KISS-Prinzip: Klarer reden, besser verstanden werden
KISS-Prinzip in der Rhetorik: Klar und verständlich reden
KISS-Prinzip: Klarer reden, besser verstanden werden
Je komplexer ein Thema ist, desto wertvoller wird klare Sprache. Das KISS-Prinzip erinnert daran, Reden, Präsentationen und Gespräche so einfach wie möglich zu gestalten – und so differenziert wie nötig.
Du kennst dein Thema.
Du hast Erfahrung.
Du verfügst über eine Menge Informationen.
Und genau darin liegt manchmal das Problem.
Denn wer viel weiß, möchte häufig auch viel sagen.
Das Publikum braucht hingegen vor allem eines:
Orientierung.
Hier hilft das KISS-Prinzip.
Was bedeutet das KISS-Prinzip?
KISS wird in unterschiedlichen Varianten verwendet.
Zum Beispiel:
- Keep It Short and Simple.
- Keep It Simple and Straightforward.
Die Botschaft dahinter bleibt dieselbe:
Mach es deinem Publikum leicht, dir zu folgen.
Für Reden, Präsentationen und Gespräche bedeutet das:
Konzentriere dich auf das Wesentliche.
Formuliere verständlich.
Strukturiere klar.
Und gib jedem Detail eine Aufgabe.
Einfachheit ist eine anspruchsvolle Leistung
Kompliziert zu sprechen ist erstaunlich leicht.
Wer genügend Fachbegriffe, Nebensätze, Einschränkungen und Details miteinander verbindet, erzeugt schnell einen beeindruckend komplexen Satz.
Klarheit verlangt mehr.
Du musst entscheiden:
Was ist wesentlich?
Was braucht mein Publikum?
Was gehört an diese Stelle?
Was kann später kommen?
Was darf entfallen?
Genau darin liegt die eigentliche Arbeit.
Einfachheit entsteht durch Auswahl.
KISS bedeutet weniger Ballast – und mehr Substanz
Das KISS-Prinzip fordert keine oberflächliche Kommunikation.
Ein anspruchsvolles Thema darf anspruchsvoll bleiben.
Die Aufgabe besteht darin, seine Komplexität verständlich zu ordnen.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Du vereinfachst weniger den Inhalt.
Du vereinfachst den Zugang zum Inhalt.
Gerade Menschen mit großer fachlicher Expertise profitieren davon.
Denn Expertise zeigt sich auch darin, Wesentliches von weniger Wichtigem unterscheiden zu können.
Das Publikum muss deine Gedanken erst zusammensetzen
Als Redner kennst du bereits den Zusammenhang.
Du weißt, warum Punkt A zu Punkt B führt.
Du kennst die Vorgeschichte.
Du verstehst die Fachbegriffe.
Du siehst das Gesamtbild.
Dein Publikum beginnt hingegen dort, wo du es abholst.
Deshalb reicht es kaum, dass deine Aussagen fachlich korrekt sind.
Sie brauchen eine Struktur, der andere Menschen folgen können.
Eine hilfreiche Frage lautet deshalb:
Wie leicht mache ich es meinem Publikum, meinen Gedanken zu folgen?
Die wichtigste Botschaft zuerst klären
Bevor du kürzt, brauchst du Klarheit über dein Ziel.
Frage dich:
Was soll mein Publikum nach meinem Beitrag verstanden haben?
Und noch konkreter:
Welcher eine Gedanke soll im Gedächtnis bleiben?
Wer darauf eine klare Antwort hat, kann leichter entscheiden, welche Informationen dazugehören.
Wer darauf noch keine Antwort hat, sammelt häufig immer mehr Material.
Das Ergebnis wird länger.
Die Botschaft wird schwächer.
Deshalb beginnt gute Kürzung mit einem klaren Präsentationsziel.
Beginne mit Orientierung
Gerade bei komplexen Themen hilft es, früh zu zeigen, worauf du hinauswillst.
Das Publikum möchte wissen:
Worum geht es?
