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Schade, viele Redner sind so vom eigenen Standpunkt derartig eingenommen, dass der Erkundung anderer Sichtweisen keine Aufmerksamkeit gewidmet wird. Besser: Erkunden Sie von sich aus die Argumente von Gegenspielern, lernen Sie dazu und optimieren Sie Ihre Argumente.
Ein Geheimnis des Erfolgs ist den Standpunkt des anderen zu verstehen.
Henry Ford
Meinungsunterschiede sind Chancen, sich aufeinander einzulassen und voneinander zu lernen. Viele Redner sind allerdings so vom eigenen Standpunkt eingenommen, dass der Erkundung anderer Sichtweisen keine Aufmerksamkeit gewidmet wird. Doch genau das ist nicht nur eine Frage des Respekts anders denkenden Menschen gegenüber, sondern auch dem eigenen Thema und Standpunkt gegenüber. Außerdem wird vieles erst dadurch interessant, weil wir uns tiefer dafür interessieren. Wenn der eigene Standpunkt so gut ist, dann braucht es keine Tabuzonen, um ihn zu schützen. Solange man lebt, gibt es immer etwas zu lernen. Man sollte auch aus Fehlern lernen, die man nicht zugibt. Und denkende Menschen sind ja durchaus auch in der Lage, ihre Meinung zu korrigieren. Wer aufhört zu lernen, hört auf zu leben.
So oder so: Gerade die offene Auseinandersetzung mit Alternativen beweist Kompetenz und gibt dem eigenen Standpunkt das notwendige Fundament. Wer reden will, sollte erst einmal lernen, zuzuhören. Ein professionelles Training mit einem Kommunikationstrainer beziehungsweise Coach als Advocatus Diavoli für die konkrete Vorbereitung bieten sich an. Der Blick über den Tellerrand erweitert den Horizont und stärkt die Überzeugungskraft. Beides hat ja durchaus seinen Wert, oder?
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2009
Überarbeitung: 1. Juli 2020
AN: #4335
Möchtest du recht haben?
Oder möchtest du etwas erreichen?
Diese beiden Ziele können zusammenpassen.
Sie müssen es weniger.
Manchmal ist es wichtig, einer Sache deutlich zu widersprechen.
Manchmal lohnt es sich, auf einer korrekten Information zu bestehen.
Und manchmal merken wir mitten in einer Diskussion:
Es geht längst weniger um die Sache.
Es geht darum, wer gewinnt.
Du kannst sachlich recht haben.
Und trotzdem ein Gespräch verlieren.
Du kannst ein hervorragendes Argument besitzen.
Und trotzdem Vertrauen beschädigen.
Umgekehrt kannst du freundlich bleiben und gleichzeitig einen wichtigen Fehler stehen lassen.
Deshalb lautet die entscheidende Frage weniger: Recht oder Freundlichkeit?
Sie lautet:
Was braucht diese Situation?
Zum Beispiel wenn:
Dann kann Schweigen die schlechtere Lösung sein.
Das wird häufig verwechselt.
Du kannst freundlich sagen:
„Ich sehe das anders.“
Du kannst freundlich sagen:
„Diese Zahl stimmt weniger.“
Du kannst freundlich sagen:
„Damit bin ich weniger einverstanden.“
Freundlichkeit beschreibt den Umgang.
Sie entscheidet weniger über deine Position.
Zum Beispiel:
„Ich verstehe dein Argument. In diesem Punkt komme ich zu einem anderen Ergebnis.“
Oder:
„Wir bewerten das unterschiedlich. Meine Entscheidung bleibt trotzdem bestehen.“
Das ist weder aggressiv noch nachgiebig.
Es ist klar.
Dafür gibt es viele mögliche Gründe.
Zum Beispiel:
Deshalb lohnt sich im Konflikt eine zweite Frage:
Was verteidige ich gerade eigentlich?
Manchmal diskutieren wir über ein Thema.
Und unbemerkt wird daraus:
„Wenn ich hier nachgebe, verliere ich.“
Dann verändert sich die Qualität des Gesprächs.
Es geht weniger um Erkenntnis.
Es geht um Position.
Das zeigt sich zum Beispiel, wenn:
Dann lohnt sich:
„Was würde tatsächlich verloren gehen, wenn ich hier sage: Du hast recht?“
Ein hilfreicher Begriff dafür ist intellektuelle Bescheidenheit.
Gemeint ist weniger:
„Ich weiß nichts.“
Sondern:
„Ich habe gute Gründe für meine Position und könnte trotzdem etwas übersehen.“
Das ist keine Schwäche.
Es verbessert die Qualität von Gesprächen.
Du kannst sagen:
„Nach allem, was ich weiß, ist das die beste Lösung.“
Und gleichzeitig:
„Wenn du bessere Informationen hast, möchte ich sie hören.“
Beides passt zusammen.
Untersuchungen zu intellektueller Bescheidenheit zeigen:
Menschen, die stärker akzeptieren können, dass die eigenen Überzeugungen begrenzt oder korrigierbar sind, reagieren in Konflikten häufiger konstruktiv und seltener destruktiv.
Das gilt sowohl in privaten Beziehungen als auch im Arbeitskontext.
Vielleicht präsentierst du ein hervorragendes Argument.
Dein Gegenüber erlebt jedoch:
„Du willst mich nur widerlegen.“
Dann erreicht die Information die andere Person möglicherweise weniger.
Wirkung und sachliche Richtigkeit sind zwei verschiedene Ebenen.
Zum Beispiel:
„Das ist Unsinn.“
Vielleicht ist die Aussage sachlich tatsächlich falsch.
Doch diese Formulierung erhöht häufig die Verteidigungsbereitschaft.
Hilfreicher könnte sein:
„Ich komme bei diesem Punkt zu einem anderen Ergebnis. Lass uns die Annahmen vergleichen.“
Freundlichkeit bedeutet weniger, jedes Problem weichzuzeichnen.
Bei wichtigen veränderbaren Problemen kann direkte Kommunikation sinnvoll sein.
Zum Beispiel:
„Dieses Verhalten belastet unsere Zusammenarbeit. Ich möchte, dass wir es verändern.“
Das ist deutlich.
Und respektvoll.
Wer Konflikte ausschließlich vermeiden möchte, kann wichtige Probleme verschleppen.
Zum Beispiel:
Eine angenehme Atmosphäre ist weniger immer ein Zeichen für eine gute Beziehung.
Eine gute Beziehung oder Zusammenarbeit hält weniger nur Zustimmung aus.
Sie sollte auch Raum haben für:
„Nein.“
„Das sehe ich anders.“
„Damit bin ich weniger einverstanden.“
Zum Beispiel wenn:
Dann kann die klügere Entscheidung lauten:
„Wir sehen das unterschiedlich.“
Menschen können verschiedene:
haben.
Manche Unterschiede lassen sich weniger endgültig auflösen.
Manche Diskussionen wirken sachlich, sind jedoch Wertfragen.
Zum Beispiel:
„Welcher Lebensstil ist besser?“
„Was ist eine gute Führungskraft?“
„Was ist wichtiger: Sicherheit oder Freiheit?“
Dafür gibt es weniger immer eine objektiv richtige Antwort.
Das kann Konflikte erheblich vereinfachen.
Frag:
Reden wir gerade über eine überprüfbare Tatsache?
Über eine Bewertung?
Oder über eine persönliche Präferenz?
Zum Beispiel:
„Wie hoch war der Umsatz tatsächlich?“
Dann helfen:
Weniger rhetorische Dominanz.
Zum Beispiel:
„Welche der beiden Strategien ist besser?“
Dann lautet die nächste Frage:
Nach welchen Kriterien?
Zum Beispiel:
„Ich finde diese Gestaltung schöner.“
Da hilft wenig:
„Nein, meine ist objektiv besser.“
Manche Diskussionen laufen weiter, obwohl alles gesagt wurde.
Warum?
Weil beide Seiten weniger die offene Frage klären.
Sie möchten das Gespräch gewinnen.
Ein hilfreicher Test:
„Wenn mein Gegenüber jetzt nichts mehr sagt – wäre ich zufrieden?“
Wenn ja, geht es möglicherweise stärker um Sieg als um Erkenntnis.
Umgangssprachlich sprechen wir von Rechthaberei, wenn jemand immer wieder darauf besteht, recht zu haben.
Der entscheidende Punkt ist weniger, dass dieser Mensch tatsächlich häufig recht hat.
Problematisch wird:
Das Bedürfnis nach Bestätigung dominiert die Beziehung oder das Gespräch.
Vielleicht gewinnst du die Diskussion.
Und verlierst:
Dann war der Sieg möglicherweise weniger wert, als er sich im Moment angefühlt hat.
Dieser bekannte Satz ist eingängig.
Und zu einfach.
Manchmal hängt Glück gerade davon ab, dass du:
Die bessere Frage lautet:
„Ist dieser Konflikt wichtig genug, und führe ich ihn auf eine Weise, die meinem Ziel dient?“
Manche Menschen geben zu schnell nach, weil sie:
Dann ist die Entwicklungsaufgabe weniger:
„Werde freundlicher.“
Sondern:
„Vertrete deine Position klarer.“
Sie vertreten ihre Position bereits sehr klar.
Vielleicht sogar brillant.
Doch sie lassen wenig Raum für:
Dann lautet die Entwicklungsaufgabe:
„Du musst weniger jeden Punkt gewinnen.“
Gibst du zu schnell nach?
Oder kämpfst du zu lange?
Beides kann problematisch sein.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig.
Du kannst eine sachlich korrekte Position vertreten.
Wenn du willst, dass sie berücksichtigt wird, brauchst du zusätzlich:
Recht haben und Wirkung erzielen sind zwei verschiedene Dinge.
Bevor du dich in eine Diskussion hineinziehst, frag:
„Was möchte ich nach diesem Gespräch erreicht haben?“
Zum Beispiel:
Dann kannst du deine Kommunikation daran ausrichten.
Ein Kollege präsentiert eine Zahl, die falsch ist.
Du weißt es.
Die Entscheidung hängt davon ab.
Dann wäre es wenig hilfreich, aus Höflichkeit zu schweigen.
Du kannst sagen:
„Bevor wir entscheiden, möchte ich eine Zahl prüfen. Nach meinen Unterlagen liegt der Wert bei 18 statt 28 Prozent.“
Klar.
Sachlich.
Ohne Gesichtsverlust zu produzieren.
Dein Partner sagt:
„Der Film war großartig.“
Du fandest ihn langweilig.
Hier braucht niemand zu gewinnen.
„Ich habe ihn ganz anders erlebt.“
reicht vollkommen.
Frag:
Je nachdem braucht das Gespräch eine andere Intensität.
Dann kann eine Pause helfen.
Frag dich:
„Welche neue Information tauschen wir gerade überhaupt noch aus?“
Wenn die Antwort lautet:
„Keine.“
ist das möglicherweise ein guter Zeitpunkt aufzuhören.
Zum Beispiel:
„Ich glaube, wir haben beide unsere Position ausreichend erklärt. Wir kommen heute zu keinem gemeinsamen Ergebnis.“
Das ist weniger Niederlage.
Es ist Gesprächsführung.
Auch während einer Diskussion.
Zum Beispiel:
„Der Punkt überzeugt mich. Da lag ich falsch.“
Viele Menschen erleben solche Sätze als ungewöhnlich stark.
Denn sie zeigen:
Die Sache ist wichtiger als das Ego.
Weil eine Positionsänderung sich anfühlen kann wie:
Doch Lernen bedeutet genau:
Eine neue Information verändert meine Einschätzung.
Führungskräfte müssen Entscheidungen treffen.
Sie müssen Orientierung geben.
Das verlangt Selbstvertrauen.
Es darf weniger bedeuten:
„Ich muss immer recht haben.“
Dann lernen Mitarbeitende schnell:
„Widerspruch lohnt sich weniger.“
Die Folgen können erheblich sein.
Probleme werden später angesprochen.
Schlechte Nachrichten werden gefiltert.
Fehlentscheidungen bleiben länger bestehen.
„Das war meine Einschätzung. Die neuen Informationen verändern sie.“
Das reduziert Autorität weniger.
Es kann sie erhöhen.
Aktuelle Forschung zeigt, dass intellektuelle Bescheidenheit auch für Vertrauen relevant sein kann.
Menschen wirken weniger glaubwürdig, wenn sie so tun, als wüssten sie alles.
Glaubwürdiger kann sein:
„Das weiß ich.“
„Das vermute ich.“
„Das weiß ich noch weniger.“
Du musst weniger sagen:
„Das ist definitiv so.“
wenn deine tatsächliche Aussage lautet:
„Nach den Informationen, die wir derzeit haben, halte ich diese Option für die beste.“
Das ist präziser.
Und häufig souveräner.
Arthur Schopenhauer beschrieb in seiner eristischen Dialektik Kunstgriffe, mit denen Menschen eine Diskussion gewinnen können, unabhängig davon, welche Seite sachlich recht hat.
Das ist rhetorisch interessant.
Und kommunikativ eine Warnung.
→ Eristische Dialektik: Die Kunst, Recht zu behalten
Gerade im Beruf ist dieser Unterschied entscheidend.
Die rhetorisch stärkste Person besitzt weniger automatisch das beste Argument.
Organisationen brauchen Prozesse, bei denen:
mehr zählen als Dominanz.
Was soll nach dem Gespräch anders sein?
Ein schlechtes Argument macht weniger einen schlechten Menschen.
„Woran würden wir erkennen, welche Lösung besser ist?“
„Wir wollen beide vermeiden, dass der Termin erneut verschoben wird.“
„In diesem Punkt widerspreche ich.“
Widerspruch ist weniger nur Material für deine nächste Antwort.
„Wir wiederholen inzwischen dieselben Argumente.“
Damit lässt sich möglicherweise kurzfristig dominieren.
Es verbessert weniger die Qualität des Ergebnisses.
In einer Partnerschaft können Fakten selbstverständlich wichtig sein.
Doch viele Konflikte drehen sich weniger ausschließlich um Fakten.
Sie handeln von:
Dann reicht:
„Sachlich habe ich recht.“
häufig weniger.
Zum Beispiel:
„Für mich war dein Ton verletzend.“
Die Antwort:
„Das war objektiv weniger unhöflich.“
löst wenig.
Ein subjektives Erleben lässt sich weniger widerlegen wie eine falsche Jahreszahl.
Zum Beispiel:
„Ich wollte dich weniger verletzen. Ich höre trotzdem, dass es bei dir so angekommen ist.“
Damit musst du weniger eine Schuld anerkennen, die du anders siehst.
Du erkennst die Wirkung an.
Freundlichkeit ist weniger:
„Du darfst alles mit mir machen.“
Eine freundliche Grenze kann lauten:
„Über das Thema spreche ich gern. Beleidigungen akzeptiere ich weniger.“
Du kannst eine Konsequenz klar vertreten.
Ohne:
Dann lohnt sich eine andere Frage:
„Was kostet mich diese Harmonie?“
Wenn du regelmäßig:
kann der kurzfristige Frieden langfristig teuer werden.
Dann frag:
„Wie viele dieser Kämpfe sind wirklich notwendig?“
Vielleicht gibt es Themen, bei denen:
„Wir sehen das anders.“
vollkommen ausreicht.
Bevor du weiterdiskutierst, prüfe vier Fragen:
Die Fähigkeit, Widerspruch professionell zu gestalten, ist besonders wertvoll bei:
Dort geht es weniger darum:
„Wie gewinne ich die Diskussion?“
Sondern:
„Wie sorge ich dafür, dass die beste verfügbare Entscheidung getroffen wird?“
Souveränität bedeutet weniger, Widerspruch zu vermeiden.
Sie zeigt sich darin, klar zu widersprechen, ohne unnötig Beziehung oder Status anzugreifen.
Zum Beispiel:
„Ich teile die Einschätzung weniger. Die Daten sprechen aus meiner Sicht für eine andere Entscheidung.“
Zum Beispiel:
„Der Einwand ist berechtigt. Ich ändere meine Empfehlung.“
Das kann mehr Autorität zeigen als das Festhalten an einer schwächer gewordenen Position.
Dann kann es beispielsweise darum gehen:
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Gesprächsführung, Konflikte oder berufliche Kommunikation geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
Manchmal ist es wichtig, recht zu haben.
Noch wichtiger kann sein, dass eine richtige Information tatsächlich berücksichtigt wird.
Manchmal ist Beziehung wichtiger als ein unbedeutender Streitpunkt.
Und manchmal ist vermeintliche Freundlichkeit nur Konfliktvermeidung.
Die bessere Frage lautet deshalb weniger:
„Will ich recht behalten oder freundlich sein?“
Sondern:
„Was möchte ich hier erreichen – und welche Art der Kommunikation dient diesem Ziel?“
Du kannst klar sein.
Du kannst widersprechen.
Du kannst Grenzen setzen.
Und du kannst gleichzeitig offen bleiben für den Gedanken:
„Vielleicht habe ich etwas übersehen.“
Genau diese Kombination macht aus Rechthaben gute Gesprächsführung.
Ein wichtiges Gespräch lässt sich selten vollständig planen.
Du kannst dich jedoch so vorbereiten, dass du mit Klarheit, Orientierung und Handlungsspielraum hineingehst.
Wir können gemeinsam beispielsweise:
Dabei geht es weniger um ein auswendig gelerntes Gesprächsskript.
Du sollst wissen, was du erreichen möchtest, worauf es ankommt und wie du auch bei unerwarteten Entwicklungen beweglich bleiben kannst.
Je nach Anliegen verbinde ich Coaching, Beratung, Einzeltraining und Sparring.
PRIVAT 1:1
Für wichtige Gespräche im persönlichen Kontext, beispielsweise in Partnerschaft, Familie oder im Umgang mit schwierigen Personen.
BUSINESS 1:1
Für berufliche Gesprächssituationen und die gezielte Entwicklung deiner Gesprächs- und Verhandlungskompetenz.
EXECUTIVE SPARRING
Für konkrete Gespräche und Verhandlungen mit hoher wirtschaftlicher, beruflicher oder strategischer Tragweite.
Aktuelle Honorare und Rahmenbedingungen findest du jeweils auf den entsprechenden Angebotsseiten.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 22. Mai 2006
Überarbeitung: 6. März 2019
AN: #43349
K:CNB
Ü:
Tipps, Aufbau und ein Beispiel für eine Eröffnungsrede bei einer Debatte. Der Einstieg zählt! So gelingt es.
Es gibt viele Anlässe und Formen einer Eröffnungsrede. Es ist meist eine Ansprache, die am Beginn einer Veranstaltung oder eines Festaktes zur Einstimmung der Teilnehmer dient. Oft fällt sie in die Verantwortung der Gastgeber oder Veranstalter. Wenn Sie gebeten werden, die Eröffnungsrede für eine Gebäudeeinweihung, zu einem Konzert oder anderem kulturellen Ereignis, einem Wettbewerb oder bei einer Geschäftseröffnung zu halten, helfen Ihnen die Tipps dafür in einem eigenen Artikel. Auf dieser Seite geht es um eine Eröffnungsrede zum Einstieg in eine Debatte. In der Eröffnungsrunde beantwortet jeder Teilnehmer in Kurzform die Streitfrage aus der eigenen Sicht.
Eine Eröffnungsrede für eine Debatte könnte beispielsweise so aufgebaut werden:
Der Einstieg in das Thema kann aktuelle Anknüpfungspunkte nutzen.
Mögliche Formulierung:
Welche Frage (Herausforderung) resultiert daraus?
Mögliche Formulierung:
Klarstellung, wovon die Rede ist. Allzu leicht wird aneinander vorbeigeredet, mit Absicht oder aus Versehen. Bei Begriffen, die unterschiedlich verstanden werden können, lohnt sich eine Definition.
Mögliche Formulierung:
Für die Begründung wird eine geeignete Struktur gewählt.
Beispiel:
Hier ein paar Anregungen:
Welche Optionen bieten sich an?
Mögliche Formulierung:
Geben Sie die Richtung vor.
Mögliche Formulierung:
Sie wollen eine gute Eröffnungsrede als Einstieg in die Debatte halten? Dann helfe ich Ihnen bei der Vorbereitung Ihrer Eröffnungsrede. Den Umfang der Unterstützung können Sie wählen.
Dringende Empfehlung: Gönnen Sie sich zumindest einen Probelauf mit professionellem Feedback zu Ihnen und Ihrer Botschaft. Anschließend wissen Sie, wie Sie und Ihre Argumente auf Gegenspieler und Publikum wirken, was Sie tun und was Sie besser lassen sollten, wo es Potenziale gibt. Wieso solltest du erst nach Ihrem echten Auftritt über solch eine Rückmeldung verfügen? Dann ist es für Korrekturen zu spät.
Was der Preis dieser professionellen Unterstützung für Ihre Vorbereitung ist? Sie wissen selbst am besten, wo sich der Aufwand im Verhältnis zum erwarteten Nutzen lohnt. Profitieren Sie vom Vorsprung. Das geht auch mit Sitzungen via Telefon oder mit Videounterstützung.
Was oft unter den Teppich gekehrt werden soll und sich doch immer wieder in den Vordergrund drängt, ist Lampenfieber. Sehr viele Menschen leiden bei ihren Auftritten vor Publikum unter sehr intensivem Lampenfieber. Das ist schade, denn das ist mit entsprechender Hilfe nicht notwendig. Nur, für den Fall …
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz
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Meiner Bestimmung als Schreiber nach bin ich fürs Schreiben da und du als Leserin oder Leser bist zuständig fürs Lesen. Wenn du nun auch schreibst und ich lesen muss, bringst du hier alles durcheinander. Nur mal so.
Fühle dich gerade dazu ermuntert, ich mag das!
Für den Aufbau einer Eröffnungsrede kommen, ja nach Zielsetzung, zahlreiche Redestrukturen in Betracht. Eine Sammlung bewährter Strukturen für Redebeiträge finden Sie hier: Redestrukturen für deinen Redeaufbau: Gut für die Redner, gut für das Publikum
Eine Eröffnungsrede für eine Debatte könnte beispielsweise so aufgebaut werden:
Weitere Redestrukturen für Eröffnungsreden in Debatten im Beitrag Eröffnungsrede bei einer Debatte: Tipps, Aufbau, …
Das Publikum ist üblicherweise hierzulande nicht sehr verwöhnt, wenn es um die Qualität von Eröffnungsreden geht, wobei die Ansprüche steigen. Mit einer Eröffnungsrede wird der Rahmen der folgenden Aktivitäten gesetzt. Entsprechend kann eine durchdachte und gut präsentierte Eröffnungsrede viel bewirken.
Auf dem schnellsten Weg einem Redebeitrag eine Struktur geben? Das gelingt am besten mit der Drei-Punkte-Formel. Dieses einfache Redeformat eignet sich für alle Anlässe und Gelegenheiten.
Jede Zeit scheint sie zu haben; sprachliche Ballaststoffe. Ihr Klang mag sich verändern, ihr Anteil bleibt, Sprache lebt und klebt.
Bereiten Sie Ihre Gespräche, Reden und Präsentationen systematisch vor. Weshalb kommt es zu Einwänden? Hier einige Ursachen die häufiger zu beobachten sind.
In der Kommunikation, insbesondere bei Debatten, gehört die Definition, die Begriffsklärung an den Anfang. Doch das wird vergessen und hat negative Folgen!
Was hat es mit dem Zynismus auf sich und was hat er zur Folge? Hilft er Ihnen oder schadet er Ihnen in Gesprächen, Reden, Gesprächen?
Applaus gehört zu den willkommen Elementen eines Redebeitrags. Doch wenige Rednerinnen und Redner wissen wie er sich fördern lässt.
Wann ist Humor in einer Rede angebracht und wann nicht? So nutzen Sie Humor in Ihre Reder oder Präsentation. Praktische Tipps und Anregungen.
Überreden ohne Argumente, Durchsetzungsvermögen ohne Basis, gewinnen ohne Rücksicht zu nehmen, K. o. durch fiese Tricks, schwarze Rhetorik, Manipulieren. Bis zum bitteren Ende, Reden ohne Ahnung zu haben… Es ist ein begehrtes Gefühl, recht zu behalten. Wobei es weniger darum geht, wer recht hat als vielmehr, wer die Oberhand behält. Lohnt sich das?
Zitate sind nicht nur in Texten und Redebeiträgen als Würze beliebt. Doch sie bergen auch Risiken. Was ist bei Zitaten in Redebeiträgen zu beachten?
Emotionale Erpressung erkennen und souverän darauf reagieren: typische Muster, Beispiele und 14 konkrete Wege zu Klarheit, Grenzen und Selbstschutz.
Mitunter ist es schwer sich auf Redner oder Beamerpräsentation zu konzentrieren, zu wild flitzt der Lichtfleck über die Folien und zeichnet lustige Formen darüber. Bei aufgeregten Rednern wird auch gleich der Herzschlag visualisiert. Nicht, dass ich etwa gegen eine Retro-Lasershow hätte. Das ist so schön 70er. Nur ist das bisher noch kein Grund gewesen einer Präsentation beizuwohnen.
Professionell durchgeführte Proben verbessern den konkreten Redeauftritt und geben Ihnen Sicherheit bei Ihrer Präsentation. Doch sind adäquate Proben von Reden und Präsentationen eher die Ausnahme als die Regel. Typisch sind die guten Vorsätze, es beim nächsten Mal richtig zu machen. In meinem Artikel erfahren Sie, weshalb sich Proben lohnen und was dabei zu beachten ist. Sie bekommen 4 gute Gründe Reden und Präsentationen zu proben und 12 Tipps wie es geht.
Treffen Sie mit Ihren Reden und Präsentationen den Nerv des Publikums, um es zu überzeugen. Lernen Sie von George Lucas und anderen begnadeten Geschichtenerzähler. Was macht Geschichten interessant?
Bitte lesen Sie Ihre Redebeiträge nicht stur vor oder lernen sie nur wortwörtlich auswendig. Das Ergebnis ist üblicherweise keine Freude.
Ihnen liegt etwas daran selbst und mit der Botschaft zu überzeugen? So geht es besser: Wenn Sie den Inhalt Ihrer Rede oder Präsentation vorbereitet haben, dann gilt es den Redebeitrag zu verinnerlichen.
Die Bedeutung dieser Phase wird häufig unterschätzt, beziehungsweise es fehlt das Wissen, wie das am besten geht. Hier erfahren Sie wie Sie Ihren Beitrag effektiv verinnerlichen.
Steht ein Angebot im Wettbewerb, dann lohnt sich der Aufwand für überzeugende Produktpräsentationen als Mittel des Marketings. Im Artikel erfahren Sie wie.
Mit der 5-Finger-Redestruktur Schritt für Schritt Redebeiträge systematisch aufbauen, ob für Reden, Präsentationen oder Gespräche.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 28. April 2017
Überarbeitung: 14. Januar 2019
AN: #4332131
So erstellen Sie Schritt für Schritt einen taktischen Argumentationsplan. Bauen Sie Ihre Argumentation systematisch auf und gewinnen Sie verdient Debatten.
Bei Diskussionen gilt es, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Mit wem haben Sie es zu tun und was ist zu erwarten? Nach der ersten Lagebeurteilung dann schnellstens das taktische Vorgehen zu planen. Wie können Sie das Publikum für sich und Ihren Standpunkt gewinnen?
Wollen Sie sich vom Gegenspieler abheben oder sich anpassen? Wie auch immer Sie sich entscheiden: Achten Sie dabei darauf, dass Sie authentisch bleiben und den gewählten Stil meistern und durchhalten können.
Wollen Sie eine defensive oder offensive Argumentation führen? Der offensivere Redner macht meist mehr Pluspunkte beim Publikum. Es signalisiert Engagement und Glaubwürdigkeit. Wird es übertrieben kann es allerdings auch unangemessen aggressiv wirken. Typischerweise machen sich dann grundlegende Sympathien bemerkbar; David gegen Goliath kommt stets besser an als Riese gegen Zwerg. In der Offensivposition ist eine besonders große Portion Souveränität gefragt, auch bei der Körpersprache.
Bei der Eigenlegitimationstaktik kennen Sie sich im Thema selbst aus. Bei der Autoritätstaktik werden andere Autoritäten und Quellen herangezogen. Zitate sind hier auch sehr beliebt.
Bei der Realismustaktik wird die Versachlichung angestrebt und bei der Gefühlsappeltaktik um die Verlagerung auf die Gefühlsebene durch Emotionalisierung. Dafür werden beim Publikum vorhandene Werte und Überzeugungen übernommen und instrumentalisiert.
Es wird der jeweils gerade dominierenden Meinung gefolgt, befürwortet und diese dann wann immer möglich instrumentalisiert.
Tatsächliche oder fingierte Ansichten werden bei der Mitläufer-Technik schrittweise zu Leitansichten von Gruppen erklärt, um diejenigen, die sich diesen Absichten nicht anschließen, zu Außenseitern zu erklären. So soll dazu aufgefordert werden, auf den Wagen aufzusteigen, bevor er abgefahren ist. Bei der Isolierungstechnik wird eine Gruppe oder Person, mit bestimmten Meinungen als Außenseiter bezeichnet.
Vergleiche helfen dabei Diskussionsbeiträge anschaulicher, unterhaltsamer und nachhaltiger zu vermitteln. Allerdings haben viele Vergleiche mindestens eine Kehrseite und können nach hinten losgehen.
Eine unfaire Taktik ist die Ad-personam-Technik, bei der nicht die Aussage des Gegenspielers, sondern deren Person angegriffen wird. Sachliche Argumente werden ersetzt durch persönliche Attacken, Abwertungen und Unterstellungen. Wer diese Taktik einsetzt beschmutzt sich dabei leicht selbst.
Der Gegenspieler wird in ein Gebiet gelockt, auf dem Sie sich bestens auskennen und er nicht. Es kommt dann oft, wie es kommen musste.
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Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
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Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 30. April 2017
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #43387
K:CNB
Ü:
Kunstgriff 3 der Eristische Dialektik basiert darauf gegnerische Behauptungen zu verallgemeinern. So wird er eingesetzt und so schützen Sie sich.
Die Behauptung welche beziehungsweise, κατα τι, relative aufgestellt ist, nehmen, als sei sie allgemein, simpliciter, ἁπλως, absolute aufgestellt, oder wenigstens sie in einer ganz andern Beziehung auffassen, und dann sie in diesem Sinn widerlegen. Des Aristoteles Beispiel ist: der Mohr ist schwarz, hinsichtlich der Zähne aber weiß; also ist er schwarz und nicht schwarz zugleich. – Das ist ein ersonnenes Beispiel, das Niemand im Ernst täuschen wird: nehmen wir dagegen eines aus der wirklichen Erfahrung.
Exempel 1. In einem Gespräch über Philosophie gab ich zu, daß mein System die Quietisten in Schutz nehme und lobe. – Bald darauf kam die Rede auf Hegel, und ich behauptete er habe großenteils Unsinn geschrieben oder wenigstens wären viele Stellen seiner Schriften solche, wo der Autor die Worte setzt, und der Leser den Sinn setzen soll. – Der Gegner unternahm nicht dies ad rem zu widerlegen, sondern begnügte sich, das argumentum ad hominem aufzustellen «ich hätte so eben die Quietisten gelobt, und diese hätten ebenfalls viel Unsinn geschrieben». Ich gab dies zu, berichtigte ihn aber darin, daß ich die Quietisten nicht lobe als Philosophen und Schriftsteller, also nicht wegen ihrer theoretischen Leistungen, sondern nur als Menschen, wegen ihres Tuns, bloß in praktischer Hinsicht: bei Hegel aber sei die Rede von theoretischen Leistungen. – So war der Angriff pariert.
Die ersten drei Kunstgriffe sind verwandt: sie haben dies gemein, daß der Gegner eigentlich von etwas anderm redet als aufgestellt worden; man beginge also eine ignoratio elenchi [Übersetzung: Unkenntnis des Gegenbeweises], wenn man sich dadurch abfertigen ließe. – Denn in allen aufgestellten Beispielen ist was der Gegner sagt, wahr: es steht aber nicht in wirklichem Widerspruch mit der These, sondern nur in scheinbarem; also negiert der von ihm Angegriffene die Konsequenz seines Schlusses: nämlich den Schluß von der Wahrheit seines Satzes auf die Falschheit des unsrigen. Es ist also direkte Widerlegung seiner Widerlegung per negationem consequentiae. Wahre Prämissen nicht zugeben, weil man die Konsequenz vorhersieht. Dagegen also folgende zwei Mittel, Regel 4 und 5.
Die spezifisch und relativ gemeinte Aussage des Gegenspielers wird verallgemeinert. Die wird so behandelt, als wäre sie absolut aufgestellt worden oder sie wird zumindest in eine andere Richtung interpretiert, als sie beabsichtigt wurde. Diese Interpretation wird dann widerlegt.
So wird es gemacht:
1. Finden einer geeigneten Aussage eines Gegenspielers, die relativ gemeint wurde und durch absolute Betrachtung missdeutet werden kann
2. Die verallgemeinerte Aussage wird nun widerlegt.
Setzt ein Gegenspieler diesen Kunstgriff ein, gilt es souverän die Unangemessenheit der Verallgemeinerung offenzulegen und gegebenenfalls das Ansehen des Gegenspielers aufgrund dieses billigen Tricks zu beschädigen. Eine Möglichkeit besteht nun im Einsatz von Empörung, die Gegenspielern das weitere Vorgehen sehr erschwert.
Seien Sie vorsichtig mit dem Einsatz des Kunstgriffs der Verallgemeinerung. Wenn Sie meinen es wäre eine Option, dann wenden Sie ihn nur sehr behutsam an und bedenken Sie, dass er Ihrem Ansehen schaden kann. Es handelt sich ja um keine tatsächliche Entkräftung von Argumenten, sondern nur eine scheinbare. Aufmerksame Zuhörer werden bemerken, dass Sie die Worte missbrauchen.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 28. November 2018
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #43310
K:CNB
Ü:
Dasselbe Wort.
Eine andere Bedeutung.
Und plötzlich scheint ein Argument widerlegt zu sein.
Genau darum geht es beim zweiten Kunstgriff aus Arthur Schopenhauers Eristischer Dialektik.
Schopenhauer bezeichnet ihn als:
Homonymie.
In der modernen Argumentationstheorie wird ein entsprechender Fehlschluss meist als Äquivokation bezeichnet.
Das Grundprinzip ist einfach:
Ein Wort oder Ausdruck wird zunächst in einer bestimmten Bedeutung verwendet.
Im weiteren Verlauf der Diskussion wird dasselbe Wort in einer anderen Bedeutung benutzt.
Anschließend wird so argumentiert, als sei die Bedeutung unverändert geblieben.
Dadurch entsteht nur scheinbar eine logische Verbindung.
Stell dir vor, jemand sagt:
„Dieses Unternehmen braucht mehr Freiheit.“
Gemeint ist:
mehr Entscheidungsspielraum für Mitarbeitende.
Die Antwort lautet:
„Völlige Freiheit funktioniert in keinem Unternehmen. Dann könnte ja jeder machen, was er will.“
Hier wurde die Bedeutung verschoben.
Aus:
mehr Handlungsspielraum
wird:
völlige Regellosigkeit.
Damit wurde weniger das ursprüngliche Argument widerlegt.
Es wurde eine andere Aussage angegriffen.
Schopenhauer beschreibt den Kunstgriff sinngemäß so:
Eine Behauptung wird auf etwas ausgedehnt, das außer demselben Wort wenig mit dem ursprünglich Gemeinten gemeinsam hat. Anschließend wird diese neue Bedeutung widerlegt und so getan, als sei damit die ursprüngliche Behauptung widerlegt.
Der Trick funktioniert besonders gut, wenn die verschiedenen Bedeutungen eng miteinander verwandt sind.
Die Begriffe sollten heute etwas genauer unterschieden werden.
Homonymie beschreibt zunächst ein sprachliches Phänomen:
Dasselbe Wort kann unterschiedliche Bedeutungen besitzen.
Zum Beispiel:
Bank
kann eine Sitzbank oder ein Geldinstitut bezeichnen.
Das allein ist weniger ein Argumentationsfehler.
Ein Fehlschluss entsteht, wenn:
Deshalb ist für heutige Leser Äquivokation häufig die präzisere Bezeichnung für den logischen Fehler.
Ein bekanntes Muster lautet sinngemäß:
Das Ende des Lebens ist der Tod.
Glück ist das Ziel des Lebens.
Also ist der Tod Glück.
Das Argument funktioniert nur scheinbar.
Denn „Ende“ wird einmal im Sinn von:
Aufhören
und einmal im Sinn von:
Zweck oder Ziel
verwendet.
Die identische Formulierung verdeckt zwei unterschiedliche Bedeutungen.
Unser Denken orientiert sich stark an Sprache.
Wenn dasselbe Wort mehrfach auftaucht, behandeln wir es leicht so, als bedeute es jedes Mal dasselbe.
Genau darin liegt die rhetorische Wirkung.
Die sprachliche Kontinuität täuscht eine gedankliche Kontinuität vor.
Bei:
„Bank“ als Sitzmöbel
und:
„Bank“ als Geldinstitut
wird die Mehrdeutigkeit meist schnell erkannt.
Schwieriger wird es bei Begriffen wie:
Denn hier liegen verschiedene Bedeutungen oft dicht nebeneinander.
Person A sagt:
„Führungskräfte müssen Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen.“
Person B antwortet:
„Man kann doch weniger für alles verantwortlich sein, was andere Menschen tun.“
Beide verwenden das Wort:
Verantwortung.
Doch möglicherweise sprechen sie über zwei unterschiedliche Dinge.
A meint:
Verantwortung für eigene Entscheidungen.
B antwortet auf:
Verantwortung für jedes Verhalten anderer Menschen.
Es wurde verändert.
Und anschließend die veränderte Version angegriffen.
Person A:
„Mitarbeitende brauchen mehr Freiheit bei der Umsetzung.“
Person B:
„Ohne Regeln kann keine Organisation funktionieren.“
Das kann stimmen.
Doch Person A hat weniger die Abschaffung aller Regeln gefordert.
Der Bedeutungsraum von „Freiheit“ wurde erweitert.
Person A:
„Ich möchte respektvoll behandelt werden.“
Person B:
„Respekt bedeutet doch weniger, dass ich dir immer zustimmen muss.“
Auch das kann stimmen.
Nur:
Vielleicht hat Person A mit Respekt weniger Zustimmung gemeint.
Vielleicht ging es um:
Person A:
„Ich möchte beruflich erfolgreicher werden.“
Person B:
„Geld allein macht doch weniger glücklich.“
Auch hier kann bereits eine Verschiebung stattfinden.
Vielleicht bedeutet Erfolg für Person A:
und weniger hauptsächlich Einkommen.
Person A sagt:
„Ich möchte authentischer auftreten.“
Person B:
„Dann kannst du doch weniger einfach alles sagen, was dir gerade durch den Kopf geht.“
Hier wurde Authentizität möglicherweise von:
stimmigem Auftreten
zu:
ungefilterter Spontaneität
umdefiniert.
Viele zentrale Begriffe sind:
Zum Beispiel:
Menschen können dasselbe Wort verwenden und trotzdem unterschiedliche Vorstellungen meinen.
Dann entsteht leicht der Eindruck:
„Wir widersprechen uns.“
obwohl zunächst geklärt werden müsste:
„Was meinst du mit diesem Begriff?“
Das ist mir wichtig.
Natürliche Sprache ist voller Mehrdeutigkeiten.
Menschen benutzen Begriffe:
ohne jemanden täuschen zu wollen.
Ein Bedeutungswechsel kann vollkommen unbewusst entstehen.
„Du manipulierst.“
Hilfreicher ist häufig:
„Ich glaube, wir verwenden gerade dasselbe Wort unterschiedlich.“
Für die Qualität des Arguments spielt es zunächst wenig Rolle, ob der Bedeutungswechsel:
erfolgt.
Die Argumentation wird dadurch trotzdem problematisch.
Bei der Beurteilung der Person macht die Absicht dagegen einen Unterschied.
Auch das lohnt sich zu unterscheiden.
Mehrdeutigkeit bedeutet:
Ein Ausdruck hat mehrere unterschiedliche mögliche Bedeutungen.
Vagheit bedeutet eher:
Die Grenzen eines Begriffs sind unscharf.
„groß“
Wie groß muss jemand sein, damit wir ihn als groß bezeichnen?
Es gibt einen unscharfen Grenzbereich.
Das ist etwas anderes als ein Wort mit zwei klar unterschiedlichen Bedeutungen.
Bei einer Äquivokation hilft:
Bedeutung unterscheiden.
Bei Vagheit hilft eher:
Grenzen oder Kriterien konkretisieren.
Achte besonders auf Schlüsselbegriffe, die innerhalb eines Arguments mehrfach vorkommen.
Dann frag:
„Bedeutet dieses Wort an beiden Stellen tatsächlich dasselbe?“
Ersetze den mehrdeutigen Begriff durch zwei präzisere Formulierungen.
Wenn das Argument dann auseinanderfällt, lag vermutlich ein Bedeutungswechsel vor.
Statt:
„Freiheit“
verwende:
„Entscheidungsspielraum innerhalb vereinbarter Grenzen“
und:
„völlige Abwesenheit von Regeln“.
Plötzlich wird sichtbar:
Wir sprechen über zwei verschiedene Dinge.
Eine der stärksten Reaktionen ist erstaunlich einfach:
„Was genau meinst du hier mit …?“
Zum Beispiel:
„Was genau verstehst du in diesem Zusammenhang unter Freiheit?“
Dadurch wird die Mehrdeutigkeit sichtbar.
Zum Beispiel:
„Mit Freiheit meine ich hier mehr Entscheidungsspielraum innerhalb der vereinbarten Ziele. Ich meine weniger die Abschaffung aller Regeln.“
Damit ziehst du das Gespräch auf die ursprüngliche Aussage zurück.
Wenn die Verschiebung bereits stattgefunden hat:
„Du verwendest den Begriff jetzt in einer anderen Bedeutung als in meiner ursprünglichen Aussage.“
Das genügt häufig.
Wenn ein Begriff dauerhaft zu viel Mehrdeutigkeit erzeugt, gib den Bedeutungen unterschiedliche Namen.
Zum Beispiel:
„Lass uns zwischen Entscheidungsfreiheit und Regellosigkeit unterscheiden.“
Damit wird die Diskussion klarer.
Zum Beispiel:
„Meine ursprüngliche Aussage war X. Trifft dein Einwand tatsächlich X?“
Das verhindert, dass sich das Gespräch immer weiter entfernt.
„Der Einwand trifft eine andere Bedeutung des Begriffs. Auf meine ursprüngliche Aussage antwortet er noch weniger.“
Sachlich.
Ruhig.
Und ziemlich schwer wegzudiskutieren.
Zum Beispiel:
„Das ist doch Wortklauberei!“
Manchmal ist es tatsächlich Wortklauberei.
Doch wenn die Schlussfolgerung von der Bedeutung eines Wortes abhängt, ist Präzision relevant.
Eine hilfreiche Frage:
„Verändert die unterschiedliche Bedeutung die Schlussfolgerung?“
Wenn ja, ist die Begriffsklärung relevant.
Wenn weniger, kann die Debatte über das Wort tatsächlich nebensächlich sein.
Manchmal bleiben Menschen so lange bei Definitionen hängen, dass das eigentliche Thema verschwindet.
Dann wird aus Präzision eine Ausweichbewegung.
Deshalb gilt auch hier:
Begriffsklärung soll dem Argument dienen.
Wer die Bedeutung absichtlich verschiebt, kann damit:
Das kann rhetorisch wirksam sein.
Logisch widerlegt es die ursprüngliche Aussage weniger.
Ich empfehle wenig, bewusst mit Bedeutungsverschiebungen zu arbeiten, um Argumente nur scheinbar zu widerlegen.
Vielleicht gewinnst du kurzfristig einen Punkt.
Langfristig kann es kosten:
Der größere Nutzen liegt darin:
solche Muster erkennen und entkräften zu können.
→ Eristische Dialektik: Schopenhauers Kunstgriffe zum Rechthaben
Beide Techniken können ähnlich wirken.
Beim Strohmann wird die gegnerische Position verändert oder vereinfacht und anschließend die Ersatzposition angegriffen.
Bei der Äquivokation liegt der Schwerpunkt auf einem Bedeutungswechsel innerhalb eines Ausdrucks.
Beides kann zusammen auftreten.
Aus:
„Wir sollten stärker regulieren.“
wird:
„Du willst also eine vollständige staatliche Kontrolle.“
Hier kann:
werden.
→ Strohmann-Argumente erkennen und entkräften
Auch Framing ist etwas anderes.
Beim Framing beeinflusst die sprachliche Darstellung, welche Aspekte eines Themas besonders hervortreten.
Dafür braucht weniger zwingend ein Bedeutungswechsel stattzufinden.
Bei der Äquivokation ist genau dieser Bedeutungswechsel zentral.
Je größer die Tragweite einer Diskussion, desto wichtiger wird sprachliche Präzision.
Zum Beispiel bei:
Ein unklarer Begriff kann dazu führen, dass Beteiligte scheinbar über dieselbe Sache reden und tatsächlich verschiedene Dinge meinen.
Manchmal lohnt es sich, sehr früh zu fragen:
„Was verstehen wir hier konkret unter Erfolg?“
„Was bedeutet in diesem Projekt Verantwortung?“
„Was genau meinen wir mit Risiko?“
Solche Fragen wirken unspektakulär.
Sie können viele spätere Konflikte verhindern.
Eine Führungskraft verwendet beispielsweise den Begriff:
„Eigenverantwortung.“
Das Team versteht:
„Wir dürfen selbst entscheiden.“
Die Führungskraft meint:
„Ihr dürft selbst umsetzen, die Entscheidung bleibt bei mir.“
Dann ist Konflikt fast programmiert.
Deshalb ist Führungskommunikation weniger nur eine Frage schöner Formulierungen.
Sie braucht gemeinsame Bedeutungen.
Gerade auf C-Level können abstrakte Begriffe schnell Entscheidungen prägen:
Alle klingen eindeutig.
Und können ausgesprochen unterschiedliche Dinge bedeuten.
„Wenn wir diesen Begriff verwenden: Was meinen wir konkret damit?“
Das kann mehr Klarheit schaffen als weitere zehn Minuten Diskussion.
Identifiziere vorab:
Und formuliere möglichst präzise.
Sprache muss verständlich bleiben.
Das Ziel ist weniger juristische Präzision in jedem Satz.
Das Ziel lautet:
genau genug, dass die entscheidende Bedeutung klar bleibt.
In Coaching und Sparring kann es beispielsweise darum gehen:
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Argumentation, Gesprächsführung, Verhandlungen oder Präsentationen geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Diskussion, Verhandlung oder Entscheidung hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
→ Business Coaching in Berlin und online
Schopenhauers zweiter Kunstgriff ist erstaunlich aktuell.
Ein Wort wird verwendet.
Seine Bedeutung verschiebt sich.
Und plötzlich scheint eine Aussage widerlegt.
Die wirksamste Gegenmaßnahme ist häufig weder ein kompliziertes Gegenargument noch eine rhetorische Attacke.
Es ist eine einfache Frage:
„Was genau bedeutet dieses Wort hier?“
Denn sobald die beiden Bedeutungen sichtbar werden, verliert der Kunstgriff einen großen Teil seiner Wirkung.
Präzise Begriffe schützen bessere Argumente.
Und manchmal entscheidet genau diese kleine sprachliche Klärung darüber, ob eine Diskussion Erkenntnis produziert oder nur einen scheinbaren Sieger.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 29. Oktober 2018
Überarbeitung: 02. Mai 2026
„Ich finde, wir sollten an dieser Stelle etwas vorsichtiger entscheiden.“
Die Antwort:
„Wenn wir immer nur vorsichtig sind, können wir den Laden gleich schließen.“
Klingt nach einem Gegenargument.
Ist es nur weniger.
Denn aus:
„an dieser Stelle etwas vorsichtiger“
wurde:
„immer nur vorsichtig“.
Die ursprüngliche Aussage wurde erweitert.
Und genau diese größere, extremere Aussage lässt sich nun leichter angreifen.
Arthur Schopenhauer beschreibt dieses Muster als ersten Kunstgriff seiner Eristischen Dialektik:
die Erweiterung.
Das Grundprinzip lautet:
Eine begrenzte Aussage wird allgemeiner gemacht, als sie ursprünglich gemeint war.
Zum Beispiel wird aus:
manchmal
plötzlich:
immer.
Aus:
in dieser Situation
wird:
grundsätzlich.
Aus:
mehr
wird:
unbegrenzt.
Und aus:
ein Problem
wird:
ein vollständiges Versagen.
Je allgemeiner eine Behauptung formuliert ist, desto leichter lässt sich ein Gegenbeispiel finden.
Das ist logisch.
Wer sagt:
„Das funktioniert immer.“
muss nur mit einem einzigen überzeugenden Gegenbeispiel konfrontiert werden.
Wer dagegen sagt:
„Unter diesen Bedingungen funktioniert es häufig.“
stellt eine deutlich begrenztere Behauptung auf.
Deshalb macht die Erweiterung eine Position künstlich angreifbarer.
Schopenhauer empfiehlt für diesen Kunstgriff sinngemäß:
Führe die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Grenze hinaus, deute sie möglichst allgemein und übertreibe sie.
Das macht sie leichter widerlegbar.
Das Gegenmittel ist ebenso klar:
den tatsächlichen Streitpunkt möglichst genau bestimmen.
Person A sagt:
„Bei diesem Projekt sollten Mitarbeitende mehr Entscheidungsspielraum bekommen.“
Person B antwortet:
„Wenn jeder einfach macht, was er möchte, brauchen wir überhaupt keine Führung mehr.“
Die ursprüngliche Aussage lautete weniger:
„Jeder soll machen, was er möchte.“
Sie lautete:
„mehr Entscheidungsspielraum bei diesem Projekt.“
Person B bekämpft deshalb eine größere Aussage als diejenige, die tatsächlich gemacht wurde.
Das ist eine besonders häufige Variante.
Zum Beispiel:
„Ich finde, wir könnten häufiger im Homeoffice arbeiten.“
wird zu:
„Du willst also, dass niemand mehr ins Büro kommt.“
Oder:
„Ich möchte weniger Termine am Abend.“
wird zu:
„Dann bist du also grundsätzlich nicht flexibel.“
Achte darauf, ob aus deiner Aussage plötzlich Wörter werden wie:
Sie können darauf hindeuten, dass der Geltungsbereich deiner Aussage erweitert wurde.
Sie sind weniger automatisch problematisch.
Relevant wird:
Hast du diese allgemeine Aussage tatsächlich gemacht?
Auch quantitative Erweiterungen sind beliebt.
Zum Beispiel:
„Wir sollten mehr in Weiterbildung investieren.“
Antwort:
„Wir können doch weniger das gesamte Budget für Seminare ausgeben.“
Niemand hatte das vorgeschlagen.
Aus:
mehr
wurde:
alles.
Person A:
„Einige dieser Prozesse verursachen unnötige Arbeit.“
Person B:
„Du kannst doch weniger behaupten, dass unsere gesamten Prozesse sinnlos sind.“
Auch hier wurde die Behauptung erweitert.
Besonders wirksam ist die Erweiterung bei Kritik.
Zum Beispiel:
„Die Präsentation war im Mittelteil zu ausführlich.“
Antwort:
„Du findest also die ganze Präsentation schlecht.“
Oder:
„Diese Entscheidung halte ich für falsch.“
Antwort:
„Du stellst also meine gesamte Kompetenz infrage.“
Das klingt selbstverständlich.
In emotionalen Gesprächen geht diese Unterscheidung jedoch schnell verloren.
Deshalb lohnt es sich zu sagen:
„Ich kritisiere diese konkrete Entscheidung. Ich bewerte damit weniger deine gesamte Arbeit.“
Auch die Richtung kann umgekehrt funktionieren.
Jemand benennt einen Einzelfall.
Der andere tut so, als sei eine allgemeine Regel behauptet worden.
Zum Beispiel:
„In diesem Fall hat die schnelle Entscheidung funktioniert.“
wird zu:
„Du glaubst also, schnelle Entscheidungen seien grundsätzlich besser.“
Person A:
„In dieser Krise brauchen wir eine zentralere Steuerung.“
Person B:
„Du bist also grundsätzlich gegen dezentrale Führung.“
Die situative Empfehlung wurde zu einer allgemeinen Führungsphilosophie erweitert.
Fast jede Aussage besitzt Bedingungen.
Zum Beispiel:
Wer diese Bedingungen entfernt, verändert häufig die Aussage.
Zum Beispiel:
„Meine Aussage bezieht sich ausschließlich auf dieses Projekt.“
Oder:
„Ich spreche von einigen Fällen, weniger von allen.“
Oder:
„Ich sage, dass das Risiko steigt. Ich sage weniger, dass das Ergebnis zwangsläufig eintritt.“
Der Kunstgriff der Erweiterung liegt sehr nahe am sogenannten Strohmann-Argument.
Beim Strohmann wird die tatsächliche Position eines Gegenübers durch eine andere, leichter angreifbare Version ersetzt.
Diese Ersatzposition wird anschließend widerlegt.
Danach entsteht der Eindruck:
Die ursprüngliche Position sei ebenfalls widerlegt.
Bei Schopenhauers Kunstgriff geschieht die Veränderung besonders dadurch, dass eine Aussage:
gemacht wird.
Ein Strohmann kann dagegen auch auf andere Weise entstehen.
Zum Beispiel durch:
Die Begriffe überschneiden sich deshalb.
Sie sind weniger vollständig identisch.
→ Strohmann-Argumente erkennen und entkräften
Auch hier lohnt sich Differenzierung.
Menschen verstehen einander weniger immer perfekt.
Ein Gesprächspartner kann deine Aussage ehrlich weitergehend verstanden haben, als du sie gemeint hast.
Dann liegt möglicherweise schlicht ein Missverständnis vor.
„Du verdrehst absichtlich meine Aussage.“
Hilfreicher:
„Das geht weiter als das, was ich gesagt habe.“
Für die Argumentation ist zunächst entscheidend:
Die erweiterte Aussage entspricht weniger der ursprünglichen Position.
Ob das:
geschieht, ist eine zweite Frage.
Frag dich:
„Habe ich diese Aussage tatsächlich gemacht?“
Wenn weniger, prüfe:
Was wurde verändert?
Aus:
einige
wird:
alle.
Aus:
manchmal
wird:
immer.
Aus:
mehr
wird:
maximal.
Aus:
in dieser Situation
wird:
grundsätzlich.
Zum Beispiel:
„Nein. Ich spreche von diesem konkreten Fall.“
Oder:
„Ich habe einige gesagt, weniger alle.“
Oder:
„Ich fordere mehr Spielraum, weniger vollständige Freiheit.“
Je früher du korrigierst, desto weniger kann sich die neue Version festsetzen.
Zum Beispiel:
„Meine Aussage lautet: In dieser Situation sollten wir X tun.“
Dann:
„Welches Argument hast du gegen genau diese Aussage?“
Damit führst du das Gespräch zum tatsächlichen Streitpunkt zurück.
Wenn dir eine extreme Position zugeschrieben wird:
„Wo genau habe ich das gesagt?“
Oder:
„Kannst du meine Position bitte so wiedergeben, wie ich sie formuliert habe?“
Das kann die Verzerrung schnell sichtbar machen.
Zum Beispiel:
„Aus meinem ‚häufiger‘ wird bei dir gerade ‚immer‘.“
Oder:
„Du machst aus einer Kritik an diesem Punkt eine Ablehnung des gesamten Projekts.“
Das ist häufig wirksamer als ein langer Vortrag über Logik.
Zum Beispiel:
„Welchen Einwand hast du gegen meine tatsächliche Aussage?“
Diese Frage bringt die Diskussion zurück zur Sache.
„Das ist eine weitergehende Behauptung als meine. Lass uns bei dem bleiben, was ich tatsächlich gesagt habe.“
Ruhig.
Präzise.
Ohne unnötige Eskalation.
Wenn Menschen sich angegriffen fühlen, hören sie häufig weniger differenziert.
Aus:
„Dieses Verhalten hat mich verletzt.“
kann innerlich werden:
„Du hältst mich für einen schlechten Menschen.“
Dann wird möglicherweise gegen eine Aussage gekämpft, die weniger gefallen ist.
Es kann auch emotionales Erleben sein.
Deshalb hilft die Unterscheidung:
„Ich spreche über dieses Verhalten. Ich bewerte weniger deine gesamte Person.“
Ein klassisches Muster:
„Ich hätte mir gewünscht, dass du heute früher Bescheid sagst.“
Antwort:
„Ich kann es dir sowieso nie recht machen.“
Aus einem konkreten Wunsch wird ein universelles Urteil.
Das erschwert die Klärung erheblich.
