Godwin’s Law und die Varianten. Unfaire Nazivergleiche und ....

Manipulationen erkennen
Godwin’s Law und die Varianten

Godwin’s Law

 

Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an.

Mike Godwin

 

beziehungsweise

 

As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.

Mike Godwin

 

Godwin’s Law ist nach dem Autor und Anwalt Mike Godwin benannt. Er vertritt die These, dass sich, je länger eine Diskussion andauert, die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass jemand versuchen wird einen Bezug zur Nazizeit oder einen Vergleich mit Adolf Hitler zu konstruieren. Damit wollte er für sachlichere Diskussionen im Usenet werben. Wie bei Murphy’s Gesetz ist auch Godwin’s Law mit einer Spur Ironie versehen. Doch die Praxis bestätigt die These häufig in vielerlei Situationen.

Godwin hält diesen verzweifelten Rückgriff für den offensichtlichen allerletzten Versuch, die Diskussion zumindest in der Sympathie durch die Zuschauer zu gewinnen. In der Sache wurde die Diskussion so schon verloren.

Mike Godwin hat darauf hingewiesen, dass er Hitler-Vergleiche nicht grundsätzlich ablehnt, insbesondere nicht, wenn sie dabei helfen können, den nächsten Holocaust zu verhindern. Es sei ihm jedoch wichtig, dass solche Vergleiche historisch haltbar sind. Das dürfte bei genauer Betrachtung meist nicht der Fall sein. Der Vergleich wird gerne an den Haaren herbeigezogen. Entsprechendes Publikum erzeugt dann unangenehmen Druck, der den Manipulatoren gerade recht ist. Das instrumentalisierte Publikum achtet nur auf sein Thema und übersieht Zusammenhänge und Folgen. Eine faire Betrachtung und Diskussion, die tatsächlich der Meinungsbildung dient, hat so keine Chance. Außerdem wird durch die inflationären Vergleiche desensibilisiert, die Wachsamkeit für tatsächliche Gefahren nimmt ab.

Ob die Anfeindung dem eigenen Interesse entspricht oder nicht, Beleidigungen richten Schaden an.

 

 

 

Varianten

 

Es gibt immer wieder Versuche tragfähige Argumente durch unhaltbare Vergleiche und geheuchelte Empörung zu ersetzen. Diese Manipulationsversuche sind für uneingeweihte Beobachter oft nicht als solche zu erkennen. Wer bereit ist über den Tellerrand zu schauen , der wundert sich hingehen, wie dreist da mitunter vorgegangen wird. Das kann doch niemand ernsthaft so sehen, oder? Von wegen!

Das Risiko der negativen Eigendynamik ist durch das Internet heutzutage — so oder so — beachtlich. Ob berechtigt oder auch nicht: Werden auf diese Weise Interessengruppen aufgebracht, schaukelt sich die aufgebrachte Meute mit Halbwissen und Lynchbereitschaft hoch, was heikel werden kann. Nicht jeder Shitstorm basiert auf Tatsachen oder zumindest der Gesamtbetrachtung.

Echokammer und Filterblase haben Folgen. Mit der Schwarmintelligenz ist das so eine Sache, der aufgebrachte Mob teert und federt erst und macht den Faktencheck eventuell dann später.

 

 

 

Was tun?

 

Bei Reden, Präsentationen, wichtigen Gesprächen und schriftlichen Beiträgen gilt es sich auch mit Risiken auseinanderzusetzen. Wem die persönliche Wirkung und die Botschaft am Herzen liegen, wird möglichst akribisch auf Mehrdeutigkeiten und potenzielle Reizpunkte achten. Durch Analyse und Vermeidung von Worten und Formulierungen, die sich für den Missbrauch anbieten, lässt sich so manch blauer Fleck vermeiden.

Risiken lassen sich reduzieren, absolute Sicherheit gibt es jedoch leider nicht. Es findet sich zu oft jemand, der seine Seele dafür verkauft, seine Interessen durchzusetzen.

P.S.

 

Ist Ihnen Godwin’s Law oder eine der Varianten schon begegnet?

1 Kommentar

  1. Es ist halt so einfach und verlockend :-)

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