Von guten Rednern lernen: 15 Dinge, die du beobachten kannst

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Von Modellen lernen, wie Sie Sich und Ihr Angebot noch überzeugender präsentieren

Von guten Rednern lernen

 

Was du beobachten kannst, ohne jemanden zu kopieren

 

Gute Redner können inspirieren.

Nicht, weil du sie nachahmen sollst.

Sondern weil du an ihnen sehr konkret sehen kannst, was Kommunikation wirksam macht.

Wie beginnt jemand?

Wie führt die Person durch einen Gedanken?

Wie nutzt sie Pausen?

Wie viel Raum bekommt eine Geschichte?

Wie wird mit dem Publikum Kontakt gehalten?

Wie wirkt Stimme?

Körpersprache?

Humor?

Klarheit?

Und was davon passt überhaupt zu dir?

Von Vorbildern lernen bedeutet weniger kopieren und mehr verstehen.

 

 

 

Beobachten statt bewundern

 

Ein überzeugender Auftritt kann zunächst einfach beeindrucken.

Für das eigene Lernen lohnt sich ein zweiter Blick.

Frage weniger:

„Wie schaffe ich es, genauso zu wirken?“

Hilfreicher ist:

„Was genau funktioniert hier – und weshalb?“

Damit wird aus Bewunderung Analyse.

Und aus Analyse kann Lernen entstehen.

 

 

 

1. Achte auf den Einstieg

 

Wie beginnt die Rede?

Direkt?

Mit einer Geschichte?

Mit einer Frage?

Mit einer überraschenden Aussage?

Mit einer persönlichen Beobachtung?

Und vor allem:

Was bewirkt dieser Einstieg?

Erzeugt er Neugier?

Orientierung?

Nähe?

Spannung?

Ein Einstieg ist weniger deshalb gut, weil er einem bestimmten Muster folgt.

Er ist gut, wenn er für Publikum, Botschaft und Situation funktioniert.

 

 

 

2. Suche die Kernbotschaft

 

Nach einer guten Rede lässt sich häufig in wenigen Worten sagen, worum es ging.

Das ist kein Zufall.

Frage beim Zuhören:

Was ist der zentrale Gedanke?

Wie früh wird er sichtbar?

Wie oft kehrt die Rede zu ihm zurück?

Welche Beispiele unterstützen ihn?

Was könnte entfallen, ohne dass die Botschaft verloren geht?

Diese Fragen helfen auch bei eigenen Präsentationen.

 

 

 

3. Beobachte die Struktur

 

Wie werden Gedanken miteinander verbunden?

Gibt es eine erkennbare Entwicklung?

Ein Problem?

Eine Frage?

Eine Reise?

Eine Argumentationslinie?

Ein Konflikt?

Eine Entscheidung?

Gute Struktur ist häufig weniger sichtbar als schlechte Struktur.

Wenn du mühelos folgen kannst, arbeitet im Hintergrund meist eine klare Ordnung.

 

 

 

4. Höre auf die Sprache

 

Welche Sätze bleiben hängen?

Warum?

Sind sie kurz?

Bildhaft?

Konkret?

Überraschend?

Wie viel Fachsprache wird verwendet?

Wie werden komplexe Inhalte vereinfacht?

Achte besonders darauf, wie Redner schwierige Gedanken verständlich machen, ohne sie banal werden zu lassen.

 

 

 

5. Beobachte Storytelling

 

Welche Geschichten werden erzählt?

Wie lang sind sie?

Wann beginnen sie?

Wie viele Details bekommen Raum?

Und weshalb ist die Geschichte überhaupt Teil der Rede?

Die entscheidende Frage lautet:

Welche Botschaft trägt sie?

Eine gute Geschichte ist mehr als Unterhaltung.

Sie macht einen Gedanken erlebbar.

 

 

 

6. Achte auf Beispiele

 

Nicht jede gute Rede braucht eine große Geschichte.

Oft reicht ein konkretes Beispiel.

Eine kleine Szene.

Eine Zahl mit Kontext.

Ein Vergleich.

Eine Beobachtung.

Beispiele helfen dem Publikum, abstrakte Aussagen in etwas Greifbares zu übersetzen.

 

 

 

7. Beobachte Pausen

 

Was geschieht nach einem wichtigen Satz?

Spricht die Person sofort weiter?

Oder bekommt der Gedanke Raum?

Pausen können:

strukturieren,

Spannung erzeugen,

Bedeutung verstärken,

Ruhe vermitteln,

und dem Publikum Zeit zum Denken geben.

Gerade Menschen, die unter Druck schneller sprechen, können hier viel lernen.

 

 

 

8. Höre auf die Stimme

 

Wie verändert sich die Stimme?

Tempo.

Lautstärke.

Betonung.

Pausen.

Melodie.

Energie.

Eine lebendige Stimme bedeutet weniger ständige Variation.

Interessanter ist:

Wie folgt die Stimme dem Gedanken?

 

 

 

9. Beobachte Körpersprache

 

Wie steht die Person?

Wie bewegt sie sich?

Was machen die Hände?

Wie wird Blickkontakt hergestellt?

Wie viel Raum nimmt sie ein?

Dabei gilt:

Eine einzelne Geste sagt wenig.

Entscheidend ist die Gesamtwirkung im jeweiligen Kontext.

 

 

 

10. Achte auf Präsenz

 

Manche Menschen brauchen wenig Bewegung und wirken trotzdem ausgesprochen präsent.

Andere sind sehr dynamisch.

Präsenz hat weniger mit einer bestimmten Stilform zu tun.

Sie entsteht unter anderem aus Aufmerksamkeit.

Kontakt.

Klarheit.

Und dem Eindruck:

Dieser Mensch ist gerade wirklich hier.

 

 

 

11. Beobachte den Umgang mit dem Publikum

 

Wie wird Kontakt hergestellt?

Werden Fragen gestellt?

Reaktionen aufgenommen?

Menschen direkt angesprochen?

Wird das Publikum als anonyme Masse behandelt oder als tatsächliches Gegenüber?

Gute Reden finden weniger vor einem Publikum statt.

Sie entstehen mit einem Publikum.

 

 

 

 

12. Achte auf Humor

 

Wie wird Humor eingesetzt?

Selbstironisch?

Beobachtend?

Spontan?

Als Geschichte?

Und:

Passt er zur Person?

Zum Thema?

Zum Publikum?

Humor funktioniert besonders gut, wenn er weniger wie eine Pflichtübung wirkt.

 

 

 

13. Beobachte den Umgang mit Fehlern

 

Ein Versprecher.

Eine technische Panne.

Ein Gedanke, der neu begonnen wird.

Wie reagiert ein erfahrener Redner?

Häufig weniger dramatisch als ein unerfahrener.

Das ist eine wertvolle Lektion:

Souveränität bedeutet weniger Fehlerfreiheit als einen guten Umgang mit dem Moment.

 

 

 

14. Wie reagiert die Person auf Widerstand?

 

Besonders interessant sind Fragen, Einwände und kritische Reaktionen.

Bleibt der Redner ruhig?

Hört er zu?

Wird defensiv reagiert?

Wie schnell wird geantwortet?

Wird eine Frage tatsächlich beantwortet?

Hier zeigt sich häufig mehr kommunikative Kompetenz als im vorbereiteten Teil der Rede.

 

 

 

 

15. Beobachte den Schluss

 

Wie endet die Rede?

Mit einer Zusammenfassung?

Einer Geschichte?

Einer Aufforderung?

Einem Bild?

Einer Frage?

Einem klaren Satz?

Und vor allem:

Was bleibt anschließend zurück?

Ein guter Schluss wirkt weniger wie das Ende von Redezeit.

Er schließt einen Gedanken.

 

 

 

Analysiere auch Reden, die dir weniger gefallen

 

Das ist besonders wertvoll.

Wenn du nur erfolgreiche Vorbilder betrachtest, weißt du irgendwann, was dir gefällt.

Wenn du auch schwächere Auftritte analysierst, erkennst du genauer:

Was irritiert mich?

Wann verliere ich Interesse?

Was wirkt aufgesetzt?

Wo fehlt Struktur?

Welche Folie stört?

Wann entsteht Distanz?

Auch das schärft dein eigenes Kommunikationsgefühl.

 

 

 

Kopiere weniger den Stil

 

Vielleicht begeistert dich ein sehr energischer Redner.

Das bedeutet weniger, dass du künftig ebenfalls laut und raumgreifend auftreten solltest.

Vielleicht beeindruckt dich jemand mit extrem reduziertem Stil.

Auch das muss weniger zu dir passen.

Der entscheidende Lernschritt lautet:

Welches Prinzip funktioniert hier – und wie sieht meine eigene Version davon aus?

So entsteht Entwicklung statt Imitation.

 

 

 

Suche mehrere Vorbilder

 

Ein einzelnes Vorbild lädt zur Kopie ein.

Mehrere öffnen Möglichkeiten.

Vielleicht gefällt dir bei einer Person:

die Klarheit.

Bei einer anderen:

Storytelling.

Bei einer dritten:

Humor.

Bei einer vierten:

Ruhe.

Bei einer fünften:

Umgang mit kritischen Fragen.

Aus diesen Beobachtungen entsteht kein neuer künstlicher Redner.

Es entsteht ein größerer Werkzeugkasten für deinen eigenen Stil.

 

 

 

Videoanalyse als Lerninstrument

 

Auch eigene Aufnahmen können zu Vorbildern werden.

Vielleicht gibt es einen Moment, in dem du besonders klar wirkst.

Eine Passage, in der deine Stimme trägt.

Eine Situation, in der du spontan sehr souverän reagierst.

Dann lohnt sich ebenso die Frage:

Was habe ich dort gemacht, das funktioniert hat?

Lernen bedeutet weniger ausschließlich Fehler korrigieren.

Es bedeutet auch, vorhandene Stärken bewusster verfügbar zu machen.

 

 

 

Von Vorbildern zum eigenen Stil

 

Am Ende geht es weniger darum, wie Steve Jobs, Barack Obama, Michelle Obama oder irgendein anderer prominenter Redner aufzutreten.

Dein Publikum erlebt dich.

Deine Persönlichkeit.

Deine Botschaft.

Deine Rolle.

Deine Situation.

Gute Vorbilder helfen dabei, Möglichkeiten zu erkennen.

Dein Ziel bleibt eine Form von Rhetorik, die zu dir gehört.

 

 

 

Wenn du deine eigene Wirkung analysieren möchtest

 

Du kannst die gleiche Art der Analyse auf deine eigenen Reden und Präsentationen anwenden.

Was funktioniert bereits?

Wo verliert die Botschaft Kraft?

Wie wirken Stimme, Körpersprache und Präsenz?

Welche Veränderungen würden den größten Unterschied machen?

Professionelles Feedback kann diesen Prozess deutlich beschleunigen.

→ Individuelles Rhetoriktraining 1:1

→ Vorbereitung wichtiger Reden und Präsentationen

 

 

 

Noch ein Gedanke

 

Ein gutes Vorbild zeigt dir weniger, wie du werden sollst.

Es zeigt dir, was möglich ist.

Dann beginnt die interessantere Arbeit:

herauszufinden, was davon zu dir passt.

P.S.

 

Von welchen rhetorischen Vorbilder willst du etwas lernen?

6 Kommentare

  1. Wer ist der beste Redner in der Politik?

    Antworten
  2. Was ist ein guter Redner? An welchen Modellen kann ich mich orientieren?

    Antworten
    • Das kommt wohl auf die Zielsetzung an.
      Aus meiner Sicht lässt sich stets etwas lernen, wenn der Fokus der richtige ist.

      Antworten
  3. Das finde ich interessant. Vielleicht bin nächsten Mal schneller.

    Antworten
  4. Ich war auch zu langsam mit der Reservierung. Wie wäre es mit einem Zusatzworkshop?

    Antworten

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2009
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #434
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