Lässt sich da am Preis noch etwas machen? Wie wäre es mit einem fairen Preis?
Preiskalkulation: Viel zu oft entpuppt sich eine Light Version als viel zu teuer
Preisfindung
In diesem Artikel finden Sie ein paar Gedanken zur Preisfindung. Sowohl ein zu hoher als ein zu tiefer Preis bringen Nachteile mit sich. Ideal ist ein Preis, bei dem alle Beteiligten zufrieden sind. Nur, was ist ein fairer Preis?
Ich mache mir immer wieder Vorwürfe, dass meine Malerei nicht wert ist, was sie kostet.
Vincent van Gogh
Preiskalkulation? Willkommen, beim Preiswürfeln
Frage: „Können wir da am Preis noch etwas machen?“
Antwort: „Ja, auf was wollen Sie gerne verzichten?“
Vorausgesetzt es wurde anständig kalkuliert, dann hat ein Preis seine Gründe. Doch viel zu häufig werden unbedacht beim Preis Zugeständnisse gemacht, die nur durch eine Reduzierung des Leistungsumfangs und somit der Qualität möglich sind. Als Resultat sind dann bisweilen alle Beteiligten unzufrieden.
Fairer Preis
Kein Mensch sollte jemanden eine Sache für mehr verkaufen als sie wert ist.
Thomas von Aquin
Für Thomas von Aquin, ein gelehrter Mönch, war der Preis eine zutiefst moralische Frage. Übermäßige Profitgier hielt er für eine Sünde. Allerdings erkannte er auch, dass, wenn ein Händler des Gewinnanreizes beraubt wird, er aufhören würde zu handeln. Die daraus resultierenden Nachteile für die Gemeinschaft wären zu groß, denn dann würde sie nicht mehr mit den Waren versorgt, die sie braucht. Aus seiner Sicht ermöglicht ein fairer Preis einen auskömmlichen Gewinn.
Hmm. Gibt es eine greifbarere Definition? Anlauf: Ein fairer Preis entspricht der Höhe, die ein Käufer freiwillig bereit ist, angesichts ehrlicher Informationen, zu zahlen. Es hat eine Menge mit dem Verhältnis von Aufwand zu Nutzen zu tun.
Reicht das, um die Frage zu beantworten, was heute ein fairer Preis ist?
Ich empfinde das als recht einseitig, weil es so tut, als ob alle Macht beim Anbieter liegt. Es ist erforderlich, die Frage weiter zu fassen. Heute ist es auch oft andersherum ein Problem; Preise sind oft so niedrig, dass auch Käufer über moralische Fragen nachdenken sollten.
Viele Preise sind so niedrig, dass dies nur durch moralisch bedenkliche Umstände möglich ist. Ausbeutung, Kinderarbeit, Niedriglohnarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung, Energievergeudung, Sicherheitsmängel, Kurzlebigkeit und somit Müllaufkommen sowie viele andere Nachteile, nur damit der Preis billig bleibt.
Gibt es überhaupt einen fairen Preis?
Ein fairer Preis ist häufig nicht so leicht zu erkennen. Ein unfairer Preis ist, hingingen bei entsprechendem Willen leicht erkennbar. Dazu muss man nicht die meist geheimen Kalkulationen kennen – falls es die überhaupt gibt.
Ja, ja, ein guter Preis ist sicher eine Frage der Sichtweise. Also:
1. Perspektive der Nutzer, der Konsumenten
Das Unglück ist oft hausgemacht, denn früher als später leidet auch die Qualität. Die kurze Freude über den niedrigen Preis verfliegt dann recht schnell. Light-Produkte, die im besten Fall üppige Nachbuchung erfordern oder einfach ungenutzt in der Ecke landen, halten nicht, was sie versprechen. Das kann nicht nur Ärger statt Spaß, unnötige Kosten, sondern viel weitreichende Konsequenzen mit sich bringen. Einmal gespart und mehrmals gezahlt! Spätestens wenn es, wie bei der Gesundheit, unangenehme Nachwirkungen hat, macht sich Reue breit.
Der gesunde Menschenverstand sollte Konsumenten dabei helfen zu erkennen, welcher Preis realistisch und welcher unrealistisch ist. Wobei die eigene Brieftasche den meisten Menschen sicher näher ist als die Interessen anderer Personen.
Bevor mich mein Umfeld daran erinnert, dass ich ein sparsamer Zeitgenosse bin; bekenne ich hier: Ich bezahle ungern mehr als ich für fair halte. Andererseits werde ich bei niedrigen Preisen auch schnell skeptisch. Man muss aufpassen, wo man bleibt, oder?
Manche Preise und vor allem Stundenhonorare wirken oft höher als sie es bei genauerer Betrachtung tatsächlich sind. Wer angestellt ist, vergiss leicht, dass der Arbeitgeber noch etwas dazu packt, die Weiterbildung bezahlt, das Gehalt regelmäßig gezahlt wird, der Jahresurlaub paradiesische Ausmaße hat, …
Im Eigeninteresse sollte es liegen, dass eine wichtige Leistung auch die ersehnte Qualität hat. Das soll ein fairer Preis ermöglichen. Branchen, in denen die Preise einer realistischen Kalkulation nicht mehr entsprechen, werden von minderer Qualität dominiert. Billig kann einen teuer zu stehen kommen. Es wird bei zu großem Preisdruck auf Anbieterseite einfach alles unterlassen, was von außen nicht sofort vermisst wird. Der äußere Schein trügt. Die schöne Fassade wird meist am längsten gepflegt. Oft gibt es in solchen Branchen vergleichsweise wenige Anbieter, die eine Ausnahme machen, indem sie dem Abwärtstrend widerstehen. Die sollten an Qualität interessierte Nutzer suchen und finden. An Qualität erinnert man sich noch lange, nachdem der Preis vergessen ist.
2. Perspektive der Anbieter
a. Viel Wettbewerb
Auch Dienstleistungen werden bei entsprechendem Wettbewerb häufig schlecht bezahlt. Wer dann unter Druck gerät, der sucht verzweifelt und oft undurchdacht nach vermeintlichen Lösungen. Als Folge fallen dann bei der Kalkulation Rücklagen für Risiken, Weiterbildung, Pension, Krankheit und viele andere Faktoren unter den Tisch. Ganze Branchen zwingen sich dann Preise auf, die nicht funktionieren können.
Anbieter sollten ihrer Kalkulation vertrauen oder ihr Geschäftsmodell überdenken. Gerade Freiberufler beuten sich gerne selbst aus und zahlen früher oder später einen hohen Preis dafür.
b. Geringer Wettbewerb
In Bereichen, in denen kein echter Wettbewerb herrscht, wird derart dreist abgeschöpft, dass es nicht zu glauben ist.
3. Gemeinsames Interesse
Bei genauer Betrachtung haben Nutzer und Anbieter in vielen Bereichen die gleichen Interessen. Bei einem guten Geschäft bekommen beide mehr als sie investieren. Und das bringt alle Beteiligten ein Stück weiter. Gerade Experten leben von Empfehlungen. Die gibt es nicht für gerade ausreichende oder sogar schlechte Leistungen, sondern überdurchschnittliche. Nur die sind erwähnenswert!
Orientierung bei der Preisfindung
Wie hat Thomas von Aquin es formuliert? So: „Kein Mensch sollte jemanden eine Sache für mehr verkaufen als sie wert ist.“
Ein fairer Preis entspricht aus meiner Sicht der Höhe, die ein Käufer freiwillig zu zahlen bereit ist angesichts ehrlicher Informationen und somit möglicher Einschätzung des zu erwartenden Nutzens. Ui, ist der Satz lang! Zu lang! Ein weiterer Anlauf:
Fair ist ein Preis, wenn alle Beteiligten mehr mitnehmen, als sie mitbringen!
Utopie?
Aktienhandel, Glücksspiel etc. können nur funktionieren, wenn es Gewinner und Verlierer gibt. Das muss nicht jedem gefallen. Doch, zumindest bei Dienstleistungen gibt es viele Beispiele, die belegen, dass das eine sehr hilfreiche und realistische Definition ist.
Du stehst vor einer wichtigen Entscheidung?
Wenn viel von einer Entscheidung abhängt, kann eine zusätzliche unabhängige Perspektive wertvoll sein.
Wir können Möglichkeiten betrachten, Annahmen prüfen, Prioritäten klären und Konsequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven durchdenken.
Die Entscheidung bleibt deine. Ziel ist eine bessere Grundlage, auf der du sie treffen kannst.
Der nächste Schritt
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
- worum es geht
- was du erreichen möchtest
- bis wann das Thema relevant ist
- ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Gut informiert entscheiden
Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
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→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
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Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
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14 Kommentare
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2010
Überarbeitung: 12. April 2019
AN: #98799
K: CNA
Ü:
Die Erinnerung an schlechte Qualität währt deutlich länger als die kurze Freude am niedrigen Preis!
Suchergebnisse für „niedriger preis schlechte qualität“ ungefähr 480.000 Ergebnisse.
Suchergebnis für „niedriger preis schlechte qualität“ nun ungefähr 542.000 Ergebnisse.
Der Preis wird vergessen, die Qualität bleibt.
Alle guten Dinge sind billig; alle schlechten teuer.
Henry David Thoreau
Phänomen: Viele Produzenten und Händler von Kleidung stehen zwar wegen schlechter Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken in der Kritik. Die Verbraucher geben bei Umfragen gerne an, dass sie sich wünschen das die Kleidung fair produziert wird. Doch spätestens beim Blick auf den Preis vergessen dann viele Konsumenten ihre moralischen Ansprüche.
Geiz ist geil war gestern, heute kann jeder alles selbst machen. Einfach Anleitung suchen und los. Traurig, traurig.
Ja, es wird immer schwerer Gehör zu finden, wenn das Grundrauschen derart laut ist und kaum noch jemand lange genug zuhören will oder kann.
Wenn ich ein paar Cent spare und am Ende funktioniert es deswegen nicht bin ich selbst schuld.
„Geiz ist geil!“ hat viele Formen und lohnt selten.
Welche Firma ist bereit einen Cent billiger zu verkaufen als notwendig?
Die Perspektive zu wechseln ist ein eher seltener Weg.
Wären mehr Menschen an einer Gesamtbetrachtung interessiert, dann würden viele billig erscheinende Angebote ebensowenig in Betracht gezogen wie viele der Luxusprodukte.
Geiz ist geil gilt immer noch.