Die Reden von Andrea Nahles und Martin Schulz auf dem SPD-Parteitag

Die Reden von Andrea Nahles und Martin Schulz auf dem SPD-Parteitag

Rhetorik und Körpersprache auf dem Sonderparteitag am 21. Januar 2018 in Bonn
 
Martin Schulz und Andrea Nahles auf dem Sonderparteitag der SPD

SPD-Sonderparteitag: „Die Wähler zeigen uns doch ’nen Vogel!“

 

Die SPD hat auf ihrem Sonderparteitag die Frage diskutiert, ob sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union eintreten soll. In dieser Frage ist die Partei zerrissen, wird es einem Redner gelingen sie wieder zu einigen?

Nein, am Ende stimmte eine knappe Mehrheit von rund 56 Prozent dafür. Ich wurde gebeten, vor der Kamera die Reden von Andrea Nahles und Martin Schulz auf dem Parteitag der SPD zu kommentieren. Da mein Kalender das Interview leider nicht hergab, folgen hier ein paar Anmerkungen dazu.

1. Martin Schulz

 

Parteichef Martin Schulz (62) wirkte eher unsicher und flehend, wobei das an seiner Stimme lag. Heiser und leise beginnt er seine Rede. Stimmlich und körpersprachlich vermittelt er wie gewohnt einen tendenziell eher wenig kraftvollen, angeschlagenen Eindruck.

Menschen in ganz Europa schauten jetzt nach Bonn, sagt er. Doch eine rhetorische Sternstunde folgt nicht. Er blieb in seiner viel zu langen Rede zu abstrakt, schaute zu viel zurück und lieferte keine Orientierung. Das Fehlen unterstützender Mimik und Gestik nimmt all dem Ausdruck und Kraft. Der ausweichende Blick baut so keine Beziehungen auf. Das Publikum wird er so kaum mitnehmen. Der häufige Wechsel des Standbeins wird zumindest unbewusst auf die Zuschauer unsicher wirken. Ein Anführer sieht anders aus.

Er warnt seine Partei vor Neuwahlen und zählt die Erfolge in den Sondierungsverhandlungen auf. Doch seine Körpersprache unterstützt die Warnungen nicht, im Gegenteil. Zögerlich kurz den mahnenden Zeigefinger zu erheben, ist keine eindrucksvolle Gestik. Große Gesten sind bei ihm nicht zu erkennen, er wirkt auf mich eher lustlos.

So bleibt es in den Pausen seiner Rede weitgehend still. Nur, wenn er auf die Gefahr rechter Politik hinweist, wird etwas mehr Klatschen, wohl vor allem von den Gegnern der Großen Koalition, hörbar.

Wird unterstellt, dass er unter besonderer Beobachtung und unter dem Druck der Basis steht, dann hat er die Chance nicht genutzt, sich hier besser zu positionieren. Seinen Einfluss dürfte der Beitrag nicht gedient haben. Er erhält auch nur mäßigen Applaus nach seiner Rede.

2. Andrea Nahles

 

Der SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles (47) gelingt nach wenigen Minuten, was Martin Schulz in seiner langen Rede nicht geschafft hat, zumindest etwas Begeisterung im Saal.

Sie wirkt durchaus authentisch und engagiert. Sie versprach Verhandlungen, „bis es quietscht auf der anderen Seite, alles andere kann ich euch nicht versprechen“. Die emotionale, kämpferische Ansprache passt zum Thema. Inhaltlich und körpersprachlich setzt sie auf kraftvolle Gesten. Wer wie sie Zähne zeigt, will führen. Das kommt gerade auf Parteitagen meist gut an. Allerdings wirkte sie auch so, als wenn ihr bald die Luft ausgeht, sie verausgabt sich zu sehr. Ihr Stimmeinsatz geht über ihre natürliche Grenze hinaus, entsprechendes Stimmtraining würde ihr helfen. Sie muss nur vorsichtig sein, wenn ihre Äußerungen als übertrieben wahrgenommen werden, wirkt das gegebenenfalls verzweifelt und nicht mehr souverän.

Ihre Betonung beim Satz „… die zeigen uns doch ’nen Vogel!“ ist schon recht eigenwillig. So redet im Grunde niemand.

Konzentration auf wenige Themen macht es leichter zu folgen. Die deutlich kürzere Dauer ihres Beitrags ist eine gute Entscheidung. So gelingt es eher, das Publikum mitzunehmen und nicht, wie so oft bei Martin Schulz, auf der Reise zu verlieren.  Anders als Martin Schulz wurde Andrea Nahles begeistert beklatscht.

Wer diesen Auftritt mit früheren vergleicht, erkennt einen Wandel. Sie stellt sich heute deutlich breiter auf.

P.S.

 

Was gibt es bei diesen beiden Reden für die eigenen rhetorischen Fähigkeiten zu lernen?

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #23457
K: CNB
Ü:

Politische Korrektheit (Political Correctness) ist gut gemeint und wird oft missbraucht!

Politische Korrektheit (Political Correctness) ist gut gemeint und wird oft missbraucht!

Wer dem Tabu widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht.
Glossar Rhetorik und Kommunikation - Political Correctness

Politische Korrektheit bzw. Political Correctness

 

Political Correctness? Wer die Definition liefert, nimmt die Deutungshoheit für sich ein. Gut gemeint und doch sehr oft missbraucht; politische Korrektheit richtet mitunter Schaden an. Was sind die Chancen, was die Risiken?

 

Worte sind die Kleidung der Gedanken.

Samuel Jackson

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

Definition Politische Korrektheit

 

Politische Korrektheit (englisch: political correctness) ist ein aus den USA stammendes Schlagwort, das auf die Bedeutung korrekter Sprache, insbesondere hinsichtlich der Vermeidung von Diskriminierung hinweist. Was angebracht ist, bestimmt die öffentliche Meinung.

 

 

 

Redner entscheiden nicht, was politisch korrekt ist

 

Political Correctness (PC) beschreibt, was worüber wie gesagt werden darf. Die Wortwahl hat dabei hohe Brisanz, diffamierende und diskriminierende Ausdrücke brauchen wir nicht. PC ist ein sehr heikler Bereich, der nicht nur im Zusammenhang mit einer Krisensituation besonderes Fingerspitzengefühl erfordert. So deutlich ist nicht jedem Redner die Sprengkraft mancher Formulierungen bewusst. Selbst, wenn die persönlichen Einstellungen moralisch-ethisch bewundernswert sind, unbeabsichtigte und auch aggressive Deutungen jenseits der Absicht sind keine Seltenheit. Auch hier gilt, der Empfänger entscheidet über die Bedeutung der Botschaft. Und ja, es gibt häufig auch unfreundliche Elemente, die sich über eine Gelegenheit der Missdeutung freuen.

 

 

 

Tabu statt Diskussion

 

Sprache wird instrumentalisiert, nicht nur in diktatorische Staaten. Rühre am Tabu, und raus bist du. So wird systematisch versucht, die Meinungsbildung zu wichtigen Themen über die Verwendung bestimmter Benennungen bzw. das Verbot anderer Ausdrücke zu beeinflussen. Ob Sprachregelungen tatsächlich eine so deutliche Auswirkung auf menschliche Denkprozesse und Vorstellungsfähigkeit haben, wie es George Orwell in seinem Buch 1984 beschreibt, ist fraglich. Folgen hat es so oder so.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Tabus. Wer sich über sie hinwegsetzt oder zumindest nicht umfänglich von ihnen distanziert, lernt die Bedeutung von Totschlagargumenten kennen. Wer dem auferlegtem Tabu widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht. Das ursprünglich dem Respekt dienende Prinzip der politischen Korrektheit wird daher gerne dafür missbraucht, um unbequeme Diskussionen möglichst im Keim zu ersticken. Es ist dann mindestens so gewalttätig wie Zensur, es ist einschüchternd, es wirkt.

Wer will schon in die soziale Isolation? Wir Menschen sind soziale Wesen, wer ausgegrenzt wird verhungert emotional. Damit das nicht geschieht, wird oft gegen die eigene Meinung geschwiegen. Abweichende Meinungen werden heutzutage schneller bestraft als abweichendes Verhalten.

Auch nicht schön: Manche lassen sich von bedenklichen Gruppierungen verführen, die unzufriedene Geister für sich instrumentalisieren. Ein guter Nährboden für Extreme.

 

 

 

Maßstab

 

Unsere Meinungen: die Haut, die wir uns umlegen, in der wir gesehen werden wollen, oder in der wir uns sehen wollen; das Äußerlichste.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

Zu manchen Themen ist nur eine Meinung erlaubt. Wer nicht aufpasst, kommt an den Pranger. Der ist heute nicht mehr aus Holz und Eisenketten auf dem Marktplatz, dafür gibt es nun all die vielen bunten Medien, einschließlich Internet.

Die im jeweiligen Umfeld vorherrschende Meinung gibt vor, was richtig und was falsch ist. Verstärkt wird, was dort am besten ankommt. Filterblase und Echokammereffekt sind kein reines Phänomen des Internets. Wer nicht aufpasst, schwimmt schnell nur noch im eigenen Saft. Gefangen in der Schweigespirale. Der Maßstab sorgt dafür, dass wir nicht mehr Angst davor haben eine falsche Meinung zu haben, sondern mit ihr alleine zu sein. Und wer sich vor dem Zorn seines Umfelds fürchtet, schließt sich der freigegebenen Meinung an – selbst, gegen besseres Wissen.

 

 

 

Die Rolle der Medien

 

Beim ausgeprägten Medienkonsum bekommt so mancher eine Gehirnwäsche, sobald die Bequemlichkeit sich zu breit macht. Schließlich sind diese Medien nicht mit der reinen Berichterstattung beschäftigt. Weil die Herausgeber Menschen sind, fließen so oder so Meinungen ein. Darüber hinaus dürfen den Anbietern und Einflussnehmern der Medien eigene Interessen unterstellt werden. Deshalb haben diese eine recht aktive Rolle bei der Meinungsbildung, die leicht unterschätzt wird. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ringen insbesondere Parteien, Verbände und staatliche Einrichtungen um Einfluss. Journalisten sehen sich gerne in der Rolle, in der sie die Wahrheit ans Licht bringen und schützen. Das kann ihnen auch gelingen, doch leicht ist das schon wegen der genannten Faktoren nicht.

 

 

 

Neusprech und Gutdenk

 

Die rein sprachliche Aufwertung ändert noch nichts an den Umständen. Auch die politisch anscheinend korrekten Ersatzausdrücke greifen sich mit der Zeit ab. Die vom Nutzer zumindest insgeheim damit verbundenen Einstellungen färben ab. Weder Sexismus, noch andere Ungerechtigkeiten werden sich alleine durch andere Worte nicht auflösen. Der Grat zwischen verantwortungsvollem Sprachgebrauch und unsinnigen, intoleranten Formulierungen ist schmal.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren nicht nur die Haare länger, sondern auch die Willensbekundung zum offenen Meinungsaustausch lauter. Alles sollte in den wilden Zeiten ausgesprochen und diskutiert, nichts mehr unter den Teppich gekehrt werden. Früher haben radikale Studentinnen ihre BHs verbrannt, heute bestehen sie darauf, dass die Models welche tragen. Provozieren galt mal als Mittel der Aufklärung und der Weiterentwicklung. Doch nach 1968 folgte 1984.

Willkommen in der Welt des George Orwell. Wer die Deutungshoheit hat, bestimmt. Wofür es keine Worte gibt, das denkt sich schwerer. Bei manchen Ideologien wäre dieses Phänomen durchaus wünschenswert. Nur alleine mir fehlt der Glaube, das würde in die richtige Richtung führen. Mich erinnert es eher an Bücherverbrennungen. Es gibt viele Bücher, die ich niemals kaufen würde, doch deswegen verbieten? Und zum Schutz der Behaglichkeit heikle Stellen zu schwärzen, fiele mir auch nicht im Traum ein.

 

 

 

Selbstbeschränkung statt Majestätsbeleidigung

 

Es gab Zeiten, in denen unliebsame Zeitgenossen beim Öffnen des Mundes wegen Majestätsbeleidigung eingesperrt wurden. Heute braucht es für manche Abschreckung keine Gesetze mehr. Die soziale Bestrafung ist abschreckend genug, um den Mut zum Widerspruch erlahmen zu lassen.

Entweder verstecke man seine Meinungen, oder man verstecke sich hinter seine Meinungen.
Wer es anders macht, der kennt den Lauf der Welt nicht oder gehört zum Orden der heiligen Tollkühnheit.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

Tacheles

 

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Politische Korrektheit als Kampfbegriff zu missbrauchen, ist ebenso unanständig. Für Linke ist Politische Korrektheit eine Art Religion, für Rechte Teufelszeug. Oh, darf ich das so schreiben? Absichtliche oder rücksichtslos dummdreiste Verletzung von Menschen, sei es mit Worten oder Taten, ist doch wohl keine ernsthafte Option, oder? Volksverhetzung und Leugnung dunkler Zeiten der Geschichte sind zu recht verboten. Das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern ist barbarisch. Ansonsten bildet die freie Meinungsäußerung einen der Grundpfeiler, auf der wünschenswerte Gesellschaften bauen.

 

 

 

Fazit

 

Achten Sie bei Ihren Beiträgen auf eine angemessene Sprachwahl, damit von Ihrer Botschaft keine unnötige Ablenkung ausgeht. Lernen Sie, wie der unfairen Instrumentalisierung des Prinzips begegnet wird. Fördern Sie die offene und faire Diskussion! Schluss mit übervorsichtigen, inhaltsleeren Floskeln. Das ist so fade und steril wie die Debatten im Bundestag. Sich bei all den vielen Tabus ohne jegliches Anecken krampfhaft berührungslos durchzuschlängeln, geht am besten ohne Profil. Ähnlichkeiten mit zahlreichen öffentlichen Personen sind kein Zufall. Schluss damit!

Demokratie muss auch Widerspruch aushalten. Wir brauchen ergebnisoffene Debatten statt vorgeschriebener Denkschablonen. Utopien im Sinne der Erkundung möglicher Szenarien braucht Freiraum statt Feigheit. Ärmel hoch: Wenn Ihre Argumente gut sind, machen Debatten Sie nur noch besser.

Umfrageergebnisse

 

Über eine politisch korrekte Wortwahl mache ich mir…

%

... häufig Gedanken.

%

... manchmal Gedanken.

%

... keine Gedanken.

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2018. n= 809)

Politische Korrektheit wird häufig missbraucht

%

Ja. oft.

%

Ja, aber nur selten.

%

Nein

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2018. n= 602)

 

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

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Weitere Informationen findest du hier:

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→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
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Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

Kontaktformular

 

 

Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

P.S.

Wie stehen Sie zur politischen Korrektheit?​

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ist sein Gebrauch in der Sprache. Ludwig Wittgenstein

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 30. Dezember 2017
Überarbeitung: 30. Juli 2019
Englische Version:
AN: #67616
K: CNB
Ü:

Kanzlerkandidatenduell am 3. September 2017

Kanzlerkandidatenduell am 3. September 2017

TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz
Kanzlerkandidatenduell am 2. September 2017

Kanzlerkandidatenduell am 3. September 2017

 

Am 24. September 2017 sind Bundestagswahlen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) treffen am Sonntagabend, 2. September 2017, zum ersten und einzigen Mal während des Wahlkampfs aufeinander. Ob diese beiden Politiker wohl schon aufgeregt sind?

 

 

 

Format des TV-Duells

 

Im Vorfeld gab es einigen Ärger rund um das TV-Duell. Merkels Team war Änderungen gegenüber ablehnend. Die Idee, Publikumsfragen einzubeziehen, macht der Kanzlerin keine Freude. Damit hatte sie in der Vergangenheit auch keine guten Erfahrungen gemacht. Wenn nichts Weltbewegendes mehr geschieht, steht das Wahlergebnis der großen Parteien wohl weitgehend fest. Spannend wird es da wohl eher bei den kleinen Parteien. Und da Angela Merkel – aus meiner Sicht – bei einer solchen Fernsehdebatte kaum Stimmen hinzugewinnen, sondern nur verlieren kann, will sie vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen.

Vier Moderatoren der Fernsehsender ARD, ZDF, SAT.1 und RTL sollen nun das Duell moderieren, das von allen Sendern zeitgleich übertragen wird. Von 20:15 bis 21:50 Uhr sollen Sandra Maischberger (Das Erste), Claus Strunz (Sat 1), Peter Kloeppel (RTL) und Maybrit Illner (ZDF) den Kandidaten Merkel und Schulz Fragen zu den wichtigsten Themenbereichen des Wahlkampfs stellen. Es bleibt abzuwarten, wie es den Kandidaten diesmal gelingen wird, unangenehmen Fragen zu begegnen. Überraschungen sind allerdings eher unwahrscheinlich.

 

 

 

 

Vorbereitung der Kanzlerkandidaten

 

Am 31. August 2017 wurde ich für die dpa-Kindernachrichten zum Kanzlerkandidatenduell am Sonntag, 3. September 2017 um 20:15 Uhr befragt: Wie bereiten sich die Kandidaten wohl auf diesen Auftritt vor?

 

 

 

1. Chancen und Risiken des TV-Duells kennen

 

Mit einem solchen TV-Duell sind eine Menge Chancen und Risiken verbunden. Hinterher ist man meist schlauer, doch dann ist es zu spät. Deshalb bereiten sich die Politiker umfangreich darauf vor. Wie genau sie das tun, wird meist nicht verraten. Doch, so wie ich mit meinen Klienten durchspiele, welche Fragen von den Reportern kommen könnten und welche Reaktionen darauf empfehlenswert sind, werden das sicher auch die Kandidaten tun. Das sorgt dafür, dass die Politiker auf viele Fragen eine überlegte Antwort haben, anstatt überrascht und unwissend zu wirken.

 

 

 

2. Sprache

 

Sprachlich wird geübt, in möglichst kurzen Sätzen zu antworten, damit die Zuschauer die Botschaft leichter verstehen und der Sprecher kompetenter wirkt. Das kann die Kanzlerin allerdings nicht so gut. Ihre Sätze sind oft lang. So richtig schnell auf den Punkt kommt Martin Schulz allerdings auch selten.

 

 

 

3. Körpersprache

 

Es geht aber nicht nur darum, was die Politiker sagen. Sehr wichtig ist auch die Körpersprache. Gestik und Mimik sind bei einem Fernsehauftritt noch wichtiger als bei einer normalen Rede. Die Kamera geht gerne sehr nahe heran und offenbart dann widersprüchliche Hinweise auf Emotionen.

Wesentlich ist eine offene Körperhaltung. Wer die Arme vor der Brust verschränkt, wirkt verschlossen und das kommt meistens nicht so gut an. Solchen Menschen wird unterstellt, sich zurückgezogen zu haben und selbst guten Argumenten nicht mehr zugänglich zu sein.

Wo angebracht, sollten die Kandidaten ein ehrliches Lächeln zeigen. Das lässt sie sympathisch und souverän erscheinen. Außerdem lassen sich so gegebenenfalls auch die Zähne zeigen.

Mehr dazu im Artikel Bundestagswahl und Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz.

 

 

 

 

Anmerkungen

 

TV-Duelle von Politikern gibt es in Deutschland seit den 70er-Jahren. Die ersten zwei richtigen Kanzlerkandidatenduelle fanden zwischen Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) 2002 statt. Damals gab es noch zwei Live-Sendungen. Zur Bundestagswahl 2017 findet ein TV-Duell nach 2002, 2005, 2009 und 2013 in diesem Jahr zum fünften Mal statt.

 

 

 

P.S.

 

Welche Bedeutung hat das TV-Duell für Sie?

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

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Bundestagswahl & Körpersprache: Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

Bundestagswahl & Körpersprache: Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

Wie die Kandidaten sich durch ihre Körpersprache verbessern könnten
 
Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz

 

Am 24. September 2017 ist es soweit, die Bundestagswahl 2017 wartet auf Stimmzettelkreuze. In einem Radiointerview der dpa wurde ich am Donnerstag, 24. August 2017 zur Körpersprache der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz befragt.

Politiker stehen immer auf der Bühne. Wer in der Politik mitmischen will, lernt deshalb, die eigene Gestik unter Kontrolle zu halten. Denn je weiter es nach oben geht, desto genauer schauen die Fernseh- und Fotokameras hin – wo möglich sogar hinter den Kulissen.

Das menschliche Gehirn hat es viel leichter visuelle, als verbale Informationen zu verarbeiten. Die meisten Politiker kennen die Bedeutung der Körpersprache. Manchmal gelingt es Politikern, die Symbolkraft der Körpersprache ganz gezielt einzusetzen. Wobei Sternstunden hierzulande momentan noch eher die Ausnahme, als die Regel sind.

Zu Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt es ja schon einige Beiträge von mir. Sie hat die überzeugende Körpersprache ja auch nicht erfunden, doch gelten für sie als Amtsinhaberin und ihren Herausforderer in mancherlei Hinsicht unterschiedliche Maßstäbe. Er müsste sich als Alternative absetzen. Wenn das mal so einfach wäre. Der Ärger auf die Kanzlerin und die Merkel-Müdigkeit sind ziemlich abgeebbt. Sie kann im Amt punkten und er braucht nach dem verpufften Schulz-Effekt das Wunder einer Wechselstimmung. Ihre beste Strategie dürfte in der Beibehaltung ihres Auftretens bestehen.

 

 

 

 

Potenzial bei der Körpersprache von Martin Schulz

 

 

1. Blickkontakt

 

Er neigt dazu abzulesen und wirkt durch die Brille dann etwas oberlehrerhaft. Es mag sich zwar um ein volksnahes Brillenmodell handeln, doch Nähe fördert es nicht. Überhaupt ist sein Blickkontakt oft nicht sehr verbindend, wenn er stattfindet. Genau das sucht das Publikum allerdings, um sich mit jemanden zu identifizieren. Außerdem ist ein sicherer Blick erforderlich für die Glaubwürdigkeit. Wer nicht sicher in die Augen anderer Menschen schauen kann, gilt als unehrlich.

 

 

 

2. Gestik

 

Mal abgesehen von Momenten der Fassungslosigkeit wie bei der Beleidigung durch Silvio Berlusconi im EU-Parlament, hat er sich und seine Gestik meist im Griff. Seine Bewegungen wirken allerdings oft zu kontrolliert und reduziert. Seine Gestik ist zwar ausgeprägter als jene von Frau Merkel, doch wird es bei ihm als Herausforderer anders interpretiert. Besser wäre eine abwechslungsreiche Gestik, die ebenso ausdrucksstarke Bewegungen, Posen und auch souveräne Ruhe beinhaltet.

 

 

 

3. Mimik

 

Im Vergleich zur Bundeskanzlerin spricht sein Gesicht Bände. Das kann er dafür einsetzen, als menschlich wahrgenommen zu werden.

Typisch für ihn ist das Lecken über die Lippen und Muskelspiele rund um den Mund.

 

 

 

4. Stimme

 

Beim Vergleich seiner Stimme im Verlauf von der Ankündigung seiner Kanzlerkandidatur bis heute klingt seine Stimme jetzt häufiger angespannt und mitunter auch müde, überanstrengt. Diese Anspannung überträgt sich auf das Publikum und wirkt nach einer gewissen Zeit auch recht unangenehm. Seine recht eigene Satzmelodie klingt oft sehr aneinanderreihend, als handle es sich um trockene Aufzählungen. Der Inhalt wirkt dadurch weniger bedeutsam und es ist schwerer ihm zu folgen. Es scheint, als wenn er nicht wiedergibt, was ihn wirklich bewegt. Bei der Betonung bleibt seine Stimme oft am Stellen zu weit oben, an denen er eigentlich heruntergehen müsste. So gehen auch ansonsten sprachlich interessante Konstruktionen unter. Es geht unnötig sehr viel mögliche Wirkung verloren.

Mit relativ wenig Aufwand ließe sich die Ausdruckskraft seiner Stimme deutlich steigern.

 

 

 

5. Haltung

 

Gerne führen seine Füße unter dem Tisch ein Eigenleben, das vermittelt Unsicherheit. Martin Schulz neigt zu geschlossenen Körperhaltungen und er wendet sich oft mit Teilen seines Körpers von Gesprächspartnern und Publikum ab. Eine zugewandte, offene Körperhaltung wirkt sympathischer, ehrlicher und überzeugender. In einem weitgehend inhaltsleeren Wahlkampf sind es letztlich die Bilder, die wahrgenommen werden.

 

 

 

5. Dramaturgie und Begeisterung

 

Der Spannungsbogen fehlt bisher. Es gibt bei seinen Auftritten keine ausreichende Steigerung, mit der sich die Begeisterung über das Anfangsniveau aufbauen könnte. Er benötigt mehr Puste und dramaturgische Strategien, die das Publikum mitnehmen.

 

 

 

6. Umgang mit Applaus

 

Es ist auch eine Frage des Respekts, den Applaus des Publikums zu würdigen, anstatt ihn einfach zu übergehen, wie er es oft getan hat. Bei neueren Auftritten hat er sich hier gebessert.

 

 

 

Fazit

 

Ihm hilft, was die Kontroverse fördert, ihn dabei authentisch und begeisternder wirken lässt.

 

 

 

Was hilft und was schadet

 

 

Nachteilige Körpersprache

 

Körpersprache schadet, die den folgenden Eindruck vermittelt.

 

Beispiele:

  • Ängstlichkeit
  • Arroganz
  • Berühren des eigenen Gesichtes
  • Desinteresse
  • Erzwungenes unechtes Lächeln
  • Fehlender Blickkontakt
  • Gefühllosigkeit
  • Falsches Lächeln
  • Handflächen oder gar Hände verbergen
  • Unstimmigkeiten zwischen verbaler Aussage und Körpersprache
  • Kleinermachen
  • Nervöse Bewegungen
  • Rasches und häufiges Augenblinzeln
  • Ruckartige Bewegungen
  • Schutzhaltungen
  • Schwankender Körper
  • Überkreuzen der Arme und andere Versionen geschlossener Körperhaltung
  • Unsicher umherstreifender Blick
  • Zeigefinger auf jemanden richten
  • Zurückweichen im Stand oder Zurücklehnen auf Sitzgelegenheiten

 

 

 

Hilfreiche Körpersprache

 

Beispiele:

  • Abwechslungreiche Stimme
  • Ansteckende Zuversicht
  • Aufrechte Haltung
  • Echtes Lächeln, wo es angebracht ist
  • Sichere ausgeprägte Bewegungen
  • Sicherheit
  • Gelassenheit
  • Offene Handflächen zeigen
  • Offene Körperhaltung

 

 

 

Videos

 

Bilden Sie sich eine eigene Meinung. Körpersprache bietet oft einen breiteren Spielraum bei der Interpretation. Hier ein paar Videos bei YouTube™ (Externe Links):

Umfrageergebnisse

 

Ich wünsche mir lebendigere politische Debatten mit echten Argumenten.

 

%

Stimmt!

%

Etwas!

%

Stimmt nicht!

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (n= 1261)

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

Politische Debatten: Versatzstücke statt Sahnestücke der Rhetorik

Politische Debatten: Versatzstücke statt Sahnestücke der Rhetorik

Nur keine Angriffspunkte liefern

 

Politische Debatten: Versatzstücke statt Sahnestücke der Rhetorik

Politische Debatten in Deutschland

 

Heutzutage arbeiten nicht nur Politiker sehr gerne mit Versatzstücken. Deshalb ähneln sich die Aussagen entsprechend häufig und Überraschungen sind eher die Ausnahme. Wie lässt sich die Debattenkultur fördern.

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

Politische Aussagen aus dem Baukasten

 

Von wegen, Geschichte wird gemacht. Das Auffälligste am Bundestagswahlkampf 2017 ist wohl, dass er im Grunde bisher nicht stattfindet. Es erinnert an Mikado; wer einen Zug macht, rührt möglichst wenig an. Nur keinen Wind machen!

 

 

 

Versatzstücke dominieren politische Reden in Deutschland

 

Im Theater ist ein Versatzstück ein beweglicher und daher beliebig zu versetzender Bestandteil eines Bühnenbildes. Im übertragenen Sinn werden inhaltliche Bestandteile von Reden ebenfalls in mehr oder meist weniger neuem Arrangement verwendet.

Heutzutage arbeiten nicht nur Politiker sehr gerne mit Versatzstücken. Deshalb ähneln sich die Aussagen entsprechend häufig und Überraschungen sind eher die Ausnahme.

 

 

 

Weshalb

 

Gerade in Wahlkampfzeiten sind Wiederholungen an der Tagesordnung. Es hilft den Sprechern, ihre Botschaften möglichst einheitlich zu halten und Fettnäpfchen zu vermeiden.

 

 

 

Eine bewährte Taktik

 

Es handelt sich nicht um eine schöne, doch bewährt Taktik. Wer genauer hinsieht, erkennt, wie beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel so antwortet, dass Polarisierung vermieden wird. Wer nichts sagt, sagt auch nichts Falsches.

Wer tatsächlich mal etwas sagt, muss heutzutage fürchten, dass die Äußerungen zu unwillkommenen Steilvorlagen für die Medien und den politischen Gegner werden. Wir leben nun mal im Zeitalter der sozialen Medien mit Twitter, Facebook und Co. Da kann im Handumdrehen aus ein paar Worten eine Welle der Empörung, ein Shitstorm werden. Und weil die Empfänger über die Bedeutung einer Botschaft entscheiden, kann da schnell aus einer Mücke ein Elefant werden. So wie bei der stillen Post…

 

 

 

Verständlich und schade

 

Es achten Politiker möglichst genau darauf, was sie sagen: Nur keine womöglich irreführenden Metaphern, zweideutigen Bemerkungen oder gar Ironie. Ach was – am besten gleich weitgehend Inhalt vermeiden, das ist sicherer. Das macht die politische Rhetorik ziemlich langweilig und reduziert die Einschaltquoten. Bewegende Debatten sind mittlerweile selten geworden. Zu sehr fürchten sich Politiker vor schmerzhaften Fehltritten.

 

 

 


Es war einmal

 

Politiker wie Franz Josef Strauß oder Herbert Wehner waren selbst im Bundestag kaum zu zügeln. Ihnen gingen die Pferde häufiger durch. Es war schon mitunter heftiger als erlaubt. Und manches war durchaus auch unappetitlich. Doch zumindest wurde heftig debattiert und deshalb mit Interesse das Geschehen beobachtet. Ich vermisse das! Der Meinungsbildung dürfte das zuträglicher sein, als der vorsichtige Aufguss von freigegebenen Versatzstücken.

 

 

 

Schuldig im Sinne der Anklage

 

Heute werden die meisten Reden schon im Vorfeld von Leuten wie mir geglättet, vorsorglich auf mögliche Wirkungen und Auswirkungen hin geprüft und gestaltet. Die Risikobereitschaft ist geringer und die Fallgruben häufig. Bei aller Vorsicht darf eine Rede aber durchaus noch eine relevante Botschaft enthalten.

Umfrageergebnis

 

Ich wünsche mir lebendigere politische Debatten mit echten Argumenten.

%

Stimmt!

%

Etwas!

%

Stimmt nicht!

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2017 und 2018, n= 1905)

Ergänzende Artikel

 

P.S.

 

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Demokratie muss auch Widerspruch aushalten. Wir brauchen ergebnisoffene Debatten statt vorgeschriebener Denkschablonen. Utopien im Sinne der Erkundung möglicher Szenarien braucht Freiraum statt Feigheit. Ärmel hoch: Wenn Ihre Argumente gut sind, machen Debatten Sie nur noch besser.

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Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #371
K:
Ü:

Sommerinterview 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel

Sommerinterview 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel

Tina Hassel und Thomas Baumann interviewten am Sonntagabend, den 16. Juli 2017 Angela Merkel
Die Journalistin Tina Hassel und Thomas Baumann hatten am Sonntagabend, den 16. Juli 2017 ganze 19 Minuten Zeit für das Sommerinterview mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sommerinterview 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel

 

Wer Profil zeigt, bleibt meist nicht lange in der Politik.

Karsten Noack

Sommerinterview

 

Jetzt aber schnell. Die Journalistin Tina Hassel und Thomas Baumann hatten am Sonntagabend, den 16. Juli 2017 ganze 19 Minuten Zeit für das Sommerinterview mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 

 

 

Wie erwartet …

 

Es kam, wie es wohl kommen musste; die Antworten auf die 20 Fragen an die Bundeskanzlerin waren so unspektakulär, wie konsequent. Hatten die beiden Journalisten vor, Merkel aus der Reserve zu locken, vielleicht sogar emotionale Reaktionen erwartet? Dann sind sie kläglich gescheitert. Nichts, was das Zusammentreffen bemerkenswert macht, außer der Umstand, dass es das wieder mal war. Same procedure as last year? Same procedure as every year, James!

Hinsichtlich des Unterhaltungswertes und des Informationsgehaltes mag das traurig stimmen. Es zeigt allerdings erneut, dass die Bundeskanzlerin zu routiniert ist, um sich bei einer solchen Gelegenheit aus ihrer Sicherheit locken zu lassen. Ihre anfängliche Angespanntheit löst sich schnell auf. Sie entscheidet selbst, was sie offenbart. Und das ist, so hat sie sich entschieden, weil für sie bewährt, wenig.

Manche nennen das Vorsichtigkeitsrhetorik und Milchglasscheibenantworten, sprechen vom merkel’schen Nichts-Falsches-sagen-Wollen und der Teflon-Kanzlerin mit Umfragesucht. Für Kritiker ist sie ignorant. Bewunderer staunen, dass sie fast nichts aus der Fassung bringt.

 

 

 

Es funktioniert für Angela Merkel – gibt es etwas zu lernen?

 

Für Ihre Rhetorik bekommt sie keine guten Bewertungen und doch ist sie seit langem im Amt. Wie macht sie das? Sie spricht in einer einfachen Sprache, kennt den Wert des Kommas und erlaubt sich Denkpausen. Die helfen ihr dabei so zu formulieren, dass sie möglichst unangreifbar ist. Ihr bedachtes Reden ist nicht schön anzuhören, doch so findet sie die defensivere, nebulöser Beschreibung. Andere würden sich impulsiver verhalten und damit angreifbar machen. Wer Profil zeigt, bleibt meist nicht lange in der Politik.

Selbst wenn es eine Kehrtwende erfordert, biegt sie gegebenenfalls später die Argumentation gerade. Was nicht passt, wird passend gemacht. Auch da ist sie pragmatisch. Beispiel gefällig?

 

Also zur Obergrenze ist meine Haltung klar, ich werde sie nicht akzeptieren.

Angela Merkel

 

Das hob die CDU-Chefin am Sonntagabend hervor. Die Obergrenze für Flüchtlinge ist eine zentrale Wahlkampfforderung der Christsozialen. Ob es sich damit so verhält wie mit der Pkw-Maut? Im Bundestagswahlkampf 2013 hatte Merkel die Pkw-Maut ebenfalls abgelehnt.

 

Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.

Angela Merkel

 

Im Sommerinterview 2017 erklärte Merkel, sie habe ihr Nein zur Maut damals darauf bezogen, dass die Abgabe Inländer nicht belasten dürfe. Nur unter dieser Voraussetzung wurde die Pkw-Maut umgesetzt. Nun rätseln einige Zweifler, wie sie bei erneuten Zugeständnissen gegenüber der Schwesterpartei diesmal argumentieren wird. Vermutlich wird sie nicht argumentieren, sondern es denjenigen erklären, die es nicht verstanden haben.

 

 

 

Fazit

 

Nicht greifbar sein, das kann sie. Sie verzichtet wohl bewusst darauf, eigene Themen zu setzen. Sie liefert damit zwar keine weiteren Gründe dafür, sie zu wählen, allerdings bietet sie so auch keine Angriffsfläche. Sollte nichts Spektakuläres geschehen, dass auf sie zurückfällt, hat sie große Chancen, dass die Strategie aufgeht. Bisher hat diese Strategie für sie gut funktioniert.

Wer Profil zeigt, bleibt meist nicht lang in der Politik. Karsten Noack

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Demokratie muss auch Widerspruch aushalten. Wir brauchen ergebnisoffene Debatten statt vorgeschriebener Denkschablonen. Utopien im Sinne der Erkundung möglicher Szenarien braucht Freiraum statt Feigheit. Ärmel hoch: Wenn Ihre Argumente gut sind, machen Debatten Sie nur noch besser.

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P.S.

 

Ist an der Behauptung etwas dran?

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel

Kurzprofil der Bundeskanzlerin

Angela Merkel

 

Einst galt sie noch harmlos als „Kohls Mädchen“ und heute ist sie Deutschlands mächtigste Politikerin. Angela Merkel hat sich an der Männerriege der Union vorbei bis zur Spitze gekämpft und dort hält sie sich lange Zeit beharrlich. Manche lieben sie und schätzen sie als abwägend und authentisch, andere halten sie für zaudernd und eher unbeholfen. So oder so; es ist ihr gelungen, ihre Position lange Zeit zu behaupten. Es gibt also etwas zu lernen.

 

 

 

Meilensteine

 

1994 – 1998

Bundesumweltministerin

 

 

1998 – 2000
CDU-Generalsekretärin

 

 

2000

CDU-Vorsitzende

 

 

2005 bis 2017

Bundeskanzlerin

 

 

2007

Aber Demokratie ist nicht immer eine Sache von einsamen Entscheidungen, sondern in der Regel ein Geschäft der Meinungsbildung vieler.

Angela Merkel in einem Interview mit der Berliner Zeitung, berlinonline.de, 7. November 2007

 

Aber Demokratie ist nicht immer eine Sache von einsamen Entscheidungen, sondern in der Regel ein Geschäft der Meinungsbildung vieler.

Angela Merkel in einem Interview mit der Berliner Zeitung, berlinonline.de, 7. November 2007

 

 

2013

Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.

Angela Merkel auf einer Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama am 19. Juni 2013

 

 

2015

Ihrer sachlichen Nüchternheit wird ihr lange Zeit nicht übelgenommen, ihr Beliebtheitswerte bleiben lange erstaunlich hoch. Während der Flüchtlingskrise änderte sich das jedoch. Das Land wird durch ihre Handlungen und Äußerungen gespalten und einige werfen ihr vor maßgeblich zu Belastungen für die EU beigetragen zu haben. Insbesondere hinsichtlich des Brexits sehen manche ihren Beitrag als einflussreich.

Selbst einige Parteimitglieder nahmen ihr zunehmend übler, dass sie Bedenken stets mit einer ihr eigenen Vernebelungstaktik wegzuwischen versuchte, anstatt ihre Politik leidenschaftlich zu vertreten.

Am 31. August 2015 äußerte sie im Hinblick auf die Flüchtlingskrise in Europa und die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland den  Beschwichtigungssatz „Wir schaffen das“ und es wurde über die „neuen Willkommenskultur“ berichtet. Sie wiederholte den später vielfach kritisierten Satz mehrmals, unter anderem beim CDU-Bundesparteitag am 14. Dezember 2015. Der Satz wird zur anhaltenden Provokation und ihre Beliebtheit sinkt.

 

 

2017

Die Bundestagswahlen 2017 waren nicht sehr spannend. Der anfängliche Schulz-Effekt hatte sich schnell wieder beruhigt und es ging ohne Höhepunkte der Wahl am 24. September 2017 entgegen. Den Wahlkampf begleitete ich mit entsprechenden Analysen in Artikeln, Interviews und Veranstaltungen.

Jamaika bis GroKo: Seit der Bundestagswahl war Angela Merkel geschäftsführend im Amt, bis sich mühsame endlich eine Große Koalition (GroKo) gebildet hat.

 

Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen. … wir müssen selber für unsere Zukunft kämpfen, als Europäer, für unser Schicksal.

Angela Merkel nach dem G7-Gipfel in Taormina bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Horst Seehofer in einem Bierzelt in München-Trudering am 28. Mai 2017

 

 

2018

Der Streit mit Parteimitgliedern und der Schwesterpartei wird immer aufreibender. Am 7. Dezember 2018 Abschiedsrede als CDU-Vorsitzende.

 

 

2019

Es sind einige Hinweise zu erkennen, dass Angela Merkel Entlastung verspürt, denn ihre Auftritte wirken etwas lockerer.

 

 

 

Angela Merkel in Zahlen und Daten aus dem Internet

 

  • Geboren: 17. Juli 1954
  • Geburtsort: Hamburg (aufgewachsen in Templin / Brandenburg)
  • Größe: 1,65 m
  • Studium: Promovierte Physikerin
  • Ehepartner: Ulrich Merkel von 1977 bis 1982, Joachim Sauer seit 1998
  • Kinder: –
  • Eigene Homepage: www.angela-merkel.de

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Martin Schulz

Martin Schulz

Kurzprofil
Martin Schulz

Martin Schulz

 

Seit März 2017 führt Martin Schulz die SPD offiziell als Parteichef und nun ist er der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten für die Bundestagswahl 2017. Entsprechend häufig werde ich auf seine Körpersprache und verbale Kommunikation angesprochen. Der anfängliche Schulz-Effekt hat sich beruhigt und es geht der Wahl am 24. September 2017 entgegen. Den Wahlkampf begleite ich mit entsprechenden Analysen in Artikeln, Interviews und Veranstaltungen.

 

Dass es Deutschland heute besser geht als vielen anderen europäischen Staaten, hängt vor allem mit der Agenda 2010 zusammen.

Schulz 2014 zu den Hartz-Reformen des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder

 

Ich bin sowohl gefühlt als auch faktisch der bessere Kandidat.

Schulz 2017 zu seiner Nominierung als Kanzlerkandidat

 

 

 

Vorherige Ämter

 

1987 – 1998
Bürgermeister von Würselen (NRW)

1994 – 2017
Mitglied des Europäischen Parlaments

2014 – 2017
Präsident des Europäischen Parlaments

2017
Kanzlerkandidat der SPD

 

 

 

Martin Schulz in Zahlen und Daten aus dem Internet

 

  • Geboren: 20. Dezember 1955
  • Geburtsort: Hehlrath (heutiges Eschweiler in Nordrhein-Westfalen)
  • Größe: 1,xx m (interessant im Hinblick auf Zusammentreffen)
  • Augenfarbe: blaugrau
  • Schulabschluss: Mittlere Reife (Schulz: „Ich war ein Sausack in der Schule!“)
  • Ehepartnerin: Inge Schulz
  • Kinder: Nico, Linda
  • Eigene Homepage: www.martinschulz.de (nicht online bei Prüfung)

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

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Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

Körpersprachenanalyse Wahlen in Großbritannien - BBC 2. Juni 2017
Körpersprache: Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

Körpersprache: BBC-Fragestunde Theresa May und Jeremy Corbyn

 

Wenige Tage vor den vorgezogenen Parlamentswahlen (Unterhaus) in Großbritannien  am 8. Juni 2017 haben sich Premierministerin Theresa May und ihr Herausforderer Jeremy Corbyn, zum zweiten Mal im Fernsehen den Fragen gestellt. Diesmal fragen die Wähler und der Moderator.

 

I’m sorry this isn’t a debatte.

Jermey Corbyn

 

 

 

 

Question Time

 

In der BBC-Sendung “Question Time“ stellt das Publikum Fragen an Politiker und Experten. Von denen wird dann eine sofortige Antwort erwartet. So auch am Freitagabend, 2. Juni 2017.

Das britische Publikum nimmt hier kein Blatt vor den Mund und so bekommen beide Kandidaten einige durchaus herausfordernde Fragen, auf die sie wohl gerne verzichtet hätten. Beide Kandidaten gehen recht professionell mit dem Gegenwind um, der ihnen entgegenweht. Wobei Corbyn etwas besser mit dem Druck umgeht. Selbst wenn er direkt angegangen und unterbrochen wird, bleibt er weitgehend entspannt und lächelt.

Als die Wahl ausgerufen wurde, konnte May Umfragen zufolge noch mit einer großen Mehrheit rechnen. Nach der jüngsten Umfrage verliert ihre konservative Partei – nun eine Woche vor der Abstimmung – weiter an Boden und die Wahl wird für die konservative Partei zur Zitterpartie. Für die absolute Mehrheit sieht es gegenwärtig schlecht aus. So wurde Premierministerin Theresa May gefragt, ob sie es bedaure, diese Wahl beantragt zu haben, jetzt wo die Umfragen für sie ungünstiger werden. Daraufhin May lacht für einen Moment und wirkt dabei nervös: „Na ja, sie mache ja schon ziemlich lange Politik.“

May hat es am schwersten bei den sozialen Themen. Jeremy Corbyn hat es schwer bei wiederholten Nachfragen zum Einsatz von Atomwaffen und beim Thema IRA.

Sowohl mit Herausforderer als auch Herausgeforderter wird Großbritannien den Brexit machen. Beide versicherten wiederholt ein gutes Verhandlungsergebnis mit Brüssel anzustreben. Klare Aussagen zum Vorgehen machten beide bisher nicht.

 

 

 

 

Körpersprache und Wirkung

 

Keine Debatte: Beide wenden sich nicht zueinander, sondern nacheinander dem Publikum und Moderator zu. May vermeidet das sonst möglichst, managt das hier jedoch.

Angesprochen auf “being a bloody difficult woman“, eine Phrase, mit der May selbst ihre Vergangenheit beschrieb, weist ihre Körpersprache darauf hin, das sie sich selbst bei diesem Bild unwohl fühlt. Ihre Mimik zeigt kurz Hinweise auf Missbilligung oder Schmerz. Eine Interpretationsmöglichkeit ist, dass sie Wert darauf legt gemocht zu werden.

Insgesamt dominieren bei May die typischen Gesten, die viele Politiker verwenden. Sie hat hier einige Erfahrungen gemacht. Beispielsweise legt sie häufiger ihren Daumen an den Zeigefinger. Die Absicht ist dabei meist, aggressive Gesten zu vermeiden. Viele ihrer Gesten beinhalten offene Handflächen, die einladend und offen wirken. Insgesamt macht sie einen starken und gut vorbereiten Eindruck- Manche Zuschauer werden dadurch allerdings etwas Menschlichkeit vermisst haben. Ihre Antworten, wie „es gibt keinen magischen Geldbaum“, können leicht als hartherzig interpretiert werden.

Corbyn wirkt etwas wärmer als May. Er setzt deutlich ausgeprägtere und weniger geschliffene Gesten ein. Je nach Sichtweise wirkt das natürlicher oder unsicher übertrieben. Corbyn hat hier vermutlich bisher keine prägende Schulung erhalten.

 

 

 

Fazit

 

Beide Redner sind weitgehend authentisch, Aussagen und Körpersprache weisen keine spektakulären Unstimmigkeiten auf. Theresa May hat sich um eine Nasenlänge besser präsentiert als Jeremy Corbyn.

 

 

 

Aufzeichnungen

 

Damit Sie sich eine eigene Meinung bilden können, finden Sie hier Videos (externe Links) der Sendung:

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum, die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum, anhand der Beispiele zu erkennen, was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

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Es ist natürlich reine Spekulation das Donald Trump mit seinem Verhalten etwas kompensieren möchte. Allerdings spricht so einiges dafür.

Ich schätze die meisten Menschen stimmen mir zu, dass Trump als Alpha Männchen betrachtet werden möchte. Und tatsächlich brauchen wir uns auch nur die Körpersprache anzuschauen, um sehr viele Hinweise darauf zu finden. Hier nun die Analyse der Körpersprache Donald Trumps beim Zusammentreffen mit Emmanuel Macron, Angela Merkel, Dusko Markovic bei all den Handschlägen während des NATO-Gipfels.

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Donald Trump hat sich am 26. Mai 2017 bei seinem Besuch in Brüssel erneut als verlässlicher Themenlieferant erwiesen. Für die Live-Sendungen Der Tag in Deutsch und The Day in Englisch kommentiere ich seine Körpersprache beim Zusammentreffen mit Angela Merkel, Emmanuel Macron, Duško Marković und anderen politischen Vertretern.

Und was sagt Donald Trumps Körpersprache zu all dem? Die Moderatoren fragen und ich antworte als Experte für Körpersprache. Erst auf Deutsch und später auf Englisch. Gesendet wird heute (26. Mai 2017) auf Deutsche Welle Deutsch ab 21:00 Uhr und Deutsche Welle Englisch ab 22:30 Uhr.

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 1. März 2015
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #23457
K: CNB
Ü:

Handshake & Körpersprache: Was ein Handschlag wirklich verrät

Handshake-Gates: Was ein Handschlag wirklich über Wirkung, Macht und Körpersprache verrät

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Handshake-Gates

Handshake-Gates: Was ein Handschlag wirklich über Wirkung, Macht und Körpersprache verrät

 

Ein Handschlag dauert oft nur wenige Sekunden.

Und trotzdem kann anschließend lange darüber gesprochen werden.

Besonders dann, wenn:

  • Staatschefs
  • Vorstände
  • Unternehmer
  • andere öffentliche Personen

vor Kameras aufeinandertreffen.

Dann wird plötzlich analysiert:

Wer zog wen zu sich?

Wer ließ zuerst los?

Wer blickte wohin?

Wer hatte angeblich die Oberhand?

Solche Szenen sind faszinierend.

Nur lohnt sich Vorsicht.

Ein Handschlag kann Wirkung erzeugen. Er ist jedoch kein zuverlässiger Persönlichkeitstest und keine geheime Sprache mit festen Übersetzungen.

 

 

 

Warum Handschläge so viel Aufmerksamkeit bekommen

 

Begrüßungen sind kurze soziale Übergänge.

In wenigen Sekunden werden:

  • Distanz
  • Nähe
  • Rollen
  • Aufmerksamkeit

koordiniert.

Gerade bei öffentlichen Begegnungen kommt noch etwas hinzu:

Die Begrüßung wird beobachtet.

Dann ist sie nicht nur eine Interaktion zwischen zwei Menschen.

Sie wird auch:

zum medialen Bild.

Und dieses Bild wird anschließend interpretiert.

 

 

Donald Trump und die „Handshake-Gates“

 

Der Begriff „Handshake-Gates“ bekam besonders viel Aufmerksamkeit durch öffentliche Begegnungen Donald Trumps während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident.

Medien diskutierten beispielsweise:

  • den langen Handschlag mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe
  • die Begegnung mit Emmanuel Macron
  • die Szene mit Angela Merkel im Weißen Haus
  • weitere ungewöhnlich wirkende Begrüßungen

Viele Beobachter interpretierten diese Situationen als:

Dominanzverhalten.

Das kann eine plausible Interpretation sein.

Es ist jedoch wichtig, zwischen:

beobachtbarem Verhalten

und:

zugeschriebener Absicht

zu unterscheiden.

 

 

 

Was wir beobachten können

 

Beispielsweise:

  • Ein Handschlag dauert ungewöhnlich lange.
  • Eine Person zieht die andere näher heran.
  • Eine zweite Hand wird zusätzlich eingesetzt.
  • Der Körperabstand verändert sich.
  • Eine Person löst den Kontakt zuerst.

Das sind:

Beobachtungen.

Etwas anderes sind Aussagen wie:

„Er wollte ihn bewusst demütigen.“

Oder:

„Sie hatte Angst.“

Das sind:

Interpretationen.

Sie können stimmen.

Sie müssen es nicht.

 

 

 

Körpersprache funktioniert nicht wie ein Wörterbuch

 

Eine alte Vorstellung von Körpersprache lautet:

Eine bestimmte Geste bedeutet immer dasselbe.

Zum Beispiel:

Handfläche unten = Dominanz.

Blick zur Seite = Unsicherheit.

fester Griff = Selbstvertrauen.

So einfach funktioniert nonverbale Kommunikation nicht.

Die Bedeutung hängt unter anderem ab von:

  • Situation
  • Kultur
  • Beziehung
  • individuellem Verhalten
  • vorhergehenden Ereignissen
  • anderen gleichzeitig auftretenden Signalen

Ein einzelnes Signal erlaubt selten eine eindeutige psychologische Diagnose.

 

 

 

Was ein fester Handschlag tatsächlich sagen kann

 

Es gibt Forschung dazu.

Eine bekannte Studie untersuchte Handschläge von 112 Personen.

Dort zeigten sich Zusammenhänge zwischen bestimmten Eigenschaften des Handschlags und Persönlichkeitsmaßen.

Ein festerer Handschlag hing beispielsweise zusammen mit:

  • mehr Extraversion
  • mehr emotionaler Ausdrucksstärke
  • weniger Schüchternheit

Das ist interessant.

Es bedeutet jedoch nicht:

Aus einem festen Handschlag lässt sich zuverlässig Persönlichkeit ablesen.

Eine einzelne Studie mit begrenzter Stichprobe liefert:

keinen universellen Körpersprache-Code.

 

 

 

Ein Handschlag beeinflusst erste Eindrücke

 

Ein Handschlag kann trotzdem Wirkung haben.

Menschen bilden erste Eindrücke sehr schnell.

Dazu tragen viele Informationen bei.

Zum Beispiel:

  • Blickkontakt
  • Stimme
  • Haltung
  • Distanz
  • Bewegung
  • Berührung

Der Handschlag ist:

ein Teil dieses Gesamtbildes.

In experimentellen Untersuchungen wurden soziale Begegnungen mit Handschlag teilweise positiver bewertet als vergleichbare Begegnungen ohne Handschlag.

Das zeigt:

Begrüßungsrituale können soziale Wahrnehmung beeinflussen.

Es zeigt nicht:

Ein bestimmter Handschlag verrät den Charakter eines Menschen.

 

 

 

Blickkontakt und Timing gehören zur Begrüßung

 

Ein Handschlag beginnt nicht erst:

wenn sich die Hände berühren.

Neuere Forschung zeigt, wie fein Begrüßungen koordiniert werden.

Bevor Menschen die Hand reichen, entstehen häufig:

  • Blickkontakt
  • Annäherung
  • eine erkennbare Bewegung der Hand

Wenn eine ausgestreckte Hand kommt, bevor die soziale Aufmerksamkeit hergestellt wurde, dauert die Reaktion des Gegenübers länger.

Das ist interessant, weil es zeigt:

Begrüßung ist ein gemeinsamer Abstimmungsprozess.

Nicht nur:

eine einzelne Geste.

 

 

 

Dominanz: eine verführerisch einfache Erklärung

 

Bei öffentlichen Handschlägen wird besonders gern über:

Dominanz

gesprochen.

Zum Beispiel:

„Wer zieht, dominiert.“

„Wer oben liegt, führt.“

„Wer zuerst loslässt, verliert.“

Solche Regeln klingen:

präzise.

Genau das macht sie attraktiv.

Nur fehlt für viele dieser universellen Regeln:

eine belastbare wissenschaftliche Grundlage.

 

 

 

Macht kann trotzdem sichtbar werden

 

Das bedeutet nicht:

Macht spiele in Begrüßungen keine Rolle.

Rollen, Status und Beziehung beeinflussen soziale Interaktionen durchaus.

Eine Person kann bewusst:

  • mehr Raum einnehmen
  • Nähe herstellen
  • Distanz verweigern
  • einen Kontakt verlängern

Entscheidend ist:

Wir sollten Verhalten beschreiben, bevor wir ihm eine eindeutige Absicht zuschreiben.

 

 

 

Der Handschlag zwischen Donald Trump und Shinzo Abe

 

Bei der viel diskutierten Begegnung mit Shinzo Abe fiel besonders auf:

  • die ungewöhnliche Länge des Handschlags
  • wiederholtes Heranziehen
  • zusätzliche Berührungen mit der zweiten Hand

Das wirkte für viele Beobachter:

ungewöhnlich und asymmetrisch.

Darüber lässt sich sprechen.

Vorsichtiger wäre ich dagegen mit Aussagen wie:

„Abe wollte nur noch fliehen.“

Oder:

„Sein Blick beweist Unsicherheit.“

Aus einer kurzen öffentlichen Szene lässt sich ein innerer Zustand nicht zuverlässig rekonstruieren.

 

 

 

Donald Trump und Emmanuel Macron

 

Auch die Begegnungen zwischen Donald Trump und Emmanuel Macron wurden medial als:

Handschlag-Duell

beschrieben.

Beide hielten den Kontakt deutlich sichtbar fest.

Das ergab Bilder, die sich hervorragend:

als Machtkampf erzählen ließen.

Vielleicht war Macht tatsächlich Teil dieser Interaktion.

Interessant ist jedoch noch etwas anderes:

Sobald ein bestimmtes Deutungsmuster etabliert ist, werden spätere Szenen durch genau dieses Muster betrachtet.

Aus:

„Das ist ein ungewöhnlicher Handschlag.“

wird schnell:

„Wer gewinnt diesmal?“

 

 

 

Wenn die Geschichte die Wahrnehmung steuert

 

Medien brauchen:

  • erkennbare Muster
  • Konflikte
  • Geschichten

Ein „Duell der Handschläge“ ist erzählerisch stärker als:

„Zwei Politiker begrüßten sich ungewöhnlich.“

Dadurch kann eine Interpretation:

immer größere Sicherheit bekommen, obwohl die zugrunde liegende Beobachtung gleich bleibt.

Genau deshalb lohnt es sich:

Beobachtung und Erzählung auseinanderzuhalten.

 

 

 

Angela Merkel und der vermeintlich verweigerte Handschlag

 

Auch die Begegnung zwischen Angela Merkel und Donald Trump im Weißen Haus wurde intensiv interpretiert.

Auf Bildern beziehungsweise Videos wirkte es so, als werde eine Aufforderung zum Handschlag:

nicht aufgegriffen.

Ob das:

  • Absicht
  • Missverständnis
  • akustisches Nichtverstehen
  • eine spontane Situation

war, lässt sich allein aus der beobachteten Szene nicht sicher bestimmen.

Die öffentliche Wirkung war trotzdem real.

Und genau das ist für Kommunikation entscheidend.

 

 

 

Wirkung und Absicht sind zwei verschiedene Fragen

 

Eine Person kann etwas:

nicht beabsichtigen.

Es kann trotzdem:

eine Wirkung erzeugen.

Bei öffentlichen Auftritten ist deshalb hilfreich, beide Ebenen zu betrachten.

 

Absicht

Was wollte die Person vermutlich vermitteln?

 

Wirkung

Wie wurde das Verhalten wahrscheinlich wahrgenommen?

Für professionelle Kommunikation ist die zweite Frage häufig:

mindestens ebenso wichtig.

 

 

 

Kulturelle Unterschiede beim Handschlag

 

Begrüßungsrituale unterscheiden sich zwischen:

  • Kulturen
  • Regionen
  • Generationen
  • beruflichen Kontexten

Das betrifft beispielsweise:

  • Stärke des Griffs
  • Dauer
  • Blickkontakt
  • Körperabstand
  • Einsatz einer zweiten Hand

Deshalb ist gefährlich:

das eigene Begrüßungsverhalten zum universellen Standard zu erklären.

 

 

 

Bill Gates und die Hand in der Hosentasche

 

Ein älteres Beispiel zeigt das gut.

Bill Gates begrüßte die damalige südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye und ließ dabei seine andere Hand in der Hosentasche.

In Teilen der südkoreanischen Öffentlichkeit wurde die Szene als:

respektlos

wahrgenommen.

Vielleicht war Gates‘ Absicht:

Lockerheit.

Vielleicht dachte er überhaupt nicht darüber nach.

Für die kommunikative Wirkung gilt trotzdem:

Absicht allein entscheidet nicht darüber, wie eine Geste verstanden wird.

 

 

 

Die Empfänger entscheiden nicht allein über die Bedeutung

 

Meine frühere Formulierung lautete:

„Die Empfänger entscheiden über die Bedeutung einer Botschaft.“

Heute würde ich sie präziser formulieren.

Bedeutung entsteht im Zusammenspiel von:

  • Absicht
  • Verhalten
  • Kontext
  • kulturellen Erwartungen
  • Interpretation des Gegenübers

Der Empfänger besitzt also:

großen Einfluss auf die Wirkung.

Er entscheidet jedoch nicht völlig frei über:

die objektive Bedeutung oder Absicht.

 

 

 

Warum Körpersprache trotzdem wichtig ist

 

Wenn einzelne Gesten keine festen Bedeutungen besitzen, könnte die Frage entstehen:

Warum überhaupt auf Körpersprache achten?

Weil nonverbales Verhalten:

Wirkung erzeugt.

Menschen bilden Eindrücke.

Sie interpretieren.

Sie reagieren.

Und manchmal reagieren sie sogar auf:

eine Interpretation, die fachlich wenig belastbar ist.

Das macht Körpersprache nicht bedeutungslos.

Es macht ihre Interpretation:

anspruchsvoller.

 

 

 

Eine falsche Interpretation kann reale Folgen haben

 

Angenommen, jemand interpretiert deinen Handschlag als:

arrogant.

Vielleicht war er gar nicht so gemeint.

Die Interpretation kann trotzdem:

die weitere Beziehung beeinflussen.

Das gilt besonders bei:

  • ersten Begegnungen
  • Verhandlungen
  • öffentlichen Auftritten
  • hohen Hierarchieebenen

Deshalb lohnt sich:

Wirkungsbewusstsein ohne Körpersprache-Aberglauben.

 

 

 

Wie sieht ein guter Handschlag aus?

 

Eine starre Universalformel braucht es nicht.

Für viele westlich geprägte berufliche Situationen funktioniert:

  • eine natürliche Annäherung
  • vorheriger Blickkontakt
  • ein gut wahrnehmbares Handangebot
  • angemessener Griff
  • kurze Dauer
  • passender Abstand

gut.

Entscheidend ist:

Die Begrüßung sollte für beide Seiten leicht koordinierbar sein.

 

 

 

Mehr Kraft ist nicht automatisch mehr Präsenz

 

Ein besonders starker Griff wird manchmal empfohlen, um:

Selbstbewusstsein

zu demonstrieren.

Das kann schnell:

überzogen wirken.

Ein Handschlag ist keine Kraftprobe.

Souveränität entsteht weniger dadurch:

den anderen körperlich zu beeindrucken.

Stärker ist:

aufmerksam, klar und angemessen in Kontakt zu treten.

 

 

 

Was ist mit der berühmten „Oberhand“?

 

In Körpersprache-Ratgebern wird häufig behauptet:

Wer beim Handschlag seine Hand oben positioniert, übernimmt Dominanz.

Solche Regeln würde ich nicht überbewerten.

Handpositionen entstehen aus:

  • Körpergröße
  • Annäherungswinkel
  • Bewegungsablauf
  • Gewohnheiten
  • Situation

Ein einzelner Winkel beweist:

keine Machtbeziehung.

 

 

 

Die zweite Hand

 

Manchmal wird die freie Hand eingesetzt.

Zum Beispiel:

  • auf dem Handrücken
  • am Unterarm
  • am Oberarm

Das kann als:

  • warm
  • vertraut
  • vereinnahmend
  • dominant

erlebt werden.

Welche Wirkung entsteht, hängt stark davon ab:

wie vertraut die Beteiligten bereits miteinander sind.

 

 

 

Nach Corona ist der Handschlag weniger selbstverständlich

 

Die COVID-19-Pandemie hat Begrüßungsgewohnheiten verändert.

Auch heute ist es sinnvoll, nicht automatisch davon auszugehen:

dass jede Person einen Handschlag möchte.

Das gilt auch unabhängig von Infektionsschutz.

Kulturelle, persönliche oder gesundheitliche Gründe können eine Rolle spielen.

Souveränität bedeutet deshalb ebenfalls:

eine andere Begrüßungsform ohne Irritation akzeptieren zu können.

 

 

 

Was tun, wenn jemand keine Hand gibt?

 

Interpretieren solltest du zunächst wenig.

Vielleicht gibt es:

  • gesundheitliche Gründe
  • kulturelle Gründe
  • persönliche Gewohnheiten
  • eine missverständliche Situation

Ein kurzer Gruß genügt.

Aus einer nicht angenommenen Hand sofort auf:

Ablehnung oder Respektlosigkeit

zu schließen, wäre unnötig.

 

 

 

Was tun bei einem unangenehm starken Griff?

 

In der Regel:

keinen Machtkampf daraus machen.

Du musst die Kraft nicht spiegeln.

Bleib:

  • aufrecht
  • ruhig
  • präsent

und löse die Begrüßung normal.

Ein Handschlag muss nicht gewonnen werden.

 

 

 

Was tun, wenn dich jemand zu sich zieht?

 

Auch hier hilft:

Stabilität statt Gegenangriff.

Halte deinen Stand.

Bewahre einen angemessenen Abstand.

Und vermeide, aus der Begrüßung:

einen Wettbewerb zu machen.

Professionelle Präsenz zeigt sich nicht darin:

jede Dominanzgeste zurückzugeben.

 

 

 

Öffentliche Begrüßungen verdienen Vorbereitung

 

Bei wichtigen öffentlichen Begegnungen werden selbst kleine Momente:

fotografiert, gefilmt und kommentiert.

Das betrifft:

  • Politik
  • Vorstände
  • Unternehmer
  • Medienauftritte

Deshalb kann es sinnvoll sein, sich vorher Gedanken zu machen:

  • Wer begrüßt wen?
  • Wo stehen Kameras?
  • Welche kulturellen Besonderheiten gibt es?
  • Wie wird anschließend weitergegangen?

Das ist keine künstliche Inszenierung.

Es ist:

professionelle Vorbereitung.

 

 

 

Executive Presence zeigt sich nicht an einem perfekten Handschlag

 

Ein Handschlag kann einen ersten Eindruck beeinflussen.

Executive Presence entsteht jedoch nicht durch:

eine einzelne Technik.

Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von:

  • Klarheit
  • Haltung
  • Stimme
  • Körpersprache
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Verhalten über Zeit

Deshalb halte ich wenig von:

„Mit diesem Handschlag wirkst du sofort dominant.“

Das ist Körpersprache als Trick.

Interessanter ist:

Passt deine Begrüßung zu deiner Rolle, deiner Botschaft und der Situation?

→ Executive Presence: souverän wirken und führen

 

 

 

Fünf Fragen zur Analyse öffentlicher Körpersprache

 

  1. Was kann ich tatsächlich beobachten?
  2. Was interpretiere ich bereits?
  3. Welche anderen Erklärungen sind möglich?
  4. Welche Rolle spielen Situation und Kultur?
  5. Welche Wirkung könnte das Verhalten trotzdem erzeugen?

Diese fünf Fragen helfen:

zwischen sorgfältiger Beobachtung und Körpersprache-Orakel zu unterscheiden.

 

 

 

Unterstützung bei wichtigen Auftritten und Begegnungen

 

Bei Situationen mit hoher Sichtbarkeit können auch scheinbar kleine Details relevant werden.

Zum Beispiel:

  • Begrüßung
  • Position im Raum
  • Blickkontakt
  • Übergänge
  • gemeinsame Fotos
  • erste und letzte Momente eines Auftritts

Im Coaching oder Sparring können wir solche Situationen realistisch durchgehen.

Dabei geht es nicht darum:

Körpersprache-Tricks auswendig zu lernen.

Es geht darum:

bewusst, stimmig und handlungsfähig aufzutreten.

→ Präsenz und Wirkung entwickeln

 

 

 

Welcher berufliche Rahmen passt?

 

Das Ziel bestimmt den Inhalt. Rolle, Verantwortung und Tragweite bestimmen den Rahmen.

Für Fach- und Führungskräfte unterhalb unternehmerischer Gesamtverantwortung kann BUSINESS 1:1 passend sein, wenn es um Körpersprache, Auftreten und wiederkehrende berufliche Situationen geht.

Geschäftsführer, Vorstände, Inhaber, geschäftsführende Gesellschafter und Personen mit vergleichbarer unternehmerischer Gesamtverantwortung arbeiten mit mir grundsätzlich im EXECUTIVE SPARRING.

Bei anderen Fach- und Führungskräften erfolgt die Zusammenarbeit ebenfalls im EXECUTIVE SPARRING, wenn eine konkrete Begegnung oder ein Auftritt hohe berufliche, wirtschaftliche, strategische oder öffentliche Tragweite besitzt.

→ Executive Sparring

→ Business 1:1

 

 

 

Fazit: Der Handschlag wirkt – doch er verrät weniger, als viele behaupten

 

Ein Handschlag kann:

  • einen ersten Eindruck beeinflussen
  • eine Begegnung strukturieren
  • öffentlich symbolisch aufgeladen werden

Er kann auch:

unangenehm, respektvoll, vertraut oder ungewöhnlich wirken.

Was er nicht zuverlässig kann:

den Charakter eines Menschen in wenigen Sekunden offenlegen.

Gerade öffentliche „Handshake-Gates“ zeigen deshalb zwei Dinge gleichzeitig.

Erstens:

Kleine nonverbale Momente können große Wirkung bekommen.

Zweitens:

Die Geschichten, die wir daraus machen, sind oft sicherer als unsere tatsächlichen Informationen.

Körpersprache verdient Aufmerksamkeit. Sie verdient ebenso Zurückhaltung bei eindeutigen Deutungen.

P.S.​

 

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 22. Mai 2017
Überarbeitung: 10. November 2026