Narzissmus und Karriere: Warum narzisstische Menschen die Karriereleiter hinaufkommen können

Narzissmus und Karriere
Narzissmus und Karriereleiter

Narzissmus und Karriere: Warum narzisstische Menschen die Karriereleiter hinaufkommen können

 

Selbstbewusst auftreten. Große Ziele verkünden. Verantwortung beanspruchen. Sich sichtbar machen. Einfluss suchen.

Viele dieser Eigenschaften können im Berufsleben ausgesprochen hilfreich sein.

Und genau hier beginnt ein interessantes Problem.

Denn einige Verhaltensweisen, die zunächst nach Führungsstärke aussehen, können ebenso mit ausgeprägten narzisstischen Tendenzen verbunden sein.

So entsteht ein bemerkenswertes Phänomen:

Eigenschaften, die Menschen beim beruflichen Aufstieg helfen können, machen sie keineswegs automatisch zu guten Führungskräften.

Wie kommt es dazu?

 

 

 

Warum können narzisstische Tendenzen die Karriere fördern?

 

Narzissmus ist kein einzelnes Verhalten.

Menschen unterscheiden sich darin, wie stark bestimmte narzisstische Merkmale ausgeprägt sind. Dazu können beispielsweise ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung, ein ausgeprägtes Statusstreben, Selbstüberschätzung, Anspruchsdenken oder eine starke Beschäftigung mit der eigenen Wirkung gehören.

Eine klinische Diagnose ist etwas anderes als einzelne narzisstische Persönlichkeitszüge.

Gerade im beruflichen Umfeld ist diese Unterscheidung wichtig.

Entscheidend ist häufig weniger das Etikett als das konkrete Verhalten und dessen Auswirkungen.

 

 

 

1. Sie machen sich sichtbar

 

Leistung allein sorgt selten automatisch dafür, dass sie wahrgenommen wird.

Wer beruflich aufsteigen möchte, braucht meist auch Sichtbarkeit.

Menschen mit stärker ausgeprägten narzisstischen Tendenzen können darin ausgesprochen geschickt sein.

Sie sprechen über ihre Leistungen.

Sie beanspruchen Aufmerksamkeit.

Sie präsentieren ihre Ideen mit Überzeugung.

Sie suchen die Nähe zu einflussreichen Personen.

Und sie vermitteln häufig sehr deutlich:

Ich bin bereit für mehr.

Zurückhaltende und gleichermaßen kompetente Kollegen können dadurch im direkten Vergleich weniger führungsorientiert erscheinen.

 

 

 

2. Selbstsicherheit wird schnell mit Kompetenz verwechselt

 

Menschen reagieren auf Sicherheit.

Wer schnell antwortet, entschlossen spricht und Zweifel kaum erkennen lässt, wirkt zunächst häufig kompetent.

Doch Selbstsicherheit und Kompetenz sind zwei verschiedene Eigenschaften.

Jemand kann eine Situation hervorragend einschätzen und trotzdem sorgfältig abwägen.

Ein anderer Mensch kann sich vollkommen sicher präsentieren und wesentliche Zusammenhänge übersehen.

Im Alltag bleibt für diese Unterscheidung häufig wenig Zeit.

Deshalb können Auftreten, Dominanz und Selbstgewissheit einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung von Führungspotenzial haben.

 

 

 

3. Sie greifen nach Führungsrollen

 

Eine Führungsposition bekommt häufig derjenige, der sie überhaupt haben möchte und diesen Anspruch sichtbar macht.

Status, Einfluss und Anerkennung besitzen für Menschen mit stark ausgeprägten narzisstischen Tendenzen häufig einen besonderen Reiz.

Entsprechend aktiv können sie Chancen auf Verantwortung und Aufstieg verfolgen.

Andere hochkompetente Menschen fragen sich währenddessen:

  • Bin ich schon bereit dafür?
  • Habe ich genügend Erfahrung?
  • Kann ich dieser Verantwortung gerecht werden?
  • Ist das wirklich die richtige Aufgabe für mich?

Selbstreflexion ist wertvoll.

Im Wettbewerb um eine Position kann ausgeprägtes Zögern gleichzeitig dazu führen, dass andere früher zugreifen.

 

 

 

4. Ein starker erster Eindruck kann Türen öffnen

 

Charisma wirkt.

Entschlossenheit wirkt.

Eine überzeugende Selbstdarstellung ebenfalls.

Gerade bei Bewerbungsgesprächen, Beförderungsentscheidungen oder kurzen Begegnungen mit höheren Führungsebenen steht häufig wenig Zeit zur Verfügung.

Dann können Menschen punkten, die schnell Präsenz erzeugen.

Sie wirken ambitioniert.

Sie sprechen groß.

Sie vermitteln Zuversicht.

Sie präsentieren Zukunftsbilder.

Das kann beeindruckend sein.

Die entscheidende Frage lautet:

Hält die langfristige Leistung, was der erste Eindruck verspricht?

 

 

 

Aufstieg und Führungsqualität sind zwei verschiedene Dinge

 

Genau hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.

Die Fähigkeiten, die jemanden in eine Führungsposition bringen, sind keineswegs vollständig identisch mit den Fähigkeiten, die dort langfristig gebraucht werden.

Für den Aufstieg helfen beispielsweise:

  • Sichtbarkeit
  • Ehrgeiz
  • Selbstpräsentation
  • Durchsetzungsbereitschaft
  • Netzwerke
  • Risikobereitschaft
  • ein souveräner erster Eindruck

Für gute Führung kommen weitere Fähigkeiten hinzu:

  • Selbstreflexion
  • Empathie
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Lernbereitschaft
  • Umgang mit Kritik
  • Vertrauensfähigkeit
  • verlässliche Zusammenarbeit
  • die Bereitschaft, anderen Raum zu geben

Und genau dort können ausgeprägte narzisstische Muster Schwierigkeiten verursachen.

 

 

 

Wann werden narzisstische Tendenzen im Beruf problematisch?

 

Ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, Ehrgeiz und Freude an Sichtbarkeit kann im Berufsleben ausgesprochen hilfreich sein.

Kritisch wird es dort, wo Selbstwert zunehmend von Bewunderung, Status und Überlegenheit abhängig wird.

Dann können bestimmte Verhaltensmuster häufiger auftreten.

Zum Beispiel:

  • Erfolge werden vor allem der eigenen Person zugeschrieben.
  • Verantwortung für Fehler wird weitergegeben.
  • Kritik wird als persönliche Kränkung erlebt.
  • Widerspruch führt zu Abwertung oder Gegenangriffen.
  • Mitarbeitende werden nach ihrem Nutzen für die eigene Position bewertet.
  • Informationen werden strategisch eingesetzt.
  • Konkurrenz wird stärker wahrgenommen als Zusammenarbeit.
  • Loyalität wird eingefordert, während Gegenseitigkeit fehlt.

Ein einzelnes Verhalten erlaubt noch keine Diagnose.

Interessant wird das wiederkehrende Muster.

 

 

 

Wenn Charisma wichtiger wird als Substanz

 

Unternehmen können narzisstisch geprägtes Verhalten sogar ungewollt belohnen.

Das geschieht besonders leicht, wenn Beförderungen stark von Sichtbarkeit, kurzfristigen Ergebnissen und überzeugender Selbstdarstellung abhängen.

Dann erhält möglicherweise derjenige Aufmerksamkeit, der Erfolge besonders wirkungsvoll präsentiert.

Die Person, die im Hintergrund dafür sorgt, dass das Team zuverlässig funktioniert, bleibt leichter unsichtbar.

Deshalb lohnt sich bei Beförderungsentscheidungen ein zweiter Blick.

Wer erzeugt Ergebnisse?

Wer beansprucht Ergebnisse?

Wie erleben Kollegen die Zusammenarbeit?

Wie verhält sich jemand bei Fehlern?

Wie reagiert die Person auf Widerspruch?

Was geschieht, wenn jemand keinen unmittelbaren Nutzen bietet?

Wie entwickelt sich ein Team über längere Zeit?

Solche Fragen liefern häufig wertvollere Informationen als ein beeindruckender Auftritt.

 

 

 

Narzissmus in Führungspositionen

 

Eine Führungsrolle verstärkt Einfluss.

Dadurch werden auch problematische Verhaltensmuster bedeutsamer.

