Achtsamkeit (Mindfulness) in Büchern und Kursen, doch im Alltag weniger

Leichter gesagt als getan. Ommm
Achtsamkeit (Mindfulness) macht sich gut in Büchern und Kursen

Achtsamkeit

 

Bei all den Büchern und Kursen zu Achtsamkeit und US-amerikanisiert Mindfulness, müssten wir doch allerdings heute schon viel weiter sein, oder? Aber …

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

 

Weshalb sollte Achtsamkeit ein relevantes Thema sein?

 

Von wegen früher war alles gelassener. Wilhelm Busch berichtet da von ganz anderen Verhältnisse. Er wusste, wer an allen Orten gleichzeitig sein möchte, wird früher oder später erkennen, dass er nirgends war. Das war so und wird wohl auch künftig so sein. Bei all den Büchern und Kursen zu Achtsamkeit – US-amerikanisiert Mindfulness – müssten wir doch allerdings heute schon viel weiter sein, oder?

 

 

 

Hier bin ich ja sowieso…

 

Zugereist in diese Gegend,
Noch viel mehr als sehr vermögend,
In der Hand das Perspektiv,
Kam ein Mister namens Pief.

»Warum soll ich nicht beim Gehen« –
Sprach er – »in die Ferne sehen?
Schön ist es auch anderswo,
Und hier bin ich sowieso.«
Hierbei aber stolpert er
In den Teich und sieht nichts mehr.

Wilhelm Busch

 

 

 

Wir sind ja heute viel weiter als …

 

Unsere Welt ist jedenfalls oft hektisch. Wir haben eine Menge Termine und sind mit sehr vielen Menschen vernetzt. So viele Optionen, so viele Dinge sind zu entscheiden, zu planen. Am besten stets der Zeit um einige Schritte voraus sein. Am besten an möglichst vielen Orten gleichzeitig — hoch leben das Smartphone und der gebeugte Blick darauf. Viel zu viele Themen wollen jetzt und sofort Aufmerksamkeit. Dabei kommt häufig zu kurz, dass wir uns Zeit für uns selbst nehmen und unsere aktuellen Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen ohne Bewertung betrachten. Das macht zusammen mit Empathie anderen Menschen und der Umwelt gegenüber Achtsamkeit aus. In der inneren Stille gibt es einige Entdeckungen zu machen. Dort lässt sich finden, was anderswo zwar angeboten, aber dann doch nicht geliefert wird. Noch so ausufernder Konsum garantiert keine Erfüllung.

 

 

 

Achtsamkeit hat viele Vorteile

 

Achtsamkeit existiert vor allem in Büchern und Kursen, in freier Wildbahn ist sie eher selten anzutreffen. Das ist schade, denn Achtsamkeit hat einige Vorteile.

  • Steigert die Konzentrationsfähigkeit
  • Verbessert Beziehungen, durch die Fähigkeit zuzuhören.
  • Emotionale Intelligenz
  • Mehr Gelassenheit, innere Ruhe und Ausgeglichenheit
  • Gut für das Immunsystem
  • Höhere Zufriedenheit durch positive und dankbare Haltung
  • Besserer Umgang mit Stress.

 

Soweit die vielversprechende Theorie zur Achtsamkeit. Nur, wo gibt es sie zu aktivieren, zu lernen?

 

 

 

Gelassenheit beginnt im Kopf

 

Wo hat Gelassenheit ihren Ursprung?

Die Grundidee bei der Achtsamkeit: Gelassenheit beginnt im Kopf. Techniken und Übungen sollen dabei helfen, den Stress des Alltags zu reduzieren und das innere Gleichgewicht zu fördern, indem die Welt bewusster wahrgenommen wird. Raus aus dem Autopiloten, hinein ins Leben. Multitasking, Grübelmarathon und Hektik helfen nicht. Achtsamkeit zielt deshalb darauf im Hier-und-Jetzt zu leben. Schön gesagt, schwer gemacht, oder?

Die Pflege der Achtsamkeit bewährt sich durchaus auch in der Praxis, wenn sie tatsächlich gelebt wird. Nur wird das trotz besseren Wissens eher sporadisch berücksichtigt. Wenige Menschen können in den Spiegel schauen und ehrlich behaupten die überwiegende Zeit Ihres Lebens achtsam zu sein.

 

 

 

Tipps für mehr Achtsamkeit

 

1. Yoga

 

Obwohl viele Kurse rund um Yoga angeboten werden, machen nur sehr wenige Menschen wirklich Yoga. Das setzt ganz wesentlich auf Achtsamkeit.

 

 

 

2. MBSR?

 

MBSR steht für Mindfulness Based Stress Reduction, was mit Stressbewältigung durch Achtsamkeit übersetzt wird. MBSR wurde 1979 von Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn als einfache und dabei wirksame Selbsthilfemethode zur Stressbewältigung an der Uniklinik von Massachusetts entwickelt.

In den Kursen geht es um Achtsamkeit mit dem Ziel, die Empfindungen, Gedanken und Gefühle besser wahrzunehmen und dadurch in schwierigen Situationen handlungsfähiger zu werden.

 

 

 

3. Meditation

 

Es gibt so viele Wege zu meditieren, dass sicher auch eine passende Variante für jeden von uns dabei ist.

 

 

 

4. Mentaltraining

 

Es existieren zahlreiche Übungen im Mentaltraining, in denen Achtsamkeit gefördert wird.

 

 

 

5. Zen des Moments

 

Wer intensiv und vollständig leben möchte, hält sich lieber dort auf, wo das Leben tatsächlich stattfindet: Das wahre Leben findet im Hier-und-Jetzt statt. Johann Wolfgang von Goethe; „Denn das ist eben die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu allem macht.“

Die wichtigste Trainingsgelegenheit ist im Hier-und-Jetzt. Mit allen Sinnen den Morgenkaffee genießen, in das saftige Obst beißen, ganz aufmerksam Musik hören oder einem anderen zuhören.

 

 

 

6. Pausen

 

Von einer Tätigkeit in die andere? Besser ist es Achtsamkeit auch dadurch zu fördern, dass Tätigkeiten sauber voneinander ausgeübt werden. Pausen fördern das.

 

 

 

Viele Wege führen nach …

 

Wer nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, könnte ihn bereits verloren haben. Dann ist es höchste Zeit sich zu besinnen. So leicht wie in den Büchern ist es zwar nicht, erstrebenswert ist es trotzdem sich achtsam durch das Leben zu bewegen. Wer weiß schon genau, ob es ein zweites Leben gibt.

Kurse und Bücher können Beträge zur Achtsamkeit leisten. Doch erst der konsequente Transfer in den Alltag bewirkt, was Achtsamkeit vermag. Achtsamkeit, die nur zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Orte und im ausgewählten Kontext praktiziert werden soll, bleibt nur oberflächlich. Achtsamkeit braucht kein Zertifikat, sondern die Bereitschaft ihr lebenslange Aufmerksamkeit zu widmen.

Was immer Sie tun, tun Sie es achtsam und bleiben Sie neugierig! Dann warten einige Wunder auf Sie!

P.S.

 

Asche aufs Haupt! Wie sieht es bei Ihnen aus? Ganz einfache Fragen können helfen: Was genau tun Sie gerade und mit welcher Aufmerksamkeit? Welches sinnliche Erleben ist damit verbunden und wie fühlen Sie sich dabei? Das Ziel: Beobachten ohne zu bewerten und daraus lernen. Am besten nicht erst morgen, sondern JETZT!

8 Kommentare

  1. Wie jeder Hype, so ist auch dieser oberflächlicher Achtsamkeit eher ein Marketingtrick der Anbieter als etwas das tiefer geht.

    Antworten
    • Viele der Angebote überzeugen auch mich nicht.
      Erwirkt eher so, wie ein Thema, aus derem Hype Vorteile gezogen werden soll.
      Die Schwemme an schnell erworbenen Zertifikaten und die Inhalte der Kurse im Verhältnis zur Dauer macht mich eher skeptisch.
      Achtsamkeit braucht ständige Aufmerksamkeit, … und das ist nicht so einfach, wie es klingt.

      Antworten
    • Stimmt!

      Antworten
  2. Alter Wein in neuer Verpackung!

    Antworten
    • Verkauft sich gerade gut und bald ist es etwas anderes.

      Antworten
      • So ist das mit Trends. :-)
        Die Grundidee war und bleibt gut, die Übertreibung wirkt oft oberflächlich und dem Thema unangemesssen.

  3. Trendsetting mit Blick auf die Oberfläche und keinerlei Investition in die Tiefe.

    Antworten
  4. Achtsamkeitstraining kann ich wärmstens empfehlen.

    Antworten

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Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben. Marie von Ebner-Eschenbach

Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 4. Juli 2019
AN: #7870
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