Halbzeit? Donald Trump: Körpersprache, Rhetorik, Strategien, Tricks,...

Verbale und nonverbale Kommunikation des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika
Donald Trump

Donald Trump

 

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Wie macht er das? Analyse der Strategien, Körpersprache, Rhetorik. Zahlen, Daten und eine Sammlung von Artikeln.

Überblick

 

 

 

 

Donald Trump

 

Als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat er dem Amt vom ersten Moment an eine ganz eigene Bedeutung gegeben. Wobei die Meinung zu ihm als US-Präsident ebenso polarisiert, wie seine Qualitäten als Unternehmer. Jedenfalls sorgt er mit seinen Tweets und Auftritten für Aufregung in Presse und Internet.

Ob gerechtfertigt oder nicht; er erhitzt die Gemüter. Viel wird spekuliert über seine Absichten, den speziellen Haarschnitt und seine Körpersprache. Seine Technik des Händeschüttelns ist oft mit der Überschrift Handshake-Gate verknüpft und auch sonst setzt er neue Maßstäbe.

 

It’s freezing and snowing in New York – we need global warming!

Donald J. Trump auf Twitter™

 

Ich werde eine große Mauer bauen – und niemand baut Mauern besser als ich, glauben Sie mir – und ich baue sie sehr kostengünstig. Ich werde eine große, große Mauer an unserer südlichen Grenze bauen und ich werde Mexiko für diese Mauer bezahlen lassen.

Donald J. Trump im Wahlkampf

 

 

 

Trump steht für Politik in einfacher Sprache

 

Viele Europäer halten Donald Trump für eine tickende Zeitbombe ohne Strategie und Plan. Es wirkt, als würde er einfach so drauflosreden oder twittern. Dafür verachten ihn manche, doch seine engsten Anhänger feiern ihn dafür. Sie sehen es als Beweis dafür, dass er sich treu bleibt. Tatsächlich; wer frühere Beiträge auswertet, findet sehr ähnliche Äußerungen. Konsequent vermeidet er den geordneten Satzaufbau mit Haupt- und Nebensätzen. Stattdessen bildet er mit möglichst kurzen, eingängigen Begriffen so etwas wie Hauptsätze. Dabei verzichtet er auf höhere sprachliche Ansprüche während seine spontanen gedanklichen Abschweifungen, Seitenbemerkungen und Fußnoten den Zuhörer durchaus beanspruchen. Trump beginnt Sätze, bricht sie ab, setzt neu an, bricht wieder ab. Er redet relativ schnell und folgt ungehemmt dem Strom seiner Gedanken. Was übrig bleibt, sind die häufig einsilbigen Worte, die er besonders häufig wiederholt.

Wobei:
Während des Wahlkampfs neigen die Kandidaten dazu sich sprachlich auf dem Niveau von Grundschülern zu bewegen. Da würde eine komplexere Kommunikation vermutlich Stimmen kosten.

 

 

 

Typische rhetorische Strategien

 

Viele seiner Aussagen wirken absurd und willkürlich. Die Nutzung von Twitter für die Gestaltung der Weltpolitik wirkt amateurhaft. Außenstehende schütteln nur mit dem Kopf und fragen sich wann der Unfug ein Ende hat. Ein Großteil der Europäer versteht die Welt nicht mehr und halten das Ganze für einen Scherz, einen bösen Alptraum.

Das mag vielen Skeptikern nicht gefallen, doch die kommunikativen Strategien des Donald Trump gehen für ihn auf. Bei seinen Anhängern wirken sie und seine Chancen auf die Wiederwahl 2020 sind deutlich gestiegen. Selbst andersdenkende Republikaner werden bei jedem Skandal leiser. Sie wollen nicht von den Anhängern Trumps abgestraft werden. Meine Vermutung; er geht vermutlich viel strategischer vor, als es erscheint. Wie genau macht er das?

 

 

1. Wiederholung

 

Donald Trump setzt auf Wiederholungen. So setzen sich die Botschaften in den Köpfen der Zuhörer fest. Nicht nur sein „Make America great again.“ wiederholt er wie ein Mantra. Er nutzt dabei häufiger auch Synonyme, um einen Eindruck zu vertiefen. Selbst die Begriffsstutzigsten unter den Zuhörern bekommen so eine Gehirnwäsche.

Ob einzelne Worte oder eine Wortabfolge; die Wiederholung, auch Repetitio genannt, ist ein sehr wirksames rhetorisches Stilmittel. Es verstärkt die Wirkung und verankert die Botschaft.

 

 

 

2. Doppelbindungen (Double Binds)

 

Insbesondere in Debatten mit Gegenspielern setzt er Doppelbindungen ein. Er konfrontiert Gegner mit zwei unvereinbaren Forderungen oder lässt ihnen die Wahl zwischen zwei unerwünschten Handlungsmöglichkeiten.

 

 

 

3. Sozialer Beweis

 

Es ist ein psychologisches Phänomen, dass Menschen die Meinungen und Handlungen größerer Gruppen übernehmen, um das korrekte Verhalten für eine bestimmte Situation zu wählen. Ob es diese Gruppendominanz anfangs überhaupt gibt, ist dabei zweitrangig. Die Tendenz sich gruppenkonform zu verhalten verstärkt den Eindruck des Vorhandenseins und trägt dann schließlich zur Formung dieser Gruppe selbst bei.

