Ein Interview abbrechen. Ist das so eine gute Idee?

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Ein Interview abbrechen. Ist das so eine gute Idee?

Es kommt immer wieder vor, das Interviews nicht so erfreulich verlaufen. Deshalb gibt es Momente, in denen der Abbruch eines Interviews in Frage kommt. Doch das will wohlüberlegt sein. Außerdem ist das meist nur dann ein Thema, wenn die Vorbereitung unzureichend war. Nicht jede Interviewanfrage hält, was sie verspricht.

 

 

 

Beispiel für einen Interviewabbruch

 

Das Interview am 11. April 2016 beginnt recht ruhig und seitens der Journalisten schrittweise so vorbereitet, dass der Interviewte keinen Verdacht schöpft. Das ändert sich plötzlich: Im Zusammenhang mit den Panama Papers wird Islands Premier Sigmundur Davíð Gunnlaugsson nach Offshore-Geschäften gefragt und bricht daraufhin das Interview ab.

Das Video können Sie sich bei YouTube™ anschauen.
https://www.youtube.com/watch?v=KkIKlYppIGM

Achten Sie auf seine Reaktion. Hier gibt es eine Menge zu lernen. Als ihm die Fragen zu heikel werden will Premier Sigmundur Davíð Gunnlaugsson das Interview abbrechen. Er steht auf. Aber als ihm weitere Fragen gestellt werden, kommt er noch einmal zurück. Einen Gefallen tut er sich damit nicht. Nervös tigert er im Raum auf und ab. Er beißt sich häufig auf die Lippen, so als würde er vermeiden wollen etwas Falsches zu sagen. Das wirkt nicht sehr vertrauenerweckend Körpersprachlich ist der riesige Unterschied erkennbar, vor den unangenehmen Fragen und währenddessen gibt es deutliche Veränderungen. Das erleichtert die Kalibrierung und die anschließende Analyse der Körpersprache. Anstatt auf die Fragen zu antworten weicht er unbeholfen aus. Er wiederholt; „Sie haben mich unter falschen Voraussetzungen in dieses Interview gelockt.“, „Ich habe von diesen Dingen keine Ahnung.“ Er verstrickt sich zunehmend tiefer in Behauptungen, die ihm anschließend widerlegt werden. Als er kurz darauf damit konfrontiert wird, dass seine Unterschrift auf den Papieren zu finden ist, fängt er an zu stottern; „Ja,… ich meine… das ist nur …“. Wieder und wieder antwortet er indirekt beispielsweise mir „Aber Sie unterstellen mir das ich keine Steuern gezahlt habe.“, „Alles wurde bei der Steuer angegeben. Hier wird etwas verdächtig gemacht, dass nicht verdächtig ist.“ Dann verlässt er den Raum. Am 4. April 2016 erklärt Sigmundur Davíð, dass er einen Rücktritt nicht in Erwägung zieht, am 5. April 2016 tritt er zurück.