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Du beantwortest eine Frage.
Der Fragesteller schaut dich weiterhin erwartungsvoll an.
Du hältst den Blickkontakt.
Und schon folgt:
„Dazu hätte ich noch eine zweite Frage …“
Das kann vollkommen erwünscht sein.
Manchmal möchtest du jedoch weiteren Personen Raum geben.
Dann kann eine kleine Veränderung deiner Blickrichtung helfen.
Ich bezeichne das als Wegschautechnik.
Nach deiner Antwort löst du den Blickkontakt mit der bisherigen fragenden Person und öffnest deinen Blick wieder für die gesamte Gruppe.
Das ist kein Zaubertrick.
Es ist ein nonverbales Signal für:
Diese Antwort ist abgeschlossen. Jetzt ist wieder die Runde offen.
Die Wegschautechnik ist eine einfache Form bewusster Blicksteuerung in Fragerunden.
Sie eignet sich beispielsweise bei:
Die Grundidee:
Während du eine Frage beantwortest, beziehst du die fragende Person natürlich mit deinem Blick ein.
Wenn die Antwort abgeschlossen ist, bleibst du nicht dauerhaft bei dieser Person.
Du wendest deinen Blick wieder:
zu.
Damit veränderst du die nonverbale Gesprächsorganisation.
Gespräche werden nicht nur mit Worten organisiert.
Auch Blickrichtung, Körperorientierung, Pausen und Gestik helfen dabei zu klären:
Das geschieht häufig, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken.
Besonders in Gesprächen mit mehreren Beteiligten ist der Blick ein wichtiges Orientierungssignal.
Das ist mir bei dieser Technik wichtig.
Aus einer Blickbewegung folgt nicht automatisch:
Diese Person redet jetzt.
Oder:
Diese Person wird garantiert schweigen.
Gesprächswechsel entstehen aus mehreren Signalen gleichzeitig.
Dazu gehören unter anderem:
Die Wegschautechnik erhöht deshalb keine Gewissheit.
Sie verändert lediglich:
die Wahrscheinlichkeit und die Einladung zur Fortsetzung.
Zum Beispiel wenn eine Person:
und gleichzeitig weitere Menschen im Raum zu Wort kommen sollen.
Dann brauchst du nicht unbedingt zu sagen:
„Jetzt reicht es mit Ihren Fragen.“
Oft genügt zunächst eine freundlichere nonverbale Steuerung.
Wende dich der fragenden Person zu.
Zeige, dass du zuhörst.
Während der Antwort musst du keineswegs ausschließlich den Fragesteller ansehen.
Wenn die Antwort für alle relevant ist, sprich zur gesamten Gruppe.
Ein deutlicher Schlusssatz hilft.
Zum Beispiel:
„Genau deshalb würde ich in diesem Fall die zweite Variante wählen.“
Ein:
„Danke für die Frage.“
kann den Abschluss zusätzlich markieren.
Schau anschließend bewusst in einen anderen Bereich der Gruppe.
Zum Beispiel:
„Welche Frage gibt es noch?“
Damit ist der Wechsel deutlich.
In Mehrpersonengesprächen kann der Blick gegen Ende eines Gesprächsbeitrags daran beteiligt sein, den nächsten Sprecher auszuwählen.
Deshalb ist gerade der Moment nach deiner Antwort relevant.
Bleibt dein Blick intensiv auf derselben Person, kann das als Einladung zur unmittelbaren Fortsetzung wirken.
Wendest du dich wieder der Gruppe zu, öffnest du die Gesprächsfläche.
Du wechselst vom Zweiergespräch zurück zur Fragerunde.
Der Name Wegschautechnik klingt etwas defensiv.
Praktisch geht es um etwas Konstruktiveres:
Aufmerksamkeit neu verteilen.
Du entziehst dem bisherigen Fragesteller nicht demonstrativ deine Aufmerksamkeit.
Du gibst anderen Personen die Chance, ebenfalls beteiligt zu werden.
Das macht einen erheblichen Unterschied in der Wirkung.
Eine gute Wegschautechnik wirkt natürlich.
Ungünstig wäre:
Die Person stellt ihre Frage.
Du antwortest.
Dann drehst du abrupt den Kopf weg.
Das kann wirken wie:
„Mit dir bin ich fertig.“
Das Ziel ist weniger Abweisung.
Das Ziel ist:
Gesprächssteuerung.
Das ist ohnehin eine wichtige Regel für Fragerunden.
Eine Person stellt die Frage.
Deine Antwort richtet sich häufig an:
alle.
Deshalb kannst du:
So verhindert dein Blick bereits, dass ein exklusives Zwiegespräch entsteht.
Eine Person fragt.
Du antwortest.
Sie fragt nach.
Du antwortest ausführlicher.
Sie ergänzt eine persönliche Erfahrung.
Du reagierst darauf.
Nach einigen Minuten schauen 80 Menschen einem Gespräch zwischen zwei Personen zu.
Das kann gelegentlich interessant sein.
Meist verliert die übrige Gruppe jedoch zunehmend den Anschluss.
Das ist eine hilfreiche Haltung.
Der einzelne Fragesteller ist wichtig.
Die übrigen Teilnehmenden sind es ebenfalls.
Deshalb gehört zu guter Moderation:
Die Wegschautechnik ist nur eines der Mittel dafür.
Dann machst du beinahe das Gegenteil.
Nach deiner Antwort bleibst du zunächst bei der Person und fragst:
„Beantwortet das deine Frage?“
Oder:
„War das der Punkt, auf den du hinauswolltest?“
Damit lädst du bewusst zur Fortsetzung ein.
Auch das zeigt:
Blicksteuerung sollte zum Kommunikationsziel passen.
Zum Beispiel wenn:
Dann kann sofortiges Wegwenden kalt oder ausweichend wirken.
Zuerst braucht es:
eine angemessene Antwort.
Danach kann der Blick wieder zur Gruppe gehen.
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Die Wegschautechnik soll nicht helfen:
eine unangenehme Frage nicht zu beantworten.
Sie dient dazu:
nach einer beantworteten Frage die Gesprächsführung wieder für die gesamte Runde zu öffnen.
Wer die Frage ignoriert und schnell woanders hinschaut, nutzt keine souveräne Blicksteuerung.
Er weicht aus.
→ Ausweichtechniken erkennen: Wenn Fragen unbeantwortet bleiben
Diese Reihenfolge ist entscheidend.
Eine kritische Frage verschwindet nicht dadurch, dass du einen anderen Menschen ansiehst.
Besonders bei:
kann das sogar besonders sichtbar werden.
Gesprächssteuerung ersetzt keine Antwort.
Nonverbale Steuerung reicht nicht immer.
Wenn eine Person wiederholt neue Fragen stellt, kannst du ausdrücklich moderieren.
Zum Beispiel:
„Ich nehme gleich gerne noch eine weitere Frage von dir. Zuerst würde ich weitere Stimmen aus dem Raum aufnehmen.“
Das ist:
Du musst diese Person nicht automatisch erneut aufrufen.
Schau bewusst in andere Bereiche des Raumes.
Und frage:
„Wer hatte bisher noch keine Gelegenheit?“
Damit gibst du deiner Auswahl ein nachvollziehbares Kriterium.
Besonders bei größeren Gruppen kannst du Fragen zunächst sammeln.
Zum Beispiel:
„Ich nehme drei Fragen und beantworte sie anschließend nacheinander.“
Dann bestimmst du durch:
klar, wer gerade an der Reihe ist.
So entsteht weniger Konkurrenz um Aufmerksamkeit.
Bei großen Publika kannst du nicht mit jedem Menschen intensiven Blickkontakt herstellen.
Das ist auch nicht notwendig.
Arbeite mit verschiedenen Bereichen:
Wenn eine Person fragt, bekommt sie zunächst gezielte Aufmerksamkeit.
Anschließend beziehst du wieder den gesamten Raum ein.
In Videokonferenzen ist natürliche Blickorganisation eingeschränkt.
Du siehst Menschen auf einem Bildschirm.
Der Eindruck von direktem Blickkontakt entsteht hingegen über die Kamera.
Deshalb funktioniert die klassische Wegschautechnik dort nur begrenzt.
Stärker sind:
Zum Beispiel:
„Danke, Anna. Ich nehme als Nächstes die Frage von Tobias.“
Oder:
„Ich möchte jetzt jemanden aufnehmen, der noch nicht dran war.“
Was im Raum teilweise über Blick funktioniert, braucht online häufiger eine ausdrückliche Formulierung.
Auf einem Podium kann Blickkontakt besonders stark die Gesprächsrichtung beeinflussen.
Eine moderierende Person kann über den Blick:
Auch hier gilt:
Blick funktioniert zusammen mit Sprache.
Je wichtiger eine eindeutige Übergabe ist, desto sinnvoller wird:
„Frau Müller, wie sehen Sie das?“
Moderation bedeutet unter anderem:
Aufmerksamkeit und Redezeit zu verteilen.
Wer immer dieselben Personen anschaut, wird häufig auch immer dieselben Personen aktivieren.
Deshalb lohnt sich ein bewusster Blick auf:
Der Blick kann Beteiligung erleichtern.
Auch in Meetings entstehen schnell Gesprächsmonopole.
Ein Teammitglied spricht.
Die Führungskraft antwortet.
Beide bleiben miteinander im Blickkontakt.
Der Rest der Gruppe wird zum Publikum.
Eine einfache Öffnung:
„Wie sehen die anderen das?“
verbunden mit einem Blick in die Runde verändert sofort die Gesprächsarchitektur.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Aufmerksamkeit verteilt Einfluss.
Wer besonders schnell und häufig spricht, zieht ohnehin viel Aufmerksamkeit auf sich.
Gute Gesprächsführung schafft zusätzlich Raum für Menschen, die:
Bewusste Blicksteuerung kann dazu beitragen.
Deshalb sollte die Technik sensibel eingesetzt werden.
Eine Person lange und erwartungsvoll anzusehen, kann bedeuten:
„Jetzt musst du etwas sagen.“
Das ist nicht immer hilfreich.
Besonders bei:
ist eine ausdrückliche, freundliche Einladung häufig besser als intensiver Blickdruck.
Auch deshalb sind starre Regeln wenig hilfreich.
Menschen unterscheiden sich darin:
Deshalb sollte Blicksteuerung kein mechanisches Rezept sein.
Beobachte die Situation und bleib flexibel.
Wenn du im Kopf ständig denkst:
„Jetzt drei Sekunden anschauen. Jetzt nach links. Jetzt nach rechts.“
wird die Kommunikation schnell künstlich.
Die Technik sollte nach etwas Übung beinahe unsichtbar werden.
Du denkst dann weniger über Augenbewegungen nach.
Du denkst:
„Wer braucht jetzt meine Aufmerksamkeit?“
Das ist für mich die stärkste Regel.
Wenn du jemanden verstehen möchtest:
wende dich zu.
Wenn du eine Antwort an alle richtest:
öffne deinen Blick.
Wenn du jemandem das Wort geben möchtest:
orientiere dich zu dieser Person.
Wenn du die Runde wieder öffnen möchtest:
löse das exklusive Zweiergespräch auf.
Mehr braucht es häufig nicht.
Die Person stellt noch ihre Frage und du suchst bereits den nächsten Fragesteller.
Das wirkt desinteressiert.
Das schadet Glaubwürdigkeit.
Dann wird Steuerung zur Abweisung.
Der Rest des Publikums verliert Anschluss.
Andere Menschen werden kommunikativ unsichtbar.
Dann wirkt das Verhalten einstudiert.
Wenn Klarheit notwendig ist, sprich sie aus.
