Sündenbock: Phänomen, Risikofaktoren, Vorbeugung, Unterstützung

Ene, mene, muh und raus bist du.
Sündenbock

Sündenbock

 

Die Bezeichnung „Sündenbock“ hat ihren Ursprung in der Bibel. Der jüdische Feiertag Jom Kippur, dient der jährlichen Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

An diesem Tag der Sündenvergebung verkündete der Hohepriester schon in Beschreibungen des alten Testaments die Missetaten und Übertretungen des Volkes und übertrug sie durch Auflegen seiner Hand auf einen Ziegenbock. Dann wurde der arme Ziegenbock in die Wüste getrieben. Auf diese Weise sollten all die Sünden der Menschen mitgenommen und sie so erlöst werden.

Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste treiben lassen, und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.

Lev 16, 21-22; Einheitsübersetzung

 

Heutzutage werden unter der Bezeichnung Sündenbock Personen verstanden, die für Fehler und Probleme verantwortlich gemacht werden, selbst, wenn andere sie verursacht haben. Sind Menschen frustriert oder unglücklich, richten sie ihre Aggression oft auf Personen oder Gruppen, die unbeliebt, leicht identifizierbar sind und machtlos wirken. Friedrich Nietzsche meinte; „Der gestraft wird, ist nicht mehr der, welcher die Tat getan hat. Er ist immer der Sündenbock.“

 

 

 

Jemanden in die Wüste schicken

 

Sündenböcke werden heutzutage nur noch selten in die Wüste getrieben. Es wird auch freundlicher davon gesprochen jemanden in die Wüste zu schicken. Diese Redewendung klingt doch netter als in die Wüste getrieben, oder?

Um sicherzugehen, dass der mit Schuld beladene Sündenbock nicht wieder zurückkehrt, wurden früher unschöne Vorkehrungen getroffen. Er wurde beispielsweise zu einer hohen Klippe gebracht und dann über deren Kante gestoßen. Heute sind Positionen in der Provinz oder Brüssel weniger schmerzhafte Entsendungen. Von dort taucht außerdem so manch ein Sündenbock später wieder zurück auf die Bühne. „Ene, mene, muh und raus bist du. Raus bist du noch lange nicht, sag mir erst wie alt du bist!“ Der Kinderreim gilt mitunter auch in der Karriere, für den noch jung genug ist und abwarten kann. Die Zeit vergeht und damit kommen Gelegenheiten. Sind vor Ort in der Zwischenzeit unerfreuliche Dinge geschehen, ist der Sündenbock davon unbeleckt geblieben und dadurch mitunter sogar in einer Position, die interessante Optionen eröffnet.

Trotzdem ist die Rolle als Sündenbock nicht sehr erstrebenswert.

 

 

 

Beispiele für Sündenböcke

 

a. Gruppendynamik

 

Ist die Masse verunsichert, sucht sie sich unbewusst ein Opfer, das sich möglichst weit von der Norm unterscheidet. Dann kommt es zu Vorwürfen und oft zu Gewalt gegen das oder die Opfer. So entlädt sich die kollektive Angst und Dank Sündenbock soll die kollektive Ordnung wieder hergestellt werden. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden schon in unheiligen Zeiten als vermeintliche Quelle des Unheils ausgemacht und so zu Sündenböcken. Leider ist auch die deutsche Geschichte von solchen Ausfällen an Menschlichkeit belastet. Es hat schon einige Menschenleben gekostet, Stichworte: Hexenverfolgungen, Holocaust,… Mobbing scheint da im Vergleich noch harmlos, doch auch das belastet Betroffene sehr, mitunter über das Erträgliche hinaus.

 

 

 

b. Wahldebakel

 

Ein typisches Beispiel für eine Person, die als Sündenbock vorbereitet werden, sind Politiker, die zur Wahl gestellt werden, obwohl die Chancen gering sind und sich eigentlich andere Personen anbieten würden. Diejenigen, die den Sündenböcken die Position überlassen, gehen dann unbeschadeter aus der Wahlschlappe hervor. Es muss sich dabei nicht unbedingt um Unschuldslämmer handeln. Es gibt auch unter solchen Personen Wölfe im Schafspelz. In der Geschichte der meisten Parteien gibt es dafür zahlreiche Beispiele.

 

 

 

c. Ablenkung

 

Wenn sich etwas Unangenehmes nicht von allein beruhigt, wird ein geeigneter Sündenbock gesucht. Der wird nun als Schuldiger vorgeführt, wie ein Bär am Nasenring, wobei heute statt Ring die Medien eingesetzt werden.

Mit entsprechender Wiederholung und Intensität richtet sich die Kritik mehr und mehr auf den Sündenbock. Das eigentliche Problem tritt dabei immer weiter in den Hintergrund.

 

 

 

Vorsorge

 

Die Rolle des Sündenbocks wird zugeschrieben, sonst wäre es ja ein Selbstopfer, ein Martyrium.  Manche Menschen bieten sich eher als Sündenbock an, als andere. Gut, wer frühzeitig erkennt, welche Rolle für ihn vorgesehen ist und wie dem zu begegnen ist. So manche fiese Strategie ist im Nachhinein durchaus offensichtlich. Doch durch entsprechende Manipulation rennen manche Menschen blind in ihr Sündenbockdasein.

Ist beispielsweise eine übertragene Aufgabe nicht mit entsprechendem Einfluss versehen, dann ist Verantwortungsübernahme für ein Scheitern, im Sinne von Schuld, unangemessen. Wer Verantwortung übernehmen soll benötigt dafür auch die erforderlichen Ressourcen, Kompetenzen, Verantwortung und Informationen. Ist das nicht gegeben, hat der Aufgabenträger die Rolle des Sündenbocks. Augen auf! So mancher wurde schon von Aufgaben und Titeln geblendet und dann in die Wüste geschickt.

 

 

 

Passiert: Rollenzuschreibung als Sündenbock

 

Was Sie tun können, wenn Sie den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen?

 

 

a. Zustandsmanagement

 

Werden Sie zum Sündenbock gemacht, ist es wichtig, erst einmal gelassen zu bleiben. Verärgerung ist verständlich, doch reagieren Sie darauf wild, aggressiv und erregt, wird das vom Umfeld oft als Bestätigung betrachtet, den richtigen Sünder vor sich zu haben.

Wer frustriert reagiert, vermittelt ein schlechtes Gewissen, aggressive Reaktionen ebenfalls. Viele Menschen steigen sofort in die Verteidigung ein, auch wenn sie gar keine Schuld trifft. Besser ist es den eigenen Anteil an der Verantwortung zu benennen und zu tragen, darüber hinaus gehende Schuld an die entsprechenden Stellen zu verweisen. Präsentieren Sie sich souverän und sprechen Sie möglichst ruhig und gelassen. Die Körpersprache spielt hier eine sehr große Rolle.

 

 

 

b. Kommunikation

 

Hegen Sie den Verdacht Ihnen sei die Rolle eines Sündenbocks zugesprochen worden, bereiten Sie jedes Gespräch umso sorgfältiger vor. Für den kommunikativen Teil liefern Leute ich wie ich ihren Beitrag, für rechtliche Themen Rechtsanwälte.

 

 

 

c. Dokumentation

 

Trocken und doch hilfreich: Dokumentieren Sie Entscheidungen und Vorgänge sorgfältig, damit Sie es notfalls leichter haben. Sichern Sie Beweise, sonst steht später Wort gegen Wort. Dokumentieren Sie die einzelnen Vorfälle detailliert mit Ort, Datum und möglichen Zeugen. Auch eine Aktennotiz ist besser als nichts. Oft wird allerdings viel zu spät deren Wert erkannt.

Und: Widmen Sie sich regelmäßig der Selbstreflexion. So wissen Sie, ob an Vorwürfen etwas dran ist, ob Sie dazu beitragen können, ihnen zukünftig schon im Vorfeld zu begegnen. Selbst- und Fremdbild sind nun mal oft nicht deckungsgleich, wir haben unsere persönlichen blinden Flecken.

 

 

 

d. Unterstützung

 

Im Coaching haben Sie dafür einen Sparringspartner, um die Perspektiven zu erkunden, Chancen und Risiken zu erkennen und ihnen zu begegnen. Bei rechtlichen Themen hilft ein entsprechender Jurist Ihres Vertrauens. Gut, solche Partner nicht erst im Ernstfall zu kennen.

Fragen Sie mich ruhig persönlich

 

Lassen Sie uns ins direkte Gespräch kommen. Bei Interesse, für Fragen und Terminvereinbarungen erreichen Sie mich persönlich per E-Mail ([email protected]), Telefon 030 / 864 213 68, Mobil 01577 / 704 53 56 und diesem Kontaktformular.

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Karsten Noack

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P.S.

 

Was gilt es zu unterlassen, um sich nicht unnötig als Sündenbock und somit Opfer anzubieten? Welcher Spielraum bleibt, wenn die Rolle vergeben wurde?

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Die Jagd nach dem Sündenbock ist die einfachste. Dwight D. Eisenhower

Glossar

 

In diesem Glossar finden Sie Informationen zu gängigen und nicht so gängigen Begriffen rund um die strategische Rhetorik und Kommunikation. Rhetorik, Marketing und Psychologie ergänzen sich. Wo Glossar und Artikel aufhören, fängt die Arbeit mit mir an. Ich sorge dafür, dass Sie sich und Ihre Botschaft überzeugend präsentieren.

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Coaching Berlin

Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack 30. Oktober 2018
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