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Keine Überraschung: Unwort des Jahres ist erneut Unwort

Mehr Aufmerksamkeit für Sprache oder ein Schuss, der nach hinten losgeht?
Keine Überraschung: Unwort des Jahres ist erneut Unwort

Keine Überraschung: Unwort des Jahres ist erneut Unwort

 

Am 9. Januar 2017 sind in Berlin unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Würfel gefallen beziehungsweise die Stimmen ausgezählt worden. Keine Überraschung: Auch dieses Mal ist das Unwort des Jahres wieder; Unwort. Für mich zumindest!

Eine andere Jury mit vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten hat ihren Sitz in Darmstadt und heute ebenfalls ihr Unwort des Jahres 2016 gewählt: Volksverräter hat es aus ihrer Sicht verdient. Meinetwegen, das ist kein Wort, für dessen guten Ruf ich mich einsetzen würde. Mir fällt zumindest gegenwärtig keine Aussage ein, bei der ich es vermissen würde. Vielleicht fehlt mir ja auch gerade nur die Vorstellung, wo dieses Wort Ausdruck eines wünschenswerten Gedankenguts sein könnte.

Wenn diese Wahl beabsichtigt für Sprache zu sensibilisieren und auf den undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch von Sprache aufmerksam macht, hat die Jury in diesem Fall meinen Segen. Diskussionen anzuregen, finde ich gut. Wobei ich auch die Gefahr von Unwortehrungen sehe. Schließlich gehört zu den grundlegenden Regeln der Kommunikation; der Empfänger entscheidet über die Bedeutung einer Botschaft. Konstruktiver als Tabuisieren wäre die Klärung: Auf welche Resonanz treffen die Wörter und welche Wörter drücken das besser aus?

 

 

 

Risiken und Nebenwirkungen

 

Die Tabuisierung von Worten bietet sich zu leicht für die Manipulation an. Sprache lässt sich auf vielerlei Weise missbrauchen, durch Verwendung und Tabuisierung ebenso. Letzteres lässt sich zu einfach für den Versuch einsetzen, Diskussionen im Keim zu ersticken oder zumindest unter dem Deckel zu halten. Doch das Ganze schwelt dann anderenorts trotzdem weiter und gerät dabei leicht außer Kontrolle. Geschieht das, dann wird genau das erreicht, das von den Initiatoren vermutlich verhindert werden sollte.

Statt Worte zu brandmarken, brauchen wir den Austausch darüber, welche Absicht hinter ihrer Verwendung im jeweiligen Kontext steckt. Wenn schon, dann bitte eine gründliche Auseinandersetzung.

 

 

 

Vorhersage für das Unwort 2017

 

Ich vermute, dass auch in den kommenden Jahren so manche Jury wieder „Unwort“ zum Unwort des Jahres wählen wird.

Umfrageergebnis

 

Die Wahl von Unworten fördert das Bewusstsein für Sprache.

%

Stimmt

%

Stimmt zwar, hat aber auch negative Auswirkungen

%

Stimmt nicht

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (n= 2631)

P.S.

 

Wie stehen Sie zur Wahl von Unworten? Mehr Aufmerksamkeit für Sprache oder ein Schuss, der nach hinten losgeht?

5 Kommentare

  1. Ich finde ja, dass ist eine gute Möglichkeit, um auf etwas hinzuweisen.
    Wer sich mit Sprache beschäftigt, beschäftigt sich auch gesellschaftlichen Problemen.

    Antworten
  2. Ich empfinde das als Manipulation. Es sind auch zu wenige Stimmen an der Wahl beteiligt.
    So kann ja jeder selbst ein Unwort brandmarken.

    Antworten
    • Ja, das sehe ich auch so ähnlich, sobald ich die Wahl ernst nehme.

      Antworten
  3. Die Unwortwahl ist albern und willkürlich.

    Antworten
  4. Die Bezeichnung „Unwort“ ist eine unglückliche Wahl; mein Vorschlag lautet: statt dessen „Grunzlaut“ oder „Grunzlaute“ zu verwenden.

    Antworten

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Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 22. August 2022
AN: #23457
K: CNB
Ü:

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