Zum Beispiel:
„Ich möchte jetzt noch zwei weitere Fragen aufnehmen.“
Oder:
„Wir haben noch fünf Minuten. Deshalb bitte jeweils eine Frage pro Person.“
Oder:
„Den Punkt können wir anschließend bilateral vertiefen. Jetzt würde ich die Runde weiter öffnen.“
Das ist keine Schwäche.
Gute Moderation darf sichtbar sein.
Gerade bei kritischen Fragen lohnt sich ein ruhiger Umgang.
Hör zu.
Beantworte den Punkt.
Bleib währenddessen präsent.
Dann öffne die Runde wieder.
Wenn du bereits während der Frage sichtbar nach einem Fluchtweg suchst, entsteht möglicherweise ein anderer Eindruck:
Unsicherheit oder Abwehr.
→ Souverän auf kritische Fragen reagieren
In einem normalen Workshop ist ein misslungener Blickwechsel meist schnell vergessen.
Bei:
können nonverbale Signale stärker beobachtet werden.
Dann lohnt es sich, Fragerunden realistisch zu proben.
Viele Menschen proben ihre Präsentation.
Dann endet die Vorbereitung beim letzten Slide.
Ausgerechnet die Fragerunde wird improvisiert.
Dabei zeigt sich dort häufig besonders viel:
Deshalb gehört Q&A zur Vorbereitung dazu.
Gerade solche Details lassen sich durch Videoaufzeichnung gut sichtbar machen.
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Präsentationskompetenz, Fragerunden, Moderation oder wiederkehrende berufliche Auftritte geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Präsentation, Fragerunde oder öffentliche Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
Die Wegschautechnik ist keine geheimnisvolle Manipulationstechnik.
Sie nutzt etwas, das ohnehin in Gesprächen geschieht:
Wir organisieren Kommunikation auch mit unserem Blick.
Nach einer beantworteten Frage kannst du deshalb den exklusiven Blickkontakt lösen und dich wieder der gesamten Gruppe zuwenden.
Damit signalisierst du:
Die Antwort ist abgeschlossen. Die Runde ist wieder offen.
Das funktioniert nicht mechanisch.
Es funktioniert zusammen mit:
Und wenn nonverbale Steuerung nicht ausreicht, darf Moderation ausdrücklich werden.
Gute Blicksteuerung bedeutet nicht, Menschen wegzuschauen. Sie bedeutet, Aufmerksamkeit bewusst dort zu öffnen, wo das Gespräch weitergehen soll.
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
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Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 2. Mai 2011
Überarbeitung: 14. April 2026
Ein Argument wird nicht beantwortet.
Es wird umgedeutet.
Ein einzelnes Wort wird so lange zerlegt, bis der ursprüngliche Gedanke kaum noch erkennbar ist.
Aus einer begrenzten Aussage wird eine extreme Behauptung.
Und am Ende wirkt es vielleicht so, als hätte jemand die Diskussion gewonnen.
Nur:
Wurde die Sache dadurch wirklich besser geklärt?
Für solche spitzfindigen, wortklauberischen und verzerrenden Argumentationsweisen gibt es einen alten Begriff:
Rabulistik.
Rabulistik bezeichnet eine Argumentationsweise, bei der mit:
gearbeitet wird.
Der Begriff wird abwertend verwendet.
Dabei geht es weniger um:
präzise Argumentation.
Gemeint ist eher:
eine Argumentation, die formal geschickt wirkt, dabei jedoch den eigentlichen Sachverhalt verzerren kann.
Als Rabulist wird traditionell jemand bezeichnet, der:
argumentiert.
Häufig gehört dazu, Aussagen so zu verändern, dass sie leichter angreifbar oder scheinbar widerlegt werden können.
Ich würde den Begriff trotzdem sparsam verwenden.
Denn:
Ein problematisches Argument macht aus einem Menschen noch keinen dauerhaft festgelegten „Rabulisten“.
Hilfreicher ist meistens, das konkrete Verhalten zu beschreiben.
Rabulisieren kann bedeuten:
Eine Aussage so zu verändern, zu verengen oder zu erweitern, dass ihre ursprüngliche Bedeutung verloren geht.
Zum Beispiel:
Person A sagt:
„Bei wichtigen Entscheidungen sollten wir mehr Zeit für eine Risikoanalyse einplanen.“
Person B antwortet:
„Wenn wir deinem Prinzip folgen, treffen wir irgendwann gar keine Entscheidungen mehr.“
Das klingt wie eine Antwort.
Es beantwortet jedoch eine deutlich extremere Position als die tatsächlich vertretene.
Das ist eine wichtige Einordnung.
Rabulistik ist kein modernes psychologisches Diagnosemodell.
Und auch keine sauber abgegrenzte wissenschaftliche Kategorie von Fehlschlüssen.
Der Begriff wird eher verwendet für eine Gruppe von:
Deshalb lohnt es sich, im konkreten Fall genauer zu benennen:
Was genau geschieht hier?
Das ist der zentrale Unterschied.
Eine Diskussion kann zwei sehr unterschiedliche Ziele haben.
Wir wollen herausfinden:
Was spricht für welche Position?
Wir wollen erreichen:
Meine Position soll am Ende überlegen wirken.
Beides kann gleichzeitig vorkommen.
Rabulistik beginnt dort, wo der zweite Zweck den ersten zunehmend verdrängt.
Zum Beispiel wenn jemand:
Entscheidend ist weniger:
„Ist das rhetorisch clever?“
Interessanter ist:
„Hilft es, die strittige Frage fair zu klären?“
Wörter verdienen Genauigkeit.
Manchmal entscheidet eine sprachliche Nuance tatsächlich über die Bedeutung.
Wortklauberei wird problematisch, wenn ein einzelner Begriff so stark in den Mittelpunkt gestellt wird, dass der erkennbare Sinn der Aussage verschwindet.
Zum Beispiel:
„Du hast gesagt, das sei ‚häufig‘ der Fall. Was bedeutet häufig exakt? 51 Prozent? 70? 82?“
Eine solche Nachfrage kann sinnvoll sein.
Sie kann ebenso dazu dienen, eine erkennbare Hauptaussage in einer endlosen Definitionsdebatte verschwinden zu lassen.
Die Grenze lässt sich nicht allein an der Nachfrage erkennen.
Frag:
Ist die begriffliche Präzisierung für die Entscheidung oder Argumentation relevant?
Wenn ja, ist sie sinnvoll.
Wenn der Gesprächspartner den Punkt längst verstanden hat und sich nur an einer nebensächlichen Formulierung festhält, kann es anders aussehen.
Ein klassisches Muster:
Aus:
„Wir sollten häufiger im Homeoffice arbeiten können.“
wird:
„Du möchtest also das Büro komplett abschaffen.“
Jetzt wird eine Extremposition diskutiert.
Nicht mehr die ursprüngliche.
→ Übertreibungstechnik erkennen und entkräften
Eng damit verwandt ist die Erweiterung.
Der Geltungsbereich einer Aussage wird größer gemacht.
Aus:
„In dieser Situation war das keine gute Entscheidung.“
wird:
„Du behauptest also, diese Art von Entscheidung sei grundsätzlich falsch.“
Das ist auch aus Schopenhauers Eristischer Dialektik bekannt.
→ Eristische Dialektik: Kunstgriff 1 – Die Erweiterung
Beim Strohmann wird eine Position so verändert, dass eine schwächere Ersatzposition entsteht.
Diese wird anschließend angegriffen.
Zum Beispiel:
„Wir sollten den Bewerbungsprozess vereinfachen.“
wird zu:
„Du willst also künftig jeden einstellen, der sich meldet.“
Das ist leichter zu widerlegen.
Nur war es nie die tatsächliche Position.
→ Strohmann-Argumente erkennen
Ein Begriff wird zunächst in Bedeutung A verwendet.
Später wird unbemerkt Bedeutung B eingesetzt.
Dann scheint ein Argument logisch zu folgen.
Tatsächlich hat sich unterwegs die Bedeutung verändert.
Besonders anfällig dafür sind abstrakte Begriffe wie:
Deshalb hilft die Frage:
„Was meinst du an dieser Stelle konkret mit diesem Begriff?“
Eine schwierige Frage wird gestellt.
Statt einer Antwort folgt ein anderes Thema.
Oder ein Gegenvorwurf.
Oder eine allgemeine Erklärung.
Das kann Teil einer rabulistischen Strategie sein.
Auf Kritik folgt:
„Und was ist mit …?“
Das andere Problem kann real sein.
Es beantwortet die ursprüngliche Kritik trotzdem nicht automatisch.
Zwei Probleme können gleichzeitig bestehen.
Statt das Argument zu prüfen, wird die Person angegriffen.
Zum Beispiel:
„Das sagst ausgerechnet du?“
Oder:
„Von jemandem mit deiner Erfahrung hätte ich so eine Aussage erwartet.“
Die Person kann relevant sein.
Nur:
Die Herkunft eines Arguments ersetzt nicht seine inhaltliche Prüfung.
Ein weiteres Muster besteht darin, nur zwei Möglichkeiten anzubieten.
Zum Beispiel:
„Entweder du unterstützt diesen Vorschlag oder dir ist das Unternehmen egal.“
Vielleicht existieren:
Die künstliche Verengung erzeugt Druck.
Eine Position wird mit immer neuen Argumenten überhäuft.
Kaum ist eines geklärt, folgt das nächste.
Dann das nächste.
Dann noch eines.
Am Ende entsteht der Eindruck:
„Es gibt offensichtlich unglaublich viel gegen diese Position.“
Ob die einzelnen Argumente tatsächlich tragen, wird kaum noch geprüft.
Argumentationsqualität lässt sich nicht zählen.
Fünf schwache Gründe werden nicht automatisch stärker als ein belastbarer Grund.
Deshalb lohnt es sich, Argumente einzeln zu prüfen.
Gewicht ist wichtiger als Menge.
Du lieferst einen Beleg.
Dann wird plötzlich ein stärkerer verlangt.
Du lieferst diesen.
Jetzt gilt ein noch anderer Maßstab.
So kann eine Behauptung praktisch unkorrigierbar gemacht werden.
Hilfreich ist deshalb:
Vorab klären, welche Art von Beleg überhaupt akzeptiert würde.
Bei der Position des Gegenübers wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.
Bei der eigenen Position gelten großzügigere Maßstäbe.
Das Problem ist nicht Genauigkeit.
Das Problem ist:
unterschiedliche Maßstäbe.
Eine allgemeine Aussage wird durch einen einzelnen Ausnahmefall scheinbar widerlegt.
Zum Beispiel:
„Rauchen erhöht gesundheitliche Risiken.“
Antwort:
„Mein Großvater hat sein Leben lang geraucht und wurde 95.“
Der Einzelfall kann stimmen.
Er widerlegt keine statistische Aussage über Risiken.
Auch die umgekehrte Verzerrung ist möglich.
Eine allgemeine Tendenz wird so behandelt, als müsse sie für jeden einzelnen Fall gelten.
Aus:
„Im Durchschnitt zeigt sich X.“
wird:
„Dann muss X auch bei dieser konkreten Person so sein.“
Auch das ist ein Kategorienfehler.
Die Begriffe überschneiden sich.
Eristik beschäftigt sich historisch mit der Kunst des Streitens beziehungsweise des argumentativen Siegens.
Rabulistik wird meist deutlich abwertender verwendet.
Sie bezeichnet insbesondere:
Beide Bereiche treffen sich dort, wo:
der Sieg über den Gesprächspartner wichtiger wird als die gemeinsame Prüfung der Sache.
Arthur Schopenhauers sogenannte Eristische Dialektik beschreibt zahlreiche Kunstgriffe, mit denen Menschen in Streitgesprächen versuchen können, Recht zu behalten.
Der Text ist interessant, weil viele der beschriebenen Muster bis heute bekannt vorkommen.
Er ist jedoch kein moderner wissenschaftlicher Katalog von Fehlschlüssen.
Stärker ist die Verwendung als:
historische Beobachtung unfairer oder strategischer Diskussionsweisen.
→ Schopenhauers Eristische Dialektik
Auch „Sophistik“ wird häufig als verwandter Begriff verwendet.
Im heutigen Sprachgebrauch meint „sophistisch“ oft:
spitzfindige oder scheinlogische Argumentation.
Historisch ist der Begriff komplexer.
Die antiken Sophisten waren keine einheitliche Gruppe von Täuschern.
Deshalb würde ich vermeiden, moderne argumentative Tricks pauschal mit:
„den Sophisten“
gleichzusetzen.
Auch diese Unterscheidung lohnt sich.
Nicht jede:
ist Rabulistik.
Menschen argumentieren manchmal schlicht:
unpräzise oder fehlerhaft.
Von Rabulistik zu sprechen, legt stärker nahe, dass sich die Argumentation durch:
auszeichnet.
Das ist wichtig.
Von außen weißt du häufig nicht sicher:
Verdreht jemand meine Aussage bewusst?
Oder:
Hat die Person sie wirklich so verstanden?
Deshalb ist eine gute erste Reaktion:
die Verzerrung zu korrigieren.
Nicht sofort:
die Motivation zu diagnostizieren.
Der wichtigste Grundsatz lautet:
Reagiere auf den konkreten Mechanismus.
Nicht auf das Etikett.
Statt:
„Du rabulisierst!“
ist häufig stärker:
„Meine Aussage war enger. Ich habe X gesagt, nicht Y.“
Damit wird überprüfbar, worum es geht.
Wenn deine Aussage verändert wird:
„Lass uns kurz bei dem bleiben, was ich tatsächlich gesagt habe.“
Dann wiederholst du sie.
Kurz.
Ohne Verteidigungsmonolog.
Wenn sich Bedeutungen verschieben:
„Was genau verstehst du hier unter ‚Verantwortung‘?“
Dadurch wird sichtbar, ob beide noch über dasselbe sprechen.
Zum Beispiel:
„Ich spreche von diesem Fall, nicht von allen Fällen.“
Oder:
„Ich habe ‚häufig‘ gesagt, nicht ‚immer‘.“
Solche kleinen Korrekturen können eine große argumentative Verzerrung auflösen.
Zum Beispiel:
„Wie folgt diese Aussage aus meinem Argument?“
Oder:
„Welcher Gedankenschritt führt dich von X zu Y?“
Damit muss die Verbindung sichtbar werden.
Wenn immer neue Argumente auftauchen:
„Lass uns diesen Punkt zuerst klären. Danach nehmen wir den nächsten.“
Das verhindert, dass Quantität die Prüfung ersetzt.
Zum Beispiel:
„Das ist eine andere Frage. Wir können sie anschließend gerne aufnehmen.“
Dann zurück zum Kern.
So musst du das neue Thema nicht abwerten.
Du verhinderst nur die Ablenkung.
Wenn du den Eindruck hast, dass deine Aussage ständig verzerrt wird:
„Formuliere bitte zunächst, was du für meine tatsächliche Position hältst.“
Dann kannst du korrigieren.
Erst danach wird diskutiert.
Du kannst selbst mit gutem Beispiel vorangehen.
Formuliere die Position des Gegenübers so:
fair und stark wie möglich.
Dann frage:
„Trifft das deinen Punkt?“
So wird der Unterschied zwischen:
Argumentieren gegen die tatsächliche Position
und:
Argumentieren gegen eine Karikatur
sichtbar.
Das geschieht schnell.
Du sagst:
„Wir sollten die Regel überprüfen.“
Das Gegenüber:
„Du willst also überhaupt keine Regeln.“
Dann beginnst du zu erklären, warum natürlich Regeln notwendig sind.
Jetzt verteidigst du eine Position, die nie deine war.
Stärker:
„Das ist nicht meine Position. Ich spreche von dieser konkreten Regel.“
Wenn deine Argumente streng geprüft werden, darfst du fragen:
„Wenden wir denselben Maßstab auch auf die Gegenposition an?“
Das ist besonders hilfreich bei:
Bei einer langen Argumentliste:
„Welches dieser Argumente hältst du für das stärkste?“
Dann prüft ihr dieses.
Das verhindert, dass eine Debatte allein durch Masse unübersichtlich wird.
Das ist eine besonders interessante Frage:
„Welche Information würde dich dazu bringen, deine Position zu überdenken?“
Wenn die Antwort lautet:
„Keine.“
dann führt ihr möglicherweise gerade keine ergebnisoffene Sachdebatte.
Das macht sie attraktiv.
Schnelle:
können beeindruckend wirken.
Doch:
Schlagfertigkeit ist nicht dasselbe wie argumentative Qualität.
Das klingt selbstverständlich.
In der Dynamik eines Gesprächs wird es leicht vergessen.
Ein schneller Konter gewinnt vielleicht:
Das beweist noch nicht:
dass das bessere Argument gewonnen hat.
Rabulistische Argumentation kann besonders attraktiv werden, wenn andere Menschen zuschauen.
Denn dann gibt es zwei Ebenen:
die sachliche Klärung
und:
die Wirkung auf das Publikum.
Eine schlagfertige Antwort kann auf der zweiten Ebene gewinnen.
Während sie auf der ersten schwach bleibt.
In einer Debatte kann es legitim sein, die eigene Position möglichst überzeugend zu vertreten.
Trotzdem gelten Grenzen.
Eine gute Debatte braucht:
Überzeugungskraft und intellektuelle Redlichkeit müssen keine Gegensätze sein.
Verhandlungen haben ein anderes Ziel als wissenschaftliche Diskussionen.
Die Beteiligten vertreten Interessen.
Trotzdem können rabulistische Muster Vertrauen beschädigen.
Zum Beispiel:
„Du hast gesagt, dir sei langfristige Zusammenarbeit wichtig. Dann musst du unserem Preis zustimmen.“
Das klingt logisch.
Die Schlussfolgerung folgt jedoch nicht zwingend aus der Aussage.
Du darfst:
und trotzdem:
Das ist langfristig meist die stärkere Verhandlungsposition.
Hierarchien machen solche Techniken besonders problematisch.
Eine Führungskraft kann beispielsweise auf Kritik reagieren:
„Wenn du mit jeder Entscheidung ein Problem hast, frage ich mich, ob du überhaupt noch hinter unserem Team stehst.“
Aus Kritik an einer Entscheidung wird:
Loyalitätsfrage.
Das verändert die Diskussion erheblich.
Dann diskutiert die andere Person plötzlich:
ihre Loyalität.
Statt:
die ursprüngliche Entscheidung.
Genau solche Verschiebungen lohnt es sich früh zu erkennen.
In politischen und öffentlichen Debatten begegnen dieselben Muster.
Zum Beispiel:
Die faire Analyse sollte unabhängig davon erfolgen:
welche politische Position vertreten wird.
Ein schwaches Argument wird nicht stärker, weil es die eigene Seite verwendet.
Das ist eine der schwierigsten Übungen.
Rhetorische Tricks fallen uns bei Gegnern besonders schnell auf.
Bei Menschen, deren Position wir teilen, deutlich weniger.
Deshalb lohnt sich die Frage:
Würde ich dieses Argument genauso kritisch prüfen, wenn es von der anderen Seite käme?
Kurze Formate begünstigen Zuspitzung.
Nuancen brauchen Platz.
Ein:
„Das kommt darauf an …“
ist meist weniger spektakulär als:
„Das ist kompletter Unsinn.“
Dadurch können Plattformlogiken argumentative Zuspitzung begünstigen.
Das macht Differenzierung umso wichtiger.
Das ist praktisch wichtig.
Du musst nicht jede:
ausführlich beantworten.
Manchmal reicht:
„Das ist nicht meine Aussage.“
Oder:
„Das beantwortet die Frage nicht.“
Dann zurück zum Thema.
Nicht jedes Gespräch lässt sich durch bessere Argumentation retten.
Wenn dauerhaft:
werden und keine Bereitschaft zur Klärung besteht, darfst du entscheiden:
Diese Diskussion lohnt meine Energie nicht mehr.
Rabulistische Kommunikation kann dazu führen, dass du dich immer weiter rechtfertigst.
Jede Antwort erzeugt eine neue Unterstellung.
Jede Präzisierung eröffnet einen neuen Nebenkriegsschauplatz.
Dann hilft:
zur Kernbotschaft zurückzukehren.
Und sie nicht bei jeder Runde neu zu verteidigen.
1. Aussage klären.
Was wurde tatsächlich gesagt?
2. Streitpunkt eingrenzen.
Worin besteht die echte Differenz?
3. Kriterien benennen.
Wonach beurteilen wir die Frage?
4. Argumente einzeln prüfen.
Was trägt?
5. Ergebnis festhalten.
Was ist geklärt und was bleibt offen?
Diese Struktur reduziert den Raum für rhetorischen Nebel.
„Das ist nicht meine Aussage. Meine Aussage lautet …“
„Wir sprechen gerade über zwei verschiedene Fragen.“
„Wie folgt diese Schlussfolgerung aus dem, was ich gesagt habe?“
„Lass uns diesen Punkt zuerst klären.“
„Welches ist dein stärkstes Argument dafür?“
Solche Sätze helfen häufig mehr als ein rhetorischer Gegenangriff.
Natürlich kann Schlagfertigkeit helfen.
Sie kann:
Doch wenn beide Seiten immer cleverer kontern, entsteht schnell:
mehr Unterhaltung und weniger Klärung.
Deshalb ist Präzision häufig die stärkere Antwort.
Das bedeutet:
Das klingt weniger spektakulär als Kampfrhetorik.
Es ist langfristig deutlich belastbarer.
Das ist vielleicht der stärkste Gegenentwurf zur Rabulistik.
Wenn ein Gespräch nur dann als Erfolg gilt, wenn du am Ende dieselbe Position behältst, wird Lernen schwierig.
Eine gute Diskussion kann dazu führen, dass du:
Das ist kein Verlust.
Es kann Erkenntnis sein.
Bei schwierigen Gesprächen und Verhandlungen lässt sich der Umgang mit solchen Mustern vorbereiten.
Zum Beispiel:
→ Wichtige Gespräche und Verhandlungen vorbereiten
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Argumentation, Konflikte, Verhandlungen und wiederkehrende berufliche Gesprächssituationen geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn ein konkretes Gespräch, eine Verhandlung oder eine öffentliche Auseinandersetzung hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
Rabulistik kann rhetorisch beeindruckend wirken.
Sie kann:
erscheinen.
Doch eine Diskussion gewinnt an Qualität, wenn etwas anderes wichtiger bleibt:
Was stimmt?
Was folgt tatsächlich aus den Argumenten?
Welche Position wurde wirklich vertreten?
Deshalb lohnt sich weniger die Frage:
„Wie besiege ich den Rabulisten?“
Interessanter ist:
„Wie halte ich die Diskussion so klar, dass Wortverdrehungen und Spitzfindigkeiten weniger Raum bekommen?“
Wer nur Recht behalten will, braucht einen Gegner. Wer etwas verstehen will, braucht gute Argumente.
Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.
Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
→ Datenschutz
Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Wie weit würdest du gehen, um eine Debatte zu gewinnen?
Argumente zuspitzen?
Die Schwachstellen der Gegenposition sichtbar machen?
Natürlich.
Die andere Person persönlich angreifen?
Aussagen verdrehen?
Fragen ausweichen?
Mit Unterstellungen, Ablenkungsmanövern oder unfairen Tricks arbeiten?
Dann wird es interessant.
Denn spätestens hier stellt sich die Frage:
Geht es noch darum, die bessere Position zu vertreten?
Oder nur noch darum:
um jeden Preis Recht zu behalten?
In Trainings und Coachings begegnet mir immer wieder der Wunsch nach rhetorischen Tricks.
Am besten solchen, mit denen sich möglichst jede Diskussion gewinnen lässt.
Manchmal kommt dieser Wunsch erstaunlich früh.
Noch bevor die Grundlagen guter Argumentation sitzen.
Das finde ich bemerkenswert.
Denn wer sofort nach Tricks sucht, überspringt die wichtigere Frage:
Wie gut ist meine Position eigentlich begründet?
Eine gute Debatte ist mehr als ein verbales Kräftemessen.
Sie bietet die Gelegenheit:
Das gilt für politische Debatten.
Es gilt ebenso für Unternehmen, Führungsteams und Organisationen.
Wo Widerspruch keinen Platz hat, leidet irgendwann auch die Qualität von Entscheidungen.
Der Satz:
„Der Zweck heiligt die Mittel.“
wird häufig Niccolò Machiavelli zugeschrieben.
Als wörtliches Zitat aus Il Principe beziehungsweise Der Fürst lässt er sich so jedoch nicht belegen.
Die dahinterliegende Frage bleibt trotzdem aktuell:
Darf ich jedes rhetorische Mittel einsetzen, wenn mir mein Ziel wichtig genug erscheint?
Für mich lautet die Antwort:
Nein.
Denn Mittel verändern nicht nur die Debatte.
Sie beeinflussen auch:
Wer eine Diskussion mit Täuschung oder persönlicher Abwertung gewinnt, kann gleichzeitig etwas Wertvolleres verlieren.
Ein starkes Argument braucht keine Nebelkerze.
Es darf geprüft werden.
Es hält Fragen aus.
Es kann Gegenargumente berücksichtigen.
Rhetorische Tricks werden besonders verführerisch, wenn jemand vermeiden möchte, dass genau diese Prüfung stattfindet.
Dann erscheinen beispielsweise:
Manches davon geschieht bewusst.
Manches aus Gewohnheit oder unter Druck.
Die Wirkung kann dieselbe sein:
Die eigentliche Sachfrage verschwindet.
Ein belastbarer Standpunkt entsteht nicht dadurch, dass du nur Material für deine eigene Seite sammelst.
Du solltest ebenso wissen:
Das dient nicht nur der rhetorischen Vorbereitung.
Es schützt auch vor:
Selbstüberschätzung.
Denn vielleicht entdeckst du bei gründlicher Beschäftigung mit der Gegenposition:
Meine ursprüngliche Sicht war zu einfach.
Das wäre kein Scheitern.
Es wäre Erkenntnis.
Wenn du eine Gegenposition schwächer darstellst, als sie tatsächlich ist, baust du einen:
Strohmann.
Den kannst du anschließend leicht umstoßen.
Nur hast du damit:
die tatsächliche Position nicht widerlegt.
Interessanter ist die Gegenrichtung.
Formuliere das stärkste Argument der anderen Seite so fair und überzeugend wie möglich.
Dann prüfe deine eigene Position daran.
Das wird manchmal als:
Steelman
bezeichnet.
Für die Vorbereitung wichtiger Debatten ist das ausgesprochen wertvoll.
Das klingt für Menschen merkwürdig, die Debatten ausschließlich als Wettbewerb betrachten.
Doch wenn kein Argument der Welt meine Position verändern könnte, habe ich ein Problem.
Dann vertrete ich möglicherweise keine:
überprüfbare Position.
Sondern:
ein Dogma.
Eine ernsthafte Debatte setzt voraus, dass Argumente grundsätzlich Bedeutung haben dürfen.
Jetzt kommt die praktische Schwierigkeit.
Du möchtest fair argumentieren.
Die andere Seite tut es nicht.
Dann liegt die Versuchung nahe:
Gleiches mit Gleichem zu beantworten.
Das kann kurzfristig befriedigend sein.
Strategisch ist es häufig keine gute Idee.
Nach einem rhetorischen Schlammkampf sehen selten alle Beteiligten besser aus.
Und gerade bei öffentlichen Debatten beobachtet noch jemand:
das Publikum.
Fair zu argumentieren bedeutet nicht:
naiv zu sein.
Wer Manipulationstechniken und unfaire rhetorische Muster kennt, kann sie leichter erkennen.
Zum Beispiel:
Tricks zu kennen ist sinnvoll. Sie selbst einzusetzen ist eine andere Entscheidung.
Wenn jemand dir eine Aussage unterschiebt, die du nicht gemacht hast, brauchst du keine lange Empörung.
Oft reicht:
„Das ist nicht meine Position.“
Dann formulierst du sie erneut:
kurz und präzise.
So holst du die Debatte zurück zur eigentlichen Frage.
Ein klassisches Muster:
Du stellst eine schwierige Frage.
Die Antwort beginnt mit:
„Viel wichtiger ist doch …“
Das neue Thema kann tatsächlich wichtig sein.
Es beantwortet trotzdem nicht automatisch die ursprüngliche Frage.
Du kannst sagen:
„Darauf können wir gern gleich eingehen. Zuerst würde ich gern die ursprüngliche Frage klären.“
Wenn die Sachebene verlassen wird, kannst du sie wiederherstellen.
Zum Beispiel:
„Das ist eine Aussage über meine Person. Welche Kritik haben Sie an meinem Argument?“
Oder noch knapper:
„Was spricht sachlich gegen den Punkt?“
Damit bestimmst du:
die Ebene deiner eigenen Antwort.
Auch das gehört zu souveräner Kommunikation.
Eine Provokation stellt dir indirekt eine Frage:
„Beschäftigst du dich jetzt mit mir oder weiterhin mit deinem Anliegen?“
Nicht jeder Angriff verdient:
deine Aufmerksamkeit.
Manchmal ist die stärkere Reaktion:
zur Sache zurückzukehren.
Menschen wünschen sich häufig:
den perfekten spontanen Konter.
Das klingt attraktiv.
Für eine gute Debatte sind andere Fähigkeiten meist wichtiger:
Der schnellste Satz ist nicht automatisch das stärkste Argument.
Bei öffentlichen Diskussionen kommunizierst du auf mindestens zwei Ebenen.
Du sprichst mit:
deinem Gegenüber.
Und gleichzeitig mit:
dem Publikum.
Das Publikum beobachtet nicht nur, wer die schnellste Antwort liefert.
Es kann ebenso wahrnehmen:
Deshalb gehört zur Wirkung einer Debatte auch:
wie du debattierst.
Debattenkultur ist nicht nur ein politisches Thema.
Unternehmen brauchen Menschen, die sagen können:
„Ich sehe das anders.“
Und die anschließend begründen können:
warum.
Wo Widerspruch als Illoyalität gilt, entstehen Risiken.
Zum Beispiel:
Eine Organisation ohne ernsthaften Widerspruch schützt keine Harmonie. Sie riskiert Denkfehler.
Eine Führungskraft kann sagen:
„Ich möchte ehrliches Feedback.“
Entscheidend ist trotzdem:
Was passiert, wenn jemand tatsächlich widerspricht?
Wird die Person:
oder:
Debattenkultur entsteht weniger durch Bekenntnisse als durch:
den Umgang mit tatsächlichem Widerspruch.
Dieser Unterschied ist wichtig.
Du darfst:
Respekt bedeutet nicht:
inhaltliche Schonung.
Es bedeutet:
Person und Argument auseinanderzuhalten.
Du kannst sehr deutlich sagen:
„Diese Schlussfolgerung wird durch die genannten Daten nicht getragen.“
Das ist etwas anderes als:
„Sie haben offenbar keine Ahnung.“
Es ist leicht, unfaire Rhetorik bei anderen zu entdecken.
Interessanter wird:
Wo tue ich selbst etwas Ähnliches?
Zum Beispiel:
Debattenkultur beginnt:
nicht nur beim Verhalten der anderen.
Unfaire rhetorische Techniken zu kennen ist sinnvoll.
Nicht, damit du sie selbst routiniert einsetzt.
Sondern damit du:
Ich habe dazu einen eigenen Beitrag zusammengestellt:
→ 15 Wege, um mit schmutzigen Tricks Debatten zu gewinnen
Der Titel ist bewusst provokant.
Die interessantere Frage lautet dort ebenfalls:
Wie erkennst du solche Muster und wie gehst du souverän damit um?
Wenn du bereits weißt, dass mit unfairen Angriffen zu rechnen ist, lohnt sich Vorbereitung.
Dazu gehören beispielsweise:
Auch dazu findest du einen eigenen Beitrag:
→ Unfaires Verhalten in Debatten souverän abwehren
Bei wichtigen öffentlichen oder beruflichen Debatten kann Vorbereitung entscheidend sein.
Dabei können wir beispielsweise arbeiten an:
Das Ziel ist:
argumentativ klar und auch unter Druck beweglich zu bleiben.
Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.
Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Argumentationskompetenz, Diskussionsfähigkeit und wiederkehrende berufliche Debatten geht.
Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.
Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Debatte hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.
Debatten dürfen:
sein.
Dafür brauchen sie keine:
Wer seine Position ernst nimmt, sollte bereit sein:
sie ernsthaft prüfen zu lassen.
Und wer überzeugt ist, gute Argumente zu haben, braucht keine Tricks, die verhindern sollen, dass genau das geschieht.
Wenn der Zweck jedes Mittel rechtfertigen soll, ist es mit der Stärke der Argumente oft nicht weit her.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
Du suchst einen bestimmten Begriff oder eine passende Vertiefung?
Nutze die Suche oder entdecke weitere Beiträge im Themenbereich.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 3. August 2006
Überarbeitung: 02. Mai 2026
Bei Verhandlungen lohnt eine fundierte Vorbereitung und eines der wirkungsvollsten Werkzeuge dafür, ist das Mind Mapping. Hier erfahren Sie, wie Sie bei Ihren Verhandlungen von Mind Maps profitieren.
Wer andere Menschen anstecken, begeistern und schließlich überzeugen will, tut gut daran, sowohl die Zielgruppe als auch das Thema bestens zu kennen. Sie haben ein Angebot, dem Sie zum Erfolg verhelfen wollen? Dann profitieren Sie sowohl vom Überblick als auch relevanten Einblicken in das Denken der Zielgruppe. Wenn es uns gelingt, die verschiedenen Perspektiven einzunehmen, können wir auf einer viel breiteren und fundierteren Basis Entscheidungen treffen und gezielter kommunizieren. Gerade in Verhandlungssituationen bringt das eine Menge Vorteile mit sich. Da lohnt sich auch eine fundierte Vorbereitung und eines der wirkungsvollsten Werkzeuge dabei, ist das Mindmapping. Hier erfahren Sie, wie Sie bei Ihren Verhandlungen von Mindmaps profitieren.
Ein hervorragendes Werkzeug für die Vorbereitung von Verhandlungen ist das Mindmapping – die Erstellung von Gedankenlandkarten.
Bevor es an die Überzeugungsarbeit geht, wird ein Mindmap erzeugt. Weshalb? Weil mancher vermeintliche Durchblick pure Augenwischerei ist. Je mehr wir persönlich beteiligt sind, desto wahrscheinlicher sind blinde Flecken. Ein Mindmap deckt sie auf. In ihm wird die gesamte Situation skizziert. Ausgehend vom zentralen Thema werden von dort aus Unterthemen, mit Assoziationen strahlenförmig auf Ästen und Zweigen dargestellt. Dabei geht es sowohl um Hauptgedanken und Nebengedanken, dem Detailgrad sind keine Grenzen gesetzt. Sie tauchen so tief in, wie Sie es für richtig halten. Mit relativ wenig Aufwand erreichen Sie schnell sehr viel Überblick und Einsicht.
So erhalten Sie den Überblick, erkennen die Zusammenhänge, Interessen, Verantwortlichkeiten, sowie bei näherem Hinsehen sonst unbeachtet bleibende Details. Gerade Verhandlungen unter Druck sorgen schnell für einen Tunnelblick, bei dem sonst wichtige Aspekte übersehen werden. Ein Mindmap hilft auch dabei.
Daraus folgen weitere Gedanken, die zunehmend konkreter werden, wie beispielsweise Arbeitsschritte, Zusammenhänge, Vorteile und Nachteile von Optionen, Zuständigkeiten. Zu den Hauptästen gehören die wesentlichen Ziele für die Angelegenheit. Dann folgen als Zweige die jeweiligen Argumente, Gegenargumente und Entkräftungen, Angebote etc. Dabei werden also auch die Perspektiven direkter und indirekt beteiligter Personen erkundet. Innerhalb kürzester Zeit sind Sie gut vorbereitet für den nächsten Schritt.
Ein wichtiges Gespräch lässt sich selten vollständig planen.
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Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:
Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.
Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.
Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.
Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.
Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.
Transparenz ist mir wichtig.
Weitere Informationen findest du hier:
→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
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Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #371
K:
Ü:
Political Correctness? Wer die Definition liefert, nimmt die Deutungshoheit für sich ein. Gut gemeint und doch sehr oft missbraucht; politische Korrektheit richtet mitunter Schaden an. Was sind die Chancen, was die Risiken?
Worte sind die Kleidung der Gedanken.
Samuel Jackson
Politische Korrektheit (englisch: political correctness) ist ein aus den USA stammendes Schlagwort, das auf die Bedeutung korrekter Sprache, insbesondere hinsichtlich der Vermeidung von Diskriminierung hinweist. Was angebracht ist, bestimmt die öffentliche Meinung.
Political Correctness (PC) beschreibt, was worüber wie gesagt werden darf. Die Wortwahl hat dabei hohe Brisanz, diffamierende und diskriminierende Ausdrücke brauchen wir nicht. PC ist ein sehr heikler Bereich, der nicht nur im Zusammenhang mit einer Krisensituation besonderes Fingerspitzengefühl erfordert. So deutlich ist nicht jedem Redner die Sprengkraft mancher Formulierungen bewusst. Selbst, wenn die persönlichen Einstellungen moralisch-ethisch bewundernswert sind, unbeabsichtigte und auch aggressive Deutungen jenseits der Absicht sind keine Seltenheit. Auch hier gilt, der Empfänger entscheidet über die Bedeutung der Botschaft. Und ja, es gibt häufig auch unfreundliche Elemente, die sich über eine Gelegenheit der Missdeutung freuen.
Sprache wird instrumentalisiert, nicht nur in diktatorische Staaten. Rühre am Tabu, und raus bist du. So wird systematisch versucht, die Meinungsbildung zu wichtigen Themen über die Verwendung bestimmter Benennungen bzw. das Verbot anderer Ausdrücke zu beeinflussen. Ob Sprachregelungen tatsächlich eine so deutliche Auswirkung auf menschliche Denkprozesse und Vorstellungsfähigkeit haben, wie es George Orwell in seinem Buch 1984 beschreibt, ist fraglich. Folgen hat es so oder so.
Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Tabus. Wer sich über sie hinwegsetzt oder zumindest nicht umfänglich von ihnen distanziert, lernt die Bedeutung von Totschlagargumenten kennen. Wer dem auferlegtem Tabu widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. Das ursprünglich dem Respekt dienende Prinzip der politischen Korrektheit wird daher gerne dafür missbraucht, um unbequeme Diskussionen möglichst im Keim zu ersticken. Es ist dann mindestens so gewalttätig wie Zensur, es ist einschüchternd, es wirkt.
Wer will schon in die soziale Isolation? Wir Menschen sind soziale Wesen, wer ausgegrenzt wird verhungert emotional. Damit das nicht geschieht, wird oft gegen die eigene Meinung geschwiegen. Abweichende Meinungen werden heutzutage schneller bestraft als abweichendes Verhalten.
Auch nicht schön: Manche lassen sich von bedenklichen Gruppierungen verführen, die unzufriedene Geister für sich instrumentalisieren. Ein guter Nährboden für Extreme.
Unsere Meinungen: die Haut, die wir uns umlegen, in der wir gesehen werden wollen, oder in der wir uns sehen wollen; das Äußerlichste.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Zu manchen Themen ist nur eine Meinung erlaubt. Wer nicht aufpasst, kommt an den Pranger. Der ist heute nicht mehr aus Holz und Eisenketten auf dem Marktplatz, dafür gibt es nun all die vielen bunten Medien, einschließlich Internet.
Die im jeweiligen Umfeld vorherrschende Meinung gibt vor, was richtig und was falsch ist. Verstärkt wird, was dort am besten ankommt. Filterblase und Echokammereffekt sind kein reines Phänomen des Internets. Wer nicht aufpasst, schwimmt schnell nur noch im eigenen Saft. Gefangen in der Schweigespirale. Der Maßstab sorgt dafür, dass wir nicht mehr Angst davor haben eine falsche Meinung zu haben, sondern mit ihr alleine zu sein. Und wer sich vor dem Zorn seines Umfelds fürchtet, schließt sich der freigegebenen Meinung an – selbst, gegen besseres Wissen.
Beim ausgeprägten Medienkonsum bekommt so mancher eine Gehirnwäsche, sobald die Bequemlichkeit sich zu breit macht. Schließlich sind diese Medien nicht mit der reinen Berichterstattung beschäftigt. Weil die Herausgeber Menschen sind, fließen so oder so Meinungen ein. Darüber hinaus dürfen den Anbietern und Einflussnehmern der Medien eigene Interessen unterstellt werden. Deshalb haben diese eine recht aktive Rolle bei der Meinungsbildung, die leicht unterschätzt wird. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ringen insbesondere Parteien, Verbände und staatliche Einrichtungen um Einfluss. Journalisten sehen sich gerne in der Rolle, in der sie die Wahrheit ans Licht bringen und schützen. Das kann ihnen auch gelingen, doch leicht ist das schon wegen der genannten Faktoren nicht.
Die rein sprachliche Aufwertung ändert noch nichts an den Umständen. Auch die politisch anscheinend korrekten Ersatzausdrücke greifen sich mit der Zeit ab. Die vom Nutzer zumindest insgeheim damit verbundenen Einstellungen färben ab. Weder Sexismus, noch andere Ungerechtigkeiten werden sich alleine durch andere Worte nicht auflösen. Der Grat zwischen verantwortungsvollem Sprachgebrauch und unsinnigen, intoleranten Formulierungen ist schmal.
Es ist noch gar nicht so lange her, da waren nicht nur die Haare länger, sondern auch die Willensbekundung zum offenen Meinungsaustausch lauter. Alles sollte in den wilden Zeiten ausgesprochen und diskutiert, nichts mehr unter den Teppich gekehrt werden. Früher haben radikale Studentinnen ihre BHs verbrannt, heute bestehen sie darauf, dass die Models welche tragen. Provozieren galt mal als Mittel der Aufklärung und der Weiterentwicklung. Doch nach 1968 folgte 1984.
Willkommen in der Welt des George Orwell. Wer die Deutungshoheit hat, bestimmt. Wofür es keine Worte gibt, das denkt sich schwerer. Bei manchen Ideologien wäre dieses Phänomen durchaus wünschenswert. Nur alleine mir fehlt der Glaube, das würde in die richtige Richtung führen. Mich erinnert es eher an Bücherverbrennungen. Es gibt viele Bücher, die ich niemals kaufen würde, doch deswegen verbieten? Und zum Schutz der Behaglichkeit heikle Stellen zu schwärzen, fiele mir auch nicht im Traum ein.
Es gab Zeiten, in denen unliebsame Zeitgenossen beim Öffnen des Mundes wegen Majestätsbeleidigung eingesperrt wurden. Heute braucht es für manche Abschreckung keine Gesetze mehr. Die soziale Bestrafung ist abschreckend genug, um den Mut zum Widerspruch erlahmen zu lassen.
Entweder verstecke man seine Meinungen, oder man verstecke sich hinter seine Meinungen.
Wer es anders macht, der kennt den Lauf der Welt nicht oder gehört zum Orden der heiligen Tollkühnheit.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Politische Korrektheit als Kampfbegriff zu missbrauchen, ist ebenso unanständig. Für Linke ist Politische Korrektheit eine Art Religion, für Rechte Teufelszeug. Oh, darf ich das so schreiben? Absichtliche oder rücksichtslos dummdreiste Verletzung von Menschen, sei es mit Worten oder Taten, ist doch wohl keine ernsthafte Option, oder? Volksverhetzung und Leugnung dunkler Zeiten der Geschichte sind zu recht verboten. Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern ist barbarisch. Ansonsten bildet die freie Meinungsäußerung einen der Grundpfeiler, auf der wünschenswerte Gesellschaften bauen.
Achten Sie bei Ihren Beiträgen auf eine angemessene Sprachwahl, damit von Ihrer Botschaft keine unnötige Ablenkung ausgeht. Lernen Sie, wie der unfairen Instrumentalisierung des Prinzips begegnet wird. Fördern Sie die offene und faire Diskussion! Schluss mit übervorsichtigen, inhaltsleeren Floskeln. Das ist so fade und steril wie die Debatten im Bundestag. Sich bei all den vielen Tabus ohne jegliches Anecken krampfhaft berührungslos durchzuschlängeln, geht am besten ohne Profil. Ähnlichkeiten mit zahlreichen öffentlichen Personen sind kein Zufall. Schluss damit!
Demokratie muss auch Widerspruch aushalten. Wir brauchen ergebnisoffene Debatten statt vorgeschriebener Denkschablonen. Utopien im Sinne der Erkundung möglicher Szenarien braucht Freiraum statt Feigheit. Ärmel hoch: Wenn Ihre Argumente gut sind, machen Debatten Sie nur noch besser.
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Diese Fülle an Informationen lässt sich nur noch bedingt verdauen. Wann auch, wenn es ohne Unterlass und Qualitätssicherung geschieht? Allzu oft werden dabei deshalb Informationen unreflektiert aufgenommen und weitergegeben. Masse statt Klasse, das Grundrauschen ist so derartig laut, das wesentliche Informationen kaum noch als solche erkannt werden.
Und wie sieht es in den Denbatten aus? Interessante Reden sind anders. Schade, Alltag sind langweilige oder bestenfalls hysterische Auftritte.
Was ist mit Bestechung? Wo fängt sie an?
Schäumen die Emotionen bei Diskussionen über, dann wird aus einem Meinungsaustausch schnell ein rücksichtsloser Schlagabtausch. Ob das so wünschenswert ist?
Was tun, bei unfairen Gegenspielern? Bei verbalen Attacken gibt es ein abgestuftes Instrumentarium der Reaktionsmöglichkeiten, das Sie schrittweise einsetzen können.
Das kleinere Übel zu wählen ist besser, als gar nicht wählen zu gehen. Doch genügt das auf Dauer? Wo ist die Begeisterung, die Leidenschaft in der Politik?
Hat jemand behauptet, dass es einfach ist, mit gutem Beispiel voranzugehen? Nur, was funktioniert besser als ein Vorbild? Bei den Themen, für die Sie stehen, sind Sie dort ein Vorbild und leben Sie, was Sie predigen? Halten Sie sich an Ihre eigenen Regeln oder erwarten Sie das nur von anderen Menschen?
Sind Seilschaften berechtigterweise so schlecht angesehen? Netzwerken und Beziehungspflege wird sonst doch empfohlen?
Ursprünglich wurden Claqueure in Theatern zur Sicherstellung des dramaturgischen Erfolges eingesetzt. Sie klatschten und lobten die Stücke in den Himmel. Heute nennen sie sich anders.
Wer die Gelegenheit nutzen, sich in einem Kreuzfeuerinterview den Fragen stellen und überzeugende Antworten geben will, der sollte sich gut vorbereiten. Dann helfe die Tipps in diesem Artikel.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 30. Dezember 2017
Überarbeitung: 30. Juli 2019
Englische Version:
AN: #67616
K: CNB
Ü:
Sonntagabend, 3. September 2017, 20:15 Uhr. Die Anspannung im Vorfeld war groß, besonders bei Kanzlerkandidat Martin Schulz. Es lag vermutlich an der verzweifelten Hoffnung, drei Wochen vor der Bundestagswahl doch noch das Blatt zugunsten der SPD zu wenden. Und das allen Umfragewerten zum Trotz. Alle bisherigen Angriffe vonseiten Martin Schulz perlten an der Kanzlerin ab. Er konnte im bisherigen Wahlkampf keine echten Treffer landen.
Die SPD hat siegessicher schon vor dem Startschuss über das Ziel hinaus geschossen. Schon Stunden vor dem TV-Duell ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz gegen Kanzlerin Angela Merkel hat die SPD im Internet den Sieg in dem Schlagabtausch für sich reklamiert – und dafür manchen Spott geerntet. In einer Google-Anzeige war zu lesen: „TV-Duell: Merkel verliert – klar gegen Martin Schulz – spd.de“ Diese Anzeige war laut Parteisprecherin von Mitternacht bis etwa 7 Uhr morgens freigeschaltet. Der SPD-Parteivorstand entschuldigte sich daraufhin per Twitter dafür: „Dienstleister ist heute Nacht bei Google peinlicher Fehler unterlaufen. Nicht unser Stil. Verwirrung bitten wir zu entschuldigen.“
Der einzige direkte Schlagabtausch war mit hohem Interesse erwartet worden. Das TV-Duell wurde von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 zeitgleich übertragen. Die Moderatoren waren Peter Kloeppel, Maybrit Illner, Sandra Maischberger und Claus Strunz.
Nun absolvierte Angela Merkel schon in ihr viertes Duell, obwohl sie wohl gerne darauf verzichtet hätte. Die Union verlor nach den TV-Duellen 2005 gegen Gerhard Schröder, 2009 gegen Steinmeier und 2013 gegen Peer Steinbrück in Umfragen ein paar Prozentpunkte ein. Solche Auftritte gehören nicht zu den Stärken von Frau Merkel.
Angela Merkel entschied sich für strahlend blaue Kleidung und Martin Schulz für dunkles Blau. So setzen beide auf Sicherheit und Seriosität.
Schulz vermied es, Merkel persönlich allzu sehr zu attackieren. Mit persönlichen Angriffen konnte zuletzt Gerhard Schröder punkten. Seit Angela Merkel als Kanzlerin im Amt ist, geht das leicht nach hinten los. Sie hat ihre Gelassenheit perfektioniert. Da kommt so schnell keiner an sie heran. Sie verteidigt ihre Flüchtlingspolitik. „Ich halte es nach wie vor für absolut richtig.“ Sie gibt aber auch zu, sich zu wenig um die Flüchtlingslager gekümmert zu haben, die es den Schleppern erleichtert hätten. „Das wird so nie wieder passieren.“ Bei Kritik, wie bei der Flüchtlingspolitik, zeigt sie sich somit moderat einsichtig und nimmt jeglichen Gegenwind Ansatzfläche.
Nach der ausweichenden Antwort von Schulz auf die Dauer der Integration zeigte sich eines der deutlichsten jemals von mir bei Frau Merkel gesehenen Lächeln.
Den Kopf schüttelnd erklärt Merkel Schulz die Situation bei den Rückführungen.
Sowohl Schulz wie Merkel sehen für einen „verfassungskonformen Islam“ (Merkel) Platz in Deutschland. Was sie darunter verstehen und wie der Islam mit dem Grundgesetz vereinbart werden könnte, sagen beide nicht.
Islamisten und gewaltbereite Gefährder wollen beide nicht. Auch darin sind sie sich einig; beide wollen straffällig gewordene Flüchtlinge schnell abschieben und stärker als bisher gegen Hassprediger und fanatische Imame vorgehen. Merkel betont, dass es bisher an rot-grünen Regierungen scheiterte, geltende Gesetze zu nutzen.
Der Versuch Angela Merkel eine härtere Linie gegenüber der Türkei abzuringen, begegnet sie mit „Vorsicht, nur weil wir Wahlkampf haben …“
Merkel zu den Beziehungen zur Türkei und den dort inhaftierten Deutschen: „Wenn man Staatsbürger freibekommen will, muss man schon noch im Gespräch bleiben. Menschen hoffen auf uns.“ Doch „Bei Beendigung der Beitrittsverhandlungen bin ich sofort dabei.“ und dann auch noch „Ich habe die Türkei noch nie in Europa gesehen.“
Sie versachlicht ihre Kritik am US-amerikanischen Präsidenten, während er persönlich wird.
Merkel: „Wir müssen ganz sicher nicht bis 70 arbeiten. Ganz sicher“, sagt Merkel. Die Reaktion von Schulz: „Finde ich toll, Frau Merkel!“
Merkel zeigt bei der Frage über den Eintritt in den Altersruhestand durchaus Betroffenheit, denn sie zieht die Innenseiten der Augenbrauen hoch, während sie sagt: „Für viele ist es ganz schwer“.
Bei dem Thema ist Schulz angriffslustiger, ihm gelingt es Merkel wenigstens etwas unter Druck zu setzen. „Sie haben recht, wir kommen jetzt zur Musterfeststellungsklage“, sagt er und sie lächelt und schaut verlegen nach unten.
Merkel wird gefragt, ob es zwei Gesichter der Angela Merkels gibt, eine den Flüchtlingen gegenüber freundliche und eine unfreundliche, eine für den Diesel und eine dem Diesel gegenüber skeptische. Sie sagt; jeder Mensch ändert sich. Sie stehe für Maß und Mitte. Den Vorwurf, so zurückhaltend gegenüber der Autoindustrie zu sein, wischt sie vom Tisch. Während sie sagt, „Ich bin stocksauer“ sind die Augenbrauen zusammengezogen, die unteren Augenlider angespannt. Das sind deutliche Hinweise für Ärger.
Wird die Rente wie die Maut? Auf ihre Wankelmütigkeit und die Mautfrage angesprochen, schien sie sich zu ärgern. Sie kniff auffällig die Augen zusammen und berührte sich selbst versichernd am Oberkörper. Erst nach einem tiefen Atemzug redete sie weiter. Dabei reagiert sie hinsichtlich ihrer Aussage „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben“, mit der üblichen Ausrede, das wäre so nicht gemeint gewesen. Angela Merkel versprach das beim vorhergehenden TV-Duell am 1. September 2013 mit Steinbrück vor einem Millionenpublikum im Fernsehen. Die Argumentation ist und bleibt an den Haaren herbeigezogen, weil widersprüchlich. Doch auch das lässt sie nicht an sich heran und die Erinnerung daran bleibt weitgehend folgenlos.
Als Schulz einen Witz über Stand der Zeitkonten macht, die er als einzige Gemeinsamkeit zwischen ihm und Merkel sieht, ist er der einzige, der darüber lacht. Damit verliert er an Status und Ansehen.
Frau Merkel gibt keine Antwort auf Koalitionspartner. „Die Union wird auf keinen Fall mit der AfD und mit den Linken zusammenarbeiten.“
Martin Schulz weicht der Frage zur Koalition mit der Linken aus, dabei schluckt er sprachlos und scheint nach den richtigen Worten zu ringen.
Schulz: Er schaut während seines Statements in die Kamera. „Mut zum Aufbruch heißt, die Zukunft zu gestalten und nicht die Vergangenheit zu verwalten.“ Dieser Abschlussbeitrag war von der Idee her interessant, doch auswendig gelernt und blutlos präsentiert.
Merkel: Zu Beginn schaut sie etwas sehr lange nach unten und unterbricht damit den Kontakt zum Publikum. „Jetzt die Weichen stellen …“ So gibt sie altbackene Sätze zum Besten.
Anstatt der viel beachteten Schland-Kette, die beim Duell Angela Merkel vs. Peer Steinbrück ihren eigenen Twitter-Hashtag #schlandkette, gab es diesmal keinen entsprechenden visuellen Gesprächsstoff.
Sie bleibt souveräner als er. Bei ihren Antworten wendet sie sich wiederholt auch ihrem Kontrahenten zu. Beim Thema Große Koalition nimmt sie ihn einladend mit einer Geste ein. Da bleibt kein Raum für Widerspruch.
Keine Überraschungen, insgesamt zeigt sie sich, wie wir sie kennen. Und daran haben sich viele gewöhnt. Selbst eigenartige Aspekte werden da zum Running-Gag.
Sie lächelt häufiger als er, oft ist es ein vollständiges Lächeln. Das wirkt souveräner. Ihr Lächeln in Momenten, in denen Schulz Fehler macht, könnte ihr allerdings als etwas arrogant empfunden werden. Das gilt auch für ihr etwas abschätziges Spitzen der Lippen.
Ihre Hände liegen oft locker auf dem Pult und sie wirkt entspannter. Dafür wirkt sie allerdings auch etwas abgeklärt.
An wenigen Punkten, wie beim Thema Türkei, setzt sie ihre Gestik etwas deutlicher ein. Diese Gesten wirken nicht einstudiert, da sie den Worten minimal vorweg gehen.
Martin Schulz hat Stress. Seine Körperspannung ist enorm, sein Stand ist unsicherer, er zeigt viele deutliche Stresshinweise. Er kommt ziemlich schnell ins Schwitzen, sein Nacken ist feucht. Seine Stimme klingt oft sehr gepresst. Überhaupt ist sein Stimmeinsatz nicht sehr wirksam. Er holt oft aufgeregt Luft, seine Lippen bewegt er wenig und betont insgesamt unzureichend für eine überzeugende Stimme. Hier hätte er mit wenig Aufwand viel erreichen können, schade für ihn. Manchmal wirkt seine Stimme sogar etwas gequält. Das nimmt das Publikum unbewusst über die Spiegelneuronen wahr und leidet mit.
Gerhard Schröder gelang es damals Frau Merkel durch seinen Auftritt in Bedrängnis zu bringen. Das gibt die Ausstrahlung von Schulz nicht her. Sie gibt ihm dazu nicht die erforderlichen Angriffspunkte und er hat nicht die entsprechende Souveränität. Der oft gesenkte Blick lässt ihn nicht gerade kraftvoll und sicher wirken.
Eine Hand legt er oft auf dem Pult ab und deckt sie mit der anderen ab. Solche Selbstberührungen sollen Sicherheit fördern. Der feste Griff an die Pultkanten sollen Halt bieten.
Was unter seinem Bart an Mimik stattfindet, ist schlechter zu erkennen, dafür sind seine Augenbrauen sehr aktiv. Wenn er ab und zu lächelt, sind die Augen nicht beteiligt. Das lässt das Lächeln unecht wirken.
Wenn er Probleme anspricht, legt sich seine Stirn in Sorgenfalten. Vermutlich wollte er damit unterstreichen, wie wichtig und ernst seine Bedenken sind. Doch so wird er mehr mit den Problemen und nicht mit Lösungen in Verbindung gebracht.
Er wirkt unnötig farblos, daran ändert auch die leuchtend blaue Krawatte nicht.
Der Kanzlerin zu beweisen, dass sie abgehoben ist, gelang nicht. Als Koalitionspartner hat die SPD die Politik der letzten Jahre mitzuverantworten. Da gibt es wenig Ansatzpunkte für Kritik. Wo sollten da auch Überraschungen herkommen? Es kam, wie es wohl kommen musste.
Sie verwendet die Sprache, die wir von ihr gewohnt sind. Er liebt Floskeln, wie „Ich will Ihnen mal was sagen; …“, „Ich sage Ihnen mal was ….“ und „Ich bin dankbar …“
Merkel: „Ich gebe Ihnen Sicherheit. Die Sicherheit, dass nichts besser wird. Sie kennen mich und was man hat, hat man.“
Schulz: „Ich wäre gern Bundeskanzler.“
Relevante Differenzen müssen mit der Lupe gesucht werden. Waren sich schon mal zwei Kontrahenten bei einem TV-Duell so einig wie Merkel und Schulz? Er war etwas angriffslustiger, sie wirkte souveräner, glaubwürdiger und kompetenter, so sogar sympathischer als er. Seine Chance hat er vergeben. Die Stresssignale, die er aussendet, lassen ihn unsicherer und somit weniger kompetent wirken. So oder so; nach kurzer Zeit wird der Einfluss der TV-Debatte verpufft sein, wie der Berliner Sommer.
In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.
Ich wünsche mir lebendigere politische Debatten mit echten Argumenten.
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Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (n= 1261) im Frühjahr 2017
Am 24. September 2017 sind Bundestagswahlen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) treffen am Sonntagabend, 2. September 2017, zum ersten und einzigen Mal während des Wahlkampfs aufeinander. Ob diese beiden Politiker wohl schon aufgeregt sind?
Im Vorfeld gab es einigen Ärger rund um das TV-Duell. Merkels Team war Änderungen gegenüber ablehnend. Die Idee, Publikumsfragen einzubeziehen, macht der Kanzlerin keine Freude. Damit hatte sie in der Vergangenheit auch keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn nichts Weltbewegendes mehr geschieht, steht das Wahlergebnis der großen Parteien wohl weitgehend fest. Spannend wird es da wohl eher bei den kleinen Parteien. Und da Angela Merkel – aus meiner Sicht – bei einer solchen Fernsehdebatte kaum Stimmen hinzugewinnen, sondern nur verlieren kann, will sie vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen.
Vier Moderatoren der Fernsehsender ARD, ZDF, SAT.1 und RTL sollen nun das Duell moderieren, das von allen Sendern zeitgleich übertragen wird. Von 20:15 bis 21:50 Uhr sollen Sandra Maischberger (Das Erste), Claus Strunz (Sat 1), Peter Kloeppel (RTL) und Maybrit Illner (ZDF) den Kandidaten Merkel und Schulz Fragen zu den wichtigsten Themenbereichen des Wahlkampfs stellen. Es bleibt abzuwarten, wie es den Kandidaten diesmal gelingen wird, unangenehmen Fragen zu begegnen. Überraschungen sind allerdings eher unwahrscheinlich.
Am 31. August 2017 wurde ich für die dpa-Kindernachrichten zum Kanzlerkandidatenduell am Sonntag, 3. September 2017 um 20:15 Uhr befragt: Wie bereiten sich die Kandidaten wohl auf diesen Auftritt vor?
Mit einem solchen TV-Duell sind eine Menge Chancen und Risiken verbunden. Hinterher ist man meist schlauer, doch dann ist es zu spät. Deshalb bereiten sich die Politiker umfangreich darauf vor. Wie genau sie das tun, wird meist nicht verraten. Doch, so wie ich mit meinen Klienten durchspiele, welche Fragen von den Reportern kommen könnten und welche Reaktionen darauf empfehlenswert sind, werden das sicher auch die Kandidaten tun. Das sorgt dafür, dass die Politiker auf viele Fragen eine überlegte Antwort haben, anstatt überrascht und unwissend zu wirken.
Sprachlich wird geübt, in möglichst kurzen Sätzen zu antworten, damit die Zuschauer die Botschaft leichter verstehen und der Sprecher kompetenter wirkt. Das kann die Kanzlerin allerdings nicht so gut. Ihre Sätze sind oft lang. So richtig schnell auf den Punkt kommt Martin Schulz allerdings auch selten.
Es geht aber nicht nur darum, was die Politiker sagen. Sehr wichtig ist auch die Körpersprache. Gestik und Mimik sind bei einem Fernsehauftritt noch wichtiger als bei einer normalen Rede. Die Kamera geht gerne sehr nahe heran und offenbart dann widersprüchliche Hinweise auf Emotionen.
Wesentlich ist eine offene Körperhaltung. Wer die Arme vor der Brust verschränkt, wirkt verschlossen und das kommt meistens nicht so gut an. Solchen Menschen wird unterstellt, sich zurückgezogen zu haben und selbst guten Argumenten nicht mehr zugänglich zu sein.
Wo angebracht, sollten die Kandidaten ein ehrliches Lächeln zeigen. Das lässt sie sympathisch und souverän erscheinen. Außerdem lassen sich so gegebenenfalls auch die Zähne zeigen.
Mehr dazu im Artikel Bundestagswahl und Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz.
TV-Duelle von Politikern gibt es in Deutschland seit den 70er-Jahren. Die ersten zwei richtigen Kanzlerkandidatenduelle fanden zwischen Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) 2002 statt. Damals gab es noch zwei Live-Sendungen. Zur Bundestagswahl 2017 findet ein TV-Duell nach 2002, 2005, 2009 und 2013 in diesem Jahr zum fünften Mal statt.
Welche Bedeutung hat das TV-Duell für Sie?
In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.
Diese Fülle an Informationen lässt sich nur noch bedingt verdauen. Wann auch, wenn es ohne Unterlass und Qualitätssicherung geschieht? Allzu oft werden dabei deshalb Informationen unreflektiert aufgenommen und weitergegeben. Masse statt Klasse, das Grundrauschen ist so derartig laut, das wesentliche Informationen kaum noch als solche erkannt werden.
Und wie sieht es in den Denbatten aus? Interessante Reden sind anders. Schade, Alltag sind langweilige oder bestenfalls hysterische Auftritte.
Was ist mit Bestechung? Wo fängt sie an?
Schäumen die Emotionen bei Diskussionen über, dann wird aus einem Meinungsaustausch schnell ein rücksichtsloser Schlagabtausch. Ob das so wünschenswert ist?
Was tun, bei unfairen Gegenspielern? Bei verbalen Attacken gibt es ein abgestuftes Instrumentarium der Reaktionsmöglichkeiten, das Sie schrittweise einsetzen können.
Das kleinere Übel zu wählen ist besser, als gar nicht wählen zu gehen. Doch genügt das auf Dauer? Wo ist die Begeisterung, die Leidenschaft in der Politik?
Hat jemand behauptet, dass es einfach ist, mit gutem Beispiel voranzugehen? Nur, was funktioniert besser als ein Vorbild? Bei den Themen, für die Sie stehen, sind Sie dort ein Vorbild und leben Sie, was Sie predigen? Halten Sie sich an Ihre eigenen Regeln oder erwarten Sie das nur von anderen Menschen?
Sind Seilschaften berechtigterweise so schlecht angesehen? Netzwerken und Beziehungspflege wird sonst doch empfohlen?
Ursprünglich wurden Claqueure in Theatern zur Sicherstellung des dramaturgischen Erfolges eingesetzt. Sie klatschten und lobten die Stücke in den Himmel. Heute nennen sie sich anders.
Wer die Gelegenheit nutzen, sich in einem Kreuzfeuerinterview den Fragen stellen und überzeugende Antworten geben will, der sollte sich gut vorbereiten. Dann helfe die Tipps in diesem Artikel.
Was ist das nur mit den vielen Lügen? Lügen zu erkennen, ist hilfreich. Allerdings säen manche Menschen auch Zweifel, obwohl sie die Wahrheit sagen.
Politiker, Unternehmer, Radler und sonstige Sportler … es wird immer wieder versucht, sich der Wahrheit zu entziehen. „I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky. I never told anybody to lie, not a …“ Früher oder später stolpern sie über ihre Lügen. Mehr als 599.000 Suchergebnisse bei „Lüge Interview“. Doch das scheint nicht jeden zu entmutigen. Nur weshalb? Wer es trotzdem tut, hofft entweder Glück zu haben, hält sich für besonders clever oder hofft einfach nur, dass es später und nicht früher offenbar wird. Wobei es oft genug auch ohne bösartige Absicht geschieht, dass Menschen die Unwahrheit sagen, mehr oder weniger kreative Umdeutungen vornehmen oder doch nicht so ganz unwesentliche Einzelheiten für sich be- und anderen vorenthalten. Ob beabsichtigt oder nicht; es handelt sich eher selten um eine gute Idee. Lügen haben kurze Beine.
Meine Eltern sagten mir, ich soll nicht lügen. Ich sage nur: Weihnachtsmann, Osterhase, Zahnfee!
Notlügen sind in Ordnung. Kleine Lügen tun nicht weh, sagen die einen. Lügen zerstören das Vertrauen und machen ein Zusammenleben unmöglich, meinen die anderen. Zugegeben: Nicht jede Lüge ist gleichermaßen böswillig und verheerend in der Wirkung; manche sind es allerdings! Ich nehme meinen Eltern die Geschichte mit dem Weihnachtsmann mittlerweile nicht mehr übel. Doch so manche Unwahrheiten notorischer Lügner haben durchaus ihre Spuren hinterlassen. In besonders schmerzhaften Momenten wird da schon mal an der gesamten Menschheit gezweifelt, der emotionale Schaden übersteigt dann meist noch den bezifferbaren. Das gibt blaue Flecken, die nicht so schnell verheilen. Der vollständige Rückzug und übersteigertes Misstrauen richten dann als Folgeschäden noch einiges an. Doch wie können wir offen für das Leben und dessen Angebote bleiben und gleichzeitig gut auf uns acht geben?
Anstatt hinterher schlauer zu sein, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, hilft es zumindest, die deutlichsten Anzeichen für Lügen zu erkennen. Wobei das einfacher gesagt, als getan ist. Sobald uns jemand nahesteht, werden entsprechende Hinweise sehr häufig ignoriert. Es kann nicht sein, was nicht sein soll!
Zu Lügen ist in der Regel keine gute Idee, denn die haben ja bekanntlich kurze Beine. Wobei besondere Vorsicht bei Unwahrheiten in Interviews angeraten ist.
Lügen zu erkennen ist hingegen eine sehr hilfreiche Fähigkeit, die vor allerlei Unannehmlichkeiten schützen kann. Dabei kann ich Sie ebenso unterstützen, wie dabei nicht durch Gewohnheiten Vertrauen zu verspielen. Viel zu oft säen ehrlich Menschen durch unglückliche Formulierungen und Körpersprache Zweifel, wo keine erforderlich sind.
Eine Lüge erscheint mitunter einfacher als die unbequeme Wahrheit. Doch meist wird dadurch alles nur noch schlimmer. Lügen haben ja bekanntlich kurze Beine. Die Körpersprache offenbart es ja doch früher oder später! Der erforderliche Aufwand, um Lügen aufrechtzuerhalten, ist oft höher als gleich die Verantwortung zu tragen, ihr gerecht zu werden.
Woran erkennen Sie, dass jemand nicht die Wahrheit sagt? Lügner werden von Gefühlen geplagt; in der Regel von Angst und Schuld. Deshalb neigen Menschen, die nicht die Wahrheit sagen, dazu, plötzlich ihr Verhalten zu ändern und damit verraten sie sich. Entsprechende Bedeutung hat es, die Körpersprache lesen zu können. Beispielsweise, wenn Ihr Gegenüber plötzlich aufhört, sich zu kratzen, seine Atmung sich verändert, dass er leiser, schneller, höher oder tiefer spricht, dass es seine Gestik und Mimik verändert – das alles sind typische Verhaltensweisen von Lügnern. Lügner wissen um diese Verhaltensveränderung und versuchen deshalb, sich möglichst unauffällig zu verhalten. Gerade, wenn sie sich bemühen nur ja nicht entlarvt zu werden, gibt es besonders viele Hinweise. Dann wirkt die Körpersprache beispielsweise plötzlich steif. Solche Lügner wirken übertrieben vorsichtig und dann ist nicht das Verhalten an sich auffällig, sondern die Verhaltensänderungen sind von Interesse.
Geübte Lügner beherrschen ihre verbalen Aussagen. Bei der unbewusst gesteuerten Körpersprache ist das anders. Oft widersprechen die nonverbalen den mündlichen Aussagen, die Gestik stimmt dann nicht mit der Mimik überein.
Auf die Präsentation einer konstruierten Geschichte können sich Lügner gründlich vorbereiten. Sie können Lügner zwar mit sehr gezielten Fragen überführen – aber das dauert ohne entsprechende Ausbildung recht lange. Besser ist es, auf widersprüchliche Körpersignale zu achten. Beginnen Sie mit einem harmlosen Gespräch, um sich zu kalibrieren, also eine Vorstellung davon zu bekommen, wie jemand im entspannten Zustand ist. Halten Sie Augen und Ohren offen. Welche Zusammenhänge zwischen Körpersprache, Gedanken, Emotionen bestätigen sich. Die fundierte Vorbereitung ist wesentlich für die Körpersprachanalyse, erst dann lassen sich Auffälligkeiten erkennen und einschätzen. Wer das beherrscht, liest in manchen Zeitgenossen, wie in einem offenen Buch.
Lügen gehören zwar zum Alltag, doch wer will schon angelogen werden? Im Artikel Wie Sie Lügner und ihre Lügen erkennen erfahren Sie wie Sie sich schützen. Selbst überlegen Sie es sich lieber zweimal, ob eine Lüge tatsächlich die Angelegenheit vereinfacht. Stehen Sie lieber zu Ihren Fehlern. Oft ist eine Entschuldigung der bessere Anfang, um die Dinge zu verbessern.
Bleiben Sie offen und passen Sie auf sich auf. Lesen Sie den ausführlichen Artikel mit konkreten Tipps, wie Sie Lügner und ihre Lügen anhand von verbalen und nonverbalen (Körpersprache) Elementen erkennen.
Gibt es Gründe, bei denen Sie die Wahl einer Lüge als Option betrachten? Oder ist jede Lüge gleichermaßen verwerflich? Wie entscheiden Sie im Zweifelsfall?
Lügen an sich ist schon keine schöne Sache. Doch vor Zeugen und noch dazu während eines Interviews multiplizieren sich die Folgen. Wenn dann die Wahrheit ans Licht kommt, ist die Empörung umso größer. Und wer das vor laufender Kamera macht, kann es sich später noch oft ansehen. Ein Vergnügen ist diese Medienpräsenz allerdings selten. Und auch ein Shitstorm ist weniger spaßig, wenn er einen selbst betrifft.
Überlegen Sie sich lieber frühzeitig, was Sie wie offenlegen, was Sie kommentieren. Und wenn es unbedingt sein muss; „Kein Kommentar!“. Ansonsten gilt: Lieber vorsorgen, als aufwendig nachsorgen.
Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. Februar 2017
Überarbeitung: 16. April 2019
AN: #43312
K:CNB
Ü:X
Entscheidungsstrategien helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Welche Entscheidungsstrategien fördern unter welchen Umständen gute Entscheidungen?
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du mit den richtigen Strategien Entscheidungen klarer, sicherer und effizienter treffen kannst. Du lernst, unterschiedliche Ansätze zu nutzen und die beste Strategie für jede Situation zu finden.
Unzählige Entscheidungen wollen getroffen werden, nur wie?
Täglich treffen wir unzählige Entscheidungen, mal bewusster und mal unbewusster. Erfahrungen und Intuition spielen dabei ebenso eine gewichtige Rolle, wie Werte und Überzeugungen. Was geschieht bei Nichtvulkaniern mit all den Elementen, die für Entscheidungen zur Verfügung stehen? Mit welchen Strategien und nach welchen Regeln geht es ans Werk?
Entscheidungsstrategien sind intern ablaufende Prozesse, die zu Handlungen führen. Menschen haben unterschiedliche Entscheidungsstrategien. Ich, Sie, all die anderen; jeder hat sein eigenes Regelwerk. Wir benötigen die Entscheidungsstrategien, um vor allem in komplexen Situationen eine Wahl zu treffen. Je nach Entscheidungssituation laufen dabei unterschiedliche und unterschiedlich aufwendige Entscheidungsprozesse der Informationsverarbeitung und Informationsbewertung ab. Es genügt bei einfachen Entscheidungen wenige Merkmale und Ausprägungen der Optionen heranzuziehen. Bei komplexeren müssen die Prioritäten der einzelnen Kriterien berücksichtigt werden.
Wirksame Entscheidungsstrategien in Anlehnung an das NLP orientieren sich am T.O.T.E.-Modell. Sie beziehen die wichtigsten Repräsentationsebenen – visuell, auditiv und kinästhetisch – ein und setzen mehr als eine Entscheidungsmöglichkeit (Wahlfreiheit) voraus.
Die weitgehend unbewussten Schritte der individuellen Entscheidungsstrategien können ergründet werden, um die Entscheidungsfähigkeit und Veränderungen zu fördern. Das hilft uns selbst bessere Entscheidungen zu treffen. Außerdem können wir andere so besser bei Entscheidungen unterstützen. Kennen wir deren Entscheidungsstrategien, können wir Angebote in der für Empfänger wirkungsvollsten Form präsentieren.
Entscheidungsstrategien, Entscheidungsmodelle, Entscheidungsregeln.
Es gibt verschiedene Entscheidungsstrategien, die man anwenden kann, um Entscheidungen zu treffen. Hier sind einige Beispiele:
Diese Strategie basiert auf dem Bauchgefühl und der Intuition und ist besonders dann sinnvoll, wenn es darum geht, schnell zu handeln oder wenn man sich in einer vertrauten Situation befindet.
Diese Strategie basiert auf logischen Überlegungen und Fakten und ist besonders dann sinnvoll, wenn es um komplexe oder wichtige Entscheidungen geht.
Diese Strategie basiert auf den Gefühlen und Wünschen einer Person und ist besonders dann sinnvoll, wenn es um persönliche oder emotionale Entscheidungen geht.
Diese Strategie kombiniert Elemente der anderen Strategien und ist besonders dann sinnvoll, wenn es um komplexe Entscheidungen geht, die sowohl logische als auch emotionale Aspekte beinhalten.
Es gibt keine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidungsstrategie, sondern die richtige Strategie hängt von der Situation und den persönlichen Vorlieben einer Person ab. Es ist wichtig, dass man sich bewusst macht, welche Strategie angewendet wird und sich darüber im Klaren zu sein welche Vor- und Nachteile sie hat.
Wenn viel von einer Entscheidung abhängt, kann eine zusätzliche unabhängige Perspektive wertvoll sein.
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Die Entscheidung bleibt deine. Ziel ist eine bessere Grundlage, auf der du sie treffen kannst.
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Manipulationstechniken gibt es in vielen Formen. Häufig sind Verallgemeinerungen und pauschale Aussagen. Mit ihnen sollen Erfahrungen entwertet und Zweifel gesät werden. Es gilt, solche Versuche möglichst früh zu erkennen und ihnen zu begegnen.
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Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.
Du suchst einen bestimmten Begriff oder eine passende Vertiefung?
Nutze die Suche oder entdecke weitere Beiträge im Themenbereich.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 3. August 2006
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #43316
K:CNC
Ü:
Brunnenvergiftung beabsichtigt Diskussionen unbedingt und notfalls mit fiesen Mitteln zu gewinnen. Wie es geht und wie Sie sich davor schützen, selbst wenn Meinungsgegner unfaire Rhetorik nutzen.
Das Brunnenvergiften in der Rhetorik ist ein Spezialfall des Argumentum ad hominem. Als rhetorisches Mittel ist das versuchte oder sogar gelungene Brunnenvergifter, durch eine logisch klingende, aber falsche Schlussfolgerungen, ein bösartiges Mittel, um Diskussionen zu gewinnen.
Der als Brunnenvergifter handelnde Redner liefert eine feindselige und verzerrte Information über andere Beteiligte mit abweichenden Interessen. So sollen Wettbewerber von vornherein diskreditiert, verunglimpft und lächerlich gemacht werden. Brunnenvergiften erfolgt oft sehr subtil, ist dabei aber stark in der Wirkung. Die andere Partei wird veranlasst sich gegen versteckte Vorwürfe und Prämissen zu wehren, die ohne direkte Feindseligkeit eingebracht werden können. So kann das Brunnenvergiften gerade in förmlichen Umfeldern, in denen ein guter Ton erwartet wird, seine verheerende Wirkung entfalten.
Die Methode des Brunnenvergiftens ist dann am erfolgversprechendsten, wenn ein Standpunkt oder auch nur der vermeintliche Aspekt von den meisten anderen Anwesenden missbilligt wird oder sogar ein kulturelles Tabu verletzt wird. Leider funktioniert das auch dann oft, wenn es für den anderen Standpunkt gute Gründe gibt und die Gegenargumente einer genauen sachlichen Prüfung nicht standhalten würden. Doch wenn die Wellen hochschlagen, finden dann oft selbst schlüssige Argumente nicht mehr ausreichende Beachtung.
Auf frei erfundene oder aufgeschnappte Unterstellungen, die verdeckt eingebracht werden, angemessen zu reagieren ist nicht immer so einfach. Was tun?
Auf die Vorwegnahme eines Gesprächsergebnisses kann auf gleiche Weise reagiert werden. Ist eine Gegendarstellung beziehungsweise das Einbringen von Alternativen möglich, lässt sich der Ausgang der Diskussion wieder beeinflussen.
Setzen Sie sich mit den aufgeworfenen Argumenten auseinander, lassen Sie sich nichts unterjubeln. Das führt häufig dazu sich gründlicher mit fremden Äußerungen zu beschäftigen. Wehren Sie möglichst elegant Versuche ab, die Sie in Verbindung mit Personen und Äußerungen bringen, die Sie nicht tatsächlich befürworten. Sie müssen zugeschriebene Äußerungen nicht verteidigen. Sie können sich auch von ihnen distanzieren. Entscheiden Sie weise, sonst bringen Sie sich selbst in ein Dilemma, indem Sie entweder Zugeständnisse durch Ablehnung von Sichtweisen machen, die den eigenen Standpunkt stützen oder aber vom Gegenüber bereits kritisierte, von diesem oft negativ porträtierte Äußerungen annehmen. Achten Sie auf eine differenzierte Betrachtung abgelehnter Argumente.
Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 14. November 2018
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #43324
K:CNC
Ü: