationen Folgen haben, kann eine sachliche Korrektur wichtig sein.
Dabei gilt häufig:
So viel wie nötig. So wenig wie möglich.
Ausführliche Verteidigungsreden können einem Gerücht zusätzliche Aufmerksamkeit geben.
Konzentriere dich auf das, was tatsächlich korrigiert werden muss.
7. Vermeide Gegenlästern
Die Versuchung ist groß:
„Wenn die über mich reden, kann ich auch erzählen, was ich über sie weiß.“
Damit wirst du allerdings schnell Teil derselben Dynamik.
Bewahre deinen eigenen Standard.
Du kannst dich verteidigen.
Grenzen setzen.
Sachverhalte richtigstellen.
Und trotzdem darauf verzichten, den anderen Menschen ebenfalls abzuwerten.
Deine Reaktion sagt auch etwas über dich.
8. Schütze deine Reputation durch Verhalten
Gerüchte wirken besonders dort, wo Menschen wenig eigene Erfahrung mit dir haben.
Langfristig hat deshalb etwas anderes großes Gewicht:
Wie verhältst du dich?
Wie verlässlich bist du?
Wie kommunizierst du?
Wie gehst du mit Konflikten um?
Ein stabiler Ruf entsteht über Zeit.
Glaubwürdigkeit ist oft die wirksamste Antwort auf Gerede.
9. Hole Unterstützung dazu, wenn es ernst wird
Manche Situationen überschreiten den Bereich gewöhnlicher Lästerei.
Systematische Rufschädigung.
Mobbing.
Falsche Tatsachenbehauptungen.
Drohungen.
Oder erhebliche berufliche beziehungsweise wirtschaftliche Folgen.
Dann kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.
Für Strategie und Kommunikation können wir beispielsweise betrachten:
Was geschieht?
Welche Reaktion dient deinem Ziel?
Was sollte dokumentiert werden?
Welche Gespräche stehen an?
Und welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
Rechtliche Fragen gehören dabei in qualifizierte juristische Hände.
Lästern am Arbeitsplatz
Im beruflichen Umfeld kann Gerede zusätzliche Bedeutung bekommen.
Denn hier geht es möglicherweise um:
Vertrauen.
Zusammenarbeit.
Führung.
Karriere.
Kunden.
Reputation.
Oder Entscheidungen über Verantwortung und Positionen.
Dann lohnt sich besondere Sachlichkeit.
Dokumentiere bei Bedarf konkrete Vorfälle.
Trenne beobachtbares Verhalten von Interpretationen.
Und prüfe, welche Personen tatsächlich einbezogen werden müssen.
Nicht jeder Flurfunk braucht Eskalation. Systematische Rufschädigung verdient hingegen Aufmerksamkeit.
Lästern oder Mobbing?
Nicht jede Lästerei ist Mobbing.
Wenn allerdings wiederholt und über längere Zeit gezielt abgewertet, ausgegrenzt, angegriffen oder die berufliche Position eines Menschen untergraben wird, kann eine wesentlich ernstere Dynamik vorliegen.
Dann lohnt es sich, das Gesamtmuster zu betrachten.
→ Mobbing am Arbeitsplatz erkennen und damit umgehen
Was ist mit Verleumdung und übler Nachrede?
In Deutschland unterscheiden §§ 186 und 187 StGB unter anderem zwischen übler Nachrede und Verleumdung. Bei Verleumdung geht es um das wider besseres Wissen erfolgende Behaupten oder Verbreiten einer unwahren Tatsache, die geeignet ist, einen anderen verächtlich zu machen, öffentlich herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden. Die aktuelle Fassung von § 187 StGB sieht hierfür je nach Begehungsform Geldstrafe oder Freiheitsstrafe vor. (Gesetze im Internet)
Meine Angebote beinhalten keine Rechtsberatung.
Wenn du vermutest, dass Äußerungen strafrechtlich, arbeitsrechtlich oder zivilrechtlich relevant sind, lass dich dazu von einer entsprechend qualifizierten Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt beraten.
Das ist aus meiner Sicht besser als den vollständigen Gesetzestext auf der Seite wiederzugeben.
Wann lohnt sich ein Gespräch?
Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn:
-
du weißt, von wem die Aussage stammt,
-
eine Klärung grundsätzlich möglich erscheint,
-
die Beziehung für dich relevant ist,
-
die Aussage konkrete Auswirkungen hat,
-
du ein klares Gesprächsziel hast.
Weniger hilfreich ist ein Gespräch häufig, wenn du ausschließlich Dampf ablassen möchtest.
Dann lohnt sich vorher die Frage:
Was soll nach diesem Gespräch anders sein?
Und wenn es einfach weh tut?
Auch Gerede ohne große äußere Folgen kann verletzen.
Vielleicht kommt es von einem Menschen, dem du vertraut hast.
Oder du fühlst dich ungerecht beurteilt.
Dann darfst du diese Reaktion ernst nehmen.
Und trotzdem wählen, wie viel weiteren Raum die Sache in deinem Leben bekommen soll.
Du kannst verletzt sein und gleichzeitig entscheiden, dem Gerede weniger Macht über deinen nächsten Schritt zu geben.
Unterstützung bei schwierigen Gesprächen
Wenn du ein Gespräch wegen Lästereien, Gerüchten oder Rufschädigung vorbereiten möchtest, können wir sehr konkret daran arbeiten.
Was möchtest du erreichen?
Welche Fakten liegen vor?
Was möchtest du ansprechen?
Welche Reaktionen erwartest du?
Welche Grenzen brauchst du?
Und wie bleibst du auch bei Gegenangriffen oder Schuldumkehr handlungsfähig?
→ Wichtige Gespräche und Verhandlungen vorbereiten
Noch ein Gedanke
Nicht alles, was über dich gesagt wird, braucht deine Antwort.
Manches verdient Klarstellung.
Manches eine Grenze.
Manches professionelle Unterstützung.
Und manches darf dort bleiben, wo es entstanden ist.
Souveränität bedeutet weniger, jedes Gerücht zu besiegen.
Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden, worauf du deine Aufmerksamkeit und Energie richtest.
Antworten auf häufige Fragen
Was bedeutet lästern?
Lästern bedeutet sich über jemanden spöttisch oder verächtlich äußern, sich über diese Person respektlos lustig machen.
Weshalb lästern Menschen?
Ein wesentlicher Grund, weshalb Menschen lästern, ist, um sich dadurch besser zu fühlen oder einen anderen Nutzen daraus zu ziehen. So soll beispielsweise durch die Abwertung anderer Menschen die eigene Person aufgewertet werden. Dafür wird der Zuspruch anderer Menschen gesucht, um das Ego zu stärken.
Wo fängt lästern an?
Lästern fängt da an, wo hinter dem Rücken eines Menschen schlecht über sie geredet wird und es diese verletzen würde, wenn sie es hören könnte.
Was ist ein Beispiel für Klatsch und Tratsch?
Ein Beispiel für Klatsch ist die Weitergabe von persönlichen Details über einen Mitarbeitenden an einen anderen Mitarbeitenden.
Ist Lästern ein toxisches Verhalten?
Lästern, Klatsch, Gerüchte und schlechtes Gerede über andere sind eine einseitige Art, Konflikte auszutragen oder zu schaffen, und sie sind sehr schädlich für die Beziehungen und das gesamte Umfeld. Es handelt sich somit um toxisches Verhalten.
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... selten teil.
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... nicht teil.
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... häufig teil.
Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2018, n= 466)
Lästereien schadet.
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Ja
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Nein
Nicht repräsentative Umfrage auf www.karstennoack.de (2018, n=766)
Vorsicht, Kommentare!
Meiner Bestimmung als Schreiber nach bin ich fürs Schreiben da und du als Leserin oder Leser bist zuständig fürs Lesen. Wenn du nun auch schreibst und ich lesen muss, bringst du hier alles durcheinander. Nur mal so.
Fühle dich gerade dazu ermuntert, ich mag das!
5 Kommentare
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2009
Überarbeitung: 8. Juni 2019
AN: #43393
K:CNB
Ü:
Was ich dann mache? Das, was ich im Workshop Schlagfertigkeit geübt habe :-)
Sehr gut!
Es zeigt doch nur welch Geistes Kind solche Menschen sind, die von sich ablenken und über andere lästern.
Ja, es dürfte an Defiziten liegen.
Weshalb gibt es nicht mehr solcher Artikel mit Sound? Dann kann ich die Artikel auf dem Weg zum Büro im Auto hören.