Alternative Fakten: Chuck, seien Sie nicht so übertrieben dramatisch

Nicht so harmlos, wie es scheint: Alternative Fakten - Glossar zu Rhetorik, Präsentation, Kommunikation,...
Alternative Fakten: Chuck, seien Sie nicht so übertrieben dramatisch

Alternative Fakten

 

Die Bezeichnung alternative Fakten (englisch: alternative facts) wurde durch Kellyanne Conway, die Beraterin des seit 20. Januar 2017 amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, zum Auslöser von Spott.

Sie verteidigte die falschen Angaben des Pressesprechers des Weißen Hauses Sean Spicer über die Größe des Publikums während der Amtseinführung von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten. Als der Journalist Chuck Todd von NBC sie während des Interviews fragte, weshalb Spicer widerlegbar falsche Behauptungen äußere, antwortete Conway:

„Don’t be that overly dramatic about it, Chuck. You’re saying it’s a falsehood, and they’re giving — Sean Spicer, our press secretary, gave alternative facts to that.“ Übersetzt: „Chuck, seien Sie nicht so übertrieben dramatisch. Sie sagen, es sei eine falsche Behauptung, und … unser Pressesprecher Sean Spicer präsentierte dazu alternative Fakten.“

Chuck Todd entgegnete daraufhin: „Alternative facts are not facts. They are falsehoods.“, also „Alternative Fakten sind keine Fakten. Es sind Unwahrheiten.“

 

 

System?

 

Alternative Fakten werden in Donald Trumps Buch The Art of the Deal (deutsch: Die Kunst des Geschäfts) im Sinne von „truthful hyperbole“ (deutsch: wahrheitsgemäße Übertreibung) als eine harmlose Form der Übertreibung und sehr wirksame Form der Werbung dargestellt. Es wird behauptet, dass die Menschen glauben wollen, dass etwas das Größte, Gewaltigste und Spektakulärste ist. Also sollte das Pulbikum mit Gigantomanie glücklich gemacht werden.

Obwohl diese Machenschaften selbst mit wenig Aufwand erkennbar sind, entfalten sie bei manchen Zielgruppen besonders leicht ihre Wirkung. Sie haben gewissermaßen den Zweck, der Wahrnehmung zu widersprechen. Die Mechanismen sind in uns angelegt. Menschen neigen dazu, neue Informationen mit dem eigenen Wissen abzugleichen. Stimmen sie mit Vorhandenem überein, bestärken sie das eigene Wissen. Widersprechen sie sich, entsteht kognitive Dissonanz. Diesen unangenehmen Zustand wollen Menschen möglichst vermeiden, indem eigenes Wissen mit den neuen Fakten abgestimmt wird. Immensen Einfluss hat dabei heute die Verwirrung und Belastung durch die Vielfalt der widersprüchlichen Informationen in den sozialen Medien. Die Absicht offensichtlicher Lügen ist die Verwirrung, die Verschiebung des Diskurses, so dass plötzlich vieles in Frage gestellt wird. Diese Zusammenhänge machen sich manche Interessen zunutze und bereichern uns mit alternativen Fakten. Es ist auch eine Machtdemonstration; wer sie trotz besseren Wissens weitererzählt, wird belohnt und wer nicht mitspielt, der wird bestraft. Insofern sind alternative Fakten und die dahinterstehende Strategie weniger harmlos, als die kabarettistischen Reaktionen auf den ersten Blick vermuten lassen.

Glossar

 

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Chuck, seien Sie nicht so übertrieben dramatisch!