Machen Sie Äh oder andere Denkgeräusche in Gesprächen und Reden?

Denkgeräusche reduzieren Ihre Überzeugungskraft
Machen Sie Geräusche beim Denken? Ihr Präsentation profitiert davon nicht!

Denkgeräusche bei Gesprächen, Reden  und Präsentationen

 

„Ähs”, „Mhs” und penetrant verwendete Floskeln wie „im Grunde” oder „wie auch immer”, „nichtsdestotrotz”, „eh”. Solche Denkgeräusche können Zuhörer ablenken. Manche Menschen machen in Präsentationen und Gesprächen allerlei dieser Denkgeräusche. Die schaden oft, ohne das der Redner es bemerkt. Was tun?

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

 

Äh

 

Stellen Sie sich bitte vor, Sie würden ein wichtiges Gespräch führen. Der Gesprächspartner hat dabei Luftpolsterfolie in der Hand und bereichert das Gesprochene mit wiederholten Plopp-Geräuschen. Wie würde Ihnen das gefallen?

Manche Menschen machen Geräusche beim Denken. Es sind allerdings nicht die in Cartoons vorkommenden Geräusche von quietschenden Zahnrädern, sondern ständige „Ähs“, „Mhs“ und penetrant verwendete Floskeln wie „im Grunde“ oder „wie auch immer“, „nichtsdestotrotz“, „eh“. Solche Denkgeräusche können Zuhörer mindestens so schnell verrückt machen, wie ein Sprung in der Langspielplatte.

Das Tückische daran: Die Denkgeräusche erzeugenden Redner merken selbst weder was sie tun, noch was sie anrichten. Sie hören sich ja selbst nicht zu. Solche Sprachparasiten sind Gewohnheiten, die sich verselbstständigt haben und nun ein wildes Eigenleben führen.

Wenn einem Zuhörer diese Denkgeräusche einmal aufgefallen sind, kann er sie von dem Moment an kaum noch ignorieren. Der Preis: Das Publikum verliert einen beträchtlichen Teil seiner Aufmerksamkeit und der Redner an Wirkung. Das ist ein hoher Preis!

 

Beispiel gefällig?

Edmund Stoiber, als der Großmeister dieses Phänomens – manche nennen es Hesitationsphänomen oder Überbrückungsphänomen – liefert sie mit seinen Reden zum Transrapid, Problembären, der gludernden Flut, hingerichteten Blumen und anderen unverständlichen Themen (externer Link). Aber Vorsicht mit dem Steinewerfen!

 

 

 

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

 

Vielen ist selbst nicht bewusst, dass sie sich ein eigenartiges Kommunikationsverhalten angewöhnt haben. Selbst- und Fremdbild decken sich nicht zwangsläufig miteinander. Wir haben alle unsere blinden Flecken. Umso wichtiger ist der Abgleich, indem die uns selbst unbekannten Bereiche des Johari-Fensters beleuchtet werden.

Wobei gut zu wissen: nicht nur so manches eigenartige Verhalten ist uns selbst unbekannt, sondern auch so manche Stärke. Das Potential wartet mitunter schon eine Weile darauf zum Einsatz zu kommen.

Johari-Fenster

Fleckenentferner

 

Fleckenentferner? Nicht jeder Redner bekommt eine brauchbare Rückmeldung oder wertet Aufzeichnungen eigener Auftritte aus. Also beim nächsten Mal Video- oder wenigstens Audioaufnahme einplanen und auswerten. So können Sie sich selbst auf die Schliche kommen. Bei der Auswertung spitzen Sie Ihre Ohren und hören Sie sich ganz genau zu.

 

 

 

Wieso, weshalb, warum?

 

Wie kommt es zu Ähs, Mmhs und anderen Denkgeräuschen? Pausen und die mit ihnen verbundene Stille sind vielen Rednern unangenehm. Und deshalb sind viele Menschen vor Publikum bestrebt diese Stille unbedingt zu vermeiden. Also schnell ein paar Denkgeräusche hineinpacken, um der Stille und dem Unbehagen, das sie auslöst, zu entkommen.

Eine weitere Absicht hinter solchen Füllsel ist es unter empfundenen Zeitdruck Bedenkzeit zu gewinnen. In Echtzeit Gedanken in Worte zu fassen und mit zwei bis drei Worten pro Sekunde auf das Publikum loszulassen ist nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit. Muttersprachler zu sein garantiert noch keine Redekompetenz. Während schriftliche Beiträge wieder und wieder überarbeitet werden können, spricht nun mal kaum jemand druckreif. Für die Formulierung bieten sich Pausen an, doch die gönnen sich wenige Redner. Eine Pause könnte ja den Eindruck vermitteln, der Beitrag wäre beendet. Nicht das sich da jemand hineingrätscht! Dann doch lieber mit Füllseln Zeit schinden.

 

 

 

Schade, um die Chance zu überzeugen

 

Wer jede Pause vermeidet, verschenkt so allerdings auch die nicht zu unterschätzende positive Wirkung von Pausen.

Pausen dienen der Dramaturgie, der Struktur und damit der Aufnahmefähigkeit des Publikums. Denkpausen geben den Zuhörern die Gelegenheit das Gehörte nachwirken zu lassen, einzusortieren und zu verdauen. Das gilt es zu fördern. Also Mut zur Pause!

 

 

 

Selbstbild, Fremdbild, blinde Flecken und Potenziale

 

Es lohnt sich nicht nur im Hinblick auf mögliche Denkgeräusche professionelles Feedback einzuholen, denn auch andere Gewohnheiten nisten sich gerne mit der Zeit ein. Und viele entziehen sich der eigenen Aufmerksamkeit. Das gilt auch für die schlummernden Potentiale, die geweckt werden wollen. Interesse?

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Karsten Noack

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P.S.

 

Machen Sie Geräusche beim Denken?

2 Kommentare

  1. Ich würde gerne mein Áh loswerden.

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Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 28. März 2019
AN: #23210
K: CNC
Ü: