Grenzsituationen meistern: Klar bleiben und handlungsfähig entscheiden

Grenzsituationen meistern

Klar bleiben und handlungsfähig entscheiden
Verschwörungstheorien

Grenzsituationen: Wie du klar bleibst, wenn Gewohntes nicht mehr trägt

 

Es gibt Situationen, auf die wir uns vorbereiten können.

Wir sammeln Informationen.

Wir entwickeln einen Plan.

Wir rechnen mit Schwierigkeiten.

Und dann gibt es Situationen, in denen genau das plötzlich kaum noch reicht.

Eine Diagnose.

Ein Verlust.

Eine Trennung.

Eine berufliche Krise.

Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen.

Eine unerwartete Veränderung.

Oder ein Moment, in dem du merkst:

So wie bisher geht es nicht weiter.

Solche Erfahrungen können zu Grenzsituationen werden.

Sie bringen uns an einen Punkt, an dem vertraute Routinen, Sicherheiten oder Erklärungen nicht mehr vollständig tragen.

Die entscheidende Frage lautet dann selten:

Wie bekomme ich möglichst schnell wieder alles unter Kontrolle?

Hilfreicher ist:

Wie bleibe ich handlungsfähig, obwohl gerade vieles offen ist?

 

 

 

Was ist eine Grenzsituation?

 

Der Begriff Grenzsituation wird besonders mit dem Philosophen Karl Jaspers verbunden.

Gemeint sind grundlegende Situationen menschlicher Existenz, denen wir nicht einfach ausweichen können.

Tod.

Leiden.

Schuld.

Kampf.

Zufall.

Situationen also, in denen wir mit Grenzen unserer Kontrolle und unserer bisherigen Vorstellungen konfrontiert werden.

Im Alltag verwenden wir den Begriff häufig weiter.

Dann kann eine Grenzsituation jeder Moment sein, in dem unser bisheriges Denken und Handeln an eine spürbare Grenze kommt.

Etwas funktioniert nicht mehr.

Eine bisherige Rolle trägt nicht mehr.

Eine Entscheidung lässt sich nicht länger vertagen.

Eine Gewissheit verliert ihre Sicherheit.

Und plötzlich braucht es mehr als eine gewohnte Lösung.

 

 

 

Grenzsituationen nehmen uns vertraute Antworten

 

Solange der Alltag funktioniert, müssen wir vieles kaum hinterfragen.

Wir wissen, wie der Tag abläuft.

Was von uns erwartet wird.

Wie Beziehungen funktionieren.

Welche Rolle wir spielen.

Welche Entscheidungen sich bewährt haben.

Eine Grenzsituation kann diese Selbstverständlichkeiten erschüttern.

Dann tauchen Fragen auf wie:

Was ist mir wirklich wichtig?

Was trägt noch?

Was möchte ich behalten?

Was muss ich verändern?

Welche Wahrheit habe ich bisher vermieden?

Und manchmal:

Wer möchte ich in dieser Situation sein?

Genau darin liegt die besondere Bedeutung solcher Phasen.

Sie zwingen uns keineswegs automatisch zum Wachstum.

Sie können uns jedoch dazu bringen, genauer hinzusehen.

 

 

 

Der Wunsch nach Kontrolle ist verständlich

 

Wenn Sicherheit verloren geht, wächst häufig der Wunsch nach Kontrolle.

Wir recherchieren.

Planen.

Analysieren.

Suchen Erklärungen.

Fragen andere Menschen.

Versuchen, möglichst schnell wieder festen Boden zu finden.

Das kann sinnvoll sein.

Doch manche Situationen lassen sich nur teilweise kontrollieren.

Dann entsteht leicht ein anstrengender Kampf:

Wir versuchen, Sicherheit dort herzustellen, wo gerade nur begrenzte Sicherheit möglich ist.

Eine wichtige Unterscheidung lautet deshalb:

Was kann ich kontrollieren?

Was kann ich beeinflussen?

Und was muss ich zunächst als offen akzeptieren?

Diese drei Bereiche auseinanderzuhalten, spart enorme Kraft.

 

 

 

Unsicherheit aushalten bedeutet nicht Passivität

 

Unsicherheit zu akzeptieren heißt keineswegs, sich zurückzulehnen und alles geschehen zu lassen.

Im Gegenteil.

Gerade wenn vieles offen ist, wird die Qualität der nächsten Entscheidung besonders wichtig.

Du brauchst vielleicht keine Antwort auf die gesamte Zukunft.

Du brauchst den nächsten tragfähigen Schritt.

Vielleicht:

ein Gespräch führen.

eine Information beschaffen.

eine Grenze setzen.

eine Nacht darüber schlafen.

Unterstützung suchen.

eine Entscheidung vertagen.

oder gerade eine Entscheidung treffen.

Eine gute Frage lautet:

Was ist jetzt der nächste sinnvolle Schritt, obwohl ich noch nicht alles weiß?

Das ist häufig realistischer als der Versuch, vollständige Gewissheit herzustellen.

 

 

 

Grenzsituationen verengen den Blick

 

Unter starkem Druck verändert sich unsere Wahrnehmung.

Aufmerksamkeit wird enger.

Gefahren erscheinen größer.

Alternativen werden leichter übersehen.

Wir denken schneller in:

entweder oder.

jetzt oder nie.

alles oder nichts.

genau deshalb lohnt sich unter Druck häufig eine bewusste Verlangsamung.

Nicht um Schwierigkeiten kleinzureden.

Sondern um den eigenen Denkraum wieder zu vergrößern.

Frage:

Welche Möglichkeit sehe ich gerade möglicherweise nicht?

Oder:

Welche Entscheidung würde ich treffen, wenn ich zehn Prozent ruhiger wäre?

Schon ein kleiner innerer Abstand kann neue Optionen sichtbar machen.

 

 

 

Eine Grenzsituation ist kein Charaktertest

 

Menschen reagieren unter außergewöhnlicher Belastung unterschiedlich.

Manche werden sehr aktiv.

Andere ziehen sich zurück.

Manche suchen Nähe.

Andere brauchen Abstand.

Einige werden ausgesprochen sachlich.

Andere emotional.

Solche Reaktionen sagen keineswegs automatisch, wer stärker, reifer oder besser vorbereitet ist.

Menschen regulieren Unsicherheit auf unterschiedliche Weise.

Interessanter ist:

Hilft mir meine aktuelle Reaktion dabei, mit der Situation umzugehen?

Wenn ja, darf sie ihren Platz haben.

Wenn sie dich zunehmend handlungsunfähig macht, lohnt sich eine andere Strategie.

 

 

 

Gefühle sind Informationen – keine vollständigen Lageberichte

 

Angst kann anzeigen:

Hier könnte Gefahr bestehen.

Ärger kann anzeigen:

Eine Grenze wurde berührt.

Trauer kann anzeigen:

Etwas Bedeutendes geht verloren.

Scham kann anzeigen:

Mein Selbstbild oder meine soziale Zugehörigkeit fühlt sich bedroht.

Diese Gefühle sind wichtig.

Sie erzählen etwas.

Doch sie erzählen selten die gesamte Geschichte.

Deshalb hilft in Grenzsituationen die Trennung:

Was fühle ich?

Was weiß ich?

Was vermute ich?

Was brauche ich?

Das schafft Orientierung, ohne Gefühle abzuwerten.

 

 

 

Wenn alte Strategien nicht mehr funktionieren

 

Grenzsituationen zeigen häufig besonders deutlich, welche Strategien wir bisher genutzt haben.

Leistung.

Kontrolle.

Anpassung.

Rückzug.

Perfektionismus.

Humor.

Vermeidung.

Durchhalten.

Manche dieser Strategien haben uns lange geholfen.

Und plötzlich funktionieren sie weniger gut.

Das kann verunsichern.

Denn dann lautet die Herausforderung nicht lediglich:

„Wie löse ich dieses Problem?“

Sondern:

„Welche neue Art des Umgangs brauche ich?“

Gerade darin kann eine Entwicklungsaufgabe liegen.

 

 

 

Vorsicht vor vorschnellen Sinnangeboten

 

Bei schwierigen Erfahrungen taucht schnell der Gedanke auf:

„Alles hat einen Sinn.“

Oder:

„Daran wirst du wachsen.“

Solche Sätze können trösten.

Sie können zugleich Druck erzeugen.

Denn Menschen müssen aus einer Krise weder sofort etwas lernen noch anschließend dankbar dafür sein.

Manche Erfahrungen sind einfach schmerzhaft.

Manche Verluste bleiben Verluste.

Persönliche Entwicklung kann entstehen.

Sie lässt sich jedoch kaum erzwingen.

Hilfreicher finde ich die Frage:

Was möchte ich aus dem machen, was geschehen ist?

Das lässt mehr Freiheit.

 

 

 

Wachstum nach Krisen: möglich, keineswegs garantiert

 

Menschen berichten nach schweren Erfahrungen manchmal von positiven Veränderungen.

Zum Beispiel:

klarere Prioritäten.

intensivere Beziehungen.

größere Wertschätzung.

mehr Vertrauen in die eigene Bewältigungsfähigkeit.

neue Lebensrichtungen.

Dafür wird häufig der Begriff posttraumatisches Wachstum verwendet.

Wichtig ist die Differenzierung:

Wachstum macht das vorherige Leid weder sinnvoll noch notwendig.

Und es entsteht keineswegs bei jedem Menschen.

Es ist eine mögliche Entwicklung.

Keine Pflicht.

 

 

 

Werte werden in Grenzsituationen konkret

 

Über Werte lässt sich leicht sprechen, solange wenig auf dem Spiel steht.

Interessanter wird es, wenn Werte Kosten verursachen.

Wie wichtig ist mir Freiheit?

Loyalität?

Sicherheit?

Würde?

Verantwortung?

Aufrichtigkeit?

Nähe?

Selbstbestimmung?

Eine Grenzsituation kann solche Fragen plötzlich sehr konkret machen.

Dann zeigt sich:

Welche Werte dienen mir tatsächlich als Orientierung?

Und welche klangen bisher vor allem gut?

Das muss keineswegs angenehm sein.

Es kann jedoch Klarheit schaffen.

 

 

 

Entscheidungen unter Unsicherheit

 

Viele wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden, bevor alle Informationen verfügbar sind.

Das gehört zu Grenzsituationen.

Die Vorstellung:

„Wenn ich genug nachdenke, werde ich irgendwann völlig sicher sein“

kann deshalb zur Falle werden.

Vielleicht entsteht diese Sicherheit nie.

Dann braucht es einen anderen Maßstab.

Nicht:

„Bin ich absolut sicher?“

Sondern:

„Ist die Grundlage gut genug für den nächsten Schritt?“

Dazu gehören:

die verfügbaren Informationen,

deine Werte,

realistische Risiken,

deine Alternativen

und die Frage, wie reversibel eine Entscheidung ist.

 

 

 

Reversible und irreversible Entscheidungen unterscheiden

 

Diese Unterscheidung kann enorm entlasten.

Manche Entscheidungen lassen sich später leicht korrigieren.

Andere kaum.

Bei einer reversiblen Entscheidung brauchst du häufig weniger Gewissheit.

Du kannst ausprobieren.

Beobachten.

Nachjustieren.

Bei schwer reversiblen Entscheidungen lohnt sich mehr Sorgfalt.

Die Frage:

„Wie endgültig ist dieser Schritt eigentlich?“

kann den Entscheidungsdruck deutlich verändern.

 

 

 

Was jetzt – und was später?

 

Unter Belastung versuchen Menschen häufig, viele Fragen gleichzeitig zu lösen.

Was passiert morgen?

In sechs Monaten?

In fünf Jahren?

Wie reagieren andere?

Was bedeutet das für alles Weitere?

Dadurch wächst die innere Last.

Hilfreicher kann eine zeitliche Sortierung sein.

Was muss ich heute entscheiden?

Was kann diese Woche geklärt werden?

Was darf später offenbleiben?

Diese Staffelung bringt Struktur in eine Situation, die sich zunächst überwältigend anfühlt.

 

 

 

Der Grenzsituations-Kompass

 

Wenn Gewohntes gerade kaum trägt, helfen sechs Fragen.

 

1. Was ist tatsächlich geschehen?

Trenne Fakten von Befürchtungen und Interpretationen.

 

2. Was kann ich beeinflussen?

Worauf habe ich realen Einfluss?

 

3. Was braucht heute eine Entscheidung?

Nicht jede offene Frage ist sofort entscheidungsreif.

 

4. Welche Werte sollen mich dabei leiten?

Was möchte ich auch unter Druck nicht aus den Augen verlieren?

 

5. Welche Unterstützung ist sinnvoll?

Welche Perspektive, Expertise oder Begleitung würde meine Handlungsmöglichkeiten erweitern?

 

6. Was ist der nächste tragfähige Schritt?

Kein perfekter Schritt.

Ein tragfähiger.

Das reicht häufig zunächst.

 

 

 

Unterstützung ist kein Zeichen mangelnder Selbstständigkeit

 

Grenzsituationen können die eigene Perspektive stark verengen.

Dann kann ein Gespräch mit einem geeigneten Menschen sehr hilfreich sein.

Nicht damit jemand dir sagt, was du tun sollst.

Sondern damit du wieder klarer siehst.

Ein guter Gesprächspartner kann helfen:

Gedanken zu sortieren.

Annahmen zu prüfen.

Optionen sichtbar zu machen.

Prioritäten zu klären.

Und einen Schritt zurückzugewinnen, bevor eine wichtige Entscheidung fällt.

Gerade Menschen, die gewohnt sind, viel selbst zu tragen, unterschätzen diesen Wert manchmal.

 

 

 

Der Unterschied zwischen Rat und Sparring

 

In wichtigen Situationen brauchst du keineswegs immer einen Ratgeber.

Ratschläge sind schnell gegeben.

„Ich würde an deiner Stelle …“

Doch niemand ist vollständig an deiner Stelle.

Hilfreicher kann Sparring sein.

Jemand stellt Fragen.

Prüft deine Argumentation.

Fordert Annahmen heraus.

Zeigt blinde Flecken.

Hilft dir, deinen eigenen Maßstab zu finden.

Die Entscheidung bleibt bei dir.

Und genau das ist häufig entscheidend.

 

 

 

Was Grenzsituationen über uns zeigen können

 

Wenn vertraute Sicherheiten wegfallen, wird manches sichtbar, das im Alltag leichter überdeckt bleibt.

Welche Beziehungen tragen?

Welche Rollen sind längst zu eng?

Welche Prioritäten stimmen noch?

Welche Entscheidungen werden seit Langem vermieden?

Was braucht wirklich Aufmerksamkeit?

Nicht jede Grenzsituation verlangt eine vollständige Neuorientierung.

Manchmal bestätigt sie auch:

Genau diesen Weg möchte ich weitergehen.

Auch das ist wertvolle Klarheit.

 

 

 

Zurück zum Alten – oder bewusst weiter?

 

Nach einer schwierigen Phase entsteht häufig der Wunsch:

„Hoffentlich wird wieder alles wie vorher.“

Das ist verständlich.

Manchmal ist genau das möglich und sinnvoll.

Manchmal wäre es schade, automatisch zu alten Routinen zurückzukehren.

Dann lohnt sich die Frage:

Was möchte ich aus der Zeit davor zurückhaben – und was darf sich verändern?

Vielleicht hat die Grenzsituation etwas sichtbar gemacht.

Eine Priorität.

Eine Grenze.

Eine Beziehung.

Eine Entscheidung.

Eine Sehnsucht.

Dann kann Rückkehr bedeuten:

Bewährtes behalten und zugleich etwas neu ordnen.

 

 

 

Handlungsfähigkeit ist wichtiger als vollständige Kontrolle

 

Vielleicht ist das der zentrale Gedanke.

In Grenzsituationen bekommen wir selten vollständige Kontrolle zurück.

Wir können jedoch Handlungsfähigkeit zurückgewinnen.

Das ist etwas anderes.

Kontrolle sagt:

„Ich weiß, was passieren wird.“

Handlungsfähigkeit sagt:

„Ich weiß, wie ich mit dem nächsten Schritt umgehen möchte.“

Das ist realistischer.

Und häufig stärker.

 

 

 

Fazit: Klarheit entsteht Schritt für Schritt

 

Grenzsituationen gehören zu den Erfahrungen, in denen einfache Antworten schnell an ihre Grenzen kommen.

Sie können Gewissheiten erschüttern.

Rollen verändern.

Entscheidungen erzwingen.

Und Fragen sichtbar machen, die vorher leichter zu vermeiden waren.

Dann hilft weder hektischer Aktionismus noch der Anspruch, sofort einen tieferen Sinn zu erkennen.

Hilfreicher sind Klarheit und ein tragfähiger nächster Schritt.

Frag dich:

Was ist tatsächlich geschehen?

Was liegt in meinem Einflussbereich?

Was braucht jetzt eine Entscheidung?

Welche Werte sollen mich leiten?

Welche Unterstützung erweitert meinen Blick?

Und was ist der nächste tragfähige Schritt?

Denn Souveränität zeigt sich gerade in Grenzsituationen weniger darin, alles unter Kontrolle zu haben.

Sie zeigt sich darin, auch mit Unsicherheit klarer denken, bewusst entscheiden und handlungsfähig bleiben zu können.

P.S.​

 

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. April 2020
Überarbeitung: 01. September 2026

14 Tipps für die Pflege der Selbstachtung

14 Tipps für die Pflege der Selbstachtung

Kein Mensch kann sich wohl fühlen, wenn er sich nicht selbst akzeptiert. –Mark Twain
Wer sich selbst achtet, hat es leichter, auch andere Menschen zu achten. Karsten Noack

Selbstachtung

 

Ohne Selbstachtung ist kein Selbstvertrauen möglich, denn was wir nicht achten, dem können wir nicht vertrauen. Wie pflegen Sie Ihre Selbstachtung? Hier sind ein paar Anregungen.

Video

https://youtu.be/Qjw0Y2Niqa4

Selbstachtung

 

Wenn du dich selber machst zum Knecht,
Bedauert dich niemand, geht’s dir schlecht;
Machst du dich aber selbst zum Herrn,
Die Leute sehn es auch nicht gern;
Und bleibst du endlich, wie du bist,
So sagen sie, dass nichts an dir ist.

Johann Wolfgang von Goethe

 

Begegnen Sie sich selbst mit Respekt und Aufmerksamkeit? Ohne Selbstachtung ist kein Selbstvertrauen möglich, denn was wir nicht achten, dem können wir nicht vertrauen.

 

 

 

14 Tipps für die Pflege der Selbstachtung

 

Hier sind 14 Tipps mit Anregungen für die Pflege der Selbstachtung.

 

 

1.  Auf sich acht geben

 

Geben Sie auf sich acht. Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl, denn wenn es sich meldet, dann lohnt es sich nochmals genauer hinzusehen. Irgendetwas möchte dann noch berücksichtigt werden. Ignorieren Sie solche Hinweise nicht, sondern widmen Sie dem Gefühl Aufmerksamkeit, es beruht auf Ihren Erfahrungen.

 

 

 

2. Auf- und einstehen

 

Stehen Sie zu Ihren Bedenken, Bedürfnissen, Werten und was auch immer Ihnen wichtig ist. Das erfordert mitunter Mut. „Unterlegen ist man im Leben erst dann, wenn man seine Selbstachtung verloren hat“, meinte Marcel Proust.

 

 

 

3.  Jedem recht machen?

 

Wer es jedem recht machen will, macht es meist niemanden recht und die eigenen Bedürfnisse bleiben auf der Strecke. Sie haben auch sich selbst gegenüber eine Verantwortung.

 

 

 

4. Klare Botschaften

 

Machen Sie deutlich, was Ihnen wichtig ist. Kommunizieren Sie so, dass Sie verstanden werden. Weichmacher haben da keinen Platz.

 

 

 

5. Die eigenen Werte und Ziele kennen

 

Die wesentlichste Voraussetzung für Selbstachtung und gute Entscheidungen liefert die Klärung der eigenen Werte und Ziele. Gelingt es, die Werte, Ziele und deren Prioritäten auf allen Ebenen präsent zu haben, ist das eine wertvolle Orientierung. Das erfordert, sich selbst gut zu kennen. Dank Mentaltraining lässt sich das Unbewusste wie ein Kompass nutzen.

 

 

 

6. Gesagt, getan

 

Wenn Sie Ihre Werte kennen und sich Ziele setzen, bleiben Sie ihnen treu. Ihr unbewusster Verstand registriert, ob Sie meinen, was Sie sagen und denken. Lassen Sie, was gegen Ihre Werte verstößt! Ihr Unbewusstes dankt es Ihnen mit Unterstützung.

 

 

 

7. Wohlwollen

 

Gehen Sie freundlich und wohlwollend mit sich um. Druck und negative innere Dialoge machen vieles nur noch schwerer.

 

 

8.  Nein sagen können

 

Setzen Sie Grenzen. Lernen Sie bei Bedarf „Nein!“ zu sagen, anstatt die eigenen Bedürfnisse zu oft zurückzustellen. Im Zweifelsfall dürfen Sie „Nein“ sagen oder Antworten auf Forderungen vertagen. Auf sich gut zu achten erfordert sich gegebenenfalls auch die Zeit dafür zu nehmen.

 

 

 

9. Verantwortungsbewusstsein

 

Setzen Sie sich für das ein, wofür Sie stehen und wo Sie Einfluss haben. Erlauben Sie sich zu fokussieren. Sie müssen nicht gleich die ganze Welt retten.

 

 

 

10. Pflegen Sie konstruktive innere Dialoge

 

Die eigenen inneren Dialoge beeinflussen Wahrnehmung, Denken und Handlungen. Also achten Sie darauf, wie und was Sie denken. Wenn Sie sich selbst verurteilen, hat das Konsequenzen. Auch wie sie mit sich selbst kommunizieren, sagt eine Menge über Ihre Selbstachtung aus. Gehen Sie wohlwollend mit sich um.

 

 

 

11. Vergleichen macht leicht unglücklich

 

Vergleiche führen oft zu Unzufriedenheit. Schauen Sie auf das, was Ihnen wirklich wichtig ist. Zugegeben; wir leben nicht im luftleeren Raum. Es gibt immer jemanden der schneller, reicher oder sonst etwas ist. Im besten Fall bringt Sie Nachahmung zum Status einer Kopie. Sein Sie stattdessen lieber die beste Version ihrer selbst.

 

 

 

12. Perfektionismus

 

Perfektionismus richtet häufig Schaden an. Unrealistischen Ansprüchen zu folgen, macht unglücklich und unzufrieden. Es bedeutet, sich zu verbiegen, die eigene Identität zu ignorieren. Prüfen Sie lieber, ob Ihre Ansprüche wirklich konstruktiv und die eigenen sind.

 

 

 

13. Haltung

 

Die Seele spiegelt sich in der Körpersprache und das gilt auch andersherum. Also achten Sie auf Ihre Körperhaltung, Ihren Gesichtsausdruck und andere Details. Es wirkt sich auch auf die Selbstachtung positiv aus, wenn Sie aufrecht unterwegs sind.

 

 

 

14. Zyklen

 

Achten Sie darauf, wie stabil Ihre Selbstachtung ist. Was bringt Sie aus der Mitte, was bringt Sie hinein, was verdient Aufmerksamkeit? Bleiben Sie aufmerksam.

P.S.

 

Wie halten Sie es mit der Selbstachtung?

 

 

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Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 01. Mai 2016
Überarbeitung: 14. April 2020
Englische Version:
AN: #213
K: CNB
Ü:

Spaziergang statt Krampf am Schreibtisch

Spaziergang statt Krampf am Schreibtisch

Perspektivwechsel, den Kopf freimachen,...

Spaziergang

Spaziergang mit Wirkung

 

Geht es am Schreibtisch nicht so recht voran, dann kann ein Spaziergang mit Zielsetzung Wunder wirken.

Raus aus dem Büro

 

In zwanzig bis dreißig Minuten zu Gelassenheit, Ruhe und Klarheit. Wenn Sie das innere Chaos lösen wollen, lassen Sie es für einen Moment hinter sich und gehen Sie spazieren. Machen Sie es fast so wie auch sonst, fast…

Der Unterschied. Bevor Sie losgehen, definieren Sie Ihre Absicht. Wählen Sie bewusst die Intention Ihres Spaziergangs. Was soll anders sein, wenn Sie zurückkehren? Was wollen Sie dann im Gepäck haben?

 

 

 

Wozu, weshalb, Vorteile

 

Typische Beobachtungen bei der Rückkehr:

  • Es gibt eine Idee, wie mit einer Herausforderung umzugehen ist.
  • Sie fühlen sich entspannter.
  • Der Überblick ist wieder da.
  • Sie wissen, was zu tun ist.
  • Der Mut und die Bereitschaft zu handeln ist gewachsen.
  • Die Antwort auf eine Frage kommt.
  • Die ursprüngliche Fragestellung verändert sich.
  • Sie fühlen Ihre Energie.
  • Ihr inneres Gleichgewicht ist deutlicher, Sie sind wieder ganz bei sich.
  • Insgesamt fühlen Sie sich gut.

 

Der Fokus hat Einfluss auf Wahrnehmung, Denken und Handeln. Öffnen Sie sich für Inspiration und Antworten und sie werden sich Ihnen zeigen. Durch einen kurzen Spaziergang entziehen Sie sich für einen entscheidenden Moment einschränkenden Einflüssen, wechseln Sie die Perspektive und treten Sie in Verbindung mit sich selbst. Schritt für Schritt kommen Sie sich und Ihrem Ziel näher. Bewegung an der frischen Luft ist obendrein wohltuend für den Körper.

 

 

 

Lust?

 

Das klingt gut? Na, dann machen Sie Ihren Spaziergang. Machen Sie den Computer oder das Smartphone aus und gehen Sie einfach los. Genießen Sie jeden Schritt! Was wollen Sie bei der Rückkehr mitbringen?

Video

Erst, wenn Sie das Video starten wird eine Verbindung zu YouTube™ hergestellt. Dann gelten die Datenschutzerklärungen von Google. Mehr bei den Hinweisen zum Datenschutz.

P.S.​

 

Was halten Sie von dieser Idee? Was tun Sie, wenn es am Schreibtisch nicht so recht vorangeht.

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Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 01. Mai 2016
Überarbeitung: 15. Oktober 2020
Englische Version:
AN: #321
K: CNB
Ü:

Rhetorik: Um jeden Preis Recht behalten

Rhetorik: Um jeden Preis Recht behalten

Gedanken zu den Folgen der Rabulistik

Unbedingt Recht haben

Um jeden Preis Recht behalten

 

Überreden ohne Argumente, Durchsetzungsvermögen ohne Basis, gewinnen ohne Rücksicht zu nehmen, K. o. durch fiese Tricks, schwarze Rhetorik, Manipulieren. Bis zum bitteren Ende, Reden ohne Ahnung zu haben… Es ist ein begehrtes Gefühl, recht zu behalten. Wobei es weniger darum geht, wer recht hat als vielmehr, wer die Oberhand behält. Lohnt sich das?

Video

Was ist Rhetorik? Was gute Rhetorik wirklich ausmacht und wie du sie lernst

Erst, bei Start des Videos wird eine Verbindung zu YouTube™ hergestellt. Dann gelten die Datenschutzerklärungen von Google. Mehr bei den Hinweisen zum Datenschutz.

Immer und überall Recht behalten

 

Es ist ein begehrtes Gefühl, recht zu behalten. Wobei es weniger darum geht, wer recht hat als vielmehr, wer die Oberhand behält.

Sich um jeden Preis durchzusetzen scheint ein sehr altes menschliches Ansinnen zu sein. Schon sehr staubige esoterische Texte liefern Rezepte wie es möglich ist sich, um jeden Preis durchzusetzen. Die Vorgehensweise reicht vom Zaubertrank mit Fledermausflügeln und Rattenschwänzen bis zu Voodoopuppen aus dem Versandhandel.

Überreden ohne Argumente, Durchsetzungsvermögen ohne Basis, gewinnen ohne Rücksicht zu nehmen, K. o. durch fiese Tricks, schwarze Rhetorik, Manipulieren. Bis zum bitteren Ende, Reden ohne Ahnung zu haben… Auch Buchhandel und YouTube-Videos bedienen die Sehnsucht nach unfairer Durchsetzungskraft.

 

 

 

Wo ist das Problem?

 

Jetzt könnte ich es mit Arthur Schopenhauer halten. Der meinte, wenn jeder seiner Position unvorbehalten jegliche Unterstützung gibt, dann würde das der beste Weg sein. Schließlich wisse man selbst ja oft nicht, ob man tatsächlich recht hat oder nicht und würde es so herausfinden. Bis zu einer gewissen Stelle gebe ich ihm hier sogar recht. Allerdings geht es beim Wunsch, um jeden Preis Recht zu behalten, in der Regel nicht darum, am Ende tatsächlich beste Position zu ermitteln. Vielmehr geht es darum, sich um jeden Preis durchzusetzen. Es ist also schon von der Haltung her bedenklich. Was macht das mit der Welt und den Beziehungen, wenn Menschen so ans Werk gehen?

Wer wirklich von seiner Position überzeugt ist, braucht keine unfairen Tricks. Wobei es schon gut ist, sie als solche zu erkennen und aushebeln zu können. Doch wer meint, der Zweck heiligt die Mittel, schadet sich und der Botschaft.

 

 

 

Aber …

 

Es könnte jemand auf Beispiele aus der Politik hinweisen, wo es bedenklichen Person in beachtlich hohe Position verholfen hat, rücksichtslos und weitgehend ohne echte Argumente voranzukommen. Und ja, es kann sehr traurig machen.

Dass es Charaktere gibt, die das versuchen, ist eine Sache. Dass ein umfangreiches Publikum das mitmacht, ist eine andere. Wohin das in der Welt führt, kann jeder sehen, der die Nachrichten schaut.

 

 

 

Wir können uns entscheiden

 

Hier kann jeder selbst entscheiden, ob das eine wünschenswerte Vorgehensweise ist. Ich werde mich jedenfalls dafür einsetzen, dass möglichst viele Menschen solche unfairen Methoden erkennen und wissen, wie sie damit umzugehen haben. Wer dazu in der Lage ist, lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen und entzieht Blendern die Bühne.

Setzen wir darauf, mit fairen Mitteln den Argumenten die verdiente Chance zu geben. Wer das wünscht, findet bei mir die passenden Tipps und Unterstützung.

P.S.​

 

Was für Gedanken kommen Ihnen zum Thema? Recht behalten, um jeden Preis, lohnt das?

 

 

Der nächste Schritt

 

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Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 25. März 2020
Überarbeitung: 4. September 2020
AN: #721
K: CNC
Ü:

Zitate in Reden, Präsentationen und ….

Zitate in Reden, Präsentationen und ....

Was ist bei Zitaten in Redebeiträgen zu beachten?
Zitate

Zitate in Reden, Präsentationen und auch sonst

 

Zitate sind nicht nur in Texten und Redebeiträgen als Würze beliebt. Doch sie bergen auch Risiken. Was ist bei Zitaten in Redebeiträgen zu beachten?

Video

https://youtu.be/0OZ2RB03aDU

Umgang mit Zitaten in Reden, Präsentationen und ….​

 

Gerade für mein Tagesmotto liebe ich es mir ein Zitat zu suchen, um mich damit kritisch auseinander zu setzen oder daran zustimmend zu erwärmen. Beides hat das Potenzial, mich voranzubringen. Es hilft mir dabei, meinen Standpunkt zu erkunden, beziehungsweise die möglicherweise zusätzlich vorhandenen Perspektiven.

 

 

 

Zitatgeber

 

Die Sache hat einen mitunter dunklen Punkt; die Lieferanten für Zitat sind üblicherweise Menschen und als solche nicht nur mit positiven Seiten gesegnet. So entdecke ich mitunter bei der Recherche Hintergründe, die mir nicht gefallen. Menschen sind selten reine Engel. Sie haben in dem von mir betrachteten Zitat etwas für mich Interessantes gesagt. Bei anderer Gelegenheit haben sie jedoch mitunter hanebüchenen Unfug geredet oder Dinge getan haben, die mir nicht gefallen —vorsichtig ausgedrückt.

 

 

 

Vorbereitung

 

Bei der Vorbereitung von Redebeiträgen achte ich deswegen im Interesse meiner Klienten akribisch darauf, solche Hintergründe zu erkennen, um Angriffspunkte zu vermeiden. Sonst fühlen sich Gesprächspartner oder jemand im Publikum angegriffen, beziehungsweise wird dadurch unnötig abgelenkt. So etwas würde der Botschaft keinen guten Dienst erweisen. Außerdem gibt es Menschen, die ihre Interessen mit harten Bandagen vertreten. Solche Menschen entführen das Thema, wenn sie Zusammenhänge finden, die sie missbrauchen können. Je nach Publikum gelingt dies allzu leicht. Eine sehr gründliche Vorbereitung hat hier eine besondere Bedeutung.
Im Alltag empfehle ich Lesern und Zuhörern sich bei Zitaten das herauszupicken, das hilfreich ist, weil es zum Denken anregt oder einfach so guttut. Wie es die Zitatlieferanten gemeint haben kann interessant sein, was wir daraus für uns ziehen, gehört uns.

P.S.​

 

Was für Gedanken kommen Ihnen zum Thema?

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 12. März 2020
Überarbeitung: 5. Januar 2022
AN: #639
K: CNC
Ü:

Facelifting im Gesicht, am Gesäß, in der Politik, in Unternehmen,…

Facelifting im Gesicht, am Gesäß, in der Politik, in Unternehmen,...

Bedeutungswandel: Von der Straffung bis zur Verschlimmbesserung

Facelifting

Facelifting

 

Facelifting heute auch in der Politik und in Unternehmen statt. Statt am Inhalt wird an der Verpackung gefeilt. Häufig auch hier Verschlimmbesserungen.

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

 

Aus aktuellem Anlass… Facelifting

 

Ursprünglich meinte Facelifting so etwas wie Gesichtsstraffung. Jedoch, durch die üblichen Ergebnisse solcher Verschlimmbesserungen änderte sich die Bedeutung. Heute wird eine raffinierte chirurgische Methode als Facelifting bezeichnet, bei der Falten durch Narben ersetzt werden. Obwohl dabei in der Regel die örtliche Beibehaltung von Augen, Nase, Mund und Ohren angestrebt wird, sind diese anschließend oft nicht mehr an den erwarteten Stellen zu finden. Das sorgt regelmäßig zu Irritationen bei Gesprächspartnern und die Kommunikationsprozesse erhalten einen eigenwilligen Drall. So ähnlich, wie im Sketch von Loriot und Evelyn Hamann, bei dem eine wandernde Nudel das Gespräch verhindert.

Erhofft wird die ewige Jugend, dass tatsächliche Resultat ist jedoch sehr häufig eine Karnevalsmaske. Doch statt eines grauenvollen Aufschreis sorgen der Stolz und die immense Investition dafür, dass solche kleingeistigen Betrachtungen unterbleiben. Was teuer ist, das  ist auch gut! Basta!

Da sich nicht nur Gesichter liften lassen, sind neben Brüsten und Bäuchen auch Unternehmensdarstellungen, Parteiprogramme und andere Einrichtungen von diesem Phänomen betroffen. Besser, als mit äußerlichem Herumdoktern kosmetisch zu verschlimmbessern, ist die grundlegende Herangehensweise vom Kern, von der Substanz aus, also von innen nach außen. Erst kommt der Inhalt und dann die Verpackung.

 

Innen pfui,
außen dann auch egal.

P.S.

 

Wo begegnet Ihnen das Phänomen Facelifting und wie stehen Sie dazu, wenn sich nur die Verpackung, jedoch nicht der Inhalt ändert?

Begriff oder Thema suchen

 

Wo Wissen allein weniger weiterführt, beginnt die individuelle Arbeit.

 

Du suchst einen bestimmten Begriff oder eine passende Vertiefung?
Nutze die Suche oder entdecke weitere Beiträge im Themenbereich.

Heute wird eine raffinierte chirurgische Methode als Facelifting bezeichnet, bei der Falten durch Narben ersetzt werden. Obwohl dabei in der Regel die örtliche Beibehaltung von Augen, Nase, Mund und Ohren angestrebt wird, sind diese anschließend oft nicht mehr an den erwarteten Stellen zu finden. Karsten Noack

Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #371
K:
Ü:

Pflegen Sie Ihre Leidenschaften, sie entfalten Kraft

Pflegen Sie Ihre Leidenschaften, sie entfalten Kraft, auch in Präsentationen

Die Kraft der Leidenschaft
Pflegen Sie Ihre Leidenschaften, sie entfalten Kraft

Leidenschaft

 

Welche Bedeutung hat Leidenschaft im Leben? Wobei hilft sie, wann schadet sie?

Überblick

 

 

 

 

Leidenschaften

 

Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er nur.

Nicolas Chamfort

 

Eine Idee will verfolgt werden, ein Vorhaben gehegt und gepflegt, der Antrieb ist im gesamten Körper spürbar. So kann sich Leidenschaft zeigen.

Sind Sie ein leidenschaftlicher Mensch, leben Sie mit Begeisterung? Das Leben ist zu kurz, um es nur zu absolvieren. Wofür brennen Sie? Wer seine Leidenschaften kennt profitiert von der Energie, die Begeisterung freisetzt.

Es ist zwar ab und an zu hören; „Leidenschaft ist, was Leiden schafft!“, doch für mich ist das Wort positiv besetzt. Eine Leidenschaft ist etwas für das ich Feuer und Flamme bin, dem ich mich mit ganzer Hingabe widmen möchte. Das kann sich auf einen geliebten Menschen richten oder eine Tätigkeit. Wenn ich etwas wirklich liebe, es liebend gerne mache, Feuer und Flamme bin, Begeisterung und völlige Hingabe verspüre, dann ist das für mich Leidenschaft in ihrer vollen Ausprägung.

Widmen wir uns einer Leidenschaft, dann ermöglicht das Flow-Erleben, wie es der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi beschreibt. Dann sprühen leidenschaftliche Menschen nur so vor Energie. Das gibt uns die Kraft und die Ausdauer, uns mit ganzem Herzen einem Ziel zu verschreiben. So können wir für uns und andere Menschen Positives bewirken. „Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität.“ meinte der Historiker Theodor Mommsen oder nüchterner der Philosoph und Schriftsteller Prentice Mulford; „Was man aber gerne macht, macht man gut.“

 

 

 

Was ist Leidenschaft?

 

Leidenschaft ist ein Zustand extremer und stark ausgeprägter emotionaler Zuneigung gegenüber einer Sache oder eines Menschen. Sie hat viele Gesichter.

Leidenschaft beschreibt eine emotionale, in verschiedenen Formen und Ausmaßen auftretende Zuneigung, welche zum Beispiel die Intension für Sammler, Anhänger eines Sportvereins oder ein gewöhnliches Hobby sein kann. Für uns ist die Leidenschaft ein oftmals nicht vollkommen logischer Antrieb, der uns dazu bringt, gewisse Dinge zu wollen oder zu tun. Leidenschaft liefert den Fokus, lässt uns durchhalten, selbst bei Widerstand, wie Rückschlägen und Kritik. Ja, manch ein leidenschaftlicher Mensch hat in der Menschheitsgeschichte tatsächlich dafür gebrannt — auf dem Scheiterhaufen. Das ist heutzutage allerdings in der hiesigen Kultur unüblicher. Leidenschaft setzt unglaubliche – mitunter nahezu unmenschlich wirkende – Kräfte frei und überdauert kurzfristige Begeisterung.

 

 

 

Sonnenseite

 

Sich aufbäumen, Wellen schlagen, sich einsetzen, um anschließend umso zufriedener in sich zu ruhen. Für mich ist der Begriff der Leidenschaft weitgehend positiv besetzt, trotz der Wortherkunft und des Spruchs „Leidenschaft ist das, was Leiden schafft“. Leidenschaft für eine bessere Welt, für erfüllende Beziehungen, für die Pflege schützenswerter ideeller und auch materieller Errungenschaften. In den meisten Fällen ist Leidenschaft etwas Positives, sie kann aber auch skurrile oder sogar ungesunde Formen annehmen.

 

 

 

Schattenseiten

 

Keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.

Helmut Schmidt

 

So schön es ist, für eine Leidenschaft zu schwärmen, sich zu erwärmen. Leidenschaft kann auch zum Verhängnis werden und bei Nichterreichen oder Scheitern des leidenschaftlichen Strebens negative Auswirkungen entfalten. Beispiel, wenn eine leidenschaftliche Liebe nicht erwidert wird oder ein leidenschaftlich verfolgtes Ziel nicht erreicht wird. Manche Menschen bezeichnen Leidenschaft gar als Tor zur Hölle und hat dabei extreme Beispiele vor Augen, die in die Kategorie Extremismus und Fundamentalismus gehören. Da handelt es sich dann um sehr ungesund ausufernde Formen.

 

 

 

Leidenschaft in Gesprächen, Reden und Präsentationen

 

Eine Leidenschaft für die Leidenschaft haben.

 

Die größten Reden, die mir gerade in den Sinn kommen, beeindrucken durch die Leidenschaft, mit denen die Rednerinnen und Redner sie in die Welt tragen. Sie scheinen sich mit Haut und Haaren ihrem Anliegen verschrieben zu haben, dafür zu brennen — und der Funke springt über. Menschen fühlen sich von Enthusiasmus, von Euphorie und Hingabe, enorm angezogen. Die Leidenschaft lässt die Augen funkeln und weckt die Geister.

Davon könnten auch viele aktuelle Anliegen eine gute Portion vertragen. Selbst die professionellen Redebeiträge in Besprechungen, bei Tagungen, Konferenzen und vor der Kamera profitieren zumindest von einer angemessenen Begeisterung. Mehr dazu im Artikel Die Macht der Begeisterung in Gesprächen und Präsentationen.

 

 

 

1. Teilen Sie Ihre Leidenschaft mit anderen Menschen

 

Geben Sie Ihre Gedanken preis. Machen Sie Angebote ohne knallhart zu predigen, zu behaupten, dass Sie die einzige Wahrheit vertreten. Dass Sie von der Richtigkeit überzeugt sind, dürfen Sie hingegen sagen. Laden Sie andere Menschen zum Dialog ein, diskutieren und argumentieren Sie.

 

 

 

2. Locker bleiben

 

Bei aller Begeisterung und Überzeugung passen Sie lieber auf, dass Sie nicht zur dunklen Seite der Macht konvertieren, zum Bekehrer oder Fanatiker werden. Solche Typen sind anstrengend und unangenehm, neigen dazu, andere Menschen zu verletzen.

 

 

 

3. Leben Sie die Werte

 

Zeigen Sie, dass Sie es ernst meinen und sich selbst an das halten, was Sie anderen Menschen vermitteln wollen. Walk your talk! Was könnte überzeugender sein, als wenn Sie zeigen, dass es funktioniert und glücklich macht?

 

 

 

4. Wozu

 

Bieten Sie Antworten auf das Wozu, den Sinn, an. Wer kann woran welchen Anteil haben und wie fügt es sich zum großen Ganzen zusammen?

 

 

 

5. Nicht übertreiben!

 

Euphorie ist ansteckend, kann ab einem gewissen Maß allerdings auch verschrecken. Nehmen Sie die Menschen dort ab, wo sie sind, sodass sie eine Chance haben mitzukommen. Anregungen dazu finden Sie im Artikel Rapport: 21+ Tipps für bessere Kommunikation.

 

 

 

6. Lebendigkeit

 

Teilen Sie Ihre Gedanken so, dass alle Sinne angesprochen werden. Sorgen Sie dafür, dass zumindest Hören, Sehen, Fühlen aktiviert werden.

Synonyme

 

Affekt, Begeisterung, Eifer, Ekstase, Erregung, Feuer, Enthusiasmus, Elan, Engagement, Emotion, Freude, freudige Erregung, Faible, Gefühlsüberschwang, Gefühlswallung, Gier, Geilheit, Libido, Rausch, seelische Regung, Verzücktheit, Verzückung, Inbrunst, Hingabe, Hingebung, Passion, Schmackes, Sehnsucht, Lust, Begierde, Triebhaftigkeit, Lüsternheit, Verlangen, Wollust,…

P.S.

 

Welche Leidenschaften pflegen Sie oder bevorzugen Sie es von Begeisterung zu sprechen?

Die Stärke unserer Aufmerksamkeit entspricht der Stärke unserer Leidenschaft. Claude-Adrien Helvetius

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 6. Dezember 2018
Überarbeitung: 18. September 2019
Englische Version:
AN: #71711
K: CNB
Ü:

Recht haben oder freundlich sein? Klug mit Streit umgehen

Recht haben oder freundlich sein? Wie du Konflikte klärst, ohne dich zu verbiegen

Recht haben oder freundlich sein? Konflikte souverän klären
Recht behalten oder freundlich sein?

Recht haben oder freundlich sein? Wie du Konflikte klärst, ohne dich zu verbiegen

 

Möchtest du recht haben?

Oder möchtest du etwas erreichen?

Diese beiden Ziele können zusammenpassen.

Sie müssen es weniger.

Manchmal ist es wichtig, einer Sache deutlich zu widersprechen.

Manchmal lohnt es sich, auf einer korrekten Information zu bestehen.

Und manchmal merken wir mitten in einer Diskussion:

Es geht längst weniger um die Sache.

Es geht darum, wer gewinnt.

 

 

 

Recht haben und Recht behalten sind zwei verschiedene Dinge

 

Du kannst sachlich recht haben.

Und trotzdem ein Gespräch verlieren.

Du kannst ein hervorragendes Argument besitzen.

Und trotzdem Vertrauen beschädigen.

Umgekehrt kannst du freundlich bleiben und gleichzeitig einen wichtigen Fehler stehen lassen.

Deshalb lautet die entscheidende Frage weniger: Recht oder Freundlichkeit?

Sie lautet:

Was braucht diese Situation?

 

 

 

Wann ist es wichtig, auf einer Sache zu bestehen?

 

Zum Beispiel wenn:

  • Sicherheit betroffen ist
  • eine wichtige Entscheidung auf falschen Informationen beruht
  • rechtliche oder wirtschaftliche Folgen entstehen
  • Grenzen überschritten werden
  • Verantwortung verschoben wird

Dann kann Schweigen die schlechtere Lösung sein.

 

 

 

Freundlichkeit bedeutet weniger Nachgeben

 

Das wird häufig verwechselt.

Du kannst freundlich sagen:

„Ich sehe das anders.“

Du kannst freundlich sagen:

„Diese Zahl stimmt weniger.“

Du kannst freundlich sagen:

„Damit bin ich weniger einverstanden.“

Freundlichkeit beschreibt den Umgang.

Sie entscheidet weniger über deine Position.

 

 

 

Eine klare Position kann respektvoll sein

 

Zum Beispiel:

„Ich verstehe dein Argument. In diesem Punkt komme ich zu einem anderen Ergebnis.“

Oder:

„Wir bewerten das unterschiedlich. Meine Entscheidung bleibt trotzdem bestehen.“

Das ist weder aggressiv noch nachgiebig.

Es ist klar.

 

 

 

Warum wollen wir überhaupt recht behalten?

 

Dafür gibt es viele mögliche Gründe.

Zum Beispiel:

  • wir möchten einen Fehler verhindern
  • wir fühlen uns missverstanden
  • wir möchten Anerkennung
  • wir fühlen uns angegriffen
  • wir erleben Widerspruch als Statusverlust

Deshalb lohnt sich im Konflikt eine zweite Frage:

Was verteidige ich gerade eigentlich?

 

 

 

Die Sache oder mein Selbstbild?

 

Manchmal diskutieren wir über ein Thema.

Und unbemerkt wird daraus:

„Wenn ich hier nachgebe, verliere ich.“

Dann verändert sich die Qualität des Gesprächs.

Es geht weniger um Erkenntnis.

Es geht um Position.

 

 

 

Rechthaben kann zum Statuskampf werden

 

Das zeigt sich zum Beispiel, wenn:

  • jede Gegenposition als Angriff erlebt wird
  • kleine Ungenauigkeiten sofort korrigiert werden
  • das letzte Wort besonders wichtig wird
  • ein Zugeständnis wie Niederlage wirkt

Dann lohnt sich:

„Was würde tatsächlich verloren gehen, wenn ich hier sage: Du hast recht?“

 

 

 

Intellektuelle Bescheidenheit

 

Ein hilfreicher Begriff dafür ist intellektuelle Bescheidenheit.

Gemeint ist weniger:

„Ich weiß nichts.“

Sondern:

„Ich habe gute Gründe für meine Position und könnte trotzdem etwas übersehen.“

Das ist keine Schwäche.

Es verbessert die Qualität von Gesprächen.

 

 

 

Eine starke Position braucht Korrekturfähigkeit

 

Du kannst sagen:

„Nach allem, was ich weiß, ist das die beste Lösung.“

Und gleichzeitig:

„Wenn du bessere Informationen hast, möchte ich sie hören.“

Beides passt zusammen.

 

 

 

Was die Forschung über Konflikte zeigt

 

Untersuchungen zu intellektueller Bescheidenheit zeigen:

Menschen, die stärker akzeptieren können, dass die eigenen Überzeugungen begrenzt oder korrigierbar sind, reagieren in Konflikten häufiger konstruktiv und seltener destruktiv.

Das gilt sowohl in privaten Beziehungen als auch im Arbeitskontext.

 

 

 

Recht haben ist weniger dasselbe wie verstanden werden

 

Vielleicht präsentierst du ein hervorragendes Argument.

Dein Gegenüber erlebt jedoch:

„Du willst mich nur widerlegen.“

Dann erreicht die Information die andere Person möglicherweise weniger.

Wirkung und sachliche Richtigkeit sind zwei verschiedene Ebenen.

 

 

 

Ein gutes Argument kann schlecht vermittelt werden

 

Zum Beispiel:

„Das ist Unsinn.“

Vielleicht ist die Aussage sachlich tatsächlich falsch.

Doch diese Formulierung erhöht häufig die Verteidigungsbereitschaft.

Hilfreicher könnte sein:

„Ich komme bei diesem Punkt zu einem anderen Ergebnis. Lass uns die Annahmen vergleichen.“

 

 

 

Direktheit kann sehr hilfreich sein

 

Freundlichkeit bedeutet weniger, jedes Problem weichzuzeichnen.

Bei wichtigen veränderbaren Problemen kann direkte Kommunikation sinnvoll sein.

Zum Beispiel:

„Dieses Verhalten belastet unsere Zusammenarbeit. Ich möchte, dass wir es verändern.“

Das ist deutlich.

Und respektvoll.

 

 

 

Manchmal ist Harmonie weniger hilfreich

 

Wer Konflikte ausschließlich vermeiden möchte, kann wichtige Probleme verschleppen.

Zum Beispiel:

  • schlechtes Verhalten
  • unklare Verantwortung
  • falsche Entscheidungen
  • wiederkehrende Grenzüberschreitungen

Eine angenehme Atmosphäre ist weniger immer ein Zeichen für eine gute Beziehung.

 

 

 

Konfliktfähigkeit braucht Widerspruch

 

Eine gute Beziehung oder Zusammenarbeit hält weniger nur Zustimmung aus.

Sie sollte auch Raum haben für:

„Nein.“

„Das sehe ich anders.“

„Damit bin ich weniger einverstanden.“

 

 

 

Und wann lohnt es sich weniger, weiterzudiskutieren?

 

Zum Beispiel wenn:

  • das Thema kaum Bedeutung hat
  • die Positionen bereits vollständig ausgetauscht sind
  • keine Entscheidung davon abhängt
  • das Gespräch nur noch Wiederholungen produziert

Dann kann die klügere Entscheidung lauten:

„Wir sehen das unterschiedlich.“

 

 

 

Nicht jeder Unterschied braucht einen Sieger

 

Menschen können verschiedene:

  • Geschmäcker
  • Werte
  • Prioritäten
  • Einschätzungen

haben.

Manche Unterschiede lassen sich weniger endgültig auflösen.

 

 

 

Eine wichtige Frage: Ist das überhaupt eine Tatsachenfrage?

 

Manche Diskussionen wirken sachlich, sind jedoch Wertfragen.

Zum Beispiel:

„Welcher Lebensstil ist besser?“

„Was ist eine gute Führungskraft?“

„Was ist wichtiger: Sicherheit oder Freiheit?“

Dafür gibt es weniger immer eine objektiv richtige Antwort.

 

 

 

Fakten, Bewertungen und Präferenzen unterscheiden

 

Das kann Konflikte erheblich vereinfachen.

Frag:

Reden wir gerade über eine überprüfbare Tatsache?

Über eine Bewertung?

Oder über eine persönliche Präferenz?

 

 

 

Bei Fakten lohnt sich Überprüfung

 

Zum Beispiel:

„Wie hoch war der Umsatz tatsächlich?“

Dann helfen:

  • Daten
  • Quellen
  • Dokumente

Weniger rhetorische Dominanz.

 

 

 

Bei Bewertungen braucht es Kriterien

 

Zum Beispiel:

„Welche der beiden Strategien ist besser?“

Dann lautet die nächste Frage:

Nach welchen Kriterien?

 

 

 

Bei Präferenzen darf Unterschied bestehen bleiben

 

Zum Beispiel:

„Ich finde diese Gestaltung schöner.“

Da hilft wenig:

„Nein, meine ist objektiv besser.“

 

 

 

Der Wunsch nach dem letzten Wort

 

Manche Diskussionen laufen weiter, obwohl alles gesagt wurde.

Warum?

Weil beide Seiten weniger die offene Frage klären.

Sie möchten das Gespräch gewinnen.

Ein hilfreicher Test:

„Wenn mein Gegenüber jetzt nichts mehr sagt – wäre ich zufrieden?“

Wenn ja, geht es möglicherweise stärker um Sieg als um Erkenntnis.

 

 

 

Rechthaberei

 

Umgangssprachlich sprechen wir von Rechthaberei, wenn jemand immer wieder darauf besteht, recht zu haben.

Der entscheidende Punkt ist weniger, dass dieser Mensch tatsächlich häufig recht hat.

Problematisch wird:

Das Bedürfnis nach Bestätigung dominiert die Beziehung oder das Gespräch.

 

 

 

Rechthaberei kann Beziehungen teuer machen

 

Vielleicht gewinnst du die Diskussion.

Und verlierst:

  • Kooperation
  • Offenheit
  • Vertrauen
  • Einfluss

Dann war der Sieg möglicherweise weniger wert, als er sich im Moment angefühlt hat.

 

 

 

„Willst du recht haben oder glücklich sein?“

 

Dieser bekannte Satz ist eingängig.

Und zu einfach.

Manchmal hängt Glück gerade davon ab, dass du:

  • eine Grenze vertrittst
  • einer falschen Behauptung widersprichst
  • Ungerechtigkeit ansprichst

Die bessere Frage lautet:

„Ist dieser Konflikt wichtig genug, und führe ich ihn auf eine Weise, die meinem Ziel dient?“

 

 

 

Freundlichkeit darf weniger Selbstverleugnung werden

 

Manche Menschen geben zu schnell nach, weil sie:

  • Konflikte vermeiden
  • gemocht werden möchten
  • Harmonie erhalten wollen

Dann ist die Entwicklungsaufgabe weniger:

„Werde freundlicher.“

Sondern:

„Vertrete deine Position klarer.“

 

 

 

Andere brauchen die gegenteilige Entwicklung

 

Sie vertreten ihre Position bereits sehr klar.

Vielleicht sogar brillant.

Doch sie lassen wenig Raum für:

  • Widerspruch
  • Korrektur
  • Beziehung

Dann lautet die Entwicklungsaufgabe:

„Du musst weniger jeden Punkt gewinnen.“

 

 

 

Was ist dein Muster?

 

Gibst du zu schnell nach?

Oder kämpfst du zu lange?

Beides kann problematisch sein.

 

 

 

Recht haben und Wirkung erzielen

 

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig.

Du kannst eine sachlich korrekte Position vertreten.

Wenn du willst, dass sie berücksichtigt wird, brauchst du zusätzlich:

  • Timing
  • Verständlichkeit
  • Beziehungsbewusstsein
  • gute Argumentation

Recht haben und Wirkung erzielen sind zwei verschiedene Dinge.

 

 

 

Frag zuerst nach dem Ziel

 

Bevor du dich in eine Diskussion hineinziehst, frag:

„Was möchte ich nach diesem Gespräch erreicht haben?“

Zum Beispiel:

  • eine bessere Entscheidung
  • eine Grenze
  • Verständnis
  • eine Verhaltensänderung
  • eine Information korrigieren

Dann kannst du deine Kommunikation daran ausrichten.

 

 

 

Ein Beispiel aus dem Beruf

 

Ein Kollege präsentiert eine Zahl, die falsch ist.

Du weißt es.

Die Entscheidung hängt davon ab.

Dann wäre es wenig hilfreich, aus Höflichkeit zu schweigen.

Du kannst sagen:

„Bevor wir entscheiden, möchte ich eine Zahl prüfen. Nach meinen Unterlagen liegt der Wert bei 18 statt 28 Prozent.“

Klar.

Sachlich.

Ohne Gesichtsverlust zu produzieren.

 

 

 

Ein anderes Beispiel

 

Dein Partner sagt:

„Der Film war großartig.“

Du fandest ihn langweilig.

Hier braucht niemand zu gewinnen.

„Ich habe ihn ganz anders erlebt.“

reicht vollkommen.

 

 

 

Konflikte werden leichter, wenn du Kategorien unterscheidest

 

Frag:

  • Ist das wichtig?
  • Ist es überprüfbar?
  • Ist eine Entscheidung erforderlich?
  • Kann etwas verändert werden?

Je nachdem braucht das Gespräch eine andere Intensität.

 

 

 

Wenn du merkst, dass du nur noch gewinnen willst

 

Dann kann eine Pause helfen.

Frag dich:

„Welche neue Information tauschen wir gerade überhaupt noch aus?“

Wenn die Antwort lautet:

„Keine.“

ist das möglicherweise ein guter Zeitpunkt aufzuhören.

 

 

 

Eine elegante Möglichkeit, einen Konflikt zu beenden

 

Zum Beispiel:

„Ich glaube, wir haben beide unsere Position ausreichend erklärt. Wir kommen heute zu keinem gemeinsamen Ergebnis.“

Das ist weniger Niederlage.

Es ist Gesprächsführung.

 

 

 

Du kannst deine Meinung ändern

 

Auch während einer Diskussion.

Zum Beispiel:

„Der Punkt überzeugt mich. Da lag ich falsch.“

Viele Menschen erleben solche Sätze als ungewöhnlich stark.

Denn sie zeigen:

Die Sache ist wichtiger als das Ego.

 

 

 

Warum fällt das so schwer?

 

Weil eine Positionsänderung sich anfühlen kann wie:

  • Gesichtsverlust
  • Unterlegenheit
  • Inkonsistenz

Doch Lernen bedeutet genau:

Eine neue Information verändert meine Einschätzung.

 

 

 

In Führung ist das besonders wichtig

 

Führungskräfte müssen Entscheidungen treffen.

Sie müssen Orientierung geben.

Das verlangt Selbstvertrauen.

Es darf weniger bedeuten:

„Ich muss immer recht haben.“

 

 

 

Wenn die Führungskraft immer recht haben muss

 

Dann lernen Mitarbeitende schnell:

„Widerspruch lohnt sich weniger.“

Die Folgen können erheblich sein.

Probleme werden später angesprochen.

Schlechte Nachrichten werden gefiltert.

Fehlentscheidungen bleiben länger bestehen.

 

 

 

Die stärkere Führungskraft kann sagen:

 

„Das war meine Einschätzung. Die neuen Informationen verändern sie.“

Das reduziert Autorität weniger.

Es kann sie erhöhen.

 

 

 

Intellektuelle Bescheidenheit und Vertrauen

 

Aktuelle Forschung zeigt, dass intellektuelle Bescheidenheit auch für Vertrauen relevant sein kann.

Menschen wirken weniger glaubwürdig, wenn sie so tun, als wüssten sie alles.

Glaubwürdiger kann sein:

„Das weiß ich.“

„Das vermute ich.“

„Das weiß ich noch weniger.“

 

 

 

Sicherheit durch Präzision statt durch Absolutheit

 

Du musst weniger sagen:

„Das ist definitiv so.“

wenn deine tatsächliche Aussage lautet:

„Nach den Informationen, die wir derzeit haben, halte ich diese Option für die beste.“

Das ist präziser.

Und häufig souveräner.

 

 

 

Recht behalten um jeden Preis

 

Arthur Schopenhauer beschrieb in seiner eristischen Dialektik Kunstgriffe, mit denen Menschen eine Diskussion gewinnen können, unabhängig davon, welche Seite sachlich recht hat.

Das ist rhetorisch interessant.

Und kommunikativ eine Warnung.

→ Eristische Dialektik: Die Kunst, Recht zu behalten

 

 

 

Eine Diskussion zu gewinnen ist weniger dasselbe wie eine gute Entscheidung zu treffen

 

Gerade im Beruf ist dieser Unterschied entscheidend.

Die rhetorisch stärkste Person besitzt weniger automatisch das beste Argument.

Organisationen brauchen Prozesse, bei denen:

  • Daten
  • Expertise
  • Gegenargumente

mehr zählen als Dominanz.

 

 

 

Was hilft in schwierigen Diskussionen?

 

1. Kläre dein Ziel

Was soll nach dem Gespräch anders sein?

 

2. Trenne Person und Position

Ein schlechtes Argument macht weniger einen schlechten Menschen.

 

3. Frag nach Kriterien

„Woran würden wir erkennen, welche Lösung besser ist?“

 

4. Benenne Gemeinsamkeiten

„Wir wollen beide vermeiden, dass der Termin erneut verschoben wird.“

 

5. Formuliere Widerspruch klar

„In diesem Punkt widerspreche ich.“

 

6. Prüfe Gegenargumente ernsthaft

Widerspruch ist weniger nur Material für deine nächste Antwort.

 

7. Beende Endlosschleifen

„Wir wiederholen inzwischen dieselben Argumente.“

 

 

 

Was weniger hilft

 

  • Sarkasmus
  • Demütigung
  • persönliche Angriffe
  • ständiges Unterbrechen
  • die Position des anderen absichtlich schwächer darstellen

Damit lässt sich möglicherweise kurzfristig dominieren.

Es verbessert weniger die Qualität des Ergebnisses.

 

 

 

Recht haben in privaten Beziehungen

 

In einer Partnerschaft können Fakten selbstverständlich wichtig sein.

Doch viele Konflikte drehen sich weniger ausschließlich um Fakten.

Sie handeln von:

  • Bedürfnissen
  • Bedeutungen
  • Erwartungen
  • Verletzungen

Dann reicht:

„Sachlich habe ich recht.“

häufig weniger.

 

 

 

Zwei Menschen können dieselbe Situation unterschiedlich erlebt haben

 

Zum Beispiel:

„Für mich war dein Ton verletzend.“

Die Antwort:

„Das war objektiv weniger unhöflich.“

löst wenig.

Ein subjektives Erleben lässt sich weniger widerlegen wie eine falsche Jahreszahl.

 

 

 

Du kannst Absicht und Wirkung unterscheiden

 

Zum Beispiel:

„Ich wollte dich weniger verletzen. Ich höre trotzdem, dass es bei dir so angekommen ist.“

Damit musst du weniger eine Schuld anerkennen, die du anders siehst.

Du erkennst die Wirkung an.

 

 

 

Freundlichkeit braucht Grenzen

 

Freundlichkeit ist weniger:

„Du darfst alles mit mir machen.“

Eine freundliche Grenze kann lauten:

„Über das Thema spreche ich gern. Beleidigungen akzeptiere ich weniger.“

 

 

 

Und Grenzen brauchen weniger Feindseligkeit

 

Du kannst eine Konsequenz klar vertreten.

Ohne:

  • zu beleidigen
  • zu drohen
  • den anderen abzuwerten

 

 

 

Wenn du häufig nachgibst, um Frieden zu haben

 

Dann lohnt sich eine andere Frage:

„Was kostet mich diese Harmonie?“

Wenn du regelmäßig:

  • eigene Bedürfnisse zurückstellst
  • Grenzen weniger aussprichst
  • Konflikte schluckst

kann der kurzfristige Frieden langfristig teuer werden.

 

 

 

Wenn du häufig kämpfen musst, um recht zu bekommen

 

Dann frag:

„Wie viele dieser Kämpfe sind wirklich notwendig?“

Vielleicht gibt es Themen, bei denen:

„Wir sehen das anders.“

vollkommen ausreicht.

 

 

 

Eine praktische Entscheidungshilfe

 

Bevor du weiterdiskutierst, prüfe vier Fragen:

  1. Wie wichtig ist das Thema?
  2. Welche Folgen hat es, wenn die andere Position bestehen bleibt?
  3. Kann ich überhaupt etwas verändern?
  4. Welche Art von Gespräch erhöht die Chance auf ein gutes Ergebnis?

 

 

 

Im Beruf

 

Die Fähigkeit, Widerspruch professionell zu gestalten, ist besonders wertvoll bei:

  • Verhandlungen
  • Entscheidungen
  • Konflikten
  • Vorstands- und Managementgesprächen
  • kritischen Präsentationen

Dort geht es weniger darum:

„Wie gewinne ich die Diskussion?“

Sondern:

„Wie sorge ich dafür, dass die beste verfügbare Entscheidung getroffen wird?“

 

 

 

Executive Presence zeigt sich auch im Widerspruch

 

Souveränität bedeutet weniger, Widerspruch zu vermeiden.

Sie zeigt sich darin, klar zu widersprechen, ohne unnötig Beziehung oder Status anzugreifen.

Zum Beispiel:

„Ich teile die Einschätzung weniger. Die Daten sprechen aus meiner Sicht für eine andere Entscheidung.“

 

 

 

Und ebenso darin, sich korrigieren zu können

 

Zum Beispiel:

„Der Einwand ist berechtigt. Ich ändere meine Empfehlung.“

Das kann mehr Autorität zeigen als das Festhalten an einer schwächer gewordenen Position.

 

 

 

Wenn du schwierige Gespräche vorbereiten möchtest

 

Dann kann es beispielsweise darum gehen:

  • klar zu widersprechen
  • eine Grenze zu vertreten
  • mit dominanten Gesprächspartnern umzugehen
  • kritische Informationen anzusprechen
  • eine festgefahrene Diskussion zu beenden

 

 

 

Welcher berufliche Rahmen passt?

 

Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.

Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Gesprächsführung, Konflikte oder berufliche Kommunikation geht.

Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.

Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.

→ Executive Sparring

→ Business 1:1

 

 

 

Zehn Fragen vor der nächsten Diskussion

 

  1. Was möchte ich tatsächlich erreichen?
  2. Wie wichtig ist das Thema?
  3. Geht es um Fakten, Bewertungen oder Präferenzen?
  4. Welche Folgen hätte es, wenn ich weniger widerspreche?
  5. Höre ich die Gegenargumente wirklich?
  6. Welche Information könnte meine Position verändern?
  7. Verteidige ich die Sache oder mein Selbstbild?
  8. Wie kann ich widersprechen, ohne unnötig abzuwerten?
  9. Wann wäre genug gesagt?
  10. Was wäre hier die souveränste Form von Klarheit?

 

 

 

Fazit: Du musst dich weniger zwischen Recht und Freundlichkeit entscheiden

 

Manchmal ist es wichtig, recht zu haben.

Noch wichtiger kann sein, dass eine richtige Information tatsächlich berücksichtigt wird.

Manchmal ist Beziehung wichtiger als ein unbedeutender Streitpunkt.

Und manchmal ist vermeintliche Freundlichkeit nur Konfliktvermeidung.

Die bessere Frage lautet deshalb weniger:

„Will ich recht behalten oder freundlich sein?“

Sondern:

„Was möchte ich hier erreichen – und welche Art der Kommunikation dient diesem Ziel?“

Du kannst klar sein.

Du kannst widersprechen.

Du kannst Grenzen setzen.

Und du kannst gleichzeitig offen bleiben für den Gedanken:

„Vielleicht habe ich etwas übersehen.“

Genau diese Kombination macht aus Rechthaben gute Gesprächsführung.

Vorbereitung wichtiger Gespräche und Verhandlungen
(Keinerlei Rechtsberatung!)

 

Ein wichtiges Gespräch lässt sich selten vollständig planen.

Du kannst dich jedoch so vorbereiten, dass du mit Klarheit, Orientierung und Handlungsspielraum hineingehst.

Wir können gemeinsam beispielsweise:

  • Ziele und Prioritäten klären
  • Interessen und mögliche Motive der Beteiligten betrachten
  • Argumentationen entwickeln und prüfen
  • Gesprächsstrategien vorbereiten
  • kritische Fragen und Einwände antizipieren
  • schwierige Gesprächsverläufe simulieren
  • Formulierungen ausprobieren
  • Grenzen und Alternativen klären
  • persönliche Wirkung und Präsenz betrachten
  • den Umgang mit Druck und überraschenden Wendungen vorbereiten

Dabei geht es weniger um ein auswendig gelerntes Gesprächsskript.

Du sollst wissen, was du erreichen möchtest, worauf es ankommt und wie du auch bei unerwarteten Entwicklungen beweglich bleiben kannst.

Je nach Anliegen verbinde ich Coaching, Beratung, Einzeltraining und Sparring.

 

 

 

Welcher Rahmen passt?

 

PRIVAT 1:1

Für wichtige Gespräche im persönlichen Kontext, beispielsweise in Partnerschaft, Familie oder im Umgang mit schwierigen Personen.

→ PRIVAT 1:1

 

BUSINESS 1:1

Für berufliche Gesprächssituationen und die gezielte Entwicklung deiner Gesprächs- und Verhandlungskompetenz.

→ BUSINESS 1:1

 

EXECUTIVE SPARRING

Für konkrete Gespräche und Verhandlungen mit hoher wirtschaftlicher, beruflicher oder strategischer Tragweite.

→ EXECUTIVE SPARRING

Aktuelle Honorare und Rahmenbedingungen findest du jeweils auf den entsprechenden Angebotsseiten.

 

P.S.

 

Wie siehst du das?

Artikel

Integrität: Werte leben, wenn es darauf ankommt

Integrität zeigt sich dort, wo Werte etwas kosten. Erfahre, was Integrität bedeutet und wie du Entscheidungen triffst, die zu deiner Haltung passen.

Wer Recht hat, muss sich nicht rechthaberisch aufführen. Beziehung vor Ego-Sieg.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 22. Mai 2006
Überarbeitung: 6. März 2019
AN: #43349
K:CNB
Ü:

Spießer & Spießertum: Bedeutung, Konformität und Toleranz

Spießer und Spießertum: Was bedeutet spießig eigentlich?

Bedeutung, Konformität und Toleranz
Spießer

Spießer und Spießertum: Was bedeutet spießig eigentlich?

 

Kaum etwas ist spießiger, als unbedingt nicht spießig gelten zu wollen.

Der Satz gefällt mir noch immer.

Denn beim Begriff „Spießer“ geht es häufig weniger um Gartenzwerge, Reihenhäuser oder akkurat geschnittene Hecken.

Es geht um:

  • Normen
  • Zugehörigkeit
  • Konformität
  • Abgrenzung
  • die Bewertung anderer Lebensentwürfe

Und damit wird das Thema überraschend aktuell.

 

 

 

Was bedeutet „Spießer“?

 

Der Begriff wird umgangssprachlich und meist abwertend verwendet.

Gemeint ist häufig ein Mensch, der als:

  • kleinlich
  • übermäßig angepasst
  • konventionell
  • eng in seinen Vorstellungen

wahrgenommen wird.

Doch genau hier beginnt das Problem.

Wer entscheidet eigentlich, was zu angepasst, zu konventionell oder zu bürgerlich ist?

 

 

 

Spießigkeit ist weniger ein Lebensstil

 

Ein Mensch kann:

  • Haus besitzen
  • Hecke schneiden
  • pünktlich sein
  • sparsam leben
  • Traditionen mögen

und trotzdem ausgesprochen offen, tolerant und neugierig sein.

Umgekehrt kann jemand:

  • alternativ leben
  • ungewöhnlich aussehen
  • sich ausdrücklich unangepasst nennen

und gleichzeitig sehr intolerant gegenüber Menschen sein, die anders leben.

Deshalb sagt der äußere Lebensstil erstaunlich wenig über Spießigkeit aus.

 

 

 

Vielleicht liegt der Kern woanders

 

Für mich wird Spießigkeit interessanter, wenn aus einer persönlichen Präferenz eine allgemeine Vorschrift wird.

Zum Beispiel:

„Ich möchte so leben.“

ist etwas anderes als:

„So sollte jeder vernünftige Mensch leben.“

Genau dort kann aus Orientierung Rigide werden.

 

 

 

Woher kommt das Wort?

 

„Spießer“ ist die Kurzform von „Spießbürger“.

Historisch bezeichnete der Begriff ursprünglich Bürger, die ihre Stadt mit einem Spieß verteidigten.

Später verschob sich die Bedeutung.

Der Spießbürger wurde zunehmend zur abschätzigen Bezeichnung für einen Menschen mit engen, kleinbürgerlichen Vorstellungen.

Heute ist „Spießer“ vor allem ein umgangssprachlich abwertendes Etikett.

 

 

 

Warum ist „Spießer“ eine Beleidigung?

 

Weil das Wort weniger nur Verhalten beschreibt.

Es wertet eine ganze Person ab.

Wer jemanden „Spießer“ nennt, meint selten neutral:

„Dieser Mensch bevorzugt Konventionen.“

Die Botschaft lautet eher:

„Dieser Mensch ist eng, langweilig oder beschränkt.“

 

 

 

Ein Etikett ersetzt schnell die Beschreibung

 

Statt:

„Er legt sehr viel Wert darauf, dass andere seine Vorstellung von Ordnung übernehmen.“

sagen wir:

„Er ist eben ein Spießer.“

Das ist kürzer.

Und ungenauer.

 

 

 

Spießer sind immer die anderen

 

Das ist eine interessante soziale Dynamik.

Kaum jemand sagt:

„Ich bin intolerant gegenüber abweichenden Lebensentwürfen.“

Wir erleben häufiger:

„Meine Vorstellungen sind vernünftig. Die anderen sind engstirnig.“

Dadurch kann ausgerechnet der Kampf gegen Spießigkeit selbst spießig werden.

 

 

 

Anti-Spießertum kann genauso konformistisch sein

 

Eine Gruppe kann sehr stolz darauf sein, besonders unangepasst zu sein.

Und trotzdem klare Regeln haben:

  • wie man aussehen sollte
  • was man konsumieren sollte
  • welche Meinungen akzeptabel sind
  • welche Lebensziele als rückständig gelten

Dann hat sich weniger die soziale Logik verändert.

Nur die Norm.

 

 

 

Konformität ist nicht automatisch schlecht

 

Menschen orientieren sich an sozialen Normen.

Das ist ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Normen helfen uns beispielsweise zu verstehen:

  • wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten
  • was andere von uns erwarten
  • wie Kooperation funktioniert

Ohne gemeinsame Regeln wäre vieles erheblich schwieriger.

 

 

 

Die interessante Frage lautet deshalb weniger: Norm oder Freiheit?

 

Sondern:

Wie flexibel gehen wir mit Normen um?

Eine Norm kann Orientierung bieten.

Sie wird problematischer, wenn Abweichungen automatisch moralisch abgewertet werden.

 

 

 

Warum Menschen Normen folgen

 

Menschen orientieren sich unter anderem an Normen, weil sie:

  • Unsicherheit reduzieren
  • Kooperation erleichtern
  • Zugehörigkeit vermitteln
  • Verhalten vorhersehbarer machen

Das ist weniger Feigheit oder mangelnde Individualität.

Es ist ein normaler sozialer Mechanismus.

 

 

 

Spießigkeit beginnt weniger beim Befolgen von Regeln

 

Interessanter wird:

Wie gehst du mit Menschen um, die andere Regeln wählen?

Kannst du sagen:

„Das wäre weniger mein Leben, doch für dich kann es passen.“

Oder entsteht sofort:

„So etwas macht man nicht.“

 

 

 

„So macht man das“ ist ein spannender Satz

 

Wer ist dieses „man“?

Welche Gruppe?

Welche Generation?

Welche Kultur?

Welche Zeit?

Viele scheinbar selbstverständliche Regeln sind soziale Konventionen.

Sie können sinnvoll sein.

Und sie können sich verändern.

 

 

 

Traditionen sind weniger automatisch Spießertum

 

Traditionen können:

  • Identität vermitteln
  • Menschen verbinden
  • Orientierung geben

Du kannst Weihnachten auf dieselbe Weise feiern wie seit zwanzig Jahren.

Du kannst denselben Verein besuchen.

Du kannst deinen Garten lieben.

Das macht dich weniger spießig.

Interessant wird eher:

Dürfen andere es anders machen?

 

 

 

Ordnung ist weniger Spießigkeit

 

Manche Menschen mögen:

  • Ordnung
  • Pünktlichkeit
  • Planung
  • Verlässlichkeit

Das sind zunächst Präferenzen und teilweise wertvolle Kompetenzen.

Problematisch wird es weniger durch die Ordnung selbst als durch Starrheit.

 

 

 

Was bedeutet psychologische Rigidity?

 

Rigidity beschreibt vereinfacht die Tendenz, einmal etablierte Denk- oder Verhaltensmuster beizubehalten, auch wenn neue Informationen oder veränderte Situationen eine Anpassung nahelegen.

Das ist näher an dem, was wir im Alltag häufig als „spießig“ kritisieren.

Nicht die Regel ist das Problem.

Die fehlende Flexibilität kann es werden.

 

 

 

„Das haben wir immer so gemacht“

 

Dieser Satz ist deshalb ein Klassiker.

Er kann bedeuten:

„Diese Lösung hat sich bewährt.“

Das kann vernünftig sein.

Er kann ebenso bedeuten:

„Ich möchte die Alternative weniger prüfen.“

Dann wird Tradition zum Ersatz für Denken.

 

 

 

Spießigkeit und Sicherheit

 

Konventionen können Sicherheit vermitteln.

Sie sagen:

„So funktioniert die Welt.“

In unsicheren Zeiten kann diese Orientierung besonders attraktiv sein.

Das ist menschlich.

Doch Sicherheit und Starrheit sind weniger dasselbe.

 

 

 

Wir brauchen Verlässlichkeit und Veränderungsfähigkeit

 

Ein gutes Leben braucht wahrscheinlich beides.

Es braucht:

  • Stabilität
  • Beziehungen
  • Routinen

und ebenso:

  • Neugier
  • Anpassungsfähigkeit
  • Offenheit für neue Informationen

 

 

 

Ist Sicherheitsbedürfnis spießig?

 

Weniger.

Ein Mensch darf:

  • Geld sparen
  • langfristig planen
  • eine Familie wollen
  • Eigentum besitzen
  • wenig Lust auf Abenteuer haben

Das sind Lebensentscheidungen.

Sie brauchen weniger die Zustimmung anderer.

 

 

 

Freiheit bedeutet auch die Freiheit, konventionell zu leben

 

Das wird gelegentlich vergessen.

Selbstbestimmung bedeutet weniger:

„Ich muss ungewöhnlich leben.“

Sie bedeutet:

„Ich darf bewusst entscheiden, welches Leben zu mir passt.“

 

 

 

Unkonventionalität ist weniger automatisch mutig

 

Auch das Gegenteil kann zur Gruppennorm werden.

In manchen Milieus braucht es möglicherweise mehr Mut zu sagen:

„Ich möchte ein ruhiges, konventionelles Leben.“

als:

„Ich lehne bürgerliche Lebensentwürfe ab.“

 

 

 

Konformität hängt von der Bezugsgruppe ab

 

Das ist ein wichtiger Punkt.

Menschen passen sich weniger einfach „der Gesellschaft“ an.

Sie orientieren sich an Gruppen, die ihnen wichtig sind.

Was in einer Gruppe spießig wirkt, kann in einer anderen völlig normal sein.

 

 

 

Jede Subkultur entwickelt Normen

 

Auch Gruppen, die sich ausdrücklich gegen den Mainstream definieren.

Es entstehen:

  • Codes
  • Sprache
  • Stile
  • Überzeugungen

Das ist weniger widersprüchlich.

Es ist ein normaler Teil sozialer Gruppenbildung.

 

 

 

Wann wird daraus Spießertum?

 

Vielleicht wenn:

  • Abweichung schnell abgewertet wird
  • Normen weniger hinterfragt werden dürfen
  • Lebensentwürfe moralisch hierarchisiert werden
  • Ordnung wichtiger wird als Sinn
  • Konvention stärker zählt als der konkrete Mensch

 

 

 

Spießigkeit und Toleranz

 

Toleranz zeigt sich weniger darin, dass andere so leben wie du.

Sie zeigt sich dort, wo sie es weniger tun.

Das bedeutet weniger, jedes Verhalten akzeptieren zu müssen.

Es bedeutet, Unterschiede von tatsächlichen Grenzverletzungen zu unterscheiden.

 

 

 

„Anders“ ist weniger dasselbe wie „falsch“

 

Das klingt banal.

Und ist im Alltag anspruchsvoll.

Andere Menschen haben:

  • andere Prioritäten
  • andere Werte
  • andere Lebensentwürfe

Nicht jeder Unterschied braucht eine Bewertung.

 

 

 

Spießigkeit als Beleidigung

 

Wenn du einen Menschen „Spießer“ nennst, beschreibst du häufig weniger nur sein Verhalten.

Du signalisierst:

„Deine Art zu leben ist mir zu eng.“

Manchmal ist diese Kritik berechtigt.

Manchmal ist sie nur eine andere Form von Konformitätsdruck.

 

 

 

Ein präziserer Satz hilft mehr

 

Statt:

„Du bist so ein Spießer.“

zum Beispiel:

„Mich stört, dass du erwartest, dass alle dieselbe Vorstellung von Ordnung übernehmen.“

Oder:

„Ich erlebe wenig Offenheit für andere Lösungen.“

Damit wird aus einem Etikett eine besprechbare Beobachtung.

 

 

 

Etiketten erzeugen Gegenwehr

 

Ein Mensch, der als:

  • Spießer
  • Chaot
  • Konservativer
  • Rebell

bezeichnet wird, wird eher seine Identität verteidigen.

Konkretes Verhalten lässt sich leichter diskutieren.

 

 

 

Spießertum im Beruf

 

Auch Organisationen können rigide werden.

Typische Sätze:

„Das ist bei uns eben so.“

„Das passt weniger zu unserer Kultur.“

„Dafür gibt es einen Prozess.“

Prozesse und Standards sind wichtig.

Sie werden problematisch, wenn niemand mehr fragen darf:

„Dient diese Regel noch ihrem Zweck?“

 

 

 

Unternehmen brauchen Normen

 

Ohne gemeinsame Erwartungen entstehen:

  • Unsicherheit
  • Reibung
  • Koordinationsprobleme

Normen und Regeln erleichtern Zusammenarbeit.

Die bessere Frage lautet deshalb:

Welche Normen brauchen wir – und welche dürfen wir regelmäßig überprüfen?

 

 

 

Wenn Regeln wichtiger werden als Ergebnisse

 

Dann kann Bürokratie entstehen.

Ein Prozess wurde einmal geschaffen, um ein Problem zu lösen.

Jahre später gibt es das Problem möglicherweise weniger.

Der Prozess lebt trotzdem weiter.

Institutionelle Spießigkeit wäre dann vielleicht die Unfähigkeit, zwischen Zweck und Gewohnheit zu unterscheiden.

 

 

 

Führung und Konformität

 

Eine Führungskraft braucht gemeinsame Standards.

Und gleichzeitig Menschen, die:

  • widersprechen
  • neue Lösungen anbieten
  • Gewohnheiten infrage stellen

Das ist eine Balance.

 

 

 

Zu wenig Norm erzeugt Chaos

 

Zu viel Norm kann Innovation verhindern.

Gute Führung braucht deshalb weniger maximale Freiheit oder maximale Kontrolle.

Sie braucht passende Spielräume.

 

 

 

„So jemand passt hier weniger rein“

 

Dieser Satz verdient Aufmerksamkeit.

Manchmal geht es tatsächlich um fehlende Passung zu Anforderungen oder Werten.

Manchmal bedeutet er:

„Diese Person ist anders als wir.“

Das ist weniger dasselbe.

 

 

 

Gruppennormen können blinde Flecken erzeugen

 

Wenn alle:

  • ähnlich denken
  • ähnliche Biografien haben
  • ähnliche Kommunikationsstile bevorzugen

wird Abweichung schneller als Problem erlebt.

Dabei kann gerade sie wichtige Informationen liefern.

 

 

 

Spießer oder konsequent?

 

Vielleicht hält jemand an Regeln fest, weil sie:

  • fair
  • wichtig
  • sicherheitsrelevant

sind.

Das ist weniger Spießigkeit.

Konsequenz kann sehr wertvoll sein.

 

 

 

Spießer oder verantwortungsvoll?

 

Jemand plant langfristig.

Spart Geld.

Geht früh schlafen.

Trinkt wenig.

Das kann weniger aufregend wirken.

Es sagt wenig über Offenheit oder Toleranz aus.

 

 

 

Spießer oder intolerant?

 

Hier wird die Unterscheidung sinnvoller.

Wenn jemand denkt:

„So möchte ich leben.“

ist das Selbstbestimmung.

Wenn daraus wird:

„Wer anders lebt, macht es falsch.“

beginnt das Problem.

 

 

 

Vielleicht brauchen wir den Begriff weniger

 

„Spießer“ ist ein praktisches Etikett.

Doch für gute Gespräche ist es häufig wenig hilfreich.

Präzisere Begriffe könnten sein:

  • rigide
  • intolerant
  • kleinlich
  • stark konventionsorientiert
  • wenig offen für Abweichung

Dann wird deutlicher, was konkret gemeint ist.

 

 

 

Eine überraschende Frage

 

Wo bin ich selbst spießig?

Vielleicht nicht dort, wo du es vermutest.

Vielleicht bist du:

  • sehr liberal bei Lebensentwürfen
  • und ausgesprochen rigide bei Pünktlichkeit.

Oder:

  • sehr unkonventionell im Beruf
  • und wenig tolerant gegenüber Menschen mit traditionellen Vorstellungen.

 

 

 

Wir alle haben Bereiche mit wenig Flexibilität

 

Das macht uns weniger automatisch zu „Spießern“.

Es lohnt trotzdem, sie zu kennen.

 

 

 

Sieben Fragen zur Selbstreflexion

 

  1. Welche Regeln halte ich für selbstverständlich?
  2. Woher stammen diese Regeln?
  3. Welchen Zweck erfüllen sie?
  4. Was passiert in mir, wenn jemand davon abweicht?
  5. Verwechsle ich meine Präferenz mit einer allgemeinen Wahrheit?
  6. Kann ich andere Lebensentwürfe respektieren, auch wenn ich sie weniger wählen würde?
  7. Welche meiner Überzeugungen würde ich heute verändern, wenn gute Gründe dafür sprechen?

 

 

 

Selbstbestimmung statt Anti-Spießertum

 

Vielleicht ist das die interessantere Alternative.

Weniger:

„Ich möchte auf keinen Fall spießig sein.“

Mehr:

„Ich möchte bewusst leben.“

Das kann:

  • konventionell
  • unkonventionell
  • oder irgendwo dazwischen

aussehen.

 

 

 

Authentizität braucht weniger Rebellion

 

Wer gegen jede gesellschaftliche Erwartung rebelliert, richtet sein Leben immer noch stark an diesen Erwartungen aus.

Nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Freiheit zeigt sich vielleicht stärker darin, bewusst zu entscheiden:

„Das passt zu mir.“

oder:

„Das passt weniger zu mir.“

unabhängig davon, ob eine Entscheidung gerade als hip oder spießig gilt.

 

 

 

Wenn das beruflich dein Thema ist

 

In Coaching und Sparring kann es beispielsweise um Fragen gehen wie:

  • Wie viel Anpassung braucht eine Organisation?
  • Wo verhindert Konformitätsdruck gute Entscheidungen?
  • Wie bringe ich abweichende Positionen ein?
  • Wie verändere ich etablierte Strukturen?
  • Wie bleibe ich klar, ohne mich unnötig gegen alles zu definieren?

 

 

 

Welcher berufliche Rahmen passt?

 

Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.

Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Kommunikation, Selbstpositionierung oder berufliche Entwicklung geht.

Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.

Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Situation hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.

→ Executive Sparring

→ Business 1:1

 

 

 

Fazit: Spießigkeit beginnt weniger beim Gartenzwerg

 

Das Wort „Spießer“ wird gern für Menschen verwendet, deren Lebensstil wir:

  • langweilig
  • konventionell
  • altmodisch

finden.

Das greift zu kurz.

Ein konventionelles Leben ist weniger automatisch spießig.

Interessanter wird die Haltung dahinter.

Kann ich sagen:

„So möchte ich leben.“

und gleichzeitig:

„Du darfst es anders machen.“

Oder muss aus meiner persönlichen Präferenz eine Regel für andere werden?

Vielleicht liegt genau dort die interessantere Grenze.

Spießigkeit ist weniger die Freude an Ordnung.

Sie beginnt eher dort, wo Ordnung wichtiger wird als Offenheit.

P.S.​

 

Wie steht es mit Fragen oder Kommentaren dazu?

Kaum etwas ist spießiger, als unbedingt nicht spießig zu gelten.

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 3. August 2009
Überarbeitung: 02. Mai 2026

Trump und die Journalisten bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen 

Trump und die Journalisten bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen

Wortgefecht zwischen US-Präsident Donald Trump und CNN-Journalist Jim Acosta bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen
Trump und die Journalisten

Trump und die Journalisten

 

Das Wortgefecht zwischen US-Präsident Donald Trump und CNN-Journalist Jim Acosta bei der Pressekonferenz zu den Kongresswahlen geht durch die Medien. Aus Anlass eines Interviews, das ich hierzu gegeben habe, folgen ein paar Gedanken.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders erklärte am Mittwoch, dass ihm die Akkreditierung für das Weiße Haus wegen absolut inakzeptablem Verhalten entzogen wurde.

 

 

 

Was ist geschehen?

 

Eine verbale Auseinandersetzung bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 7. November 2018 schaukelt sich wegen wiederholter Fragen zum Umgang mit den nahenden Menschengruppen aus Zentralamerika hoch. Als eine Praktikantin des Weißen Hauses dem CNN-Journlisten Acosta daraufhin das Mikrofon abnehmen will, dreht dieser sich weg, hält das Mikrofon fest und stellt Trump eine Frage zu den Russland-Ermittlungen. Später wird die Trump-Sprecherin Sanders erklären, der Journalist hätte die Praktikantin angefasst und das sei absolut inakzeptabel. Im Video erkenne ich davon nichts.

Nach einer kurzen Entgegnung greift Trump Acosta scharf an und sagt unter anderem: „Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.“ Kurz darauf folgt, wegen der angeblichen Verbreitung von „Falschnachrichten“ durch CNN; „Wenn Sie Fake News veröffentlichen, wie es CNN oft macht, dann sind Sie ein Feind des Volkes“. Einige Medien haben diesen Satz allerdings anschließend tatsächlich verfremdet und den ersten Teil unterschlagen. Der vollständige Satz ist zwar nicht schön, doch zumindest etwas vorsichtiger, weil interpretierbar. Oder lese nur ich zwischen den Zeilen, was hier unangemessen ist?

Das Verhältnis von Donald Trump und Presse ist recht speziell und viele halten den Entzug der Akkreditierung für eine Vergeltungsmaßnahme wegen der hartnäckigen Fragen des Journalisten.

 

 

 

Beleidigung?

 

Die Beurteilung, was angemessen ist oder nicht, wird davon bestimmt, wer gefragt wird und welche Interessen eine Rolle spielen. „Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.“ ist keine freundliche Ansprache. „Sie sind ein Feind des Volkes.“ wäre aus meiner Sicht äußerst hart und würde auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein fanatischer Anhänger Trumps dem Journalisten physisch gefährlich wird. Wie ist die Äußerung „Wenn Sie Fake News veröffentlichen, wie es CNN oft macht, dann sind Sie ein Feind des Volkes“ zu beurteilen?

 

 

 

Pressefreiheit

 

Viele Menschen hierzulande mögen Donald Trump nicht und wollen ihn eigenartige Dinge tun sehen. Und die Ausfälle oder zumindest absonderlichen Hinweise lassen sich ohne große Mühe finden. Die einen bewundern die Arbeit aufklärerischer Journalisten, andere fühlen sich darin bestärkt dabei nicht repräsentiert zu werden und geben Trump einen immensen Freiraum. Wer hinsieht, ärgert sich möglicherweise auch über die rüde Art mancher Journalisten und findet das sollte sich niemand gefallen lassen müssen – schon gar nicht das es der Würde eines Amtes entspricht. Wer unbedarft die gesamte Pressekonferenz schaut, darf sich schon über die feindliche Atmosphäre wundern.

Wundern? Na ja, nicht wirklich, denn es ist ja schon sehr viel vorgefallen. Trotzdem ist es schon grenzwertig, wie da miteinander umgegangen wird, in beide Richtungen, oder?

Doch: Die Rolle der Presse, ihre Bedeutung für die Demokratie ist so hoch, dass auch ein US-Präsident sich dem stellen muss. Es braucht ihm nicht zu schmecken, doch wenn er seinem Amt gerecht werden will, erträgt er es mit Respekt, wertschätzt es sogar in seiner Funktion. Das ist bei Trump so leider nicht zu erkennen.

 

 

 

Fake News

 

Regelmäßig reagiert Trump scharf auf die Medien, wenn ihm die Botschaften nicht gefallen. Dann sind es halt Fake News. Trotz Faktencheck, der gegen ihn spricht, kommt er bei seinen Anhängern damit wohl recht gut durch. Wir Europäer (gibt es das überhaupt so einheitlich oder spielen meine Sehnsüchte mir einen Streich?) vergessen leicht, dass er in seinem Land eine große Anhängerschaft hat.

Es wird ihm immer wieder vorgeworfen mit seinen verbalen Angriffen die Sicherheit von Journalisten zu gefährden.

 

 

 

Ja und merkt das den niemand?

 

Als Bill Clinton behauptete „I did not have sexual relations with that woman“, wurde diese Lüge ihm 1998 bei der Lewinsky-Affäre sehr übel genommen und führte zu einem Amtsenthebungsverfahren. Trotz Faktencheck kommt Trump bei seinen Anhängern durch. Er bezeichnet es einfach als Fake News oder jemand nennt erdichtete Beweise alternative Fakten. Trump ist mit dieser Strategie bisher ganz passabel durchgekommen. Seine Anhänger stören sich nicht daran. Doch das Land der ehemals unbegrenzten Möglichkeiten ist gespalten.

 

 

 

 

Fazit

 

Wer an solchen Zuständen nicht interessiert ist unterstützt die freie Meinungsäußerung, ist an Austausch interessiert und hört zu. Es ist leicht, doch auch arrogant, verächtlich nach Washington zu schauen, doch freie Presse, Meinungsaustausch und Demokratie erfordern stetige Anteilnahme und Pflege. Und die Spaltung ist auch in Deutschland zu erkennen. 

P.S.

 

Wie betrachten Sie die Situation, Trumps Umgang mit der Presse und die Bedeutung von Medien insgesamt?

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Erstveröffentlichung des Artikels von Karsten Noack 11. Mai 2007
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