Lästern und Tratschen: Warum wir es tun – und wie du souverän damit umgehst
Lästern und Tratschen: Warum wir es tun & 12 souveräne Tipps
Lästern und Tratschen: Warum wir es tun – und wie du souverän damit umgehst
„Hast du gehört, was er gemacht hat?“
„Das passt wieder typisch zu ihr.“
„Sag es bitte niemandem weiter …“
Und schon beginnt ein Gespräch über jemanden, der weniger dabei ist.
Lästern hat einen schlechten Ruf.
Und trotzdem gehört das Reden über Abwesende zum menschlichen Sozialleben.
Die spannendere Frage lautet deshalb weniger:
„Warum lästern Menschen überhaupt?“
Sondern:
„Welche Funktion erfüllt dieses Gespräch gerade – und welche Folgen hat es?“
Was ist Lästern?
Umgangssprachlich meinen wir mit Lästern meist:
negativ oder abwertend über eine abwesende Person zu sprechen.
Der weitere Begriff Gossip beziehungsweise Klatsch umfasst in der Forschung allgemeiner den Austausch von Informationen über nicht anwesende Dritte.
Diese Informationen können:
- positiv
- neutral
- negativ
sein.
Lästern ist also nur ein Teil davon.
Nicht jedes Gespräch über Abwesende ist problematisch
Wenn du beispielsweise sagst:
„Mit Frau X habe ich bei diesem Projekt sehr gute Erfahrungen gemacht.“
sprichst du über eine abwesende Person.
Das ist weniger automatisch Lästerei.
Auch sachlich relevante Informationen können notwendig sein.
Zum Beispiel:
„Bei der letzten Zusammenarbeit wurde die Deadline dreimal nicht eingehalten.“
Hier geht es möglicherweise um eine wichtige Entscheidung.
Entscheidend sind Inhalt, Zweck und Umgang
Frag:
- Ist die Information relevant?
- Ist sie überprüfbar?
- Ist die Person unnötig abgewertet?
- Warum erzähle ich das gerade?
- Was soll daraus folgen?
Warum reden Menschen so gern über andere?
Weil Informationen über andere Menschen sozial ausgesprochen nützlich sein können.
Wir möchten beispielsweise wissen:
- Wem kann ich vertrauen?
- Wer hält Zusagen ein?
- Mit wem lohnt sich Zusammenarbeit?
- Welche Regeln gelten in dieser Gruppe?
Informationen über Dritte helfen Menschen, soziale Situationen einzuschätzen.
Gossip kann Reputation vermitteln
Forschung zeigt, dass Menschen Informationen über die Kooperationsbereitschaft anderer austauschen und solche Informationen tatsächlich nutzen, um spätere Entscheidungen über:
- Vertrauen
- Zusammenarbeit
- Hilfsbereitschaft
zu treffen.
Das macht verständlich, warum Klatsch in praktisch allen menschlichen Gruppen vorkommt.
Gossip kann soziale Normen sichtbar machen
Wenn eine Gruppe sagt:
„So etwas macht man hier weniger.“
wird indirekt eine Norm vermittelt.
Auch Lästern kann deshalb signalisieren:
Welches Verhalten gilt hier als akzeptabel?
Das kann Kooperation fördern
Wenn Menschen wissen, dass ihr Verhalten ihre Reputation beeinflusst, kann das kooperatives Verhalten begünstigen.
Doch dieser Mechanismus funktioniert nur, wenn die Informationen ausreichend zuverlässig sind.
Und genau dort beginnt das Problem
Gossip ist weniger automatisch wahr.
Informationen können:
- unvollständig
- verzerrt
- missverstanden
- strategisch eingesetzt
werden.
Deshalb sollte:
„Das hat jemand erzählt.“
weniger denselben Stellenwert haben wie:
„Das habe ich überprüft.“
Warum Lästern kurzfristig verbindet
Zwei Menschen sprechen kritisch über eine dritte Person.
Und plötzlich entsteht ein Gefühl von:
„Wir beide verstehen, was hier los ist.“
Das kann Nähe erzeugen.
Besonders wenn beide:
- dieselbe Erfahrung gemacht haben
- denselben Ärger teilen
- dieselbe Norm vertreten
Der gemeinsame Dritte wird dann zum sozialen Bindemittel.
Gemeinsame Abwertung ist trotzdem eine fragile Form von Nähe
Denn irgendwann kann die Frage entstehen:
„Wenn du so über andere sprichst – wie sprichst du über mich, wenn ich weniger dabei bin?“
Das ist einer der größten sozialen Preise von Lästerei.
Wer Informationen weitergibt, sendet gleichzeitig Informationen über sich selbst
Du erzählst etwas über Person A.
Dein Gegenüber erfährt gleichzeitig etwas über:
- deine Diskretion
- deine Loyalität
- deinen Umgang mit Konflikten
- deinen Umgang mit Abwesenden
Jede Lästerei hat deshalb mindestens zwei Botschaften.
Eine über die abwesende Person.
Und eine über dich.
Lästern oder berechtigte Kritik?
Das ist weniger immer leicht zu unterscheiden.
Ein hilfreiches Kriterium:
Was soll mit der Information geschehen?
Wenn du sagst:
„Wir müssen über das Verhalten von X sprechen, weil es das Projekt gefährdet.“
kann das notwendige Kommunikation sein.
Wenn der Zweck lautet:
„Wir möchten uns gemeinsam darüber lustig machen.“
ist die Funktion eine andere.
Kritik hat idealerweise einen Adressaten
Wenn sich ein Problem mit einer Person klären lässt, ist häufig sinnvoll:
mit ihr zu sprechen statt ausschließlich über sie.
Das bedeutet weniger, jede Beobachtung sofort direkt anzusprechen.
Doch dauerhafte indirekte Kommunikation löst Konflikte selten.
Ein hilfreicher Test
Frag dich:
„Würde ich das in ähnlicher Form auch sagen, wenn die Person im Raum wäre?“
Wenn die Antwort eindeutig Nein lautet, lohnt sich eine Pause.
Dieser Test ist weniger absolut
Es gibt Situationen, in denen du berechtigt vertraulich über jemanden sprechen musst.
Zum Beispiel:
- um Rat zu suchen
- eine schwierige Situation einzuordnen
- eine professionelle Entscheidung vorzubereiten
Dann bleibt entscheidend:
Sprichst du über relevantes Verhalten oder machst du die Person klein?
Lästern als Ventil
Menschen reden manchmal über Dritte, um Ärger abzubauen.
Das kann kurzfristig entlasten.
Doch Entlastung ist weniger automatisch Lösung.
Wenn du dich nach jedem Gespräch erneut über dieselbe Person aufregst, lohnt sich:
„Was möchte ich eigentlich verändern?“
Vom Ventil zur Endlosschleife
Ein Team kann sich beispielsweise regelmäßig darüber austauschen, wie schwierig eine Führungskraft sei.
Alle stimmen ein.
Die Stimmung verbessert sich für zehn Minuten.
Und am Problem verändert sich nichts.
Dann wird Lästern möglicherweise zur Ersatzhandlung.
Eine stärkere Frage:
„Welche Handlung folgt aus unserem Gespräch?“
Wenn die Antwort lautet:
„Keine.“
dann lohnt sich weniger eine weitere Runde desselben Gesprächs.
Lästern im Beruf
In Organisationen erfüllt Gossip zahlreiche Funktionen.
Menschen tauschen Informationen aus über:
- Führungskräfte
- Kollegen
- Entscheidungen
- informelle Regeln
- Vertrauenswürdigkeit
Das lässt sich weniger vollständig verhindern.
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Art von informeller Kommunikation entsteht?
Warum Flurfunk entsteht
Flurfunk wird besonders attraktiv, wenn offizielle Informationen fehlen.
Zum Beispiel:
„Weißt du, was mit der Abteilung passiert?“
„Hat jemand gehört, warum der Geschäftsführer gekündigt hat?“
Wo Informationslücken entstehen, werden sie häufig durch Vermutungen gefüllt.
Gerüchte sind weniger dasselbe wie Gossip
Auch diese Begriffe lassen sich unterscheiden.
Gossip bezieht sich meist auf Informationen über Personen.
Gerüchte können allgemein unsichere Informationen über Ereignisse oder Entwicklungen betreffen.
In der Praxis überschneiden sich beide häufig.
Führung kann Lästerei weniger verbieten
Sie kann jedoch die Bedingungen beeinflussen.
Zum Beispiel durch:
- frühzeitige Information
- nachvollziehbare Entscheidungen
- glaubwürdige Kommunikation
- direkte Konfliktklärung
Je weniger Menschen offizielle Informationen vertrauen, desto attraktiver wird informelle Information.
Lästerei kann ein Symptom sein
Wenn in einem Team außergewöhnlich viel übereinander gesprochen wird, lohnt sich weniger nur die Frage:
„Warum sind diese Menschen so negativ?“
Frag auch:
- Können Konflikte direkt angesprochen werden?
- Ist Feedback sicher?
- Werden Probleme ernst genommen?
- Gibt es transparente Entscheidungen?
Eine Kultur indirekter Kommunikation
In manchen Teams wird wenig direkt gesagt.
Person A ärgert sich über Person B.
Und spricht mit:
- C
- D
- E
Nur weniger mit B.
Das erzeugt:
- Informationsverzerrung
- Lagerbildung
- Misstrauen
Dreiecks-Kommunikation
Wenn eine relevante Spannung zwischen zwei Personen dauerhaft über eine dritte Person ausgetragen wird, entsteht eine Dreiecksdynamik.
Das kann Konflikte stabilisieren.
Eine hilfreiche Frage für die dritte Person lautet:
„Hast du das schon direkt mit ihr beziehungsweise ihm besprochen?“
Lästern nach oben
Auch Führungskräfte lästern.
Zum Beispiel über:
- Mitarbeitende
- andere Führungskräfte
- Kunden
- Geschäftspartner
Das kann besonders problematisch sein.
Denn hier kommt Macht hinzu.
Führungskräfte prägen Normen
Wenn die Führung regelmäßig:
- spöttisch über Abwesende spricht
- Vertrauliches weitererzählt
- andere öffentlich abwertet
dann lernt das Umfeld:
„So sprechen wir hier miteinander.“
Was im Raum passiert, bleibt weniger im Raum
Gerade in Organisationen verbreiten sich Aussagen schnell.
Das bedeutet weniger, ständig ängstlich sprechen zu müssen.
Es bedeutet:
Vertraulichkeit bewusst zu behandeln.
Öffentliche Kritik und Lästern
Auf der bisherigen Seite wurde bereits ein sinnvoller Gedanke angesprochen:
Bereits berechtigte Kritik wird problematisch, wenn sie unnötig zur öffentlichen Bloßstellung wird.
Das würde ich behalten.
Es gibt Ausnahmen.
Doch häufig gilt:
Korrigiere Verhalten so direkt und so wenig demütigend wie möglich.
Öffentliche Demütigung ist weniger gute Führung
Sie kann:
- Angst erzeugen
- Verteidigung verstärken
- Vertrauen reduzieren
und gleichzeitig dem Umfeld zeigen:
„Das könnte mir ebenfalls passieren.“
Wenn über dich gelästert wird
Das kann verletzen.
Besonders wenn:
- falsche Behauptungen verbreitet werden
- Vertrauliches weitergegeben wird
- deine Reputation betroffen ist
Bevor du reagierst, kläre möglichst:
Was wurde tatsächlich gesagt?
Von wem?
Welche Folgen hat es?
Reagiere weniger auf jede Weitererzählung
Bei Gossip entsteht schnell eine Kette:
„X hat gesagt, dass Y gesagt hat …“
Mit jeder Station kann sich der Inhalt verändern.
Deshalb ist direkte Information wertvoll.
Wenn es relevant ist: direkt ansprechen
Zum Beispiel:
„Mir wurde berichtet, dass du diese Aussage über mich gemacht hast. Ich möchte sie lieber direkt mit dir klären.“
Ruhig.
Ohne bereits alles als bewiesen zu behandeln.
Wenn es wenig Bedeutung hat
Dann darfst du manchmal entscheiden:
„Das bekommt weniger meine Energie.“
Nicht jede Bemerkung braucht eine Gegenkampagne.
Wenn deine Reputation konkret betroffen ist
Dann kann eine Reaktion wichtig sein.
Zum Beispiel wenn:
- berufliche Entscheidungen beeinflusst werden
- schwerwiegende falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet werden
- rechtliche Fragen entstehen
Bei rechtlich relevanten Fragen ist eine juristische Einschätzung sinnvoll.
Wenn andere in deiner Gegenwart lästern
Hier hast du mehr Möglichkeiten als:
mitmachen
oder:
empört den Raum verlassen.
1. Hör weniger automatisch mit Zustimmung zu
Schweigen kann manchmal als Zustimmung erlebt werden.
Du musst trotzdem weniger jedes Gespräch moralisch korrigieren.
Du kannst schlicht neutral bleiben.
2. Frag nach der Relevanz
Zum Beispiel:
„Was bedeutet das für unsere Entscheidung?“
Damit wird aus Personengerede wieder Sachbezug.
3. Frag nach der Quelle
„Weißt du das direkt oder hast du es gehört?“
Diese Frage ist besonders wertvoll.
Denn Menschen behandeln Gossip häufig erstaunlich schnell wie gesicherte Information.
