Rhetorisches Stilmittel Chiasmus. Chiasmen für Reden und Präsentationen

Rhetorische Stilmittel über Kreuz: Stilmittel der Rhetorik in Kreuzstellung
Rhetorische Stilmittel: Chiasmus

Chiasmen als rhetorische Stilmittel

 

Der Chiasmus ist ein Stilmittel, bei dem gleichwertige Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet werden. Das bedeutet, dass der Chiasmus die häufig spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt. Alles klar? Und wozu soll das gut sein?

 

 

Überblick

 

 

 

 

Chiasmus (Überkreuzstellung)

 

Der Chiasmus ist ein Stilmittel, bei dem gleichwertige Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet werden. Das bedeutet, dass der Chiasmus die häufig spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt.

Chiasmus, latinisiert vom griechischen χιασμός chiasmós = Überkreuzen und χίασμα chíasma = Kreuzung, hat technisch einiges gemein mit der Darstellung des Buchstaben X (griechisch Chi). Es geht auch hier um eine Kreuzstellung. In diesem Fall bei der Bedeutung von Satzgliedern.

Karl Marx lieferte ein Beispiel: Die Waffe (A) der Kritik (B) kann allerdings die Kritik (B) der Waffen (A) nicht ersetzen. …. ABBA

Chiasmus (Kreuzstellung) - Karsten Noack Coaching & Training Berlin

Beispiele

 

  • Alles gehört dir, mir gehört nichts.
  • Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.
  • Deutsche leben, um zu arbeiten, andere arbeiten, um zu leben.
  • Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. (Friedrich Schiller in Wallensteins Tod)
  • Ich bin groß, klein bist du.
  • Ich liebe dich, mich liebst du nicht.
  • Ich schlafe am Tag, in der Nacht wache ich.
  • Rubens, der König der Maler und der Maler der Könige.
  • Sie ist klug, blöd ist er.
  • Weder sah ich Odysseus noch jener mich! (Homer)
  • Wo die Partei kann, da will sie nicht, wo sie will, da kann sie nicht
  • Wo ich bin, seid ihr auch. (Johannes-Evangelium)
  • Die Kunst ist lang; und kurz ist unser Leben. (Johann Wolfgang von Goethe in Faust I)

 

 

 

Beispiele aus den Reden von John Fitzgerald Kennedy

 

  • Ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country. (Inaugural Address, January 20, 1961)
  • Let us never negotiate out of fear. But let us never fear to negotiate. (Inaugural Address, January 20, 1961)
  • … we shall never negotiate out of fear, we shall never fear to negotiate. (address to the United Nations General Assembly on September 25, 1961)
  • Mankind must put an end to war, or war will put an end to mankind. (address to the United Nations General Assembly on September 25, 1961)
  • Each increase of tension has produced an increase of arms; each increase of arms has produced an increase of tension. (address on the Nuclear Test Ban Treaty, 1963)

 

 

 

 

Einsatzbereiche des Chiasmus

 

Chiasmen sorgen für Verstärkung, Kontrast und die Hervorhebung der Gegenläufigkeit von Aussagen. Der Chiasmus dient insbesondere dem Hervorheben von Antithesen, also gegensätzlichen Behauptungen. Er kann aber auch unabhängig davon eingesetzt werden, um bestimmte Formulierungen besonders einprägsam oder prägnant zu gestalten. So hat der Chiasmus eine verstärkende Wirkung auf eine Aussage, da durch die Wiederholung die eigentliche Bedeutung in den Vordergrund gerückt wird. Eine ähnliche Funktion lässt sich mit Hilfe von Anapher und Anadiplose erzielen.

 

 

 

Chiasmen in Debatten

 

Der Chiasmus eignet sich auch sehr gut für Debatten. Denn man kann damit das Argument des Gegners aufgreifen und in sein eigenes umwandeln. Der Chias­mus entsteht dadurch, dass zu einer Antithese eine zweite hinzutritt, aber umgekehrten Inhaltes.

 

Das Schema des Chiasmus für eine Debatte ist Folgendes:

1. Ein Argument wird aufgegriffen und
2. ins Gegenteil gekehrt.

 

Achtung:

Mit Stilmitteln ist es wie mit anderen exotischen Gewürzen; auch sie sollten moderat eingesetzt werden. In den meisten Reden sollten zwei Chiasmen nicht überschritten werden, da es sonst zu verspielt wirken kann.

 

 

 

Verwandtschaften zu anderen rhetorischen Stilmitteln

 

1. Anapher und Anadiplose

 

Eine ähnliche Wirkung, wie die des Chiasmus lässt sich mithilfe von Anapher und Anadiplose erzielen.

 

 

 

2. Synchysis

 

Das Gegenstück zum Chiasmus ist die Synchysis. Dieses Stilmittel bringt die Satzglieder nicht in eine Kreuzstellung, sondern bildet eine verbundene Wortfolge.

 

 

 

3. Parallelismus

 

Pendant zum Chiasmus ist der Parallelismus, wo syntaktisch entsprechende Satzglieder nicht überkreuzt, sondern parallel zueinander stehen.

Wie bitte? Prinzipiell geht es beim Chiasmus um die Spiegelung von Elementen im Satzbau. Das bedeutet, dass Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet werden. So wie oben in den Beispielen. Allerdings kann ein Chiasmus auch auf der Bedeutungsebene stattfinden.

 

 

Beispiele

 

a. Friedrich Schiller in Maria Stuart

 

Ihr Leben ist dein Tod! Ihr Tod dein Leben!

Streng genommen, handelt es sich hier um einen Parallelismus mit einer parallelen Satzbau (Syntax) und nicht um eine Kreuzstellung. Auf der Bedeutungsebene (semantische Ebene), handelt es sich jedoch auch um eine Art der kreuzweisen Gegenüberstellung. Inhaltlich werden die Wörter Leben und Tod in eine Kreuzstellung gebracht, was charakteristisch für den Chiasmus ist. Folglich könnte der Satz auch als ein solcher gelten, allerdings nicht auf der Ebene des Satzbaus.

 

b. Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.

 

 

 

Mehr?

 

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P.S.

 

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6 Kommentare

  1. Guten Tag,
    „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“ ist ja wohl kein Bsp für einen Chiasmus, sondern eher für einen Parallelismus
    Mit freundlichen Grüßen
    Ralf Albers

    Antworten
    • Jetzt verstehe ich das Prinzip nicht mehr. Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Parallelismus und Chiasmus?

      Antworten
    • Mir scheint auch, dass oben zu viele Beispiele zum Chiasmus gezählt werden:

      „Die Kunst ist lang; und kurz ist das Leben.“
      A (Kunst), B (lang);
      B (kurz), (Leben)
      –> klar Chiasmus, weil A & B Sinneinheiten bilden. Ich kann sie mir als verschiedene Ausprägungen einer Skala vorstellen.

      „Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.“
      A,B
      A(bzw. C) ,B
      –> Parallelismus

      Genauso „Buy low, fly high“, „Sicher gehen, Rekord fahren“ und eben „sind sie zu stark …“.

      Die anderen Beispiele scheinen zu stimmen.

      _________________
      Noch eine Anmerkung zum A-B-Schema bei beiden (Chias- & Parallelismus): Gelegentlich ist es nicht so völlig symmetrisch wie bei JF Kennedy und anderen.

      Stattdessen gibt es dann ein klares Begriffspaar (groß/klein, klug/blöd) oder eben dasselbe Wort (lieben), auch mal in verschiedener Wortart (bin&seid)
      – das bildet dann ein klares A bzw. B.

      Die anderen beiden Begriffe gehören dagegen nicht/kaum zu einer Sinneinheit. Sie werden erst durch das klare A/B (pointiert) verknüpft. Die Schemata lauten dann (nur für Chiasmus):

      A,B x B,C oder
      A,B x C,A

      … wobei mir wiederum der Kern eines Chiasmus in der „Spiegelung“ in der Mitte des Satzes zu liegen scheint. D.h. es bleibt nur:

      A,B x B,C

      Und eben der symmetrische Klassiker:

      A,B x B,A

      Antworten
      • Herzlichen Dank für diesen gut strukturierten und nachvollziehbaren Beitrag!

      • Schöne Erklärung, Danke!

  2. Ist das noch zeitgemäß?

    Antworten

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Dieser Artikel ist ein kurzer Auszug der umfangreicheren Kursunterlagen, die meine Teilnehmer im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 22. Februar 2016
Überarbeitung: 7. Juli 2019
Englische Version:
AN: #565189
K: CNB
Ü: