Keith Johnstone: Was Improvisation über Souveränität lehrt
14 Impulse für Präsenz, spontane Kommunikation und einen klaren Kopf in entscheidenden Momenten
Keith Johnstone: Was Improvisation über Souveränität lehrt
14 Impulse für Präsenz, spontane Kommunikation und einen klaren Kopf in entscheidenden Momenten
Eine wichtige Präsentation ist hervorragend vorbereitet.
Dann kommt eine unerwartete Frage.
Ein Gespräch folgt plötzlich einer völlig anderen Richtung.
Ein Verhandlungspartner reagiert anders als erwartet.
Oder mitten in einer Rede verschwindet für einen Augenblick der rote Faden.
Genau hier zeigt sich Souveränität.
Denn Vorbereitung ist wertvoll.
Und gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, im entscheidenden Moment wahrzunehmen, zu reagieren und aus dem Augenblick heraus zu handeln.
Einer der Menschen, die mein Denken darüber wesentlich geprägt haben, ist Keith Johnstone.
Seine Arbeit stammt aus dem Improvisationstheater. Viele seiner Gedanken reichen weit darüber hinaus.
Sie handeln von Präsenz.
Von Status.
Von Aufmerksamkeit.
Von Vertrauen.
Vom Zusammenspiel mit anderen Menschen.
Und von der Fähigkeit, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn der ursprüngliche Plan gerade seine Bedeutung verliert.
Genau deshalb begleiten mich viele dieser Gedanken bis heute.
Wer war Keith Johnstone?
Keith Johnstone, geboren 1933 in England und gestorben 2023 in Calgary, gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des modernen Improvisationstheaters.
Er arbeitete am Royal Court Theatre in London, gründete 1967 die Improvisationsgruppe Theatre Machine und war später Mitbegründer und künstlerischer Leiter der Loose Moose Theatre Company in Calgary. Zu den von ihm entwickelten Formaten gehören unter anderem Theatresports™, Gorilla Theatre™ und Maestro Impro™.
Seine Bücher „Impro – Improvisation and the Theatre“ und „Impro for Storytellers“ wurden international verbreitet und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Mich interessiert an Johnstones Arbeit besonders ein Gedanke:
Menschen können lernen, dem Augenblick mehr zu vertrauen.
Das klingt zunächst nach Theater.
Tatsächlich begegnet uns genau diese Herausforderung ständig.
Im Führungsgespräch.
Bei einer Verhandlung.
Vor einer Kamera.
Auf einer Bühne.
Bei einer kritischen Frage.
Und immer dann, wenn ein Mensch spontan eine klare Antwort braucht.
Gute Vorbereitung schafft Freiheit
Manchmal wird Vorbereitung mit möglichst genauer Planung verwechselt.
Für mich bedeutet gute Vorbereitung etwas anderes.
Du kennst dein Ziel.
Du verstehst deine Botschaft.
Du kennst deinen Standpunkt.
Du hast mögliche Entwicklungen durchdacht.
Und dadurch gewinnst du Freiheit.
Du kannst zuhören.
Du kannst beobachten.
Du kannst reagieren.
Du kannst deinen Kurs verändern und zugleich deinem Anliegen treu bleiben.
Das ist eine Form von vorbereiteter Spontaneität.
Viele Gedanken aus der Improvisation helfen dabei.
14 Impulse aus dem Improvisationstheater
Die folgenden Punkte sind meine Verdichtung von Prinzipien, die mich durch die Beschäftigung mit Improvisation und Keith Johnstones Arbeit begleitet haben.
1. Sei mutig
Spontane Kommunikation braucht die Bereitschaft, sich zu zeigen.
Eine klare Aussage besitzt mehr Kraft als zehn vorsichtige Andeutungen.
Mut bedeutet dabei keineswegs Lautstärke.
Manchmal besteht Mut darin, ruhig einen Satz auszusprechen, der längst ausgesprochen werden sollte.
2. Nimm auf, was gerade geschieht
Im Improvisationstheater spielt das Prinzip „Ja, und …“ eine wichtige Rolle.
Übertragen auf Gespräche bedeutet das:
Erkenne zuerst die Realität der Situation.
Was wurde gerade gesagt?
Was hat sich verändert?
Welche neue Information liegt vor?
Von dort aus kannst du weiterarbeiten.
3. Beteilige dich
Kommunikation lebt von Beteiligung.
Wer ständig beobachtet, bewertet und innerlich nach der perfekten Antwort sucht, verliert leicht den Kontakt zum Geschehen.
Steig ein.
Stell die Frage.
Mach deinen Gedanken sichtbar.
Die nächste sinnvolle Bewegung entsteht häufig aus der Bewegung selbst.
4. Mach klare Angebote
Eine Szene braucht Impulse.
Ein Gespräch ebenfalls.
Sag, was du möchtest.
Formuliere deinen Gedanken.
Stell eine konkrete Frage.
Bring eine Idee ein.
Klarheit gibt anderen Menschen etwas, auf das sie reagieren können.
5. Zeig Einsatz
Halbherzigkeit macht Kommunikation schwer.
Wenn du etwas sagst, steh innerlich dahinter.
Wenn du eine Frage stellst, interessiere dich für die Antwort.
Wenn du eine Position vertrittst, kenne deine Gründe.
Präsenz entsteht auch aus innerer Beteiligung.
6. Hör aufmerksam zu
Viele Menschen hören bereits mit der nächsten eigenen Antwort im Kopf zu.
Dabei liefert echtes Zuhören häufig genau die Informationen, die wir für eine gute Reaktion brauchen.
Worte.
Tonfall.
Pausen.
Ausweichbewegungen.
Interessen.
Emotionen.
Manchmal verändert ein Satz seine Bedeutung, sobald wir wirklich zuhören.
7. Sei im Moment
Während eines anspruchsvollen Gesprächs hilft dir die brillanteste Antwort wenig, wenn sie zu einer Frage gehört, die vor fünf Minuten gestellt wurde.
Präsenz bedeutet:
Was geschieht jetzt?
Wer diese Frage innerlich wachhält, erkennt Möglichkeiten früher.
8. Lass dein Gegenüber gut aussehen
Ein bemerkenswertes Prinzip aus der Improvisation lautet sinngemäß:
Unterstütze deine Mitspieler.
Auch anspruchsvolle berufliche Kommunikation gewinnt dadurch.
Menschen kooperieren leichter, wenn ihre Würde erhalten bleibt.
Souveränität zeigt sich deshalb auch darin, wie wir mit anderen Menschen umgehen, während wir unsere eigenen Interessen vertreten.
9. Unterstütze das gemeinsame Ziel
Im Theater dient eine Handlung der Szene.
Im Gespräch lohnt sich die entsprechende Frage:
Worum geht es hier eigentlich?
Um Recht haben?
Um Wirkung?
Um eine Entscheidung?
Um Verständigung?
Um eine Vereinbarung?
Um Klarheit?
Wer das größere Ziel im Blick behält, findet häufig bessere Reaktionen.
10. Beobachte das Umfeld
Kommunikation besteht aus weit mehr als Worten.
Wie verändert sich die Atmosphäre?
Wer reagiert worauf?
Wo entsteht Spannung?
Wann wächst Aufmerksamkeit?
Welche Signale liefert die Körpersprache?
Ein guter Kommunikator hört mit den Ohren und beobachtet mit offenen Augen.
11. Übe
Spontaneität lässt sich trainieren.
Gerade anspruchsvolle Situationen profitieren von Übung.
Kritische Fragen können simuliert werden.
Gespräche lassen sich durchspielen.
Präsentationen können unterbrochen und verändert werden.
So wächst die Fähigkeit, auch bei Überraschungen beweglich zu bleiben.
12. Denk an die Menschen, für die du sprichst
Eine Präsentation dient ihrem Publikum.
Ein Gespräch dient seinem Zweck.
Eine gute Antwort dient der Situation.
Diese Perspektive verändert Kommunikation.
Die Frage lautet dann weniger:
Wie wirke ich gerade?
Sondern stärker:
Was braucht diese Situation jetzt von mir?
13. Vertraue deiner Vorbereitung und deiner Wahrnehmung
Wer gut vorbereitet ist, darf den vorbereiteten Plan irgendwann loslassen.
Du hast gedacht.
Du hast geübt.
Du kennst dein Thema.
Jetzt darfst du wahrnehmen und reagieren.
Dieses Vertrauen gehört für mich zu den wichtigsten Grundlagen souveräner Kommunikation.