„Ich spreche gerade über diese eine Situation. Lass uns bei ihr bleiben.“
Mitarbeiter:
„Ich halte diese Deadline für unrealistisch.“
Führungskraft:
„Dann willst du offenbar keine Verantwortung übernehmen.“
Auch hier wird eine konkrete Einschätzung zu einer Aussage über die gesamte Haltung des Menschen erweitert.
Wenn jeder konkrete Einwand sofort als:
interpretiert wird, lernen Menschen:
Widerspruch ist gefährlich.
Dann werden wichtige Informationen später ausgesprochen.
Person A:
„Bei dieser Klausel brauchen wir eine Änderung.“
Person B:
„Wenn wir jetzt den ganzen Vertrag wieder aufmachen, kommen wir nie zum Abschluss.“
Aus:
eine Klausel ändern
wurde:
den ganzen Vertrag neu verhandeln.
„Ich schlage weniger eine vollständige Neuverhandlung vor. Ich spreche ausschließlich von Punkt 7.“
Damit verkleinerst du die Diskussion wieder auf die tatsächliche Frage.
Auch dort ist der Kunstgriff verbreitet.
Zum Beispiel:
„Wir sollten diese Regel überprüfen.“
wird zu:
„Die Gegenseite will sämtliche Regeln abschaffen.“
Oder:
„Diese Maßnahme ist zu weitgehend.“
wird zu:
„Sie wollen überhaupt nichts gegen das Problem tun.“
Genau das macht die Erweiterung rhetorisch attraktiv.
Eine differenzierte Position verlangt:
Abwägung.
Eine extreme Position lässt sich leichter:
Wenn beide Seiten ständig die jeweils extremste Version der anderen Position bekämpfen, verschwinden:
Dann diskutieren weniger zwei echte Positionen miteinander.
Es kämpfen zwei Karikaturen gegeneinander.
Eine interessante Gegenhaltung ist das sogenannte Steelman-Prinzip.
Statt die gegnerische Position schwächer zu machen, versuchst du:
sie zunächst möglichst fair und stark zu verstehen.
Dann widersprichst du der besten Version.
Bevor du ein Gegenargument bringst, frage:
„Würde mein Gegenüber seine Position in dieser Form wiedererkennen?“
Wenn weniger, solltest du vielleicht zuerst genauer zuhören.
Denn ein starkes Gegenargument braucht weniger einen schwachen Gegner.
Es sollte eine starke Gegenposition aushalten können.
Je genauer du formulierst, desto weniger Raum bleibt für eine unbemerkte Ausweitung.
Statt:
„Das funktioniert nicht.“
besser:
„Unter den derzeitigen Bedingungen halte ich diesen Zeitplan für unrealistisch.“
Wörter wie:
machen Aussagen genauer.
Sie sind weniger rhetorische Unsicherheit.
Sie können Ausdruck von Präzision sein.
Auch Präzision kann übertrieben werden.
Wenn jeder Satz voller:
ist, kann eine klare Position verschwinden.
Das Ziel lautet:
so präzise wie nötig und so klar wie möglich.
Schopenhauer beschreibt interessanterweise auch die umgekehrte Taktik:
Die eigene Aussage wird nach einem Gegenbeispiel enger ausgelegt, als sie ursprünglich gemeint war.
Auch das ist argumentativ problematisch.
Zuerst:
„Unsere Kunden wollen persönliche Beratung.“
Gegenbeispiel:
„Die Online-Abschlüsse steigen jedes Jahr.“
Antwort:
„Ich meinte natürlich nur unsere älteren Stammkunden.“
Vielleicht war das tatsächlich gemeint.
Vielleicht wird die Aussage gerade nachträglich gerettet.
Wenn die Kriterien oder Grenzen einer Behauptung nach jedem Gegenbeispiel so verändert werden, dass sie weiterhin unangreifbar bleibt, spricht man heute häufig vom:
Verschieben der Torpfosten.
Das ist weniger exakt derselbe Kunstgriff.
Es zeigt jedoch dieselbe Grundfrage:
Bleiben die Bedingungen der Aussage stabil?
Frag dich:
Schopenhauers Kunstgriffe sind besonders wertvoll als:
Erkennungsinstrumente.
Sie helfen dabei, zu bemerken:
→ Eristische Dialektik: Schopenhauers Kunstgriffe zum Rechthaben
Beim zweiten Kunstgriff geht es um eine andere Form der Verschiebung.
Dort bleibt möglicherweise dasselbe Wort erhalten, während sich seine Bedeutung verändert.
→ Kunstgriff 2: Homonymie und Äquivokation
Prüfe vorab:
In:
kann eine einzige unbemerkte Erweiterung die Diskussion auf ein völlig anderes Feld verschieben.
Dann hilft weniger, der neuen Position hinterherzuargumentieren.
Hilfreicher ist:
den Streitpunkt zurückzusetzen.
„Das geht über meine Aussage hinaus. Meine Position ist enger: …“
Dann formulierst du deine tatsächliche Position in einem Satz.
Gerade in verantwortlichen Rollen wirkt es häufig souveräner, eine Verzerrung ruhig zu korrigieren, statt auf die zugespitzte Version emotional zu reagieren.
Zum Beispiel:
„Nein. Das ist weniger meine Position. Ich sage X.“
Kurz.
Klar.
Dann zurück zur Sache.
In Coaching und Sparring kann es beispielsweise darum gehen:
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Argumentation, Gesprächsführung, Verhandlungen oder Präsentationen geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Diskussion, Verhandlung oder Entscheidung hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
→ Business Coaching in Berlin und online
Schopenhauers erster Kunstgriff ist einfach.
Und gerade deshalb erstaunlich wirksam.
Eine begrenzte Aussage wird:
und anschließend die größere Version angegriffen.
Die wirksamste Gegenmaßnahme braucht wenig rhetorisches Feuerwerk.
Sie lautet:
„Das habe ich weniger behauptet. Meine Aussage lautet genau: …“
Dann zurück zum tatsächlichen Streitpunkt.
Denn eine gute Diskussion sollte weniger davon abhängen, wer die Position des anderen am geschicktesten verzerrt.
Sie sollte davon profitieren, dass beide Seiten die stärkste tatsächliche Version der jeweils anderen Position prüfen.
Gute Argumentation beginnt damit, dem Gegenüber nur das zuzurechnen, was es tatsächlich behauptet hat.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack 25. Oktober 2018
Ein gutes Argument gewinnt weniger automatisch eine Diskussion.
Vielleicht kennst du das:
Du hast eine sachlich gut begründete Position.
Dein Gegenüber:
Und am Ende entsteht beim Publikum trotzdem der Eindruck:
Der andere hat gewonnen.
Arthur Schopenhauer beschäftigte genau dieses Problem.
In seinem Manuskript zur Eristischen Dialektik sammelte er 38 Kunstgriffe, mit denen Menschen versuchen können, in einer Auseinandersetzung recht zu behalten – unabhängig davon, wie gut ihre Position sachlich begründet ist.
Heute ist der größte Nutzen dieser Kunstgriffe für mich weniger:
Wie manipuliere ich eine Diskussion?
Sondern:
Wie erkenne ich schlechte Argumente und rhetorische Verzerrungen früh genug, um wieder zur Sache zurückzukehren?
Eristik bezeichnet die Kunst des Streitens beziehungsweise Disputierens.
Schopenhauer beschreibt die Eristische Dialektik als die Kunst, eine Diskussion so zu führen, dass du recht behältst.
Und zwar unabhängig davon, ob du in der Sache tatsächlich recht hast.
Genau diese Trennung macht den Text bis heute interessant:
Wahrheit und rhetorischer Sieg sind zwei verschiedene Dinge.
Ein Argument kann sachlich stark sein.
Und rhetorisch schlecht vermittelt werden.
Ein schwaches Argument kann:
vorgetragen werden.
Dadurch wird es weniger wahr.
Es kann trotzdem überzeugender wirken.
Schopenhauer beobachtete, dass Menschen in Auseinandersetzungen weniger ausschließlich nach Wahrheit suchen.
Sie möchten häufig ebenfalls:
Seine Kunstgriffe beschreiben verschiedene Möglichkeiten, mit denen eine sachliche Auseinandersetzung in einen Kampf ums Rechthaben kippen kann.
Das ist mir wichtig.
Schopenhauers Sammlung stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Sie ist:
und keine moderne empirische Klassifikation sämtlicher Argumentationsfehler.
Einige seiner Muster finden sich heute unter Begriffen wieder wie:
Andere lassen sich weniger eindeutig auf heutige Kategorien abbilden.
Ein Scheinargument sieht zunächst aus wie ein Argument.
Bei genauerer Prüfung trägt es die behauptete Schlussfolgerung jedoch weniger ausreichend.
Ein hilfreicher moderner Arbeitsbegriff lautet:
Ein Fehlschluss ist ein Argument, das besser erscheint, als es tatsächlich ist.
Genau darin liegt seine Wirkung.
Menschen bewerten Argumente weniger ausschließlich nach formaler Logik.
Es wirken ebenfalls:
Deshalb reicht weniger:
„Das Argument ist logisch schlecht.“
Du musst es im Gespräch auch sichtbar machen können.
Bevor du auf ein Argument reagierst, kläre:
Was genau wurde behauptet?
Das klingt banal.
Und schützt vor erstaunlich vielen rhetorischen Tricks.
Denn viele Kunstgriffe funktionieren dadurch, dass eine Aussage:
wird.
Eine begrenzte Aussage wird größer, allgemeiner oder extremer gemacht.
Aus:
„Wir sollten in diesem Projekt vorsichtiger entscheiden.“
wird:
„Wenn wir immer nur vorsichtig sind, kommen wir überhaupt nicht mehr voran.“
Die neue Aussage ist leichter angreifbar.
Nur ist sie weniger die ursprüngliche Aussage.
→ Kunstgriff 1: Die Erweiterung ausführlich erklärt
Hier bleibt ein Wort scheinbar gleich.
Seine Bedeutung verändert sich jedoch während der Argumentation.
Zum Beispiel:
„Mitarbeitende brauchen mehr Freiheit.“
Antwort:
„Ohne Regeln kann kein Unternehmen funktionieren.“
Aus:
mehr Entscheidungsspielraum
wurde:
Regellosigkeit.
→ Kunstgriff 2: Homonymie und Äquivokation ausführlich erklärt
Der eigentliche Streitpunkt verändert sich.
Plötzlich diskutierst du weniger über:
deine ursprüngliche Behauptung
und stärker über:
eine neue Behauptung, die dir zugeschrieben wurde.
Deshalb gehört zu den stärksten Gegenmaßnahmen:
„Das ist weniger meine Position. Meine Position lautet …“
Der moderne Begriff Strohmann bezeichnet ein verwandtes Muster.
Die tatsächliche Position eines Gegenübers wird durch eine leichter angreifbare Version ersetzt.
Anschließend wird diese Ersatzposition widerlegt.
Danach entsteht der Eindruck:
Die ursprüngliche Position sei ebenfalls widerlegt.
→ Strohmann-Argumente erkennen und entkräften
Ein weiteres bekanntes Muster:
Statt die Behauptung zu prüfen, wird die Person angegriffen.
Zum Beispiel:
„Was willst du darüber wissen? Du hast doch noch nie ein Unternehmen geführt.“
Vielleicht ist Erfahrung relevant.
Sie widerlegt jedoch weniger automatisch das Argument.
Der Begriff wird häufig sehr weit verwendet.
Nicht jede Aussage über eine Person ist automatisch ein Fehlschluss.
Die Glaubwürdigkeit einer Quelle kann beispielsweise durchaus relevant sein.
Problematisch wird es, wenn eine persönliche Eigenschaft als Ersatz für die sachliche Prüfung des Arguments benutzt wird.
Ein weiteres Muster lautet:
„Das sagt schließlich Professor X.“
Expertise kann ein wichtiges Indiz sein.
Doch selbst Experten können:
Deshalb bleibt die Frage:
Welche Gründe und Belege tragen die Aussage?
Öffentliche Diskussionen besitzen eine zusätzliche Ebene.
Es geht weniger nur darum:
„Überzeuge ich mein Gegenüber?“
Häufig geht es stärker darum:
„Welchen Eindruck bekommt das Publikum?“
Das verändert Rhetorik erheblich.
Vielleicht braucht dein Argument zwei Minuten.
Das Gegenargument besteht aus einem spöttischen Satz.
Das Publikum lacht.
Damit wurde weniger deine Position widerlegt.
Rhetorisch kann die Situation trotzdem kippen.
Eine bessere Reaktion kann lauten:
„Das war eine gute Pointe. Sie beantwortet meine Frage bislang weniger.“
Und dann zurück zum Argument.
Manchmal gerät ein Argument unter Druck.
Und plötzlich wird über etwas anderes gesprochen.
Zum Beispiel:
„Warum wurden die Kosten nicht kommuniziert?“
Antwort:
„Wir sollten vielmehr darüber sprechen, welchen enormen Einsatz das Team gezeigt hat.“
Das Team kann hervorragende Arbeit geleistet haben.
Die ursprüngliche Frage bleibt trotzdem offen.
„Darauf komme ich gern anschließend. Zuerst noch einmal meine Frage: Warum wurden die Kosten weniger kommuniziert?“
Du musst weniger jeden neuen Ball aufnehmen.
Zum Beispiel:
„Warum scheuen Sie sich so sehr vor Verantwortung?“
Die Frage setzt bereits voraus:
Du scheust Verantwortung.
Wenn du einfach antwortest, akzeptierst du möglicherweise die Voraussetzung.
Zum Beispiel:
„Ich teile die Voraussetzung Ihrer Frage weniger. Woraus schließen Sie, dass ich Verantwortung scheue?“
Damit wird die versteckte Behauptung sichtbar.
Ein weiteres häufiges Muster:
„Entweder wir setzen die Maßnahme sofort um oder wir akzeptieren Stillstand.“
Vielleicht gibt es:
Dann wurden zwei Möglichkeiten so dargestellt, als seien sie die einzigen.
„Sind das tatsächlich unsere einzigen beiden Optionen?“
Manchmal wird eine Position dadurch diskreditiert, dass sofort ein extremer Grenzfall konstruiert wird.
Zum Beispiel:
„Du möchtest mehr Flexibilität? Wo endet das? Dann kann irgendwann jeder kommen, wann er möchte.“
Die sinnvolle Frage lautet:
„Folgt dieser Extremfall tatsächlich aus meinem Vorschlag?“
Einzelbeispiele können:
sein.
Sie beweisen weniger automatisch eine allgemeine Behauptung.
Aus:
„Ich kenne jemanden, bei dem es funktioniert hat.“
folgt weniger:
„Deshalb funktioniert es generell.“
Wenn jemand sagt:
„Diese Maßnahme erhöht durchschnittlich die Wahrscheinlichkeit von X.“
ist:
„Bei meinem Bekannten war es anders.“
weniger automatisch eine Widerlegung.
Viele Konflikte entstehen, weil zentrale Begriffe ungeklärt bleiben.
Zum Beispiel:
Dann reden beide Seiten scheinbar über dasselbe.
Und meinen unterschiedliche Dinge.
„Was verstehen wir in dieser Diskussion konkret unter diesem Begriff?“
Manche zehnminütige Debatte lässt sich damit in einer Minute klären.
Selbstsicherheit ist weniger Evidenz.
Eine Aussage wird weniger dadurch besser belegt, dass sie:
wiederholt wird.
Frag:
„Worauf stützt sich diese Behauptung?“
Wer eine Behauptung aufstellt, sollte Gründe dafür liefern können.
Ein häufiges Ausweichmanöver lautet:
„Beweise mir doch, dass es weniger so ist.“
Dadurch wird die Beweislast verschoben.
Person A:
„Diese Maßnahme wird den Umsatz verdoppeln.“
Person B:
„Welche Grundlage gibt es für diese Prognose?“
Person A:
„Dann beweis du erst einmal, dass sie es weniger tut.“
Das ersetzt weniger den Beleg für die ursprüngliche Behauptung.
Es kann legitim sein, auf Widersprüche in der Position eines Gegenübers hinzuweisen.
Das widerlegt jedoch weniger automatisch die Sache selbst.
Ein Mensch kann inkonsistent argumentieren.
Und mit einer einzelnen Behauptung trotzdem recht haben.
Das ist eine der hilfreichsten Gewohnheiten guter Argumentation.
Frag:
„Ist die Behauptung falsch?“
weniger nur:
„Ist die Person widersprüchlich?“
Schopenhauer verwendet den Ausdruck teilweise anders als der heutige populäre Begriff des persönlichen Angriffs.
Bei ihm kann ein Argument ad hominem beziehungsweise ex concessis bedeuten:
Eine Position wird anhand von Aussagen oder Voraussetzungen widerlegt, die der Gesprächspartner selbst akzeptiert hat.
Damit ist weniger automatisch eine persönliche Beleidigung gemeint.
Diese historische Begrifflichkeit sollte deshalb nicht vorschnell mit dem heutigen „Ad-hominem-Angriff“ gleichgesetzt werden.
Das ist letztlich die zentrale Frage der Eristischen Dialektik.
Willst du:
die beste Erklärung finden?
Oder:
als Gewinner aus der Diskussion hervorgehen?
Beides kann kurzfristig zusammenfallen.
Es muss weniger.
Vielleicht:
Und trotzdem bleibt dein Argument schlecht.
Ein rhetorischer Sieg macht aus einer falschen Behauptung weniger eine wahre.
Vielleicht findest du in diesem Moment weniger die perfekte Antwort.
Das beweist weniger, dass die Position des anderen richtig ist.
Diese Unterscheidung schützt gerade unter Druck.
Zum Beispiel:
Ein hilfreiches Gegenprinzip zur eristischen Rhetorik ist:
Mach die Position deines Gegenübers weniger schwächer, sondern möglichst stark.
Das wird häufig als Steelman-Prinzip bezeichnet.
Frag:
„Was ist die beste vernünftige Version dieser Position?“
Und widersprich dann dieser Version.
Wenn dein Argument nur gegen die schlechteste Version einer Gegenposition funktioniert, ist es weniger besonders stark.
Eine robuste Position sollte guten Widerspruch aushalten können.
Eine weitere Gegenhaltung lautet:
„Ich halte meine Position für gut begründet und könnte trotzdem etwas übersehen.“
Das ist weniger Unentschlossenheit.
Es ist Korrekturfähigkeit.
Eine sehr starke Frage lautet:
„Welche Information würde dazu führen, dass ich meine Position überprüfe?“
Wenn die Antwort lautet:
„Keine.“
dann findet möglicherweise weniger eine offene Prüfung als die Verteidigung einer Identität statt.
Auch das gehört zur Kunst guter Diskussionen.
Nicht jedes Gegenüber möchte Erkenntnis.
Manche Diskussionen bestehen fast ausschließlich aus:
Dann kann die souveränste Entscheidung lauten:
„Diese Diskussion bringt uns weniger weiter.“
Zum Beispiel wenn:
Wenn:
Dann ist Abbruch weniger Niederlage.
Es kann gutes Ressourcenmanagement sein.
Du brauchst selten einen langen Vortrag über Argumentationstheorie.
Häufig reichen kurze Interventionen.
„Das geht über meine Aussage hinaus. Ich sage …“
„Was meinst du hier genau mit …?“
„Worauf stützt du diese Behauptung?“
„Ich teile die Voraussetzung dieser Frage weniger.“
„Das sagt etwas über mich. Welches Argument hast du gegen meine Aussage?“
„Sind das tatsächlich die einzigen beiden Möglichkeiten?“
„Darauf komme ich gern zurück. Zuerst meine ursprüngliche Frage.“
Viele eristische Techniken profitieren davon, dass du:
wirst.
Dann verliert deine Argumentation an Präzision.
Eine kurze Pause kann deshalb rhetorisch ausgesprochen stark sein.
Zum Beispiel:
„Einen Moment. Ich möchte die Behauptung kurz auseinandernehmen.“
Dann:
„Du sagst X. Der Schluss daraus soll Y sein. Wie genau folgt Y aus X?“
Damit verlangsamst du das Spiel.
Ein Gegenüber bringt vielleicht fünf Behauptungen gleichzeitig.
Du brauchst weniger allen hinterherzulaufen.
Wähle eine:
„Lass uns beim ersten Punkt bleiben.“
Ein besonders wirksames Debattenmuster besteht darin, in kurzer Zeit so viele Behauptungen aufzustellen, dass eine sorgfältige Widerlegung deutlich länger dauern würde.
Dann entsteht ein asymmetrischer Aufwand:
Eine Behauptung braucht fünf Sekunden.
Ihre Prüfung vielleicht fünf Minuten.
Sondern Struktur:
„Du hast gerade vier unterschiedliche Behauptungen gemacht. Lass uns mit der ersten beginnen.“
Viele Mechanismen Schopenhauers wirken in sozialen Medien besonders gut.
Denn dort werden belohnt:
Differenzierte Argumente brauchen dagegen häufig mehr Raum.
Likes zeigen:
Diese Aussage erzeugt Reaktion.
Sie zeigen weniger:
Diese Aussage ist wahr.
Auch dort lohnt es sich, weniger nur auf Positionen zu achten.
Beobachte ebenfalls:
Diese Fragen sind unabhängig davon wertvoll, welche politische Position du selbst bevorzugst.
Rhetorische Verzerrungen sind weniger nur ein Debattierclub-Thema.
Sie können Entscheidungen beeinflussen.
Zum Beispiel:
„Wer gegen diese Strategie ist, glaubt offenbar weniger an das Unternehmen.“
Damit wird eine sachliche Gegenposition zu einer Loyalitätsfrage gemacht.
Wenn Widerspruch regelmäßig:
wird, verschlechtert sich die Informationsqualität.
Menschen sagen weniger offen, was sie beobachten.
„Was ist das stärkste Argument gegen meine aktuelle Entscheidung?“
Diese Frage öffnet Widerspruch.
Und reduziert den Anreiz für taktische Zustimmung.
Eine starke Führungskraft oder ein guter Redner kann sagen:
„Der Einwand überzeugt mich.“
Oder:
„Diesen Punkt hatte ich weniger berücksichtigt.“
Das ist kein rhetorisches Versagen.
Es kann Glaubwürdigkeit erhöhen.
Auch das ist weniger die eigentliche Alternative.
Du kannst:
und dabei respektvoll bleiben.
→ Recht haben oder freundlich sein? Konflikte souverän klären
Die Frage nach der Methode ist immer auch eine Frage nach der Haltung.
Wenn dein Ziel lautet:
„Ich muss gewinnen.“
dann werden Mittel attraktiv, die für Wahrheit und Beziehung teuer sein können.
→ Um jeden Preis Recht behalten? Gedanken zu unfairer Rhetorik
Gute Rhetorik bedeutet weniger:
Menschen unabhängig von der Qualität einer Sache zu etwas zu bringen.
Sie bedeutet:
eine tragfähige Botschaft so klar, verständlich und überzeugend zu vermitteln, dass sie die verdiente Chance bekommt.
Es braucht:
Eine einfache Reihenfolge:
Du kannst sagen:
„Das ist ein Strohmann.“
Häufig ist jedoch hilfreicher:
„Das habe ich weniger gesagt. Meine Aussage lautet …“
Die praktische Korrektur zählt mehr als die Fachterminologie.
Wer Argumentationsfähigkeit entwickeln möchte, kann verschiedene Ebenen trainieren:
Formuliere eine eigene Position.
Dann frage:
„Was wäre das stärkste faire Gegenargument?“
Wenn du darauf eine gute Antwort findest, wird deine Position belastbarer.
Wenn das Gegenargument überzeugt, hast du ebenfalls etwas gewonnen:
eine bessere Einschätzung.
Bei konkreten Situationen können wir beispielsweise vorbereiten:
Ein realitätsnaher Probelauf ist dafür häufig besonders wertvoll.
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Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Diskussion, Verhandlung, Präsentation oder Entscheidung hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
→ Business Coaching in Berlin und online
Schopenhauers Eristische Dialektik ist bis heute faszinierend.
Nicht, weil wir 38 Tricks brauchen, um andere Menschen rhetorisch zu besiegen.
Sondern weil sie uns für etwas sensibilisiert:
Ein überzeugend klingendes Argument ist weniger automatisch ein gutes Argument.
Deshalb lohnt es sich zu prüfen:
Und dann?
Zurück zur Sache.
Ruhig.
Präzise.
Ohne jeden rhetorischen Köder aufnehmen zu müssen.
Vielleicht liegt darin die modernere Kunst:
weniger um jeden Preis recht zu behalten – und stattdessen dafür zu sorgen, dass gute Argumente eine faire Chance bekommen.
Auf meinem YouTube-Kanal @karstennoack findest du Beiträge zu Psychologie, Philosophie, persönlicher Entwicklung und guter Lebensführung.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Aus „manchmal“ wird „immer“.
Aus:
„Wir sollten die Ausgaben in diesem Bereich genauer prüfen.“
wird:
„Du willst also überall sparen.“
Und aus:
„Ich wünsche mir mehr Verbindlichkeit.“
wird:
„Du willst also alles kontrollieren.“
Solche Übertreibungen können einen Gedanken so verändern, dass er plötzlich:
wirkt.
Das Problem ist dann nicht die Übertreibung als Stilmittel.
Das Problem ist die Verzerrung der ursprünglichen Aussage.
Mit Übertreibungstechnik ist hier ein rhetorisches Vorgehen gemeint, bei dem eine Aussage:
wird.
Dadurch kann die veränderte Aussage leichter zurückgewiesen werden.
Aus einer begrenzten Position wird eine extreme Position.
Und anschließend wird diese extreme Version kritisiert.
Person A sagt:
„Bei wichtigen Entscheidungen sollten wir uns etwas mehr Zeit nehmen.“
Person B antwortet:
„Wenn es nach dir geht, diskutieren wir also wochenlang über jede Kleinigkeit.“
Person A hat das nicht gesagt.
Die ursprüngliche Aussage wurde erweitert.
Jetzt wirkt sie deutlich weniger vernünftig.
Die Übertreibungstechnik folgt häufig diesem Muster:
Der entscheidende Schritt liegt zwischen:
dem tatsächlich Gesagten
und:
der daraus gemachten Extremversion.
Besonders häufig verändern sich kleine Wörter.
Zum Beispiel:
Gerade solche kleinen Verschiebungen können die Bedeutung stark verändern.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Übertreibungen gehören ganz selbstverständlich zur Sprache.
Wir sagen beispielsweise:
„Ich habe dir das tausendmal gesagt.“
Oder:
„Ich sterbe vor Hunger.“
Solche Aussagen werden normalerweise nicht wörtlich verstanden.
Sie verstärken einen Eindruck.
In der Rhetorik wird eine solche bewusste Übertreibung als Hyperbel bezeichnet.
Eine Hyperbel kann:
sein.
Sie muss niemanden verzerren.
Problematisch wird Übertreibung im argumentativen Kontext dort, wo sie:
die Position einer anderen Person verändert.
Dann geht es weniger um Stil.
Es geht um argumentative Fairness.
Die Übertreibungstechnik kann zu einem Strohmann führen.
Dabei wird eine Position so verändert, dass anschließend eine schwächere oder extremere Ersatzversion angegriffen wird.
Zum Beispiel:
Person A:
„Wir sollten prüfen, ob Homeoffice an bestimmten Tagen sinnvoll ist.“
Person B:
„Du willst also, dass überhaupt niemand mehr ins Büro kommt.“
Jetzt wird nicht mehr die tatsächliche Position diskutiert.
Es wird eine zugespitzte Ersatzposition bekämpft.
→ Strohmann-Argumente erkennen und entkräften
Ein sehr ähnlicher Mechanismus findet sich in Schopenhauers Eristischer Dialektik.
Dort beschreibt der erste Kunstgriff die Erweiterung.
Die Aussage des Gegenübers wird über ihre tatsächliche Grenze hinaus ausgedehnt.
Je weiter sie verallgemeinert wird, desto leichter lässt sie sich angreifen.
→ Eristische Dialektik: Kunstgriff 1 – Die Erweiterung
Weil extreme Aussagen leichter Widerstand auslösen.
Vergleiche:
„Wir sollten den Prozess an drei Stellen verändern.“
mit:
„Du willst also das gesamte System umwerfen.“
Die zweite Aussage klingt:
Dadurch verändert sich die emotionale Bewertung.
Und genau das kann den sachlichen Kern überdecken.
Das ist vielleicht die treffendste Beschreibung.
Eine Karikatur übernimmt einige Merkmale.
Dann vergrößert sie sie.
Das Ergebnis erinnert noch an das Original.
Es ist jedoch nicht mehr dasselbe.
Genau so kann rhetorische Übertreibung mit Argumenten funktionieren.
