Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn
Körpersprachenanalyse Wahlen in Großbritannien - BBC 2. Juni 2017
Körpersprache: BBC-Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn
Wenige Tage vor den vorgezogenen Parlamentswahlen (Unterhaus) in Großbritannien am 8. Juni 2017 haben sich Premierministerin Theresa May und ihr Herausforderer Jeremy Corbyn, zum zweiten Mal im Fernsehen den Fragen gestellt. Diesmal fragen die Wähler und der Moderator.
I’m sorry this isn’t a debatte.
Jermey Corbyn
Question Time
In der BBC-Sendung “Question Time“ stellt das Publikum Fragen an Politiker und Experten. Von denen wird dann eine sofortige Antwort erwartet. So auch am Freitagabend, 2. Juni 2017.
Das britische Publikum nimmt hier kein Blatt vor den Mund und so bekommen beide Kandidaten einige durchaus herausfordernde Fragen, auf die sie wohl gerne verzichtet hätten. Beide Kandidaten gehen recht professionell mit dem Gegenwind um, der ihnen entgegenweht. Wobei Corbyn etwas besser mit dem Druck umgeht. Selbst wenn er direkt angegangen und unterbrochen wird, bleibt er weitgehend entspannt und lächelt.
Als die Wahl ausgerufen wurde, konnte May Umfragen zufolge noch mit einer großen Mehrheit rechnen. Nach der jüngsten Umfrage verliert ihre konservative Partei – nun eine Woche vor der Abstimmung – weiter an Boden und die Wahl wird für die konservative Partei zur Zitterpartie. Für die absolute Mehrheit sieht es gegenwärtig schlecht aus. So wurde Premierministerin Theresa May gefragt, ob sie es bedaure, diese Wahl beantragt zu haben, jetzt wo die Umfragen für sie ungünstiger werden. Daraufhin May lacht für einen Moment und wirkt dabei nervös: „Na ja, sie mache ja schon ziemlich lange Politik.“
May hat es am schwersten bei den sozialen Themen. Jeremy Corbyn hat es schwer bei wiederholten Nachfragen zum Einsatz von Atomwaffen und beim Thema IRA.
Sowohl mit Herausforderer als auch Herausgeforderter wird Großbritannien den Brexit machen. Beide versicherten wiederholt ein gutes Verhandlungsergebnis mit Brüssel anzustreben. Klare Aussagen zum Vorgehen machten beide bisher nicht.
Körpersprache und Wirkung
Keine Debatte: Beide wenden sich nicht zueinander, sondern nacheinander dem Publikum und Moderator zu. May vermeidet das sonst möglichst, managt das hier jedoch.
Angesprochen auf “being a bloody difficult woman“, eine Phrase, mit der May selbst ihre Vergangenheit beschrieb, weist ihre Körpersprache darauf hin, das sie sich selbst bei diesem Bild unwohl fühlt. Ihre Mimik zeigt kurz Hinweise auf Missbilligung oder Schmerz. Eine Interpretationsmöglichkeit ist, dass sie Wert darauf legt gemocht zu werden.
Insgesamt dominieren bei May die typischen Gesten, die viele Politiker verwenden. Sie hat hier einige Erfahrungen gemacht. Beispielsweise legt sie häufiger ihren Daumen an den Zeigefinger. Die Absicht ist dabei meist, aggressive Gesten zu vermeiden. Viele ihrer Gesten beinhalten offene Handflächen, die einladend und offen wirken. Insgesamt macht sie einen starken und gut vorbereiten Eindruck- Manche Zuschauer werden dadurch allerdings etwas Menschlichkeit vermisst haben. Ihre Antworten, wie „es gibt keinen magischen Geldbaum“, können leicht als hartherzig interpretiert werden.
Corbyn wirkt etwas wärmer als May. Er setzt deutlich ausgeprägtere und weniger geschliffene Gesten ein. Je nach Sichtweise wirkt das natürlicher oder unsicher übertrieben. Corbyn hat hier vermutlich bisher keine prägende Schulung erhalten.
Fazit
Beide Redner sind weitgehend authentisch, Aussagen und Körpersprache weisen keine spektakulären Unstimmigkeiten auf. Theresa May hat sich um eine Nasenlänge besser präsentiert als Jeremy Corbyn.
Aufzeichnungen
Damit Sie sich eine eigene Meinung bilden können, finden Sie hier Videos (externe Links) der Sendung:
Anmerkungen
In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #23457
K: CNB
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