4. Unterscheide Beobachtung und Bewertung
Zum Beispiel:
„Er ist völlig unzuverlässig.“
Frag:
„Was genau ist passiert?“
Vielleicht lautet die Antwort:
„Er hat zwei Deadlines verschoben.“
Das ist deutlich konkreter.
5. Lenke auf direkte Kommunikation
Zum Beispiel:
„Das klingt, als solltest du es mit ihr direkt besprechen.“
6. Gib Vertrauliches weniger weiter
Auch wenn die Information interessant ist.
Besonders wenn jemand ausdrücklich sagt:
„Das bleibt unter uns.“
Dann prüfe sehr genau, ob du überhaupt eine Berechtigung zur Weitergabe hast.
7. Vermeide die Rolle des Boten
Zum Beispiel:
„Sag ihm bitte, dass ich …“
Wenn du dauerhaft Botschaften zwischen Menschen transportierst, wirst du Teil des Konfliktsystems.
Hilfreicher:
„Das solltest du ihm direkt sagen.“
8. Widersprich bei unfairen Behauptungen
Wenn du weißt, dass eine Darstellung falsch oder verzerrt ist, kannst du ruhig sagen:
„So habe ich die Situation weniger erlebt.“
Oder:
„Dafür sehe ich bislang keine Grundlage.“
9. Unterbrich Abwertung
Zum Beispiel:
„Über das Verhalten können wir gern sprechen. Bei persönlichen Abwertungen bin ich raus.“
10. Wechsel das Thema
Manchmal braucht es weniger eine Grundsatzrede.
Ein einfacher Themenwechsel reicht.
11. Beende das Gespräch
Wenn eine Runde ausschließlich davon lebt, andere kleinzumachen, darfst du gehen.
Das ist weniger unhöflich als eine Teilnahme, die du weniger möchtest.
12. Prüfe dein eigenes Bedürfnis mitzumachen
Vielleicht möchtest du:
- dazugehören
- interessant wirken
- Informationen besitzen
- Frust teilen
Das ist menschlich.
Gerade deshalb lohnt es sich, das Muster zu erkennen.
Warum wir negative Informationen so interessant finden
Negative soziale Informationen können besonders relevant erscheinen.
Sie warnen möglicherweise vor:
- Risiken
- Normverletzungen
- unzuverlässigen Partnern
Das macht negative Informationen attraktiv.
Es macht sie weniger automatisch wahr.
Reputation entsteht schnell
Forschung zum alltäglichen Gossip zeigt, dass Empfänger solche Informationen häufig glauben und ihre Bewertung einer Person entsprechend verändern.
Das ist ein guter Grund für Vorsicht.
Ein Satz über einen Abwesenden kann dessen soziale Realität verändern.
Gossip kann Kooperation fördern – oder beschädigen
Die Wirkung hängt stark davon ab, welche Informationen verbreitet werden und mit welchem Motiv.
Prosozial motivierte Informationen können Menschen beispielsweise vor problematischem Verhalten warnen.
Wenn jedoch:
- Lügen vorteilhaft werden
- negative Informationen dominieren
- Reputation strategisch manipuliert wird
kann Gossip Kooperation auch deutlich verschlechtern.
Deshalb ist die einfache Formel „Lästern ist schlecht“ zu kurz
Die sinnvollere Unterscheidung lautet:
Hilft dieser Austausch dabei, relevante soziale Information verantwortungsvoll zu teilen?
Oder:
Dient er vor allem Abwertung, Unterhaltung oder Status?
Was ist mit Warnungen vor problematischem Verhalten?
Die sind wichtig.
Wenn du beispielsweise weißt, dass jemand:
- wiederholt Vereinbarungen verletzt
- Menschen bedroht
- geschäftlich problematisch handelt
kann es verantwortungsvoll sein, andere angemessen zu informieren.
Das ist weniger dasselbe wie Lästern.
Bleib möglichst bei überprüfbarem Verhalten
Statt:
„Der ist ein furchtbarer Mensch.“
besser:
„Bei meiner Zusammenarbeit wurden diese drei Vereinbarungen nicht eingehalten.“
Damit kann dein Gegenüber selbst bewerten.
Keine Ferndiagnosen
Auch beim Lästern werden Menschen gern psychologisch etikettiert.
Zum Beispiel:
„Die ist narzisstisch.“
„Der ist psychopathisch.“
Solche Ferndiagnosen bringen meist wenig Klarheit.
Hilfreicher ist:
Welches konkrete Verhalten ist problematisch?
