Missstände ansprechen: Mut, Verantwortung und Whistleblowing

Whistleblowing & Speak-up: Missstände mutig und verantwortungsvoll ansprechen
Vom Mut auf notwendige Veränderungen hinzuweisen

Missstände ansprechen: Mut, Verantwortung und Whistleblowing

 

Was tust du, wenn du etwas siehst, das aus deiner Sicht nicht in Ordnung ist?

Schweigst du?

Sprichst du es an?

Wendest du dich an eine interne Stelle?

Oder gehst du nach außen?

Solche Entscheidungen lassen sich von außen leicht beurteilen.

Für die Person, die sie treffen muss, können sie sehr viel komplizierter sein.

Denn Missstände anzusprechen kann:

  • notwendig
  • mutig
  • riskant

zugleich sein.

Verantwortung braucht deshalb nicht nur Mut. Sie braucht auch Besonnenheit.

 

 

 

Missstände anzusprechen ist nicht dasselbe wie eine unbequeme Meinung zu äußern

 

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Eine Person kann eine:

unpopuläre Meinung

vertreten.

Das ist etwas anderes als:

auf einen konkreten Rechtsverstoß, eine Gefährdung oder einen anderen Missstand hinzuweisen.

Beides kann Mut erfordern.

Doch die Fragen, Verantwortlichkeiten und rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich.

Deshalb sollten:

  • Meinungsfreiheit
  • Speak-up
  • Whistleblowing
  • öffentliche Enthüllung

nicht miteinander verwechselt werden.

 

 

 

Was bedeutet Whistleblowing?

 

Im beruflichen Kontext geht es beim Whistleblowing um Hinweise auf mögliche Verstöße oder Missstände, von denen jemand im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit Kenntnis erhält.

Das kann beispielsweise betreffen:

  • Rechtsverstöße
  • Korruption
  • Betrug
  • bestimmte Gefährdungen
  • andere gesetzlich erfasste Verstöße

Entscheidend ist:

Nicht jede Kritik am Arbeitgeber ist automatisch Whistleblowing im rechtlichen Sinn.

 

 

 

Whistleblower oder Denunziant?

 

Solche Begriffe werden schnell verwendet.

Sie helfen häufig wenig.

Denn sie enthalten bereits:

ein moralisches Urteil über die Person.

Interessanter sind andere Fragen:

  • Was wird konkret gemeldet?
  • Wie belastbar sind die Informationen?
  • Welche Interessen sind betroffen?
  • Welcher Meldeweg wird gewählt?
  • Welche Folgen kann die Meldung haben?

Erst dann lässt sich verantwortungsvoll beurteilen:

was tatsächlich geschieht.

 

 

 

Hinweisgeben ist nicht automatisch Denunziation

 

Eine Person, die auf einen begründeten Verdacht eines relevanten Verstoßes hinweist, tut etwas anderes als jemand, der eine andere Person aus persönlichen Motiven anschwärzt.

Der Unterschied liegt nicht nur darin:

wer etwas meldet.

Sondern unter anderem darin:

  • was gemeldet wird
  • mit welcher Grundlage
  • über welchen Kanal
  • mit welcher Absicht

Deshalb würde ich den Begriff:

„Nestbeschmutzer“

nicht als ernsthafte Beschreibung übernehmen.

Er zeigt eher:

wie Organisationen auf unangenehme Hinweise reagieren können.

 

 

 

Warum Menschen Missstände nicht ansprechen

Schweigen kann viele Gründe haben.

 

Angst vor beruflichen Konsequenzen

Menschen befürchten:

  • Karrierenachteile
  • Versetzung
  • Ausgrenzung
  • Kündigung

 

Loyalität

Vielleicht fühlt sich jemand:

dem Team oder der Organisation verpflichtet.

 

Unsicherheit

Die Person fragt sich:

„Habe ich genug Informationen?“

 

Unklare Zuständigkeit

Vielleicht weiß niemand:

wo ein Hinweis überhaupt hingehört.

