Politik, Rhetorik und Entscheidungen: Politik findet nicht nur im Bundestag statt

Mechanismen der politischen Rede: Politische Rhetorik kann sowohl Segen als auch Qual bringen. Artikel zur Rhetorik in der Politik.

 

Politik, Rhetorik, Teilnahme und Entscheidungen

 

Politik machen nicht nur Politiker. Das wichtigste Mittel in einer Demokratie sollte dabei offene und respektvolle Kommunikation sein. Doch nicht jeder Menschen kann sich gleichermaßen gut ausdrücken. Damit wir von der Vielfalt an Erfahrungen und Sichtweisen profitieren können, brauchen wir teilnehmende Menschen.

Politik

 

Die Gestaltung der Ordnung eines Gemeinwesens und Lenkung des individuellen Verhaltens seiner Mitglieder wird als Politik bezeichnet. Eine wesentliche Aufgabe der Politik in einer Demokratie ist es, die Freiheit des Einzelnen im Rahmen der Verfassung (in Deutschland, übernimmt das Grundgesetz diese Aufgabe) zu schützen. Eine wirklich objektive Definition gibt es allerdings wohl nicht. Sicher ist jedenfalls; Politik machen nicht nur Politiker.

 

 

 

a. Politiker

 

Auch, wenn viele politische Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen werden, spielen die rhetorischen Fähigkeiten eine wesentliche Rolle bei der Wahrnehmung von Kandidaten und Amtsträgern. Für die Glaubwürdigkeit ist es erforderlich, dass es so gelingt aufzutreten, wie es dem Amt oder dem Mandat entspricht und dabei auch noch sympathisch zu wirken.

Wir leben in einer Zeit, in der die Kluft zwischen den Ansichten der Macher in der Politik und der Öffentlichkeit immer größer erscheinen. Redegewandte Politiker wissen, wie sie dem Zuschauer durch geeignete Rhetorik selbst komplexe Sachverhalte verständlich machen und erreichen so die erforderliche Zustimmung.

Zustimmungsfähig heißt, dass der Politiker in Reden und Interviews einerseits nachvollziehbar argumentieren, andererseits sein Publikum aber auch emotional erreichen können muss: Bilder sind gefragt, Metaphern und Beispiele. Leider wird ein großer Anteil politischer Reden von einem Redemanuskript abgelesen, wobei auch hier große Unterschiede bei der Wirkung zu erkennen sind. Manchen Politiker gelingt es selbst fremde Redetexte überzeugend zu vermitteln, während andere selbst eigene Text nur unbeteiligt vorlesen.

Wer in der Politik Einfluss will, benötigt vor allem ein gutes Zustandsmanagement. Selbst unter immensen Druck und ständiger Beobachtung gilt es die Souveränität zu bewahren.

 

 

 

b. Bürger

 

Zu einer Demokratie gehört es, dass sich die Bürger in die Politik einmischen. Das erfordert entsprechende sprachliche und meist auch rednerische Fähigkeiten. Wer Politik machen will, benötigt dazu Mittel, um andere Menschen zu überzeugen. Rhetorische Fähigkeiten gehören jedoch nicht zu den gepflegten Kenntnissen und Fähigkeiten der meisten Menschen, es fehlt an Übung.

Demokratie 

 

Je mehr wir darüber zu erfahren scheinen, wie Demokratie und Gesellschaft Funktionieren, desto weniger vertrauen die meisten Menschen dem System. Doch ohne Vertrauen und Teilnahme funktioniert Demokratie noch weniger.

 

 

Demokratie und Utopie

 

Vielleicht gibt es einen bessere gesellschaftlichen Rahmen als die Demokratie, doch den kenne ich nicht. Und tatsächlich habe ich mich vielen Gesellschaftsformen beschäftigt. Selbst diejenigen mit hohem moralischen Anspruch erscheinen mir nicht gerade lebenswert. Viele politische Philosophen haben sich aufgemacht und sich an einem Model versucht; Tommaso Campanella und sein „Sonnenstaat“, Platon und seine Politier (Der Staat) und viele andere. In unserer Zeit dominieren vor allem die erschreckenden Beschreibungen von Gesellschaften, solche die nicht locken, sondern wachrütteln sollen. Konstruktiv utopisches Denken, dass uns voranbringt, ist schwer auszumachen.

 

 

Welche Rolle spielt Rhetorik in der Politik?

 

In der Politik geht es nicht darum, recht zu haben, sondern recht zu behalten.

Konrad Adenauer

Politische Rhetorik kann sowohl Segen als auch Qual bringen

 

Öffentliche und politische Reden können viel erreichen. Im Idealfall bewirken sie einen Wende- oder Höhepunkt im Denken und Handeln der Adressaten. Reden können Leidenschaften entfesseln. Rhetorik hat eine lange Tradition. Schon im antiken Griechenland wurde sie gepflegt. Wobei Rhetorik seither als mächtiges Werkzeug ein zweischneidiges Schwert ist; es kann Gutes und Schreckliches bewirken, von Kriegserklärungen bis zu flammenden Appellen für den Frieden.

