Hoch lebe der Anfängergeist

Tagesmotto*
Lernen
Der Kluge lernt aus allem und jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß schon alles besser. Sokrates

Anfängergeist

 

Kenn ich, weiß ich, hab ich schon,.. solch eine Einstellung bringt Sie nicht weiter. Was wollen Sie heute mit Anfängergeist tun? Ansonsten vertraute Momente in Ihrem Leben wie beim ersten Mal erkunden und genießen.

Mit Anfängergeist die Welt betrachten

 

Als das Kind, Kind war … erschienen ihm viele Menschen schön und jetzt nur noch im Glücksfall, stellte es sich klar ein Paradies vor und kann es jetzt höchstens ahnen, konnte es sich Nichts nicht denken und schaudert heute davor. … Als das Kind Kind war, spielte es mit Begeisterung und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch, wenn diese Sache seine Arbeit ist. So beginnen ein Gedicht von Peter Handke und der Film „Himmel über Berlin“. Ja, als Kinder schauten wir noch häufiger mit funkelnden Augen auf die Welt. In der Zeit des Lebens, als alles noch neu für uns war, faszinierte uns vieles, was uns heute kaltlässt. Wir konnten von manchem nicht genug bekommen, das wir heute unbeeindruckt übersehen. Mit der Zeit beginnen wir damit zu viele Wunder für Selbstverständlichkeiten zu halten.

 

 

 

Jeder Moment ist einzigartig

 

Bücher und Kurse zu Achtsamkeit erinnern kurzzeitig daran, wie wertvoll das Hier-und-Jetzt ist. Wenn jeder Moment als einzigartig empfunden wird, schenken wir ihm die volle, offene und neugierige Aufmerksamkeit. In solchen Moment lernen wir leichter etwas dazu und genießen was er zu bieten hat.

 

 

 

Dann werden wir älter und…

 

Werden wir älter, verändert sich die Haltung bei vielen Menschen, der Anfängergeist verliert sich und wir nennen es Erwachsenwerden. Es wiederholen sich die Momente häufiger und häufiger. Die Gegebenheiten anzunehmen und sich einzurichten verspricht Bequemlichkeit. Routinen bei der Wahrnehmung, im Denken und bei den Verhaltensmustern lassen uns mit weniger Aufwand durch das Leben steuern. Es fühlt sich sicherer und bequemer an, etwas Vertrautes zu tun. Doch der Autopilot hat nicht nur Vorteile, im Fluss des Lebens treiben wir dahin. Wir glauben zu wissen was als Nächstes geschieht und sorgen für eine sich selbsterfüllende Prophezeiung (Self-fulfilling prophecy), eine Erwartungshaltung. Und genau das passiert dann dadurch auch häufiger.

 

 

 

Gewohnheiten, Vergleiche

 

Sobald wir über etwas Bescheid zu wissen glauben, erschweren wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge. Kommen wir dann in eine neue, ungewohnte Situation, fühlen wir uns oft eher unwohl als fasziniert. Wir vergleichen, bewerten – die Filter wirken im Unbewussten, wir entscheiden, ohne uns dessen bewusst zu sein. Wir funktionieren und übersehen dabei viele Aspekte, die Aufmerksamkeit verdienen.

 

 

 

Das ist nicht genug, oder?

 

Leben beinhaltet mehr als nur zu funktionieren? Ja, das glauben manche Menschen und ich teile deren Ansicht. Es tut uns Menschen so gut, wenn wir uns ab und zu, wie mit den Augen eines Kindes, mit offenem Mund, dem Staunen hingeben.

 

 

 

Kenne ich, habe ich schon getan, weiß ich, bringt nichts?

 

Am Anfang wirkt vieles mysteriös, der Entdeckertrieb wird geweckt. Beginnen wir etwas Neues, sind wir neugierig, offen und aufmerksam, entdecken neue Dinge. Mit der Zeit meinen wir uns auszukennen, wir sind reif und erfahren. Anfänger, das sind die anderen Menschen. Der Anfängergeist geht verloren und darauf sind wir dann auch noch stolz.

Ja, Erfahrungen bringen einige Vorteile mit sich. Doch wie so oft hat das auch eine Kehrseite. Viele der bisherigen Antworten und Lösungen helfen nicht bei aktuellen Herausforderungen. Dann brauchen wir die Offenheit und Neugier eines Kindes, um uns den Herausforderungen kreativ anzunehmen. Wir brauchen Anfängergeist – eine großzügige Menge davon. Es lohnt sich auf so viele Weise und ganz nebenbei kann das auch noch glücklicher machen.

 

 

Anfängergeist

 

Beim Anfängergeist geht um das Erkunden und Erspüren von Aspekten, die noch nicht die entsprechende Aufmerksamkeit bekommen haben. Gerade Experten profitieren von einer solchen Haltung. Alles ist möglich: Heute ist ein guter Tag, um mit Anfängergeist durch die Welt zu gehen, als würden Sie alles zum ersten Mal sehen und tun. Genießen Sie das intensive Gefühl der Wachheit und Verbundenheit mit dem Moment. Lassen Sie sich überraschen.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“, meinte schon Hermann Hesse.

Viel Spaß!

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P.S.

 

Was wollen Sie heute mit Anfängergeist beseelen? Welche ansonsten vertrauten Momente in Ihrem Leben wie beim ersten Mal erkunden und genießen? Was verändert sich dadurch?

5 Kommentare

  1. Jeden Tag erneut als eigene Chance erleben!
    Manchmal gelingt das ganze einfach und manchmal ziehen Routinen mich in ihren Bann, weil es bequemer ist.

    Antworten
  2. Ohne Routinen lassen sich speziell Montage nicht machen. Es gibt ja auch viele gute Routinen.

    Antworten

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Das Tagesmotto wähle ich meist, weil mich etwas daran anspricht. Es lacht mich an oder reizt mich. Es fühlt sich so an, als könnte es etwas bewegen und dem will ich auf dem Grund gehen. So widme ich jedem Tag ein Motto und lasse mich überraschen was es mit mir macht.

Mitunter klärt sich der Grund für die Wahl erst später. Deswegen sind die Gedanken zum Tagesmotto meist auch keine Artikel, sondern Assoziationen. Es sind in Worte verwandelte Gedanken. Sie sind spontan und außerdem veröffentliche ich sie häufig, während ich unterwegs bin. Sie neigen deswegen dazu in Fragmenten zu erscheinen. Fühlen Sie sich eingeladen Ihre Assoziationen hinzuzufügen, um Ihre persönlichen Perspektiven zu bereichern – das Bild abzurunden.

 

Die folgenden Fragen helfen dabei vom Tagesmotto ganz persönlich zu profitieren:

 

  • Was löst das Zitat bei Ihnen aus?
  • Unter welchen Umständen stimmen Sie der Aussage zu und wann nicht?
  • Was hat die Aussage in Ihrem Leben für eine Bedeutung?
  • Wie kann das Tagesmotto Ihr Leben bereichern?
  • In welchem Zusammenhang könnte die Aussage nützlich sein?
  • Wo wollen Sie sich wie daran erinnern?
Es tut uns Menschen so gut, wenn wir uns ab und zu, wie mit den Augen eines Kindes, mit offenem Mund, dem Staunen hingeben.

Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 8. August 2014
Überarbeitung: 26. Februar 2020
Englische Version:
AN: #765
K: CNB
Ü: