Nimmt der Narzissmus in unserer Kultur zu und woran erkennen Sie Narzissten?

33 Hinweise auf eine narzisstische Persönlichkeit
Nimmt der Narzissmus in unserer Kultur zu und woran erkennen Sie Narzissten?

Nimmt der Narzissmus in unserer Kultur zu?

 

Trilian: „Könntest du deinen Egotrip mal kurz unterbrechen? Es ist was Wichtiges passiert.“

Zaphod: „Wenn es irgendwas wichtigeres als mein Ego gibt, verlange ich, dass man es auf der Stelle verhaftet und erschießt.“

Per Anhalter durch die Galaxis

 

Narzissten – Macht, Ruhm, und Anerkennung treibt sie an. Das ist doch nicht zwangsläufig schlecht, oder? Mit diesen Motiven sind schon einige Berge erstiegen worden, die sonst immer noch weiße Flecken auf der Karte wären. Hätte die Welt nicht so viele Menschen mit narzisstischen Tendenzen, dann gäbe es viele Errungenschaften und Rekorde nicht. Es gäbe allerdings auch die vielen Nachteile durch sie nicht. Nach außen wirkt der Narzisst selbstbewusst. Doch so faszinierend Narzissten auf den ersten Blick erscheinen, so egoistisch und gefühlskalt sind sie in Wirklichkeit. Wie es anderen geht, zählt nicht, Rücksicht ist für sie nur Mittel zum Zweck. Allein ihr Selbstmitleid ist grenzenlos. Fehler machen nur die anderen.

Das Phänomen des Narzissmus kommt immer häufiger in die Aufmerksamkeit. Mehr und mehr Menschen machen zunehmend öfter Erfahrungen mit Narzissten verschiedenster Ausprägung. Bei meiner Arbeit ist das ein recht häufiger Aspekt, insbesondere bei der Vorbereitung wichtiger Gespräche und Verhandlungen. Auch in Unternehmen wird nun sorgfältiger auf mögliche Risiken geachtet. Wie steht es wirklich um das Thema? Sind wir nur sensibler dafür geworden oder hat sich hier tatsächlich etwas verändert?

 

 

 

These

 

Meine persönliche These ist, dass grundlegende Veränderungen einen großen Anteil an den zunehmend häufiger beobachtbaren narzisstischen Tendenzen haben. Die klassischen Neurosen, wie beispielsweise die hysterischen Krankheitsbilder, mit hysterischen Dämmerattacken oder Krampfzuständen, sind im Vergleich zur Vergangenheit seltener geworden sind. Auch die Auswirkungen der zu Sigmund Freud’s Zeiten noch so zentralen Unterdrückung der Sexualität hat sich in unserer Kultur deutlich verändert. Somit haben sich auch die daraus resultierenden Themen verschoben. Statt dessen rücken zunehmend Themen durch problematische Selbstwertgefühle in den Vordergrund. Und weil sich das zukünftig eher noch häufiger bemerkbar machen wird, ist es wichtig sich dem Thema und ganz konkret dem Umgang mit Narzissten zu stellen.

 

 

 

Woran lassen sich Narzissten erkennen?

 

Je mehr der folgenden Hinweise zu beobachten sind, desto wahrscheinlicher sind narzisstische Tendenzen vorhanden. Nur bitte nicht übertreiben; jeder hat etwaige Spuren der folgenden Tendenzen.

 

 

33 Hinweise auf eine narzisstische Persönlichkeit:

 

  1. Das zur Schau gestellte Selbstwertgefühl erscheint hinsichtlich der Persönlichkeit, Position und Erfahrung unangemessen.
  2. Narzissten sind berechnend.
    Solange es ihnen einen Vorteil bringt, können sie nett und verbindlich erscheinen. Haben sie ihr Ziel erreicht, ist damit Schluss.
  3. Arrogantes Verhalten von oben herab. Das tief sitzende Bedürfnis nach Überlegenheit mag gut versteckt sein, doch es treibt ihn an. Um diese Überlegenheit zu erreichen, wird er versuchen, dass sein Gegenüber sich unterlegen fühlt. Wer in die Falle tappt, kommt sich neben einem Narzissten ein bisschen kleiner, dümmer, unbedeutender als gewöhnlich vor.
  4. Verletzt andere Menschen ohne geringste Hemmungen oder Reue.
  5. Sehr häufig wird das Bedürfnis geäußert, Einfluss auszuüben und schnellen Erfolg anzustreben.
  6. Erinnert häufiger daran, eine immense Bereicherung für die Welt zu sein.
  7. Schlechter Zuhörer, es sei den es gibt Lobpreisungen seiner Person.
  8. Parasitäres Verhalten in Beziehungen.
  9. Kann alles, weiß alles, …
  10. Narzissten vermeiden alles, was sie daran erinnert, dass sie womöglich nicht immer alles in ihrem Leben unter Kontrolle haben. Deshalb versuchen sie ständig zu demonstrieren, dass sie die Spielregeln aufstellen.
  11. Verschlagenheit, häufige Manipulationsversuche und Kontrolle des Umfelds.
  12. Komplimente werden eingefordert, notfalls mit deutlichem Druck statt sanfterem Fishing for Compliments.
  13. Selbst reich beschenkt, ist es noch unzureichend, was er erhält.
  14. Narzissten erzeugen Druck. Charmant und scheinbar subtil vermitteln sie manipulativ, was sie vom Gegenüber erwarten, und zwar ohne dass darüber noch diskutiert werden könnte.
  15. Die eigene Gegenwart ist ein Geschenk für das Umfeld, die gewöhnlichen Menschen sind eine Zumutung.
  16. Emotionale Themen werden vermieden. Gefühle machen verletzlich und das ist das Letzte, was er sein will. Wenn es zu gefühlsduselig wird, wechselt er schnell das Thema. Narzissten können durchaus die Gefühle und Seelenregungen anderer wahrnehmen. Sie interessieren sich aber nicht wirklich für das Gefühlsleben ihrer Mitmenschen, um diese besser zu verstehen, sondern um sich durch dieses Wissen einen Vorteil zu verschaffen.
  17. Das Beste ist für ihn gerade gut genug. Er lebt auf großem Fuß, selbst wenn die Taschen leer sind.
  18. Strebt Abschlüsse und Titel an, gerne auch Doktortitel aus dem Internet.
  19. Erwartet unbedingte Loyalität, selbst im Unrecht, gewährt selbst aber keine.
  20. Moral ist nur wichtig im Hinblick darauf nicht erwischt zu werden und Narzissten sind sogar stolz darauf, wenn es ihnen gelingt, mit bedenklichem Verhalten durchzukommen.
  21. Ich, ich, ich. Spricht weitgehend nur von sich und den eigenen Plänen.
  22. Redet auf einen ein, statt mit einem.
  23. Kritik wird üppig verteilt, aber selbst nicht angenommen.
  24. Betrachtet Menschen, die sich an Regeln halten, als dumm.
  25. Ausgeprägte Eitelkeit. Narzissten wollen schöner als ihr Umfeld sein, bewundert und makellos sein. Dafür betreiben sie größeren Aufwand, investieren eine ganze Menge dafür. Äußerlichkeiten haben für sie einen besonders hohen Stellenwert.
  26. Mangel an echter Traurigkeit und sonstiger emotionaler Anteilnahme.
  27. Entschuldigungen werden von anderen Personen erwartet und selbst nicht gegeben, denn Fehler machen nur die anderen.
  28. Sie haben die Erwartung, das andere Menschen ihre Bedürfnisse ihnen zugunsten zurückstellen.
  29. Legt sehr großen Wert auf Bewunderung durch andere Menschen.
  30. Neidet anderen vieles und meint, selbst beneidet zu werden. Spieglein, Spieglein an der Wand, keiner ist so toll wie der Narzisst. Um das zu erreichen, setzen Narzissten alles daran, andere in verschiedenen Disziplinen zu übertrumpfen. Ist dann ein Ignorant so frech und respektiert diesen Anspruch nicht, reagiert der Narzisst oft mit Neid und wertet mit Häme und Missgunst den Erfolg anderer Menschen ab.
  31. Eigene Themen sind weit wichtiger als die anderer Personen.
  32. Beschreibungen der Vergangenheit lassen den Narzissten zu gut aussehen.
  33. Mit Macht versehen entpuppt sich der Narzisst als Tyrann.

P.S.

 

Woran erkennen Sie Narzissten?

7 Kommentare

  1. Vor allem Nr. 33 ist sehr typisch.
    Kaum haben sie Einfluss erlangt, werden solche Menschen zu Tyrannen.

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  2. Zeitgeist! Das wird noch zunehmen!

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  3. Sehr leichte Kränkbarkeit.

    Der Narzisst in meinem Leben richtet Äußerungen (die nicht mal kritisierend gemeint waren!!) erst gegen sich selbst und greift dann an, um sich zu verteidigen. Dann ist er durch nichts mehr zu stoppen und macht mich platt – immer in der Haltung, dass er Recht hat, ich mich falsch verhalte und eine Therapie brauche. Mein Partner ist so und ich hasse ihn dafür. Es tritt immer phasenweise auf, je nachdem wie oft er getriggert wurde, bricht der Narzissmus durch. Seine Therapie hat er abgebrochen, weil er ja scheinbar mit allen klarkommt nur mit mir nicht. Das habe ich auch so nebenher erfahren, es gab keine Absprache darüber. In seinen Augen liegt das Problem allein bei mir und gar nicht bei ihm. Seit ich nicht mehr co-narzisstisch schlotternd in der Ecke sitze, wenn er angreift, eskalieren die Auseinandersetzung. Eine Trennung ist unvermeidbar.

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    • Das kenne ich leider auch zur Genüge. Seit 10 Jahren mit so einem Mann verheiratet und nur wegen der Kinder noch immer in dieser Ehe gefangen. Es ist zum Verzweifeln und es macht einen kaputt. Kein Mitgefühl, kein Verständnis, keine Loyalität, keine Anerkennung. Dafür aber immer die Suggestion, msn sei nicht ganz richtig in Kopf, psychisch labil oder habe eben eine typisch weibliche Hormonstörung.

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      • Passen Sie gut auf sich auf! Narzissten sind gut darin anderen Menschen das Gefühl zu geben nicht in Ordnung zu sein.

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    • Kränkbarkeit….. Genau, man braucht nur „Pieps“ sagen und man zieht sich zu tiefst beleidigt zurück, ignoriert und braucht mindestens 1 Woche um sich wieder zu normalisieren. Und dies auch nur wenn man um seine Gnade mehrfach bettelt. Schluss damit!!!!!!

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  4. Vieles kann ich bestätigen und habe lange (13Jahre Ehe mit drei Kindern) unter der komischen „Nicht-Kommunikation“ gelitten und konnte das nicht richtig einordnen. Anfangs mehr unter dem narz. Umfeld, der Familie. Später wurde mir klar, dass ich einer Illusion hinterhergelaufen bin, die niemals in Erfüllung gehen kann. Ich bin in dieser Ehe ein Objekt gewesen, austauschbar und habe versucht Dinge zu klären, die niemals zur Klärung kamen, weil er das gar nicht wollte. Ich bin immer gegen eine Wand gelaufen. Jetzt nach der Trennung bin ich das offizielle Feindbild (aller, ;-)) und kümmere mich um unsere drei Kinder alleine. Er trägt keine Verantwortung und schaltet sich nur ein, wenn es ihm gerade passt. z.b. wenn eine Vereinsfeier ist und er die Kinder plötzlich braucht um sich mit ihnen zu zeigen. Das tut mir echt weh!
    Ich habe es mit einem passiv aggressiven Narzissten zu tun. Das ist subtiler und keiner?! merkt etwas…
    Es ist schwierig, Unterstützung zu finden, die das Ausmaß verstehen, verstehen wollen…

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Umfrageergebnis

 

Personen mit narzistischen Tendenzen

%

... können zur Belastung werden.

%

... kenne ich nicht.

%

... stören mich nicht.

Ergebnis einer nichtrepräsentative Umfrage auf www.karstennoack.de  (2017, n= 1117)

Man kann einen narzisstischen Menschen daran erkennen, dass er äußerst empfindlich auf jede Kritik reagiert. Erich Fromm,

Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack am 17. Mai 2012
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