Fachidiot oder Experte? Hoch lebe der Blick über den Tellerrand

Nur so ein paar Gedanken ...
Fachidiot

Experten und Fachidioten

 

Fachidiot ist ein nicht schmeichelhafter umgangssprachlicher Ausdruck für einen Experten, der ein Problem nur aus der Perspektive seines Fachgebietes kennt. Ist das erstrebenswert?

 

Überblick

 

 

 

 

Fachidiot oder Experte?

 

Gibt es da einen Unterschied? Ja, es gibt mindestens die folgenden Unterschiede zwischen Fachidioten und Experten.

 

 

a. Definition Experte

 

Ein Experte (auch Fach- oder Sachkundiger oder Spezialist) ist jemand, der sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert hat und sich damit überdurchschnittlich gut auskennt.

Zugegeben; in den Medien wird ohne Hemmungen auch ein Laie zum Experten stilisiert, wenn es der Berichterstattung dient. Solche Pseudoexperten haben auf jede Frage eine rasche Antwort und Sprechen nicht von Unsicherheiten. An alternativen Betrachtungen ist auch kaum jemand interessiert, weshalb auch Experten in den Medien meist eher mit hohem Kontrast, also Schwarz-Weiß-Aussagen zu erleben sind. Doch darum geht es in diesem Artikel ja nicht.

 

 

 

b. Definition Fachidiot

 

Ein Fachidiot ist ein Mensch mit meist guter Ausbildung, der in seinem Fachgebiet mit absolutem Wissen glänzen können, aber im alltäglichen Leben und anderen Disziplinen versagt. Der Blick über den Tellerrand ist Fachidioten verwehrt, Experten genießen ihn hingegen häufig.

 

 

 

Phänomen Fachidiot

 

Wir leben in einer Zeit, in der es für fast jedes Thema Menschen gibt, die darüber sehr viel wissen. Wir können entweder von vielem wenig wissen oder von wenigem sehr viel wissen. Fachidiot ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für einen Experten (Fachmann oder Fachfrau), der ein Problem nur aus der Perspektive seines Fachgebietes kennt, nur aus seiner Sichtweise (Borniertheit) erfassen kann. Er zieht nicht alle Möglichkeiten und Richtungen in Betracht, die für die vollständige Verständlichkeit und Erfassbarkeit eines Gegenstandes, einer Sache oder Thematik erforderlich wären.

Der Begriff „Fachidiotismus“ (fr: idiotisme du métier) wurde erstmals von Karl Marx in seiner 1847 in französischer Sprache veröffentlichten Schrift Misère de la philosophie verwendet. Sie beinhaltet den Vorwurf, dass ein Fachidiot nicht in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, die eingeschränkte Sichtweise zu ergänzen und zu erweitern. Durch die selektive Wahrnehmung wird nicht über den Tellerrand geschaut. „Jeder Fachmann ist in seinem Fach ein Esel“, behauptete der Schriftsteller Jean Paul. Jene, die weiterhin darauf drängen, dass eine breite Bildung als Basis dient, ringen mit denen, die möglichst früh für eine Spezialisierung sind. Was ist wohl besser? Ist nur eine Seite im Recht oder gibt es eine Lösung, die beide Forderungen beinhaltet?

 

 

 

Hoch lebe der Blick über den Tellerrand

 

Ich gehöre zu jenen, die meinen, dass erst eine breite Wissensbasis die Voraussetzung für eine Spezialisierung bildet, die über eine reine Reproduktion hinausgeht. Woher sollen sonst die Impulse kommen? Hoch lebe der Blick über den Tellerrand!

P.S.

 

Was meinen Sie zum Unterschied zwischen Fachidiot und Experten?

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Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 12. Februar 2016
Überarbeitung: 30. Mai 2019
Englische Version:
AN: #1310
K: CNB
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