 

Erfahrungen mit früherem Widerspruch

Wenn Kritik regelmäßig sanktioniert wurde, lernen Menschen:

Schweigen ist sicherer.

 

 

 

Schweigen kann verständlich sein und trotzdem Folgen haben

 

Von außen lässt sich leicht sagen:

„Da hätte jemand früher etwas sagen müssen.“

Für die Person im System kann die Lage völlig anders aussehen.

Vielleicht stehen auf dem Spiel:

  • Einkommen
  • berufliche Zukunft
  • Beziehungen
  • persönliche Sicherheit

Deshalb lohnt sich Zurückhaltung mit:

moralischen Urteilen im Nachhinein.

Gleichzeitig gilt:

Wenn relevante Informationen zurückgehalten werden, können:

Schäden größer werden.

 

 

 

Organisationen beeinflussen, ob Menschen sprechen

 

Eine Organisation kann offiziell sagen:

„Wir wollen offene Kommunikation.“

Entscheidend ist jedoch:

Was geschieht mit der Person, die tatsächlich eine unangenehme Information bringt?

Wird sie:

  • ernst genommen
  • geschützt
  • fair angehört

oder:

  • abgewertet
  • isoliert
  • als illoyal betrachtet

Das prägt die tatsächliche Speak-up-Kultur stärker als:

Leitbilder an der Wand.

 

 

 

Schlechte Nachrichten brauchen einen sicheren Weg nach oben

 

Für Führungskräfte ist das besonders relevant.

Wenn Mitarbeitende lernen:

„Gute Nachrichten werden belohnt, schlechte Nachrichten werden bestraft“

dann entsteht ein gefährlicher Filter.

Entscheider erfahren Probleme:

zu spät.

Das kann beispielsweise betreffen:

  • Qualitätsprobleme
  • Compliance-Risiken
  • Sicherheitsprobleme
  • ethische Konflikte

Eine gute Organisation braucht nicht nur Menschen, die den Mund aufmachen. Sie braucht Strukturen, in denen das möglich ist.

 

 

 

Mut ersetzt keine sorgfältige Prüfung

 

Ein Hinweis kann weitreichende Folgen haben.

Deshalb reicht es nicht:

von der eigenen moralischen Überzeugung überzeugt zu sein.

Vor einer Meldung lohnt sich, soweit möglich:

  • Beobachtungen von Interpretationen zu trennen
  • Informationen zu prüfen
  • Dokumentation zu sichern
  • den geeigneten Meldeweg zu klären

Je schwerwiegender die Anschuldigung, desto wichtiger ist:

Präzision.

 

 

 

Beobachtung und Verdacht unterscheiden

 

Zum Beispiel:

„Am 12. September wurde Rechnung X nachträglich verändert.“

ist eine konkrete Beobachtung.

„Die gesamte Abteilung ist korrupt.“

ist eine weitreichende Bewertung.

Hinweise werden belastbarer, wenn klar bleibt:

Was weiß ich tatsächlich und was vermute ich?

 

 

 

Das Hinweisgeberschutzgesetz in Deutschland

 

Deutschland besitzt mit dem Hinweisgeberschutzgesetz einen gesetzlichen Rahmen zum Schutz bestimmter hinweisgebender Personen.

Das Gesetz betrifft Informationen über bestimmte Verstöße, die jemand im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit erlangt hat.

Es regelt unter anderem:

  • interne Meldestellen
  • externe Meldestellen
  • Vertraulichkeit
  • Schutz vor Repressalien

Welche Fälle genau erfasst sind, bestimmt das Gesetz.

Nicht jede berufliche Auseinandersetzung fällt automatisch darunter.

 

 

 

Interne oder externe Meldung?

 

Das Hinweisgeberschutzgesetz sieht grundsätzlich interne und externe Meldewege vor.

Hinweisgebende Personen können im gesetzlichen Anwendungsbereich grundsätzlich wählen:

ob sie sich zunächst intern oder extern melden.

Wenn intern wirksam gegen einen Verstoß vorgegangen werden kann und keine Repressalien zu befürchten sind, sieht das Gesetz eine interne Meldung als bevorzugenswert an.

Die Möglichkeit einer externen Meldung bleibt jedoch bestehen.

 

 

 

Öffentlich machen ist etwas anderes als melden

 

Das ist eine entscheidende Unterscheidung.

Eine Information an:

eine zuständige interne oder externe Meldestelle

zu geben, ist rechtlich etwas anderes als:

sie öffentlich zu machen.

Zum Beispiel über:

  • Medien
  • soziale Netzwerke
  • eine Pressekonferenz

Für öffentliche Offenlegungen sieht das Hinweisgeberschutzgesetz besondere Voraussetzungen vor.

Deshalb wäre es gefährlich zu denken:

„Wenn ich Whistleblower bin, darf ich automatisch alles veröffentlichen.“

 

 

 

Wann öffentliche Offenlegung geschützt sein kann

 

Das Gesetz nennt dafür bestimmte Voraussetzungen.

Schutz kann beispielsweise bestehen, wenn zuvor extern gemeldet wurde und geeignete Folgemaßnahmen ausbleiben.

Unter bestimmten besonderen Umständen kann eine unmittelbare Offenlegung ebenfalls geschützt sein.

Dazu können unter anderem gehören:

  • eine unmittelbare oder offensichtliche Gefährdung des öffentlichen Interesses
  • drohende Repressalien
  • die Gefahr der Beweisvernichtung

Das ist:

eine rechtliche Frage.

Eine allgemeine Internetseite kann keine individuelle Rechtsberatung ersetzen.

 

 

 

Schutz vor Repressalien

 

Das Hinweisgeberschutzgesetz verbietet Repressalien gegen Personen, die unter den gesetzlichen Voraussetzungen geschützt sind.

Dazu gehören auch:

die Androhung und der Versuch von Repressalien.

Unter bestimmten Voraussetzungen sieht das Gesetz außerdem eine Beweislastregel vor, wenn eine hinweisgebende Person nach einer Meldung beruflich benachteiligt wird.

Das ist ein wichtiger Schutzmechanismus.

 

 

 

Schutz setzt Voraussetzungen voraus

 

Der gesetzliche Schutz ist nicht völlig voraussetzungslos.

Unter anderem muss die hinweisgebende Person zum Zeitpunkt der Meldung oder Offenlegung:

hinreichenden Grund zu der Annahme haben, dass die gemeldeten Informationen zutreffen.

Auch der Gegenstand der Meldung muss in den gesetzlichen Anwendungsbereich fallen oder zumindest begründet dafür gehalten worden sein.

Bewusst falsche öffentliche Informationen sind nicht geschützt.

 

 

 

Auch Vertraulichkeit hat Grenzen und Regeln

 

Whistleblowing berührt häufig:

  • Geschäftsgeheimnisse
  • personenbezogene Daten
  • andere Verschwiegenheitspflichten

Das Hinweisgeberschutzgesetz enthält hierfür besondere Regelungen.

Deshalb ist es sinnvoll:

vor weitreichenden Schritten den konkreten rechtlichen Rahmen zu prüfen.

 

 

 

Whistleblowing ist kein Kommunikationscoaching-Thema allein

 

Wenn eine Meldung rechtliche Konsequenzen haben kann, reicht:

Kommunikationsberatung allein nicht aus.

Dann können je nach Situation beispielsweise erforderlich sein:

  • rechtliche Beratung
  • zuständige Meldestellen
  • Compliance-Stellen
  • Interessenvertretungen

Coaching kann bei persönlichen Entscheidungen und Kommunikation unterstützen.

