Reden können die Welt verändern: Wer gehört wird wirft weder Torten noch Steine.

Reden können die Welt verändern: Wer gehört wird, wirft weder Torten noch Steine.

Gedanken zu einem Interview, dass ich dem RTL-Nachtjournal am 2. Juni 2016 gab

Was soll das mit dem Tortenwurf?

Überblick

 

 

 

 

Von Torten, Steine und faulen Eiern

 

9:40 Uhr, kurz bevor ich einen Termin mit dem ersten Klienten habe. RTL möchte mich zu den zunehmenden Farbbeutel-, Stein- und Tortenwürfen befragen. Gleich nach meinen Sitzungen treffe ich mich mit dem RTL-Team. Ich bin neugierig, was mir dazu einfällt. Ganz im Sinne der improRhetorik™ biete ich meine Sichtweise an. Hier folgt sie:

 

 

 

Gewalt statt Rhetorik?

 

Gewalt ist die Waffe des Schwachen.

Mahatma Gandhi

 

Tortenwurf: Für den einen ist es begrüßenswerte Aktionskunst, für den anderen eine nicht akzeptable Form des Terrors. Wurfattacken als Mittel des Ausdrucks? Wobei ja stellvertretend auch gefährlichere Gegenstände geworfen werden.

Arbeitsthese zum Mechanismus: Wenn Menschen sich in die Ecke gedrängt fühlen entlädt sich das leider mitunter in ohnmächtiger Gewalt. Und das in Abstufungen; ob verbale Entgleisung, Ei, Farbbeutel, Torte, Stein oder Schuhe wie 2008 bei George H. W. Bush. Mal geht es mehr um die Verletzung, mal mehr um die Symbolik; Gewalt ist es so oder so, denn es verletzt.

Missgeleitet: Einen Flüchtling wegen einer missbilligten Politik anzugreifen oder jemanden wegen seiner politischen Meinung; es gibt respektvollere Wege sich zu engagieren. Wer hat das Recht, Gewalt gegen Menschen auszuüben? So mancher Ankläger ist nicht besser als der von ihm Beklagte.

Gewalt ist dann das Problem, als dessen Lösung sie sich ausgibt. Isaac Asimov meinte, Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Allerdings gibt es uns Hinweise darauf, was präventiv möglich ist; zuhören! Und das frühzeitig, anstatt Sorgen zu tabuisieren.

 

 

 

Woher kommt das?

 

Wer meint, im Grunde keinen Einfluss nehmen zu können, kommt auf blöde Ideen. Er ist dann auch bereit, selbst grundsätzliche Werte zu verletzen. So jemand meint dann, der Zweck heilige die Mittel und verletzt deshalb dabei bewusst anerkannte Werte. Meint, nur so die sonst ungewürdigte Botschaft hörbar zu machen.

 

 

 

Ist das ein neuer Trend?

 

Solche Aktionen sind nicht neu. Allerdings hat sich die Hemmschwelle in einem breiten Teil der Bevölkerung deutlich gesenkt. Auch bei Menschen, von denen es die wenigsten erwartet haben. Vermutlich haben daran verschiedene Entwicklungen ihren Anteil. Im Internet herrscht durch eine gewisse Anonymität oft ein barscherer Ton. Vielleicht hat das Auswirkung auf die Bereitschaft, sich auch im echten Leben weniger zurückzuhalten. Außerdem ist die Anzahl der Plattformen für die Meinungskundgabe durch das Internet inflationär gestiegen. Jeder kann sich darstellen, kann seine eigene Bühne nutzen. Allerdings hört in der Regel so gut wie niemand zu, denn die Masse ist damit beschäftigt ihre eigene Plattform zu befeuern. Das frustriert! Zahlreiche Politiker haben gerade in der letzten Zeit recht rücksichtslos ihnen unerwünschte Kommentare mit extremen Wertungen gebrandmarkt. Es wurden auch hier Grenzen der fairen Auseinandersetzung überschritten. Das hat viele verärgert, fördert Aggressivität und die Polemisierung breitet sich aus.

 

 

 

Welche geeigneten Reaktionen gibt es auf solche Würfe?

 

Das Problem; führen solche Eskapaden zu Aufmerksamkeit für Angreifer und deren Botschaften, nehmen diese zu. Eine Zwickmühle!

 

 

 

Aber es war doch nur eine Torte

 

So ein Tortenangriff soll einem Menschen gegen dessen Willen, ohne Warnung und ohne Möglichkeit zur Gegenwehr den Mund stopfen, ihn zum Schweigen bringen und dem Gelächter preisgeben. Die Behauptung, eine Torte wäre harmloser als ein Stein, mag zwar hinsichtlich der körperlichen Konsequenzen richtig sein, und doch entstammt der Wurf in solchen Situationen der gleichen fiesen Geisteshaltung. Etwas passt mir nicht, … und bist du nicht willig, dann brauch ich Gewalt … in einer Demokratie eher nicht akzeptabel. Öffentlicher Widerstand mündiger Bürger, weil der Staat nicht dazu in der Lage ist? Wo würde das hinführen? Wer setzt die Maßstäbe?

Übrigens: Auch ein Tortenwurf ist mitunter weniger harmlos, als es den Anschein haben mag. Wer durch einen solchen Angriff daran erinnert wird, dass er leicht angreifbar ist, reagiert darauf mitunter traumatisiert. Daran ändert dann auch das eilends aufgesetzte vermeintlich souveräne Lächeln im Anschluss nichts und tiefe Verletzungen der Seele sind oft die Folge.

 

 

 

Schadenfreude

 

So manches Opfer hat sich im Vorfeld durch provozierende Aussagen zur Zielscheibe gemacht. So ist dann häufiger zu hören, das wäre ihm mit recht geschehen. Solche Häme und Schadenfreude sind aus mehreren Gründen nicht angebracht, denn das ist, auch wenn es sich nicht um kriminelle Elemente handelt und für sie ist ja die Polizei da, stets auch ein Angriff auf die gesamte Meinungsfreiheit. Dagegen sollten sich auch jene Beobachter verwehren, die selbst im besten Fall die Aussagen der Opfer mit einem Kopfschütteln quittieren. Der Zweck heiligt nicht die Mittel!

 

 

 

Was lässt sich verbessern?

 

So ein Tortenwurf ist kein verlängerter Kindergeburtstag. Aggression führt zu weiterer Aggression, Lösungen rücken so in weite Ferne. Wer konstruktiver ans Werk gehen möchte, kann einen wichtigen Beitrag leisten; zuhören! Wobei zuhören nicht gleichbedeutend mit einverstanden sein ist. Zuhören bedeutet; sich mit gegebenenfalls auch nicht so intellektuell formulierten Gedanken auseinanderzusetzen, sich auszutauschen, anstatt darauf zu pochen selbst im Recht zu sein. Schwarz-weiß ist meist Scheiß!

Konstruktive Streitkultur sieht anders aus. Raus aus der Hilflosigkeit. Teil meiner Arbeit; ich helfe Menschen und ihrer Botschaft Gehör zu finden. Nicht immer sind es meine Wunschthemen. Nicht von jedem Angebot bin ich selbst begeistert. Was mich begeistert; wenn sich jemand für sein Anliegen einsetzt. Soweit es meine grundlegenden Werte nicht verletzt, unterstütze ich auch solche Themen. Das ist allenthalben besser, als dass sich der Frust ausbreitet, keinen Einfluss nehmen zu können. Wer wirklich etwas zu sagen hat, kann so dafür sorgen, dass andere Menschen davon erfahren. Und das wirkungsvoll und mit Respekt!

Mit Reden die Welt verändern

 

Menschen, die Farbbeutel, Steine und Torten werfen, haben wohl den Eindruck das sie ohne Gewalt nicht wahrgenommen werden. Es geht auch mit Respekt, indem die Stimme eingesetzt wird. So geht es!

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
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  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

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Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz

Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

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Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

P.S.

 

Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Video

https://youtu.be/vamN4YakeG4

Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 21. August 2014
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #371
K:
Ü:

Präsentieren mit Mikrofon: 15 Tipps für Redner

Präsentieren mit Mikrofon: 15 Tipps für Redner

Damit Persönlichkeit und Botschaft überzeugen, in Reden und Präsentationen
Präsentieren mit Mikrofon

Präsentieren mit Mikrofon

 

15 Tipps für Stimme, Technik und souveräne Auftritte

 

Ein Mikrofon soll deine Stimme verstärken.

Mehr eigentlich nicht.

Und genau das ist im besten Fall seine große Stärke:

Das Publikum hört dich klar und selbstverständlich, während die Technik kaum Aufmerksamkeit bekommt.

Problematisch wird es, wenn das Mikrofon selbst zum Thema wird.

Wenn du ständig daran herumfasst.

Den Abstand veränderst.

Zu laut sprichst.

In die falsche Richtung redest.

Oder während des Auftritts erstmals herausfindest, wie das verwendete System funktioniert.

Deshalb lohnt es sich, den Umgang mit Mikrofonen vor wichtigen Auftritten einmal bewusst zu üben.

 

 

 

Das Mikrofon ist ein Werkzeug

 

Manche Redner fühlen sich mit Mikrofon sofort wohl.

Andere möchten es am liebsten vermeiden.

Beides ist verständlich.

Entscheidend ist weniger, ob du Mikrofone magst.

Entscheidend ist:

Hilft die Verstärkung deinem Publikum, dich gut zu verstehen?

Wenn ja, solltest du das Mikrofon selbstverständlich nutzen können.

Gute Technik unterstützt deine Kommunikation.

Sie ersetzt sie weniger.

 

 

 

Wann ist ein Mikrofon sinnvoll?

 

Ob eine Stimme verstärkt werden sollte, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Größe des Raums

  • Akustik

  • Anzahl der Zuhörenden

  • Hintergrundgeräusche

  • Dauer des Auftritts

  • Position des Publikums

  • Art der Veranstaltung

  • Aufzeichnung oder Streaming

  • deiner Stimme

Es gibt deshalb weniger eine sinnvolle starre Regel wie:

„Ab 50 Personen braucht man ein Mikrofon.“

Auch ein kleinerer Raum kann schwierige Akustik haben.

Und selbst dort, wo das Publikum dich unmittelbar hören könnte, kann ein Mikrofon für Aufzeichnung, Streaming oder Videokonferenz erforderlich sein.

 

 

 

Verständlichkeit geht vor Lautstärke

 

Ein Mikrofon soll weniger dafür sorgen, dass du möglichst laut klingst.

Es soll dafür sorgen, dass Menschen dich mühelos verstehen können.

Wenn du ohne Verstärkung dauerhaft laut sprechen musst, verändert das häufig:

Stimme.

Tempo.

Atmung.

Spannung.

Und irgendwann auch deine Wirkung.

Mit einem gut eingestellten Mikrofon kannst du wesentlich näher an deiner natürlichen Sprechweise bleiben.

 

 

 

1. Mach einen Soundcheck

 

Vor einem wichtigen Auftritt:

Mikrofon ausprobieren.

Nicht erst auf der Bühne.

Sprich in der Lautstärke, in der du später tatsächlich sprechen möchtest.

Gehe bei einem Funkmikrofon auch an die Stellen, an denen du dich während des Auftritts bewegen möchtest.

Prüfe:

Klang.

Lautstärke.

Bewegungsfreiheit.

Rückkopplungen.

Nebengeräusche.

Und die Verständlichkeit im hinteren Bereich des Raums.

Ein kurzer Soundcheck kann sehr viele Probleme verhindern.

 

 

 

2. Sprich mit dem Tontechniker

 

Wenn ein Tontechniker oder eine Veranstaltungstechnikerin vorhanden ist:

Nutze diese Kompetenz.

Kläre vorab:

Welches Mikrofon bekomme ich?

Wo soll es sitzen?

Wie bewege ich mich damit?

Wer schaltet es ein und aus?

Wie werden Fragen aus dem Publikum verstärkt?

Kann ich einen Monitor hören?

Profis in der Veranstaltungstechnik kennen den Raum und das System häufig wesentlich besser als du.

Gute Zusammenarbeit spart Aufmerksamkeit für das Wesentliche:

deinen Auftritt.

 

 

 

3. Headset-Mikrofon

 

Ein Headset kann für Präsentationen ausgesprochen praktisch sein.

Das Mikrofon bleibt in relativ konstantem Abstand zum Mund.

Beide Hände bleiben frei.

Du kannst dich bewegen.

Und bei guter Positionierung bleibt die Lautstärke stabil.

Deshalb werden Headsets bei professionellen Präsentationen häufig eingesetzt. Shure nennt sie besonders für bewegte Präsentationen und größere Beschallungssysteme als typische Wahl.

Wichtig:
Das Mikrofon sollte weniger direkt vor Mund oder Nase sitzen. Sonst können Atem- und Explosivlaute unnötig stark hörbar werden.

 

 

 

4. Lavalier- oder Ansteckmikrofon

 

Ein Lavaliermikrofon wird an der Kleidung befestigt.

Das hat einen großen Vorteil:

Deine Hände bleiben frei.

Gleichzeitig ist der Abstand zum Mund größer als beim Headset.

Deshalb können Kopfbewegungen, Kleidungsgeräusche und die genaue Platzierung stärker auf den Klang wirken.

Achte darauf, dass Kleidung, Schmuck, Haare oder Hände weniger am Mikrofon reiben.

Vorsicht: Kleidungsbewegungen bei Lavaliermikrofonen störende Geräusche verursachen können.

 

 

 

5. Handmikrofon

 

Ein Handmikrofon ist keineswegs grundsätzlich eine schlechte Wahl.

Es hat sogar Vorteile.

Du kannst den Abstand bewusst verändern.

Du kannst damit Dynamik gestalten.

Und bei guter Handhabung ist eine sehr kontrollierte Tonaufnahme möglich. (Shure)

Der Preis dafür:

Eine Hand ist gebunden.

Und du musst lernen, das Mikrofon konstant zu führen.

Wenn es ständig nach unten wandert oder beim Gestikulieren seitlich wegzeigt, verändert sich die Lautstärke deutlich.

 

 

 

6. Halte das Handmikrofon konstant

 

Der häufigste Fehler beim Handmikrofon:

  • Es bewegt sich ständig.
  • Zum Mund.
  • Weg vom Mund.
  • Nach unten.
  • Zur Seite.

Das Publikum hört dadurch eine Stimme, die plötzlich lauter und leiser wird.

Besser:

Mikrofon stabil halten und in Richtung Mund sprechen.

Wie groß der ideale Abstand ist, hängt vom konkreten Mikrofon und der Beschallung ab.

Deshalb ist der Soundcheck wichtiger als eine starre Zentimeterregel.

 

 

 

7. Pult- und Schwanenhalsmikrofone

 

Ein festes Mikrofon am Rednerpult ist weniger flexibel.

Trotzdem kann es hervorragend funktionieren.

Wichtig ist:

Stelle Höhe und Ausrichtung auf dich ein.

Sprich in Richtung des Mikrofons.

Verlasse den Aufnahmebereich weniger mitten im Satz.

Shure empfiehlt bei Podiumsmikrofonen besonders, Höhe und Winkel anzupassen und vor dem Mikrofon zu bleiben. (Shure)

Das Rednerpult selbst ist dabei weder Freund noch Feind.

Die entscheidende Frage lautet:

Hilft es deinem Auftritt – oder versteckst du dich dahinter?

 

 

 

8. Mikrofone mögen Nähe

 

Je weiter ein Mikrofon von der Stimme entfernt ist, desto stärker werden häufig Raumhall und Umgebungsgeräusche hörbar.

Deshalb ist eine sinnvolle Nähe zur Stimme technisch wichtig.

Shure beschreibt diesen Zusammenhang über die sogenannte kritische Distanz: Jenseits davon wird Sprache zunehmend hallig und schwerer verständlich.

Für dich als Redner bedeutet das vor allem:

Verlasse dich auf die vorgesehene Positionierung und verändere sie weniger ständig.

 

 

 

9. Sprich weniger „gegen“ das Mikrofon an

 

Manche Menschen bekommen ein Mikrofon und sprechen plötzlich besonders laut.

Das ist meistens unnötig.

Die Verstärkung übernimmt die Technik.

Sprich mit einer tragfähigen, natürlichen Stimme.

Das klingt häufig besser und schont deine Stimme.

 

 

 

10. Berühre das Mikrofon weniger

 

Finger.

Ringe.

Armbänder.

Kleidung.

Sie alle können Geräusche erzeugen.

Besonders bei Lavalier- und Handmikrofonen kann das deutlich hörbar werden.

Deshalb:

Mikrofon möglichst als Technik behandeln, weniger als Beschäftigung für nervöse Hände.

 

 

 

11. Klopfe weniger auf das Mikrofon

 

„Ist das Ding an?“

Klopf.

Klopf.

Klopf.

Das ist ein Klassiker.

Und für Lautsprecher, Publikum und Technikteam wenig erfreulich.

Die Funktionsprüfung gehört in den Soundcheck.

Wenn du auf die Bühne kommst, darfst du davon ausgehen:

Die Technik ist vorbereitet.

 

 

 

12. Denke an das offene Mikrofon

 

Ein eingeschaltetes Mikrofon kennt weniger den Unterschied zwischen:

öffentlicher Aussage

und

vermeintlich privater Bemerkung.

Deshalb gilt bei Veranstaltungen:

Behandle ein Mikrofon so lange als aktiv, bis du sicher weißt, dass es ausgeschaltet ist.

Die Geschichte der Medien ist reich an unfreiwillig übertragenen Bemerkungen.

Du brauchst weniger eine eigene hinzuzufügen.

 

 

 

13. Fragen aus dem Publikum brauchen ebenfalls Ton

 

Ein häufiger Fehler bei größeren Veranstaltungen:

Der Redner ist hervorragend verstärkt.

Dann stellt jemand aus der dritten Reihe eine Frage.

Die Hälfte des Publikums versteht sie kaum.

Wenn möglich, sollte es deshalb ein separates Publikumsmikrofon geben.

Falls das weniger möglich ist:

Wiederhole die Frage kurz und möglichst präzise über dein eigenes Mikrofon.

So wissen alle, worauf du antwortest.

 

 

 

14. Schau zum Publikum

 

Ein Mikrofon zieht überraschend viel Aufmerksamkeit auf sich.

Gerade bei ungeübten Rednern entsteht manchmal der Eindruck, sie sprächen zum Mikrofon.

Dein Gesprächspartner bleibt jedoch das Publikum.

Blickkontakt.

Gestik.

Körpersprache.

Präsenz.

Sie dürfen erhalten bleiben.

Das Mikrofon ist die technische Verbindung. Der Kontakt entsteht zwischen Menschen.

 

 

 

15. Übe mit unterschiedlichen Mikrofonen

 

Wer regelmäßig präsentiert, sollte zumindest einmal Erfahrung sammeln mit:

Headset.

Lavalier.

Handmikrofon.

Pultmikrofon.

Dann fühlt sich ein anderes System weniger wie eine Überraschung an.

Professionelle Präsentationskompetenz bedeutet auch:

Mit der vorhandenen Technik souverän umgehen können.

 

 

 

Headset, Lavalier oder Handmikrofon – was ist besser?

 

Darauf gibt es weniger eine allgemeingültige Antwort.

 

Headset

Besonders praktisch bei:

  • viel Bewegung,
  • freier Gestik,
  • längeren Präsentationen,
  • großen Bühnen.

 

Lavalier

Gut bei:

  • ruhigeren Präsentationen,
  • Interviews,
  • Kameraaufzeichnungen,
  • Situationen mit wenig sichtbarer Technik.

 

Handmikrofon

Gut, wenn:

  • du die Handhabung gewohnt bist,
  • viel Kontrolle über die Stimme möchtest,
  • das Format ohnehin darauf ausgelegt ist,
  • oder andere Systeme weniger zur Verfügung stehen.

 

Pultmikrofon

Gut für:

  • formelle Reden,
  • feste Positionen,
  • Podien,
  • bestimmte Konferenzformate.

Die beste Wahl ist diejenige, die für Raum, Technik, Auftritt und Person zuverlässig funktioniert.

 

 

 

Richtcharakteristik: Niere oder Kugel?

 

Mikrofone unterscheiden sich darin, aus welchen Richtungen sie Schall besonders stark aufnehmen.

Ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik nimmt Schall relativ gleichmäßig aus verschiedenen Richtungen auf.

Ein Nierenmikrofon bevorzugt stärker den Bereich vor dem Mikrofon.

Das beeinflusst:

  • Positionierung.
  • Bewegungsfreiheit.
  • Umgebungsgeräusche.
  • und mögliche Rückkopplungen.

Als Redner musst du daraus weniger ein Toningenieurstudium machen.

Hilfreich ist lediglich:

Wisse, welcher Mikrofontyp eingesetzt wird und wie du dich damit bewegen kannst.

 

 

 

Mikrofon und Stimme

 

Ein Mikrofon macht eine Stimme lauter.

Es macht sie weniger automatisch besser.

Eine gute Sprechweise bleibt wichtig:

  • Atmung.
  • Artikulation.
  • Tempo.
  • Pausen.
  • Betonung.
  • Stimmvariation.

Gerade mit Verstärkung werden sprachliche Gewohnheiten oft deutlicher hörbar.

→ Sprechcoaching 1:1

 

 

 

Mikrofon und Körpersprache

 

Besonders beim Handmikrofon verändert sich deine Gestik.

Eine Hand steht weniger vollständig zur Verfügung.

Das muss weniger problematisch sein.

Entscheidend ist, dass deine Körpersprache weiterhin natürlich bleibt.

Vermeide vor allem, das Mikrofon beim Gestikulieren mitzuschwenken.

Das erzeugt gleichzeitig akustische und visuelle Unruhe.

 

 

 

Wenn etwas schiefläuft

 

Das Mikrofon fällt aus.

Die Batterie ist leer.

Es entsteht Rückkopplung.

Ein Kabel macht Probleme.

Was jetzt?

Erster Schritt:

Ruhe behalten.

Technikprobleme sind weniger automatisch dein Versagen als Redner.

Gib dem Technikteam Gelegenheit, das Problem zu lösen.

Und konzentriere dich weiterhin auf dein Publikum.

Souveränität zeigt sich auch darin, wie du mit einem unerwarteten Moment umgehst.

 

 

 

Eigene Mikrofone mitbringen?

 

Wer sehr regelmäßig auftritt, kann über eigenes Equipment nachdenken.

Das hat einen Vorteil:

Du kennst es.

Gleichzeitig muss es zur Technik des Veranstaltungsortes passen.

Gerade bei Funktechnik gibt es technische und regulatorische Rahmenbedingungen, die das Veranstaltungsteam kennen sollte.

Deshalb:

Eigene Technik immer vorher mit dem Veranstalter beziehungsweise der Veranstaltungstechnik abstimmen.

 

 

 

Bei wichtigen Auftritten vorher proben

 

Wenn eine Präsentation besondere Bedeutung hat, sollte der Umgang mit dem Mikrofon weniger erst unmittelbar vor dem Auftritt beginnen.

Im Probelauf kannst du gleichzeitig prüfen:

  • Stimme.
  • Bewegung.
  • Gestik.
  • Folien.
  • Raum.
  • Mikrofon.
  • Fragerunde.
  • Und deine gesamte Wirkung.

Das macht aus Technik einen selbstverständlichen Teil des Auftritts.

 

 

 

Unterstützung bei einer wichtigen Präsentation

 

Wenn ein wichtiger Vortrag, eine Rede oder eine Präsentation bevorsteht, können wir den tatsächlichen Auftritt realitätsnah vorbereiten.

Dabei betrachten wir bei Bedarf auch:

  • Mikrofon.
  • Stimme.
  • Raumnutzung.
  • Körpersprache.
  • Folien.
  • kritische Fragen.
  • und den Probelauf.

→ Vorbereitung wichtiger Reden und Präsentationen

Für Auftritte mit besonders hoher beruflicher oder wirtschaftlicher Tragweite:

→ Executive Präsentationsvorbereitung

Wenn Stimme und Sprechweise im Mittelpunkt stehen:

→ Sprechcoaching 1:1

 

 

 

Noch ein Gedanke

 

Ein Mikrofon soll weniger zeigen, dass Technik im Einsatz ist.

Es soll dafür sorgen, dass Menschen dich gut verstehen.

Wenn du mit dem Mikrofon vertraut bist, kannst du deine Aufmerksamkeit wieder dorthin richten, wo sie hingehört:

zu deiner Botschaft und deinem Publikum.

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz

Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

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Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

Antworten auf häufige Fragen

Was für Mikrofone gibt es?

Es gibt viele verschiedene Arten von Mikrofonen, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Einige der häufigsten Arten von Mikrofonen sind:

  1. Dynamische Mikrofone
    Dynamische Mikrofone werden häufig für die Verwendung bei Live-Veranstaltungen wie Konzerte oder Reden verwendet. Sie sind robust und können hohe Schalldruckpegel aushalten.

  2. Kondensatormikrofone
    Kondensatormikrofone haben in der Regel eine bessere Klangqualität als Dynamikmikrofone und werden häufig für Aufnahmen in Studios verwendet. Sie sind jedoch empfindlicher und erfordern in der Regel eine externe Stromversorgung.

  3. Richtmikrofone
    Richtmikrofone sind dafür konzipiert, Schall von einer bestimmten Richtung aufzunehmen und andere Geräusche zu ignorieren. Sie werden häufig für Interviews oder Aufnahmen in lauten Umgebungen verwendet.

  4. Lavaliermikrofone
    Lavaliermikrofone sind kleine, tragbare Mikrofone, die häufig an der Kleidung befestigt werden und für Aufnahmen in Bewegung verwendet werden. Sie werden oft bei Fernsehinterviews oder für den Einsatz in Dokumentationen verwendet.

  5. Stereomikrofone
    Stereomikrofone werden verwendet, um Schall von mehreren Richtungen aufzunehmen und eine dreidimensionale Klangwiedergabe zu ermöglichen. Sie werden häufig für Aufnahmen in Naturumgebungen oder für die Aufnahme von Musik verwendet.

  6. USB-Mikrofone
    USB-Mikrofone sind Mikrofone, die direkt über eine USB-Schnittstelle mit einem Computer verbunden werden können. Sie sind bequem zu verwenden und eignen sich gut für Aufnahmen in Heimstudios oder für Podcasts.

 

 

Headset-Mikrofon: Headset-Mikrofone sind Mikrofone, die Teil eines Headsets sind und die über Ohr- oder Kopfbügel getragen werden. Sie werden häufig für Telefonate oder für den Einsatz in Callcentern verwendet.

Welches Mikrofon eignet sich am besten für Präsentationen?

Das hängt von Raum, Beschallung, Bewegungsbedarf und Format ab. Headsets bieten viel Bewegungsfreiheit, Lavaliermikrofone sind unauffällig und Handmikrofone ermöglichen besonders direkte Kontrolle.

Wie weit sollte ein Handmikrofon vom Mund entfernt sein?

Der passende Abstand hängt vom Mikrofon, der Richtcharakteristik und der Beschallung ab. Entscheidend ist ein möglichst konstanter Abstand, der beim Soundcheck festgelegt wird.

Weshalb sollten sich Redner und Rednerinnen mit dem Mikrofon vertraut machen?

Es gibt mehrere Gründe, warum sich Redner und Rednerinnen mit dem Mikrofon vertraut machen sollten:

  1. Verständlichkeit
    Wenn Redner und Rednerinnen das Mikrofon richtig verwenden, können sie sicherstellen, dass ihre Stimme gut verständlich ist und dass ihre Botschaft deutlich rüberkommt.

  2. Klangqualität
    Die Verwendung eines geeigneten Mikrofons und die richtige Handhabung können dazu beitragen, dass die Klangqualität der Rede verbessert wird und dass sie professioneller wirkt.

  3. Sicherheit
    Das richtige Mikrofon und die richtige Verwendung können dazu beitragen, dass die Rede sicher abläuft und dass es nicht zu technischen Problemen oder Unfällen kommt.

  4. Vertrauen
    Wenn Redner und Rednerinnen das Mikrofon sicher und professionell handhaben, können sie das Vertrauen der Zuhörer gewinnen und ihre Glaubwürdigkeit stärken.

  5. Gestik
    Damit die Gestik die Botschaft unterstützt ist der vertraute Umgang mit dem Mikrofon grundlegend.

 

Insgesamt ist es wichtig, dass Redner und Rednerinnen sich mit dem Mikrofon vertraut machen, um sicherzustellen, dass ihre Rede erfolgreich und professionell ist und dass ihre Botschaft deutlich rüberkommt.

 

Sollte ich mit Mikrofon leiser sprechen?

Du darfst näher an deiner natürlichen Sprechlautstärke bleiben. Die Lautstärke für den Raum übernimmt die Beschallungsanlage.

Was ist besser: Lavalier oder Headset?

Ein Headset hält den Abstand zum Mund besonders konstant. Ein Lavalier ist häufig optisch zurückhaltender. Welches besser passt, hängt vom Auftritt und der vorhandenen Technik ab.

Sollte ich ein eigenes Mikrofon mitbringen?

Bei regelmäßigen Auftritten kann das sinnvoll sein. Die Kompatibilität mit der vorhandenen Beschallungsanlage und Funktechnik sollte vorab geklärt werden.

Was tun, wenn das Mikrofon während der Rede ausfällt?

Bleib ruhig, gib der Veranstaltungstechnik Gelegenheit zur Lösung und halte den Kontakt zum Publikum. Ein guter technischer Ablauf enthält idealerweise ohnehin eine Ersatzlösung.

Welche Entfernung zum Mikrofon ist für Redende am besten?

Es kommt wie so oft darauf an … Als Orientierung für Redende ist am besten, wenn Sie etwa 20-30 cm von Ihrem Mikrofon entfernt sind, wenn Sie sprechen. Diese Entfernung ist optimal, um eine gute Klangqualität zu erzielen, ohne dass das Mikrofon zu viel Hintergrundgeräusche aufnimmt oder Ihre Stimme zu leise wird. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass jedes Mikrofon unterschiedlich ist und Sie möglicherweise die optimale Entfernung anpassen müssen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

P.S.

 

Worauf achtest du im Umgang mit Mikrofonen?

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. Mai 2009
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Ü:X

9 Tipps zur Verwendung von Telepromptern

9 Tipps zur Verwendung von Telepromptern

Medienkompetenz, die überzeugt

Stellungnahmen mit Teleprompter

Überzeugender Einsatz von Telepromptern

 

Teleprompters haben so ihre Eigenarten, ihre Vor- und Nachteile. Erst bei fundierter Vorbereitung ist der Einsatz eines Teleprompters empfehlenswert. In diesem Artikel erwarten Sie Tricks und Tipps zur Verwendung eines Teleprompters.

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

 

Stellungnahmen mit Teleprompter

 

Vor wenigen Tagen gab der Vorstand eines großen Fahrzeugherstellers ein Statement vor laufender Kamera. Viele Menschen waren neugierig darauf, welche Antwort er auf eine Krise geben wird. Dann war es soweit, Kamera und Teleprompter waren bereit. Nur der Vorstand war es nicht. Es war sicher gut gemein, doch schlecht gemacht!
Jetzt hat ein anderer seinen begehrten Posten. Wobei auf einem anderen Blatt steht, ob eine glaubhaftere Stellungnahme in diesem heiklen Fall geholfen hätte. Geschadet hätte sie sicher nicht!

Wie glaubhaft sind Stellungnahmen, bei denen deutlich ersichtlich ist, dass der Text unbeteiligt abgelesen wird, wie in diesem Fall? Und weshalb machen Menschen das überhaupt?

Die Verwendung eines Teleprompters soll ungeübten Sprechern bzw. in heiklen Fällen auch anderen Sicherheit vermitteln. Doch leider fehlen ohne Übung wesentliche Voraussetzungen für die professionelle Verwendung eines Teleprompters. Und dann wirkt der Auftritt nicht authentisch. Besonders die bei ungünstiger Verwendung leicht hin und her zuckenden Augen sowie die unnatürliche Betonung hinterlassen kaum den gewünschten Eindruck.

Wenn schon, dann bitte professionell! Bei richtiger Verwendung kann so ein Teleprompter durchaus ein gutes Hilfsmittel sein. Dann, und nur dann!

 

 

 

9 Tipps für die Verwendung eines Teleprompters

 

 

1. Klärung: Teleprompter ja oder nein?

 

Nur ein Mythos: Der Einsatz von Telepromptern reduziert die Vorbereitungszeit. Für ungeübte Nutzer stimmt genau das Gegenteil; es erfordert mehr Vorbereitung, um zu überzeugen. Was bei versierten Moderatoren, Nachrichtensprechern und Politikern so einfach aussieht, basiert auf jahrelanger Übung. 


Wer entscheiden will, ob es wirklich eine gute Idee ist einen Teleprompter zu verwenden, sollte sich erst einmal mit dessen Eigenarten, Vor- und Nachteilen beschäftigen.

Je nach Verwendung läuft bei einem Teleprompter der ganze Text durch oder er liefert Stichworte. Manche Redner lassen sich auch ihre Präsentationsfolien anzeigen. Wer gut in der freien Rede ist, hat so einen roten Faden. Diese Option ist für diejenigen, die im Thema zuhause und geübt sind, meist die überzeugendste. Im Vergleich dazu braucht es bei der Verwendung von Fließtext eine Menge Übung, damit es nicht monoton und unbeteiligt klingt.

Steif ist leicht: Der Aufwand einen Text so auszuarbeiten, dass er wie gesprochene Sprache klingt, ist höher und nicht jeder beherrscht das gleichermaßen. Herauszufinden, ob der Fluss stimmt, in welcher Geschwindigkeit der Text durchlaufen werden soll, ob die Schriftgröße passt und ob genügend Raum zwischen den Absätzen eingebaut sind braucht Zeit. Und wer die nicht zur Verfügung hat oder zu nutzen weiß, schadet sich leicht.

 

 

 

2. Wissen, wovon Sie reden

 

In der Praxis relativ unwahrscheinlich und in Komödien aus Hollywood lustiger; der Text wird ohne Wissen des Ablesenden geändert und der ist so beschäftigt, dass er es selbst zu spät merkt. Reine Fiktion? Tatsächlich würden das viele wirklich nicht bemerken und so klingt es dann auch wenig authentisch.

Leider machen viele Nutzer von Telepromptern den Fehler, alles an die Technik abzugeben. Doch gerade weil hier die Gefahr so groß ist den Kontakt zum Inhalt zu verlieren, ist eine besonders tiefe Beziehung zum Thema erforderlich. Das Publikum merkt sehr schnell an der Stimme, wenn ein Text herzlos abgelesen wird. Das klingt dann so ähnlich, wie vor vielen Jahre die Computerstimme oder sogar noch schlimmer. Siri hat dagegen dann schon fast Profisprecherqualitäten.

 

 

 

3. Die Kamera wie einen lebendigen Gesprächspartner behandeln

 

Wenn das Thema es hergibt, darf ruhig etwas mit der Kamera geflirtet werden! Wenn Sie die Kamera nicht als ein lebloses Stück Technik betrachten, sondern bei deren Ansprache einen möglichst konkreten Menschen vor Augen haben, werden Sie lebendiger, echter, glaubhafter. Zwar sind die kleinsten Augenbewegungen beim Ablesen noch sichtbar, fallen aber bei einer lebhaften Mimik weniger auf. Etwas Halluzinationskompetenz hilft, der Kamera so in Ihre Linse zu schauen, wie einem Menschen, der vor Ihnen stehen würde.

Augenkontakt: Es gilt, was auch in einem persönlichen Gespräch gilt; wer den Augenkontakt vermeidet, wirkt unehrlich, wer starrt verschreckt wie Klaus Kinski.

 

 

 

4. Texten für den Teleprompter

 

Erzählen Sie der Kamera, was Sie vermitteln wollen. Für gute Redner gilt; erst denken, fühlen und dann aussprechen! Es braucht die Verzahnung von Denken und Sprechen. Unmittelbarkeit nennen das manche. Und wo bleibt die bei der Verwendung eines Teleprompters?

Sie geht verloren, wenn auswendig gelernte Texte stocksteif reproduziert oder abgelesen werden. Das klingt deshalb meistens unbeteiligt und unecht. Ein ausformulierter Promptertext ist eher ein optimiertes Transkript als ein Fachbuchgesetzestextfolterinstrument. Leiernde Stimmen, Sätze wie von Bürokraten formuliert: Wer will so etwas hören? Also bitte keine umständlichen Formulierungen, sondern gut betonte gesprochene Sprache, mit eher kurzen Sätzen.

Kurze proaktive Sätze sind einfacher zu handhaben. Lange Sätze lassen sich nur mit Übung verinnerlichen. Sie klingen deswegen oft zerstückelt, weil der Sprecher auf dem schmalen Laufband des Teleprompters nur einen kurzen Teil des Satzes aufnimmt. Wie soll auch jemand Sätze richtig betonen, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Erst die richtige Betonung macht einen gesprochenen Satz verständlich.

 

 

 

5. Sprechtempo

 

Ein gutes Sprechtempo ermöglicht es Zuhörern zu folgen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Der Teleprompter verführt jedoch dazu, mehr und schneller zu reden, als menschliche Ohren und die Auswertungsmechanismen des Gehirns vertragen. Kurze Sätze, Übung, Betonungszeichen und die geeignete Formatierung für den Prompterbildschirm helfen, dies zu verbessern.

 

 

 

6. Technische Tipps

 

Kleinere Bildschirme oder mehr Abstand sorgen dafür, dass sich die Augen beim Ablesen nicht so weit von links nach rechts bewegen müssen. Soweit das Auge es mitmacht sollte das beim Aufbau berücksichtigt werden.

 

 

 

7. Nur unfehlbare Technik einsetzen

 

Im Ernst; was schiefgehen kann, geht irgendwann schief. Murphy meldet sich im ungünstigsten Moment. So manche Panne schon hat Sprecher aus dem Konzept gebracht. Einige meistern sie und andere geben sich der Panik hin und flüchten. Zu einer guten Vorbereitung gehört auch der souveräne Umgang mit unvorhersehbaren und vorhersehbaren Störungen. Nicht nur Michael Bay kann davon ein Lied singen. Ihn brachte der Ausfall eines Teleprompters derart aus dem Konzept, dass er von der Bühne flüchtete.

 

 

 

8.Teleprompter selber bauen

 

Im Internet finden Sie Anleitungen für den Bau eines Teleprompters. Vor Jahren habe ich selbst ein ansehnliches Exemplar nach meinen Plänen und Wünschen aus Holz bauen lassen. Es hat sehr gut funktioniert. Allerdings ist die Wahl des Spion-Spiegels wesentlich. Übliche Spion-Spiegel haben keine ausreichende Lichtdurchlässigkeit. Hochwertiges, leicht verspiegeltes Glas ist empfehlenswerter.

 

 

 

9. Üben, üben, üben

 

Wie so oft gilt, es zu üben bis sich Vertrautheit einstellt. So ein Teleprompter hat es durchaus in sich.

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

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→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
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Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

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Antworten auf häufige Fragen

Was ist ein Teleprompter?

Ein Teleprompter (auch Autocue genannt) ist ein Gerät, das bei Reden und Präsentationen verwendet wird, um dem Sprecher oder der Sprecherin den Text anzuzeigen, ohne dass dieser oder diese ein Skript oder Manuskript in der Hand halten muss. Der Text wird in der Regel auf einem Bildschirm angezeigt, der sich vor den Augen des Sprechers befindet und der sich entsprechend der Geschwindigkeit der Rede bewegt.

Der Teleprompter ermöglicht es dem Sprecher oder der Sprecherin, den Text auf eine natürliche Weise vorzutragen, ohne dass er oder sie dabei auf das Skript oder Manuskript schauen muss. Dadurch wirkt die Rede oder Präsentation weniger einstudiert und authentischer.

Der Teleprompter wird häufig bei politischen Reden, Nachrichtensendungen oder TV-Shows eingesetzt, um die Rede sicherer und flüssiger zu gestalten. Er kann aber auch in anderen Kontexten, zum Beispiel bei Firmenpräsentationen oder bei Hochzeiten, verwendet werden.

Wie werden Teleprompter verwendet?

Teleprompter werden verwendet, um dem Sprecher oder der Sprecherin den Text einer Rede oder Präsentation anzuzeigen, ohne dass dieser oder diese ein Skript oder Manuskript in der Hand halten muss. Der Text wird in der Regel auf einem Bildschirm angezeigt, der sich vor den Augen des Sprechers befindet und der sich entsprechend der Geschwindigkeit der Rede bewegt.

Um einen Teleprompter zu verwenden, wird der Text der Rede oder Präsentation in der Regel vorher in das System eingepflegt und der Sprecher oder die Sprecherin liest den Text von dem Bildschirm ab, während er oder sie spricht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie der Sprecher oder die Sprecherin den Teleprompter bedienen kann, zum Beispiel durch das Drücken von Tasten oder durch das Bewegen des Kopfes.

Es ist wichtig, dass der Sprecher oder die Sprecherin den Blickkontakt mit dem Publikum aufrechterhält und nicht zu sehr auf den Teleprompter schaut. Der Teleprompter sollte als Unterstützung und nicht als Ersatz für das eigene Gedächtnis oder die eigene Vorbereitung verwendet werden.

Es gibt auch spezielle Teleprompter-Apps, die auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets verwendet werden können. Diese Apps können zum Beispiel bei Videopräsentationen oder Online-Meetings eingesetzt werden, um dem Sprecher oder der Sprecherin den Text anzuzeigen, ohne dass ein separates Gerät benötigt wird.

Es ist wichtig, dass der Sprecher oder die Sprecherin den Teleprompter im Vorfeld gut einübt und sich an die richtige Bedienung des Systems gewöhnt, um eine möglichst flüssige und natürliche Rede oder Präsentation zu gewährleisten.

Wer bedient den Teleprompter?

In der Regel wird der Teleprompter von einer Person bedient, die dem Sprecher oder der Sprecherin bei der Rede oder Präsentation assistiert. Diese Person kann zum Beispiel ein Redenschreiber, ein Redecoach oder ein Techniker sein.

Die Person, die den Teleprompter bedient, ist in der Regel für das Einpflegen des Textes in das System und das Einstellen der Geschwindigkeit und anderer Einstellungen verantwortlich. Sie kann auch dafür sorgen, dass der Teleprompter reibungslos funktioniert und bei eventuellen Problemen schnell reagieren.

In manchen Fällen kann der Sprecher oder die Sprecherin den Teleprompter auch selbst bedienen, indem er oder sie bestimmte Tasten drückt oder das Kopf bewegt, um den Text anzuzeigen. Es ist wichtig, dass der Sprecher oder die Sprecherin den Teleprompter im Vorfeld gut einübt und sich an die richtige Bedienung des Systems gewöhnt, um eine möglichst flüssige und natürliche Rede oder Präsentation zu gewährleisten.

P.S.

 

Wie routiniert sind Sie im Umgang mit Telepromptern und wann setzen sie solche Technik wie ein?

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 27. September 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #85923
K: CNB
Ü:

Hedgefonds: auf Spekulation orientierte Finanzgesellschaften. Immer schlecht?

Hedgefonds: auf Spekulation orientierte Finanzgesellschaften. Immer schlecht?

Heuschrecken oder ...

Hedgefonds

Hedgefonds

 

Hedgefonds sind in Deutschland als Heuschrecken bekannter. Wenn ich mich richtig erinnere, war es der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, der das ökonomische Agieren mancher anonymer Investoren 2005 erstmals mit Heuschreckenplagen verglich.

„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir.“

Interview mit Franz Müntefering, erschienen am 17. April 2005 in der Bild am Sonntag

 

Hedgefonds sind auf Spekulation orientierte Finanzgesellschaften, die nichts entwickeln oder beitragen. Sie sind einzig an maximalem Profit interessiert und dazu sind sie auch bereit mit skrupellosen Methoden Aktienmehrheiten zu übernehmen. Damit sich das lohnt, werden – deshalb der Vergleich mit Heuschreckenplagen – Unternehmen ausgepresst und kahl fressen, ehe die Plage weiterzieht. So manches ursprünglich prachtvolle Unternehmen hat mehrere solcher Plagen gerade so überlebt und existiert am Ende mehr als eine Hülle, als wirklich noch ein Unternehmen zu sein. Die Produktion verteilt sich dann auf Billiglohnländer und es wird sich, soweit es geht, um soziale Verantwortung gedrückt. In Deutschland sind dadurch viele selbst hochqualifizierte Arbeitsplätze vernichtet worden.

 

 

 

P.S.

 

Ist der Artikel zu einseitig und die Kritik übertrieben? Gibt es auch positive Beispiele im Zusammenhang mit Hedgefonds?

Artikel zu Ausstrahlung und Charisma

Authentisch präsentieren: Warum Persönlichkeit überzeugt

Authentisch präsentieren statt perfekt wirken: Erfahre, wie Kompetenz, Persönlichkeit, Nahbarkeit und gute Vorbereitung gemeinsam überzeugen.

Sommerinterview 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel

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Die Journalistin Tina Hassel und Thomas Baumann hatten am Sonntagabend, den 16. Juli 2017 ganze 19 Minuten Zeit für das Sommerinterview mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Es kam, wie es wohl kommen musste; die Antworten auf die 20 Fragen an die Bundeskanzlerin waren so unspektakulär wie konsequent. Falls die beiden Journalisten vorhatten, Merkel aus der Reserve zu locken, vielleicht sogar emotionale Reaktionen erwartet haben, dann sind sie kläglich gescheitert. Nichts, was das Zusammentreffen bemerkenswert macht, außer der Umstand, dass es das wieder mal war. Same procedure as last year? Same procedure as every year, James! Und sonst?

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Bullshit

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Dummes Zeug: Mist, Gefasel und Geschwafel, Geschwätz und Gewäsch, Kokolores und Schnickschnack, Stuss und Humbug, Pipifax und kalter Kaffee, Mumpitz, Quatsch mit Sauce, Humbug oder Bockmist. Bullshit ist Blödsinn, der sogar professionell im Einsatz ist. Weshalb mit einer Lüge die unangenehme Wahrheit verbergen, wenn es auch mit Bullshit geht?

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Keine Macken, keine Kanten, keine Narben? Stehen Sie zu Ihren Erfahrungen: Gorillas und Gesichter die Geschichten erzählen

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Heute ging es nach der Arbeit noch nach Kreuzberg ins Ratibor zu den Gorillas. Dieses Ensemble gehört für mich schon lange zu den besten Improschauspielern – und ich habe viele gesehen. Ich habe Glück mit der Besetzung; auf der Bühne Billa Christe und Barbara Klehr. Das sind Persönlichkeiten, denen nicht nur ihre Bühnenerfahrung anzusehen ist. Der dritte in der Runde ist Michael Wolf. Eine lebhafte Mimik haben alle drei, doch bei ihm spricht schon die Mimik, lange bevor er den Mund aufmacht. Ein Gesicht, das voller Geschichten steckt. Die Vorstellung ihn gegen einen aalglatten Seifenopernschauspieler zu wechseln, würde das Erlebnis ruinieren. Würden die Schauspieler hier eine Botox-Flatrate bekommen, wäre das Programm wohl bald uninteressant. Die Mimik würde einfach fehlen. Diese drei Improschauspieler können selbst Unfug so spielen, dass deren Persönlichkeit noch für Tiefgang sorgt. Viele starke Menschen hatten keine einfache Vergangenheit. Aalglatt ist möglicherweise niedlich, nur halt auch schnell langweilig.

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Kanzlerwahl (Bundestag)

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Wie ist das mit der Kanzlerwahl?
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Wie ist das mit der Kanzlerwahl?

Kanzlerwahl

 

Das Grundgesetz dient einer stabilen Demokratie. Die Mehrheiten im Parlament sollen sich nicht zufällig ergeben. Deshalb wird für wichtige Entscheidung der Regierungsbildung im Bundestag nicht nur eine einfache Mehrheit der gerade anwesenden Abgeordneten verlangt, sondern eine Mehrheit aller Mitglieder des Bundestages. Ein Kanzler oder eine Kanzlerin ist nur dann gewählt, wenn mehr als die Hälfte aller Abgeordneten in geheimer Wahl für ihn oder sie stimmen.

 

Artikel 63 Grundgesetz (Wahl des Bundeskanzlers)

(1) Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten vom Bundestage ohne Aussprache gewählt.

(2) Gewählt ist, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages auf sich vereinigt. Der Gewählte ist vom Bundespräsidenten zu ernennen.

(3) Wird der Vorgeschlagene nicht gewählt, so kann der Bundestag binnen vierzehn Tagen nach dem Wahlgange mit mehr als der Hälfte seiner Mitglieder einen Bundeskanzler wählen.

(4) Kommt eine Wahl innerhalb dieser Frist nicht zustande, so findet unverzüglich ein neuer Wahlgang statt, in dem gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält. Vereinigt der Gewählte die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages auf sich, so muss der Bundespräsident ihn binnen sieben Tagen nach der Wahl ernennen. Erreicht der Gewählte diese Mehrheit nicht, so hat der Bundespräsident binnen sieben Tagen entweder ihn zu ernennen oder den Bundestag aufzulösen.

 

 

 

Vereidigung „So wahr mir Gott helfe…“

 

Der Amtseid für den Bundespräsidenten lautet in Artikel 56 des Grundgesetzes: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“ Der Amtseid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden. Bundeskanzler und Bundesminister leisten bei ihrem Amtsantritt den Amtseid nach Artikel 64. Jedoch ist in beiden Fällen der Eid der gleiche wie beim Bundespräsidenten (Artikel 56)

 

Artikel 64 Grundgesetz

(1) Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen.

(2) Der Bundeskanzler und die Bundesminister leisten bei der Amtsübernahme vor dem Bundestage den in Artikel 56 vorgesehenen Eid.

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Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 01. Mai 2016
Überarbeitung: 10. November 2020
Englische Version:
AN: #328
K: CNB
Ü:

TV-Duell Merkel–Steinbrück 2013: Rhetorik, Körpersprache und Wirkung

TV-Duell Merkel–Steinbrück 2013: Rhetorik, Körpersprache und Wirkung

Bundestagswahlkampf 2013. Was gibt es Jahre später noch zu lernen?
TV- Duell Angela Merkel und Peer Steinbrück

TV-Duell Angela Merkel und Peer Steinbrück

 

Am Sonntagabend war es endlich so weit: Das erste und einzige Mal, dass Kanzlerin Angela Merkel und Rivale Peer Steinbrück in Deutschland vor der Wahl am 1. September 2013 von 20:30 Uhr bis 22:00 Uhr in einem TV-Duell aufeinander trafen.

Drei Wochen vor der Bundestagswahl forderte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in einer Fernsehdebatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) heraus. Als Experte für Körpersprache analysierte ich das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück.

Auch bei diesem TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück (SPD) wirken sich nicht nur die gesprochenen Worte aus. Ich war deshalb auch neugierig, wie sich die beiden Kontrahenten mit ihrer Körpersprache präsentierten. Mehrere Medien hatten mich auch diesmal um Analysen des Auftritts gebeten.

 

 

 

 

Das TV-Duell

 

Beide haben sich eher zurückhaltend gezeigt. Sowohl Merkel als auch Steinbrück sind nicht in der Lage gewesen, die Beziehung zum Zuschauer durch körpersprachliche Gesten zu fördern.

 

 

 

a.) Angela Merkel, wie wir sie kennen

 

In Bezug auf ihren Herausforderer hat sich Merkel etwas geschickter angestellt. Was sie sehr clever gemacht hat: sie hat sich eher vom Status, von der Ausstrahlung her souveräner gezeigt, als er. Sie wandte sich ihm zu, richtete ihre Körperhaltung in seine Richtung, hat ihn angeschaut, während er die ganze Zeit am Pult klebte, die ganze Zeit frontal dazu stehen blieb. Sie hatte die Alpha-Position.

 

 

Raab verärgerte Merkel

 

Ich habe sie lange nicht mehr so verärgert gesehen. Die Bundeskanzlerin war in der ersten halben Stunde des TV-Duells sichtlich genervt, von den Fragen des Co-Moderators Stefan Raab. Sie ist jemand, der nicht gewohnt ist, auf solche Fragen Antworten zu geben und sich vor allen Dingen nicht dazu zwingen zu lassen, etwas zu sagen, was sie nicht möchte. Ich habe sie lange nicht mehr so verärgert gesehen.

Angela Merkel machte, was sie immer tut. Sie erklärte und zitierte das Statistische Bundesamt. Mitgebracht hat sie dazu einige schöne Worthülsen.

 

 

 

b.) Peer Steinbrück: Sachlich, zu sachlich

 

Der Herausforderer Peer Steinbrück versuchte anzugreifen. Doch jeder Anlauf prallte an Merkel ab. Er ist einfach zu zaghaft, zu unverständlich bei seinen Attacken.

Steinbrück vermittelte durch seine Körpersprache den Eindruck, als wenn er nicht mehr sehr viel zu verlieren habe. Chance vertan: Als wirklicher Macher hat der SPD-Kanzlerkandidat sich nicht präsentiert. Er hat die Ausstrahlung eines Technokraten. Das ist keiner, der Menschen führen kann, motivieren kann, da ist kein Enthusiasmus. So wirkt jemand, der Dinge sachlich abarbeiten kann.

 

 

 

 

Fazit

 

Einen klaren Sieger des Duells ist nicht auszumachen. Null zu Null: Wirklich überzeugt haben beide Kandidaten nicht. In wenigen Tagen wird das Zusammentreffen ohne Auswirkungen sein.

Das war kein TV-Duell, sondern gepflegte Langeweile. Das Herunterbeten von Parteiprogrammen ersetzt keine Leidenschaft. Blass wirken beide, doch sie ist im Amt. Steinbrück hatte dem Kanzlerbonus nichts entgegenzusetzen.

 

 

 

 

Hätte, hätte, Deutschlandkette

 

Wenn es einen Sieger zu küren gilt, dann ist es die schwarz-gold-rote Halskette von Kanzlerin Angela Merkel.

Selbst einen Tag nach der Debatte war das Schmuckstück noch ein Topthema beim Kurznachrichtendienst Twitter. Während Angela Merkel und ihr Herausforderer Peer Steinbrück noch vor der Kamera standen, erhielt die Halskette der Kanzlerinnen mit #schlandkette einen eigenen Hashtag. Auch vielen anderen Medien war die Aufregung um die Kette Beachtung wert.

Merkel dürfte sich bei der Wahl dieses Accessoires etwas gedacht haben. Bei so einer Gelegenheit überlässt niemand unnötig etwas dem Zufall.

Was sich aus einem historischen TV-Duell über politische Rhetorik, Körpersprache und Medienwirkung lernen lässt

 

Hinweis: Dieser Beitrag bezieht sich auf das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück vor der Bundestagswahl 2013. Das Ereignis ist historisch. Die rhetorischen und kommunikativen Fragen dahinter sind weiterhin aktuell.

Ein TV-Duell ist eine besondere Form politischer Kommunikation.

Zwei Menschen stehen einander gegenüber.

Beide sind vorbereitet.

Beide kennen ihre Botschaften.

Beide wissen, dass nicht ausschließlich die gesprochenen Argumente bewertet werden.

Auch Stimme, Körpersprache, Reaktionsfähigkeit, Glaubwürdigkeit und Präsenz wirken mit.

Und im Hintergrund steht eine zusätzliche Herausforderung:

Die eigentliche Zielgruppe sitzt weniger ausschließlich im Studio.

Millionen Menschen sehen Ausschnitte.

Medien formulieren Schlagzeilen.

Einzelne Sätze werden am nächsten Tag wiederholt.

Bilder bleiben im Gedächtnis.

Deshalb eignet sich ein historisches TV-Duell hervorragend als Fallstudie für politische Rhetorik.

 

 

 

Ein TV-Duell ist mehr als eine Diskussion

 

In einem gewöhnlichen Gespräch kann es darum gehen, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.

Im TV-Duell gelten andere Bedingungen.

Die Beteiligten möchten:

eigene Positionen vermitteln,

Unterschiede sichtbar machen,

Glaubwürdigkeit stärken,

Angriffe beantworten,

eigene Themen setzen,

und gleichzeitig gegenüber einem großen Publikum überzeugend wirken.

Das macht die Situation kommunikativ anspruchsvoll.

Du sprichst gleichzeitig:

mit deinem Gegenüber,

mit den Moderierenden,

mit den Menschen im Studio

und mit einem unsichtbaren Millionenpublikum.

 

 

 

Wer ist eigentlich das Publikum?

 

Das ist eine der interessantesten Fragen bei politischen Fernsehduellen.

Ein Kandidat spricht vielleicht unmittelbar zu seinem Gegenüber.

Strategisch richtet sich die Botschaft jedoch an Menschen vor dem Bildschirm.

Darunter können sein:

bereits überzeugte Anhänger,

Unentschlossene,

kritische Wähler,

Menschen mit geringer politischer Bindung,

Medien,

Parteimitglieder

und Menschen, die später lediglich einen kurzen Ausschnitt sehen.

Das bedeutet:

Eine gute Antwort muss im Moment funktionieren und gleichzeitig außerhalb des Moments verständlich bleiben.

 

 

 

Kernbotschaften brauchen Klarheit

 

In einem TV-Duell steht wenig Zeit zur Verfügung.

Deshalb braucht politische Kommunikation Kernbotschaften.

Eine gute Antwort sollte möglichst erkennen lassen:

Was ist meine Position?

Warum vertrete ich sie?

Was bedeutet sie konkret?

Je länger der Weg bis zur eigentlichen Aussage dauert, desto größer das Risiko, dass sie beim Publikum weniger ankommt.

Gerade im Fernsehen gilt:

Klarheit ist ein Wettbewerbsvorteil.

 

 

 

Argumente und Wirkung

 

Ein starkes Argument braucht Substanz.

Doch die Wahrnehmung eines Arguments hängt zusätzlich davon ab, wie es vermittelt wird.

Spricht jemand:

  • ruhig?
  • angespannt?
  • aggressiv?
  • unsicher?
  • präzise?
  • ausweichend?

Eine sachlich gute Antwort kann Wirkung verlieren, wenn sie schwer verständlich oder wenig präsent vermittelt wird.

Umgekehrt kann ein rhetorisch starker Satz kurzfristig überzeugen, obwohl seine sachliche Grundlage dünn ist.

Deshalb lohnt sich beim Zuschauen die Trennung:

Was wird gesagt?

und

Wie wirkt es?

 

 

 

Körpersprache im politischen Duell

 

Politische TV-Auftritte werden häufig stark über Körpersprache kommentiert.

Dabei lohnt sich Vorsicht.

Eine einzelne Geste erlaubt selten eine zuverlässige psychologische Interpretation.

Interessanter ist das Gesamtbild.

Zum Beispiel:

Wie stabil wirkt der Stand?

Wie wird Blickkontakt genutzt?

Wie reagiert jemand bei Kritik?

Wie verändert sich die Körperspannung?

Wie selbstverständlich wird Raum eingenommen?

Wie passen Mimik, Stimme und Inhalt zusammen?

Körpersprache gewinnt Bedeutung im Kontext.

 

 

 

Blickkontakt

 

Im TV-Duell gibt es mehrere mögliche Blickrichtungen.

Zum Gegenüber.

Zu den Moderierenden.

Zur Kamera.

Vielleicht ins Studiopublikum.

Jede Richtung erzeugt eine andere Beziehung.

Wer ausschließlich zum politischen Gegner spricht, kann beim Publikum Distanz erzeugen.

Wer jede Antwort direkt in die Kamera richtet, kann wiederum künstlich wirken.

Die Herausforderung besteht darin, Gesprächssituation und mediale Ansprache miteinander zu verbinden.

 

 

 

Stimme

 

Die Stimme beeinflusst politische Wirkung erheblich.

Tempo.

Pausen.

Lautstärke.

Betonung.

Tonhöhe.

Rhythmus.

Unter Druck steigt das Tempo bei vielen Menschen.

Andere werden monotoner.

Manche antworten zunehmend hart.

Eine tragfähige Stimme unterstützt dagegen den Eindruck:

Diese Person bleibt auch unter Widerstand bei sich.

 

 

 

Ruhe kann Stärke vermitteln

 

TV-Duelle erzeugen Druck.

Eine Frage kommt.

Das Gegenüber greift an.

Die Moderation drängt auf eine kurze Antwort.

Dann entsteht leicht Hektik.

Gerade deshalb kann eine kurze Pause stark wirken.

Sie signalisiert:

Ich höre.

Ich denke.

Ich entscheide, was ich sage.

Schnelligkeit ist weniger automatisch Souveränität.

 

 

 

Angriffe beantworten

 

Politische Duelle leben von Konfrontation.

Die entscheidende Frage lautet:

Wie reagiert jemand auf einen Angriff?

Mögliche Strategien sind:

zurückweisen,

korrigieren,

nachfragen,

kontern,

die eigene Position erklären,

oder den Angriff bewusst weniger zum Zentrum machen.

Nicht jeder Angriff verdient dieselbe Aufmerksamkeit.

Manchmal ist die souveränste Antwort:

kurz klären und zur eigenen Botschaft zurückkehren.

 

 

 

Die Gefahr der Rechtfertigung

 

Ein Angriff kann den Gesprächsrahmen verändern.

Plötzlich spricht ein Kandidat mehrere Minuten über die Vorwürfe des Gegenübers.

Damit bestimmt die andere Seite das Thema.

Deshalb lohnt sich bei jeder Rechtfertigung die Frage:

Wie viel Antwort braucht dieser Angriff wirklich?

Danach zurück zur eigenen Linie.

 

 

 

Fragen statt Verteidigung

 

Eine gute Gegenfrage kann wirksamer sein als eine lange Verteidigung.

Zum Beispiel:

„Was wäre Ihre konkrete Alternative?“

„Wie soll das finanziert werden?“

„Welche Konsequenz hätte Ihr Vorschlag?“

Damit wird das Gegenüber gezwungen, die eigene Position genauer zu erklären.

Gute Fragen sind ein unterschätztes rhetorisches Instrument.

 

 

 

Fakten brauchen Bedeutung

 

Eine Zahl allein überzeugt selten.

Politische Kommunikation arbeitet deshalb idealerweise mit:

Fakt

und

Bedeutung.

Zum Beispiel:

Was bedeutet diese Zahl für:

Arbeitsplätze?

Steuern?

soziale Sicherheit?

Unternehmen?

Familien?

Zukunftsinvestitionen?

Menschen erinnern sich häufig stärker an die Bedeutung als an die exakte Zahl.

 

 

 

Vorsicht mit Zahlen

 

Gleichzeitig sollte ein politischer Auftritt Zahlen weniger als reine Autoritätsverstärker einsetzen.

Das Publikum braucht Kontext.

Im Vergleich womit?

Über welchen Zeitraum?

Welche Quelle?

Welche Unsicherheit?

Eine präzise Einordnung stärkt Glaubwürdigkeit.

 

 

 

Persönliche Angriffe

 

Persönliche Angriffe können Aufmerksamkeit erzeugen.

Sie bergen gleichzeitig Risiken.

Sie können:

unsouverän wirken,

vom Sachthema ablenken,

Sympathie für die angegriffene Person erzeugen,

oder die gesamte Debatte unnötig verhärten.

Politische Härte braucht weniger persönliche Abwertung.

Die stärkere Kritik richtet sich auf Entscheidungen, Aussagen und Konsequenzen.

 

 

 

Humor

 

Humor kann in einem TV-Duell ausgesprochen wirksam sein.

Er kann:

Spannung lösen,

Selbstsicherheit zeigen,

einen Angriff entschärfen,

oder eine Botschaft erinnerbar machen.

Er funktioniert besonders gut, wenn er spontan und passend wirkt.

Zu stark vorbereitete Pointen können dagegen schnell künstlich erscheinen.

 

 

 

Schlagfertigkeit

 

Schlagfertigkeit wird häufig überschätzt.

Ein brillanter Konter kann im Fernsehen einen starken Moment erzeugen.

Trotzdem gewinnt weniger automatisch die Person mit den meisten Pointen.

Interessanter ist:

Kann jemand auch nach einem unerwarteten Angriff klar weiterdenken und die eigene Linie behalten?

Das ist für mich die wichtigere Form von Schlagfertigkeit.

 

 

 

Unterschiede sichtbar machen

 

Ein TV-Duell braucht Kontrast.

Wenn beide Kandidaten ähnlich sprechen, bleibt wenig Orientierung.

Deshalb versucht jede Seite deutlich zu machen:

Hier unterscheiden wir uns.

Bei:

  • Prioritäten.
  • Werten.
  • Maßnahmen.
  • Führungsstil.
  • Zukunftsvorstellungen.

Die Herausforderung lautet:

Unterschied deutlich machen, ohne die Gegenposition künstlich zu verzerren.

 

 

 

Strohmann-Argumente

 

Politische Debatten verführen dazu, die Position des Gegenübers möglichst schwach darzustellen.

Dann lässt sie sich leichter angreifen.

Das ist ein sogenannter Strohmann.

Für eine faire Debatte wäre die stärkere Form:

Die Gegenposition so wiedergeben, dass deren Vertreter sagen könnte:

„Ja, genau das meine ich.“

Dann argumentieren.

Das ist anspruchsvoller.

Und demokratisch wertvoller.

 

 

 

Moderation verändert das Spiel

 

Auch Moderatorinnen und Moderatoren prägen ein TV-Duell.

Durch:

Fragen.

Nachfragen.

Unterbrechungen.

Zeitvorgaben.

Themenwechsel.

und die Entscheidung, wann eine Antwort als ausreichend gilt.

Für die Beteiligten bedeutet das:

Sie müssen gleichzeitig auf Moderation und Gegenüber reagieren.

Und trotzdem ihre eigene Botschaft behalten.

 

 

 

Vorbereitung versus Spontaneität

 

Natürlich sind politische TV-Duelle intensiv vorbereitet.

Botschaften.

Zahlen.

Angriffe.

wahrscheinliche Fragen.

mögliche Gegenargumente.

Trotzdem braucht der Auftritt Spontaneität.

Denn ein echtes Duell entwickelt eine Dynamik.

Ein Kandidat sagt etwas Unerwartetes.

Eine Nachfrage verändert die Richtung.

Eine vorbereitete Antwort passt plötzlich weniger.

Gute Vorbereitung schafft weniger ein starres Skript. Sie schafft Beweglichkeit.

 

 

 

Was Zuschauer häufig wahrnehmen

 

Nach politischen Debatten fragen Medien gerne:

Wer hat gewonnen?

Das reduziert ein komplexes Ereignis auf einen Wettkampf.

Interessanter finde ich andere Fragen:

Wer hat seine Position verständlich gemacht?

Wer konnte mit Gegenwind umgehen?

Wer wirkte glaubwürdig?

Wer beantwortete Fragen?

Wer wich aus?

Welche Botschaft blieb hängen?

Welche Position wurde besser nachvollziehbar?

Diese Fragen liefern mehr als eine Siegerliste.

 

 

 

Fernsehen vergrößert kleine Signale

 

Im persönlichen Gespräch nehmen wir den ganzen Menschen wahr.

Im Fernsehen bestimmt der Bildausschnitt.

Eine kleine Mimik.

Ein Blick.

Eine kurze Reaktion.

Sie können plötzlich sehr sichtbar werden.

Deshalb verändert Kamera die Wirkung.

Wer vor der Kamera spricht, braucht weniger eine andere Persönlichkeit.

Er braucht Bewusstsein dafür, wie Medien Wahrnehmung verändern.

 

 

 

Nach dem Duell beginnt die zweite Debatte

 

Ein politischer TV-Auftritt endet weniger mit der Sendung.

Danach folgen:

Schlagzeilen.

Social Media.

Kommentare.

Umfragen.

Videoausschnitte.

Memes.

Analysen.

Ein einzelner Satz kann das gesamte Ereignis überlagern.

Deshalb gehört zur Vorbereitung auch:

Welche Aussagen sollen zitierfähig sein?

Und:

Welche Formulierung möchte ich morgen weniger aus dem Zusammenhang gerissen sehen?

 

 

 

Was wir aus historischen TV-Duellen lernen können

 

Das Duell Merkel–Steinbrück ist heute Geschichte.

Gerade deshalb eignet es sich als Fallstudie.

Mit zeitlichem Abstand können wir weniger fragen:

„Wer gewinnt die Wahl?“

Und stärker:

„Welche kommunikativen Mechanismen lassen sich erkennen?“

Das macht historische politische Auftritte weiterhin interessant.

 

 

 

Sieben Fragen für die Analyse eines TV-Duells

 

Wenn du ein politisches Duell ansiehst, achte auf:

1. Was sind die drei wichtigsten Kernbotschaften jeder Seite?

2. Welche Fragen werden tatsächlich beantwortet?

3. Welche Fragen werden umgangen?

4. Wie reagieren die Beteiligten unter Druck?

5. Wie passen Stimme, Körpersprache und Inhalt zusammen?

6. Wie fair werden Gegenpositionen dargestellt?

7. Welche Aussage bleibt nach dem Ende am stärksten im Gedächtnis?

Damit analysierst du deutlich mehr als Sympathie.

 

 

 

Politische Kommunikation ist Verantwortung

 

Eine politische Rede oder Debatte dient weniger ausschließlich dem persönlichen Erfolg.

Sie beeinflusst:

öffentliche Wahrnehmung.

Vertrauen.

Konflikte.

politische Entscheidungen.

und möglicherweise das Bild ganzer gesellschaftlicher Gruppen.

Deshalb gilt für politische Kommunikation ein hoher Anspruch.

Wirkung und Verantwortung gehören zusammen.

 

 

 

Unterstützung bei politischen und öffentlichen Auftritten

 

Wenn ein politischer oder öffentlicher Auftritt besondere Bedeutung hat, können wir ihn gezielt vorbereiten.

Zum Beispiel:

  • Rede.
  • Interview.
  • Podiumsdiskussion.
  • TV-Auftritt.
  • Pressegespräch.
  • kritische Fragerunde.
  • oder eine Präsentation vor einem politischen Gremium.

Wir arbeiten bei Bedarf an:

  • Kernbotschaft.
  • Argumentation.
  • Sprache.
  • Fragen und Einwänden.
  • Stimme.
  • Körpersprache.
  • Kamerawirkung.
  • und realitätsnahen Probeläufen.

Die politische Position bleibt deine.

Meine Aufgabe liegt bei Kommunikation, Wirkung und Vorbereitung.

→ Vorbereitung wichtiger Reden und Präsentationen

→ Medienauftritte vorbereiten

 

 

Noch ein Gedanke

 

Politische TV-Duelle werden gerne wie Boxkämpfe betrachtet.

Wer hat getroffen?

Wer musste einstecken?

Wer hat gewonnen?

Für demokratische Kommunikation finde ich eine andere Perspektive interessanter:

Haben wir nach dem Duell besser verstanden, wofür die Beteiligten stehen, welche Entscheidungen sie treffen möchten und weshalb?

Wenn ja, hat politische Rhetorik einen wichtigen Zweck erfüllt.

Wenn weniger, bleibt vielleicht vor allem die Inszenierung.

Und genau deshalb lohnt es sich, historische politische Auftritte auch Jahre später noch einmal anzusehen:

Nicht um die Wahl erneut auszutragen.

Sondern um zu verstehen, wie politische Kommunikation funktioniert.

Antworten auf häufige Fragen

Warum sind historische TV-Duelle heute noch interessant?

Sie bieten konkrete Fallbeispiele für politische Rhetorik, Argumentation, Körpersprache, Kamerawirkung und den Umgang mit Druck.

Was ist bei einem TV-Duell wichtiger: Inhalt oder Wirkung?

Beides beeinflusst sich gegenseitig. Gute Inhalte brauchen verständliche Vermittlung. Starke Wirkung ersetzt weniger belastbare Argumente.

Kann Körpersprache zeigen, ob jemand die Wahrheit sagt?

Aus einzelnen Gesten lässt sich Wahrheit oder Lüge weniger zuverlässig ablesen. Aussagekräftiger sind Kontext und das Zusammenspiel verschiedener Signale.

Werden TV-Duelle vollständig vorbereitet?

Sie werden intensiv vorbereitet. Gleichzeitig bleibt spontane Reaktionsfähigkeit wichtig, weil Fragen und Aussagen des Gegenübers weniger vollständig planbar sind.

Was macht einen politischen Auftritt souverän?

Unter anderem klare Botschaften, nachvollziehbare Argumentation, Präsenz, angemessene Reaktion auf Kritik und die Fähigkeit, auch unter Druck beim Thema zu bleiben.

Unterstützung für deinen Medienauftritt

 

Ein Interview, ein Statement oder ein anderer Medienauftritt kann weitreichende Wirkung haben. Eine gute Vorbereitung hilft dir, deine Botschaften zu schärfen, auch auf kritische Fragen klar zu antworten und vor Kamera oder Mikrofon präsent zu bleiben.

Ich unterstütze dich individuell bei der Vorbereitung deines konkreten Medienauftritts. Wir können mögliche Fragen und kritische Situationen durchspielen, Antworten präzisieren und den Auftritt realitätsnah simulieren.

Besonders wertvoll ist ein Probelauf mit professionellem Feedback. So erfährst du vor dem tatsächlichen Auftritt, wie deine Botschaften wirken, wo Missverständnisse entstehen können und welche Veränderungen deine Wirkung stärken.

Je nach Anlass können wir beispielsweise arbeiten an:

  • Kernbotschaften und Formulierungen
  • Interviews und kritischen Fragen
  • schwierigen oder überraschenden Nachfragen
  • kurzen Statements und O-Tönen
  • Stimme, Körpersprache und Kamerapräsenz
  • Umgang mit Anspannung und Auftrittsdruck
  • realitätsnahen Interviewsimulationen

Die Vorbereitung erfolgt individuell 1:1 in Berlin oder online. Umfang und Intensität richten sich nach Bedeutung, Ausgangssituation und Anforderungen des Medienauftritts.

→ Medienauftritt individuell vorbereiten

→ Honorare und Konditionen

 

Bei Lampenfieber

Starke Anspannung kann den Zugang zu Fähigkeiten erschweren, die dir sonst selbstverständlich zur Verfügung stehen. Wenn Lampenfieber bei deinem Medienauftritt eine größere Rolle spielt, können wir diesen Aspekt gezielt in die Vorbereitung einbeziehen.

→ Unterstützung bei Lampenfieber

Selbstmarketing in der Politik

Selbstmarketing in der Politik

Sich und Ihr Angebot überzeugend präsentieren
Richtig betonen: Bogensätze statt Girlandensätze

Christian Wulff ist als Bundespräsident zurückgetreten. Jenseits politischer Einstellungen gibt es hier eine Menge zum Themenbereich Selbstmarketing – nicht nur in der Politik – zu lernen.
Am Morgen vor der Bekanntgabe lieferte ich einer Journalistin meine Vorstellung einer Stellenbeschreibung für die freigewordene Arbeitsstelle des Bundespräsidenten.

Die Bundesrepublik Deutschland sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen

 

Bundespräsidenten (m/w),
als Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland,
der als Verfassungsorgan Deutschland nach innen und nach außen repräsentiert.

Wir wünschen uns die folgenden Eigenschaften des Bewerber:innens:

  • Mindestalter 40 Jahre und eine gewisses Reife
  • mehrjährige Führungserfahrung
  • politisches Gespür und Realitätssinn
    (Anmerkung: Gesunder Menschenverstand ist schon eine gute Basis)
  • natürliche Autorität
  • Authentizität und Glaubwürdigkeit
    (Anmerkung: Bitte in dieser Kombination.)
  • Werteorientierung
    (Anmerkung: Damit sind nicht finanzielle bzw. materielle Werte oder Vorteile gemeint, sondern ideelle Werte wie z.B. Unbestechlichkeit und Toleranz)
  • Kundenorientierung und Arbeitgeberloyalität
    (Anmerkung: Das sind nicht die Spender aus der Wirtschaft, sondern die Bürger. Sie sind sowohl Kunden als auch Arbeitgeber und bezahlen das Gehalt.)
  • Überzeugungskraft
  • guter Leumund, keine Altlasten
  • Standhaftigkeit
    (Anmerkung: Damit ist nicht gemeint am Stuhl zu kleben, sondern Werte zu vertreten und sich für sie einzusetzen.)
  • Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbstanalyse
    (Anmerkung: Kurze Lernphasen ohne unnötige Umwege.)
  • Bereitschaft zur Transparenz
  • Kommunikationsstärke
    (Anmerkung: Damit ist keine einseitige Kommunikationsstärke etwa gegenüber Unternehmern und Lobbyisten gemeint. Und es sei kurz an die Weisheit erinnert: Kommunikation ist das, was ankommt!)
  • professioneller Umgang mit den Medien
    (Anmerkung: Spontane Wutausbrüche gegenüber Medienvertretern und ihren Mailboxen sind damit nicht gemeint)
  • professionelle Mitarbeiterauswahl
  • Reisebereitschaft
    (Anmerkung: Besonderes Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Übernachtungsortes und der Gastgeber erwünscht.)
  • Geschick bei der Wahl der Freunde und bei Annahme von Geschenken
  • Der Amtseid, den der Bundespräsident bei seinem Amtsantritt vor den versammelten Mitgliedern des Bundestages und des Bundesrates leistet, ist für den Kandidaten bzw. die Kandidatin nicht nur eine Floskel:„Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

 

Ihre Aufgaben:

  • Sie repräsentieren Ihren Arbeitgeber (die Bundesrepublik Deutschland und damit dessen Bürger) im In- und Ausland.
    (Anmerkung: Dies geschieht durch Ihr öffentliches Auftreten bei staatlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Anlässen, durch Reden und Besuche im Inland und Staatsbesuche im Ausland sowie durch den Empfang ausländischer Staatsgäste. Dazu ist es hilfreich, wenn Menschen sich gerne mit Ihnen sehen lassen. Und damit sind nicht nur Personen aus der Privatwirtschaft gemeint.)
  • Sie nehmen als glaubwürdige moralische Instanz eine rechts- und verfassungswahrende Kontrollfunktion wahr.
  • Sie übernehmen die völkerrechtliche Vertretung der Bundesrepublik Deutschland, den Abschluss von Verträgen mit auswärtigen Staaten, die Beglaubigung der deutschen diplomatischen Vertreter und den Empfang der ausländischen Diplomaten.
  • Sie setzen sich für Integration ein.
  • Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Grundgesetz und den Bundesgesetzen.

 

Es erwarten Sie …

  • ein (Anmerkung: früher zumindest) mit hohen Ansehen verbundenes Amt,
  • weltweite Aufmerksamkeit und Medienpräsenz, (Anmerkung: Etwas, dass auch Vorteile haben kann, wenn es nicht gerade um eigene Skandale geht.),
  • ein erstklassiges Büro in bester Berliner Lage direkt an der Spree,
  • komfortable Beförderung mit gepanzertem Dienstwagen inklusive Polizeieskorte sowie die Flugbereitschaft der Bundeswehr,
  • sowie eine durchaus ansehnliche finanzielle Vergütung, auch über die Amtszeit hinaus.

 

 

Christian Wulff im TV-Interview: Körpersprache und Wirkung

Körpersprache von Christian Wulff im TV-Interview: eine historische Analyse

Christian Wulff im TV-Interview: Körpersprache und Wirkung
Überdurchschnittliche Reden halten

Körpersprache von Christian Wulff im TV-Interview: eine historische Analyse

 

Wie wirkte Bundespräsident Christian Wulff in seinem viel beachteten Fernsehinterview vom 4. Januar 2012?

Damals wurde ich von Spiegel Online gebeten, den Auftritt aus der Perspektive von Körpersprache und persönlicher Wirkung zu analysieren.

Das Gespräch fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem Christian Wulff öffentlich erheblich unter Druck stand. In dem Interview von ARD und ZDF stellte er sich den Fragen von Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten und nahm zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung.

Dieser Beitrag dokumentiert meine damalige Analyse und ordnet sie zugleich aus heutiger Sicht neu ein.

Wichtig: Körpersprache erlaubt keine zuverlässigen Rückschlüsse auf Gedanken, Motive, Ehrlichkeit oder innere Zustände. Einzelne Gesten besitzen keine feste universelle Bedeutung. Seriöser ist die Frage: Welche Wirkung kann das Zusammenspiel von Haltung, Blick, Stimme und Verhalten in einem bestimmten Kontext erzeugen?

 

 

 

Historischer Kontext

 

Am 4. Januar 2012 gaben ARD und ZDF Bundespräsident Christian Wulff Gelegenheit, sich in einem ausführlichen Fernsehinterview zu den damaligen Vorwürfen zu äußern.

Das Gespräch fand im ARD-Hauptstadtstudio statt und wurde am selben Abend ausgestrahlt.

Wulff erklärte unter anderem, dass er keinen Rücktritt plane und weiterhin davon überzeugt sei, nichts Unrechtes getan zu haben, zugleich jedoch nicht alles richtig gemacht zu haben.

Der öffentliche Druck war zu diesem Zeitpunkt erheblich.

Für die Betrachtung seines Auftritts ist dieser Kontext wichtig.

Denn Körpersprache entsteht nicht im luftleeren Raum.

Ein Mensch, der in einer hochkritischen Situation öffentlich befragt wird, befindet sich in einer vollkommen anderen Lage als bei einer vorbereiteten Rede oder einem Routineinterview.

 

 

 

Die Fragen meiner damaligen Analyse

 

Im Mittelpunkt standen drei Fragen:

  • Wie wirkt Christian Wulff in diesem Interview?
  • Wie passen verbale Botschaft und nonverbale Wirkung zusammen?
  • Welche Wirkung können Haltung, Blick und Verhalten beim Publikum erzeugen?

Genau diese dritte Frage halte ich auch heute für die interessanteste.

Weniger:

„Was verrät diese Geste über den Menschen?“

Mehr:

„Welche Wirkung entsteht beim Betrachter?“

 

 

 

Körpersprache lesen: Wirkung statt Gedankenlesen

 

Frühere Körperspracheanalysen wurden häufig sehr direkt formuliert.

Eine verschränkte Haltung galt als Abwehr.

Wenig Blickkontakt als Unsicherheit.

bestimmte Augenbewegungen als Hinweis auf innere Vorgänge.

Solche eindeutigen Zuschreibungen halte ich heute für zu weitgehend.

Menschen bewegen sich aus vielen Gründen.

Eine Person kann die Arme verschränken, weil ihr kalt ist.

Sie kann nach unten schauen, weil sie nachdenkt.

Sie kann unruhig wirken, weil eine Situation ungewöhnlich belastend ist.

Ohne zusätzlichen Kontext kennen wir die Ursache nicht.

Was wir jedoch beschreiben können, ist die wahrnehmbare Wirkung.

 

 

 

Ein Auftritt unter außergewöhnlichem Druck

 

Christian Wulff saß im Interview mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper am Tisch.

Seine Haltung wirkte über längere Strecken kompakt und zurückgenommen.

Die Hände lagen häufig eng zusammen.

Auch die Beine und Füße wirkten in Teilen des Gesprächs eher zurückgezogen.

In der Gesamtwirkung entstand dadurch weniger das Bild eines offensiven, raumgreifenden Auftritts.

Der Auftritt wirkte über weite Strecken kontrolliert, ernst und angespannt.

Das ist zunächst eine Beschreibung der Wirkung.

Warum genau diese Haltung entstand, lässt sich daraus allein nicht sicher ableiten.

 

 

 

Amt und Person

 

Besonders interessant war damals der Kontrast zwischen zwei Rollen.

Christian Wulff trat einerseits als Privatperson auf, die sich zu persönlichen Vorwürfen äußern musste.

Gleichzeitig war er Bundespräsident.

Dieses Amt besitzt eine stark repräsentative Funktion.

Das Publikum betrachtet deshalb nicht nur:

Was sagt Christian Wulff?

Sondern auch:

Wie wirkt ein Bundespräsident in einer solchen Situation?

Damit steigen die Erwartungen an Ruhe, Klarheit, Würde und persönliche Präsenz.

 

 

 

Die Wirkung der Körperhaltung

 

Eine aufrechte, entspannte Haltung wird häufig mit Präsenz und Sicherheit verbunden.

Im Interview wirkte Wulffs Haltung dagegen phasenweise stärker nach innen orientiert.

Er richtete sich zwischendurch auf und veränderte seine Position.

In der Gesamtwirkung entstand dadurch ein Wechsel zwischen Aufrichtung und Rückzug.

Aus heutiger Sicht würde ich daraus keine Aussage über einen inneren Zustand ableiten.

Interessant ist die Wirkung:

Der Auftritt vermittelte weniger körperliche Weite und Selbstverständlichkeit, als viele Menschen möglicherweise mit einem repräsentativen Staatsamt verbinden.

 

 

 

Raum einnehmen

 

Menschen unterscheiden sich darin, wie viel Raum sie körperlich beanspruchen.

Auch Situation, Möbel, Kleidung und Gesprächsformat spielen eine Rolle.

Wulff wirkte in Teilen des Interviews eher kompakt.

Diese kompakte Haltung kann beim Betrachter einen zurückgenommenen Eindruck erzeugen.

Das ist etwas anderes als die Behauptung:

„Er wollte möglichst wenig Raum beanspruchen.“

Seine Absicht kennen wir nicht.

Wir können lediglich die sichtbare Wirkung beschreiben.

 

 

 

Blickkontakt

 

Auch beim Blickkontakt ist Vorsicht mit eindeutigen Interpretationen sinnvoll.

Menschen unterbrechen Blickkontakt beispielsweise beim Nachdenken, beim Erinnern oder beim Formulieren komplexer Antworten.

Im Interview wandert Wulffs Blick wiederholt.

Teilweise hält er den Kontakt zu den Journalisten, teilweise löst er ihn.

In einer ohnehin angespannten Situation kann dieser Wechsel beim Publikum Nervosität oder innere Belastung vermitteln.

Er beweist jedoch weder Unsicherheit noch Unehrlichkeit.

 

 

 

Unruhige Augen sind kein Lügendetektor

 

Diesen Punkt würde ich heute besonders deutlich formulieren.

Aus Augenbewegungen lässt sich kaum zuverlässig erkennen, ob ein Mensch die Wahrheit sagt.

Auch vermeintliches „Augenflackern“ erlaubt keine seriöse Aussage darüber, ob Worte und Gefühle übereinstimmen.

Was wir beschreiben können:

Unruhige Blickbewegungen können beim Publikum den Eindruck von Nervosität, hoher Konzentration oder Belastung verstärken.

Mehr sollten wir daraus ohne weitere Informationen nicht ableiten.

 

 

 

Worte und Wirkung

 

Spannend ist bei öffentlichen Auftritten häufig weniger eine einzelne Geste als das Zusammenspiel verschiedener Ebenen.

Zum Beispiel:

  • Wortwahl
  • Stimme
  • Sprechtempo
  • Pausen
  • Blick
  • Haltung
  • Mimik

Wenn diese Ebenen ähnlich wirken, entsteht beim Publikum häufig ein stimmiger Gesamteindruck.

Wenn sie sehr unterschiedlich wirken, kann Irritation entstehen.

 

 

 

Was bedeutet Kongruenz?

 

In der Kommunikationsarbeit wird häufig von Kongruenz gesprochen.

Gemeint ist:

Wirken Worte, Stimme und Körpersprache stimmig miteinander?

Auch hier sollte eine wichtige Grenze beachtet werden.

Fehlende Kongruenz beweist keine Täuschung.

Ein Mensch kann überzeugt von seiner Aussage sein und gleichzeitig:

nervös sein.

erschöpft sein.

unter enormem Druck stehen.

oder sich in einer ungewohnten Situation befinden.

Die Wirkung beim Publikum kann trotzdem widersprüchlich sein.

 

 

 

Die Stimme

 

Neben Körpersprache spielt Stimme eine erhebliche Rolle.

Eine Stimme vermittelt unter anderem:

  • Tempo
  • Spannung
  • Energie
  • Ruhe
  • Entschlossenheit

Gerade in Kriseninterviews entsteht Wirkung deshalb kaum ausschließlich durch das, was gesagt wird.

Wie etwas ausgesprochen wird, prägt die Wahrnehmung mit.

 

 

 

Warum solche Interviews so anspruchsvoll sind

 

Ein vorbereitetes Statement lässt sich proben.

Ein kritisches Interview ist dialogisch.

Fragen kommen.

Nachfragen folgen.

Antworten werden unterbrochen.

Ein Journalist greift einen Widerspruch auf.

Die nächste Frage entsteht aus der vorherigen Antwort.

Damit steigt die Belastung.

Und gleichzeitig wird spontane Selbstregulation wichtiger.

 

 

 

Executive Presence unter Druck

 

Heute würde ich den Auftritt deshalb auch unter dem Gesichtspunkt der Executive Presence betrachten.

Executive Presence zeigt sich besonders dann, wenn eine Situation schwierig wird.

Zum Beispiel:

  • bei kritischen Fragen
  • bei öffentlichem Widerspruch
  • unter Zeitdruck
  • bei persönlicher Betroffenheit
  • bei unvollständiger Kontrolle über das Gespräch

Dann wird sichtbar:

Wie stabil bleibt die Person?

Wie klar formuliert sie?

Wie geht sie mit Unsicherheit um?

Wie reagiert sie auf Druck?

 

 

 

Ruhe bedeutet nicht Emotionslosigkeit

 

Eine Person muss in einer solchen Situation kaum völlig entspannt wirken.

Das wäre möglicherweise sogar unglaubwürdig.

Ein ernstes Thema darf sich in Mimik und Stimme spiegeln.

Entscheidend ist eher:

Bleibt trotz Belastung ausreichend Klarheit und Handlungsfähigkeit erhalten?

 

 

 

Der Rahmen beeinflusst die Wahrnehmung

 

Auch das Interviewformat selbst spielt eine Rolle.

Ein Tisch.

zwei Journalisten.

ein Staatsoberhaupt.

kritische Fragen.

Großaufnahmen.

wenig Ablenkung.

Jede kleine Bewegung wird sichtbarer.

Eine Haltung, die in einem normalen Gespräch kaum auffallen würde, kann im Fernsehen erheblich stärker wirken.

 

 

 

Die Kamera vergrößert Signale

 

Vor der Kamera gilt:

Kleine Veränderungen werden groß.

Ein kurzer Blick nach unten.

ein tiefes Ausatmen.

eine Bewegung der Hände.

eine Pause.

All das bekommt durch Nahaufnahmen zusätzliche Bedeutung.

Das bedeutet allerdings erneut:

Sichtbarkeit ist nicht gleich Bedeutung.

Nur weil eine Bewegung deutlich zu sehen ist, kennen wir ihre Ursache noch nicht.

 

 

 

Welche Rolle spielen Erwartungen?

 

Menschen betrachten öffentliche Personen nicht neutral.

Sie bringen Erwartungen mit.

An einen Bundespräsidenten bestehen andere Erwartungen als an:

einen Unternehmer.

einen Wissenschaftler.

einen Schauspieler.

oder einen privaten Gesprächspartner.

Diese Erwartungen prägen die Wirkung.

Dasselbe Verhalten kann deshalb je nach Rolle vollkommen unterschiedlich bewertet werden.

 

 

 

Die Würde des Amtes als Erwartung

 

Beim Bundespräsidenten spielen symbolische Erwartungen eine besondere Rolle.

Das Amt soll repräsentieren.

integrieren.

Orientierung bieten.

Dadurch steigt auch die Erwartung an öffentliche Auftritte.

In einem Kriseninterview entsteht deshalb eine doppelte Aufgabe:

persönliche Fragen beantworten.

und gleichzeitig die Rolle des Amtes sichtbar tragen.

 

 

 

Warum Körperspracheanalysen schnell zu weit gehen

 

Öffentliche Auftritte laden zu schnellen Deutungen ein.

„Er schaut weg – also lügt er.“

„Sie verschränkt die Arme – also lehnt sie etwas ab.“

„Er berührt sein Gesicht – also ist er unsicher.“

Solche Aussagen klingen eindeutig.

Sie sind fachlich häufig kaum haltbar.

Eine einzelne Geste besitzt selten eine einzige eindeutige Bedeutung.

 

 

 

Was lässt sich sinnvoll analysieren?

 

Hilfreicher sind Fragen wie:

  • Welche Gesamtwirkung entsteht?
  • Welche Signale treten wiederholt auf?
  • Wann verändert sich das Verhalten?
  • Wie passt es zum Gesprächskontext?
  • Wie wirken Stimme, Sprache und Körper zusammen?
  • Welche Alternativerklärungen gibt es?

Damit wird aus Körpersprachebeobachtung weniger Gedankenlesen und stärker Wirkungsanalyse.

 

 

 

Was können Führungskräfte daraus lernen?

 

Auch wenn dieser Fall aus der Politik stammt, lassen sich einige kommunikative Prinzipien auf andere High-Stakes-Situationen übertragen.

Zum Beispiel:

  • Vorstandspräsentationen
  • Medieninterviews
  • Krisengespräche
  • Townhalls
  • kritische Mitarbeiterveranstaltungen
  • Verhandlungen

Je höher der Druck, desto wichtiger wird die Vorbereitung auf die Situation selbst.

 

 

1. Inhalt allein reicht nicht

 

Du kannst sachlich gute Antworten geben und trotzdem eine widersprüchliche Wirkung erzeugen.

Deshalb sollte Vorbereitung auch berücksichtigen:

  • Stimme
  • Tempo
  • Blick
  • Haltung
  • Pausen

 

2. Unter Druck wird Selbstregulation sichtbar

 

Stress verändert:

Atmung.

Stimme.

Sprechtempo.

Körperhaltung.

Aufmerksamkeit.

Wer solche Situationen vorbereitet, sollte deshalb kaum nur Antworten formulieren.

Auch der Umgang mit eigener Anspannung gehört dazu.

 

 

3. Schwierige Fragen sollten tatsächlich geprobt werden

 

Eine Liste möglicher Fragen zu lesen reicht wenig.

Hilfreicher ist eine realistische Simulation.

Jemand fragt kritisch.

hakt nach.

unterbricht.

stellt eine unangenehme Nachfrage.

Dann zeigt sich, ob die Vorbereitung trägt.

 

 

4. Weniger Rechtfertigung, mehr Klarheit

 

Unter Druck entsteht leicht der Wunsch, immer ausführlicher zu erklären.

Das kann die Wirkung schwächen.

Oft ist hilfreicher:

Frage verstehen.

direkt antworten.

kurz begründen.

Pause.

 

 

5. Körpersprache lässt sich weniger kontrollieren als Haltung

 

Wer während eines kritischen Interviews ständig denkt:

„Was mache ich mit meinen Händen?“

verliert Aufmerksamkeit.

Die bessere Vorbereitung beginnt tiefer.

Was ist meine Position?

Was weiß ich?

Was kann ich nicht beantworten?

Welche Verantwortung übernehme ich?

Welche Grenze setze ich?

Innere Klarheit unterstützt häufig auch eine ruhigere äußere Wirkung.

 

 

 

Rückblick auf Christian Wulffs Auftritt

 

Aus heutiger Sicht würde ich den damaligen Auftritt vorsichtiger interpretieren, als ich es in meiner ursprünglichen Analyse getan habe.

Ich würde kaum behaupten, einzelne Bewegungen würden eine bestimmte innere Haltung beweisen.

Was ich weiterhin interessant finde, ist die Gesamtwirkung.

Der Auftritt vermittelt über weite Strecken hohe Belastung und eine eher kompakte, kontrollierte körperliche Präsenz.

Das stand im Spannungsfeld mit den hohen Erwartungen an die repräsentative Rolle des Bundespräsidenten.

Ob und was Christian Wulff innerlich empfand, lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten.

 

 

 

Was danach geschah

 

Christian Wulff blieb nach dem Interview zunächst im Amt.

Am 17. Februar 2012 erklärte er seinen Rücktritt als Bundespräsident.

Der Rücktritt erfolgte nach weiteren Entwicklungen und wachsendem politischen und öffentlichen Druck.

Aus der späteren Entwicklung lässt sich jedoch rückwirkend kaum ableiten, dass bestimmte Gesten im Interview bereits etwas „verraten“ hätten.

Das wäre genau jene Überinterpretation, vor der eine seriöse Körperspracheanalyse schützen sollte.

 

 

 

Körpersprache ist kein Lügendetektor

 

Vielleicht ist das die wichtigste Ergänzung zu meiner damaligen Analyse.

Wer Körpersprache beobachtet, sollte bescheiden bleiben.

Wir sehen Verhalten.

Wir erleben Wirkung.

Wir kennen den Kontext teilweise.

Was wir nicht unmittelbar sehen:

Gedanken.

Motive.

Wahrheit.

innere Gewissheit.

Körpersprache kann Wirkung sichtbar machen. Sie erlaubt uns kaum, zuverlässig in einen Menschen hineinzuschauen.

 

 

 

Was gute Körperspracheanalyse leisten kann

 

Sie kann helfen zu verstehen:

  • wie ein Auftritt wirkt
  • wo verbale und nonverbale Signale unterschiedlich wahrgenommen werden
  • wie Stress die Wirkung verändert
  • welche Rolle Kontext spielt
  • wie Menschen ihre eigene Präsenz verbessern können

Das ist bereits sehr viel.

Dafür brauchen wir keine vermeintlichen Geheimcodes.

 

 

 

Was Führungskräfte für eigene Auftritte mitnehmen können

 

Vor einem kritischen Gespräch oder öffentlichen Auftritt lohnt sich deshalb weniger die Frage:

„Welche Körpersprache muss ich zeigen?“

Hilfreicher sind:

Was ist meine zentrale Botschaft?

Welche Verantwortung übernehme ich?

Welche Fragen werden schwierig?

Wie bleibe ich unter Druck klar?

Wie möchte ich wirken?

Passt mein Verhalten zu meiner Botschaft?

 

 

 

Der entscheidende Gedanke

 

Körpersprache beeinflusst die Wirkung eines Auftritts.

Gerade unter hohem Druck.

Doch sie ist keine geheime Sprache mit einem eindeutigen Wörterbuch.

Ein gesenkter Blick besitzt nicht automatisch eine bestimmte Bedeutung.

Verschränkte Arme beweisen keine Abwehr.

Unruhige Augen beweisen keine Unehrlichkeit.

Interessant ist das Gesamtbild.

Der Kontext.

Die Veränderung.

Und vor allem:

die Wirkung.

Beobachte Körpersprache aufmerksam. Interpretiere sie vorsichtig. Und unterscheide konsequent zwischen dem, was du siehst, und dem, was du nur vermutest.

 

 

 

Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags

 

Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels entstand 2012 im Zusammenhang mit einer Anfrage von Spiegel Online zur Körpersprache Christian Wulffs in seinem Fernsehinterview.

Ich habe den Beitrag später überarbeitet und aus heutiger Sicht fachlich neu eingeordnet.

Der politische Inhalt steht dabei nicht im Mittelpunkt.

Mich interessiert an diesem Beispiel die kommunikative Wirkung eines Menschen in einer außergewöhnlich anspruchsvollen öffentlichen Situation.

Solche Auftritte zeigen besonders deutlich, wie eng Sprache, Stimme, Körpersprache, Rolle, Erwartungen und Verhalten unter Druck miteinander verbunden sind.

 

 

 

Körpersprache und Executive Presence in wichtigen Situationen

 

Wenn du selbst vor einem wichtigen Auftritt, einem kritischen Gespräch oder einer Präsentation mit hoher Tragweite stehst, können wir unmittelbar an deiner tatsächlichen Situation arbeiten.

Zum Beispiel bei:

  • Vorstands- und Geschäftsführungsmeetings
  • kritischen Präsentationen
  • Medienauftritten
  • schwierigen Gesprächen
  • öffentlichen Auftritten
  • Kommunikation unter Druck

Im persönlichen 1:1 betrachten wir je nach Situation:

  • Kernbotschaft
  • Argumentation
  • Stimme
  • Körpersprache
  • persönliche Präsenz
  • kritische Fragen
  • Umgang mit Druck
  • Gesamtwirkung

Dabei geht es weniger darum, Gesten einzustudieren.

Das Ziel ist eine stimmige, glaubwürdige und tragfähige Präsenz.

Online oder persönlich in Berlin.

P.S.​

 

Fragen, Sichtweise, …? ?

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