Die Welt braucht Helden? Mut, Verantwortung und Zivilcourage

Die Welt braucht Heldinnen und Helden – oder einfach mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen

Die Welt braucht Helden? Mut, Verantwortung und Zivilcourage
Wir sind hier, weil die Welt Helden und Heldinnen braucht!

Die Welt braucht Heldinnen und Helden – oder einfach mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen

 

„We are here because the world needs heroes.“

Diesen Satz sagte vor vielen Jahren ein Teilnehmer in einem meiner Workshops.

Ich hatte die Gruppe gefragt:

„Warum möchtet ihr noch besser kommunizieren und präsentieren können?“

Seine Antwort war ungewöhnlich.

Und sie ist mir im Gedächtnis geblieben.

Denn der Mann wollte keineswegs selbst im Rampenlicht stehen.

Er wollte etwas bewirken.

Er investierte Zeit, Geld und Energie in Projekte, von denen andere profitieren sollten.

Für ihn bedeutete der Satz:

Die Welt braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Diese Formulierung gefällt mir heute sogar noch besser.

 

 

 

Was brauchen wir wirklich: Helden oder verantwortungsvolle Menschen?

 

Der Begriff „Held“ ist schwierig.

Er kann stehen für:

  • Mut
  • Verantwortung
  • Zivilcourage
  • Einsatz für andere

Er kann ebenso verbunden sein mit:

  • Selbstüberhöhung
  • Opferkult
  • Propaganda
  • der Vorstellung vom einsamen Retter

Deshalb interessiert mich weniger:

Wer verdient die Bezeichnung Held?

Interessanter ist:

Wer übernimmt Verantwortung, wenn es darauf ankommt?

→ Helden: Brauchen wir sie oder kann das weg?

 

 

 

Heldentum beginnt selten spektakulär

 

Bei Heldinnen und Helden denken wir schnell an außergewöhnliche Situationen.

An Menschen, die:

  • Leben retten
  • sich gegen Unrecht stellen
  • außergewöhnliche Risiken eingehen

Solche Situationen gibt es.

Doch Verantwortung beginnt häufig deutlich unspektakulärer.

Zum Beispiel:

  • eine unangenehme Wahrheit aussprechen
  • einem Menschen beistehen, der unfair behandelt wird
  • einen Fehler eingestehen
  • Widerspruch äußern, obwohl Zustimmung angenehmer wäre
  • eine notwendige Entscheidung treffen
  • etwas beitragen, ohne dafür Applaus zu erwarten

Vielleicht brauchen wir deshalb weniger Menschen, die:

Helden sein wollen.

Und mehr Menschen, die:

bereit sind zu handeln, wenn ihr Beitrag gebraucht wird.

 

 

 

Mut bedeutet nicht, sicher zu sein, dass du recht hast

 

Auch das gehört für mich zu einem zeitgemäßen Verständnis von Mut.

Wer von einer Sache vollkommen überzeugt ist, kann:

mutig handeln.

Er kann sich trotzdem:

irren.

Eine starke moralische Überzeugung macht eine Handlung nicht automatisch richtig.

Deshalb gehören zu verantwortungsvollem Mut:

  • Werte
  • Nachdenken
  • Perspektivwechsel
  • Bereitschaft zur Korrektur

Mut ohne Reflexion kann gefährlich werden.

Das zeigt gerade die Geschichte immer wieder.

 

 

 

Moralischer Mut hat häufig einen Preis

 

Moralischer Mut wird besonders dort sichtbar, wo eine Person für eine Überzeugung einsteht und dabei mit persönlichen Nachteilen rechnen muss.

Das können sein:

  • soziale Ablehnung
  • berufliche Nachteile
  • Statusverlust
  • Konflikte

Deshalb ist es leicht zu sagen:

„Da müsste doch jemand etwas tun.“

Schwieriger ist:

selbst die Person zu sein, die etwas tut.

Gerade darum verdienen solche Entscheidungen sorgfältige Vorbereitung.

Denn Mut bedeutet nicht:

möglichst impulsiv zu handeln.

Mut und Besonnenheit können sehr gut zusammengehören.

 

 

 

Zivilcourage braucht keine Selbstinszenierung

 

Menschen, die Verantwortung übernehmen, sehen sich selbst häufig gar nicht als Heldin oder Held.

Vielleicht sagen sie:

„Es musste doch jemand etwas tun.“

Das gefällt mir.

Denn sobald die eigene Heldenrolle wichtiger wird als die Sache, entsteht ein Risiko.

Dann geht es möglicherweise zunehmend um:

  • Aufmerksamkeit
  • moralische Überlegenheit
  • Selbstinszenierung

und weniger um:

die tatsächliche Wirkung.

Wer verantwortlich handelt, braucht nicht zwingend ein Publikum.

 

 

 

Werte geben Richtung – sie ersetzen keine Prüfung

 

Werte können Orientierung geben.

Zum Beispiel:

  • Gerechtigkeit
  • Freiheit
  • Verantwortung
  • Respekt
  • Integrität

Doch auch Menschen mit gegensätzlichen Positionen können sich:

auf dieselben Werte berufen.

Deshalb reicht die Aussage:

„Ich tue das aus Überzeugung.“

noch nicht.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Welche Folgen hat mein Handeln?
  • Welche Rechte anderer sind betroffen?
  • Welche Informationen könnten mir fehlen?
  • Welche andere Perspektive verdient Beachtung?
  • Sind die Mittel mit meinen eigenen Werten vereinbar?

→ Persönliche Werte: Was wirklich zählt und Entscheidungen bestimmt

 

 

 

Die Welt verbessern beginnt im eigenen Einflussbereich

 

Auf die Welt zu schimpfen ist leicht.

Es gibt schließlich genügend Anlass.

Schwieriger ist die Frage:

„Was kann ich selbst sinnvoll beitragen?“

Nicht:

„Wie rette ich die Welt?“

Sondern beispielsweise:

  • Wo habe ich tatsächlich Einfluss?
  • Welche Verantwortung gehört zu meiner Rolle?
  • Welchen konkreten nächsten Schritt kann ich gehen?

Das schützt auch vor einer gefährlichen Vorstellung:

für alles verantwortlich zu sein.

Du bist nicht für jedes Problem dieser Welt zuständig.

Doch dort, wo du Einfluss und Verantwortung hast, lohnt sich die Frage:

Was mache ich daraus?

 

 

 

Kleine Beiträge sind nicht automatisch unbedeutend

 

Wir vergleichen unseren eigenen Beitrag schnell mit:

dem gesamten Problem.

Dann wirkt fast alles klein.

Eine bessere Bezugsgröße ist:

die konkrete Situation, die du beeinflussen kannst.

Vielleicht kannst du:

  • einen Menschen unterstützen
  • eine bessere Entscheidung ermöglichen
  • eine Fehlentwicklung früh ansprechen
  • eine Initiative unterstützen
  • deine Kompetenz sinnvoll einsetzen

Das löst nicht jedes Problem.

Es kann trotzdem:

einen relevanten Unterschied machen.

 

 

 

Auch berufliche Fähigkeiten können einem größeren Zweck dienen

 

Das war der interessante Punkt in dem Workshop, an den ich mich bis heute erinnere.

Der Teilnehmer wollte:

besser sprechen.

Nicht weil er besonders bewundert werden wollte.

Er wollte seine Anliegen:

wirksamer vertreten.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Rhetorik, Präsentationsfähigkeit, Verhandlungskompetenz und Führung sind zunächst:

Werkzeuge.

Ihre Qualität entscheidet sich nicht allein daran, wie wirkungsvoll sie sind.

Sondern auch daran:

wofür sie eingesetzt werden.

 

 

 

Gute Absichten reichen ebenfalls nicht

 

Auch das gehört dazu.

Etwas gut zu meinen garantiert nicht:

eine gute Wirkung.

Wer etwas verändern möchte, braucht deshalb neben Haltung häufig:

  • Kompetenz
  • Kenntnis der Zusammenhänge
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Geduld
  • Bereitschaft zu lernen

Der Wunsch, Gutes zu tun, verdient Respekt.

Die Umsetzung verdient:

Sorgfalt.

 

 

 

Verantwortung in Organisationen

 

Auch Unternehmen und andere Organisationen brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Besonders dann, wenn:

  • eine Entscheidung auf falschen Annahmen beruht
  • ein Risiko unterschätzt wird
  • kritische Informationen fehlen
  • eine Entwicklung aus dem Ruder läuft

Dann kann ein Satz wichtig werden:

„Ich sehe das anders.“

Oder:

„Hier sollten wir noch einmal genauer hinschauen.“

Das ist selten filmreif.

