Strohmann-Argument als rhetorischer Trick: Einsatz und Abwehr!
So geben Sie Ihrer Botschaft die verdiente Chance.
Vorsicht vor dem Strohmann-Argument
Ich mag lebhafte Diskussionen. Ein fairer Austausch zu Positionen ist bereichernd. Es dient der Meinungsbildung, wenn ein Standpunkt konsequent eingenommen und für ihn geworben wird. Doch leider wird bisweilen mit unfairen Mitteln und trotz wackliger Argumente versucht die Oberhand zu gewinnen. Ein häufiger eingesetztes Mittel ist dabei das Strohmann-Argument. Hier erfährst du, wie du solche fiesen Versuche erkennst, und was du dagegen tun können.
Überblick
Erst, bei Start des Videos wird eine Verbindung zu YouTube™ hergestellt. Dann gelten die Datenschutzerklärungen von Google. Mehr bei den Hinweisen zum Datenschutz.
Fiese rhetorische Tricks: Strohmann-Argument
So ein Strohmann-Argument (engl. straw man fallacy oder straw man argument) soll dazu dienen, Redner aus dem rhetorischen Gleichgewicht zu bringen. Die Gefahr ist groß, wenn Erfahrungen fehlen, und eine entsprechende Vorbereitung unterlassen wird. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Darum geht es in diesem Beitrag.
Das Strohmann-Argument
Es war einmal … Der Begriff des Strohmanns kommt aus der Zeit, als an Strohpuppen der Kampf mit Hieb- und Stichwaffen geübt wurde. Dass die daran übenden Menschen dabei die Oberhand behielten und somit den sicheren Sieg davon trugen, findet sich heute in der metaphorischen Verwendung wieder.
Ablenkungsmanöver
Das Strohmann-Argument, auch Strohmann-Trugschluss genannt, ist im Grunde ein Ablenkungsmanöver, das auch als Red Herring bezeichnet wird. Der Trick: Es wird eine Position unterstellt. Statt auf die tatsächlichen Argumente der Gegenpartei einzugehen, werden Argumente widerlegt, die von dieser überhaupt nicht aufgeführt wurden oder die höchstens nebensächlich im Verhältnis zum Hauptargument sind.
Einsatzbereiche
Besonders gerne wird der Strohmann in der Politik an den Haaren herbeigezogen und muss dann dafür herhalten, einen Standpunkt lächerlich zu machen. Der Strohmann vertritt dann oft haarsträubende Positionen, die deutlich radikaler sind als die des Gegenspielers. Der steht dann wie ein begossener Pudel beziehungsweise, wie ein Fanatiker da, wenn er nicht aufpasst.
Da der Angreifer die Deutungshoheit nutzt, hat er einen entsprechenden Spielraum. Er kann absichtlich Äußerungen falsch verstehen oder sogar erfinden. Zuhörer sollen zu logischen Fehlschlüssen veranlasst werden. Vage Aussagen, die beispielsweise mit dem Wunsch geäußert wurden, sich nicht zu sehr zu positionieren, sollen auf diese Weise ins Licht gerückt, also eine Positionierung erzwungen werden.
Formen der Strohmann-Argumentation
Es gibt verschiedene Formen des Tricksens mit dem Strohmann.
1. Form: Verzerrung, Übertreibung, Unterstellung
Die These eines Gegenspielers wird verzerrt, übertrieben oder falsch dargestellt. Ihm wird also ein Standpunkt unterstellt, eine falsche Prämisse, die er nicht wirklich vertritt. Dann wird die entstellte These widerlegt und behauptet, dass damit die ursprüngliche These widerlegt ist.
2. Form: Fokus auf konstruierte schwache Argumente
Ein Strohmann wird in vielen Einzelheiten beschrieben. Dieser Strohmann verteidigt die gegnerische These mit wenig überzeugenden Argumenten. Diese Argumente werden widerlegt und ohne Berücksichtigung anderer möglicher Begründungen der These wird behauptet, dass dadurch jeder Vertreter dieser These und somit auch die These selbst widerlegt sei.
3. Form: Scheinanalogien
Scheinbare Analogien werden zur generischen Position vorgebracht, die sich leicht widerlegen lassen. So lassen sich Analogien hinzuziehen, die wesentlich einfacher zu widerlegen sind als die eigentlich zu widerlegende These.
4. Form: Unglaubwürdiger Stellvertreter
Anstatt mit einem Gegenspieler zu diskutieren, der einem zu stark erscheint, wird ein Strohmann konstruiert, der schwächer oder zumindest bedenklich erscheint. Zu diesem Zweck wird eine Person beschrieben, die mit fragwürdigen Anschauungen oder Handlungen als typisch für die Vertreter der gegnerischen These dargestellt wird. Dieser fiktive und wehrlose Gegner wird dann instrumentalisiert.
Was tun?
Als Reaktion auf ein Strohmann-Argument, von der eigenen Position abzurücken, wirkt nicht sehr konsequent und senkt den Status. Es kann dir unterstellt werden, dich vorher geirrt zu haben und nun schnell die Fahne in den Wind zu halten. Das schadet dann darüber hinaus Botschaften und Ansehen.
Besser
Besser ist es souverän, die unangebrachte Gleichsetzung der eigenen Position mit der des Strohmanns zu verdeutlichen. Soll eine Distanzierung unterbleiben, weil es der eigenen Position schadet, dann kann ein solcher Angriff durch den Vergleich mit dem Verhalten des Gegenspielers zurückgewiesen werden. So können Gegenspielern Scheinheiligkeit und Projektionen vorgeworfen werden.
Setze dich für den fairen rhetorischen Austausch zu Positionen ein.
Vorbereitung wichtiger Gespräche und Verhandlungen
(Keinerlei Rechtsberatung!)
Ein wichtiges Gespräch lässt sich selten vollständig planen.
Du kannst dich jedoch so vorbereiten, dass du mit Klarheit, Orientierung und Handlungsspielraum hineingehst.
Wir können gemeinsam beispielsweise:
- Ziele und Prioritäten klären
- Interessen und mögliche Motive der Beteiligten betrachten
- Argumentationen entwickeln und prüfen
- Gesprächsstrategien vorbereiten
- kritische Fragen und Einwände antizipieren
- schwierige Gesprächsverläufe simulieren
- Formulierungen ausprobieren
- Grenzen und Alternativen klären
- persönliche Wirkung und Präsenz betrachten
- den Umgang mit Druck und überraschenden Wendungen vorbereiten
Dabei geht es weniger um ein auswendig gelerntes Gesprächsskript.
Du sollst wissen, was du erreichen möchtest, worauf es ankommt und wie du auch bei unerwarteten Entwicklungen beweglich bleiben kannst.
Je nach Anliegen verbinde ich Coaching, Beratung, Einzeltraining und Sparring.
Welcher Rahmen passt?
PRIVAT 1:1
Für wichtige Gespräche im persönlichen Kontext, beispielsweise in Partnerschaft, Familie oder im Umgang mit schwierigen Personen.
BUSINESS 1:1
Für berufliche Gesprächssituationen und die gezielte Entwicklung deiner Gesprächs- und Verhandlungskompetenz.
EXECUTIVE SPARRING
Für konkrete Gespräche und Verhandlungen mit hoher wirtschaftlicher, beruflicher oder strategischer Tragweite.
Aktuelle Honorare und Rahmenbedingungen findest du jeweils auf den entsprechenden Angebotsseiten.
Vorsicht, Kommentare!
Meiner Bestimmung als Schreiber nach bin ich fürs Schreiben da und du als Leserin oder Leser bist zuständig fürs Lesen. Wenn du nun auch schreibst und ich lesen muss, bringst du hier alles durcheinander. Nur mal so.
Fühle dich gerade dazu ermuntert, ich mag das!
5 Kommentare
Einen Kommentar abschicken
Antworten auf häufige Fragen
Was ist ein Strohmann-Argument?
Ein Strohmann ist ein trügerisches Scheinargument, das einen gegnerischen Standpunkt verzerrt, um ihn leichter angreifen zu können. Im Wesentlichen gibt die Person, die das Strohmann-Argument verwendet, vor, den Standpunkt des Gegners anzugreifen, während sie in Wirklichkeit eine verzerrte Version dieses Standpunkts angreift, die der Gegner nicht unbedingt unterstützt. Das Strohmann-Argument ist passenderweise nach einer harmlosen, leblosen Vogelscheuche benannt.
Was bedeutet es, ein Strohmann-Argument vorzubringen?
Ergänzende Artikel
- 16 Hinweise, es mit einem Manipulator zu tun zu haben
- Die 11 häufigsten Manipulationstechniken erkennen
- 15 Wege, um mit schmutzigen Tricks Debatten zu gewinnen
- Trugschluss: Wenn Argumente richtiger klingen als sie sind!
- Diskussionen gewinnen: 9 hilfreiche Fragen und Taktiken für Ihre Argumentation in Diskussionen (Taktischer Argumentationsplan)
- 6 Techniken, damit gute Argumente keine Frage des Zufalls sind
- Godwin’s Law und die Varianten. Unfaire Nazivergleiche und…;
Begriff oder Thema suchen
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
Du suchst einen bestimmten Begriff oder eine passende Vertiefung?
Nutze die Suche oder entdecke weitere Beiträge im Themenbereich.
Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2004
Überarbeitung: 28. Januar 2021
AN: #879879
K:CNC
Ü:
Solche Ablenkungsmanöver empfinde ich als gemein und unangemessen.
sehr sehr interessant! Ich habe die Erfahrung, daß Strohmann-Argumente und Rote Heringe sehr gerne von einer bestimmten Religionsgemeinschaft verwendet, die immer bestrebt ist, möglichst stark zu missionieren und ihre Vergangenheit schönzureden. Sie picken Rosinen aus der Bibel und bringen sofort Strohmann-Argumente und Rote Heringe, um ihr Defizit in echter Bibelkenntnis zu vertuschen. Wer sich besser in der Bibel auskennt, wird mit Strohmann-Argumenten und Roten Heringen zu Unwissenden gemacht. Jeder kennt sie.
Habe ich schon öfters erlebt, aber nicht selten kam mir vor, dass es nicht mal durch eine rhetorische Strategie heraus geschah, sondern weil mein Argument nicht sinnerfassend genug verstanden wurde, was dann auch wie ein Strohargument erscheinen kann, wenn die falsche Deutung meiner Aussage erwidert wird. Es gibt nunmal verschiedene intellektuelle Fähigkeiten in unserer Gesellschaft und wenn Argumente ausführlicher, reflektierter aufgebaut sind, kann das manche Menschen auch überfordern. Nicht alle inhaltlichen Informationen in ihrem vom Sender gemeinten Sinngehalt, kommen so auch beim Empfänger, der Empfängerin an (kann ja manchmal auch am Sender liegen aber wohl meist am Empfänger). Sozusagen ein Missverständnis. Da ist es gut ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob diese Unterstellung, das verdrehte Argument, tatsächlich beabsichtigt ist oder nicht. Kommt dann natürlich auch darauf an wieviel und welche zusätzlichen Eindrücke man von der Person bisher gewonnen hat. Eindeutig wird es natürlich wenn die Person trotz eines Hinweises eines Missverständnisses weiterhin auf ihre Aussage beharrt. Dann macht jegliche weitere Diskussion keinen Sinn mehr, da die andere Person prinzipiell böse Absichten hegt und die mit unfairen Mitteln erreichen möchte.
Interessant. Mir scheint es in der heutigen aufgeheizten Diskussionskultur in den Medien und social media allerdings häufig nicht ein rhetorischer Trick schlauer Diskutanten sondern ein impulsives Unterstellen extremer Meinungen auf einen Gegner, der diese gar nicht geäussert hat. Keine Gesprächstaktik von jemandem der zuhört, sich überlegt: Wie kann ich das jetzt lächerlich machen, und dann aha! – zum Strohmann-Argument greift: Sondern wildes Geifern aus einer eigenen extremen Position, die wie mit einem Tunnelblick nur auf einzelne Schlagworte aus dem Gesagten reagiert, ohne einen echten Willen, wirklich ein Gespräch zu führen. Denn das würde Zuhören und auf den anderen Eingehen bedingen.
Das habe ich wiedererkannt!