14. Mach aus Stolpern Bewegung
Ein Versprecher.
Eine schwierige Frage.
Ein kurzer Blackout.
Eine unerwartete Reaktion.
Das alles kann geschehen.
Entscheidend ist häufig, was unmittelbar danach passiert.
Souveräne Menschen integrieren solche Momente.
Sie korrigieren.
Sie orientieren sich.
Sie setzen fort.
Manchmal entsteht gerade dadurch besondere Glaubwürdigkeit.
Souveränität beginnt dort, wo das Skript endet
Das ist vermutlich einer der wichtigsten Gedanken, die ich aus meiner Beschäftigung mit Improvisation mitgenommen habe.
Wir können uns hervorragend vorbereiten.
Und dann beginnt die Realität.
Ein Mensch reagiert anders.
Eine Frage überrascht uns.
Ein Argument verändert die Lage.
Eine Gelegenheit entsteht.
In solchen Momenten hilft eine Kombination aus:
Klarheit und Beweglichkeit.
Du weißt, was dir wichtig ist.
Und du bleibst offen für das, was geschieht.
Genau diese Verbindung interessiert mich heute besonders.
Von der Improvisation zur ImproRhetorik™
Viele Anregungen aus der Improvisation sind über die Jahre in meine Arbeit mit ImproRhetorik™ eingeflossen.
Dabei geht es um weit mehr als spontanes Reden.
Es geht um die Fähigkeit,
schnell zu erfassen, was gerade geschieht,
Gedanken zu strukturieren,
klar Position zu beziehen,
auf andere Menschen einzugehen,
mit Überraschungen umzugehen
und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.
Das ist bei einer spontanen Rede hilfreich.
Und ebenso bei einem Führungsgespräch, einer Verhandlung, einer Vorstandspräsentation oder einem Medienauftritt.
Wenn viel auf dem Spiel steht
Je wichtiger eine Situation wird, desto wertvoller finde ich diese Verbindung:
gründlich vorbereiten und beweglich bleiben.
Bei der Vorbereitung wichtiger Gespräche schauen wir deshalb auf Ziele, Interessen, mögliche Dynamiken und unterschiedliche Gesprächsverläufe. Genau diese Beweglichkeit ist bereits ein zentraler Bestandteil deiner heutigen Seite zur Gesprächsvorbereitung.
Bei Präsentationen geht es entsprechend um Botschaft, Dramaturgie, Argumentation, Wirkung und den souveränen Umgang mit dem, was sich während des Auftritts entwickelt.
Und im Executive Sparring kann genau diese Kombination entscheidend werden: klare Orientierung und die Fähigkeit, auf Entwicklungen zu reagieren, wenn eine Präsentation, Verhandlung oder andere Situation erhebliche Tragweite besitzt.
→ Wichtige Gespräche und Verhandlungen vorbereiten
→ Rede und Präsentation vorbereiten
Was mir von Keith Johnstone geblieben ist
Keith Johnstone hat das Improvisationstheater tief geprägt.
Für mich liegt sein Vermächtnis zugleich in einer Haltung.
Wahrnehmen.
Zuhören.
Sich einlassen.
Mutig handeln.
Andere Menschen einbeziehen.
Dem eigenen Können vertrauen.
Und bereit sein, auf das zu reagieren, was tatsächlich geschieht.
Denn manche der wichtigsten Momente unseres Lebens beginnen genau dort, wo der vorbereitete Text endet.
Der nächste Schritt
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
- worum es geht
- was du erreichen möchtest
- bis wann das Thema relevant ist
- ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Gut informiert entscheiden
Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz
Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
Kontaktformular
8 Kommentare
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 10. Dezember 2014
Überarbeitung: 29. Mai 2019
AN: #87257
K: CNB
Ü:
Gibt es noch Kurse mit ihm?
Ich finde keine Angebote mit ihm. Schade.
Er hat also das Improvisationstheater erfunden?
Keith Johnstone hat es zumindest maßgeblich geprägt und in die heutigen Formen geleitet.
Don’t Do Your Best
Präsentation von Keith Johnstone
Externer Link zu YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=bz9mo4qW9bc
Ich finde keine Angebote. Schade.
Keith Johnstone auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Keith_Johnstone
Keith Johnstone auf seiner Seite:
https://www.keithjohnstone.com