Für die Qualität einer Organisation kann es trotzdem:

entscheidend sein.

 

 

 

Führungskräfte brauchen keine Heldenkultur

 

Eine Organisation sollte möglichst nicht darauf angewiesen sein, dass einzelne Menschen:

heroisch Probleme retten.

Wenn Risiken regelmäßig erst eskalieren müssen, bevor jemand sie spektakulär löst, stimmt möglicherweise:

etwas am System nicht.

Stärker sind Organisationen, in denen Probleme:

  • früh sichtbar werden
  • angesprochen werden dürfen
  • verantwortlich bearbeitet werden

Der stille Hinweis zur richtigen Zeit kann wertvoller sein als:

die spätere Heldentat in der Krise.

→ Warum Führungskräfte wichtige Informationen zu spät erfahren

 

 

 

Mut lässt sich unterstützen

 

Mut ist keine feste Eigenschaft, die jemand entweder besitzt oder nicht.

Situationen unterscheiden sich.

Auch Rahmenbedingungen unterscheiden sich.

Hilfreich können sein:

  • klare Werte
  • gute Vorbereitung
  • soziale Unterstützung
  • Kenntnis der Handlungsmöglichkeiten
  • eine realistische Einschätzung von Risiken

Das gilt besonders dann, wenn eine Entscheidung:

persönliche Konsequenzen haben kann.

Mut bedeutet deshalb nicht, keine Angst oder Zweifel zu haben.

Es bedeutet eher:

trotz Unsicherheit verantwortlich handlungsfähig zu bleiben.

 

 

Sieben Fragen, wenn du etwas verändern möchtest

 

  1. Was genau möchte ich verändern?
  2. Warum ist mir das wichtig?
  3. Welche Werte sind berührt?
  4. Was weiß ich und was vermute ich?
  5. Welche Konsequenzen kann mein Handeln haben?
  6. Was liegt tatsächlich in meinem Einflussbereich?
  7. Welcher nächste Schritt ist angemessen?

Diese Fragen machen keine Entscheidung automatisch leicht.

Sie helfen jedoch dabei:

Haltung in verantwortliches Handeln zu übersetzen.

 

 

 

Wenn du deine Stimme für etwas Wichtiges einsetzen willst

 

Vielleicht weißt du bereits:

wofür du dich einsetzen möchtest.

Und die Herausforderung lautet:

Wie werde ich damit gehört?

Dann können wir beispielsweise arbeiten an:

  • Klarheit der Position
  • Argumentation
  • Gesprächen
  • Präsentationen
  • kritischen Fragen
  • Auftreten unter Druck

Das Ziel ist nicht:

dich größer erscheinen zu lassen.

Das Ziel ist:

dein Anliegen so klar und glaubwürdig zu vertreten, wie es ihm angemessen ist.

 

 

 

Welcher berufliche Rahmen passt?

 

Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.

Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Kommunikation, Positionierung, schwierige Gespräche oder wiederkehrende berufliche Situationen geht.

Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.

Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.

→ Executive Sparring

→ Business 1:1

 

 

 

Fazit: Die Welt braucht weniger Heldenposen und mehr Verantwortung

 

Der Satz aus meinem damaligen Workshop ist mir geblieben:

„We are here because the world needs heroes.“

Heute würde ich ihn vielleicht ergänzen.

Die Welt braucht Menschen, die:

  • Verantwortung übernehmen
  • ihre Fähigkeiten sinnvoll einsetzen
  • Widerspruch aushalten
  • eigene Überzeugungen prüfen
  • handeln, wenn ihr Beitrag gebraucht wird

Ob wir solche Menschen anschließend:

Heldinnen und Helden

nennen, ist für mich weniger wichtig.

Entscheidend ist:

was sie tatsächlich beitragen.

Vielleicht beginnt Heldentum deshalb nicht mit der Frage:

„Wie kann ich die Welt retten?“

Sondern mit:

„Wo kann ich heute verantwortlich einen Unterschied machen?“

P.S.​

 

Wie steht es mit Fragen oder Kommentaren dazu?

Artikel zum Thema Heldinnen und Helden

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2017
Überarbeitung: 02. Mai 2026

Was macht einen Menschen zum Helden? Mut und Verantwortung

Was macht einen Menschen zum Helden?

Mut und Verantwortung
Definition Held

Was macht einen Menschen zum Helden? Über Mut, Haltung und Verantwortung

 

Bei Helden denken wir schnell an außergewöhnliche Menschen.

Menschen, die andere retten.

Große Risiken eingehen.

Geschichte schreiben.

Oder wenigstens einen Umhang tragen.

Dabei zeigt sich etwas, das ich viel interessanter finde, häufig sehr viel unspektakulärer.

Jemand sagt etwas, obwohl Schweigen bequemer wäre.

Jemand übernimmt Verantwortung, obwohl sich Schuld leichter weiterreichen ließe.

Jemand schützt einen anderen Menschen, obwohl das Nachteile bringen könnte.

Jemand bleibt seinen Werten treu, obwohl Anpassung gerade einfacher wäre.

Vielleicht brauchen wir deshalb eine andere Vorstellung von Heldentum.

Weniger Größe.

Mehr Haltung.

 

 

 

Was ist ein Held?

 

Traditionell verstehen wir unter einem Helden einen Menschen, der Außergewöhnliches leistet.

Dazu gehören häufig:

Mut,

Einsatzbereitschaft,

Opferbereitschaft,

besondere Fähigkeiten

oder der Einsatz für andere.

Das ist eine mögliche Definition.

Mich interessiert eine andere Frage stärker:

Welche Eigenschaften machen einen Menschen für uns bewundernswert?

Denn außergewöhnliche Leistungen allein reichen kaum.

Auch rücksichtslose Menschen können mutig sein.

Auch Fanatiker können Opfer bringen.

Auch Menschen mit fragwürdigen Zielen können Außergewöhnliches leisten.

Deshalb braucht Heldentum für mich mehr als Mut.

Es braucht Werte und Verantwortung.

 

 

 

Mut allein macht noch keinen Helden

 

Mut ist eine bemerkenswerte Eigenschaft.

Doch entscheidend ist:

Wofür wird er eingesetzt?

Jemand kann mutig für Menschen eintreten.

Oder mutig Menschen schaden.

Jemand kann große persönliche Risiken eingehen, um Freiheit zu schützen.

Oder Risiken eingehen, um Macht zu gewinnen.

Deshalb gehört zu zeitgemäßem Heldentum für mich eine Verbindung:

Mut + Menschlichkeit + Verantwortung.

Erst die Richtung gibt dem Mut seine Bedeutung.

 

 

 

Der Zweck heiligt die Mittel?

 

Gerade Menschen, die von einer Sache vollkommen überzeugt sind, geraten leicht in eine gefährliche Versuchung:

„Mein Ziel ist so wichtig, dass meine Mittel gerechtfertigt sind.“

Genau hier braucht es Haltung.

Wer für Werte eintritt und dabei seine eigenen Werte über Bord wirft, hat ein Problem.

Deshalb gehört für mich zu glaubwürdigem Engagement:

Der Weg sollte zu dem passen, wofür wir angeblich stehen.

Wer Respekt fordert, sollte respektvoll handeln.

Wer Freiheit verteidigt, sollte Freiheit achten.

Wer Menschlichkeit verlangt, sollte Menschen menschlich behandeln.

Das klingt selbstverständlich.

In Konflikten wird es anspruchsvoll.

 

 

 

Helden brauchen keinen Applaus

 

Ein weiterer Punkt ist mir wichtig:

Heldentum und Berühmtheit sind zwei verschiedene Dinge.

Berühmtheit braucht Aufmerksamkeit.

Verantwortung braucht sie manchmal überhaupt nicht.

Viele bemerkenswerte Entscheidungen geschehen, ohne dass später jemand davon erfährt.

Ein Mensch widerspricht einer unfairen Entscheidung.

Eine Führungskraft übernimmt Verantwortung für einen Fehler ihres Teams.

Jemand schützt eine Kollegin vor einer Grenzüberschreitung.

Ein Mensch beendet eine Dynamik, die anderen schadet.

Kein Publikum.

Keine Kamera.

Kein Applaus.

Und trotzdem kann genau dort etwas Bedeutendes geschehen.

 

 

 

Die kleinen Formen von Mut

 

Wir überschätzen leicht den spektakulären Mut.

Und unterschätzen den alltäglichen.

Es braucht Mut:

eine unbequeme Wahrheit anzusprechen,

eine eigene Fehlentscheidung zuzugeben,

eine Grenze zu setzen,

eine Meinung zu ändern,

um Hilfe zu bitten,

jemandem zu widersprechen, den wir bewundern,

oder eine Position zu vertreten, wenn die Mehrheit anders denkt.

Keine dieser Situationen taugt automatisch für einen Kinofilm.

Für das eigene Leben können sie entscheidend sein.

 

 

 

Heldentum beginnt häufig mit einer Entscheidung

 

Menschen wissen selten morgens:

„Heute werde ich ein Held.“

Meist entsteht eine Situation.

Und plötzlich muss jemand entscheiden.

Sage ich etwas?

Greife ich ein?

Übernehme ich Verantwortung?

Bleibe ich bei meiner Haltung?

Oder mache ich es mir leichter?

Die Entscheidung kann wenige Sekunden dauern.

Ihre Bedeutung zeigt sich manchmal erst später.

Deshalb interessiert mich weniger die Frage:

„Bin ich ein mutiger Mensch?“

Interessanter finde ich:

„Was tue ich, wenn Mut gefragt ist?“

 

 

 

Haltung zeigt sich unter Druck

 

Es ist leicht, Werte zu vertreten, solange sie nichts kosten.

Fairness ist angenehm, solange sie dem eigenen Interesse entspricht.

Loyalität ist einfach, solange kein Konflikt entsteht.

Aufrichtigkeit ist bequem, solange die Wahrheit keine unangenehmen Folgen hat.

Interessant wird es dort, wo Werte einen Preis bekommen.

Dann zeigt sich Haltung.

Das bedeutet keineswegs, dass ein guter Mensch immer kämpfen muss.

Manchmal besteht Mut darin, zu widersprechen.

Manchmal darin, einen Konflikt zu verlassen.

Manchmal darin, Unterstützung zu holen.

Manchmal darin, eine Entscheidung zu korrigieren.

Mut braucht Urteilskraft.

 

 

 

Verantwortung statt Heldenshow

 

Mich überzeugt ein Heldentum wenig, das ständig beweisen muss, wie heldenhaft es ist.

Wer Verantwortung übernimmt, richtet seine Aufmerksamkeit stärker auf die Aufgabe.

Was braucht die Situation?

Wem kann ich helfen?

Was kann ich beeinflussen?

Was ist mein Anteil?

Welche Konsequenzen hat mein Handeln?

Damit verschiebt sich die Perspektive.

Weg von:

„Wie wirke ich?“

Hin zu:

„Was ist jetzt angemessen?“

Das ist für mich eine sehr erwachsene Form von Mut.

 

 

 

Auch Führung braucht diesen Mut

 

Besonders sichtbar wird das bei Menschen mit Verantwortung.

Eine Führungskraft kann versuchen, jederzeit stark und unfehlbar zu wirken.

Oder sie kann sagen:

„Diese Entscheidung war falsch. Ich korrigiere sie.“

Das zweite verlangt häufig mehr innere Stärke.

Führung zeigt sich auch darin:

Orientierung zu geben,

unangenehme Entwicklungen anzusprechen,

Menschen zu schützen,

Konsequenzen zu übernehmen,

Widerspruch auszuhalten

und Entscheidungen zu treffen, deren Nutzen vielleicht erst später sichtbar wird.

Das ist weniger spektakulär als die klassische Heldengeschichte.

Für Organisationen kann es erheblich wichtiger sein.

 

 

 

Heldenverehrung hat Risiken

 

Gerade deshalb bin ich bei Heldenverehrung vorsichtig.

Wenn wir Menschen zu übergroßen Figuren machen, geschieht etwas Merkwürdiges.

Wir übersehen ihre Fehler.

Wir rechtfertigen ihr Verhalten.

Wir delegieren Verantwortung.

Und manchmal beginnen Menschen selbst zu glauben, für sie würden andere Regeln gelten.

Ein Vorbild darf menschlich bleiben.

Vielleicht sollte es das sogar.

Denn ein Mensch, der zweifelt, Fehler macht, lernt und trotzdem Verantwortung übernimmt, kann uns mehr lehren als eine makellose Figur auf einem Sockel.

 

 

 

Du brauchst keinen Heldenstatus

 

Das ist vielleicht die angenehmste Nachricht.

Du musst keineswegs außergewöhnlich sein.

Du musst keine Welt retten.

Du brauchst keinen Titel.

Und niemand muss später eine Statue von dir aufstellen.

Es reicht, in wichtigen Momenten möglichst klar zu entscheiden:

Wofür möchte ich stehen?

Was ist hier angemessen?

Welche Verantwortung habe ich?

Welchen Preis bin ich bereit dafür zu tragen?

Das kann schon anspruchsvoll genug sein.

 

 

 

Der Haltungs-Kompass

 

Wenn du vor einer schwierigen Entscheidung stehst, können fünf Fragen helfen.

 

1. Worum geht es hier wirklich?

Was liegt unter dem offensichtlichen Konflikt?

 

2. Welche Werte sind betroffen?

Was möchtest du schützen?

 

3. Wer trägt die Folgen deiner Entscheidung?

Betrachte mehr als das eigene Interesse.

 

4. Passen deine Mittel zu deinen Werten?

Wie du handelst, gehört zur Entscheidung.

 

5. Welche Entscheidung möchtest du später noch vertreten können?

Diese Frage schafft manchmal erstaunliche Klarheit.

 

 

 

Vorbilder statt Übermenschen

 

Vielleicht brauchen wir weniger Heldenverehrung.

Und mehr gute Vorbilder.

Menschen, die zeigen:

So kann Verantwortung aussehen.

So kann jemand mit einem Fehler umgehen.

So kann jemand Haltung bewahren.

So kann jemand widersprechen.

So kann jemand Macht verantwortungsvoll einsetzen.

So kann jemand für andere eintreten.

Vorbilder machen uns kleiner, wenn wir sie auf unerreichbare Sockel stellen.

Gute Vorbilder können etwas anderes bewirken:

Sie erinnern uns daran, was auch uns möglich ist.

 

 

 

Was für mich zeitgemäße Helden ausmacht

 

Wenn ich den Begriff verwenden möchte, gehören für mich einige Eigenschaften dazu:

Sie übernehmen Verantwortung.

Auch dort, wo Wegsehen bequemer wäre.

Sie schützen grundlegende Werte.

Und achten darauf, dass ihre Mittel dazu passen.

Sie stellen die Aufgabe über die Selbstdarstellung.

Aufmerksamkeit ist Werkzeug, weniger Ziel.

Sie bleiben menschlich.

Sie kennen Zweifel, Fehler und Grenzen.

Sie handeln.

Denn Werte, die ausschließlich gedacht werden, verändern wenig.

Und vielleicht am wichtigsten:

Sie brauchen den Titel „Held“ überhaupt nicht.

 

 

 

Heldentum ohne Publikum

 

Vielleicht finden die wichtigsten Formen von Heldentum genau dort statt, wo niemand zuschaut.

Ein Vater entschuldigt sich bei seinem Kind.

Eine Mitarbeiterin widerspricht einer unfairen Behandlung.

Ein Unternehmer trifft eine Entscheidung, die kurzfristig Geld kostet und langfristig seinen Werten entspricht.

Jemand beendet eine Beziehung, in der Würde und Respekt verloren gegangen sind.

Ein Mensch bittet um Hilfe.

Jemand steht wieder auf.

Von außen sieht manches davon klein aus.

Für den Menschen selbst kann es ein Wendepunkt sein.

 

 

 

Fazit: Wir brauchen weniger Heldenposen und mehr Haltung

 

Brauchen wir Helden?

Vielleicht.

Vielleicht brauchen wir vor allem Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Menschen, die ihre Werte auch dann ernst nehmen, wenn es unbequem wird.

Menschen, die Macht mit Verantwortung verbinden.

Menschen, die für andere eintreten.

Menschen, die Fehler korrigieren.

Menschen, die dort handeln, wo sie tatsächlich etwas bewirken können.

Das braucht keinen Umhang.

Keine Superkräfte.

Und häufig keinen Applaus.

Es braucht etwas viel Alltäglicheres und gleichzeitig Anspruchsvolleres:

Mut, Menschlichkeit und die Bereitschaft, in entscheidenden Momenten Haltung zu zeigen.

  •  

2. Ich würde gerne einen Beitrag zu einer lebenswerten Welt leisten.

%

Stimmt, ich weiß nur nicht wie.

%

Stimmt, mache ich auch!

%

Nein

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2018, n= 946)

P.S.​

 

Wie steht es mit Fragen oder Kommentaren dazu?

Artikel zum Thema Heldinnen und Helden

Grenzsituationen meistern: Klar bleiben und handlungsfähig entscheiden

Grenzsituationen erschüttern Gewissheiten. Erfahre, wie du unter Unsicherheit klarer denkst, Prioritäten findest und tragfähige Entscheidungen triffst.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 31. Januar 2017
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Englische Version:
AN: #43328
K: CNB
Ü:

Reden können die Welt verändern: Wer gehört wird wirft weder Torten noch Steine.

Reden können die Welt verändern: Wer gehört wird, wirft weder Torten noch Steine.

Gedanken zu einem Interview, dass ich dem RTL-Nachtjournal am 2. Juni 2016 gab

Was soll das mit dem Tortenwurf?

Überblick

 

 

 

 

Von Torten, Steine und faulen Eiern

 

9:40 Uhr, kurz bevor ich einen Termin mit dem ersten Klienten habe. RTL möchte mich zu den zunehmenden Farbbeutel-, Stein- und Tortenwürfen befragen. Gleich nach meinen Sitzungen treffe ich mich mit dem RTL-Team. Ich bin neugierig, was mir dazu einfällt. Ganz im Sinne der improRhetorik™ biete ich meine Sichtweise an. Hier folgt sie:

 

 

 

Gewalt statt Rhetorik?

 

Gewalt ist die Waffe des Schwachen.

Mahatma Gandhi

 

Tortenwurf: Für den einen ist es begrüßenswerte Aktionskunst, für den anderen eine nicht akzeptable Form des Terrors. Wurfattacken als Mittel des Ausdrucks? Wobei ja stellvertretend auch gefährlichere Gegenstände geworfen werden.

Arbeitsthese zum Mechanismus: Wenn Menschen sich in die Ecke gedrängt fühlen entlädt sich das leider mitunter in ohnmächtiger Gewalt. Und das in Abstufungen; ob verbale Entgleisung, Ei, Farbbeutel, Torte, Stein oder Schuhe wie 2008 bei George H. W. Bush. Mal geht es mehr um die Verletzung, mal mehr um die Symbolik; Gewalt ist es so oder so, denn es verletzt.

Missgeleitet: Einen Flüchtling wegen einer missbilligten Politik anzugreifen oder jemanden wegen seiner politischen Meinung; es gibt respektvollere Wege sich zu engagieren. Wer hat das Recht, Gewalt gegen Menschen auszuüben? So mancher Ankläger ist nicht besser als der von ihm Beklagte.

Gewalt ist dann das Problem, als dessen Lösung sie sich ausgibt. Isaac Asimov meinte, Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Allerdings gibt es uns Hinweise darauf, was präventiv möglich ist; zuhören! Und das frühzeitig, anstatt Sorgen zu tabuisieren.

 

 

 

Woher kommt das?

 

Wer meint, im Grunde keinen Einfluss nehmen zu können, kommt auf blöde Ideen. Er ist dann auch bereit, selbst grundsätzliche Werte zu verletzen. So jemand meint dann, der Zweck heilige die Mittel und verletzt deshalb dabei bewusst anerkannte Werte. Meint, nur so die sonst ungewürdigte Botschaft hörbar zu machen.

 

 

 

Ist das ein neuer Trend?

 

Solche Aktionen sind nicht neu. Allerdings hat sich die Hemmschwelle in einem breiten Teil der Bevölkerung deutlich gesenkt. Auch bei Menschen, von denen es die wenigsten erwartet haben. Vermutlich haben daran verschiedene Entwicklungen ihren Anteil. Im Internet herrscht durch eine gewisse Anonymität oft ein barscherer Ton. Vielleicht hat das Auswirkung auf die Bereitschaft, sich auch im echten Leben weniger zurückzuhalten. Außerdem ist die Anzahl der Plattformen für die Meinungskundgabe durch das Internet inflationär gestiegen. Jeder kann sich darstellen, kann seine eigene Bühne nutzen. Allerdings hört in der Regel so gut wie niemand zu, denn die Masse ist damit beschäftigt ihre eigene Plattform zu befeuern. Das frustriert! Zahlreiche Politiker haben gerade in der letzten Zeit recht rücksichtslos ihnen unerwünschte Kommentare mit extremen Wertungen gebrandmarkt. Es wurden auch hier Grenzen der fairen Auseinandersetzung überschritten. Das hat viele verärgert, fördert Aggressivität und die Polemisierung breitet sich aus.

 

 

 

Welche geeigneten Reaktionen gibt es auf solche Würfe?

 

Das Problem; führen solche Eskapaden zu Aufmerksamkeit für Angreifer und deren Botschaften, nehmen diese zu. Eine Zwickmühle!

 

 

 

Aber es war doch nur eine Torte

 

So ein Tortenangriff soll einem Menschen gegen dessen Willen, ohne Warnung und ohne Möglichkeit zur Gegenwehr den Mund stopfen, ihn zum Schweigen bringen und dem Gelächter preisgeben. Die Behauptung, eine Torte wäre harmloser als ein Stein, mag zwar hinsichtlich der körperlichen Konsequenzen richtig sein, und doch entstammt der Wurf in solchen Situationen der gleichen fiesen Geisteshaltung. Etwas passt mir nicht, … und bist du nicht willig, dann brauch ich Gewalt … in einer Demokratie eher nicht akzeptabel. Öffentlicher Widerstand mündiger Bürger, weil der Staat nicht dazu in der Lage ist? Wo würde das hinführen? Wer setzt die Maßstäbe?

Übrigens: Auch ein Tortenwurf ist mitunter weniger harmlos, als es den Anschein haben mag. Wer durch einen solchen Angriff daran erinnert wird, dass er leicht angreifbar ist, reagiert darauf mitunter traumatisiert. Daran ändert dann auch das eilends aufgesetzte vermeintlich souveräne Lächeln im Anschluss nichts und tiefe Verletzungen der Seele sind oft die Folge.

 

 

 

Schadenfreude

 

So manches Opfer hat sich im Vorfeld durch provozierende Aussagen zur Zielscheibe gemacht. So ist dann häufiger zu hören, das wäre ihm mit recht geschehen. Solche Häme und Schadenfreude sind aus mehreren Gründen nicht angebracht, denn das ist, auch wenn es sich nicht um kriminelle Elemente handelt und für sie ist ja die Polizei da, stets auch ein Angriff auf die gesamte Meinungsfreiheit. Dagegen sollten sich auch jene Beobachter verwehren, die selbst im besten Fall die Aussagen der Opfer mit einem Kopfschütteln quittieren. Der Zweck heiligt nicht die Mittel!

 

 

 

Was lässt sich verbessern?

 

So ein Tortenwurf ist kein verlängerter Kindergeburtstag. Aggression führt zu weiterer Aggression, Lösungen rücken so in weite Ferne. Wer konstruktiver ans Werk gehen möchte, kann einen wichtigen Beitrag leisten; zuhören! Wobei zuhören nicht gleichbedeutend mit einverstanden sein ist. Zuhören bedeutet; sich mit gegebenenfalls auch nicht so intellektuell formulierten Gedanken auseinanderzusetzen, sich auszutauschen, anstatt darauf zu pochen selbst im Recht zu sein. Schwarz-weiß ist meist Scheiß!

Konstruktive Streitkultur sieht anders aus. Raus aus der Hilflosigkeit. Teil meiner Arbeit; ich helfe Menschen und ihrer Botschaft Gehör zu finden. Nicht immer sind es meine Wunschthemen. Nicht von jedem Angebot bin ich selbst begeistert. Was mich begeistert; wenn sich jemand für sein Anliegen einsetzt. Soweit es meine grundlegenden Werte nicht verletzt, unterstütze ich auch solche Themen. Das ist allenthalben besser, als dass sich der Frust ausbreitet, keinen Einfluss nehmen zu können. Wer wirklich etwas zu sagen hat, kann so dafür sorgen, dass andere Menschen davon erfahren. Und das wirkungsvoll und mit Respekt!

Mit Reden die Welt verändern

 

Menschen, die Farbbeutel, Steine und Torten werfen, haben wohl den Eindruck das sie ohne Gewalt nicht wahrgenommen werden. Es geht auch mit Respekt, indem die Stimme eingesetzt wird. So geht es!

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz

Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

Kontaktformular

 

 

Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

P.S.

 

Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Video

https://youtu.be/vamN4YakeG4

Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 21. August 2014
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #371
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