Antike Redegliederung: Von wegen staubig!

Sich und Ihre Botschaft überzeugend präsentieren
Antike Redegliederung für Reden und Präsentationen - Karsten Noack Coaching & Training Berlin

Zurück zu den Wurzeln

 

Die Griechen und Römer haben die Redekunst gepflegt. Sie hatte ein recht hohes Ansehen in diesen Kulturen. Dass die Glaubwürdigkeit des Redners, also sein Ethos, ein Pfund ist, mit dem er wuchern kann, das ist spätestens seit Aristoteles bekannt. Und auch sonst können wir einiges aus dieser Blütezeit der Rhetorik lernen. Beispielsweise beim Aufbau von zeitgemäßen Reden und Präsentationen.

Redestruktur

 

Die wohl älteste Gliederungsformel für Reden stammt aus der Antike; die antike Redegliederung. Sie eignet sich besonders für umfangreichere Reden. Sie ist wie folgt aufgebaut:

Redeformeln - Karsten Noack Coaching & Training Berlin

1. Wohlwollen gewinnen

 

Das Publikum darauf vorbereiten sich die Sichtweise des Redners überhaupt anzuhören.

 

 

 

2. Ist-Situation beschreiben

 

Ohne Bewertung wird die bisherige Entwicklung und der aktuelle Stand beschrieben. Dadurch werden die Voraussetzungen für die kommenden Schritte vorbereitet.

 

 

 

3. Alternativen zeigen

 

Welche weiteren Möglichkeiten existieren?

 

 

 

4. Begründen der Empfehlungen, Vorteile erörtern

 

Weshalb bevorzugen Sie Ihre Empfehlung?

 

 

 

5. Gegenargumente entkräften

 

Welche Gegenargumente könnte es geben und wie entkräften Sie diese?

 

 

 

6. Zusammenfassen

 

Fassen Sie zusammen und kommen Sie zur Schlussfolgerung.

 

 

 

7. Begeistern

 

Bringen Sie das Publikum in Bewegung.

 

 

 

8. Zum Handeln auffordern

 

Was soll das Publikum nun tun?

 

 

 

 

Anmerkung

 

Die Schritte 6. bis 8. werden in der klassischen Form als Schlussfolgerung (conclusio) bezeichnet.

Mehr?

 

Sie wünschen noch etwas mehr Hintergundwissen zur antiken Redekunst? Gut! Hier ein paar Stichpunkte:

 

 

 

Antike Redegattungen

 

Es werden in der antiken Redekunst drei Formen der Rede nach ihren möglichen Wirkungen beim Publikum unterschieden:

 

 

 

1. Gelegenheitsrede

 

Die Gelegenheits- oder auch Festrede (genus demonstrativem) lobt oder (seltener) tadelt eine Person. Im Fokus steht die Gegenwart.

 

 

 

2. Beratende Rede

 

Die beratende Rede, politische Rede oder auch Staatsrede (genus deliberativum) beschäftigt sich mit dem pro und contra eines Themas. Sie wird in einer Versammlung beziehungsweise im Gerichtssaal gehalten, um eine Entscheidung herbeizuführen. In ihrem Fokus steht die Zukunft.

 

 

 

 

3. Gerichtsrede

 

Die Gerichtsrede (genus iudicale) wird auf der einen Seite zur Anklage und auf der anderen Seite zur Verteidigung eingesetzt. Im Fokus einer Gerichtsrede steht vergangenes Handeln.

 

 

 

 

Arbeitsphasen der antiken Redekunst

 

Arbeitsschritte des Redners (officia oratoris):

 

 

1. Auffinden der Hauptgesichtspunkte (inventio)

 

In der Phase der inventio sammelt der Redner die zum Redeanlass gehörenden Gedanken. Um die wichtigen Aspekte eines Themas zu erkennen, kann er sich der Fragemethode der Topik bedienen. Das systematisierte Frageraster der Topik ähnelt den 6 W-Fragen (Wer, wie, wo, was, warum, wann). So sammelt der Redner zunächst sogenannte Allgemeinplätze (griechisch Topoi und lateinisch loci).

 

 

 

2. Stoffgliederung (dispositio)

 

Im zweiten Schritt der Redeerstellung, der dispositio, werden die gefundenen Argumente in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht. Eine gute Rede hat einen klaren Aufbau mit einer Struktur, so dass das Publikum leicht folgen kann. Wenn die Argumente und Informationen willkürlich über die ganze Rede verteilt sind, steigt das Publikum aus.

