Kanzlerkandidatenduell am 3. September 2017

Kanzlerkandidatenduell am 3. September 2017

TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz
Kanzlerkandidatenduell am 2. September 2017

Kanzlerkandidatenduell am 3. September 2017

 

Am 24. September 2017 sind Bundestagswahlen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) treffen am Sonntagabend, 2. September 2017, zum ersten und einzigen Mal während des Wahlkampfs aufeinander. Ob diese beiden Politiker wohl schon aufgeregt sind?

 

 

 

Format des TV-Duells

 

Im Vorfeld gab es einigen Ärger rund um das TV-Duell. Merkels Team war Änderungen gegenüber ablehnend. Die Idee, Publikumsfragen einzubeziehen, macht der Kanzlerin keine Freude. Damit hatte sie in der Vergangenheit auch keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn nichts Weltbewegendes mehr geschieht, steht das Wahlergebnis der großen Parteien wohl weitgehend fest. Spannend wird es da wohl eher bei den kleinen Parteien. Und da Angela Merkel – aus meiner Sicht – bei einer solchen Fernsehdebatte kaum Stimmen hinzugewinnen, sondern nur verlieren kann, will sie vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen.

Vier Moderatoren der Fernsehsender ARD, ZDF, SAT.1 und RTL sollen nun das Duell moderieren, das von allen Sendern zeitgleich übertragen wird. Von 20:15 bis 21:50 Uhr sollen Sandra Maischberger (Das Erste), Claus Strunz (Sat 1), Peter Kloeppel (RTL) und Maybrit Illner (ZDF) den Kandidaten Merkel und Schulz Fragen zu den wichtigsten Themenbereichen des Wahlkampfs stellen. Es bleibt abzuwarten, wie es den Kandidaten diesmal gelingen wird, unangenehmen Fragen zu begegnen. Überraschungen sind allerdings eher unwahrscheinlich.

 

 

 

 

Vorbereitung der Kanzlerkandidaten

 

Am 31. August 2017 wurde ich für die dpa-Kindernachrichten zum Kanzlerkandidatenduell am Sonntag, 3. September 2017 um 20:15 Uhr befragt: Wie bereiten sich die Kandidaten wohl auf diesen Auftritt vor?

 

 

 

1. Chancen und Risiken des TV-Duells kennen

 

Mit einem solchen TV-Duell sind eine Menge Chancen und Risiken verbunden. Hinterher ist man meist schlauer, doch dann ist es zu spät. Deshalb bereiten sich die Politiker umfangreich darauf vor. Wie genau sie das tun, wird meist nicht verraten. Doch, so wie ich mit meinen Klienten durchspiele, welche Fragen von den Reportern kommen könnten und welche Reaktionen darauf empfehlenswert sind, werden das sicher auch die Kandidaten tun. Das sorgt dafür, dass die Politiker auf viele Fragen eine überlegte Antwort haben, anstatt überrascht und unwissend zu wirken.

 

 

 

2. Sprache

 

Sprachlich wird geübt, in möglichst kurzen Sätzen zu antworten, damit die Zuschauer die Botschaft leichter verstehen und der Sprecher kompetenter wirkt. Das kann die Kanzlerin allerdings nicht so gut. Ihre Sätze sind oft lang. So richtig schnell auf den Punkt kommt Martin Schulz allerdings auch selten.

 

 

 

3. Körpersprache

 

Es geht aber nicht nur darum, was die Politiker sagen. Sehr wichtig ist auch die Körpersprache. Gestik und Mimik sind bei einem Fernsehauftritt noch wichtiger als bei einer normalen Rede. Die Kamera geht gerne sehr nahe heran und offenbart dann widersprüchliche Hinweise auf Emotionen.

Wesentlich ist eine offene Körperhaltung. Wer die Arme vor der Brust verschränkt, wirkt verschlossen und das kommt meistens nicht so gut an. Solchen Menschen wird unterstellt, sich zurückgezogen zu haben und selbst guten Argumenten nicht mehr zugänglich zu sein.

Wo angebracht, sollten die Kandidaten ein ehrliches Lächeln zeigen. Das lässt sie sympathisch und souverän erscheinen. Außerdem lassen sich so gegebenenfalls auch die Zähne zeigen.

Mehr dazu im Artikel Bundestagswahl und Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz.

 

 

 

 

Anmerkungen

 

TV-Duelle von Politikern gibt es in Deutschland seit den 70er-Jahren. Die ersten zwei richtigen Kanzlerkandidatenduelle fanden zwischen Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) 2002 statt. Damals gab es noch zwei Live-Sendungen. Zur Bundestagswahl 2017 findet ein TV-Duell nach 2002, 2005, 2009 und 2013 in diesem Jahr zum fünften Mal statt.

 

 

 

P.S.

 

Welche Bedeutung hat das TV-Duell für Sie?

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

Artikel

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Bundestagswahl & Körpersprache: Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

Bundestagswahl & Körpersprache: Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

Wie die Kandidaten sich durch ihre Körpersprache verbessern könnten
 
Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

 

Am 24. September 2017 ist es soweit, die Bundestagswahl 2017 wartet auf Stimmzettelkreuze. In einem Radiointerview der dpa wurde ich am Donnerstag, 24. August 2017 zur Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz befragt.

Politiker stehen immer auf der Bühne. Wer in der Politik mitmischen will, lernt deshalb, die eigene Gestik unter Kontrolle zu halten. Denn je weiter es nach oben geht, desto genauer schauen die Fernseh- und Fotokameras hin – wo möglich sogar hinter den Kulissen.

Das menschliche Gehirn hat es viel leichter visuelle, als verbale Informationen zu verarbeiten. Die meisten Politiker kennen die Bedeutung der Körpersprache. Manchmal gelingt es Politikern, die Symbolkraft der Körpersprache ganz gezielt einzusetzen. Wobei Sternstunden hierzulande momentan noch eher die Ausnahme, als die Regel sind.

Zu Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt es ja schon einige Beiträge von mir. Sie hat die überzeugende Körpersprache ja auch nicht erfunden, doch gelten für sie als Amtsinhaberin und ihren Herausforderer in mancherlei Hinsicht unterschiedliche Maßstäbe. Er müsste sich als Alternative absetzen. Wenn das mal so einfach wäre. Der Ärger auf die Kanzlerin und die Merkel-Müdigkeit sind ziemlich abgeebbt. Sie kann im Amt punkten und er braucht nach dem verpufften Schulz-Effekt das Wunder einer Wechselstimmung. Ihre beste Strategie dürfte in der Beibehaltung ihres Auftretens bestehen.

 

 

 

 

Potenzial bei der Körpersprache von Martin Schulz

 

 

1. Blickkontakt

 

Er neigt dazu abzulesen und wirkt durch die Brille dann etwas oberlehrerhaft. Es mag sich zwar um ein volksnahes Brillenmodell handeln, doch Nähe fördert es nicht. Überhaupt ist sein Blickkontakt oft nicht sehr verbindend, wenn er stattfindet. Genau das sucht das Publikum allerdings, um sich mit jemanden zu identifizieren. Außerdem ist ein sicherer Blick erforderlich für die Glaubwürdigkeit. Wer nicht sicher in die Augen anderer Menschen schauen kann, gilt als unehrlich.

 

 

 

2. Gestik

 

Mal abgesehen von Momenten der Fassungslosigkeit wie bei der Beleidigung durch Silvio Berlusconi im EU-Parlament, hat er sich und seine Gestik meist im Griff. Seine Bewegungen wirken allerdings oft zu kontrolliert und reduziert. Seine Gestik ist zwar ausgeprägter als jene von Frau Merkel, doch wird es bei ihm als Herausforderer anders interpretiert. Besser wäre eine abwechslungsreiche Gestik, die ebenso ausdrucksstarke Bewegungen, Posen und auch souveräne Ruhe beinhaltet.

 

 

 

3. Mimik

 

Im Vergleich zur Bundeskanzlerin spricht sein Gesicht Bände. Das kann er dafür einsetzen, als menschlich wahrgenommen zu werden.

Typisch für ihn ist das Lecken über die Lippen und Muskelspiele rund um den Mund.

 

 

 

4. Stimme

 

Beim Vergleich seiner Stimme im Verlauf von der Ankündigung seiner Kanzlerkandidatur bis heute klingt seine Stimme jetzt häufiger angespannt und mitunter auch müde, überanstrengt. Diese Anspannung überträgt sich auf das Publikum und wirkt nach einer gewissen Zeit auch recht unangenehm. Seine recht eigene Satzmelodie klingt oft sehr aneinanderreihend, als handle es sich um trockene Aufzählungen. Der Inhalt wirkt dadurch weniger bedeutsam und es ist schwerer ihm zu folgen. Es scheint, als wenn er nicht wiedergibt, was ihn wirklich bewegt. Bei der Betonung bleibt seine Stimme oft am Stellen zu weit oben, an denen er eigentlich heruntergehen müsste. So gehen auch ansonsten sprachlich interessante Konstruktionen unter. Es geht unnötig sehr viel mögliche Wirkung verloren.

Mit relativ wenig Aufwand ließe sich die Ausdruckskraft seiner Stimme deutlich steigern.

 

 

 

5. Haltung

 

Gerne führen seine Füße unter dem Tisch ein Eigenleben, das vermittelt Unsicherheit. Martin Schulz neigt zu geschlossenen Körperhaltungen und er wendet sich oft mit Teilen seines Körpers von Gesprächspartnern und Publikum ab. Eine zugewandte, offene Körperhaltung wirkt sympathischer, ehrlicher und überzeugender. In einem weitgehend inhaltsleeren Wahlkampf sind es letztlich die Bilder, die wahrgenommen werden.

 

 

 

5. Dramaturgie und Begeisterung

 

Der Spannungsbogen fehlt bisher. Es gibt bei seinen Auftritten keine ausreichende Steigerung, mit der sich die Begeisterung über das Anfangsniveau aufbauen könnte. Er benötigt mehr Puste und dramaturgische Strategien, die das Publikum mitnehmen.

 

 

 

6. Umgang mit Applaus

 

Es ist auch eine Frage des Respekts, den Applaus des Publikums zu würdigen, anstatt ihn einfach zu übergehen, wie er es oft getan hat. Bei neueren Auftritten hat er sich hier gebessert.

 

 

 

Fazit

 

Ihm hilft, was die Kontroverse fördert, ihn dabei authentisch und begeisternder wirken lässt.

 

 

 

Was hilft und was schadet

 

 

Nachteilige Körpersprache

 

Körpersprache schadet, die den folgenden Eindruck vermittelt.

 

Beispiele:

  • Ängstlichkeit
  • Arroganz
  • Berühren des eigenen Gesichtes
  • Desinteresse
  • Erzwungenes unechtes Lächeln
  • Fehlender Blickkontakt
  • Gefühllosigkeit
  • Falsches Lächeln
  • Handflächen oder gar Hände verbergen
  • Unstimmigkeiten zwischen verbaler Aussage und Körpersprache
  • Kleinermachen
  • Nervöse Bewegungen
  • Rasches und häufiges Augenblinzeln
  • Ruckartige Bewegungen
  • Schutzhaltungen
  • Schwankender Körper
  • Überkreuzen der Arme und andere Versionen geschlossener Körperhaltung
  • Unsicher umherstreifender Blick
  • Zeigefinger auf jemanden richten
  • Zurückweichen im Stand oder Zurücklehnen auf Sitzgelegenheiten

 

 

 

Hilfreiche Körpersprache

 

Beispiele:

  • Abwechslungreiche Stimme
  • Ansteckende Zuversicht
  • Aufrechte Haltung
  • Echtes Lächeln, wo es angebracht ist
  • Sichere ausgeprägte Bewegungen
  • Sicherheit
  • Gelassenheit
  • Offene Handflächen zeigen
  • Offene Körperhaltung

 

 

 

Videos

 

Bilden Sie sich eine eigene Meinung. Körpersprache bietet oft einen breiteren Spielraum bei der Interpretation. Hier ein paar Videos bei YouTube™ (Externe Links):

Umfrageergebnisse

 

Ich wünsche mir lebendigere politische Debatten mit echten Argumenten.

 

%

Stimmt!

%

Etwas!

%

Stimmt nicht!

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (n= 1261)

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel

Kurzprofil der Bundeskanzlerin

Angela Merkel

 

Einst galt sie noch harmlos als „Kohls Mädchen“ und heute ist sie Deutschlands mächtigste Politikerin. Angela Merkel hat sich an der Männerriege der Union vorbei bis zur Spitze gekämpft und dort hält sie sich lange Zeit beharrlich. Manche lieben sie und schätzen sie als abwägend und authentisch, andere halten sie für zaudernd und eher unbeholfen. So oder so; es ist ihr gelungen, ihre Position lange Zeit zu behaupten. Es gibt also etwas zu lernen.

 

 

 

Meilensteine

 

1994 – 1998

Bundesumweltministerin

 

 

1998 – 2000
CDU-Generalsekretärin

 

 

2000

CDU-Vorsitzende

 

 

2005 bis 2017

Bundeskanzlerin

 

 

2007

Aber Demokratie ist nicht immer eine Sache von einsamen Entscheidungen, sondern in der Regel ein Geschäft der Meinungsbildung vieler.

Angela Merkel in einem Interview mit der Berliner Zeitung, berlinonline.de, 7. November 2007

 

Aber Demokratie ist nicht immer eine Sache von einsamen Entscheidungen, sondern in der Regel ein Geschäft der Meinungsbildung vieler.

Angela Merkel in einem Interview mit der Berliner Zeitung, berlinonline.de, 7. November 2007

 

 

2013

Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.

Angela Merkel auf einer Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama am 19. Juni 2013

 

 

2015

Ihrer sachlichen Nüchternheit wird ihr lange Zeit nicht übelgenommen, ihr Beliebtheitswerte bleiben lange erstaunlich hoch. Während der Flüchtlingskrise änderte sich das jedoch. Das Land wird durch ihre Handlungen und Äußerungen gespalten und einige werfen ihr vor maßgeblich zu Belastungen für die EU beigetragen zu haben. Insbesondere hinsichtlich des Brexits sehen manche ihren Beitrag als einflussreich.

Selbst einige Parteimitglieder nahmen ihr zunehmend übler, dass sie Bedenken stets mit einer ihr eigenen Vernebelungstaktik wegzuwischen versuchte, anstatt ihre Politik leidenschaftlich zu vertreten.