 

 

 

4. Zitieren übergeordneter Autoritäten

 

Häufig argumentiert Trump mit Autoritäten, also vermeintlich anerkannten Einrichtungen und Experten.

 

 

 

5. Storytelling

 

Anstatt auf direkte Fragen zu antworten, erzählt er eine persönliche Geschichte. Diese Anekdoten beinhalten häufig die genannten Elemente (Wiederholung, Heranziehen von Autorität, soziale Beweise). Konkrete Argumente zur Untermauerung der Botschaft sind sehr selten. Diese Form des Storytellings ist tendenziell sehr einfach gehalten.

 

 

 

6. Eins drauf!

 

Unangenehmen Themen begegnet der Überlebenskünstler, indem er erst Verwirrung stiftet, dann einen Gegenangriff startet, um schließlich schnellstens ein neues und noch unangenehmeres Thema auf die Bühne bringen. Dazu nutzt er gerne Twitter und wenn es sein muss wackelt er am Weltfrieden. Dieses Vorgehen hat er regelmäßig und für sich erfolgreich eingesetzt.

 

 

 

7. Größtmöglicher Druck auf Verhandlungsgegner

 

Wie wichtig ihm Maximalforderungen und Druck sind, beschreibt schon sein Buch „The Art of the Deal“ beziehungsweise „Trump. Die Kunst des Erfolges“. Wie verwundert es, dass er auch die Politik als ein Spiel um Alles-Oder-Nichts versteht. Deal or No-Deal!

Diplomatie ist ihm fremd. Wobei die Methode nicht ganz so neu ist, denn auch andere US-Präsidenten waren bemüht unberechenbar zu erscheinen. Ein Beispiel dafür ist Richard Nixon, der im Hinblick auf den Kalten Krieg etwaige Zweifel durchaus nährte. Vordergründig mag es so erscheinen, als wenn die Drohung mit der Atombombe funktioniert. Doch das Verhalten von Trump wirkt deutlich unsystematischer und keineswegs geschickt.

Gerade für seinen außenpolitischen Stil werden andere möglicherweise noch einen immensen Preis zahlen.  Europa wird beispielsweise unter dem Umgang mit dem Iran leiden, wenn dort der Druck weiter ansteigt und sich an anderer Stelle entlädt. Doch die Europäer sind nicht die Wähler des US-Präsidenten.

 

 

 

8. Bewertungen

 

„Awesome, great, huge, fantastic, incredible“ und „tremendous“ sind ohnehin in den USA häufiger zu hören als ihre Entsprechungen bei uns. Typisch für Trump sind seine sehr häufig hinzugefügten Bewertungen. Die können dann für Europäer bei negativen Zuschreibungen recht derb klingen. Seinen Anhängern gefällt das.

 

 

 

9. Feindbilder

 

Die von ihm häufiger eingesetzten Feindbilder mögen intellektuellere Persönlichkeiten beschämen, doch ist die Polarisierung ein beliebtes Mittel Gruppen zusammenzuschweißen. Er gibt so seinen Anhängern die Möglichkeit Identität zu finden und sich abzugrenzen.

 

 

 

10. Freie Rede

 

Donald Trump setzt auf die freie Rede und Emotionen, wo viele andere Politiker:innen auf vorgelesene Statements zurückgreifen. Barack Obama war sehr geschickt im Umgang mit dem Teleprompter.

 

 

 

11. Argumente sind nicht so wichtig

 

Da sich der größte Teil seiner Anhänger ohnehin nicht für Argumente interessiert erspart er sie ihnen weitgehend. Stattdessen setzt er auf Emotionen und Ironie.

 

 

 

 

Trump in Zahlen und Daten aus dem Internet

 

  • Geboren: 14. Juni 1946
  • Geburtsort: New York City (USA, Stadtteil Queens)
  • Größe: 1,88 m
  • Studium: Wirtschaftswissenschaften (Bachelor)
  • Ehepartnerinnen: Melania Knauss seit 2005, Marla Maples von 1993 bis 1999 und Ivana Marie Zelníčková von 1977 bis 1992
  • Kinder: Donald Trump jr. (1977), Eric Trump (1984), Ivanka Trump (1981), Tiffany Trump (1993), Barron William Trump (2006)

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum anhand der Beispiele zu erkennen was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

P.S.

 

Welche Beobachtungen zur Rhetorik und Körpersprache haben Sie gemacht?

2 Kommentare

  1. Ich wäre nie auf die Idee gekommen Trump irgendetwas Positives zu unterstellen. Doch es ist wohl an der Zeit zuzugeben, dass er eine Menge Macht angehäuft hat und nun fast alles tun und lassen kann, was er will.

    Antworten
    • :-( Leider!

      Antworten

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Im Glossar warten Informationen zu gängigen und nicht so gängigen Begriffen rund um die strategische Rhetorik und Kommunikation. Rhetorik, Marketing und Psychologie ergänzen sich. Wo Glossar und Artikel aufhören, fängt die Arbeit mit mir an. Ich sorge dafür, dass du sowohl mit Persönlichkeit als auch Botschaft überzeugst –in Gesprächen und Präsentationen.

 

 

 

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Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 20. Juni 2017
Überarbeitung: 2. Juli 2019
Englische Version:
AN: #76616
K: CNB
Ü:

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