Ich-Botschaften: So geht es, Tipps für konstruktive Kommunikation

Wirksame Kommunikation

 

Ich-Botschaften

Ich-Botschaften

 

Miteinander zu reden ist grundsätzlich ein begrüßenswertes Vorhaben. Wenn wir beispielsweise von jemanden ein anderes Verhalten erwarten, haben wir das Bedürfnis unsere Enttäuschung mitzuteilen. Dann äußern wir unsere Urteile, unsere eigene Sicht als Kritik in die Richtung eines anderen Menschen oft in Form von Sie- beziehungsweise Du-Botschaften.

 

 

 

Vor- und Nachteile

 

 

a. Nachteile von Sie-Du-Botschaften

 

Kaum ein Mensch reagiert positiv auf frontale Sie-Du-Botschaften. Egal, wie berechtigt das Anliegen selbst betrachtet wird, solch eine frontale Ansprache führt seltener zum gewünschten Ergebnis beim Anderen. Es wird oft als Angriff empfunden und erschwert die weitere Kommunikation.

Vor allem, wenn Sie in einem erregten, lauten Ton geäußert werden, empfinden die Empfänger solche Botschaften das selten als willkommen, sondern als aggressiv. Das wird dann als Kritik, Abwertung, Ablehnung, Schuldzuweisung, Anklage, Bestrafung oder Besserwisserei gedeutet. Die Bereitschaft sich das Anliegen aufmerksam und ruhig anzuhören reduziert sich dadurch deutlich. Die typischen Reaktionen sind Gegenangriffe, Schweigen, emotionaler Rückzug oder Gesprächsbeendigung. Der Klärung und Verbesserung liefert das keinen Beitrag. Leicht führt das stattdessen zur Eskalation, die Fronten verhärten sich.

 

 

 

b. Vorteile von Ich-Botschaften.

 

Im Vergleich zu Sie-Du-Botschaften wirken gut formulierte Ich-Botschaften deutlich konstruktiver. Hier erfährt der Gesprächspartner, wie dessen Verhalten auf Sie wirkt. Sie formulieren Ihre persönlichen Grenzen. Solche eine Form der Konfrontation ist annehmbarer, da Sie den Empfänger nicht be- oder verurteilen, zurechtweisen, angreifen oder beschuldigen. Sie bestimmen auch nicht, was er zu tun und zu unterlassen hat.

Ich-Botschaften vermitteln, dass die eigene Wahrnehmung subjektiv ist und geben Gesprächspartnern die Möglichkeit, zu entscheiden, ob sie diese Rückmeldung annehmen oder nicht. Wird eine Begründung eigene Gefühl geliefert, ist das eine Einladung zu Klärung.

 

 

 

Wie werden Ich-Botschaften formuliert?

 

Mit gut formulierten Ich-Botschaften formulieren Sie ausschließlich Ihre Eindrücke, Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse. Und zwar ohne dem Empfänger dafür die Schuld oder Verantwortung zuzuschieben, auch nicht unterschwellig. Drücken Sie Ihre Gefühle aus. Verzichten Sie dabei auf Interpretationen und hellseherische Fähigkeiten. Woher sollten Sie wissen, was in jemand anderem vorgeht.

Bei Feedback, Konflikten und in anderen schwierigen Gesprächen bietet sich folgendes Vorgehen an:

 

 

1. Beobachtung ohne Bewertung ausdrücken

 

Beschreiben Sie Ihren Eindruck ohne Bewertungen hinzuzufügen. Das braucht meist etwas Übung, wir sind uns der vielen offenen und unterschwelligen Urteile und Interpretationen oft nicht bewusst.

 

 

 

2. Die eigenen Gefühle nennen

 

Nennen Sie Ihre eigenen Gefühle. Vermeiden Sie versteckte Bewertungen und Missverständnisse.

 

 

 

3. Die eigenen Bedürfnisse nennen

 

Worum geht es Ihnen wirklich? Was sind Ihre tatsächlichen Bedürfnisse?

 

 

 

4. Einen Wunsch nennen

 

Ein Wunsch will den Gesprächspartner nicht dazu zwingen ihm nachzukommen, so wie eine Forderung. Forderungen erhöhen den Druck und den Widerstand.

 

 

 

Ich-Botschaften sind vergleichsweise seltener

 

Egal, wo ich mich umhöre, Sie-Du-Botschaften sind viel häufiger zu hören als Ich-Botschaften. Weshalb eigentlich? Hier ein paar mögliche Gründe:

 

 

 

a. Ego

 

Sie-Du-Botschaften schützen das Ego und lassen kaum Raum für den Anderen. Wer immer Recht haben will und die Wahrheit gepachtet hat, kann nicht offen für die Meinungen oder Gefühle anderer Menschen sein.

 

 

 

b. Distanz und Nähe

 

Ich-Botschaften schaffen Nähe und Sie-Du-Botschaften schaffen Distanz. Ich-Botschaften schaffen Vertrauen, weil es die Öffnung erfordert, einen Vertrauensvorschuss erfordert. Du-Botschaften schaffen Distanz, weil sie die Überzeugung vermitteln im Recht zu sein.

 

 

 

c. Ängste

 

Ich-Botschaften erfordern mehr Mut als Angriffe und Vorwürfe. Wer sie äußert, gibt etwas über sich preis. Wer selbst sehr unsicher ist, will sich dem nicht aussetzen.

 

 

 

Fazit

 

Mit Ich-Botschaften können Sie zwar nicht zaubern, doch in konfliktträchtigen, verfahrenen Situationen sind sie oft sehr hilfreich zur Klärung. Durch Ich-Botschaft lassen Sie sich in die Karten schauen, öffnen sich. Das erleichtert den konstruktiveren Austausch von Feedback und Lösungen.

P.S.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ich-Botschaften gemacht?

2 Kommentare

  1. Das ist ein ziemlich alter Hut, allerdings einer der gerne vergessen wird.
    Es ist gut daran zu erinnern!
    Max

    Antworten

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