Warum ist das relevant?
Was ist deine zentrale Aussage?
Und weshalb lohnt es sich, weiter zuzuhören?
Eine Möglichkeit dafür bietet das Pyramidenprinzip.
Dabei steht die Kernaussage weit oben.
Danach folgen die wichtigsten Argumente.
Anschließend kommen Belege, Zahlen und Details.
So bekommt das Publikum früh Orientierung.
Fachbegriffe: hilfreich oder Hindernis?
Fachbegriffe besitzen einen Zweck.
Unter Fachleuten können sie Kommunikation sogar erheblich beschleunigen.
Problematisch werden sie, sobald das Publikum sie erst übersetzen muss.
Frage dich deshalb bei Fachsprache:
Kennt mein Publikum diesen Begriff?
Braucht es ihn?
Hilft er bei der Präzision?
Oder gibt es eine verständlichere Formulierung?
Professionelle Sprache erkennt man weniger an möglichst vielen Fachausdrücken.
Professionelle Sprache transportiert Gedanken präzise.
Kurze Sätze helfen – meistens
Klarheit profitiert häufig von überschaubaren Sätzen.
Ein Gedanke.
Ein Satz.
Dann der nächste Gedanke.
Das erzeugt Rhythmus und erleichtert das Zuhören.
Natürlich darf Sprache abwechslungsreich bleiben.
Ein längerer Satz kann einen Zusammenhang elegant darstellen.
Entscheidend bleibt die Verständlichkeit.
Sobald Zuhörer einen Satz gedanklich auseinanderbauen müssen, geht Aufmerksamkeit verloren.
Information ist noch keine Botschaft
Viele Präsentationen enthalten beeindruckende Mengen an Informationen.
Zahlen.
Studien.
Grafiken.
Hintergründe.
Details.
All das kann wertvoll sein.
Eine entscheidende Frage bleibt:
Welche Aufgabe hat diese Information?
Unterstützt sie deine Kernaussage?
Beantwortet sie eine wichtige Frage?
Belegt sie ein Argument?
Hilft sie bei einer Entscheidung?
Wenn du ihre Aufgabe kaum bestimmen kannst, darf sie häufig entfallen oder in den Anhang wandern.
Weglassen ist Teil professioneller Vorbereitung
Eine der anspruchsvollsten Aufgaben bei der Vorbereitung besteht im Streichen.
Gerade wenn uns ein Thema am Herzen liegt, erscheint vieles wichtig.
Wir möchten zeigen, was wir wissen.
Wir wollen möglichen Fragen zuvorkommen.
Wir möchten vollständig sein.
Doch Vollständigkeit und Wirkung verfolgen unterschiedliche Ziele.
Eine Präsentation ist selten ein Archiv.
Sie soll etwas bewirken.
Deshalb lautet eine meiner liebsten Prüfungen:
Was geschieht, wenn ich diesen Teil streiche?
Bleibt die Botschaft vollständig und überzeugend, hast du wahrscheinlich gerade etwas Überflüssiges gefunden.
KISS heißt auch: Respekt vor der Zeit des Publikums
Besonders deutlich wird das bei Führungskräften, Entscheidern und Menschen mit dichtem Terminkalender.
Wer vor einer Geschäftsführung, einem Vorstand, Investoren oder wichtigen Kunden präsentiert, bekommt häufig wenig Zeit für viel Inhalt.
Dann zählt die Fähigkeit, schnell Orientierung zu schaffen.
Was ist die Kernaussage?
Was empfiehlst du?
Warum?
Welche Konsequenzen entstehen?
Welche Entscheidung steht an?
Klarheit ist in solchen Situationen auch Respekt vor der Zeit des Gegenübers.
Einfachheit braucht Struktur
Einfach sprechen bedeutet weniger, spontan alles zu verkürzen.
Gute Klarheit entsteht häufig schon bei der Vorbereitung.
Ordne deine Gedanken.
Formuliere die Kernaussage.