Am 31. August 2015 äußerte sie im Hinblick auf die Flüchtlingskrise in Europa und die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland den  Beschwichtigungssatz „Wir schaffen das“ und es wurde über die „neuen Willkommenskultur“ berichtet. Sie wiederholte den später vielfach kritisierten Satz mehrmals, unter anderem beim CDU-Bundesparteitag am 14. Dezember 2015. Der Satz wird zur anhaltenden Provokation und ihre Beliebtheit sinkt.

 

 

2017

Die Bundestagswahlen 2017 waren nicht sehr spannend. Der anfängliche Schulz-Effekt hatte sich schnell wieder beruhigt und es ging ohne Höhepunkte der Wahl am 24. September 2017 entgegen. Den Wahlkampf begleitete ich mit entsprechenden Analysen in Artikeln, Interviews und Veranstaltungen.

Jamaika bis GroKo: Seit der Bundestagswahl war Angela Merkel geschäftsführend im Amt, bis sich mühsame endlich eine Große Koalition (GroKo) gebildet hat.

 

Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen. … wir müssen selber für unsere Zukunft kämpfen, als Europäer, für unser Schicksal.

Angela Merkel nach dem G7-Gipfel in Taormina bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Horst Seehofer in einem Bierzelt in München-Trudering am 28. Mai 2017

 

 

2018

Der Streit mit Parteimitgliedern und der Schwesterpartei wird immer aufreibender. Am 7. Dezember 2018 Abschiedsrede als CDU-Vorsitzende.

 

 

2019

Es sind einige Hinweise zu erkennen, dass Angela Merkel Entlastung verspürt, denn ihre Auftritte wirken etwas lockerer.

 

 

 

Angela Merkel in Zahlen und Daten aus dem Internet

 

  • Geboren: 17. Juli 1954
  • Geburtsort: Hamburg (aufgewachsen in Templin / Brandenburg)
  • Größe: 1,65 m
  • Studium: Promovierte Physikerin
  • Ehepartner: Ulrich Merkel von 1977 bis 1982, Joachim Sauer seit 1998
  • Kinder: –
  • Eigene Homepage: www.angela-merkel.de

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Martin Schulz

Martin Schulz

Kurzprofil
Martin Schulz

Martin Schulz

 

Seit März 2017 führt Martin Schulz die SPD offiziell als Parteichef und nun ist er der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten für die Bundestagswahl 2017. Entsprechend häufig werde ich auf seine Körpersprache und verbale Kommunikation angesprochen. Der anfängliche Schulz-Effekt hat sich beruhigt und es geht der Wahl am 24. September 2017 entgegen. Den Wahlkampf begleite ich mit entsprechenden Analysen in Artikeln, Interviews und Veranstaltungen.

 

Dass es Deutschland heute besser geht als vielen anderen europäischen Staaten, hängt vor allem mit der Agenda 2010 zusammen.

Schulz 2014 zu den Hartz-Reformen des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder

 

Ich bin sowohl gefühlt als auch faktisch der bessere Kandidat.

Schulz 2017 zu seiner Nominierung als Kanzlerkandidat

 

 

 

Vorherige Ämter

 

1987 – 1998
Bürgermeister von Würselen (NRW)

1994 – 2017
Mitglied des Europäischen Parlaments

2014 – 2017
Präsident des Europäischen Parlaments

2017
Kanzlerkandidat der SPD

 

 

 

Martin Schulz in Zahlen und Daten aus dem Internet

 

  • Geboren: 20. Dezember 1955
  • Geburtsort: Hehlrath (heutiges Eschweiler in Nordrhein-Westfalen)
  • Größe: 1,xx m (interessant im Hinblick auf Zusammentreffen)
  • Augenfarbe: blaugrau
  • Schulabschluss: Mittlere Reife (Schulz: „Ich war ein Sausack in der Schule!“)
  • Ehepartnerin: Inge Schulz
  • Kinder: Nico, Linda
  • Eigene Homepage: www.martinschulz.de (nicht online bei Prüfung)

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

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Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

Körpersprachenanalyse Wahlen in Großbritannien - BBC 2. Juni 2017
Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

Körpersprache: BBC-Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

 

Wenige Tage vor den vorgezogenen Parlamentswahlen (Unterhaus) in Großbritannien  am 8. Juni 2017 haben sich Premierministerin Theresa May und ihr Herausforderer Jeremy Corbyn, zum zweiten Mal im Fernsehen den Fragen gestellt. Diesmal fragen die Wähler und der Moderator.

 

I’m sorry this isn’t a debatte.

Jermey Corbyn

 

 

 

 

Question Time

 

In der BBC-Sendung “Question Time“ stellt das Publikum Fragen an Politiker und Experten. Von denen wird dann eine sofortige Antwort erwartet. So auch am Freitagabend, 2. Juni 2017.

Das britische Publikum nimmt hier kein Blatt vor den Mund und so bekommen beide Kandidaten einige durchaus herausfordernde Fragen, auf die sie wohl gerne verzichtet hätten. Beide Kandidaten gehen recht professionell mit dem Gegenwind um, der ihnen entgegenweht. Wobei Corbyn etwas besser mit dem Druck umgeht. Selbst wenn er direkt angegangen und unterbrochen wird, bleibt er weitgehend entspannt und lächelt.

Als die Wahl ausgerufen wurde, konnte May Umfragen zufolge noch mit einer großen Mehrheit rechnen. Nach der jüngsten Umfrage verliert ihre konservative Partei – nun eine Woche vor der Abstimmung – weiter an Boden und die Wahl wird für die konservative Partei zur Zitterpartie. Für die absolute Mehrheit sieht es gegenwärtig schlecht aus. So wurde Premierministerin Theresa May gefragt, ob sie es bedaure, diese Wahl beantragt zu haben, jetzt wo die Umfragen für sie ungünstiger werden. Daraufhin May lacht für einen Moment und wirkt dabei nervös: „Na ja, sie mache ja schon ziemlich lange Politik.“

May hat es am schwersten bei den sozialen Themen. Jeremy Corbyn hat es schwer bei wiederholten Nachfragen zum Einsatz von Atomwaffen und beim Thema IRA.

Sowohl mit Herausforderer als auch Herausgeforderter wird Großbritannien den Brexit machen. Beide versicherten wiederholt ein gutes Verhandlungsergebnis mit Brüssel anzustreben. Klare Aussagen zum Vorgehen machten beide bisher nicht.

 

 

 

 

Körpersprache und Wirkung

 

Keine Debatte: Beide wenden sich nicht zueinander, sondern nacheinander dem Publikum und Moderator zu. May vermeidet das sonst möglichst, managt das hier jedoch.

Angesprochen auf “being a bloody difficult woman“, eine Phrase, mit der May selbst ihre Vergangenheit beschrieb, weist ihre Körpersprache darauf hin, das sie sich selbst bei diesem Bild unwohl fühlt. Ihre Mimik zeigt kurz Hinweise auf Missbilligung oder Schmerz. Eine Interpretationsmöglichkeit ist, dass sie Wert darauf legt gemocht zu werden.

Insgesamt dominieren bei May die typischen Gesten, die viele Politiker verwenden. Sie hat hier einige Erfahrungen gemacht. Beispielsweise legt sie häufiger ihren Daumen an den Zeigefinger. Die Absicht ist dabei meist, aggressive Gesten zu vermeiden. Viele ihrer Gesten beinhalten offene Handflächen, die einladend und offen wirken. Insgesamt macht sie einen starken und gut vorbereiten Eindruck- Manche Zuschauer werden dadurch allerdings etwas Menschlichkeit vermisst haben. Ihre Antworten, wie „es gibt keinen magischen Geldbaum“, können leicht als hartherzig interpretiert werden.

Corbyn wirkt etwas wärmer als May. Er setzt deutlich ausgeprägtere und weniger geschliffene Gesten ein. Je nach Sichtweise wirkt das natürlicher oder unsicher übertrieben. Corbyn hat hier vermutlich bisher keine prägende Schulung erhalten.

 

 

 

Fazit

 

Beide Redner sind weitgehend authentisch, Aussagen und Körpersprache weisen keine spektakulären Unstimmigkeiten auf. Theresa May hat sich um eine Nasenlänge besser präsentiert als Jeremy Corbyn.

 

 

 

Aufzeichnungen

 

Damit Sie sich eine eigene Meinung bilden können, finden Sie hier Videos (externe Links) der Sendung:

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #23457
K: CNB
Ü:

Körpersprache: Treffen Emmanuel Macron und Wladimir Putin in Versailles

Körpersprache beim Treffen von Emmanuel Macron und Wladimir Putin in Versailles

Körpersprachenanalyse vom 29. Mai 2017
Körpersprache beim Treffen von Emmanuel Macron und Wladimir Putin in Versailles. Das Bild ist allerdings aus Berlin.

Körpersprache von Emmanuel Macron und Wladimir Putin

 

Ein erstes Zusammentreffen zwischen Emmanuel Macron und Wladimir Putin gab es am 29. Mai 2017 in Versailles. Anlass des Besuchs aus Moskau war eine Ausstellung über die erste Frankreich-Reise von Peter dem Großen vor genau 300 Jahren.

Die Limousine des russischen Staatschefs kam über eine halbe Stunde später als geplant am goldenen Eingangstor an. Mit Absicht, oder nicht?

Der Begrüßung folgte ein langes Gespräch zwischen Emmanuel Macron und Wladimir Putin. Rund eine Stunde später als geplant folgte dann eine Pressekonferenz. Zuerst sprach Macron. An vielen Stellen wirkte Putin, als wenn ihn die Äußerungen von Macron nicht betreffen würden. Als es beispielsweise um die Rechte von Homosexuellen ging und um Peter den Großen, schaltete Putin ab. Er zeigte weder Zustimmung noch Ablehnung. Und auch sonst wirkte er weitgehend abwesend. Seine gesamte Körpersprache signalisierte Langeweile.

Ob hinter diesem Verhalten die Absicht steckt zu zeigen, dass er von Macron nicht beeindruckt ist oder er andere Gründe dafür hat, kann nur er beantworten.

Während der Pressekonferenz auf die Einflussnahme der Medienanbieter Sputnik und Russia Today angesprochen, entgegnete Wladimir Putin, dass Emmanuel Macron diesbezüglich keinen Gesprächsbedarf geäußert hätte. Macron betonte, das sei für ihn schon geklärt, seit Putin ihn zu seiner Wahl gratulierte.

Gemeinsame Interessen dürften der Grund dafür sein, dass beide politischen Vertreter signalisierten, trotz unterschiedlicher Auffassungen und fehlender körpersprachlicher Sympathiebekundungen, insbesondere bei der Bekämpfung des Terrorismus, zusammenarbeiten zu wollen.

 

 

 

Zusammentreffen auf Augenhöhe?

 

Der Handschlag der beiden wurde, nach dem Handschlag mit Donald Trump beim NATO-Treffen in Brüssel und den Bekenntnissen Macrons zu dessen Bedeutung, genauestens beobachtet. Er war angemessen und es war bei beiden sogar ein Lächeln zu sehen.

Die Körpersprache von Emmanuel Macron signalisiert in manchen Aufzeichnungen des Zusammentreffens seinen Führungsanspruch in den Gesprächen. So dominierte er mit seinen Berührungen Wladimir Putin mitunter etwas. Der reagierte darauf nicht.

 

 

 

Sie wollen sich eine eigene Meinung bilden?

 

Pas de problème. Voila, hier sind Videos bei YouTube™:

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

P.S.​

 

Wie steht es mit Fragen oder Kommentaren dazu?

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #23457
K: CNB
Ü:

Handshake & Körpersprache: Was ein Handschlag wirklich verrät

Handshake-Gates: Was ein Handschlag wirklich über Wirkung, Macht und Körpersprache verrät

Handshake & Körpersprache: Was ein Handschlag wirklich verrät
Handshake-Gates

Handshake-Gates: Was ein Handschlag wirklich über Wirkung, Macht und Körpersprache verrät

 

Ein Handschlag dauert oft nur wenige Sekunden.

Und trotzdem kann anschließend lange darüber gesprochen werden.

Besonders dann, wenn:

  • Staatschefs
  • Vorstände
  • Unternehmer
  • andere öffentliche Personen

vor Kameras aufeinandertreffen.

Dann wird plötzlich analysiert:

Wer zog wen zu sich?

Wer ließ zuerst los?

Wer blickte wohin?

Wer hatte angeblich die Oberhand?

Solche Szenen sind faszinierend.

Nur lohnt sich Vorsicht.

Ein Handschlag kann Wirkung erzeugen. Er ist jedoch kein zuverlässiger Persönlichkeitstest und keine geheime Sprache mit festen Übersetzungen.

 

 

 

Warum Handschläge so viel Aufmerksamkeit bekommen

 

Begrüßungen sind kurze soziale Übergänge.

In wenigen Sekunden werden:

  • Distanz
  • Nähe
  • Rollen
  • Aufmerksamkeit

koordiniert.

Gerade bei öffentlichen Begegnungen kommt noch etwas hinzu:

Die Begrüßung wird beobachtet.

Dann ist sie nicht nur eine Interaktion zwischen zwei Menschen.

Sie wird auch:

zum medialen Bild.

Und dieses Bild wird anschließend interpretiert.

 

 

Donald Trump und die „Handshake-Gates“

 

Der Begriff „Handshake-Gates“ bekam besonders viel Aufmerksamkeit durch öffentliche Begegnungen Donald Trumps während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident.

Medien diskutierten beispielsweise:

  • den langen Handschlag mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe
  • die Begegnung mit Emmanuel Macron
  • die Szene mit Angela Merkel im Weißen Haus
  • weitere ungewöhnlich wirkende Begrüßungen

Viele Beobachter interpretierten diese Situationen als:

Dominanzverhalten.

Das kann eine plausible Interpretation sein.

Es ist jedoch wichtig, zwischen:

beobachtbarem Verhalten

und:

zugeschriebener Absicht

zu unterscheiden.

 

 

 

Was wir beobachten können

 

Beispielsweise:

  • Ein Handschlag dauert ungewöhnlich lange.
  • Eine Person zieht die andere näher heran.
  • Eine zweite Hand wird zusätzlich eingesetzt.
  • Der Körperabstand verändert sich.
  • Eine Person löst den Kontakt zuerst.

Das sind:

Beobachtungen.

Etwas anderes sind Aussagen wie:

„Er wollte ihn bewusst demütigen.“

Oder:

„Sie hatte Angst.“

Das sind:

Interpretationen.

Sie können stimmen.

Sie müssen es nicht.

 

 

 

Körpersprache funktioniert nicht wie ein Wörterbuch

 

Eine alte Vorstellung von Körpersprache lautet:

Eine bestimmte Geste bedeutet immer dasselbe.

Zum Beispiel:

Handfläche unten = Dominanz.

Blick zur Seite = Unsicherheit.

fester Griff = Selbstvertrauen.

So einfach funktioniert nonverbale Kommunikation nicht.

Die Bedeutung hängt unter anderem ab von:

  • Situation
  • Kultur
  • Beziehung
  • individuellem Verhalten
  • vorhergehenden Ereignissen
  • anderen gleichzeitig auftretenden Signalen

Ein einzelnes Signal erlaubt selten eine eindeutige psychologische Diagnose.

 

 

 

Was ein fester Handschlag tatsächlich sagen kann

 

Es gibt Forschung dazu.

Eine bekannte Studie untersuchte Handschläge von 112 Personen.

Dort zeigten sich Zusammenhänge zwischen bestimmten Eigenschaften des Handschlags und Persönlichkeitsmaßen.

Ein festerer Handschlag hing beispielsweise zusammen mit:

  • mehr Extraversion
  • mehr emotionaler Ausdrucksstärke
  • weniger Schüchternheit

Das ist interessant.

Es bedeutet jedoch nicht:

Aus einem festen Handschlag lässt sich zuverlässig Persönlichkeit ablesen.

Eine einzelne Studie mit begrenzter Stichprobe liefert:

keinen universellen Körpersprache-Code.

 

 

 

Ein Handschlag beeinflusst erste Eindrücke

 

Ein Handschlag kann trotzdem Wirkung haben.

Menschen bilden erste Eindrücke sehr schnell.

Dazu tragen viele Informationen bei.

Zum Beispiel:

  • Blickkontakt
  • Stimme
  • Haltung
  • Distanz
  • Bewegung
  • Berührung

Der Handschlag ist:

ein Teil dieses Gesamtbildes.

In experimentellen Untersuchungen wurden soziale Begegnungen mit Handschlag teilweise positiver bewertet als vergleichbare Begegnungen ohne Handschlag.

Das zeigt:

Begrüßungsrituale können soziale Wahrnehmung beeinflussen.

Es zeigt nicht:

Ein bestimmter Handschlag verrät den Charakter eines Menschen.

 

 

 

Blickkontakt und Timing gehören zur Begrüßung

 

Ein Handschlag beginnt nicht erst:

wenn sich die Hände berühren.

Neuere Forschung zeigt, wie fein Begrüßungen koordiniert werden.

Bevor Menschen die Hand reichen, entstehen häufig:

  • Blickkontakt
  • Annäherung
  • eine erkennbare Bewegung der Hand

Wenn eine ausgestreckte Hand kommt, bevor die soziale Aufmerksamkeit hergestellt wurde, dauert die Reaktion des Gegenübers länger.

Das ist interessant, weil es zeigt:

Begrüßung ist ein gemeinsamer Abstimmungsprozess.

Nicht nur:

eine einzelne Geste.

 

 

 

Dominanz: eine verführerisch einfache Erklärung

 

Bei öffentlichen Handschlägen wird besonders gern über:

Dominanz

gesprochen.

Zum Beispiel:

„Wer zieht, dominiert.“

„Wer oben liegt, führt.“

„Wer zuerst loslässt, verliert.“

Solche Regeln klingen:

präzise.

Genau das macht sie attraktiv.

Nur fehlt für viele dieser universellen Regeln:

eine belastbare wissenschaftliche Grundlage.

 

 

 

Macht kann trotzdem sichtbar werden

 

Das bedeutet nicht:

Macht spiele in Begrüßungen keine Rolle.

Rollen, Status und Beziehung beeinflussen soziale Interaktionen durchaus.

Eine Person kann bewusst:

  • mehr Raum einnehmen
  • Nähe herstellen
  • Distanz verweigern
  • einen Kontakt verlängern

Entscheidend ist:

Wir sollten Verhalten beschreiben, bevor wir ihm eine eindeutige Absicht zuschreiben.

 

 

 

Der Handschlag zwischen Donald Trump und Shinzo Abe

 

Bei der viel diskutierten Begegnung mit Shinzo Abe fiel besonders auf:

  • die ungewöhnliche Länge des Handschlags
  • wiederholtes Heranziehen
  • zusätzliche Berührungen mit der zweiten Hand

Das wirkte für viele Beobachter:

ungewöhnlich und asymmetrisch.

Darüber lässt sich sprechen.

Vorsichtiger wäre ich dagegen mit Aussagen wie:

„Abe wollte nur noch fliehen.“

Oder:

„Sein Blick beweist Unsicherheit.“

Aus einer kurzen öffentlichen Szene lässt sich ein innerer Zustand nicht zuverlässig rekonstruieren.

 

 

 

Donald Trump und Emmanuel Macron

 

Auch die Begegnungen zwischen Donald Trump und Emmanuel Macron wurden medial als:

Handschlag-Duell

beschrieben.

Beide hielten den Kontakt deutlich sichtbar fest.

Das ergab Bilder, die sich hervorragend:

als Machtkampf erzählen ließen.

Vielleicht war Macht tatsächlich Teil dieser Interaktion.

Interessant ist jedoch noch etwas anderes:

Sobald ein bestimmtes Deutungsmuster etabliert ist, werden spätere Szenen durch genau dieses Muster betrachtet.

Aus:

„Das ist ein ungewöhnlicher Handschlag.“

wird schnell:

„Wer gewinnt diesmal?“

 

 

 

Wenn die Geschichte die Wahrnehmung steuert

 

Medien brauchen:

  • erkennbare Muster
  • Konflikte
  • Geschichten

Ein „Duell der Handschläge“ ist erzählerisch stärker als:

„Zwei Politiker begrüßten sich ungewöhnlich.“

Dadurch kann eine Interpretation:

immer größere Sicherheit bekommen, obwohl die zugrunde liegende Beobachtung gleich bleibt.

Genau deshalb lohnt es sich:

Beobachtung und Erzählung auseinanderzuhalten.

 

 

 

Angela Merkel und der vermeintlich verweigerte Handschlag

 

Auch die Begegnung zwischen Angela Merkel und Donald Trump im Weißen Haus wurde intensiv interpretiert.

Auf Bildern beziehungsweise Videos wirkte es so, als werde eine Aufforderung zum Handschlag:

nicht aufgegriffen.

Ob das:

  • Absicht
  • Missverständnis
  • akustisches Nichtverstehen
  • eine spontane Situation

war, lässt sich allein aus der beobachteten Szene nicht sicher bestimmen.

Die öffentliche Wirkung war trotzdem real.

Und genau das ist für Kommunikation entscheidend.

 

 

 

Wirkung und Absicht sind zwei verschiedene Fragen

 

Eine Person kann etwas:

nicht beabsichtigen.

Es kann trotzdem:

eine Wirkung erzeugen.

Bei öffentlichen Auftritten ist deshalb hilfreich, beide Ebenen zu betrachten.

 

Absicht

Was wollte die Person vermutlich vermitteln?

 

Wirkung

Wie wurde das Verhalten wahrscheinlich wahrgenommen?

Für professionelle Kommunikation ist die zweite Frage häufig:

mindestens ebenso wichtig.

 

 

 

Kulturelle Unterschiede beim Handschlag

 

Begrüßungsrituale unterscheiden sich zwischen:

  • Kulturen
  • Regionen
  • Generationen
  • beruflichen Kontexten

Das betrifft beispielsweise:

  • Stärke des Griffs
  • Dauer
  • Blickkontakt
  • Körperabstand
  • Einsatz einer zweiten Hand

Deshalb ist gefährlich:

das eigene Begrüßungsverhalten zum universellen Standard zu erklären.

 

 

 

Bill Gates und die Hand in der Hosentasche

 

Ein älteres Beispiel zeigt das gut.

Bill Gates begrüßte die damalige südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye und ließ dabei seine andere Hand in der Hosentasche.

In Teilen der südkoreanischen Öffentlichkeit wurde die Szene als:

respektlos

wahrgenommen.

Vielleicht war Gates‘ Absicht:

Lockerheit.

Vielleicht dachte er überhaupt nicht darüber nach.

Für die kommunikative Wirkung gilt trotzdem:

Absicht allein entscheidet nicht darüber, wie eine Geste verstanden wird.

 

 

 

Die Empfänger entscheiden nicht allein über die Bedeutung

 

Meine frühere Formulierung lautete:

„Die Empfänger entscheiden über die Bedeutung einer Botschaft.“

Heute würde ich sie präziser formulieren.

Bedeutung entsteht im Zusammenspiel von:

  • Absicht
  • Verhalten
  • Kontext
  • kulturellen Erwartungen
  • Interpretation des Gegenübers

Der Empfänger besitzt also:

großen Einfluss auf die Wirkung.

Er entscheidet jedoch nicht völlig frei über:

die objektive Bedeutung oder Absicht.

 

 

 

Warum Körpersprache trotzdem wichtig ist

 

Wenn einzelne Gesten keine festen Bedeutungen besitzen, könnte die Frage entstehen:

Warum überhaupt auf Körpersprache achten?

Weil nonverbales Verhalten:

Wirkung erzeugt.

Menschen bilden Eindrücke.

Sie interpretieren.

Sie reagieren.

Und manchmal reagieren sie sogar auf:

eine Interpretation, die fachlich wenig belastbar ist.

Das macht Körpersprache nicht bedeutungslos.

Es macht ihre Interpretation:

anspruchsvoller.

 

 

 

Eine falsche Interpretation kann reale Folgen haben

 

Angenommen, jemand interpretiert deinen Handschlag als:

arrogant.

Vielleicht war er gar nicht so gemeint.

Die Interpretation kann trotzdem:

die weitere Beziehung beeinflussen.

Das gilt besonders bei:

  • ersten Begegnungen
  • Verhandlungen
  • öffentlichen Auftritten
  • hohen Hierarchieebenen

Deshalb lohnt sich:

Wirkungsbewusstsein ohne Körpersprache-Aberglauben.

 

 

 

Wie sieht ein guter Handschlag aus?

 

Eine starre Universalformel braucht es nicht.

Für viele westlich geprägte berufliche Situationen funktioniert:

  • eine natürliche Annäherung
  • vorheriger Blickkontakt
  • ein gut wahrnehmbares Handangebot
  • angemessener Griff
  • kurze Dauer
  • passender Abstand

gut.

Entscheidend ist:

Die Begrüßung sollte für beide Seiten leicht koordinierbar sein.

 

 

 

Mehr Kraft ist nicht automatisch mehr Präsenz

 

Ein besonders starker Griff wird manchmal empfohlen, um:

Selbstbewusstsein

zu demonstrieren.

Das kann schnell:

überzogen wirken.

Ein Handschlag ist keine Kraftprobe.

Souveränität entsteht weniger dadurch:

den anderen körperlich zu beeindrucken.

Stärker ist:

aufmerksam, klar und angemessen in Kontakt zu treten.

 

 

 

Was ist mit der berühmten „Oberhand“?

 

In Körpersprache-Ratgebern wird häufig behauptet:

Wer beim Handschlag seine Hand oben positioniert, übernimmt Dominanz.

Solche Regeln würde ich nicht überbewerten.

Handpositionen entstehen aus:

  • Körpergröße
  • Annäherungswinkel
  • Bewegungsablauf
  • Gewohnheiten
  • Situation

Ein einzelner Winkel beweist:

keine Machtbeziehung.

 

 

 

Die zweite Hand

 

Manchmal wird die freie Hand eingesetzt.

Zum Beispiel:

  • auf dem Handrücken
  • am Unterarm
  • am Oberarm

Das kann als:

  • warm
  • vertraut
  • vereinnahmend
  • dominant

erlebt werden.

Welche Wirkung entsteht, hängt stark davon ab:

wie vertraut die Beteiligten bereits miteinander sind.

 

 

 

Nach Corona ist der Handschlag weniger selbstverständlich

 

Die COVID-19-Pandemie hat Begrüßungsgewohnheiten verändert.

Auch heute ist es sinnvoll, nicht automatisch davon auszugehen:

dass jede Person einen Handschlag möchte.

Das gilt auch unabhängig von Infektionsschutz.

Kulturelle, persönliche oder gesundheitliche Gründe können eine Rolle spielen.

Souveränität bedeutet deshalb ebenfalls:

eine andere Begrüßungsform ohne Irritation akzeptieren zu können.

 

 

 

Was tun, wenn jemand keine Hand gibt?

 

Interpretieren solltest du zunächst wenig.

Vielleicht gibt es:

  • gesundheitliche Gründe
  • kulturelle Gründe
  • persönliche Gewohnheiten
  • eine missverständliche Situation

Ein kurzer Gruß genügt.

Aus einer nicht angenommenen Hand sofort auf:

Ablehnung oder Respektlosigkeit

zu schließen, wäre unnötig.

 

 

 

Was tun bei einem unangenehm starken Griff?

 

In der Regel:

keinen Machtkampf daraus machen.

Du musst die Kraft nicht spiegeln.

Bleib:

  • aufrecht
  • ruhig
  • präsent

und löse die Begrüßung normal.

Ein Handschlag muss nicht gewonnen werden.

 

 

 

Was tun, wenn dich jemand zu sich zieht?

 

Auch hier hilft:

Stabilität statt Gegenangriff.

Halte deinen Stand.

Bewahre einen angemessenen Abstand.

Und vermeide, aus der Begrüßung:

einen Wettbewerb zu machen.

Professionelle Präsenz zeigt sich nicht darin:

jede Dominanzgeste zurückzugeben.

 

 

 

Öffentliche Begrüßungen verdienen Vorbereitung

 

Bei wichtigen öffentlichen Begegnungen werden selbst kleine Momente:

fotografiert, gefilmt und kommentiert.

Das betrifft:

  • Politik
  • Vorstände
  • Unternehmer
  • Medienauftritte

Deshalb kann es sinnvoll sein, sich vorher Gedanken zu machen:

  • Wer begrüßt wen?
  • Wo stehen Kameras?
  • Welche kulturellen Besonderheiten gibt es?
  • Wie wird anschließend weitergegangen?

Das ist keine künstliche Inszenierung.

Es ist:

professionelle Vorbereitung.

 

 

 

Executive Presence zeigt sich nicht an einem perfekten Handschlag

 

Ein Handschlag kann einen ersten Eindruck beeinflussen.

Executive Presence entsteht jedoch nicht durch:

eine einzelne Technik.

Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von:

  • Klarheit
  • Haltung
  • Stimme
  • Körpersprache
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Verhalten über Zeit

Deshalb halte ich wenig von:

„Mit diesem Handschlag wirkst du sofort dominant.“

Das ist Körpersprache als Trick.

Interessanter ist:

Passt deine Begrüßung zu deiner Rolle, deiner Botschaft und der Situation?

→ Executive Presence: souverän wirken und führen

 

 

 

Fünf Fragen zur Analyse öffentlicher Körpersprache

 

  1. Was kann ich tatsächlich beobachten?
  2. Was interpretiere ich bereits?
  3. Welche anderen Erklärungen sind möglich?
  4. Welche Rolle spielen Situation und Kultur?
  5. Welche Wirkung könnte das Verhalten trotzdem erzeugen?

Diese fünf Fragen helfen:

zwischen sorgfältiger Beobachtung und Körpersprache-Orakel zu unterscheiden.

 

 

 

Unterstützung bei wichtigen Auftritten und Begegnungen

 

Bei Situationen mit hoher Sichtbarkeit können auch scheinbar kleine Details relevant werden.

Zum Beispiel:

  • Begrüßung
  • Position im Raum
  • Blickkontakt
  • Übergänge
  • gemeinsame Fotos
  • erste und letzte Momente eines Auftritts

Im Coaching oder Sparring können wir solche Situationen realistisch durchgehen.

Dabei geht es nicht darum:

Körpersprache-Tricks auswendig zu lernen.

Es geht darum:

bewusst, stimmig und handlungsfähig aufzutreten.

→ Präsenz und Wirkung entwickeln

 

 

 

Welcher berufliche Rahmen passt?

 

Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.

Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Körpersprache, Auftreten und wiederkehrende berufliche Situationen geht.

Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.

Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Begegnung oder ein Auftritt hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.

→ Executive Sparring

→ Business 1:1

 

 

 

Fazit: Der Handschlag wirkt – doch er verrät weniger, als viele behaupten

 

Ein Handschlag kann:

  • einen ersten Eindruck beeinflussen
  • eine Begegnung strukturieren
  • öffentlich symbolisch aufgeladen werden

Er kann auch:

unangenehm, respektvoll, vertraut oder ungewöhnlich wirken.

Was er nicht zuverlässig kann:

den Charakter eines Menschen in wenigen Sekunden offenlegen.

Gerade öffentliche „Handshake-Gates“ zeigen deshalb zwei Dinge gleichzeitig.

Erstens:

Kleine nonverbale Momente können große Wirkung bekommen.

Zweitens:

Die Geschichten, die wir daraus machen, sind oft sicherer als unsere tatsächlichen Informationen.

Körpersprache verdient Aufmerksamkeit. Sie verdient ebenso Zurückhaltung bei eindeutigen Deutungen.

P.S.​

 

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 22. Mai 2017
Überarbeitung: 10. November 2026

Analyse Donald Trumps Körpersprache in Brüssel beim NATO-Gipfel

Analyse Donald Trumps Körpersprache in Brüssel beim NATO-Gipfel

Donald Trump, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Duško Marković und ein paar Handschläge
Donald Trumps Körpersprache in Brüssel beim NATO-Gipfel

Donald Trumps Körpersprache in Brüssel beim NATO-Gipfel

 

Es ist natürlich reine Spekulation, dass Donald Trump mit seinem Verhalten etwas kompensieren möchte. Allerdings spricht so einiges dafür.

Ich schätze, die meisten Menschen stimmen mir zu, dass Trump als Alpha-Männchen betrachtet werden möchte. Und tatsächlich brauchen wir uns auch nur die Körpersprache anzuschauen, um sehr viele Hinweise darauf zu finden.

Es scheint so wichtig für ihn zu sein, dieses Bedürfnis zu befriedigen, dass seine verzweifelten Versuche oft eher als Zeichen der Unsicherheit wahrgenommen werden, denn als Zeichen der Stärke. Jemand mit einem starken Selbstvertrauen würde das nicht tun. Allerdings ist es hilfreich, sich frühere US-Präsidenten anzuschauen; die meisten von ihnen zeigten einige Formen von Alphatierverhalten, selbst Barack Obama. So machen US-Präsidenten das halt für Ihr Publikum zu Hause! Doch all das ist weitgehend harmlos im Vergleich zu Donald Trumps eigenartigem Verhalten und die Handshake-Gates, die schon weltweit für Verwunderung gesorgt haben.

 

 

 

Willkommen

 

NATO-Gipfel am 25. Mai 2017 in Brüssel. Erst schreitet Macron direkt auf dessen Höhe auf Donald Trump zu und weicht dann überraschend zu Angela Merkel hinüber. Was hat das zu bedeuten? Soweit es Macron betrifft, ist Merkel die wichtigste Person bei den Anwesenden und außerdem ist sie ja auch eine Frau, erinnert mich meine Assistentin. Entsprechende Experten für die Etikette und Protokoll können hier sicherlich Klarheit schaffen, was sich gehört. Wir können nur spekulieren, was es damit auf sich hat.

Während er zu ihr herüber schwenkt, können wir Trumps konzentrierte Mimik sehen, so als würde er denken; „Halt! Moment mal, ich bin hier die wichtigste Person!“. Macron scheint es jedenfalls etwas anders zu sehen und Trump ist darüber nicht sehr erfreut. Und das wird er sich nicht gefallen lassen. Es ist wohl an der Zeit, Macron zu zeigen, wer hier der Chef ist. Und das macht er sehr aggressiv deutlich. Trump zieht bei der Begrüßung Macron in die Richtung seines Gesichtes und eine plausible Denkblase wäre; „Du wirst tun, was ich möchte, ob du es willst oder nicht!“. Macron versucht daraufhin aus dieser unangenehmen Situation zu entfliehen. Er legt seine Arme auf Trump, um ihn am weiteren Heranziehen zu hindern. Ein Verhalten, das auch auf einem Schulhof erwartet werden könnte und bei einem Treffen von Staatsoberhäuptern wohl eher als unangebracht gelten sollte.

 

 

 

Zweiter Handschlag

 

Beim Mittagessen in der US-Botschaft von Brüssel scheint Macron auf weitere Spielchen von Trump vorbereitet zu sein. Als wenn der erste Handschlag nicht peinlich genug gewesen wäre, sehen wir hier die beiden bei einem Handschlag, der so lange dauert, dass sich die Knöchel der Hände dabei weiß entfärben.

Beim Treffen der beiden sind einige skurrile Momente zu beobachten. Trump, gewöhnt körpersprachliche Machtspiele zur Unterstreichung seiner Männlichkeit und Statusanspruchs bei jeder öffentlichen Veranstaltung an den Tag zu legen, ist diesmal offensichtlich der Unterlegene.

Das zur Schau getragene Machtspiel während des Handschlags, etwas Testosteron und einen eisernen Griff später, versucht Trump der Situation zu entkommen. Normalerweise kennt er diese Situation von der anderen Seite. Im Video können wir sehen; die Handknöchel der beiden werden weiß, ein kleines Armgerangel, alle Muskeln sind angespannt, auch im Gesicht; wir sehen wie die Kiefermuskeln hart werden. Dann scheint Trump bereit zu sein, die Hand wegzuziehen. Doch er muss noch etwas warten, bis er sie zurück ziehen darf. Und der Gewinner ist, wenn wir das tatsächlich als Wettbewerb betrachten, Emmanuel Macron.

 

 

 

Body Check

 

Trump schiebt wütend den Premierminister von Montenegro, Duško Marković, zur Seite, um unsanft dessen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Es wäre ja noch schöner! Da ist eine gute Portion Aggression wohl aus seiner Sicht angebracht. Nachdem es ihm gelungen ist, Marković zur Seite zu schieben, zeigt er ein sehr unnatürliches Mienenspiel und Verhalten; er drückt seinen Kopf nach hinten und streckt sein Kinn nach vorne. Es handelt sich um eine sehr arrogant wirkende Pose, so als würde er auf andere hinunterschauen. Etwas, das weder angebracht ist, noch als Zeichen natürlichen Selbstvertrauens gilt.

Dieses Verhalten zeigt Trump relativ häufig, wenn er sich etwas bedroht fühlt. Es scheint ein erlerntes Verhalten zu sein. Im Anschluss an diese arrogante Körperhaltung empfindet er wohl eine sehr deutliche Verwundbarkeit, denn seine Haltung geht in das sogenannte Feigenblatt. In diese Körperhaltung begeben wir uns normalerweise nur, um sehr verwundbare Teile des Körpers zu schützen, also wenn wir uns angreifbar und unsicher fühlen. Ich weiß nicht, was die Dame zu ihm sagt, mit der er sich dann unterhält. Es würde mich jedoch nicht wundern, wenn es etwas ist, dass ihm missfällt, denn seine Mimik sieht so aus, als würde er wie ein Kind zurechtgewiesen.

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

P.S.​

 

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Donald Trump hat sich am 26. Mai 2017 bei seinem Besuch in Brüssel erneut als verlässlicher Themenlieferant erwiesen. Für die Live-Sendungen Der Tag in Deutsch und The Day in Englisch kommentiere ich seine Körpersprache beim Zusammentreffen mit Angela Merkel, Emmanuel Macron, Duško Marković und anderen politischen Vertretern.

Trumpsche Begrüßungen zogen ja bereits mehrfach mediale Aufmerksamkeit auf sich. So schüttelte der US-Präsident die Hand des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe so lange, dass selbst den Zuschauern schwindelig wurde. Umfangreiche Spekulationen gab es über den ausgebliebenen Händedruck mit Kanzlerin Angela Merkel für Fotografen im Oval Office. Kanadas liberalem Premierminister Justin Trudeau wurde hingegen unterstellt, er habe zu lange gezögert, als Trump ihm die Hand reichte. Begrüßungen mit Trump sind mittlerweile nur noch verkrampft möglich.

 

 

 

Kuriose Szenen beim Nato-Gipfel in Brüssel

 

Der neugewählte französische Präsident Emmanuel Macron geht nach seinem Eintreffen den anderen Staatschefs entgegen. Er steuert direkt auf US-Präsident Donald Trump zu und macht dann in letzter Sekunde einen Schlenker zu Angela Merkel.

Das Zusammentreffen wird als ein Hinweis auf das gerade entstehende Verhältnis von Trump zu Macron betrachtet. Wie ist das zu deuten?

 

 

 

Emmanuel Macron

 

Mit dominantem Griff und festem Blick sorgte der neue französische Präsident Emmanuel Macron für Schlagzeilen. Die wohlwollenden Kommentare: Endlich jemand, der dem rüpelhaften Verhalten des US-Präsidenten Paroli bietet. Macrons Verhalten empfinden viele Beobachter als ein Symbol dafür, keine einseitigen Zugeständnisse zu machen.

 

 

 

Duško Marković

 

Duško Marković ist seit dem 28. November 2016 Premierminister der Republik Montenegro. Bei einem Rundgang durch das neue NATO-Hauptquartier zog Trump Marković von hinten zur Seite und drängelte sich unsanft vor ihn. Dann richtete er mit einem arroganten Blick und Handgriff sein Sakko, baute sich neben NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf und hörte kurz der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite zu.

 

 

 

Körpersprachenanalyse für die Deutsche Welle

 

Und was sagt Donald Trumps Körpersprache zu all dem? Die Moderatoren fragen und ich antworte als Experte für Körpersprache. Erst auf Deutsch und später auf Englisch. Gesendet wird heute (26. Mai 2017) auf Deutsche Welle Deutsch ab 21:00 Uhr und Deutsche Welle Englisch ab 22:30 Uhr.

Meine Analysen der Körpersprache habe ich in den Artikeln Donald Trumps Körpersprache in Brüssel beim NATO-Gipfel beziehungsweise Body Language Expert Explains Trump’s Awkward Day At The NATO Summit zusammengefasst.

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

Donald Trumps Körpersprache beim Zusammentreffen mit Xi Jingping

Donald Trumps Körpersprache beim Zusammentreffen mit Xi Jingping

Kein weiteres Handshake-Gate oder doch?

Donald Trumps Körpersprache beim Zusammentreffen mit Xi Jingping

Donald Trumps Körpersprache beim Zusammentreffen mit Xi Jingping

 

Die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und China ist zwiespältig. Nicht nur das Thema Kim Jong-un und Nordkoreas Atomwaffe sorgt für Gesprächsbedarf. Am 6. und 7. April trafen sich US-Präsident Donald Trump und der Staatspräsident von China Xi Jinping zum ersten Mal persönlich. Und zahlreiche Beobachter warteten auf erneute Eigenwilligkeiten des US-Präsidenten. Erstaunlicherweise waren die offiziellen Bilder des Zusammentreffens jedoch unerwartet wenig befremdlich.

Für eine weitere Handschlag-Affäre (Handshake-Gate) reichte es diesmal nicht. Da galt es schon genauer hinzusehen, um Eigenwilligkeiten zu erkennen. Körpersprachlich zu erwähnen ist zumindest, wie Trump, nachdem er die Hände geschüttelt hat, die Hände seines Gastes sehr konsequent zu sich und nach oben gezogen hat. Er tat dies so kraftvoll, dass er dessen Gleichgewicht störte. Auch das gilt als Bestrebung des Alpha-Männchens, Macht und Kontrolle zu vermitteln. Manche Beobachter werten diese Körpersprache wegen ihrer Stetigkeit und Ausprägung auch als Hinweise für narzisstische Persönlichkeitstendenzen. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass US-Präsidenten traditionell dazu neigen, sehr deutlich ihren Machtanspruch zu kommunizieren. Es ist also kein neues Phänomen und hätte sich vermutlich auch mit Hillary Clinton als US-Präsidentin irgendwie geäußert.

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

P.S.​

 

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #23457
K: CNB
Ü: