Diese 10 Weichmacher schaden Ihnen und Ihrer Botschaft. Lassen!

Konkrete Aussagen statt Floskeln, sonst wirkt die Rede wie ein Selfie mit zu viel Weichzeichner
Weichmacher schaden

Diese 10 Weichmacher schaden Ihnen und Ihrer Botschaft. Lassen!

 

Nur stets zu sprechen, ohne was zu sagen, das war von je der Redner größte Gabe.

August von Platen

 

 

 

Weichmacher? Weichmacher!

 

Könnten Sie unter Umständen so freundlich sein in Betracht zu ziehen Möglichkeitsformen zu vermeiden?

Zugegeben, die französische Sprache hat einen eigenen Charme. Ich würde gerne ein Baguette haben, bitte?! Solche Formulierungen sollen wohl ein Zeichen von Bescheidenheit, Zurückhaltung und Höflichkeit vermitteln. Die umständlichen und schwammigen Formulierungen vermitteln allerdings auch ein Absicherungsbedürfnis. Selbstsicher wirken sie jedenfalls nicht! Wer sich so ausdrückt, wirkt wenig überzeugt und somit auch nicht überzeugend. Nicht nur Politiker vernebeln ihre Meinung oft mit solchen Floskeln. Redner, die etwas zu sagen haben lassen das lieber.

 

 

 

So besser nicht – Diese 10 Weichmacher nerven

 

 

1. Konjunktive

 

Beispiele für Konjunktive (Möglichkeitsformen) als Weichmacher:

  • Ich würde …
  • Ich möchte …
  • Es wäre …
  • Ich müsste …
  • Ich wollte …
  • Ich hätte …
  • Wir sollten …

 

Aussagen mit Konjunktiv schwächt das Anliegen und lassen den Redner als Bittsteller erscheinen.

 

 

 

2. Klein machen

 

Benennen Sie Ihr Anliegen, anstatt es zu verstecken:

  • Verniedlichungen
  • Das ist gar nicht so gut …

 

 

 

3. Abschwächungen

 

Lassen Sie Formulierungen, die alles was davor oder danach gesagt wird, wieder zurücknehmen und die eigene Aussage schwächen:

  • im Prinzip …
  • vielleicht …
  • eigentlich …
  • Grundsätzlich …
  • unter Umständen …
  • Normalerweise …

 

 

 

4. Verallgemeinerungen

 

Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und werden Sie konkreter:

  • alle
  • immer
  • jeder
  • man
  • keiner
  • niemand

 

 

 

5. Negationen

 

Denken Sie jetzt nicht an einen Kreis! In Kommunikationstrainings wird gebetsartig daran erinnert Verneinungen zu vermeiden. Wieso? Verneinungen verursachen Knoten im Gehirn der Zuhörer. Das nimmt den Aussagen Kraft! Also formulieren Sie lieber deutlich worum es Ihnen geht, worauf gezielt wird.

 

Lassen:

  • un-
  • nicht
  • kein

 

 

 

6. Bitten

 

Nutzen Sie Ihre Redezeit anstatt sie durch Floskeln wie „Dürfte ich bitte …?“ zu vergeuden.

 

 

 

7. Entschuldigungen

 

Viele Redner setzen sich selbst herab und werden dadurch weniger kompetent wahrgenommen. Das schwächt die Wirkung der Aussagen. Gestalten Sie Ihre Rede lieber lebendig, für Ihre Zuhörer interessant, spannend und unterhaltend. Was nicht hilft, schadet!

 

Lassen:

  • Ich bin ja kein Experte, aber …
  • Ich bin ein schlechter Redner, bitte verzeihen Sie …
  • Leider konnte ich mich nicht ausreichend vorbereiten …
  • Ich habe ja nur …

 

 

 

 

8.  Körpersprache

 

Rhetorik bedeutet nicht nur verbale Kommunikation, sondern auch nonverbale. Ohne sich dessen bewusst zu sein, entkräften viele Redner ihre Botschaft durch fehlende oder sogar widersprüchliche Körpersprache. Gerade bei wichtigen Redegelegenheiten wird bei der Vorbereitung sichergestellt, dass alles stimmt. Mit geeigneter Körpersprache steigern Sie Ihre Überzeugungskraft. Der Eindruck, den sich die Zuhörer von Ihnen bilden, wird zu einem großen Anteil von Ihrer eigenen Körpersprache beeinflusst. Sie zeigt dem Publikum, ob Sie hinter dem stehen, was Sie sagen oder nicht. Der Körper gibt preis, was Sie tatsächlich denken. Christian Morgenstern drückte es so aus: „Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“ Zur überzeugenden Körpersprache gehören sicherer und angenehmer Blickkontakt, eine aufrechte Haltung, ein fester Stand, und eine unterstützende authentische Gestik und Mimik.

 

 

 

 

9. Stimme

 

Wenn die Stimme nicht stimmt, verliert die Botschaft an Kraft. Einheitsbrei klingt nicht sehr überzeugend. Eine kraftvolle Stimme braucht Pflege. Die entsprechende Haltung, mental und körperlich ermöglicht die Entfaltung. Das hat weit mehr Einfluss, als den meisten Menschen bewusst ist. Die Atmung ist dabei ein ganz entscheidender Faktor. Die meisten Menschen atmen falsch und entfalten schon alleine deswegen nicht ihr volles stimmliches Potenzial. Hier setzen erfahrene Trainer an. Ihre tragfähige und wohlklingende Stimme können Sie trainieren und das Publikum versteht deutlich, worum es geht.

 

 

 

10. Misslungener Abschluss

 

Mit einem ungünstigen Abschluss bekommt selbst eine ansonsten überzeugende Rede eine zu große Dosis Weichmacher. Am besten nach der knackigen Handlungsaufforderung erst einmal schweigen und sie wirken lassen. Ohne deutliche Handlungsaufforderung bleiben die Teilnehmer zu oft im Unklaren darüber, was Sie von ihnen erwarten. Sagen Sie sehr konkret, wozu Sie auffordern! Wer sät, darf auch ernten.

 

 

 

 

Besser

 

Überzeugender bringen Sie Ihre Botschaft als Meinung im Indikativ (Wirklichkeitsform) zum Ausdruck:

 

  • Ich meine …
    Ich persönlich verzichte auch auf solche Formulierungen und sage direkt, wie ich die Dinge sehe.
  • Wir sagen …

 

Wenn Sie sich mit Ihren Aussagen identifizieren, dann vertreten Sie diese auch im Brustton der Überzeugung. Ihr Publikum spricht Ihnen dann ein höheres Maß an Kompetenz und Souveränität zu, Sie wirken glaubwürdiger. Widmen Sie den Weichmachern etwas mehr Aufmerksamkeit, um sie zu ersetzen. Falls Sie das trainieren wollen …

 

 

 

Übrigens

 

Häufig höre ich bei Redegelegenheiten den Einstieg „Ich möchte Sie alle sehr herzlich begrüßen!“. Typisch: Und dann kommt sie nicht. Da wird eine herzliche Begrüßung angekündigt, die dann allzu oft unterbleibt. Also; statt ankündigen lieber tun!

 

 

 

Fazit

 

Weichmacher schaden Ihnen und Ihrer Botschaft. Lassen!*

 

 

 

 

 

*Anmerkungen

 

Ja, mir ist erstens klar, dass es sich um einen Imperativ handelt. Zweitens ist mir bewusst, dass in der deutschen Sprache drei Aussageformen existieren: Indikativ, Konjunktiv und Imperativ. Die Grundfunktion einer Aussageform ist eine in der Verbform beschriebene Handlung als real (Indikativ), irreal (Konjunktiv) oder als Handlungsaufforderung an eine zweite Person (Imperativ) zu markieren. Alles klar, oder? Also …

 

 

1. Der Indikativ

 

Der Indikativ ist der Modus für einen Aussagesatz, der (aus der Perspektive des Sprechers bzw. des Schreibenden) eine reale Handlung beschreibt.

 

 

 

2. Der Konjunktiv

 

Vom Konjunktiv gibt es zwei Formen:

  • Irreale Konjunktiv II (Irrealis)
    Er gibt an, dass eine Aussage nicht real (irreal) ist beziehungsweise, dass eine Aktion nicht tatsächlich ausgeführt wird oder wurde, sondern nur einen Wunsch, eine Absicht, einen Rat, oder ähnliches darstellt. Außerdem wird er für besonders höfliche Bitten verwendet.
  • Konjunktiv I

 

 

 

3. Der Imperativ

 

Der Imperativ wird für Aufforderungen an eine zweite Person im Singular oder Plural verwendet.