Lästern in privaten Beziehungen
Auch dort kann indirektes Reden Konflikte verstärken.
Wenn du mit mehreren Menschen ausführlich über deinen Partner sprichst und weniger mit deinem Partner selbst, entsteht leicht:
- Lagerbildung
- einseitige Darstellung
- zusätzlicher sozialer Druck
Natürlich darfst du Unterstützung suchen.
Die Frage lautet:
Suchst du Hilfe oder Verbündete?
Hilfe suchen ist weniger Lästern
Du darfst sagen:
„Ich weiß weniger, wie ich mit dieser Situation umgehen soll.“
Und konkrete Erfahrungen schildern.
Das ist etwas anderes als:
„Sag mir bitte, dass dieser Mensch furchtbar ist.“
Ein guter Gesprächspartner hilft weniger beim Hochrüsten
Er fragt vielleicht:
„Was möchtest du jetzt tun?“
Oder:
„Hast du das schon direkt angesprochen?“
Damit wird aus Empörung wieder Handlung.
Was tun, wenn du selbst gelästert hast?
Dann brauchst du weniger Selbstverurteilung.
Frag:
- Warum habe ich das erzählt?
- War die Information fair?
- Habe ich Vertrauliches verletzt?
- Muss ich etwas korrigieren?
Manchmal braucht es eine Korrektur
Zum Beispiel:
„Ich habe gestern etwas über X gesagt, das ich so weniger hätte weitergeben sollen.“
Oder:
„Meine Darstellung war einseitig. Ich möchte das korrigieren.“
Verantwortung schafft Glaubwürdigkeit
Niemand kommuniziert immer perfekt.
Relevant wird:
Was machst du, wenn du merkst, dass du eine Grenze überschritten hast?
Lästern und Souveränität
Souveränität bedeutet weniger, sich moralisch über andere zu stellen.
Sie kann heißen:
Ich muss weniger jedes Gerücht kennen.
Ich muss weniger jede Bewertung weitergeben.
Ich kann Informationen prüfen, bevor ich darauf reagiere.
Eine besonders starke Haltung
„Sprich mit mir gern über das Problem. Lass uns bei überprüfbarem Verhalten bleiben.“
Damit bleibst du offen für relevante Information.
Und setzt gleichzeitig eine Grenze gegen Abwertung.
Wenn Lästern ein Führungsthema ist
Im Coaching oder Sparring kann es beispielsweise darum gehen:
- eine vergiftete Teamkommunikation zu klären
- Gerüchte und Flurfunk einzuordnen
- Konflikte aus Dreiecksdynamiken herauszuführen
- schwierige Gespräche direkt vorzubereiten
- eine glaubwürdigere Kommunikationskultur aufzubauen
Welcher berufliche Rahmen passt?
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Konfliktkommunikation, Zusammenarbeit oder Führung geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
→ Business Coaching in Berlin und online
Zwölf Fragen vor dem nächsten Gespräch über Abwesende
- Warum erzähle ich das gerade?
- Ist die Information relevant?
- Weiß ich, dass sie stimmt?
- Trenne ich Beobachtung und Bewertung?
- Ist die Information vertraulich?
- Würde ich ähnlich sprechen, wenn die Person dabei wäre?
- Hilft dieses Gespräch bei einer Lösung?
- Müsste ich mit der betreffenden Person direkt sprechen?
- Geht es um Warnung oder um Abwertung?
- Verstärke ich gerade einen Konflikt?
- Was erfährt mein Gegenüber durch dieses Gespräch über mich?
- Welche Handlung soll daraus folgen?
Fazit: Lästern ist menschlich – Verantwortung bleibt trotzdem
Menschen sprechen über andere Menschen.
Das wird sich weniger abschaffen lassen.
Solche Gespräche können:
- soziale Informationen vermitteln
- vor Risiken warnen
- Normen sichtbar machen
- Menschen verbinden
Sie können ebenso:
- Reputation beschädigen
- Konflikte indirekt verstärken
- Vertrauen untergraben
- falsche Informationen verbreiten
Deshalb lautet die entscheidende Frage weniger:
„Darf ich über Abwesende sprechen?“
Sondern:
„Wie verantwortungsvoll gehe ich mit Informationen über Menschen um, die sich gerade weniger selbst äußern können?“
Und vielleicht noch eine zweite:
„Hilft dieses Gespräch dabei, etwas zu verstehen oder zu lösen – oder macht es nur jemanden kleiner?“
Diese Grenze macht einen großen Unterschied.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2012
Überarbeitung: 28. Juli 2026
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