Wähle deine stärksten Argumente.
Entscheide, welche Beispiele helfen.
Prüfe Zahlen und Details auf ihre Funktion.
Und baue daraus einen nachvollziehbaren Weg für dein Publikum.
Manchmal eignet sich dafür eine klare Argumentationsstruktur.
Manchmal hilft ein Beispiel.
Und manchmal macht gutes Storytelling einen komplexen Gedanken erst wirklich greifbar.
Der KISS-Test für deine nächste Präsentation
Bevor du mit einer Rede, Präsentation oder einem wichtigen Gespräch fertig bist, stelle dir einige Fragen:
- Kann ich meine Kernbotschaft in einem Satz ausdrücken?
- Versteht mein Publikum die verwendeten Begriffe?
- Hat jeder Abschnitt eine erkennbare Aufgabe?
- Welche Informationen kann ich streichen?
- Ist früh erkennbar, worauf ich hinauswill?
- Kann mein Publikum meiner Struktur leicht folgen?
- Welche Aussage soll am Ende im Gedächtnis bleiben?
Wenn du diese Fragen überzeugend beantworten kannst, bist du bereits sehr nah an guter KISS-Kommunikation.
Klar sprechen bedeutet klar denken
Ein weiterer Vorteil des KISS-Prinzips wird häufig unterschätzt.
Der Versuch, etwas verständlich zu erklären, prüft gleichzeitig das eigene Denken.
Wo wir selbst noch keine Klarheit besitzen, entstehen leicht komplizierte Formulierungen.
Wir reden länger.
Wir fügen Einschränkungen hinzu.
Wir springen zwischen Gedanken.
Eine klare Formulierung zwingt uns dagegen zu Entscheidungen:
Was behaupte ich?
Warum?
Was folgt daraus?
Deshalb ist Klarheit in der Sprache häufig auch Klarheit im Denken.
Wenn der Auftritt zählt
Bei einer wichtigen Präsentation reicht die allgemeine Regel „Halte es einfach“ häufig kaum aus.
Dann geht es um die konkrete Situation.
Um dein Publikum.
Um Interessen und Erwartungen.
Um deine Kernbotschaft.
Um Argumentation.
Um mögliche Einwände.
Und darum, wie du all das so formulierst, dass deine Botschaft ankommt.
In der individuellen Präsentationsvorbereitung arbeiten wir direkt an deinem tatsächlichen Auftritt.
Wir sortieren.
Wir schärfen.
Wir streichen.
Wir prüfen die Wirkung.
Und wir konzentrieren uns auf das, was in deiner konkreten Situation den größten Unterschied macht.
Mehr über die individuelle Vorbereitung wichtiger Reden und Präsentationen →
Fazit: Mach es deinem Publikum leicht
Das KISS-Prinzip klingt simpel.
Seine Umsetzung verlangt Qualität.
Du brauchst Klarheit über dein Ziel.
Du brauchst eine starke Kernbotschaft.
Du brauchst Struktur.
Und du brauchst den Mut, auf manches zu verzichten, das interessant ist und deiner Botschaft wenig dient.
Dafür erhält dein Publikum etwas Wertvolles:
Orientierung.
Es versteht schneller, was du sagen möchtest.
Es kann deinen Gedanken leichter folgen.
Und deine Botschaft bekommt eine bessere Chance, im Gedächtnis zu bleiben.
KISS bedeutet deshalb für mich vor allem: Mach es deinem Publikum so leicht wie möglich, das Wesentliche zu verstehen.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 24. August 2014
Überarbeitung: 17. August 2020















Schon häufiger bin ich auf diese Regel hingewiesen worden. Leider vergisst man solche wichtige Regeln zu schnell und verliert sich dann wieder in den Details. Gut daran erinnert zu werden.
Top
Fange ich früh genug mit der Vorbereitung an, dann reift der Text. Ich streiche immer wieder was nicht so wichtig ist. Das dauert aber.
Yeah!