Medieninterview zusagen oder ablehnen?

Entscheidung & Vorbereitung
Medienkompetenz

Medieninterview zusagen oder ablehnen? Erst entscheiden, dann auftreten

 

Das Telefon klingelt.

Eine Redaktion möchte ein Interview.

Vielleicht Fernsehen.

Radio.

Podcast.

Zeitung.

Oder ein großes Online-Medium.

Die erste Reaktion lautet schnell:

„Großartig. Wann soll ich da sein?“

Einen Moment.

Eine Interviewanfrage ist zunächst weniger eine Auszeichnung als eine Entscheidungssituation.

Denn Öffentlichkeit kann Chancen eröffnen.

Sie kann deine Botschaft verbreiten.

Deine Position stärken.

Vertrauen schaffen.

Sichtbarkeit erhöhen.

Gleichzeitig gibst du einen Teil der Kontrolle darüber ab, in welchem Zusammenhang deine Aussagen später erscheinen.

Deshalb lautet die erste Frage weniger:

„Wie bereite ich mich auf das Interview vor?“

Vorher kommt eine wichtigere:

„Sollte ich dieses Interview überhaupt geben?“

 

 

 

Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck

 

„Hauptsache Presse“ klingt verlockend.

Für manche Situationen mag Reichweite tatsächlich das wichtigste Ziel sein.

Für Menschen mit Verantwortung reicht dieses Kriterium selten aus.

Denn entscheidend ist weniger, ob du sichtbar wirst.

Entscheidend ist:

Wofür wirst du sichtbar?

In welchem Zusammenhang?

Mit welcher Botschaft?

Vor welchem Publikum?

Und mit welchen möglichen Folgen?

Eine hohe Reichweite mit dem falschen Kontext kann weniger wertvoll sein als eine kleinere Öffentlichkeit, die genau die Menschen erreicht, die für dein Anliegen relevant sind.

 

 

 

Interviewe den Interviewer

 

Bevor du einem Interview zusagst, sammle Informationen.

Du darfst Fragen stellen.

Zum Beispiel:

Worum geht es genau?

Was ist der Anlass?

Welche Perspektive verfolgt der Beitrag?

Warum wurde gerade ich angefragt?

Welche Rolle soll ich darin haben?

Wer kommt außerdem zu Wort?

Für welches Medium entsteht der Beitrag?

Welche Zielgruppe erreicht es?

Live oder Aufzeichnung?

Wie lang ist das Gespräch?

Wie viel davon wird voraussichtlich verwendet?

Wann erscheint der Beitrag?

Wer führt das Interview?

Eine professionelle Redaktion wird dir möglicherweise weniger jede Einzelheit nennen.

Trotzdem liefern bereits die Antworten auf einige dieser Fragen wichtige Hinweise.

Bevor du selbst zum Interviewpartner wirst, darfst du zunächst Informationen sammeln.

 

 

 

Die wichtigste Frage: Was ist mein Ziel?

 

Bevor du zusagst, solltest du wissen, weshalb du das Interview geben möchtest.

Was soll nach dem Gespräch anders sein?

Welche Botschaft möchtest du vermitteln?

Welche Position möchtest du vertreten?

Welche Menschen möchtest du erreichen?

Was möchtest du erklären?

Wofür möchtest du stehen?

Wenn du darauf kaum eine Antwort hast, verdient die Zusage noch etwas Zeit.

Denn Medienpräsenz allein ist selten eine Strategie.

 

 

 

Was hat die Redaktion davon?

 

Auch diese Perspektive gehört dazu.

Journalisten arbeiten für ihr Publikum.

Sie brauchen Relevanz.

Neuigkeit.

Konflikt.

Einordnung.

Persönlichkeiten.

Geschichten.

Das ist vollkommen legitim.

Deine Aufgabe besteht darin zu verstehen, welche Rolle du innerhalb dieser Geschichte bekommen könntest.

Bist du Experte?

Betroffener?

Vertreter einer Position?

Gegenstimme?

Beispiel?

Kritiker?

Verantwortlicher?

Je klarer das ist, desto besser kannst du entscheiden.

 

 

 

Die Interessen sind verschieden

 

Ein Medieninterview ist eine professionelle Begegnung mit unterschiedlichen Interessen.

Du möchtest deine Position verständlich vermitteln.

Der Journalist möchte einen interessanten Beitrag produzieren.

Die Redaktion denkt an ihr Publikum.

Bei aufgezeichneten Formaten kommen Auswahl und Schnitt hinzu.

Das ist weder gut noch schlecht.

Es gehört zum Format.

Souveränität beginnt damit, diese unterschiedlichen Interessen zu verstehen.

 

 

 

Live oder Aufzeichnung macht einen Unterschied

 

Bei einem Liveinterview hörst du eine Frage und antwortest.

Deine Aussage erreicht das Publikum weitgehend in diesem Zusammenhang.

Bei einer Aufzeichnung entsteht anschließend ein redaktionelles Produkt.

Vielleicht dauert das Gespräch 30 Minuten.

Im Beitrag erscheinen 25 Sekunden.

Dann entscheidet die Redaktion, welcher Ausschnitt verwendet wird und in welchem Kontext er steht.

Deshalb reicht es kaum, irgendwann im Gespräch einen guten Satz gesagt zu haben.

Deine Kernbotschaften sollten so klar sein, dass auch einzelne Ausschnitte für sich tragfähig bleiben.

 

 

 

Welche Risiken gibt es?

 

Vor einer Zusage lohnt sich ein nüchterner Blick.

Welche Themen könnten kritisch werden?

Welche Fragen sind wahrscheinlich?

Welche Interessen könnten berührt werden?

Welche Informationen sind vertraulich?

Welche rechtlichen Grenzen bestehen?

Welche Aussagen brauchen besondere Präzision?

Welche Auswirkungen könnte ein missverständliches Zitat haben?

Bei rechtlich relevanten Themen gehört juristische Beratung in die Vorbereitung.

Medientraining ersetzt keine Rechtsberatung.

 

 

 

Was geschieht, wenn du ablehnst?

 

Auch das gehört zu einer guten Entscheidung.

Manchmal wirkt Ablehnung zunächst riskanter als Zustimmung.

Deshalb frage:

Was geschieht realistisch, wenn ich dieses Interview ablehne?

Vielleicht fragt die Redaktion jemand anderen.

Vielleicht erscheint der Beitrag ohne deine Perspektive.

Vielleicht entsteht dadurch tatsächlich ein Nachteil.

Vielleicht passiert nahezu nichts.

Erst wenn beide Seiten betrachtet werden, entsteht eine vernünftige Entscheidung.

 

 

 

Der Interview-Entscheidungskompass

 

Vor einer wichtigen Medienzusage helfen sieben Fragen.

 

1. Was ist das Thema?

Worum geht es tatsächlich?

 

2. Warum werde gerade ich angefragt?

Welche Rolle soll ich im Beitrag spielen?

 

3. Wen erreicht das Medium?

Ist dieses Publikum für mein Anliegen relevant?

 

4. Welche Botschaft möchte ich vermitteln?

Kann ich sie in wenigen klaren Sätzen formulieren?

 

5. Welche Chancen bietet der Auftritt?

Sichtbarkeit?

Einordnung?

Vertrauen?

Positionierung?

 

6. Welche Risiken bestehen?

Reputation?

Missverständnisse?

Vertraulichkeit?

Rechtliche Konsequenzen?

 

7. Was geschieht, wenn ich ablehne?

Welche realistischen Folgen hätte ein Nein?

Erst dann folgt die Entscheidung.

 

 

 

Ein Nein kann eine souveräne Entscheidung sein

 

Nicht jedes Interview verdient eine Zusage.

Vielleicht passt das Format kaum.

Vielleicht ist der Kontext ungünstig.

Vielleicht fehlen wichtige Informationen.

Vielleicht ist die Vorbereitung in der verfügbaren Zeit kaum seriös möglich.

Vielleicht überwiegen die Risiken.

Dann kann ein freundliches Nein die professionellere Entscheidung sein.

Sichtbarkeit ist wertvoll.

Selektive Sichtbarkeit kann wertvoller sein.

 

 

 

Wenn du zusagst, beginnt die eigentliche Vorbereitung

 

Nach einer bewussten Zusage verändern sich die Fragen.

Jetzt geht es um:

Kernbotschaften.

Wahrscheinliche Fragen.

Kritische Fragen.

Beispiele.

Zahlen und Fakten.

Formulierungen.

Übergänge zu deinen Botschaften.

Körpersprache.

Stimme.

Präsenz.

Und um die Frage:

Was soll vom Gespräch hängen bleiben?

 

 

 

Drei Botschaften reichen häufig weiter als dreißig Argumente

 

Vor einem wichtigen Interview solltest du deine zentralen Aussagen kennen.

Was sind die drei wichtigsten Gedanken?

Kannst du sie jeweils in einem Satz formulieren?

Kannst du sie erklären?

Kannst du ein Beispiel geben?

Kannst du auch unter kritischem Nachfragen ruhig zu ihnen zurückkehren?

Wer alles sagen möchte, hinterlässt häufig wenig.

Klarheit braucht Auswahl.

 

 

 

Vorbereitung bedeutet mehr als Antworten auswendig lernen

 

Eine Liste erwarteter Fragen kann hilfreich sein.

Verlasse dich trotzdem weniger darauf, dass ausschließlich diese Fragen kommen.

Professionelle Vorbereitung bedeutet:

Du kennst deine Botschaften.

Du kennst sensible Bereiche.

Du hast kritische Fragen durchgespielt.

Du kannst spontan formulieren.

Und du bleibst auch dann orientiert, wenn das Gespräch eine unerwartete Richtung nimmt.

Das ist wesentlich robuster als auswendig gelernte Antworten.

 

 

 

Die Frage hinter der Medienanfrage

 

Für mich gehört ein Medieninterview deshalb zu einer größeren Kategorie:

Kommunikation in entscheidenden Momenten.

Es gibt Situationen, in denen wenige Minuten ungewöhnlich große Wirkung entfalten können.

Ein Interview.

Eine Pressekonferenz.

Eine wichtige Präsentation.

Ein Gespräch mit Investoren.

Eine Stellungnahme in einer Krise.

Ein Auftritt vor Mitarbeitenden.

Dann geht es weniger um rhetorische Tricks.

Es geht um Klarheit unter Druck.

 

 

 

Souveränität beginnt vor der Kamera

 

Ein überzeugender Medienauftritt beginnt lange vor dem ersten roten Licht.

Mit einer Entscheidung.

Warum gehe ich dorthin?

Was möchte ich erreichen?

Welche Verantwortung trage ich?

Welche Risiken akzeptiere ich?

Was möchte ich sagen?

Und wofür möchte ich anschließend stehen?

Wer diese Fragen geklärt hat, betritt ein Interview anders.

 

 

 

Individuelles Sparring vor wichtigen Medienauftritten

 

Gerade bei Interviews mit hoher Sichtbarkeit lohnt sich eine unabhängige Vorbereitung.

Wir können gemeinsam prüfen:

Solltest du die Anfrage annehmen?

Welche Chancen und Risiken bestehen?

Welche Botschaften sind entscheidend?

Welche kritischen Fragen sind wahrscheinlich?

Wo liegen kommunikative Fallstricke?

Wie formulierst du komplexe Inhalte klar?

Und wie bleibst du auch unter Druck bei deiner Position?

Dabei geht es weniger darum, möglichst mediengerecht zu wirken.

Es geht darum, auch in einer Situation mit hoher öffentlicher Wirkung klar, glaubwürdig und souverän zu kommunizieren.

Denn ein gutes Interview beginnt weniger mit der ersten Antwort.

Es beginnt mit einer guten Entscheidung.

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
Datenschutz

Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

Kontaktformular

 

Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

P.S.​

 

Wie steht es mit Fragen oder Kommentaren dazu?

2 Kommentare

  1. In meiner Branche ist jeder froh wenn es in die Presse geht. Da wird sofort zugesagt.

    Antworten
  2. Ich bin gerade zu einem Interview als Gründer eingeladen worden und frage mich was ich als nächstes tun soll. Das Interview ist übermorgen.

    Antworten

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 20. September 2015
Überarbeitung: 02. September 2026