Routinen und Glaubenssätze hinterfragen: Was trägt noch – und was begrenzt dich längst?
Mehr Wahlfreiheit im Denken und Handeln
Routinen und Glaubenssätze hinterfragen: Was trägt noch – und was begrenzt dich längst?
Manche Dinge tun wir, weil sie sich bewährt haben.
Andere, weil wir sie schon immer so gemacht haben.
Und manchmal kennen wir den Unterschied selbst kaum noch.
Das gilt für Routinen.
Und ebenso für Überzeugungen.
Sie können Orientierung geben.
Entscheidungen erleichtern.
den Alltag vereinfachen.
Doch was einmal hilfreich war, muss nicht für immer passend bleiben.
Eine gute Routine spart Entscheidungen. Eine ungünstige Routine verhindert sie.
Routinen sind zunächst etwas Nützliches
Ohne Routinen wäre der Alltag anstrengend.
Wir müssten ständig neu entscheiden:
Wann stehe ich auf?
Wie beginne ich meinen Arbeitstag?
Wann beantworte ich E-Mails?
Wie bereite ich ein Meeting vor?
Routinen reduzieren Entscheidungsaufwand.
Genau darin liegt ihr Wert.
Automatisierung entlastet
Wenn bestimmte Abläufe vertraut sind, brauchst du weniger bewusste Aufmerksamkeit.
Das schafft Raum für andere Aufgaben.
Deshalb sind Routinen nicht der Feind von Freiheit.
Sie können Freiheit ermöglichen.
Wann wird eine Routine zum Problem?
Dann, wenn sie weiterläuft, obwohl ihr ursprünglicher Zweck verschwunden ist.
Zum Beispiel:
Ein wöchentliches Meeting existiert seit acht Jahren.
Niemand weiß mehr genau, wozu.
Es findet trotzdem statt.
Jeden Dienstag.
Das ist Routine ohne Prüfung.
„Das haben wir immer so gemacht“ ist noch kein Argument
Vielleicht gab es gute Gründe.
Vielleicht gelten sie noch.
Vielleicht auch nicht.
Die hilfreiche Frage lautet:
Welches Problem löst diese Routine heute?
Wenn darauf niemand eine gute Antwort hat, lohnt sich ein genauerer Blick.
Routinen können unsichtbar werden
Gerade weil sie vertraut sind.
Du bemerkst nicht mehr:
warum du etwas tust.
nur, dass du es tust.
Deshalb ist gelegentliche Reflexion wertvoll.
Eine Routine braucht keinen dauernden Zweifel
Das Gegenteil wäre ebenso unpraktisch.
Wenn du jeden Morgen neu prüfst, ob Zähneputzen wirklich sinnvoll ist, verlierst du genau den Vorteil der Routine.
Es geht nicht darum, alles ständig infrage zu stellen.
Es geht darum, gelegentlich bewusst zu prüfen:
Erfüllt dieser Ablauf noch seinen Zweck?
Routinen und Flexibilität
Eine gute Routine ist stabil genug, um zu tragen.
Und flexibel genug, um angepasst zu werden.
Zum Beispiel:
Du planst konzentrierte Arbeit grundsätzlich am Vormittag.
Das ist deine Routine.
Ein wichtiger Kundentermin verändert an einem Tag den Ablauf.
Kein Problem.
Die Routine dient dir – nicht du der Routine
Dieser Satz ist für mich entscheidend.
Wenn das Einhalten einer Routine wichtiger wird als ihr Zweck, hat sich etwas verschoben.
Was sind Glaubenssätze?
Der Begriff „Glaubenssatz“ wird im Coaching häufig für relativ stabile Annahmen über:
- uns selbst
- andere Menschen
- Beziehungen
- Arbeit
- Erfolg
- die Welt
verwendet.
Zum Beispiel:
„Ich muss alles selbst machen.“
„Wenn ich Nein sage, enttäusche ich andere.“
„Gute Führungskräfte müssen immer sicher wirken.“
„Ich bin schlecht in Konflikten.“
Ich verwende den Begriff pragmatisch
„Glaubenssatz“ ist kein eindeutig abgegrenzter wissenschaftlicher Fachbegriff.
Je nach psychologischem Ansatz werden ähnliche Phänomene beispielsweise als:
Überzeugungen.
Annahmen.
Schemata.
Grundannahmen.
innere Regeln.
beschrieben.
Entscheidend ist für die praktische Arbeit weniger das Etikett.
Interessanter ist:
Welche Annahme beeinflusst gerade dein Verhalten?
Überzeugungen sind keine objektiven Tatsachen
Das klingt selbstverständlich.
Ist es im Alltag oft nicht.
Der Satz:
„So bin ich eben.“
kann sich wie eine Tatsache anfühlen.
Vielleicht beschreibt er allerdings nur:
eine häufige Erfahrung.
ein gelerntes Muster.
eine bisherige Interpretation.
Eine Überzeugung kann einmal sinnvoll gewesen sein
Zum Beispiel:
„Ich muss mich auf mich selbst verlassen.“
Vielleicht war diese Haltung in einer früheren Situation sehr hilfreich.
Später kann sie dazu führen, dass du:
kaum delegierst.
Unterstützung ablehnst.
Verantwortung an dich ziehst.
Dann ist nicht entscheidend, ob die Überzeugung „gut“ oder „schlecht“ ist.
Entscheidend ist:
Wie wirkt sie heute?
Glaubenssätze sind selten einfach positiv oder negativ
Das finde ich wichtig.
Zum Beispiel:
„Ich möchte zuverlässig sein.“
Das kann sehr hilfreich sein.
Wenn daraus wird:
„Ich darf niemals jemanden enttäuschen.“
kann dieselbe Grundidee anfangen, Handlungsspielraum zu begrenzen.
Kontext entscheidet mit
Eine Überzeugung kann in einer Situation hilfreich und in einer anderen hinderlich sein.
Deshalb suche ich weniger nach:
„negativen Glaubenssätzen“
und stärker nach:
zu starren Regeln.
Innere Regeln erkennen
Sie verstecken sich häufig in Sätzen mit:
immer.
nie.
muss.
darf nicht.
so bin ich.
das geht bei mir nicht.
Solche Wörter beweisen noch nichts.
Sie können jedoch Hinweise geben.
Beispiel: „Ich muss immer vorbereitet sein“
Das kann eine hervorragende Arbeitsregel sein.
Vor einem wichtigen Vortrag:
sehr sinnvoll.
In jedem spontanen Gespräch:
möglicherweise einschränkend.
Dann könnte eine flexiblere Regel lauten:
„Bei wichtigen Situationen bereite ich mich sorgfältig vor. Und ich kann auch mit Unvorhergesehenem umgehen.“
Es geht nicht darum, aus jedem Satz eine Affirmation zu machen
Wenn du glaubst:
„Ich kann keine Präsentationen halten.“
hilft vielleicht wenig:
„Ich bin der beste Redner der Welt.“
Wenn du das selbst nicht glaubst, erzeugt der Satz kaum neue Realität.
Realistische Alternativen tragen weiter
Zum Beispiel:
„Präsentationen fallen mir derzeit schwer. Ich kann lernen, damit sicherer umzugehen.“
Das ist weniger spektakulär.
Und häufig belastbarer.
Überzeugungen prüfen statt bekämpfen
Manchmal wird im Coaching von „Glaubenssätzen auflösen“ gesprochen.
Das klingt, als müsste etwas innerlich entfernt werden.
Ich finde eine andere Perspektive oft hilfreicher:
Überzeugungen prüfen, differenzieren und erweitern.
Eine gute Prüffrage
Unter welchen Bedingungen stimmt dieser Satz?
Das Wort „immer“ verliert dabei häufig schnell seine Überzeugungskraft.
Weitere Fragen
Woher weiß ich das?
Welche Erfahrungen sprechen dafür?
Welche Erfahrungen passen nicht dazu?
Was würde ich einem anderen Menschen in derselben Situation sagen?
Jetzt beginnt Differenzierung.
Beweise und Gegenbeispiele
Angenommen, du glaubst:
„Ich bin schlecht darin, Grenzen zu setzen.“
Frage:
Gab es Situationen, in denen du eine Grenze gesetzt hast?
Vielleicht:
im Beruf.
bei einem Vertrag.
gegenüber einem Dienstleister.
Dann lautet die Realität möglicherweise:
Ich kann Grenzen setzen. In bestimmten Beziehungen fällt es mir deutlich schwerer.
Das ist genauer.
Und eröffnet Handlungsmöglichkeiten.
Präzision schafft Spielraum
Aus:
„Ich kann keine Konflikte.“
wird vielleicht:
„Wenn mir die Beziehung besonders wichtig ist, vermeide ich Konflikte länger, als mir guttut.“
Jetzt kannst du an einem konkreten Muster arbeiten.
Selbstbild und Identität
Besonders stark wirken Überzeugungen, wenn sie als Identität formuliert werden.
Zum Beispiel:
„Ich bin introvertiert, deshalb kann ich keine Führungskraft sein.“
Hier werden zwei Dinge verbunden:
eine Eigenschaft.
eine Schlussfolgerung.
Die Eigenschaft mag stimmen.
Die Schlussfolgerung muss es nicht.
Trenne Beobachtung und Bedeutung
Das ist eine sehr hilfreiche Denkbewegung.
Was beobachte ich?
und:
Was schließe ich daraus?
Oft versteckt sich der begrenzende Teil erst in der Schlussfolgerung.
Überzeugungen beeinflussen Wahrnehmung
Wenn du glaubst:
„Niemand nimmt mich ernst.“
wirst du Situationen, die dazu passen, wahrscheinlich besonders aufmerksam registrieren.
Neutrale oder gegenteilige Erfahrungen können leichter übersehen werden.
Das bedeutet nicht, dass du dir alles einbildest
Vielleicht wirst du tatsächlich häufig übergangen.
Gerade deshalb ist die Unterscheidung wichtig:
Was geschieht beobachtbar?
Welche Bedeutung gebe ich dem?
Nur dann kannst du angemessen reagieren.
Bestätigungsfehler
Menschen suchen und bewerten Informationen häufig so, dass bestehende Überzeugungen bestätigt werden.
Das macht Überzeugungen stabil.
Auch dann, wenn es längst Gegenbeispiele gibt.
Neue Erfahrungen können Überzeugungen verändern
Du kannst lange darüber nachdenken:
„Vielleicht kann ich doch Nein sagen.“
Eine tatsächliche Erfahrung kann stärker sein.
Du sagst Nein.
Die Beziehung überlebt.
Vielleicht ist die andere Person enttäuscht.
Und du stellst fest:
Ich kann Enttäuschung aushalten.
Das verändert den Erfahrungsbestand.
Veränderung braucht manchmal Verhalten
Nicht jede Überzeugung lässt sich ausschließlich am Schreibtisch überprüfen.
Manche brauchen kleine Experimente.
Zum Beispiel:
eine andere Reaktion.
eine klare Frage.
eine Grenze.
eine kleine sichtbare Positionierung.
Dann entsteht neue Information.
Kleine Experimente statt großer Beweise
Du musst nicht sofort das Gegenteil deiner bisherigen Gewohnheit tun.
Wenn du ungern delegierst, musst du nicht morgen sämtliche Verantwortung abgeben.
Delegiere eine begrenzte Aufgabe mit klarem Entscheidungsrahmen.
Beobachte, was passiert.
Das Experiment braucht ein Ergebnis, das wirklich etwas zeigt
Wenn du einer Person eine unwichtige Aufgabe gibst und anschließend alles kontrollierst, hast du kaum getestet, ob Delegation funktionieren kann.
Ein gutes Experiment muss der Überzeugung eine faire Prüfung ermöglichen.
Routinen können Überzeugungen stabilisieren
Diese Verbindung ist besonders interessant.
Du glaubst:
„Ohne mich geht hier alles schief.“
Deshalb kontrollierst du jede Aufgabe.
Dadurch lernen andere:
Entscheidungen besser bei dir abzusichern.
Dann denkst du:
„Siehst du? Ohne mich entscheiden sie nichts.“
Die Überzeugung erzeugt eine Routine.
Die Routine produziert Erfahrungen, die die Überzeugung scheinbar bestätigen.
Selbstverstärkende Muster
Genau deshalb lohnt es sich, Denken und Verhalten gemeinsam zu betrachten.
Die Frage ist nicht nur:
Was glaube ich?
Sondern auch:
Was tue ich aufgrund dieser Überzeugung – und welche Reaktionen erzeuge ich dadurch?
Beispiel Führung
Eine Führungskraft glaubt:
„Mitarbeitende brauchen klare Kontrolle.“
Sie entscheidet deshalb nahezu alles selbst.
Das Team wird vorsichtiger und passiver.
Die Führungskraft interpretiert das als:
„Genau deshalb muss ich kontrollieren.“
Der Kreis schließt sich.
Routinen in Organisationen
Nicht nur Einzelpersonen besitzen Routinen und Überzeugungen.
Auch Teams und Unternehmen entwickeln sie.
Zum Beispiel:
„Bei uns muss jede Entscheidung über drei Ebenen.“
„Kunden wollen das so.“
„Diese Abteilung funktioniert eben nicht anders.“
„Das lässt Legal niemals zu.“
Vielleicht stimmt das.
Vielleicht stammt die Regel aus einer längst vergangenen Situation.
Organisatorische Glaubenssätze
Solche Sätze können zu kulturellen Selbstverständlichkeiten werden.
Sie stehen in keinem Handbuch.
Und wirken trotzdem.
Deshalb lohnt sich bei Veränderungsprojekten nicht nur die Frage:
„Welche Prozesse ändern wir?“
Sondern auch:
„Welche Annahmen halten die bisherigen Prozesse aufrecht?“
Heilige Kühe
Der Ausdruck wird häufig für Dinge verwendet, die kaum noch hinterfragt werden dürfen.
Zum Beispiel:
eine Tradition.
ein Produkt.
eine Organisationsstruktur.
eine Person.
eine Vorgehensweise.
Das Bild ist zugespitzt.
Die zugrunde liegende Frage ist sinnvoll:
Welche Annahme behandeln wir so, als dürfte sie nicht geprüft werden?
Heilige Kühe nicht aus Prinzip schlachten
Auch das ist wichtig.
Nur weil etwas alt ist, ist es nicht schlecht.
Nur weil etwas Tradition ist, ist es nicht überholt.
Manche Routinen haben über Jahrzehnte funktioniert, weil sie tatsächlich sinnvoll sind.
Die Aufgabe lautet nicht:
„Alles Alte weg.“
Sondern:
„Was trägt – und warum?“
Veränderung um der Veränderung willen hilft wenig
Organisationen kennen auch die gegenteilige Krankheit.
Jede neue Führungskraft möchte:
Strukturen verändern.
Prozesse umbauen.
Begriffe austauschen.
Manchmal wäre die klügere Entscheidung:
Das funktioniert. Wir lassen es so.
Routinen prüfen
Eine einfache Methode:
1. Was tun wir regelmäßig?
Routine sichtbar machen.
2. Welchen Zweck hatte sie ursprünglich?
Entstehungsgrund verstehen.
3. Gilt dieser Grund noch?
Aktualität prüfen.
4. Was kostet die Routine heute?
Zeit, Geld, Aufmerksamkeit, Flexibilität?
5. Was würde passieren, wenn wir sie vier Wochen aussetzen?
Experiment ermöglichen.
Überzeugungen prüfen
Ähnlich kannst du mit inneren Regeln arbeiten.
1. Wie lautet der Satz?
Möglichst konkret.
2. Was spricht dafür?
Nicht vorschnell wegdiskutieren.
3. Was spricht dagegen?
Gegenbeispiele suchen.
4. In welchen Situationen stimmt er?
Kontext präzisieren.
5. Welche Handlung folgt daraus?
Verhalten erkennen.
6. Welche Alternative wäre realistischer und flexibler?
Spielraum erweitern.
Beispiel
Aus:
„Ich darf niemals Schwäche zeigen.“
wird vielleicht:
„In verantwortungsvollen Situationen möchte ich Orientierung geben. Gleichzeitig darf ich offen sagen, wenn mir Informationen fehlen oder mich etwas belastet.“
Das ist keine positive Selbstsuggestion.
Es ist eine differenziertere Regel.
Glaubenssätze und Entscheidungen
Überzeugungen beeinflussen, welche Optionen wir überhaupt sehen.
Wenn du glaubst:
„In meinem Alter wechselt niemand mehr den Beruf.“
dann taucht ein Berufswechsel möglicherweise gar nicht erst als echte Option auf.
Die Entscheidung wird getroffen, bevor du bewusst darüber nachdenkst.
Deshalb lohnt sich bei festgefahrenen Entscheidungen eine Zusatzfrage
Welche Annahme begrenzt gerade die möglichen Antworten?
Vielleicht lautet sie:
Das darf ich nicht.
Das geht nicht.
Dafür bin ich zu alt.
Dafür bin ich zu jung.
Das enttäuscht andere.
Das würde niemand verstehen.
Eine Annahme ist noch keine Tatsache
Prüfe:
Was weiß ich?
Was vermute ich?
Was befürchte ich?
Was interpretiere ich?
Diese Trennung verbessert Entscheidungen.
Glaubenssätze und Selbstwert
Besonders belastend können globale Aussagen über die eigene Person sein.
Zum Beispiel:
„Ich bin nicht gut genug.“
„Mit mir stimmt etwas nicht.“
„Ich bekomme das nie hin.“
Solche Sätze sind sehr umfassend.
Und gerade deshalb schwer sinnvoll zu prüfen.
Globales Urteil in konkrete Beobachtung übersetzen
Statt:
„Ich bin nicht gut genug.“
frage:
Wofür genau?
Nach welchem Maßstab?
In welcher Situation?
Aus einem globalen Urteil wird ein konkretes Thema.
Das verändert den Handlungsspielraum
Vielleicht lautet das eigentliche Thema:
„Bei Präsentationen vor der Geschäftsführung verliere ich unter kritischen Fragen schnell meinen roten Faden.“
Damit lässt sich arbeiten.
Mit:
„Ich bin nicht gut genug.“
kaum.
Wann tiefere Arbeit sinnvoll sein kann
Manche Überzeugungen sind stark mit belastenden Erfahrungen verbunden.
Dann genügt eine rationale Gegenfrage möglicherweise nicht.
Besonders wenn ein Thema:
- starke Angst auslöst
- mit traumatischen Erfahrungen verbunden ist
- den Alltag erheblich einschränkt
- immer wieder intensive emotionale Reaktionen auslöst
kann psychotherapeutische Unterstützung angemessener sein als Coaching.
Coaching und Therapie unterscheiden
Im Coaching kann es beispielsweise um:
berufliche Entscheidungen.
Selbstführung.
Rollen.
Kommunikationsmuster.
Gewohnheiten.
gehen.
Bei behandlungsbedürftigen psychischen Beschwerden gehört die Arbeit in einen therapeutischen Rahmen.
Es gibt keine Technik, die jeden Glaubenssatz einfach „löscht“
Das würde ich sehr deutlich sagen.
Menschen verändern Überzeugungen auf unterschiedliche Weise.
Zum Beispiel durch:
- neue Informationen
- Reflexion
- neue Erfahrungen
- verändertes Verhalten
- Feedback
- therapeutische Arbeit
Welche Ebene sinnvoll ist, hängt vom Thema ab.
Neue Erfahrungen brauchen Wiederholung
Eine einzelne gute Erfahrung kann wichtig sein.
Und trotzdem kehrt ein altes Muster zurück.
Das ist kein Beweis, dass Veränderung unmöglich ist.
Neue Erfahrungen brauchen häufig mehrere Wiederholungen, bis sie im Alltag verlässlich verfügbar werden.
Rückfall oder Information?
Du reagierst einmal wieder nach dem alten Muster.
Dann könntest du denken:
„Siehst du, ich habe mich überhaupt nicht verändert.“
Oder:
„Unter welchen Bedingungen wurde das alte Muster wieder wahrscheinlicher?“
Das liefert mehr Information.
Veränderung ist selten linear
Menschen entwickeln sich nicht wie Softwareupdates.
Alte Reaktionen können unter:
Stress.
Müdigkeit.
Zeitdruck.
bestimmten Beziehungen.
wieder auftauchen.
Entscheidend ist, ob dein Repertoire insgesamt größer wird.
Das Ziel ist Wahlfreiheit
Nicht:
nie mehr alte Gedanken.
nie mehr alte Routinen.
immer die perfekte Reaktion.
Sondern:
mehr Möglichkeiten zwischen Reiz und Reaktion.
Selbstführung und innere Regeln
Selbstführung braucht Regeln.
Zum Beispiel:
„Wichtige Entscheidungen treffe ich nicht aus akutem Ärger.“
Das kann eine sehr hilfreiche persönliche Regel sein.
Doch auch Regeln sollten ihrem Zweck dienen.
Die Frage lautet nicht: Habe ich Regeln?
Sondern:
Helfen mir meine Regeln dabei, so zu handeln, wie ich handeln möchte?
Routinen und Kreativität
Routinen werden gelegentlich als Gegenteil von Kreativität dargestellt.
Das ist zu einfach.
Eine feste Schreibzeit kann kreative Arbeit erleichtern.
Ein immer gleicher Denkweg kann sie einschränken.
Struktur und Variation gehören zusammen
Du kannst:
eine stabile Arbeitsroutine besitzen.
und regelmäßig neue Perspektiven suchen.
Beides widerspricht sich nicht.
Perspektivwechsel bewusst einbauen
Zum Beispiel:
einen anderen Ort nutzen.
mit einer anderen Person sprechen.
die Gegenposition formulieren.
die Fragestellung verändern.
So bleibt eine Routine tragfähig, ohne dein Denken zu verengen.
Überzeugungen in Führung
Führungskräfte besitzen oft starke innere Regeln.
Zum Beispiel:
„Ich muss Stärke zeigen.“
„Konflikte sollte ich schnell lösen.“
„Eine gute Führungskraft ist immer erreichbar.“
„Wenn ich delegiere, verliere ich Kontrolle.“
Solche Sätze beeinflussen Verhalten.
Eine hilfreiche Führungsfrage
Welche meiner Führungsregeln habe ich bewusst gewählt – und welche habe ich einfach übernommen?
Vielleicht aus:
früheren Unternehmen.
der eigenen Familie.
früheren Vorgesetzten.
einem bestimmten Führungsideal.
Executive Presence und Glaubenssätze
Auch Wirkung kann durch innere Regeln eingeschränkt werden.
Zum Beispiel:
„Ich muss sofort antworten, sonst wirke ich unsicher.“
Dann wird jede Pause bedrohlich.
Eine flexiblere Annahme wäre:
„Bei wichtigen Fragen darf ich kurz denken, bevor ich antworte.“
Dasselbe Gespräch fühlt sich anders an.
Organisationen brauchen Widerspruch
Wenn eine Annahme lange genug geteilt wird, wirkt sie irgendwann wie Realität.
Deshalb brauchen Teams Menschen, die gelegentlich fragen:
Warum genau machen wir das so?
Das ist nicht automatisch Widerstand.
Es kann Qualitätskontrolle sein.
Gleichzeitig braucht Veränderung Respekt für Bestehendes
Wer neu in eine Organisation kommt und sofort jede Routine für unsinnig erklärt, übersieht möglicherweise:
Geschichte.
Erfahrungen.
Abhängigkeiten.
Darum:
erst verstehen, dann verändern.
Zehn Fragen für einen persönlichen Realitätscheck
1. Welche Routine läuft bei mir auf Autopilot?
Ohne bewusste Entscheidung.
2. Welchen Zweck erfüllt sie heute?
Nicht nur früher.
3. Was würde passieren, wenn ich sie verändere?
Konsequenzen prüfen.
4. Welche innere Regel beeinflusst mich besonders?
Möglichst als Satz formulieren.
5. Woher kenne ich diese Regel?
Herkunft kann helfen, muss aber nicht immer geklärt werden.
6. Wann stimmt sie?
Kontext erkennen.
7. Wann stimmt sie nicht?
Gegenbeispiele suchen.
8. Was tue ich aufgrund dieser Überzeugung?
Verhalten sichtbar machen.
9. Welche realistischere Alternative würde mehr Wahlfreiheit schaffen?
Keine Schönfärberei.
10. Welche kleine Erfahrung könnte ich sammeln?
Eine neue Reaktion testen.
Häufige Fragen
Was ist eine Routine?
Eine Routine ist ein wiederkehrender Ablauf, der mit wenig bewusster Entscheidung durchgeführt werden kann. Routinen können den Alltag strukturieren und Aufmerksamkeit sparen.
Sind Routinen schlecht?
Nein. Viele Routinen sind ausgesprochen hilfreich. Problematisch werden sie eher dann, wenn sie weiterlaufen, obwohl ihr ursprünglicher Zweck nicht mehr besteht oder sie unnötig Handlungsspielraum begrenzen.
Was ist ein Glaubenssatz?
Im Coaching wird der Begriff meist für relativ stabile Annahmen über die eigene Person, andere Menschen oder die Welt verwendet. Wissenschaftlich ist der Begriff nicht einheitlich definiert.
Kann ich Glaubenssätze verändern?
Ja, Überzeugungen können sich verändern. Das kann durch neue Informationen, Reflexion, Erfahrungen, anderes Verhalten oder je nach Thema auch therapeutische Arbeit geschehen.
Muss ich die Ursache eines Glaubenssatzes kennen?
Nicht immer. Die Herkunft kann hilfreich sein, besonders bei wiederkehrenden Mustern. Häufig kannst du jedoch bereits viel gewinnen, wenn du erkennst, wie eine Annahme heute wirkt und welche Alternative du ausprobieren möchtest.
Was ist eine „heilige Kuh“?
Übertragen bezeichnet der Ausdruck etwas, das kaum hinterfragt werden darf, beispielsweise eine etablierte Regel, Tradition oder Überzeugung. Das Bild sollte allerdings nicht dazu verleiten, alles Bestehende automatisch abzuwerten.
Wie erkenne ich einen hinderlichen Glaubenssatz?
Ein Hinweis kann sein, dass eine sehr allgemeine innere Regel deinen Handlungsspielraum regelmäßig einschränkt, obwohl es Gegenbeispiele oder sinnvollere Alternativen gibt.
Sollte ich negative Glaubenssätze durch positive ersetzen?
Ich halte realistische und flexible Formulierungen häufig für hilfreicher als möglichst positive Gegensätze. Eine neue Überzeugung sollte zu Erfahrungen passen und im Alltag tragfähig sein.
Der entscheidende Gedanke
Wir brauchen Routinen.
Wir brauchen Annahmen.
Ohne sie müsste jeder Tag bei null beginnen.
Das Problem entsteht nicht dadurch, dass wir innere Regeln besitzen.
Es entsteht dort, wo wir vergessen, dass Regeln überprüfbar sind.
Reife Selbstführung bedeutet nicht, ohne Routinen und Überzeugungen zu leben. Sie bedeutet, regelmäßig zu prüfen, ob sie dir noch dienen – oder ob du inzwischen ihnen dienst.
Wenn eine alte Regel deinen Handlungsspielraum begrenzt
Manchmal erkennst du ein Muster und kommst trotzdem allein nicht weiter.
Vielleicht betrifft es:
- eine wichtige Entscheidung
- Grenzen
- eine berufliche Rolle
- Delegation
- Konflikte
- Selbstführung
Im persönlichen 1:1 können wir untersuchen, welche Annahmen und Routinen die Situation prägen und welche anderen Handlungsmöglichkeiten tatsächlich tragfähig sind.
Dabei geht es nicht darum, dir „positive Glaubenssätze“ einzureden.
Es geht um mehr Klarheit, realistische Alternativen und einen größeren Handlungsspielraum.
Online oder persönlich in Berlin.
Der nächste Schritt
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
- worum es geht
- was du erreichen möchtest
- bis wann das Thema relevant ist
- ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Gut informiert entscheiden
Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz
Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
Kontaktformular
Du stehst vor einer wichtigen Entscheidung?
Wenn viel von einer Entscheidung abhängt, kann eine zusätzliche unabhängige Perspektive wertvoll sein.
Wir können Möglichkeiten betrachten, Annahmen prüfen, Prioritäten klären und Konsequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven durchdenken.
Die Entscheidung bleibt deine. Ziel ist eine bessere Grundlage, auf der du sie treffen kannst.
18 Kommentare
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 15. August 2017
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Tolle Antegung, nur in manchen Fällen nicht so leicht.
Pure Theorie!
Der gesunde Menschenverstand ist nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.
Albert Einstein
Das nenne ich ein bewegtes Lehrvideo :-)
Alles doppelt und dreifach gesichert. ;-)
Das Umfeld wird dagegen halten!
Und was ist dann die Schlussfolgerung daraus?
Die Augen verschließen oder …?
Video auf YouTube (externer Link):
https://youtu.be/A6Y8XycU-dU
Mal was ANDERES! :-)
Danke!
Wer sich dabei schon häufiger Feinde gemacht hat, wird vorsichtiger.
Das mag sein, wobei Überzeugungen ja sowohl nach innen als nach außen eine Wirkung haben.
Andere Menschen zu belügen ist nicht schön, sich selbst zu belügen ….
Wenn das Verhalten und die Überzeugungen unbewusst sind, wie soll ich sie da ändern?
Bewusst machen.
Ich versuche schon seit einer ganzen Weile mit dem Rauchen aufzuhören, doch es gelingt mir nicht. Gewohnheiten können schon ziemlich penetrant sein.
Ja! Und deswegen gilt es ab und zu Ordnung zu schaffen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Wie kann mir Mentaltraining dabei helfen Muster zu durchbrechen?
Vor der eignen Tür zu kehren ist nicht so einfach. Es lohnt sich aber wirklich.