Selbstbestimmung. Leichter gesagt als getan?
Wieso, weshalb, warum, wo fängt Selbstbestimmung an, wo hört sie auf?
Wo fängt Selbstbestimmung an, wo hört sie auf?
Selbstbestimmung erfordert nach freiem Willen über das eigene Leben entscheiden zu können. Wo fängt Selbstbestimmung an, wo hört sie auf?
Überblick
- Selbstbestimmung
- Selbstbestimmung scheint nicht so einfach zu sein
- Wie weit darf Selbstbestimmung gehen?
- Voraussetzungen für Selbstbestimmung
- Abraham Maslow’s Bedürfnisspyramide
- P.S.
- Ergänzende Artikel
Selbstbestimmung
Wer mit dem Leben spielt,
Kommt nie zurecht;
Wer sich nicht selbst befiehlt,
Bleibt immer ein Knecht.
Johann Wolfgang von Goethe
Selbstbestimmung erfordert, nach freiem Willen, über das eigene Leben entscheiden zu können. Synonyme sind Entscheidungsfreiheit, Autonomie, Entscheidungs-Autonomie, Ungebundenheit und Unabhängigkeit.
Das Selbstbestimmungsrecht ist ein für alle mündigen Menschen wesentliches Recht. Es ist unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Religion. Risiken für die Selbstbestimmung sind Manipulation, Fremdbestimmung und Unterdrückung. Viele externe Interessen konkurrieren mit eigenen Bedürfnissen. So ist es eine lebenslange Aufgabe auf sich achtzugeben.
Selbstbestimmung scheint nicht so einfach zu sein
In der Praxis haben viele Menschen ein eher zwiespältiges Verhältnis zur Selbstbestimmung.
Manche Menschen übernehmen keine Selbstverantwortung, weil sie davon ausgehen zu machtvollen äußeren Kräften ausgeliefert zu sein. Ob das im jeweiligen Kontext berechtigt sein mag, ist eine Sache, konstruktiv ist es nicht. Es dient auch leicht als Ausrede, um ansonsten für wichtig empfundene Werte nicht zu leben.
Andere neigen dazu ihre Bedürfnisse hinten anzustellen und nehmen sich soweit zurück, dass von Selbstbestimmung nicht die Rede sein kann. Es kann am Wunsch liegen es anderen Menschen Recht zu machen, an Manipulation und Ängsten,
Wie weit darf Selbstbestimmung gehen?
Für Selbstbestimmung ist nicht nur der Freiraum des möglichen Handelns grundlegend, sondern vor allem die Bereitschaft Möglichkeiten nicht auszuschöpfen.
Ja, Selbstbestimmung ist ein Grundrecht. Doch die Ausübung des persönlichen Selbstbestimmungsrechts hat Grenzen. Es darf nicht dazu führen, dass durch dessen Ausübung wiederum andere Menschen in deren persönlichen Selbstbestimmungsrecht einschränkt werden. Das Recht zur Selbstbestimmung ist keinen Freifahrtschein für Egoisten. Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo die Freiheit des anderen Menschen unangemessen eingeschränkt wird. Die Beurteilung, wann das der Fall ist, ist in der Praxis allerdings nicht immer so einfach. Hier ist die Gesellschaft gefordert für Orientierung und Schutz zu sorgen. Jeder Einzelne ist aufgefordert sich eine Meinung zu bilden, sich einzubringen und eigenverantwortlich zu handeln. Selbstbestimmung ist zwingend mit Selbstverantwortung zu kombinieren. So ist für Selbstbestimmung nicht nur der Freiraum des möglichen Handelns, sondern vor allem die Entscheidung Möglichkeiten nicht auszuschöpfen so grundlegend.
Emmanuel Kant fordert in seiner Ethik, dass der Mensch seiner Würde verpflichtet ist und setzt diese mit seiner Vernunft gleich. Sittliches Handeln sei auf der Würde eines von Vernunft gesteuerten Wesens begründet, das nur den selbst verordneten Gesetzen gehorcht. Der zu Berühmtheit gelangte kategorische Imperativ lautet:
Handle nur nach der Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!
Es handelt sich um das ethische Prinzip der kantschen Philosophie. Es ist schon ein paar Jahre alt und doch so richtig.
Voraussetzungen für Selbstbestimmung
Bestimme dich aus dir selbst, meinte Friedrich von Schiller. Nur wie? Selbstbestimmung setzt voraus, dass wir uns über unsere eigenen Ziele im Klaren sind; was wir wollen beziehungsweise, was wir nicht wollen. Um ein tatsächlich selbstbestimmtes Leben führen zu können kommt früher oder später der Moment, sich mit der persönlichen Bestimmung (Lebensziel, Berufung, Mission) auseinanderzusetzen, herauszufinden, was für ein erfüllendes Leben erforderlich ist. Selbstbestimmung setzt eine klare Zielsetzung voraus und die erforderlichen Mittel, sie zu verfolgen. „Die erste Handlung der Selbständigkeit eines Menschen ist der Entwurf eines solchen Lebensplans.“, forderte schon Heinrich von Kleist.
Ein entsprechendes Selbstbewusstsein hilft dabei Selbstverantwortung an den Tag zu legen, Entscheidungen frei zu treffen und den Mut zu haben sie umzusetzen. Das erfordert, die Meinungen anderer Menschen nicht über die eigenen Bedürfnisse zu stellen. Leben aus eigenem Antrieb ist erfüllender, als fremdgesteuert ausgeliefert hin und her geschoben zu werden.
Damit Selbstbestimmung funktionieren kann, erfordert sie Verantwortungsbewusstsein. Erst in der Freiheit erhält die Verantwortung ihre volle Bedeutung.
Ergänzende Artikel
- 8 Tipps, wie du mutig für deine Überzeugung einstehen
Wie wichtig ist es Ihnen wirklich? - Verantwortung: Was, wenn der eigene Beitrag die Welt nicht besser macht?
- Politik, Rhetorik und Entscheidungen: Politik findet nicht nur im Bundestag statt
- 8 Tipps, wie du mutig für deine Überzeugung einstehen
Sie haben eine Botschaft? - The Crazy Ones: Haben Sie den Mut ausgetretene Wege zu verlassen
Verantwortung übernehmen, sich und Ihr Angebot überzeugend präsentieren - Haben Sie den Mut die Wahrheit auszusprechen?
Ärmel hoch und … - Weshalb wir dringend mehr Helden brauchen
- Ist es tatsächlich Geduld oder nur Desinteresse?
Es ist nicht alles Gold, was glänzt - Macht, zwischen der Vorsicht vor der dunklen Seite und der Verantwortung
P.S.
Wie wichtig ist Ihnen Selbstbestimmung? Was ist zu beachten?
9 Kommentare
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Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 6. Januar 2017
Überarbeitung: 14. Juli 2019
AN: #87813
K: CNB
Ü:









Für mich hört da auf wo andere Lebewesen einschränkt werden.
Jeder hat die Freiheit sein Leben selbst in die Hand zu nehmen oder auch nicht. Es ist eine Option.
@Baicoll: genau, deshalb auch mein Satz, dass es das RECHT auf Selbstbestimmung gibt, u nicht die Verpflichtung dazu. es kommt mir fast so vor, als meint der Autor des Artikels ersteres.
Meine Nachbarin spielt nachts Klavier und erklärte mir auf Nachfrage das wäre ihr gutes Recht und Zeichen ihrer musischen Selbstbestimmung. Soweit zum menschlichen Egoismus.
Da hat sie recht, warum stört das Klavierspielen. Es geht sicher nicht darum, dass Sie eingeschränkt sind oder nicht schlafen können, sondern eher darum, zu meckern und der Nachbarin das zu verbieten.
Um 23 Uhr? Ernsthaft?
Wenn wir nicht selbst über unsere Leben bestimmen können, was bleibt dann noch?
das RECHT auf Selbstbestimmung – NICHT die PFLICHT dazu!
@Baicoll: genau, deshalb auch mein Satz, dass es das RECHT auf Selbstbestimmung gibt, u nicht die Verpflichtung dazu. es kommt mir fast so vor, als meinen Sie Herr Noack, zweiteres.