Reden offenbaren die Tugenden und auch die Charaktermängel der Redner. Ein Blick auf einige historische Reden erinnert daran, dass die Geisteshaltung mancher Redner durch Wahn oder zumindest widerwärtige Absichten gekennzeichnet ist. Worte können Sachverhalte verzerren und verschleiern, aber vermögen auch zu enthüllen und zu erleuchten. Worte sind Macht und Macht erfordert Verantwortung. Der beste Schutz vor Letzterem ist Aufklärung und Förderung der Stimmen, die gehört werden sollten. Wobei es in einer Demokratie nicht darum geht, ob die Botschaft willkommen ist. Solange sie sich den Grundwerten verpflichtet, muss sie eine Chance haben gehört zu werden. Sonst ist es mit der Demokratie nicht weit her. Und diese Chance muss auch haben, wer kein routinierter Profi ist, wie einige der Berufspolitiker.

Mr. Spock entscheidet sachlicher

 

Politik findet größtenteils nicht auf der bewussten Ebene statt, ist nicht rational und objektiv. Schade? Mag sein, aber es ist, wie es ist, ob es uns gefällt oder nicht. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Es ist wie beim Autofahren. Da halten sich auch fast alle für gesegnete Autofahrer, der Kategorie Michael Schumacher. Bei der Meinungsbildung ist es nicht anders, solange allzu menschliche Anteile wirken. Und wer ist davon wirklich frei?

Mechanismen der Meinungsbildung

 

Nicht Fakten bedingen unsere Meinungen, sondern die subjektive Wahrnehmung. Unbewusste Anteile, mal mehr und mal weniger realistische Überzeugungen, beeinflussen, wie wir entscheiden und reagieren. Tiefverwurzelte Filter wirken darauf, ob Informationen als beachtenswert erkannt oder gedanklich gleich wieder unter den Teppich gekehrt werden.

Spätestens seit der Popularität der Gehirnforschung gibt es Beweise für die Wirkungsweise so einiger schon lange bekannter Strategien erfolgreicher Redner. Wer die Mechanismen kennt, hat es leichter in den Gehirnen der Zuhörer an den gewünschten Strippen zu ziehen. Wobei die Frage nach der Machbarkeit auch stets mit jener der Ethik verknüpft werden sollte. Wer meint, der Zweck heilige stets die Mittel, verletzt leicht im guten Glauben das, was geschützt werden soll.

 

Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, dass die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.

Konfuzius

Vorsicht, nur nicht (unvorbereitet) zwischen die Stühle geraten

 

Für politisch unerfahrene Zeitgenossen lauern in öffentlichen politischen Diskussionen eine Menge unerwarter Risiken. Und das nicht etwa weil es unbedingt schlecht wäre eine persönliche Meinung zu haben, sondern weil es zu viele Personen und Interessen gibt die Sie missbrauchen wollen. Diese Gefahr wird leider häufig unterschätzt. Doch die politische Diskussion hat sich in den letzten Jahren radikalisiert und das nicht nur auf der offiziellen politischen Bühne.

Wer an auch nur andeutungsweise politischen beziehungsweise gesellschaftlichen Diskussionen teilnimmt, sollte sich darauf gefasst machen, dass der Ton schärfer geworden ist. Kaum eine politische Richtung oder sonstige Interessengruppe verzichtet auf radikalere Formen der Rhetorik bzw. Dialektik und Schwarzspielerei. Die Aggressivität ist nun ebenfalls höher als noch vor wenigen Jahren. Die Bereitschaft, Regeln halbwegs seriöser Argumentation zu verletzen, nimmt weiter zu. Das ist ein wenig begrüßenswerter Trend und doch scheint es dem Zeitgeist zu entsprechen. Und dieser Trend hat noch lange nicht seinen Höhepunkt beziehungsweise Tiefpunkt erreicht. So wenig schön das ist, so absehbar ist die Zunahme. Deshalb bereiten Sie sich stets gut vor, wenn Sie öffentlich an Diskussionen teilnehmen, sonst spannen Sie andere für deren Interessen vor den Karren.

Mehr dazu erfahren Sie im Artikel Vorsicht vor politischen Diskussionen in den Medien.

Gestaltung statt Frust

 

 

Zum Lügen gehören immer Zwei: Einer der lügt und einer der’s glaubt!

Homer Simpson

 

 

Frustrierte Zeitgenossen meinen mitunter; wenn Wahlen irgendwas verändern würden, dann wären sie doch schon längst verboten. Sie zweifeln daran, das Demokratie den Willen des Volkes widerspiegelt. Viele lesen überrascht in der Zeitung oder im Internet wie sie zu denken haben und wie es weitergeht, oder halt auch nicht.

Nun hat jeder zumindest die Möglichkeit bei Wahlen seine Vertreter zu benennen, sich selbst politisch zu engagieren und außerdem findet Politik ja nicht nur im Bundestag statt. Es ist ein Jammer, wenn wir meinen nur nach dem geringsten Übel schauen zu können.

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4 Kommentare

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Glossar der Politik A – Z

 

Während der Überarbeitung dieses Glossars finden Sie die Beiträge hier:
Mit der Reizworttechnik Ideen durch ungewöhnliche Verknüpfungen gewinnen.

Glossar

 

In diesem Glossar finden Sie Informationen zu gängigen und nicht so gängigen Begriffen rund um die strategische Rhetorik und Kommunikation. Rhetorik, Marketing und Psychologie ergänzen sich. Wo Glossar und Artikel aufhören, fängt die Arbeit mit mir an. Ich sorge dafür, dass Sie und Ihre Botschaft überzeugen ﹣ in Gesprächen und Präsentationen.

 

 

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Coaching Berlin

Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 26. Februar 2018
Überarbeitung: 24. August 2019
AN: #564551
K: CNB
Ü:X