 

 

 

3. Sprachliche Gestaltung (elocutio)

 

Hier geht es um die sprachliche Ausformulierung. In diesem dritten Schritt dreht sich alles um den passenden Stil (aptum). Welchen und wie viel Redeschmuck verwende ich? In welcher Stilebene möchte ich sprechen, welche passt zu meinem Publikum und zum Thema meines Textes? Diese Fragen stellt sich der Redner. Er kann sich wiederum an bestimmten Regeln orientieren, die bestimmen, welcher Stil der angemessene ist.

 

 

 

4. Auswendiglernen (memoria)

 

Vorgelesene Reden haben in der Regel keine besondere Wirkung. Zumal wenige Menschen gute Vorleser sind. Deshalb geht es an das Auswendiglernen der Rede. Als klassische Methode werden zwei Techniken kombiniert; die LOCI-Technik und als vertiefendes Hilfsmittel selbsterschaffene Gedächtnisbilder als Anker (Imagines).

Heute setze ich in der Redevorbereitung eher auf das Einprägen, das Verinnerlichen einer Rede, als auf das wortwörtliche Auswendiglernen. Wobei auch hier die genannten Techniken sehr hilfreich sind.

 

 

 

5. Vortrag (pronuntiatio, actio)

 

Die actio oder pronuntiatio, das Präsentieren der Rede vor Publikum, bildete bei all diesen Schritten das wesentliche Ziel des Redners. Dabei spricht er nicht nur mit der Stimme, die er laut, leise, schnell, langsam, den Umständen angemessen zu gebrauchen weiß. Auch die nonverbale Seite der Kommunikation mit dem Publikum ist in die Kunst des Vortragens mit einzubeziehen. Dazu zählen beispielsweise die Körpersprache, aber auch das Zeigen von Bildmaterial und das Präsentieren von Zeugen.

 

 

 

 

 

Redebereiche in der antiken Rede

 

In der antiken Rhetorik werden verschiedene Redebereiche (partes orationis) unterschieden:

 

 

1. Die Einleitung

 

Eine Rede sollte dieser Theorie nach mit der Einleitung (exordium) beginnen, die auf die Einstimmung des Zuhörers abzielt.

Im ersten Teil der Rede, dem (exordium), soll zunächst die Aufmerksamkeit der Zuhörer und deren Wohlwollen erweckt werden (attentum parare und capatio benevolentiae). Zugleich bereitet das exordium das Publikum in geeigneter Weise auf den restlichen Vortrag vor. Das kann durch einen direkten Einstieg (principum) oder, wenn das Thema brisant ist, durch einen indirekten Einstieg in die Rede (insinuatio) geschehen.
Obwohl sie am Anfang der Rede steht wird empfohlen, die Einleitung als letzte zu formulieren, um das Publikum bestmöglich auf den späteren Inhalt vorzubereiten.

 

 

 

2. Der Sachverhalt

 

Weitergeführt wird die Rede mit der Darlegung des Sachverhaltes. Dieser Redeteil wird auch narratio genannt. Der Redner hat die Aufgabe, die Sachlage zu erörtern, wobei bereits hier die eigene Partei in ein möglichst gutes Licht gerückt wird. Um der Gefahr zu entgehen Langeweile (taedium) beim Publikum hervorzurufen, soll sich die narratio durch Kürze (brevitas) und Klarheit (perspicuitas) auszeichnen.

 

 

 

3. Die Argumentation

 

D
ie Einführung in die Argumente (Division).

 

 

 

4. Die Beweisführung

 

Die Beweisführung, also der Beweis der eigenen Argumente (confirmatio).

 

 

 

5. Die Entkräftung von Einwänden

 

Die Widerlegung der gegnerischen Argumente (confutatio).

 

 

 

6. Die Schlussfolgerung

 

Der Abschluss der Rede (conclusio). Im anfänglichen Beispiel in drei Schritte unterteilt:

  • Zusammenfassen
  • Begeisterung steigern
  • Handlungsaufforderung

 

 

 

 

Stilarten in der antiken Rede (genera dicendi)

 

Unterscheidung:

  • Schlichter Stil (genus subtile)
  • Mittlerer gemischter Stil (genus Medium, mixtum)
  • Erhabener Stil (genus grande, sublime)

 

 

 

 

Qualitäten

 

Wert wurde auf die folgenden Stilqualitäten (virtutes dicendi) gelegt:

 

  • Sprachrichtigkeit (lavinias)
  • Deutlichkeit (perspicuitas)
  • Angemessenheit (abtun, accommodatum)
  • Redeschmuck (ornates)
  • Kürze (brevitas)

 

 

 

 

Mehr für die Praxis?

 

Genug Theorie? Mehr zum praktischen Einsatz antiker Redekunst erfahren Sie im Kurs Rhetorik & Präsentation III. Und das ganz ohne Altgriechisch und Latein.

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