Trump und die Journalisten bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen

Wortgefecht zwischen US-Präsident Donald Trump und CNN-Journalist Jim Acosta bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen
Trump und die Journalisten

Trump und die Journalisten

 

Das Wortgefecht zwischen US-Präsident Donald Trump und CNN-Journalist Jim Acosta bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen geht durch die Medien. Aus Anlass eines Interviews, das ich hierzu gegeben habe, folgen ein paar Gedanken.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders erklärte am Mittwoch, dass ihm die Akkreditierung für das Weiße Haus wegen absolut inakzeptablem Verhalten entzogen wurde.

 

 

 

Was ist geschehen?

 

Eine verbale Auseinandersetzung bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 7. November 2018 schaukelt sich wegen wiederholter Fragen zum Umgang mit den nahenden Menschengruppen aus Zentralamerika hoch. Als eine Praktikantin des Weißen Hauses dem CNN-Journlisten Acosta daraufhin das Mikrofon abnehmen will, dreht dieser sich weg, hält das Mikrofon fest und stellt Trump eine Frage zu den Russland-Ermittlungen. Später wird die Trump-Sprecherin Sanders erklären, der Journalist hätte die Praktikantin angefasst und das sei absolut inakzeptabel. Im Video erkenne ich davon nichts.

Nach einer kurzen Entgegnung greift Trump Acosta scharf an und sagt unter anderem: „Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.“ Kurz darauf folgt, wegen der angeblichen Verbreitung von „Falschnachrichten“ durch CNN; „Wenn Sie Fake News veröffentlichen, wie es CNN oft macht, dann sind Sie ein Feind des Volkes“. Einige Medien haben diesen Satz allerdings anschließend tatsächlich verfremdet und den ersten Teil unterschlagen. Der vollständige Satz ist zwar nicht schön, doch zumindest etwas vorsichtiger, weil interpretierbar. Oder lese nur ich zwischen den Zeilen, was hier unangemessen ist?

Das Verhältnis von Donald Trump und Presse ist recht speziell und viele halten den Entzug der Akkreditierung für eine Vergeltungsmaßnahme wegen der hartnäckigen Fragen des Journalisten.

 

 

 

Beleidigung?

 

Die Beurteilung, was angemessen ist oder nicht, wird davon bestimmt, wer gefragt wird und welche Interessen eine Rolle spielen. „Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.“ ist keine freundliche Ansprache. „Sie sind ein Feind des Volkes.“ wäre aus meiner Sicht äußerst hart und würde auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein fanatischer Anhänger Trumps dem Journalisten physisch gefährlich wird. Wie ist die Äußerung „Wenn Sie Fake News veröffentlichen, wie es CNN oft macht, dann sind Sie ein Feind des Volkes“ zu beurteilen?

 

 

 

Pressefreiheit

 

Viele Menschen hierzulande mögen Donald Trump nicht und wollen ihn eigenartige Dinge tun sehen. Und die Ausfälle oder zumindest absonderlichen Hinweise lassen sich ohne große Mühe finden. Die einen bewundern die Arbeit aufklärerischer Journalisten, andere fühlen sich darin bestärkt dabei nicht repräsentiert zu werden und geben Trump einen immensen Freiraum. Wer hinsieht, ärgert sich möglicherweise auch über die rüde Art mancher Journalisten und findet das sollte sich niemand gefallen lassen müssen – schon gar nicht das es der Würde eines Amtes entspricht. Wer unbedarft die gesamte Pressekonferenz schaut, darf sich schon über die feindliche Atmosphäre wundern.

Wundern? Na ja, nicht wirklich, denn es ist ja schon sehr viel vorgefallen. Trotzdem ist es schon grenzwertig, wie da miteinander umgegangen wird, in beide Richtungen, oder?

Doch: Die Rolle der Presse, ihre Bedeutung für die Demokratie ist so hoch, dass auch ein US-Präsident sich dem stellen muss. Es braucht ihm nicht zu schmecken, doch wenn er seinem Amt gerecht werden will, erträgt er es mit Respekt, wertschätzt es sogar in seiner Funktion. Das ist bei Trump so leider nicht zu erkennen.

 

 

 

Fake News

 

Regelmäßig reagiert Trump scharf auf die Medien, wenn ihm die Botschaften nicht gefallen. Dann sind es halt Fake News. Trotz Faktencheck, der gegen ihn spricht, kommt er bei seinen Anhängern damit wohl recht gut durch. Wir Europäer (gibt es das überhaupt so einheitlich oder spielen meine Sehnsüchte mir einen Streich?) vergessen leicht, dass er in seinem Land eine große Anhängerschaft hat.

Es wird ihm immer wieder vorgeworfen mit seinen verbalen Angriffen die Sicherheit von Journalisten zu gefährden.

 

 

 

Ja und merkt das den niemand?

 

Als Bill Clinton behauptete „I did not have sexual relations with that woman“, wurde diese Lüge ihm 1998 bei der Lewinsky-Affäre sehr übel genommen und führte zu einem Amtsenthebungsverfahren. Trotz Faktencheck kommt Trump bei seinen Anhängern durch. Er bezeichnet es einfach als Fake News oder jemand nennt erdichtete Beweise alternative Fakten. Trump ist mit dieser Strategie bisher ganz passabel durchgekommen. Seine Anhänger stören sich nicht daran. Doch das Land der ehemals unbegrenzten Möglichkeiten ist gespalten.

 

 

 

 

Fazit

 

Wer an solchen Zuständen nicht interessiert ist unterstützt die freie Meinungsäußerung, ist an Austausch interessiert und hört zu. Es ist leicht, doch auch arrogant, verächtlich nach Washington zu schauen, doch freie Presse, Meinungsaustausch und Demokratie erfordern stetige Anteilnahme und Pflege. Und die Spaltung ist auch in Deutschland zu erkennen. 

P.S.

 

Wie betrachten Sie die Situation, Trumps Umgang mit der Presse und die Bedeutung von Medien insgesamt?

10 Kommentare

  1. Was geht uns in Deutschland an, was die US Amerikaner machen? Wir wollen ja auch nicht dass sie sich in unserer Politik einmischen. Außerdem ist Donald Trump gewählt der Präsident und damit vom Volk der Vereinigten Staaten gewählt worden. Also hat er auch die Aufgabe es zu repräsentieren. Ich finde es anmaßend, wenn wir uns dazu äußern.

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    • Mögliche Gründe:

      1. Weil die US-Politik Einfluss auf die gesamte Welt hat.
      2. Weil wir daraus lernen können.

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  2. Er wurde schon ziemlich bedrängt.

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    • Er erhält tatsächlich nicht viel Respekt von seinem Umfeld.
      Ob das richtig ist, mögen andere Menschen beantworten.
      Es mag verständlich sein, doch sollte es auch anders gehen.
      Doch so oder so darf er sich den Fragen nicht vollkommen entziehen.

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  3. Wahrlich ein Schmierentheater!

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  4. Und was ist mit der Analyse der Körpersprache?

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  5. Ich verstehe die Aufregung nicht, weil das auch ziemlich unfreundlich vom Journalisten gegenüber dem Präsidenten war.

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    • Es ist eine Frage der Sicht, wie einen Staatsoberhaupt zu begegnen ist.
      Zugegeben schwer wir es, wenn Person und Amt so speziell sind.

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Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack 11. Mai 2007
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