Miteinander reden: Anspruch und Realität
Asche über mein Haupt ... mit manchen Menschen zu reden ist eine persönliche Herausforderung
Trotz unterschiedlicher Meinungen miteinander reden?
Es klingt so gut und ich stehe zur Bedeutung: „Walk your Talk — Lebe, was du predigst!“. Zu meinen Überzeugungen gehören; „wer gehört wird, braucht keine Steine zu werfen.“, „Der Austausch zu unterschiedlichen Positionen ist bereichernd“, „Gemeinsam geht es leichter.“
Soweit so richtig! In der Realität stößt der Anspruch bei mir allerdings schmerzlich an Grenzen, wenn mir die Galle hochkommt. Stolz bin ich darüber nicht, ganz im Gegenteil!
Überblick
Vielfalt der Meinungen
Vielfalt ist bereichernd! Unterschiedlichsten Meinungen zuzuhören und für Positionen zu werben, um so die Meinungsbildung zu fördern und die besten Lösungen zu finden, dafür setze ich mich ein. Professionell ist das mein Alltag und auch privat ist das die Zielsetzung.
Die gute Absicht stößt bei mir allerdings mitunter an deutliche Grenzen. Dann verhalte ich mich anders, als ich es für richtig halte — EIGENTLICH!
Ist die Welt verrückt geworden?
Wenn Menschen mit aus meiner Sicht bedenklichen Haltungen sich über Vereinbarungen hinwegsetzen, die eine lebenswerte Gesellschaft benötigt, stößt das nicht auf Gegenliebe. Ab einem gewissen Grad an psychischer oder physischer Gewalt reduziert sich die Bereitschaft wohlwollend zu reagieren. Zu inakzeptabel sind die Auswirkungen, zu schmerzhaft tief geht der Schaden. Das kann wütend machen und ansonsten geltende Werte verlieren an Bedeutung. Dann werden die Andersdenkenden als Idioten, Kranke, Radikale etc. bezeichnet. Irgendwie sollen Kopfschütteln und Verärgerung ausgedrückt und möglichst abgeschüttelt werden. Wer denkt da noch an gewaltfreie beziehungsweise wertschätzende Kommunikation?
Polarisierung
Die Bestätigung des Umfelds fühlt sich erst einmal gut an. Es sind also nicht alle Menschen verrückt geworden. Gut, das zu erfahren! Je nach Filterblase verstärkt sich der Eindruck, es gibt die Guten und die Schlechten, das Richtige und das Falsche.
Aufeinandertreffen
Treffen diese Positionen dann doch aufeinander, werden die bewährten Regeln des Meinungsaustausches häufig ignoriert.
Die Geschmähten fühlen sich missverstanden und die aus ihrer Sicht Vernünftigen schalten früher oder später ab. Je haarsträubender die Äußerungen der eigenen Meinung nach sind, desto weniger wird noch zugehört. Nach einer Weile werden dann selbst die Aussagen nicht mehr gehört, die es verdient hätten. Die Positionen verhärten, der Graben wird tiefer.
Wirkung
Das Bedürfnis und die Notwendigkeit, mit anders Denkenden zu sprechen und sich über Positionen auszutauschen, werden unter solchen Bedingungen immer geringer. Doch es funktioniert nicht, sich vollkommen aus dem Weg zu gehen. So groß ist der Planet nicht.
Was tun?
Im Artikel Diskutieren mit Fundamentalisten habe ich einige Gedanken zu diesem Thema veröffentlicht. Es ist allerdings ein riesiger Unterschied, ob es sich um kleinere Gruppen oder einen beachtlichen Teil der Bevölkerung handelt. Wir benötigen dringend Ideen, wie wir zukünftig gemeinsam das Leben gestalten wollen.
Wir sind alle gefordert!
Vorsicht, Kommentare!
Meiner Bestimmung als Schreiber nach bin ich fürs Schreiben da und du als Leserin oder Leser bist zuständig fürs Lesen. Wenn du nun auch schreibst und ich lesen muss, bringst du hier alles durcheinander. Nur mal so.
Fühle dich gerade dazu ermuntert, ich mag das!
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Kontaktformular
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 6. Februar 2021
Überarbeitung: 6. Februar 2021
AN: #665
K: CNC
Ü:
Mit einigen Menschen lässt sich nicht reden. Trotzdem bewundere ich den Anspruch.
Das nenne ich einen mutigen Aufruf!