Eine Führungskraft entscheidet über Informationen, Ressourcen, Chancen, Anerkennung und häufig über berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Wenn diese Macht hauptsächlich der eigenen Bestätigung dient, kann das erhebliche Auswirkungen auf ein Team haben.

Mitarbeitende beginnen möglicherweise, ihre Kommunikation anzupassen.

Kritische Informationen erreichen die Führungskraft später.

Widerspruch wird seltener.

Fehler werden verborgen.

Menschen investieren zunehmend Energie in politische Absicherung.

Und irgendwann entsteht eine gefährliche Situation:

Die Führungskraft hört immer häufiger genau das, was sie hören möchte.

Für Organisationen kann das teuer werden.

 

 

 

Warum Unternehmen problematisches Verhalten lange übersehen

 

Ausgeprägte narzisstische Verhaltensweisen zeigen sich gegenüber verschiedenen Personen häufig unterschiedlich.

Nach oben kann jemand verbindlich, engagiert und überzeugend auftreten.

Gegenüber Menschen mit weniger Einfluss zeigt sich möglicherweise eine andere Seite.

Dadurch entstehen widersprüchliche Wahrnehmungen.

Die Geschäftsführung erlebt einen ehrgeizigen Leistungsträger.

Mitarbeitende erleben Kontrolle, Abwertung oder wechselnde Regeln.

Kollegen erleben Konkurrenz.

Kunden erleben Charme.

Alle sprechen über dieselbe Person und scheinbar über völlig unterschiedliche Menschen.

Gerade deshalb lohnt es sich, Verhalten aus mehreren Perspektiven zu betrachten.

 

 

 

Vorsicht mit Ferndiagnosen

 

Im Alltag fällt der Begriff „Narzisst“ inzwischen sehr schnell.

Damit geht häufig Präzision verloren.

Egoistisches Verhalten ist noch keine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Arroganz allein ebenfalls nicht.

Auch schwierige Führung, Konflikte oder mangelnde Empathie können zahlreiche Ursachen haben.

Eine Persönlichkeitsstörung gehört in professionelle diagnostische Hände.

Im Berufsleben reicht für wichtige Entscheidungen häufig eine praktischere Frage:

Welches Verhalten erlebe ich konkret, welche Auswirkungen hat es und wie gehe ich damit sinnvoll um?

Diese Perspektive schützt davor, sich in Diagnosen über andere Menschen zu verlieren.

 

 

 

Was tun, wenn du mit einem stark narzisstisch geprägten Menschen arbeitest?

 

Wenn du selbst betroffen bist, hilft Klarheit häufig mehr als die Suche nach der perfekten Erklärung.

Beobachte konkrete Verhaltensmuster.

Dokumentiere wichtige Vereinbarungen.

Kommuniziere präzise.

Setze Grenzen frühzeitig.

Unterscheide zwischen sachlichen Konflikten und persönlichen Machtspielen.

Überlege, welche Informationen du wann und mit wem teilst.

Pflege dein professionelles Netzwerk.

Und behalte deine eigenen Ziele im Blick.

Besonders wichtig:

Richte deine gesamte Aufmerksamkeit möglichst wenig darauf, die andere Person zu verändern. Stärke deinen eigenen Handlungsspielraum.

 

 

 

Wenn der eigene Chef narzisstische Tendenzen zeigt

 

Die Situation wird anspruchsvoller, sobald ein deutliches Machtgefälle besteht.

Dann geht es häufig um mehrere Ebenen gleichzeitig:

  • Wie schütze ich meine Arbeit?
  • Wie kommuniziere ich souverän?
  • Wie reagiere ich auf Schuldverschiebungen?
  • Wie dokumentiere ich Entscheidungen?
  • Welche Verbündeten und Ansprechpartner habe ich?
  • Welche Grenzen sind sinnvoll?
  • Welche beruflichen Alternativen bestehen?

Ein impulsiver Machtkampf verbessert die Situation selten.

Strategische Klarheit ist wertvoller.

 

 

 

Und wenn du selbst Karriere machen möchtest?

 

Aus diesem Thema lässt sich noch etwas anderes lernen.

Du brauchst keine narzisstische Persönlichkeit, um sichtbar zu werden.

Kompetenz darf sichtbar sein.

Du darfst über deine Leistung sprechen.

Du darfst Verantwortung beanspruchen.

Du darfst ambitioniert sein.

Du darfst deine Position klar vertreten.

Du darfst lernen, souverän aufzutreten.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Haltung.

Gesunde Selbstbehauptung braucht keine Abwertung anderer Menschen.

Eine starke berufliche Präsenz verbindet Kompetenz mit Klarheit, Selbstvertrauen mit Reflexion und Durchsetzungsfähigkeit mit Verantwortung.

 

 

 

Die entscheidende Frage bei Beförderungen

 

Vielleicht brauchen Unternehmen deshalb bei Beförderungen eine zusätzliche Frage.

Statt ausschließlich zu fragen:

„Kann diese Person führen?“

lohnt sich auch:

„Was geschieht mit anderen Menschen, wenn diese Person Macht bekommt?“

Diese Frage verändert den Blick.

Denn Führung zeigt sich weniger darin, wie eindrucksvoll jemand selbst erscheint.

Führung zeigt sich auch darin, was im Umfeld dieser Person entsteht.

Mehr Klarheit?

Mehr Verantwortung?

Mehr Vertrauen?

Mehr Leistung?

Mehr Entwicklung?

Oder zunehmend Vorsicht, Anpassung und politische Spiele?

 

 

 

Professioneller Umgang mit narzisstisch geprägten Personen

 

Wenn du beruflich mit einer stark selbstbezogenen, manipulativen oder narzisstisch geprägten Person zu tun hast, können die richtigen Schritte stark von deiner Position, den Machtverhältnissen und deinen Zielen abhängen.

Dann lohnt sich eine nüchterne Analyse:

  • Was geschieht konkret?
  • Welche Dynamik hat sich entwickelt?
  • Welche Risiken bestehen?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten hast du?
  • Welche Kommunikation ist sinnvoll?
  • Welche Grenzen brauchen Klarheit?
  • Welche nächsten Schritte stärken deine Position?

Im professionellen Sparring zum Umgang mit narzisstisch geprägten Personen unterstütze ich dich dabei, solche Situationen zu sortieren und konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Für weitere Hintergründe findest du hier auch meinen Beitrag über Narzissten in Führungspositionen.

 

 

 

Fazit: Karriereerfolg ist noch keine Führungsqualität

 

Narzisstische Tendenzen können Eigenschaften mit sich bringen, die beim beruflichen Aufstieg zunächst vorteilhaft wirken.

Sichtbarkeit.

Selbstsicherheit.

Ehrgeiz.

Statusorientierung.

Durchsetzungsbereitschaft.

Für nachhaltige Führung reicht das allein kaum aus.

Dort zählen zusätzlich Selbstreflexion, Verantwortung, Lernfähigkeit, Vertrauen und die Fähigkeit, andere Menschen wachsen zu lassen.

Deshalb lohnt sich bei beeindruckenden Persönlichkeiten immer ein genauerer Blick.

Entscheidend ist weniger, wie groß jemand erscheint.

Entscheidend ist, was im Umfeld dieser Person entsteht.

Nachricht

 

Bei Interesse, für persönliche Fragen und Terminvereinbarungen kommen wir am leichtesten über das nachfolgende Kontaktformular zusammen. Auch per E-Mail bin ich zu erreichen: mail@karstennoack.de

Hinweise zum Datenschutz findest du hier. Transparenz ist wichtig. Antworten auf häufige Fragen befinden sich deswegen schon hier, wie beispielsweise zu mir (Profil), den Angeboten, den Honoraren und dem Kennenlernen. Wenn das passt, freue ich mich auf eine intensive Zusammenarbeit.

Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant; habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht..

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Anmerkungen:

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P.S.

 

Welche Erfahrungen hast du mit Narzissten gemacht?

5 Kommentare

  1. Der Schaden kann groß sein!

    Antworten
  2. Schlecht für die Kollegen und schlecht für das Geschäft!

    Antworten
  3. Wie finde ich das schon vor der Zusage für die Stelle fest?

    Antworten
  4. Ein ehemaliger Kollege (Narzisst) wurde zum Abteilungsleiter. Er veränderte sein Verhalten schlagartig. Es hat 2 Jahre gedauert bis er weg war. Viele gute Mitarbeiter haben wegen ihm gekündigt und ich fast auch.

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Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 16. Juni 2016
Überarbeitung: 02. Mai 2026