Es ersetzt:

keine Rechtsberatung.

 

 

 

Edward Snowden und andere prominente Fälle

 

Öffentlich bekannte Whistleblower-Fälle machen das Thema sichtbar.

Sie bergen allerdings eine Gefahr:

Sie lassen Whistleblowing spektakulärer erscheinen, als es im Alltag oft ist.

Viele Hinweise betreffen keine Geheimdienste oder weltpolitischen Fragen.

Sie entstehen in:

  • Unternehmen
  • Behörden
  • Organisationen
  • Gesundheitswesen

und drehen sich um konkrete Vorgänge.

Deshalb würde ich das Thema nicht über einzelne berühmte Personen definieren.

 

 

 

Whistleblowing ist nicht automatisch Heldentum

 

Auch das ist mir wichtig.

Eine Person wird nicht dadurch automatisch zum Helden:

dass sie Informationen veröffentlicht.

Entscheidend sind:

  • Inhalt
  • Beweislage
  • Motiv
  • Vorgehensweise
  • Folgen

Umgekehrt wird eine Person nicht dadurch zum Verräter:

dass ihre Hinweise für eine Organisation unangenehm sind.

 

 

 

Loyalität bedeutet nicht Schweigen um jeden Preis

 

Loyalität wird manchmal verstanden als:

„Probleme bleiben intern.“

Das kann in vielen Situationen sinnvoll sein.

Es wird problematisch, wenn Loyalität bedeutet:

relevante Verstöße zu decken.

Eine Organisation kann langfristig gerade davon profitieren, wenn Probleme:

früh erkannt und korrigiert werden.

 

 

 

Loyalität kann bedeuten, einen Missstand anzusprechen

 

Eine Person kann einen kritischen Hinweis geben, weil ihr:

  • das Unternehmen
  • Kollegen
  • Kunden
  • öffentliche Interessen

wichtig sind.

Deshalb ist:

Kritik nicht automatisch Illoyalität.

Manchmal ist Schweigen für eine Organisation langfristig erheblich schädlicher.

 

 

 

Was Führungskräfte daraus lernen können

 

Führungskräfte sollten sich nicht nur fragen:

„Haben wir einen Meldekanal?“

Interessanter sind Fragen wie:

  • Wissen Mitarbeitende, wie sie ihn nutzen können?
  • Vertrauen sie darauf, dass Hinweise fair geprüft werden?
  • Wie reagieren Führungskräfte auf schlechte Nachrichten?
  • Was geschieht mit Menschen, die widersprechen?

Ein Meldekanal ist Infrastruktur. Eine Speak-up-Kultur entsteht im täglichen Verhalten.

 

 

 

Der Umgang mit Überbringern schlechter Nachrichten

 

Eine Führungskraft bekommt einen unangenehmen Hinweis.

Die erste Reaktion prägt:

mehr als dieses eine Gespräch.

Sie signalisiert anderen:

Was geschieht hier mit Menschen, die Probleme ansprechen?

Hilfreich ist zunächst:

  • zuhören
  • nach konkreten Informationen fragen
  • nicht vorschnell urteilen
  • zuständige Verfahren einhalten

Die Person, die einen Hinweis bringt, ist nicht automatisch:

das Problem.

 

 

 

Psychologische Sicherheit und Hinweisgebersysteme ergänzen sich

 

Ein formales Meldesystem ist wichtig.

Es sollte jedoch möglichst nicht die einzige Möglichkeit sein:

kritische Informationen nach oben zu bringen.

In einer gesunden Organisation können Menschen viele Probleme früh:

im normalen Arbeitsalltag ansprechen.

Formale Hinweisgebersysteme bleiben trotzdem notwendig für Situationen, in denen:

  • normale Kanäle nicht ausreichen
  • Interessenkonflikte bestehen
  • besondere Vertraulichkeit erforderlich ist

 

 

 

Meinungsfreiheit und Whistleblowing sind unterschiedliche Themen

 

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte schützt in Artikel 19:

die Freiheit der Meinung und der Meinungsäußerung sowie das Suchen, Empfangen und Verbreiten von Informationen und Ideen.

Das ist ein grundlegendes Menschenrecht.

Whistleblowing ist dennoch nicht einfach:

eine Unterkategorie beliebiger Meinungsäußerung.

Beim Umgang mit beruflich erlangten Informationen können zusätzlich gelten:

  • gesetzliche Vorschriften
  • Geheimhaltungspflichten
  • Datenschutz
  • Schutzrechte anderer

Deshalb sollte beides:

nicht miteinander gleichgesetzt werden.

 

 

 

Meinungsfreiheit ist kein grenzenloses Recht auf jede Äußerung

 

Auch Grund- und Menschenrechte stehen in:

rechtlichen Zusammenhängen.

Aus dem Recht auf freie Meinungsäußerung folgt nicht automatisch:

das Recht, jede Information auf jede Weise öffentlich zu machen.

Gerade bei Whistleblowing sollte deshalb genau geprüft werden:

welcher Schutz für welchen Meldeweg tatsächlich besteht.

 

 

 

Mut bedeutet nicht Impulsivität

 

Eine spontane Veröffentlichung kann sich:

mutig

anfühlen.

Sie kann trotzdem:

unverantwortlich

sein.

Mut und Besonnenheit gehören deshalb zusammen.

Fragen können sein:

  • Was weiß ich?
  • Was vermute ich?
  • Wer ist gefährdet?
  • Welcher Weg ist angemessen?
  • Welche Folgen sind absehbar?

 

 

 

Wann sollte ich etwas ansprechen?

 

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Hilfreiche Fragen können sein:

  1. Was genau beobachte ich?
  2. Wie schwerwiegend ist der mögliche Missstand?
  3. Wie belastbar sind meine Informationen?
  4. Wer könnte betroffen sein?
  5. Welche Möglichkeiten zur Klärung gibt es?
  6. Welche fachliche oder rechtliche Beratung brauche ich?
  7. Welche Folgen kann mein Vorgehen haben?

Diese Fragen ersetzen keine Rechtsberatung.

Sie helfen jedoch:

Impuls und Verantwortung auseinanderzuhalten.

 

 

 

Was, wenn der Missstand innerhalb der Organisation angesprochen werden kann?

 

Viele Probleme lassen sich lösen, bevor sie zu:

Whistleblowing im engeren Sinn

werden.

Zum Beispiel durch:

  • ein direktes Gespräch
  • eine Führungskraft
  • Compliance
  • interne Meldestellen

Welche Möglichkeit sinnvoll ist, hängt von der Situation ab.

Bei schwerwiegenden Verstößen oder Interessenkonflikten können andere Wege erforderlich sein.

 

 

 

Was, wenn ich Repressalien befürchte?

 

Dann ist besondere Vorsicht sinnvoll.

Das Hinweisgeberschutzgesetz enthält Schutzmechanismen gegen Repressalien für Personen, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Praktisch kann es trotzdem hilfreich sein:

den konkreten Fall vorab fachkundig prüfen zu lassen.

Gerade bei:

  • komplexen Rechtsfragen
  • Geheimhaltungsinteressen
  • öffentlicher Offenlegung

ist individuelle rechtliche Beratung besonders wichtig.

 

 

 

Was, wenn mein Verdacht sich später als falsch herausstellt?

 

Eine verantwortungsvolle Meldung braucht keine absolute Gewissheit.

Das Gesetz knüpft Schutz unter anderem daran, dass zum Zeitpunkt der Meldung:

hinreichender Grund für die Annahme bestand, dass die Informationen zutreffen.

Das ist etwas anderes als:

bewusst falsche Informationen zu verbreiten.

Deshalb ist eine saubere Dokumentation wichtig.

 

 

 

Was, wenn eine Organisation mich als illoyal bezeichnet?

 

Das kann emotional sehr belastend sein.

Dann lohnt sich, die Kategorien wieder zu trennen.

Die entscheidenden Fragen sind weniger:

„Bin ich loyal?“

oder:

„Bin ich ein Verräter?“

Sondern:

  • Was geschieht konkret?
  • Welche Verantwortung habe ich?
  • Welche Rechte und Pflichten gelten?
  • Welcher Weg ist angemessen?

Solche Fragen sind:

nüchterner und hilfreicher.

 

 

 

Mut bei notwendigen Veränderungen

 

Whistleblowing ist nur eine besondere Form des Themas.

Viel häufiger geht es im Alltag darum:

eine notwendige Veränderung früh anzusprechen.

Zum Beispiel:

  • ein Risiko benennen
  • einer populären Entscheidung widersprechen
  • eine ungünstige Entwicklung sichtbar machen
  • eine bisherige Annahme infrage stellen

Auch dafür braucht es manchmal:

Mut.

 

 

 

Widerspruch ist kein Selbstzweck

 

Mut bedeutet nicht:

grundsätzlich gegen die Mehrheit zu sein.

Eine abweichende Meinung ist nicht automatisch:

richtiger.

Entscheidend bleibt:

  • Welche Argumente gibt es?
  • Welche Belege?
  • Welche Konsequenzen?

Unbequem zu sein ist kein Qualitätskriterium. Relevanz und Begründung sind es.

 

 

 

Der sogenannte Mainstream ist kein Argument

 

Auch diese Formulierung würde ich vorsichtig verwenden.

Eine Position wird nicht dadurch falsch:

dass viele Menschen sie vertreten.

Und sie wird nicht dadurch richtig:

dass sie gegen die Mehrheit steht.

Die bessere Frage lautet:

Wie gut ist die Position begründet?

 

 

 

Veränderungen brauchen Menschen, die Probleme früh benennen

 

Organisationen entwickeln sich leichter, wenn Risiken und Probleme:

sichtbar werden dürfen.

Das heißt nicht:

jede Kritik sofort umzusetzen.

Es heißt:

sie prüfen zu können.

Wer kritische Informationen unterdrückt, verliert:

eine wichtige Quelle für Lernen.

 

 

 

Führung braucht Widerspruchsfähigkeit

 

Eine gute Führungskraft braucht nicht nur Menschen, die:

Entscheidungen umsetzen.

Sie braucht Menschen, die früh sagen können:

„Hier sehe ich ein Risiko.“

Oder:

„Diese Annahme trägt aus meiner Sicht nicht.“

Das setzt voraus, dass Führung:

Widerspruch aushalten kann.

 

 

 

Speak-up ist Teil guter Entscheidungsqualität

 

Wenn kritische Informationen rechtzeitig sichtbar werden, können Entscheidungen:

  • überprüft
  • korrigiert
  • verbessert

werden.

Darum ist Speak-up nicht nur:

ein Kulturthema.

Es ist auch:

ein Thema der Entscheidungsqualität.

 

 

 

Unterstützung bei schwierigen beruflichen Situationen

 

Manchmal geht es nicht darum:

ob ein Gedanke ausgesprochen werden sollte.

Sondern:

wie.

Zum Beispiel bei:

  • kritischen Hinweisen an Führungskräfte
  • ethischen Konflikten
  • schwierigen Gesprächen
  • abweichenden Positionen in wichtigen Gremien

Dabei können wir unter anderem arbeiten an:

  • Klarheit über die eigene Position
  • Argumentation
  • Formulierung
  • möglichen Reaktionen
  • persönlichen Grenzen

Bei rechtlichen Fragen gehört zusätzlich:

juristische Beratung

dazu.

 

 

 

Welcher berufliche Rahmen passt?

 

Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.

Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um schwierige Gespräche, Speak-up, Positionierung oder wiederkehrende berufliche Kommunikationssituationen geht.

Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.

Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.

→ Executive Sparring

→ Business 1:1

 

 

 

Fazit: Mut und Besonnenheit gehören zusammen

 

Missstände anzusprechen kann:

Mut erfordern.

Besonders dann, wenn Macht, berufliche Interessen oder persönliche Risiken beteiligt sind.

Mut allein reicht jedoch nicht.

Es braucht ebenso:

  • Sorgfalt
  • Verantwortung
  • angemessene Wege
  • Kenntnis der eigenen Grenzen

Und Organisationen tragen ihren Teil der Verantwortung.

Denn wer möchte, dass kritische Informationen früh ankommen, muss dafür sorgen:

dass Menschen sie sicher ansprechen können.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

„Wer hat den Mut, etwas zu sagen?“

Sondern ebenso:

„Welche Kultur und welche Strukturen sorgen dafür, dass relevantes Wissen überhaupt gehört werden kann?“

Verantwortung zeigt sich nicht nur darin, Missstände anzusprechen. Sie zeigt sich auch darin, Hinweise ernst zu nehmen, sorgfältig zu prüfen und angemessen damit umzugehen.

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz

Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

Kontaktformular

 

 

Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

7 Kommentare

  1. Wenn durch die Offenlegung Menschen gefährdet werden hört es mit dem Spaß auf. Die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen kann gefährlich sein. Ich finde das hier oft viel zu kurz gedacht wird.

    Antworten
    • Ja, wie so oft bei moralisch-ethischen Fragen ist es komplizierter, als es auf dem ersten Blick den Eindruck hat.
      Umso wichtiger ist die persönliche Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen und die öffentliche Diskussion.

      Antworten
  2. Alles wie so oft eine Frage der Sicht.

    Antworten
  3. Es gibt viel zu wenige Mutige!

    Antworten
  4. Die Gefahr liegt im Spielraum der Bewertung.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wenn du dieses Formular abschickst, speichert es den eingegebenen Namen, die Email-Anschrift sowie die Inhalte. Mehr in der Datenschutzerklärung.

Um Feinde zu bekommen, ist es nicht nötig, den Krieg zu erklären. Es reicht, wenn man einfach sagt, was man denkt! Martin Luther King

Artikel zum Thema Verantwortung

Veränderung beginnt bei dir: Selbstführung statt Selbstoptimierung

Veränderung beginnt im eigenen Einflussbereich: Muster erkennen, Handlungsspielräume nutzen und mit Selbstführung konkrete Veränderungen gestalten.

Warnung vor dem Munde! Reden ist Macht, Einfluss braucht Verantwortungsbereitschaft

Warnung vor dem Munde! Reden ist Macht, Einfluss braucht Verantwortungsbereitschaft

Nicht jeder Redebeitrag will die Welt verändern und nicht jede Rede, die das anstrebt, liefert dazu einen erkennbaren Beitrag. Doch manchmal wäre es schon schön die Dinge mitzugestalten, oder? Es ist gut sicher zu wissen, wie der Einfluss ausgeübt werden soll, wann es Zeit ist aufzustehen und der eigenen Verantwortung gerecht zu werden. Reden bedeutet Macht!

mehr lesen
Runter vom Sofa! Wo fängt Verantwortung an, wo hört sie auf?

Runter vom Sofa! Wo fängt Verantwortung an, wo hört sie auf?

Verantwortung: Manch einer sucht sie, viele meiden sie. Wo fängt Verantwortung an, wo hört sie auf? Wobei mir auch gleich der nächste Gedanke in die Aufmerksamkeit springt: Wie ist das eigentlich mit dem Zuerst-Vor-der-eigenen-Tür-kehren? Oder ist es einfach leichter, die Dinge mit etwas Entfernung zu erkennen? Stichwort: Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen.

mehr lesen

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2018
Überarbeitung: 02. Mai 2026