Die Millersche Zahl, Chunking, das Arbeitsgedächtnis und weshalb das für Redner interessant ist

Wie magisch und stimmig ist die Zahl 7? Oder ist es die 4?
Arbeitsgedächtnis

Chunking, Arbeitsgedächtnis, Gehirn und praktische Bedeutung der Millerschen Zahl

 

 

Ein Chunk ist ein Klumpen, eine Informationseinheit. Soweit die Theorie. Erfahren Sie, welche Relevanz das für gute Reden und Präsentationen hat. Lernen Sie was die Millersche Zahl bedeutet und welche Rolle das Arbeitsgedächtnis spielt.

Überblick

 

 

 

 

Arbeitsgedächtnis

 

Als Arbeitsgedächtnis wird ein neueres Verständnis des Kurzzeitgedächtnisses bezeichnet, zu dem die bewusste, aktive Verarbeitung von eingehenden auditiven und visuell-räumlichen Informationen sowie von Informationen aus dem Langzeitgedächtnis gehört.

Das Arbeitsgedächtnis ist ein System für die zeitweise Speicherung und gleichzeitige Bearbeitung einer begrenzten Zahl von Informationen. Es spielt eine Rolle für das Verständnis komplexer gesprochener Sätze. Um einen Satz inhaltlich zu verstehen ist es beispielsweise erforderlich sich noch an den Anfang des Satzes zu erinnern, wenn sein Ende erreicht wurde.

Wir gehen davon aus, das der entscheidende Flaschenhals bei der Verarbeitung von eintreffenden Informationen das sogenannte Arbeitsgedächtnis ist. Die Denkgeschwindigkeit mit der Fähigkeit zum Fokussieren, zum Auswählen und Entscheiden, wird vom Arbeitsgedächtnis bestimmt. Dessen Kapazität ist begrenzt. Die Verarbeitung von Informationen ist aufwendig und auch das Aussortieren unwesentlicher Informationen beansprucht Ressourcen des Gehirns. Damit eine unwichtige Information ausgeblendet werden kann, muss sie erst einmal als unwichtig bewertet werden.

 

 

 

Kapazität und Millersche Zahl

 

Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses ist gering. Die Millersche Zahl geht von durchschnittlich 7 Informationseinheiten aus, die ein Mensch handhaben kann.

George E. Miller beschrieb 1956 seine Beobachtungen im Aufsatz The Magical Number Seven, Plus or Minus Two – Some Limits on Our Capacity for Processing Information. Je mehr Botschaften auf uns einprasseln, desto weniger Zeit steht für ihre Verarbeitung zur Verfügung.

Der australische Psychiater Gordon Parker überprüfte die Experimente von Miller. In der Zeitschrift Acta Psychiatrica Scandinavica veröffentlicht er sein Diskussionspapier Acta is a four-letter word. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Grenze der menschlichen Verarbeitungskapazität eher bei vier Informationseinheiten liegt. Als Beispiel dafür dienen die favorisierten Methoden mit denen Menschen ihre Telefonnummern abspeichern.

Nelson Cowan kommt 2000 zu dem Ergebnis, das Kurzzeitgedächtnis hat nur eine Kapazität von 4 ± 1, also von 3 bis 5 gleichzeitig präsenten Informationspaketen oder „chunks“. Hier nachzulesen: The magical number 4 in short-term memory: A reconsideration of mental storage capacitiy, 2000, Behavioral and brain sciences, 24, 87–195 http://web.missouri.edu/~cowann/pubs.html . Georg A. Miller schätze 1955 die Aufnahmefähigkeit des Gehirns mit 7 plus / minus 2. Hier nachzulesen: The Magical Number Seven, Plus or Minus Two, Some Limits on Our Capacity for Processing Information, 1956, Psychological Review, 63, 81-97. http://psychclassics.yorku.ca/Miller/

 

 

 

Beispiel

 

Eine achtstellige Telefonnummer kann in verschiedene Chunks unterteilt werden. Beispielsweise 12345678, 12 34 56 78 oder 123 456 78. So ist sie leichter zu merken. Interessanterweise gibt es deutliche Unterschiede, wie wir uns Telefonnummern merken. Offenbar können bei vielen Menschen im Arbeitsgedächtnis gleichzeitig maximal vier Chunks präsent sein.

Vergleichen Sie Ihre Chunks doch mal mit denen anderer Personen.

 

 

 

 

Definition Chunk

 

Ein Chunk ist ein Klumpen, eine Informationseinheit.

 

 

 

Störanfälligkeit

 

Das Arbeitsgedächtnis ist sehr störanfällig. Schon kleinste Störung führen dazu, das zwischengespeicherte Gedanken verloren gehen. Schon vergleichsweise geringer Stress bringt die Inhalte des Arbeitsgedächtnisses durcheinander und führt zu Fehlern.

 

 

 

Willenskraft

 

Studien behaupten, dass das Arbeitsgedächtnis auch für Selbstbeherrschung und Willenskraft zuständig ist. Der Zusammenhang zeigt sich auch umgekehrt. Wird das Arbeitsgedächtnis stark belastet, erlahmt auf Dauer die Willenskraft

 

 

 

 

Relevanz in der Rhetorik

 

Menschen haben Vorlieben, wie sie Informationen präsentieren und präsentiert bekommen möchten. Redner, die das berücksichtigen, vermitteln effektiver ihre Botschaften. Die Aufnahme und Erinnerungsfähigkeit beim Publikum und somit die Überzeugungskraft werden gesteigert.

 

Die Millersche Zahl gibt die Obergrenze für gleichzeitig übermittelte Informationseinheiten an. Die Darstellung einer komplexen Aussage sollte wird deshalb so gestaltet, dass sie nur in bis zu fünf, maximal sieben Teilaussagen gegliedert ist.

 

Einige der Konsequenzen aus den Beobachtungen:

 

  • Einfache Formulierungen
  • Suggestive Formulierungen vermeiden
  • Kurze Sätze
  • In Reden und Präsentationen auf möglichst eine Kernbotschaft konzentrieren
  • Auf einer Folie, einem Flip-Chart oder einem Whiteboard maximal (!) sieben Punkte nennen
  • Maximal 7 Elemente ankündigen
  • Maximal 7 Punkte in der Zusammenfassung
  • Kausalketten nicht länger als 7 Elemente

P.S.

 

Was kommt Ihnen bei der Millerschen Zahl in den Sinn? Hat das Einfluss auf Ihre Reden und Präsentationen?

1 Kommentar

  1. Ich merke mir meine Telefonnummer auch auf so eine komische Weise. Bisher habe ich nicht gewusst weshalb.

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Coaching Berlin

Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2009
Überarbeitung: 1. Juni 2019
AN: #1310
Englische Version: