Eristische Dialektik Kunstgriff 2: Homonymie

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Überblick

 

 

 

 

Eristische Dialektik in den Worten von Arthur Schopenhauer

 

Kunstgriff 2: Homonymie

 

Die Homonymie benutzen, um die aufgestellte Behauptung auch auf das auszudehnen, was außer dem gleichen Wort wenig oder nichts mit der in Rede stehenden Sache gemein hat, dies dann lukulent widerlegen, und so sich das Ansehn geben, als habe man die Behauptung widerlegt.

Anmerkung. Synonyma sind zwei Worte für denselben Begriff: – Homonyma zwei Begriffe, die durch dasselbe Wort bezeichnet werden. Siehe Aristoteles, Topik, I, 13. Tief, Schneidend, Hoch, bald von Körpern bald von Tönen gebraucht sind Homonyma. Ehrlich und Redlich Synonyma.

Man kann diesen Kunstgriff als identisch mit dem Sophisma ex homonymia betrachten: jedoch das offenbare Sophisma der Homonymie wird nicht im Ernst täuschen.

Omne lumen potest extingui Intellectus est lumen Intellectus potest extingui. (Übersetzung: Alles Licht kann ausgelöscht werden Der Verstand ist ein Licht Der Verstand kann ausgelöscht werden.)

Hier merkt man gleich, daß vier termini sind : lumen eigentlich und lumen bildlich verstanden.

Aber bei feinen Fällen täuscht es allerdings, namentlich wo die Begriffe, die durch denselben Ausdruck bezeichnet werden, verwandt sind und in einander übergehn.

Exempel 1. 11 A. Sie sind noch nicht eingeweiht in die Mysterien der Kantischen Philosophie. B. Ach, wo Mysterien sind, davon will ich nichts wissen.

Exempel 2. Ich tadelte das Prinzip der Ehre, nach welchem man durch eine erhaltene Beleidigung ehrlos wird, es sei denn, daß man sie durch eine größere Beleidigung erwidere, oder durch Blut, das des Gegners oder sein eigenes, abwasche, als unverständig; als Grund führte ich an, die wahre Ehre könne nicht verletzt werden durch das, was man litte, sondern ganz allein durch das, was man täte; denn widerfahren könne jedem jedes. – Der Gegner machte den direkten Angriff auf den Grund: er zeigte mir lukulent, daß wenn einem Kaufmann Betrug oder Unrechtlichkeit, oder Nachlässigkeit in seinem Gewerbe fälschlich nachgesagt würde, dies ein Angriff auf seine Ehre sei, die hier verletzt würde, lediglich durch das, was er leide, und die er nur herstellen könne, indem er solchen Angreifer zur Strafe und Widerruf brächte.

Hier schob er also, durch die Homonymie, die Bürgerliche Ehre, welche sonst Guter Name heißt und deren Verletzung durch Verleumdung geschieht, dem Begriff der ritterlichen Ehre unter, die sonst auch point d’honneur heißt und deren Verletzung durch Beleidigungen geschieht. Und weil ein Angriff auf erstere nicht unbeachtet zu lassen ist, sondern durch öffentliche Widerlegung abgewehrt werden muß; so müßte mit demselben Recht ein Angriff auf letztere auch nicht unbeachtet bleiben, sondern abgewehrt durch stärkere Beleidigung und Duell. – Also ein Vermengen zwei wesentlich verschiedener Dinge durch die Homonymie des Wortes Ehre: und dadurch eine mutatio controversiae (Übersetzung: Veränderung der Streitfrage), zu Wege gebracht durch die Homonymie.

 

 

 

Homonym

 

Als Homonyme werden Worte bezeichnet, die für mehrere Bedeutungen stehen. Ein Wort, das sich in der Aussprache von einem anderen, gleich geschriebenen unterscheidet, wie beispielsweise Tenor = Haltung, sowie Tenor = hohe Männerstimme, wird als Homograf beziehungsweise Homograph bezeichnet. Bei klanglicher Übereinstimmung und unterschiedlicher Bedeutung wird auch von Homophonen (beispielsweise Lehre und Leere) gesprochen. In der Philosophie wird statt Homonym auch der Begriff Äquivokation verwendet.

 

 

 

Beispiele für Homonyme:

 

  • Flügel
    Instrument und Teil des Flugapparats eines Vogels.
  • Bank
    Sitzgelegenheit und Geldinstitut
  • Brücke
    Bauwerk, Zahnersatz und Teppich
  • Die Dummen
    Menschen mit weniger Intelligenz und Menschen, die das Nachsinnen haben. Auch der Klügste kann der Dumme sein, wenn ihm jemand Böses will.
  • Schloss
    Wohnsitz und Absperreinrichtung
  • Kiefer
    Nadelbaum und Schädelknochen
  • Läufer
    Eiliger Sportler, Teppich, Schachfigur und…
  • Pass
    Bergpass und Reisepass
  • Weizen
    Getreide und Getränk

 

 

 

Üben

 

Wenn Sie mit Homonymen üben wollen, spielen Sie doch Teekesselchen.

Teekesselchen ist ein Spiel, bei dem die Teilnehmer, anhand der Definition der Bedeutungen, ein Wort erraten sollen, das mehrere Bedeutungen hat, also ein Homonym.

 

Mein Teekesselchen …
… wird als Stimme gezählt.
… bringt etwas in Einklang.
Antwort: Abstimmung

 

Mein Teekesselchen …
… gehört zum Rücken.
… ist die höchste Spielkartenfarbe.
… ein geometrisches Zeichen.
Antwort: Kreuz

 

Mein Teekesselchen …
… ist Teil einer Frisur.
… galoppiert über die Wiese.
Antwort: Pony

 

 

 

Tacheles

 

 

So funktioniert dieser Kunstgriff

 

Mehr oder weniger offensichtlich vertreten Worte verschiedene Bedeutungen. Wie passend, denn dann kann einem Redner ja das Wort im Mund umgedreht werden, ohne das Wort zu wechseln.

 

So wird es gemacht:

1. Finden einer nutzbaren Doppelbedeutung im Zusammenhang mit einer Äußerung eines Gegenspielers.
2. Das Wort wird dann in der anderen als der gemeinten Bedeutung verwendet und so getan, als wäre dessen Aussage nun widerlegt.

 

 

 

Gegenmaßnahmen: Was tun?

 

Bei der Vorbereitung wichtiger Redegelegenheiten gehört es für mich dazu frühzeitig solche Begriffe zu erkennen, auf sie hinzuweisen und gemeinsam mit Klienten möglichst sichere Formulierungen zu wählen. Doch selbst dann lässt es sich nicht vollständig verhindern, dass ein Gegenspieler eine Gelegenheit findet und nutzt. Je geübter der Gegenspieler in diesem Kunstgriff ist, desto feinsinniger wird er ihn anwenden. Die Karte auszuspielen juckt gerade viele Schwarzspieler zu sehr, um sie nicht auszuspielen.

Die Homonymie, ist wohl der häufigste Kunstgriff der rhetorischen Rechthaberei um jeden Preis. Es gilt solche Tricks zu entlarven und die Bedeutung klarzustellen.

 

 

 

Und selbst?

 

Wenden Sie den Kunstgriff behutsam an und bedenken Sie, dass er ihrem Ansehen schaden kann. Es ist ja keine tatsächliche Entkräftung von Argumenten, sondern nur eine scheinbare.

P.S.

 

Wie stehen Sie zu diesem Kunstgriff und wie verhalten Sie sich, wenn er Ihnen begegnet?

2 Kommentare

  1. Ist es nun gut diese Techniken zu veröffentlichenlichen, damit sie erkannt werden oder werden sie dadurch noch häufiger eingesetzt?

    Antworten
    • Diese Frage stelle ich mir an vielen Stellen. Bei Tricks, die ich selbst entdeckt habe, beziehungsweise noch vergleichsweise unbekannt sind, halte ich mich eher zurück. Bei den kursierenden gilt es Schwarzspielern das Leben nicht unnötig leicht zu machen.

      Antworten

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Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack 29. Oktober 2018
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