Was ansammeln, was loslassen?

Tagesmotto* mit Fragen für eigene Antworten
Besitz
Alles was Ihr besitzt, besitzt Euch irgendwann.

Besitz

 

Was ansammeln, was loslassen? Liefert Besitz Freude oder ist er Ballast?

Ist Besitz Bereicherung oder Belastung?

 

Was denn nun? Besitz ansammeln oder loslassen? Was ist besser?

 

 

 

Besitz als Bereicherung

 

Weit verbreitet: Geld verdienen und schöne Dinge besitzen. Das soll Zufriedenheit mit sich bringen und die Wirtschaft ankurbeln. Eigentum hat schließlich einen hohen Stellenwert in materialistischen Gesellschaften. Es hat wohl auch etwas mit dem ersehnten Status zu tun: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Familie,… Wenn ich mir die Fotos bei Instagram und Co. betrachte, finde ich das schnell wieder. Die Welt scheint weitgehend aus erfolgreichen und wohlhabenden Menschen zu bestehen, die nicht mehr arbeiten müssen, sondern sich meist an exotischen Orten aufhalten und exklusiven Vergnügungen widmen.

 

 

 

Besitz als Belastung

 

Oder so: Einige Menschen meinen, es wäre gerade der Verzicht, der Freiheit und Zufriedenheit ermöglicht. Besitz macht abhängig und belastet. Hoch lebe der Postmaterialismus. Wer so einen Vertreter zu sich einlädt, darf sich dann mitunter für seinen Besitz sogar entschuldigen. „Wie, du hast noch einen Fernseher?“, „Du hast noch ein Auto?“,…

Jesus und Buddha sind bei diesem Thema einer Meinung, und viele große Philosophen stimmen ihnen zu. „Ich besitze nichts, damit ich nicht von den Dingen besessen werde.“ soll auch der griechische Philosoph Antisthenes gesagt haben. Sein Schüler Diogenes lebte die Idee und sein Wohnort in der Tonne ist im Gedächtnis geblieben.

 

 

 

Wer hat recht?

 

Ist Minimalismus die Antwort auf alle Fragen? Für mich sind die Fragen zu den Vor- und Nachteilen des Ansammelns oder Loslassens eher Denkanregungen, als Ja-Nein-Frage, so wie meistens beim Tagesmotto. Zur Anregung folgen einige spontane Stichworte.

 

Die ersten Gedanken, die mir frei flottierend in den Sinn kommen:

  • Sammeln kann glücklich machen. Menschen als Jäger und Sammler.
  • Loslassen fühlt sich befreiend an.
  • Mein in der Garage anstaubendes Auto empfand ich als Belastung. Es kostete nicht nur einige Tausend Euro Unterhalt im Jahr, sondern auch noch Zeit für die Minimalpflege. Die meisten Kilometer gingen auf das Konto für TÜV, Servicetermine und so weiter. Außerdem bezweifle ich die Notwendigkeit eines Autobesitzes in Berlin. Weg ist es!
  • Die Büchersammlung gibt mir ein gutes Gefühl.
  • Welche Konsequenzen hat welcher Besitz für mich, andere Menschen, die Welt?
  • Dinge aus der Vergangenheit wirken wie Anker, im Guten, wie im Schlechten.
  • Volle Schränke erschweren mir den Überblick und ich verwende vor allem, was vorne liegt.
  • Ich genieße Leere und Raum an sich.
  • Aufräumen schafft Raum für Neues.
  • Aufheben hilft mir nur, wenn ich es bei Bedarf auch finde.
  • Es hilft, Prioritäten zu setzen.
  • Qualität vor Quantität.
  • Menschen vor materiellem Besitz.
  • Herausfinden was mir wirklich wichtig ist und was nicht.
  • Besitz verpflichtet.
  • Wie lässt sich verantwortungsvoll entsorgen?
  • Frühzeitig „Nein!“ sagen.
  • Gesamtkonzepte lohnen sich.
  • Entrümpeltage machen Spaß.
  • Manches gibt es in dieser Qualität heutzutage nicht mehr.
  • Frühjahrsputz geht auch während anderer Jahreszeiten.
  • Staubfänger machen Arbeit und allergisch.
  • Was erst im Keller gelandet ist, bleibt da vermutlich auch.
  • Ab einem gewissen Punkt fühlt sich „mehr“ nicht wie „mehr“ an.

 

 

 

Begleiterscheinungen des Loslassens

 

a. Unangenehme Gefühle beim Loslassen

 

  • Verlustängste
  • Schuldgefühle
  • Unangenehme Erinnerungen.
  • Abschied von tatsächlichen und vermeintlichen Errungenschaften.
  • Müdigkeit und ein belastendes Gefühl.
  • Konfrontation mit verdrängten Sehnsüchten.
  • Schwere Entscheidungen, die lange aufgeschoben wurden.
  • Gedankenkarussell
  • Existenzängste
  • Überforderung und Mutlosigkeit

 

 

b. Angenehme Gefühle beim Loslassen

 

  • Energie wird freigesetzt
  • Gefühl der Befreiung
  • Erleichterung.
  • Stolz
  • Zufriedenheit
  • Selbstbewusstsein
  • Zuversicht
  • Übersicht
  • Aufbruchsstimmung
  • Wohlbefinden

 

*Anmerkungen

 

Das Tagesmotto wähle ich meist, weil mich etwas daran anspricht. Es lacht mich an oder reizt mich. Es fühlt sich so an, als könnte es etwas bewegen und dem will ich auf den Grund gehen. So widme ich jedem Tag ein Motto und lasse mich überraschen, was es mit mir macht.

Mitunter klärt sich der Grund für die Wahl erst später. Deswegen sind die Gedanken zum Tagesmotto überwiegend auch keine Artikel, sondern Assoziationen. Es sind in Worte verwandelte Gedanken. Sie sind spontan und außerdem veröffentliche ich sie häufig, während ich unterwegs bin. Sie neigen deswegen dazu, in Fragmenten zu erscheinen. Fühl dich eingeladen, Ihre Assoziationen hinzuzufügen, um deine persönlichen Perspektiven zu bereichern – das Bild abzurunden.

 

Die folgenden Fragen helfen dabei, vom Tagesmotto ganz persönlich zu profitieren:

 

  • Was löst das Zitat bei dir aus?
  • Unter welchen Umständen stimmst du der Aussage zu und wann nicht?
  • Was hat die Aussage in deinem Leben für eine Bedeutung?
  • Wie kann das Tagesmotto dein Leben bereichern?
  • In welchem Zusammenhang könnte die Aussage nützlich sein?
  • Wo willst du dich wie daran erinnern?

 

P.S.

 

Haben Sie weiter Gedanken zum Thema Aufheben, Loslassen, Minimalismus etc.? Welcher Besitz bereichert Sie tatsächlich und welcher ist eher Belastung?

7 Kommentare

  1. Einen Aspekt vergisst der Artikel: Sorgfältig mit Ressourcen umgehen!

    Antworten
  2. Ist es nicht vor allen die Angst es wieder zu verlieren, die Besitz so belastend macht?

    Antworten
    • Das spielt oft auch eine belastende Rolle. Was krampfhaft festgehalten wird geht leicht kaputt.

      Antworten
  3. Oft steckt soviel Mühe und Gefühl in den Dingen. Es fühlt sich dann schlecht an das wegzugeben. Es zu behalten erinnert aber auch an den Ballast der damit verbunden ist.

    Antworten
    • Im Guten, wie im Schlechten sind Gefühle und Energien gespeichert.

      Antworten
  4. Spannende Gedanken die mich schon lange beschäftigen. Was brauchen wir zum Leben, was belastet?

    Antworten

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 13. November 2018
Überarbeitung: 18. Oktober 2020
Englische Version:
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