Besonders häufig geschieht Verzerrung durch Wörter wie:
Zum Beispiel:
„Ich wünsche mir bei diesem Projekt mehr Rückmeldung.“
wird zu:
„Dir kann man es sowieso nie recht machen.“
Aus einer konkreten Situation wird ein umfassendes Urteil.
Eine weitere Variante besteht darin, aus einer begrenzten Konsequenz eine extreme Folge abzuleiten.
Zum Beispiel:
„Wenn wir diese Ausnahme zulassen, macht bald jeder, was er will.“
Oder:
„Wenn wir jetzt nachgeben, können wir den Laden gleich schließen.“
Manchmal können Folgewirkungen tatsächlich relevant sein.
Die entscheidende Frage lautet:
Ist die behauptete Entwicklung plausibel begründet?
Oder entsteht sie hauptsächlich durch Dramatisierung?
Auch ein extremes Beispiel kann eine moderate Aussage verzerren.
Person A:
„Führungskräfte sollten stärker auf individuelle Situationen eingehen.“
Person B:
„Dann kann also jeder machen, was er will.“
Das extreme Beispiel verdrängt die ursprüngliche Aussage.
Manchmal wird nicht nur eine Aussage erweitert.
Auch die angebliche Absicht wird übertrieben.
Zum Beispiel:
„Du möchtest die Kosten senken? Dann geht es dir offenbar nur noch ums Geld.“
Hier wird aus einem Ziel:
das einzige Ziel.
Das ist eine erhebliche Bedeutungsverschiebung.
Nicht jede Verzerrung ist bewusst manipulativ.
Menschen hören:
Dann kann aus:
„Ich möchte X häufiger.“
ehrlich verstanden werden:
„Du willst X ständig.“
Deshalb lohnt sich zunächst:
klären statt Motive unterstellen.
Von außen lässt sich die Absicht häufig nicht sicher erkennen.
Deshalb ist es hilfreicher, das beobachtbare Muster zu benennen:
„Meine Aussage war enger formuliert als deine Zusammenfassung.“
Das reicht oft.
Du musst nicht sofort behaupten:
„Du manipulierst mich.“
Die stärkste Reaktion ist meist:
zur ursprünglichen Aussage zurückzukehren.
Zum Beispiel:
„Das habe ich nicht gesagt. Meine Aussage war …“
Dann wiederholst du den tatsächlichen Punkt.
Kurz.
Ohne Nebenkriegsschauplatz.
Zum Beispiel:
„Ich spreche von diesem Projekt, nicht von allen Projekten.“
Oder:
„Ich sage häufiger, nicht immer.“
Damit stellst du den ursprünglichen Geltungsbereich wieder her.
Wenn aus deiner Aussage plötzlich eine Extremposition geworden ist, frage:
„Wie kommst du von meiner Aussage zu dieser Schlussfolgerung?“
Jetzt muss der gedankliche Schritt sichtbar werden.
Und genau dort liegt häufig die Verzerrung.
In wichtigen Diskussionen kann eine einfache Frage hilfreich sein:
„Welche meiner Aussagen meinst du konkret?“
Damit wird überprüfbar:
Was wurde tatsächlich gesagt?
Und:
Was wurde daraus gemacht?
Zum Beispiel:
„Meine Aussage ist X. Deine Interpretation daraus ist Y.“
Das schafft Klarheit.
Beide Ebenen dürfen diskutiert werden.
Sie sollten jedoch nicht miteinander verwechselt werden.
Oft reicht eine kurze Präzisierung:
„Nicht immer. Häufig.“
Oder:
„Nicht alle. Einige.“
Oder:
„Nicht abschaffen. Verändern.“
Solche kleinen Korrekturen können eine große argumentative Verzerrung auflösen.
Ein häufiger Fehler besteht darin, plötzlich die übertriebene Version zu verteidigen.
Du hast gesagt:
„Wir sollten den Prozess vereinfachen.“
Das Gegenüber sagt:
„Du willst also sämtliche Regeln abschaffen.“
Jetzt beginnst du ausführlich zu erklären, warum natürlich nicht sämtliche Regeln abgeschafft werden können.
Damit diskutierst du bereits über eine Position, die nie deine war.
Stärker ist:
„Das ist nicht meine Position. Ich spreche von drei konkreten Vereinfachungen.“
Danach:
„Lass uns über diese drei Änderungen sprechen.“
Damit wird die Verzerrung korrigiert.
Und die eigentliche Diskussion kann weitergehen.
Bevor du die Aussage eines anderen kritisierst, frage:
Würde die Person ihre Position so selbst formulieren?
Wenn die Antwort wahrscheinlich Nein lautet, lohnt sich eine genauere Prüfung.
Vielleicht argumentierst du bereits gegen eine verzerrte Version.
Das Gegenteil eines Strohmanns wird häufig als Steelman bezeichnet.
Dabei formulierst du die Position des anderen:
so stark und fair wie möglich.
Dann kritisierst du diese Version.
Das ist argumentativ anspruchsvoller.
Und deutlich aussagekräftiger.
Du kannst sagen:
„Wenn ich dich richtig verstehe, sagst du …“
Dann fasst du die Position zusammen.
Und fragst:
„Trifft das deine Aussage?“
Erst danach kritisierst du sie.
Das reduziert unnötige Scheindebatten.
Gerade in emotionalen Gesprächen entstehen schnell Sätze wie:
Solche Formulierungen drücken häufig starke Gefühle aus.
Sie sind jedoch selten präzise Beschreibungen.
Und genau deshalb provozieren sie leicht Gegenwehr.
Statt:
„Du hörst mir nie zu.“
kann beispielsweise genauer sein:
„Als ich gestern das Thema angesprochen habe, hast du gleichzeitig deine Nachrichten gelesen. Ich hatte den Eindruck, dass du mir kaum folgen konntest.“
Jetzt gibt es eine konkrete Situation.
Und damit etwas, worüber sich tatsächlich sprechen lässt.
Auch dort begegnen Formulierungen wie:
„Die Mitarbeitenden wollen keine Veränderung.“
Oder:
„Das Management interessiert sich nur für Zahlen.“
Solche Sätze wirken klar.
Sie können jedoch sehr unterschiedliche Menschen und Situationen in eine einzige Behauptung pressen.
Die bessere Frage lautet:
Wer genau verhält sich wie – und in welcher Situation?
Ein Satz wie:
„Hier funktioniert überhaupt nichts.“
ist emotional verständlich.
Er hilft wenig bei der Lösung.
Stärker wäre:
„Diese beiden Prozesse verursachen aktuell die größten Probleme.“
Präzision ermöglicht Handlung.
In öffentlichen Diskussionen ist Zuspitzung besonders attraktiv.
Extreme Formulierungen:
Sie können zugleich:
Deshalb lohnt sich gerade dort ein genauer Blick auf:
den ursprünglichen Wortlaut.
Rhetorische Wirkung und argumentative Qualität sind zwei verschiedene Dinge.
Eine extreme Formulierung kann:
einprägsam
sein.
Sie kann gleichzeitig:
unfair
sein.
Die stärkere Frage lautet:
Trifft sie die tatsächliche Position?
Übertreibung kann sehr wirkungsvoll sein, wenn klar ist, dass sie bildhaft gemeint ist.
Zum Beispiel:
„Wir warten seit einer Ewigkeit.“
Niemand erwartet hier normalerweise eine wörtliche Zeitangabe.
Die Hyperbel verstärkt:
das subjektive Erleben.
Das kann Sprache lebendiger machen.
Zum Beispiel bei:
Voraussetzung ist:
Das Publikum erkennt die Übertreibung als Übertreibung.
Dann entsteht wenig Verwechslungsgefahr mit einer Tatsachenbehauptung.
Besonders vorsichtig wäre ich, wenn:
Dann kann eine zugespitzte Formulierung deutlich mehr Schaden anrichten als eine humorvolle Hyperbel im Alltag.
Dann hilft Klarheit.
Zum Beispiel:
„Das ist nicht meine Aussage.“
Danach:
„Meine Aussage lautet …“
Du musst nicht jede Interpretation widerlegen.
Häufig reicht es, deine Position:
klar und wiederholbar zu formulieren.
→ Worte im Mund umdrehen erkennen und souverän reagieren
Dann kannst du korrigieren.
Zum Beispiel:
„Das war zu absolut formuliert. Gemeint habe ich …“
Das schwächt deine Position nicht.
Im Gegenteil.
Es zeigt:
Ein guter Diskussionsbeitrag muss nicht harmlos sein.
Du kannst:
sprechen.
Und trotzdem die Position des anderen korrekt wiedergeben.
Das ist häufig überzeugender als rhetorische Übertreibung.
Bei wichtigen Gesprächen, Verhandlungen oder öffentlichen Auftritten lohnt es sich, solche Verzerrungen vorab zu trainieren.
Zum Beispiel:
Gerade unter Druck hilft es, dafür klare Formulierungen vorbereitet zu haben.
→ Wichtige Gespräche und Verhandlungen vorbereiten
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Argumentation, Gesprächsführung, Konflikte oder wiederkehrende berufliche Kommunikationssituationen geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn ein konkretes Gespräch, eine Verhandlung oder ein öffentlicher Auftritt hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
Übertreibung gehört zur Sprache.
Als Hyperbel kann sie:
In einer Diskussion wird sie problematisch, wenn sie die Position eines anderen:
Dann lohnt sich eine einfache Rückkehr zur Ausgangsfrage:
Was wurde tatsächlich gesagt?
Und:
Was wurde daraus gemacht?
Faire Argumentation kritisiert die stärkste tatsächliche Position des Gegenübers – nicht eine übertriebene Version davon.
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
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Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
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Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
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Sie können durchaus Charme ausstrahlen und auf den ersten Blick ganz nett wirken; Narzissten. Viele wirken redegewandt, humorvoll, selbstsicher und ziehen so die Aufmerksamkeit auf sich. Doch so gut der erste Eindruck sein mag; Narzissten entlarven sich selbst als Egomanen. Mit ihrer Selbstverliebtheit und Egozentrik strapazieren sie dann die Nerven mit ihren Star-Allüren. Meist lohnt der Inhalt die anspruchsvolle Verpackung zwar nicht, doch darüber wird vehement hinweggetäuscht.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Du stellst eine konkrete Frage.
Und bekommst eine Antwort auf etwas anderes.
Du benennst einen Fehler.
Und plötzlich geht es darum, was jemand anderes falsch gemacht hat.
Du fragst:
„Warum wurde die Entscheidung nicht umgesetzt?“
Die Antwort lautet:
„Wir sollten lieber darüber sprechen, was insgesamt alles gut gelaufen ist.“
Das kann ein Ausweichmanöver sein.
Statt den ursprünglichen Punkt zu bearbeiten, wird der Fokus verschoben.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird das Thema sinnvoll erweitert – oder wird ihm ausgewichen?
Mit Ausweichtechnik ist hier ein rhetorisches Verhalten gemeint, bei dem eine:
nicht direkt beantwortet wird.
Stattdessen wird beispielsweise:
Die ursprüngliche Frage bleibt offen.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Es gibt gute Gründe, eine Frage nicht sofort zu beantworten.
Zum Beispiel:
Dann ist die stärkere Reaktion:
das offen zu benennen.
Zum Beispiel:
„Dazu kann ich heute noch keine belastbare Aussage machen. Ich prüfe das und antworte morgen.“
Das ist keine rhetorische Flucht.
Es ist transparente Gesprächsführung.
Der Unterschied lässt sich einfach prüfen.
Nach dem Gespräch:
Ist die ursprüngliche Frage noch offen?
Und:
Wurde genau das durch die Themenverschiebung verdeckt?
Wenn ja, lohnt sich ein genauerer Blick.
Frage:
„Warum wurde der zugesagte Termin nicht eingehalten?“
Antwort:
„Wir haben im letzten Quartal insgesamt hervorragende Arbeit geleistet.“
Das mag stimmen.
Es beantwortet die Frage trotzdem nicht.
Eine angemessene Antwort könnte lauten:
„Der Termin wurde nicht eingehalten, weil zwei notwendige Freigaben verspätet kamen.“
Danach kann selbstverständlich auch über die Gesamtleistung gesprochen werden.
Die einfachste Form des Ausweichens ist:
über etwas anderes sprechen.
Zum Beispiel:
„Wie erklären Sie diese Kostensteigerung?“
Antwort:
„Viel entscheidender ist doch, welche Chancen sich uns im nächsten Jahr bieten.“
Die neue Frage kann interessant sein.
Sie beseitigt die alte nicht.
Geschickteres Ausweichen bleibt näher am Thema.
Dadurch fällt es weniger auf.
Zum Beispiel:
Frage:
„Warum wurde das Risiko nicht gemeldet?“
Antwort:
„Risikomanagement ist in unserem Unternehmen grundsätzlich sehr wichtig.“
Das klingt thematisch passend.
Die konkrete Frage bleibt trotzdem unbeantwortet.
Auch das ist ein verbreitetes Muster.
Auf eine konkrete Frage folgt eine allgemeine Erklärung.
Zum Beispiel:
„Was werden Sie jetzt konkret verändern?“
Antwort:
„Wir nehmen die Anliegen unserer Kunden sehr ernst.“
Das klingt professionell.
Es enthält noch keine konkrete Maßnahme.
Manchmal wird eine schwierige Frage in eine leichtere Frage umgedeutet.
Gefragt wird:
„War diese Entscheidung ein Fehler?“
Geantwortet wird:
„Wir haben damals unter schwierigen Bedingungen entschieden.“
Auch das kann relevant sein.
Die eigentliche Frage lautet trotzdem weiterhin:
War die Entscheidung rückblickend falsch?
Eine bekannte Form des Ausweichens ist Whataboutism.
Auf Kritik folgt dabei ein Verweis auf ein anderes Fehlverhalten.
Zum Beispiel:
„Euer Bereich hat den vereinbarten Termin überschritten.“
Antwort:
„Und was ist mit dem Vertrieb? Die waren letztes Quartal noch später.“
Das Verhalten des Vertriebs kann ebenfalls problematisch sein.
Es beantwortet jedoch nicht die Kritik am eigenen Bereich.
Weil der Gegenvorwurf sogar wahr sein kann.
Das macht ihn überzeugender.
Nur folgt daraus nicht:
Das ursprüngliche Problem verschwindet.
Zwei Fehler können gleichzeitig existieren.
Ein zweites Problem widerlegt das erste nicht.
Auch hier lohnt sich Differenzierung.
Wenn jemand tatsächlich mit zweierlei Maß misst, kann dieser Widerspruch relevant sein.
Zum Beispiel:
„Bei Team A akzeptieren wir diese Verzögerung regelmäßig. Warum gilt für Team B ein anderer Maßstab?“
Das kann eine berechtigte Frage sein.
Entscheidend ist:
Ergänzt sie die ursprüngliche Diskussion?
Oder:
soll sie sie ersetzen?
Eine weitere Ausweichtechnik lautet:
den Fragenden angreifen.
Frage:
„Warum wurde ich darüber nicht informiert?“
Antwort:
„Du informierst uns doch selbst häufig zu spät.“
Vielleicht stimmt das.
Auch hier bleiben jetzt zwei Fragen auf dem Tisch.
Die zweite beantwortet die erste nicht.
Manchmal verschiebt sich eine sachliche Diskussion plötzlich auf eine emotionale Ebene.
Zum Beispiel:
„Ich möchte verstehen, warum die Vereinbarung geändert wurde.“
Antwort:
„Ich finde es wirklich enttäuschend, dass du mir so wenig vertraust.“
Damit wird aus einer Sachfrage eine Beziehungsfrage.
Beides kann wichtig sein.
Es sollte jedoch getrennt behandelt werden.
Auch starke Empörung kann die ursprüngliche Frage verdrängen.
Zum Beispiel:
„Wie konnten diese Daten veröffentlicht werden?“
Antwort:
„Ich finde es unglaublich, dass uns hier überhaupt so etwas unterstellt wird.“
Die Empörung selbst beantwortet nichts.
Sie kann jedoch dazu führen, dass der Fragende plötzlich seine Frage verteidigen muss.
Nicht jedes Ausweichen wird durch Themenwechsel sichtbar.
Manchmal passiert das Gegenteil:
Es kommen sehr viele Informationen.
Nur die entscheidende fehlt.
Eine einfache Frage wird mit:
überschüttet.
Nach fünf Minuten weiß niemand mehr genau, worum es ursprünglich ging.
Das ist besonders in Interviews und Meetings wichtig.
Eine fünfminütige Antwort kann weniger beantworten als ein einziger klarer Satz.
Deshalb lohnt sich die Frage:
Welche Information wurde tatsächlich geliefert?
Auch komplizierte Sprache kann Distanz schaffen.
Gefragt wird:
„Warum ist das Projekt teurer geworden?“
Die Antwort besteht aus:
Das kann fachlich korrekt sein.
Und trotzdem verhindern, dass die Kernfrage beantwortet wird.
Vertagung ist legitim, wenn ein guter Grund besteht.
Zum Beispiel:
„Die Zahlen liegen mir noch nicht vollständig vor. Ich möchte nicht spekulieren und liefere sie morgen nach.“
Problematisch wird Vertagung, wenn sie regelmäßig bedeutet:
„Später.“
Und dieses Später nie kommt.
Wenn eine Antwort später erfolgt, sollte klar sein:
Dann wird aus Ausweichen:
sauberes Erwartungsmanagement.
Nicht jede direkte Antwort wäre sinnvoll.
Eine Frage kann eine Annahme enthalten, die du nicht akzeptierst.
Zum Beispiel:
„Warum haben Sie diese offensichtlich fahrlässige Entscheidung getroffen?“
Du musst die darin enthaltene Bewertung nicht übernehmen.
Eine mögliche Reaktion:
„Die Einschätzung ‚fahrlässig‘ teile ich nicht. Gerne erläutere ich, warum wir uns für diese Option entschieden haben.“
Das ist kein Ausweichen.
Es ist eine Korrektur des Gesprächsrahmens.
Manchmal wird Ausweichen betrieben, weil eine direkte Antwort unangenehm ist.
Zum Beispiel:
„Können Sie diesen Termin garantieren?“
Statt einer langen Erklärung kann die ehrlichere Antwort lauten:
„Nein. Garantieren kann ich ihn nicht. Ich halte ihn unter diesen Voraussetzungen für realistisch.“
Klarheit kann unangenehm sein.
Sie ist häufig stärker als rhetorische Nebelbildung.
Es gibt viele mögliche Gründe.
Zum Beispiel:
Aus dem Verhalten allein lässt sich die Absicht nicht sicher ableiten.
Deshalb ist es sinnvoller, zunächst:
das Ausweichmuster zu benennen.
Nicht sofort:
die Motivation zu diagnostizieren.
Ein einfacher Test besteht aus drei Fragen:
Wenn Frage und Antwort systematisch aneinander vorbeigehen, liegt möglicherweise ein Ausweichmanöver vor.
Ein einzelnes Signal beweist noch keine Strategie.
Das Muster wird besonders deutlich, wenn es sich wiederholt.
Die wirksamste Reaktion ist häufig erstaunlich schlicht:
zur ursprünglichen Frage zurückkehren.
Zum Beispiel:
„Das ist ein anderer Punkt. Meine Frage war …“
Dann die Frage wiederholen.
Zum Beispiel:
„Das beantwortet einen Teil des Themas. Offen ist für mich noch, warum die Entscheidung geändert wurde.“
Damit bleibt der Ton sachlich.
Und die offene Stelle wird sichtbar.
Ein guter Satz lautet:
„Den Punkt können wir anschließend gerne aufnehmen. Zuerst möchte ich diese Frage klären.“
Damit musst du das neue Thema nicht abwerten.
Du verhinderst nur, dass es das ursprüngliche verdrängt.
Wenn eine allgemeine Antwort kommt, frage:
„Was bedeutet das konkret?“
Oder:
„Welche Maßnahme folgt daraus?“
Oder:
„Wer übernimmt dafür die Verantwortung?“
Konkrete Fragen erschweren rhetorischen Nebel.
Du kannst ruhig benennen:
„Ich habe eine Erklärung zum Kontext gehört. Die eigentliche Frage ist noch offen.“
Das ist präziser als:
„Du weichst schon wieder aus.“
Die zweite Formulierung unterstellt stärker eine Absicht.
Die erste beschreibt die Gesprächssituation.
Wenn jemand sagt:
„Andere machen das auch.“
kannst du antworten:
„Das können wir ebenfalls prüfen. Zuerst bleiben wir bei diesem konkreten Fall.“
Damit musst du den Gegenvorwurf nicht bestreiten.
Du lässt ihn nur nicht die ursprüngliche Frage ersetzen.
Zum Beispiel:
„Wenn ich dich richtig verstehe, sind das die Hintergründe. Meine konkrete Frage bleibt: Wer hat die Entscheidung getroffen?“
Damit würdigst du die Informationen.
Und führst zurück zum Kern.
Zum Beispiel:
„Dass dich die Frage ärgert, sehe ich. Gleichzeitig möchte ich den Sachverhalt noch klären.“
Emotion und Sachfrage dürfen beide existieren.
Sie müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Zum Beispiel:
„Welche Information fehlt dir noch, und wann können wir mit einer belastbaren Antwort rechnen?“
Damit wird aus einem offenen Ende:
ein klarer nächster Schritt.
Interviews machen Ausweichmanöver besonders sichtbar.
Eine gute Interviewführung achtet darauf:
Eine wirkungsvolle Nachfrage kann sehr kurz sein:
„Meine Frage war eine andere.“
Oder:
„Was ist Ihre Antwort auf genau diesen Punkt?“
Hartnäckigkeit und Aggressivität sind zwei verschiedene Dinge.
Du kannst freundlich bleiben.
Und trotzdem mehrfach dieselbe Frage stellen.
Entscheidend ist:
Die Antwortlücke bleibt sichtbar.
Auch Verhandlungen enthalten häufig Themenverschiebungen.
Zum Beispiel:
„Der Preis liegt über unserem Budget.“
Antwort:
„Dafür bieten wir Ihnen eine besonders intensive Betreuung.“
Das kann ein legitimer Hinweis auf Wert sein.
Die Budgetfrage ist damit jedoch noch nicht beantwortet.
Beides sollte sauber getrennt werden.
In Verhandlungen hilft häufig:
„Was genau steht hinter diesem Einwand?“
Vielleicht geht es tatsächlich um:
Je klarer das eigentliche Interesse wird, desto weniger braucht es Ausweichbewegungen.
Führungskräfte erleben Ausweichen beispielsweise bei Fragen wie:
„Warum wurde das Problem nicht früher gemeldet?“
Die Antwort kann schnell zu:
wandern.
Diese Themen können relevant sein.
Eine gute Gesprächsführung trennt trotzdem:
Erklärung, Verantwortung und nächsten Schritt.
Das ist besonders wichtig.
Menschen weichen Verantwortung leichter aus, wenn jede Verantwortungsfrage wie eine Schuldzuweisung klingt.
Deshalb kann die Frage:
„Wer ist schuld?“
weniger hilfreich sein als:
„Wer hatte an welcher Stelle welche Verantwortung?“
Das erhöht die Chance auf eine sachliche Klärung.
Wenn schlechte Nachrichten regelmäßig:
werden, lernen Menschen schnell:
direkte Antworten sind riskant.
Dann kann Ausweichen Teil einer größeren Organisationsdynamik werden.
Die Lösung besteht nicht nur darin, härter nachzufragen.
Es lohnt sich auch zu prüfen:
Wie sicher ist direkte Kommunikation hier überhaupt?
In öffentlichen Diskussionen sind Themenwechsel besonders auffällig.
Eine Frage zu:
einem konkreten Sachverhalt
wird beantwortet mit:
einem Hinweis auf das Verhalten einer anderen Partei, Regierung oder Gruppe.
Dieser Hinweis kann relevant sein.
Er beantwortet den ursprünglichen Sachverhalt trotzdem nicht automatisch.
Die faire Prüfung lautet deshalb unabhängig von politischer Richtung:
Wurde die Ausgangsfrage beantwortet?
Sondern:
„Was ist deine Antwort auf meine ursprüngliche Frage?“
Das ist sachlicher.
Und schwerer wegzudiskutieren.
Gesprächsführung bedeutet nicht, jeder Frage automatisch zu folgen.
Du darfst sagen:
„Diese Frage führt uns vom vereinbarten Thema weg.“
Oder:
„Dazu kann ich aus Vertraulichkeitsgründen nichts sagen.“
Oder:
„Bevor ich darauf antworte, möchte ich die Voraussetzung Ihrer Frage korrigieren.“
Das ist transparente Steuerung.
Entscheidend ist:
Du machst sichtbar, was du tust.
Der Unterschied ist groß.
Verstecktes Ausweichen lautet:
„Lass uns über etwas anderes sprechen.“
ohne die offene Frage anzuerkennen.
Transparente Gesprächsführung lautet:
„Diese Frage beantworte ich heute nicht, weil mir dafür die notwendigen Informationen fehlen.“
Dann weiß das Gegenüber:
woran es ist.
Auch Reframing verändert einen Blickwinkel.
Das macht es noch nicht zur Ausweichtechnik.
Ein Perspektivwechsel kann helfen, ein Problem besser zu verstehen.
Problematisch wird er, wenn:
die ursprüngliche Frage dadurch verschwindet.
Ein guter Perspektivwechsel ergänzt.
Ein Ausweichmanöver ersetzt.
Manchmal ist es sinnvoll, eine eskalierende Diskussion kurz zu unterbrechen.
Zum Beispiel:
„Wir kommen gerade nicht weiter. Lass uns zehn Minuten unterbrechen und danach genau diesen Punkt wieder aufnehmen.“
Auch das ist kein problematisches Ausweichen.
Voraussetzung:
Der Punkt wird tatsächlich wieder aufgenommen.
Anerkennen.
Abgrenzen.
Zurückführen.
„Das ist ein relevanter Punkt.“
„Er beantwortet meine ursprüngliche Frage noch nicht.“
„Warum wurde die Entscheidung geändert?“
Diese drei Schritte reichen erstaunlich oft.
Dann kann es sinnvoll sein, das Muster selbst anzusprechen.
Zum Beispiel:
„Ich stelle fest, dass wir jetzt mehrfach auf andere Themen gewechselt sind. Für mich bleibt diese konkrete Frage offen.“
Das beschreibt das Gespräch.
Es vermeidet unnötige Unterstellungen über Motive.
Wenn trotz mehrfacher Rückführung:
kann die sinnvollere Entscheidung sein:
das Gespräch zu beenden oder einen anderen Rahmen zu wählen.
Hartnäckigkeit allein erzeugt keine produktive Diskussion.
Bei Verhandlungen, Interviews, Präsentationen oder kritischen Führungsgesprächen lohnt sich eine Vorbereitung.
Zum Beispiel:
Das reduziert die Versuchung, unter Druck spontan auszuweichen.
Eine unangenehme direkte Antwort kann stärker sein als eine elegante Ausweichbewegung.
Zum Beispiel:
„Ja, diese Einschätzung war falsch.“
Danach:
„Das haben wir daraus gelernt und das ändern wir jetzt.“
Eine solche Antwort kann kurzfristig unangenehm sein.
Sie erzeugt häufig mehr Vertrauen als fünf Minuten rhetorische Verteidigung.
Souveränität bedeutet nicht:
auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort zu haben.
Souveränität kann auch lauten:
„Das weiß ich gerade nicht.“
Oder:
„Dazu kann ich heute nichts sagen.“
Oder:
„Ja, da haben wir einen Fehler gemacht.“
Die Klarheit solcher Antworten ist häufig stärker als geschicktes Ausweichen.
Bei wichtigen:
kann der Umgang mit schwierigen Fragen vorab trainiert werden.
Zum Beispiel:
→ Wichtige Gespräche und Verhandlungen vorbereiten
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Gesprächsführung, Argumentation, schwierige Fragen oder wiederkehrende berufliche Kommunikationssituationen geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn ein konkretes Gespräch, eine Verhandlung oder ein öffentlicher Auftritt hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
Ausweichen kann unterschiedlich aussehen.
Zum Beispiel als:
Nicht jede Themenverschiebung ist unfair.
Manchmal braucht ein Gespräch:
Entscheidend ist Transparenz.
Wer eine Frage heute nicht beantwortet, kann das offen sagen.
Problematisch wird es dort, wo Kommunikation den Eindruck einer Antwort erzeugt, obwohl der entscheidende Punkt weiterhin offen ist.
Ein neues Thema kann relevant sein. Es ist trotzdem keine Antwort auf die alte Frage.
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Transparenz ist mir wichtig.
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Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026